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Der Sithentr Snzeia« erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags.

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pchtichelttoato:

Srantfiut a. M. 11685

Erstes Blatt

Niürvoch, 8. September 1920

(70. Jahrgang

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GletzenerAnzeiger

TX^ Hauptschnftletter: Aug.

General-Anzeiger für Gberheffen ZZW

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Drud nnö Verlag: Brühl'fche Univ.-Vuch- rrvö Stemtrutferei H. Lange. §chnftlettn»g, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulsttahe 7. sämtlich in Gießen.

Die neue Sozialdemokratie.

Em Berliner Mitarbeiter schreibt uns:

Während diese Zeilen geschrieben werden, bewegt sich wieder eine endlos lange, rote De-- monstrationsschlange durch die Straßen Ber­lins. Die sozialistische Jugend demonstriert unter heftigem Fahnenschwenken für irgend etwas, wie es scheint, für die konfessionslose Schule. Die Gelegenheit wird aber benutzt, um gleichzeitiafür Moskau Stimmung zu machen. Alle drei Minuten schreien die Halbwüchsigen bis hinunter zu den Hosenmatzen: Nieder mit der Bourgeoisie! Hoch die Sowjets! Fort mit der Demokratie! Es lebe die dritte Internatio­nale! Die Führer dieses Kinderkreuzzuges haben offenbar aus den Enthüllungen des Sozialisten Dittmann und aus den Verhand­lungen des Parteitags der Unabhängigen nichts gelernt. Oder doch, das beste, was sie jetzt wissen, dürfen sie, wies in Goethes Faust heißt, den Buben doch nicht sagen. Die sozia­listische Jugend wird weiter mißleitet. Die erwachsenen Sozialisten allerdings müssen sich jetzt notgedrungen auseinandersetzen. Die Kommunisten und Unabhängigen tun dies, in­dem sie sich gegenseitig Philistertum und Rück­schrittlichkeit vorwerfen. Es wirkt fast drollig. In einem Artikel der kommunistischenRo­ten Fahne" ist zu lesen: Die Hah- tung, die die Dittmann-Crispien an­gesichts der Leiden des russischen Prole­tariats einnähmen, enthülle dem denkenden Arbeiter nur eines, nämlich daß er in diesen Führern dieselben Gewerkschafts- und Partei­sekretäre vor sich habe, die vor 15 Jahren die russische Revolution schon ebenso mit der Philisterelle gemessen haben, wie sie heute damit messen, ängstlich, feige Seelen,

