Mr. 108 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 8. Mai (920
Die Berufsorganisation der Hausfrauen!
Man schreibt uns:
Tie (rrfaljnuifl, das; überall da, wo die Räte der arbeitenden Schichten zu Einfluß und Stellung kommen, sie die BcrnfSgruvpen aller Art in ihrer Zusammensetzung berück« icküigcn mußten, ließ die "Aechtlosigkeil der Hausfrauen deutlich zutage treten. Tas ging soweit, daß man sic zu den arbeitenden Schichten nidjt rechnen zu können behauptete, weil sie nicht gegen Entgelt arbeiten und auch die Behörden zu dem Schlitssc kamen, daß die Hans- iroucn zu den Räten nicht zugelassen werden können, sie einem zukünftigen Wirisckxlftsparlament nur als Konsumenten Verbrauck-erarganisation oder Arbeitgeber eingegliedert werden könnten. Ta- mit können sich die weiteren Kreise der Hausfrauen nufrt zufrieden geben, einmal weil eine xtcmfinnen« tenorganisation eben nicht nur die Hausfrauen, sondern auch andere Berufsgruppen cinbezieht. (Gastwirte, Pensionsinhaber, Berbraucl'er aller Art, schließlich jeden, der einkauft und verbraucht — dann aber auch, weil die Hausfrau absolut nicht mehr nur als Konsumentin, sondern auch als Pro duzentin, als Werte schaffende zu führen ist. Eine Arbeitgeber Organisation aus den Hausiroueugrup- ven zu machen, geht auch nicht an, weil von verhältnismäßig ivimig Trohncu abgesehen, auch die Arbeitgeberin selbst meist arbeitet und da festgestellt ist, daß 90 Pro; aller Hausfrauen ohne häusliche Hilfe ihren Haushalt versehen, ein Pro- Entsatz, der noch eine Vermehrung erfahren wird, teils durch die erhöhten Ansprüche der Hausangestellten, teils durch den wirtschaftlichen Niedergang sehr vieler 3-amiIien.
So bal-.Tt die Hausfrauen wahrlich allen An- inruch darauf, als werteschaffcnde, arbeitende ftrdfte angesehen zu sein, als Mitglieder des mert tätigen Volkes gewertet zu werden.
Ter Verband Teutscher Hausfrauenvereine hat bereits den Behörden die Bitte der Anerkennung der Hausfrauenarbeit als Berufsarbeit unterbrci tet. In der Voraussetzung, daß diese seine Bitte von Gleichgesinnten aller Stände gestützt wird, die die ganze Tragweite einer Ausschaltung der Hans frau vom schaffenden Volke erkennen, wendet sich weiter der Verband an alle Z-rauen kreise mit der Aufforderung zur Mitarbeit: Durch Ausdehnung tmb Neugründung von Hausfranenberufsorgani fationen, sowie allerorts entfvrechende Aufklärung in breitester Oefsentlichkeit über deren Zweck, den Einfluß der Hausfrairen zur Geltung zu bringen, innerer Entrechtung vorznbeugen uni) zugleich die Bertretimg ihrer Interessen im Winsch'astsyarla- ment zu sichern.
Was der Lehrerin, der Hausangestellten, der Handwerkerin, der Bureaubcamtin lelbstverständ- klich ist, muß auch für die Hausfrau freigegeben' werden! Aber ein starker, fester, einiger Wille muß dahinter flehen. Es wird uns Hausfrauen um so leichter sein, hier tätige, fleißige, opferwillige Arbeit zu leisten, als wir einsehen, daß jede von uns sich ernzusetzen hat gegen Irrwahn und Terror, imfruchtbare Klassenverhetzungen, ArbeitSslucht, gegenanzukämpsen und an der tÄesamdung des deutschen Wirtschaftslebens, am Wiederaufbau der zerstörten inneren und äußeren Einheit unseres geliebten deutschen Vaterlandes kräftig mitzu- schassen.
Evangelischer LandeNirchentag.