die.....usw. Und in der unabhängi­

genFreiheit" schreibt der sonst s-o ultraradikalc Sepp Oerter:Unsere Partei wird, und das wird das Gute sein, was uns jetzt Moskau beschert hat, als revo­lutionäre, sozialistische Partei die Scheide­linie zwischen sich und der Kommunistischen Partei, als einer spießbürgerlichen und daher reaktionären Partei, strenger als bisher zie­hen müssen." Damit ist also schon der große Bruch, die Sezession innerhalb der unabhän- oigen Sozialdemokratie angekündigt. Die Däumig, Levi, Braß und Stöcker werden zu den Kommunisten überlaufen und deren Schlachtreihe, wenn auch unerheblich, ver­stärken Die Crispien, Hilferding, Ledebour, Dittmann werden fünftiß einegereinigte" Partei befehligen, was wiederum nach rechts hin auf die alte Mehrheitssozialdemokratie nicht ohne Einfluß bleiben wird. Werden sich jetzt die beiden feindlichen Brüder wieder nähern? Indem die Unabhängigen von Mos­kau, dem Bolschewismus und Sowjetsystem, enttäuscht abrücken, haben sie ihre Anschau­ungen doch sehr dem Standpunkt der alten Sozialdemokratie angeglichen. Umgekehrt macht sich in der Meh'rheitssozialdemokratie schon seit einiger Zeit eine radikale Strö­mung bemerkbar, die allerdings nur eine von einigen Führern hervorgerufene Wellenbe­wegung darstellt, die nicht in die Tiefe der Massen geht. Scheidemanns Zua nach links ist nichts anderes als wohlberechnete Taktik. Sie will das Abströmen der Parteigenossen in das Laaer der Unabhängigen verhindern und sie will den etwaigen künftigen Anschluß, die mögliche Versöhnung vorbereiten. Aus demselben Grunde hat die Mehrheitssozial­demokratie die Frage des Erfurter Programms auf die Tagesordnung ihres im Oktober stattfindenden Kasseler Par­teitages gesetzt. Als Material legt sie dem Parteitag eine Sammlung von sechs und- ^wanzigGutachten vor, die» in den näch­sten Tagen im Verlag der Buchhandlung Vorwärts" (Das Programm der Sozial­demokratie. Vorschläge für seine Erneue­rung") erscheinen wird. Die Gutachten sind nach Anlage und Wert sehr verschieden. Zum "il beschränken sie sich auf einzelne Mnkte des Programms, zu denen sie bestimmte Abänderungsvorschläge machen, zum Teil geben sie allgemeine theo­retische Erörterungen, ohne zu praktischen Er- gebnissen zu gelangen. Sie richten sich in gleicher Weise gegen den allgemeinen Teil wie 8vgen den speziellen und verlangen, daß an stelle der Allgemeinheiten und Unklarheiten oes frühereil Programms konkrete Forde run- gen gesetzt werden. Darin stimmen sie fast wmtlich überein, daß die Erfurter Formulie- rungen zum Teil erfüllt, zum Teil veraltet, zum Teil infolge der Weimarer Verfassung ge- genstandsllos find. Was bei der Kritik dieser e herauskommen wird, läßt sich heute uoch nicht sagen. Die Unabhängigen werden natürlich ebenso dazu Stellung nehmen müs- len, nne die Strömungen innerhalb der Mehr- »ettssozialdemokratie. Die Presse der beiden

Parteien wird.sich auszusprechen haben. Stoff hat sie igeitug. Der Besuch der Unabhängigen in Moskau und die Enthüllungen Diltmanns haben den Stein ins Rollen gebracht. Wie be­reits die sozialdemokratische Partei der Schweiz drauf und dran ist, ihren Beitritt zur dritten Internationale rückgängig zu machen, so scheint jetzt auch der deutsche Sozialismus nach einer Fasson selig werden zu wollen, die von dem Dogma des kommunistischen Kirchen­konzils in Moskau erheblich abweicht.

Der Metallarbeiterstreit in Italien.

Mailand, 7. Sept. (Wolff.) Die Metall­arbeiterbewegung dauert fort. Tie Mi­nister Meda und G a b r i o l a haben ihre Ver­mittlung angeboten. Das Gerücht, daß Giolitti wegen des-Ernstes der Lage nicht nach Aix-les- Bains fahren werde, wird von demSecolo" de­mentiert. Giolitti wird erst nach der Besprechung! in Aix-les-Bains vor dem Zusammentritt des Senats, ungefähr am 17. d. M, nach Rom zurück­kommen.

Rom, 7. Sept. (Wolff.) Stefani. Tie im Auslande über die italienischen Verhälffrisse um­laufenden Gerüchte sind völlig unzutreffend. Ab­gesehen von dem Streik in Der Metall- industrie, der, wie man hofft, bald beigelegt werden wird, nimmt das Leben seinen gewöhn­lichen Gang. Giolitti befindet sich noch im Urlaub in Piemont und wird am 12. September nach Aix-les-Bains fahren. Ter König weilt in San Rossore.

Mailand 7. Sept. (Wolfs.) DerCor- riere della Sera" schreibt zur Lebensmittel­konferenz in Stresa, daß dort seit Kriegs­ausbruch zum ersten Male wieder Italiener und Deutsche an der Lösung praktischer Fragen Zu­sammenarbeiten.

zur dar bedrohte Gberschlefien.

Berlin, 7. Sept. (Walff.) Der Reichs­kanzler hat an den deutschen Bevollmächtigten für ben Abstimmungsbezirk Oberschlesien, Fürsten Hatzfeldt, das nachstehende Schreiben gerichtet:

Euer Durchlaucht beehre ich mich zu benach­richtigen, daß gestern das Reichskabinett und das preußische Kabinett zu einer gemeinsamen Sitzung zusammengetreten sind, um über die Mittel und Wege zur Abwehr der Oberschlesien drohen­den Gefahren zu beraten. Mit tiefer Bewegung haben die Kabinette die ergreifenden Berichte ent­gegen genommen, die über die Leiden und Kämpfe unserer treuen Oberschlesier erstattet worden sind. Nur zu viele wackere Männer haben ihre feste Anhänglichkeit an das Teutsche Reich mit Wunden und Tod bezahlt, und nur zu viele sind bei der Verteidigung alter Rechte und des heimat­lichen Herdes in ihrer wirtschaftlichen Existenz schwer geschädigt unb bedroht worden. Die Re­gierungen aber wissen sich mit der oberschlesischen Bevölkerung eines Sinnes darin, daß keine Ge­walttat die Liebe zu Deutschland aus ihrem Herzen zu reißen vermag. Die Regierungen haben die Zuversicht, daß die oberschlesische Bevölkerung die Prüfungen dieser schweren Zeit standhaft ertragen wird. Mit Entschlossenheit werden sie alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel anwenden, um der Bevölkerung Oberschlesiens bei ihrem guten und gerechten Kampfe zu helfen. Um der äußeren Bedrängnis zu wehren, die durch den Tod ihrer Ernährer und durch zahllose Gewalttaten über un­schuldige Familien hereingebrochen ist, haben die Regierungen einen Betrag von zunächst zehn Millionen Mark zur Verfügung ge­stellt. Wo um des deutschen Namens willen Schweres erduldet wird, darf und soll die Hilfe der Volksgemeinschaft nicht ausbleiben. Euer Durch­laucht bitte ich, bei der oberscAesischen Bevölkerung der Dolmetsch der Gesinnungen zu sein, die in den Beratungen der beiden Kabinette zum Ausdruck ge­kommen sind. Oberschlesien bei Deutschland zu er­halten, ist unser Wunsch und fester Wille. Dazu wollen wir alles tun, was in unserer Macht steht. Ter Reichskanzler (gez.) Fehrenbach.

Bezeichnende Aeußerungen der polnischen

Presse.

Bcuthen^ 7. Sept. (WTB.) Die heute vor- liegende polnische Presse wirst interessante Streiflichter auf die polnischen Ausstands- bewe gungen i n O bers ch lesi en. Der in Posen erscheinendeKurier Wierzowny" schreibt unterm 27. August: Auf den preußischen Terror antwortete das tüchtige Polenvolk Ober­schlesiens mit einer Selbstverteidigungsaktion. Nun alarmieren die Deutschen, die die Urheber der Un­ruhen sind, die ganz« Welt, indem sie die berech­tigte Verteidigung der Poben als unerlaubtes ge­setzwidriges Verhalten hinnstellen. Wir müssen an Warschau die Anfrage stellen, ivarum die polnische Regierung rwch keine amtlichen Schritte in der ober- schlesischen Angelegenheit getan bzw. die Allgemeirr- heit noch rächt darüber unterrichtete. Organisierte Daszpnski seine jüdisch-aktivistischen Missionen der Propaganda dazu, um die Deutschen zu schonen?

TieGazetta Warzawska" führt aus: Die polnische Polittk in Oberschlesien hat eine Auf­gabe vor sich, die Vorsicht und lteberlegung ver­langt. Man muß sich Rechenschaft darüber oblegen, daß die Entente sich rückhaltlos auf den Versailler Vertrag stellen muß. Jede Zuspitzung der Bezie­hungen mir den Vertretern der Westmächte wäre ein unverzeihlicher Fehler.