RMK. Darmstadt, 7. Mai. Ter hessische uangclische Landeskirchentag setzte heute seine Bc- ratungen über die neue Verfassung fort. Zunächst trat Di Walger - Gießen für stärkere Betonung des religiösen Momentes gegenüber dem Staat, l^sondcrs bei der Ehe imd der Schule, ein. Prof Tr. Gei st behandelte u a. die fragen der Ur« wählen. Arbeitersekretär Lauser klagte über die Zurück!'aleung der Besferstehenden gegenüber b-en Arbeiterkreisen außerhalb der Kirche. Der sozialen rrrage müsse mehr Beachtung geschenkt werden. Freiherr v. tz e y l - Worms trat dafür ein, daß auf die Befriedigung des religiösen Bedürfnisses im Volke ^nehr Wert gelegt werd? wie bisher. Pros Tr. ©djia.it empfahl tätiges Eingreifen der kirchlichen Organe. Schließlich wurde ein Antrag des Gesetzgebungsausschuises angenommen, nach dem bi-: ganze Frage einem Sonderausschuß von 12 Mitgliedern überwiesen wird. Dann nmrbe btt Eingabe der Organisten beraten und nach eingehender Besprechung ein Antrag Matthes an« geiwmmen, der ein Mindestgehalt von 500 Mk. für einmaligen Dienst und 650 Mk. bei zweimaligem Dienste vorsieht.
. In der Nachmittagsfitzung wurde der Voranschlag fertig beraten und da bei ein Antrag des Finanzausschußes angenommen, der die Kirchen behördc ersucht, alsbald nach der Regelung der Reichsbeamtenbesoldung dem Kirchentag eine Vorlage zu machen, in der den Geist ichen und Beamten der Hessischen Kirche die gleichen Bezüge sicher- gestellt iverden. Geheimrat Tr. Flöring erklärte hierzu, daß die Kirchmtbehörde die Verantwortung für diese Forderung ablehnen müsse. Es wird dann noch eine Kundgebung zugunsten der
im Inh« 1921 in Worms stattfindenden Sutber« feier angenommen und nach zweiter Lesung des Voran ich! aas die Sitzung bis zum Herbste vertagt. Schluß b Uhr.
~ lUtcbe ttttö Schule.
*r^e5 evangelische Gesamtkirchen- r<> a n 111 ®’c5cn teilt mit: Im Februar ton einigen Mitgliedern des evange- lifchcn Gelamlkirckern-vrstandcs zu Gießen der Eintrag gestellt iivrben, alsbald eine 5. Pfarrstelle ju erridüen und diese mit einem auswärtigen alteren Milrtärpßrrrer zu besetzen. Dieser Antrag wurde abgelchnt, baniuflytn sammelten einige Gie- tzener Damen von Haus zu Haus Unterschriften zu einem Schriftstücke, das trotz des ablehnenden Beichlunes des Gefam:kirchenvorstandes vorn Ober- komistorium die Anstelluna des erwähnten Gei lichen erbütet. Diese Pen um - sie weist 800 UHtafehTiften auf — beschäftigte am 5. dS. Mts bic Gewmtgein-'inüev'er-.retung Von verichiedenen Rednern wurde die gute Absicht derer anerkannt, die dreie Unterschriften eingesammelt haben, zu- gleich aber auch auf das Ungesetzlich dieses Per rahrens und auf den Umstand hingennefen, L^afe die, die ihren Namen unt-t der Peiilien gesetzt haben, in den seltensten Fällen die Frage prüfen Knuten. Die eingelvnbtm Tarlegungen des bic Sitzung leitenden Piarrers B e ch t o l s h e i m e r übet die unsichere Finanzlage der K irckxnigerneinbe und über die- Schwierigkeit eine Neueinteilung der Einzel gemein den fanden die Billigung der Versammlung. In einer Resolution wurde dem al'- lehnenden Beschlüsse des Gesamtd.rchenvorstandes einstimmig zugestimmt.
ra. Königsberg :Kr. Biedenkopf), 8. Mai Pfarrer Martin, welcher nahezu zwei Jahr zehnte in unserer Gemeinde gewirkt, ist aus seinen Wunsch nach Weilmünster versetzt.
# Ranstadt, 4. Mai. Am vergangenen Sonntag waren es 25 Jahre, daß Pfarrer Wolf in unserer Gemeinde tätig ist. Ter Posaunenchor Ober-Mockstadt brachte nachmittags dem Jubilar ein Ständchen, anschließend daran sand eine Nachfeier der Gemeinde statt.