TerSztandar-Polski"in Gleiwiy er­klärt: Tas polnische Volk hat einen großen Sieg erfochten. Die polnische Bevölkerung hat das Recht, mehr zu verlangen. Aber trorläufig müssen wir uns

damit begnügen, was sich schon ausführen läßt. Tic Deutschen haben den Plan, die französischen Trup-- pen zu vertreiben und sich Oberschlesiens zu be­mächtigen, aufgegeben. Aber sie werden jetzt durch ständige Unrnhestiftung zu beweisen iutben, daß die Volksabstimmung, welche sie zu verschieben wußten, undurchführbar ist. Sie hoffen, daß das Urteil der Entente dank der Unterstützung verschiedener gehei­mer Faktoren für sie günstig ausfallen wird.

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Der polnische Heeresbericht.

Kopen Han gen , 8. Sept. (WB.) Panischer Heeresbericht vom 7. September. Wir schlu­gen die litauischen Angriffe zurück und haben eine litauische Kompagnie gefangen genommen, Die gegen die polnischen Nachhuten vvryedrungen war. Ge­stern leiteten wir eine Offensive bei Grubeschow ein, das nach hartem Kampfe eingenommen wuroe. Bei Tyszewice rückten wir gleicUa'.ls vor. In Galizien sind die verstärkten seindlick-en Angriffe mit großen Verlusten für den Feind abgeschlagen worden.

Die Polen und General Wrangel.

Paris, 7. Sept. (WTB.) Wie dieChi­cago Sribime" aus Warschau meldet, hat Polen den Vorschlag des Generals Wrän­get, eine gemeinsame Offensive gegen die Bolschwisten zu unternehmen, abgelehnt. Die Ablehnung hänge damit zusammen, daß die Verhandlungen in Riga vor ihrer Wieder­aufnahme ständen, und sei auch durch die seitens der Alliierten gegebenen Ratschläge zur Mäßigung Hervorgernfen.

Ausweisung Kamenews und Krassins aus London?

Berlin, 7. Sept. Nach einerTemps"- Meldung aus London ist man dabei, Maßnah­men zu treffen, um der wirtschaftlichen Mission Sowjet-Rußlands in Lon­don einEndezumachen. Die englische Re­gierung sei entschlossen, die Mission auszuwei­sen. Sobald Lloyd George zurück sei, werde der Beschluß bekanntgegeben werden. Aber es scheine immer «noch möglich, daß Kamenew und Krassin freiwillig vorher abreisten.

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Millerand'sche Reden.

Metz, 7. Sept. (Wvlff.) Havas. Minister­präsident M i l l e r a n d sagte gestern in einer Rede, bei seiner Reise durch die verwüsteten Ge­biete habe er festgestellt, daß es dort weder Haß noch Rachegesühle gebe, sondern nur Höre Ein­sicht in die Verhältnisse der Wirklichkeit inti) in die Sicherheiten, die man haben müsse. In einem Jahipundert habe Frankreich drei In­vasionen erlebt. Es habe nicht das Recht, sich einer vierten auszusetzen. Frankreich arbeite nicht für sich allein, und nicht für Frankreich allein halten Elsaß und Lothringen Wacht, an der Grenze. Sie verteidigen die ganze Zivilisation.

Paris, 7. Sept. Nach einer Radiomel­dung ist M i l'le r an d gestern abend in Bonn eingetroffen.

Lord Hardinge Botschafter in Paris.

Paris, 7. Sept.Matin" meldet aus London, daß Lord Derby den Pariser Bot­schafterposten im November aufgeben wird und durch Lord Hardinge, den früheren Vizekönig von Indien, jetzt ständiger Unter- staatssekretär im Ministerium des Aeußeren, ersetzt werden wird.

Ein Gewerkschaftskongreß in Portsmouth.