4 Usenborn, 4. Mai. Wie im vorigen Jahr, io veranstaltet auch in diesem Jahr umerc Gemeinde zusammen mit den Nackchargemeindeu am Himmel fahrt tage einen Waldgottes- dienst, der wieder an der wundervoll gelegenen Haingrundwiese, Schnittpunkt der alten Frant!- hirter Straße mit dem Weg Usenborn—Lißberg, ftattfinbet und um 3 Ufjr pünktlich beginnt. Die Predigt hält Pfarrer Schrimpf-Hirzenhain, vielleicht noch ein zweiter Prediger, außerdem wirken mit der Posaunen cho r Ober-Mockstadt und ein besonders zu diesem Zweck gebildeter Mädchen chvr aus Or t c n be rg unter Leitung von Herrn Lehrer Kraft aus Ortenberg. Bei schlechtem Wetter wird der Gottesdienst auf einen günstigeren Tag verschoben.
Hochsebttlnachrichten.
ha. Wie wird man Doktor der Landwirt s ch a f t. Die Würde eines Doktors der Landwirtschaft kann jetzt von der Lantmnrt'chastlichcn Hochschule in Ponnelsdors bei Bonn verliehen werden. Eine lateinische Bezeichnung dafür ist nickst vorgesehen. Tie Zulas'ung zur Promotion setzt dos Reifezeugnis einer deutschen neunstusigen höh.- ren Lehranstalt, ein vverjäHriges Studium der Landtrirtschaft unb eine staatliche Prü ung de Prüfung für dos Lehramt der Landwinschafl, trie als Nasirungsniittelchemik t, Agriäilturbvtzn liker ober landivirtsckiaftlichen Tiplornp üfung voraus. Die wissensch-aftliche Ablrr: d ung ist m deutscher Sprache eiuzurcickvn. Tie Prüfungsgebühr beträgt für Inländer 340 Mk., für Ausländer 510 Mark. Die mündliche Prüfung erstreckt sich aus ein Hauptfach imb zwei Nebenfächer. Eine Abweisung oder ein Nicht bestehen der Prüfung wird sämtlichen deutsch'.n Unüeriitäten und Hochschulen mitgeteilt.
— Ein neuer akadcmischer Beruf. Bei dem am 17. Mai beginnenden Lehrgang zur Ausbildung von Iugendamtsangestellten können noch einige Anmeldungen berücksichtigt werden. Voraussetzung: Abgeschlossene akademische Bildung oder gleichwertige. Umgehende Anmeldungen beim Berussamt für Akademiker, Frankfurt a. M., Universität.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
** Tas Amts Verkündigungsblatt Nr. 61 vorn 7. Mai enteilt: Reichs-'gswohl. — Regelung des Arbeitsverhäl nisses russischer Internierter rfrüfrrcr Kriegsgefangener). — Förderung der Volksbildung in Hessen. — Lckhreroersamm- lungcn. — Ausführung der landwirtschaftlichen Un'allversicherung. — Viehseuchen. — Okfunbcn, verloren.
Regelung des Arbeitsverhältnis- scs russischer Internierter (früherer Kriegsgefangener). Unterbringung und Verpflegung der ruffischen Inlermerten sind von dem Arbeitgeber für die ganze Tauer des Arbeits
verhältnisses nach Maßgabe der für deutsche Ar beiter gültigen tariflichen ober ortsüblichen Ber cinbamngen zu bewirken. Beschwerden der ruffi schon Internierten iinb von diesem grundsätzlich beim Guts- oder Gemeindevorstand anzubringen. Für die Interniertenbrk.eidlmg hol der Arbeit geber pro Hopf und Tag der Arbeitsleistung 0,80 Mark vom Lohn einzubefalten und wöckientlich an die Lager Verwaltung abzuführcn. Für bcionberc Berusslleidung bat der Arbeitgeber aufzuk. ni men. Vertragliche Lohnabzüge sind mir gestattet für t>en Empfang von BeUeidung sowie für die gesetzlichen Kranümk^ssen- und Verfichcrungsgebühren. Tie Transpor.kosten für einmaligen Hinrransporl zur Arbeitsstelle und Rücktransport zum Lager hat der Arbeitgeber zu tragen. Zur Uebciroackung werden