Amsterdam, 7. Sept. «Wolff.) Reuter be­richtet: In Portsmouth wurde heute der Ge- werksschafts-Kongreß eröffnet. Zugegen waren 950 Delegierte, die 6Vo Millionen Mit­glieder vertraten. Das Mitglied bes Unterhauses Thomas hielt eine Ansprache als Präsident, worin er den drohenden Kohlen streik nicht er­wähnte. Ter Kongreß nahm eine Entschließung an. worin die Freilassung des Bürgermeisters vm Cork verlangt wird.

Amsterdam, 7. Sept.Telegraph" zufolge entmarf Thomas zu Beginn seiner Rede ein pessimistisches Bild über die allgemeine Lage. Der europäische Friede könne nur zuitande kommen, wenn alle ßänber, die am Kriege teil genommen haben, bereit sind, den Vertrag in anderem Geiste auszulegen, als in dem er ausgestellt wurde. Unsere Gegner wissen, daß unser einziges Ziel ist, den Krieg mit Rußland zu verhindern. Bisher ist es uns gegluckt, doch ist die Gefahr noch nicht vorüber, sie kann nicht vorüber fein, solange kein vollkommener Friede mit der russifchm Regierung geschlossen ist. Thomas hob dann hervor, daß das Vorgehen bezüglich Rußlands keine Billigung des Rätesvstems bedeute und betonte das Recht des englischen Volkes, feine eigene Regierungsform zu wählen. JEBenn das russische Volk das Sowjet- ftiftem wählte, sei das seine Sach?. Thomas stellte die weitere Forderung, daß Polens Unab­hängigkeit gewahrt bleiben muffe. Zum Schluß sprach er über die finanzielle und industrielle Lage. Er sagte, der Bommenbe Winter werde wahrschein­lich der^schwierigste sein, man feit Jahren er­lebt. Tausende seien bereits arbeitslos: es sei llar, daß das IrrdustriÄeben einer Krisis entgegen- gehe. Man müsse sich klarmachen, daß durch jahre­

lange Aufopferung und Anspannung die flrbciter flafic ihre gegenwärtig" Stellung erreicht habe; sie dürfe nicht verloren gehen. Wir werden bereit lern, nicht in Gruppen, sondern als .Masse jede Herausforderung anAimcbmcn, die g gen die in ­dustrielle Freiheit und unferv wirtschaftticix Eman­zipation gerichtet ist.Times" bespricht in einem Leitartikel mit gewisser Befriedigung die Eröffnungsrede wn Thomas, die sie als Enttäu­schung für die eifrigen Vorkämpfer des Klafscn- kamples bezeichnet.

Aus dem Neiche.

Der Mittellandkanal.

Berlin, 8. Sept. (Wolff.) Der Mittel­landkanalausschuß der preußisckien Landes­versammlung hat einen Avmpromißantrag an­genommen, wonach, gleichgültig welche Linienfüh­rung für die Vollendung des Mittellandkanals ge­wählt wird, das rnitteldeutscheJndustrie- gebiet an die HauPtlinie angeschlossen werden soll, sei es durch einen besonderen Seiten­kanal, fei es durch eine 'entsprechende Verbesserung der Schiffbarkeit der Elbe und Saale.

ArbcitÄiienstpfticht?

Berlin, 7. Sept. (Wolff.) Ein Ber­liner Blatt hat die Nachricht gebracht, daß das Reichsarbeitsministerium einen Gesetz­entwurf zur Einfühmtng der allgemeinen Ar beitsdienstp seicht im Deutschen Reiche vorbereite. Diese Nachricht ist, wie vom Reichsarbeitsministerium mitgeteill wird, nicht zutreffend. Im Reichsarbeits- ministerium gehen seit' langer Zeit immer wieder Anträge und Vorschläge zur Einfüh­rung der allgemeinen Arbeitsdienstpflicht ein, die auf ihre Bedeutung und praktische Durch­führbarkeit geprüft werden. Diese Prüfung hat aber bisher weder zu bestimmten Ent­schließungen der Reichsregierung noch zur Aufstellung eines Gesetzentwurfes geführt.

Die Neuregelung des Polizeiwesens ' in Preußen.

Berlin, 7. Sept. lWTB.) Heute fand im M inisteriurn des Innern eine Sitzung statt, in der sämtlichen Oberpräsidenten, Regie- rungs- und Polizeipräsidenten sowie den Komman­deuren der Sicherheitswehren usw. ein Plan über die Neuregelu ng des Polizeiwesens borgetrogen wurde. Der Plan ist ein gänllich an­derer, als ihn die bisherigen Pressenachrichten ver­muten ließen. Das Wesentliche desselben beruht in folgenden Punkten: 1. Beseitigung der herrschen­den Zersplitterung auf dem Gebiete des Polizei­behördenwesens: 2. Beresiiigung aller Polizei­beamtengruppen: 3. Herstellung einer klaren Be­hörden- und Beamtengliederung: 4. Schaffung eines festen einheitlichen Polizeikörpers, der in ge­schlossenen Verbänden über den Staat verteilt ist: 5. Beibehaltung der ftafernierung in 12 von den vorgesehenen 14 Dienstjahren, so daß nur wenig mehr als 10 Prozent außerhalb wohnen: 6. eine den Zugeständnissen der Entente entsprechende starke Bewaffnung, deren Erwetterung übrigens in Aussicht steht: V. einheitliche Leitung durch die Oberpräsidenten mit Hilfe des ihnen zu diesem Zwecke zu unterstellenden Beamtenkörpers: 8. Schaffung eines besonderen Polizeischulwesens, woran es bisher fehlte. Ter erste Teil der Neu­ordnung, soweit er nicht gesetzliche Maßnahmen erfordert, soll noch vor Monatsende nach Geneh­migung durch das Staatsministerium und die Landesversammlung durchgeführt weckten. Die heutige Sitzung ließ Uebereinftimmung der Erschie­nenen in allen wesentlichen Punkten erkennen. Eine nochmalige abschließende Stellungnahme soll am 15. September unter dem Vorsitz des Ministers des Innern selbst erfolgen. Ter Entwurf des neuen Polizeigesetzes ist, wie wir hören, bereits in Bearbeitung und soll in kürzester Frist der Landesversammlung vorgelegt werden.

Die Kriege^esell'chaften.

Berlin, 7. Sept. (WTB ) Der Volks- wirtschaftliche Aus schuß des Reichs­tag es hat eine Entschließung angenommen, die die Reichsregierung ersucht, sofort Maß­nahmen zu treffen, um die beidenKriegs- gesellschaftenentstandenenUeber- s ch ü s s e sämtlich, soweit die bestehenden Ver­ordnungen nicht andere Rechtsansprüche ge­schaffen haben, für die Allgemeinheit sicher zu stellen. Zu dem Antrag der Deutschnationalen auf Aufhebung sämtlicher Kriegs­gesellschaften und Aufhebung der Aus­fuhrabgabe gab der Reichswirtschaftsminister die Erklärung ab, daß er die im Zusammew- hang mit diesem Antrag vorgebrachten Gründe berechtigt finde, und daß der Antrag eingehend geprüft werden solle.

Hhs dem besetzten Gebiet.

Deutsch-französische Schulfeier.

fd. Wiesbaden, 7. Sept. Als Ab­schluß eines Lehrganges zur Erlernung der französischen Sprache sand unter starker Be­teiligung französischer Beamten und Militärs und der'Vertreter der Wiesbadener Behörden eine Schulfeier statt. Mehr als hundert Wies­badener Kinder und junge Leute, die an dem Lehrgang teilgenvmmen hatten, wurden durch Geschenke ausgezeichnet. Deutsche, französische und polnische Künstler gaben der Feier einen musikalischen Rahmen.