die InlernieNcn von den Lagern den Orts- und Polizeibehörden listenmäßig befarmtgrgeben. Für -nisreick-ende Boaunichtiguiig der InternieNcn bat der Arbeitgeber Sorge zu tragen. Jeder russische Internierte muß.im Besitze einer von der Vager- itmwltung ausgestellten Ausweisbirte fein. Ter Umtaufch von Belleidungsspicken für Internierte ist stets durch den Arbeitgeber ober besten Beauftragten txwzunehmen, jedoch nur dann, wenn die Stücke nick'! mehr instandgesetzt werden können. Tie Zurückziehung von Internierten tonn jederzeit V'fmc Kündigung durch die Lagerverwaltung erfolgen, wenn der Miransport in die Heimat unmittelbar bevor stehl Der Arbeitgeber Hot dafür zu sorgen, daß die Internierten übet sämtliche empfangenen LohnbetröHe durch Namensunterschrift oder Handzeichen quirtteten, und daß die Quittungen aufbewahrt werden. Tie Kosten für Ver pftegung an Tagen, an denen Internierte ohne stichhaltigen Grund die Arbeit verweigern, mit oder ohne eigenes Verschulden in der Arbeit ans fallen, dürfen nur in dem Umfange einbehalten werden, nne dies bei beutfdxn Arbeitern auf Grund tariflicher ober ortsüblicher Vereinbarungen zu lässig ist. Internierte, die der Arbeitgeber nickt mehr benötigt, ober sticke, die die Arbeit endgültig ohne anerkannten lßrunb verweigern, sind möglichst durch einen Begleiter dem Lager zuzuführen, in letzterem Falle auf Kosten der Internierten. Für Schäden, die durch Internierte verursacht werden, kann weder das Landesarbeitsamt noch die Lager- tienvallung haftbar gemacht werden, fällt dem Gc- (djäbigfen die Veranlassung der strafrechtlichen Verfolgung zu.
Lehrerversam mlungen. Es sollen fügende amllickze Lehrerversammlungen stoktftnden: 1. für den Bezirk (Hrünberg am 12. Mai 1920, vormittags 9 Uhr, in Grünberg (Schulhaus': 2 für den Bezirk Lich—Hungen am 14. Mai 1920, vormittags 8 Uhr, in Lich (Sckulhaus-; 3. für den Bezirk Gießen—Land am 15. Mai 1920 in Gießen iSchull-ans Schillerstraße).
Ter A u s b r u ch b e r Räude ist bei einem Pferde der Wilhelm Schepp Witwe in saasen festgcstellt rvordcn. Tie Sperrmatzregeln sind von uns cmgvordnet worben. — Tie Räude bet dem Pferde des Sebastian Riedmami in Grünberg und des Heinrich Bräuning in Stockhausen ist erloschen. — Unter der Schafherde in Nieder-Bessrngen ist die Räude festgestellt worden.
Gefunden und verloren. In der Zeit vom 15.—30. April 1920 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Zwicker mit Futteral, 1 Paar Damenhandschuhe, 1 goldene Barsleck- nabel, Ansichtspostkarten, 1 goldener Ring, 1 Nicki I- uhrkette, 1 silberne Rvcknadel, 1 Zollstock, 1 K'et- tenarmbami), 1 silberne Brosche, I A'inderhals- kette 1 Geldtäschckvn mit Inhalt, 1 .fdorallen- kettchen. 1 Stal.lstock, 1 Domen regenschirm und Papiergeld: verloren: 1 Heine goldene Nadel, 1 Nindeihandtäschchen mit 1 Taschentuch und 0x11- beutel mit 6 Ps. Inhalt, 1 Briefdasche mit 700 Mark Inhalt, 1 braunes Portemonnaie mit etwa 70 Mk. Inhalt, 1 Trauring, gez. C. Sch. 7. 3 II., 1 goldene Brosche mit Korallen beirfct, cm schwarzes Kinderportemonnaie mit 18 Mk. und Brotmarken Inhalt, 1 Teil von einem silbernen Weinzipfcl, blau-weiß-gold, 1 schwarzes Portemonnaie mit 2 10 Mk. sowie einer Monrtsfahr- fartt Gietzen—Reiskirchen, aus den Namen „Wilhelm Damm" lautend, Inhalt, und 1 silberne Herrenühr mit Goldrand und Nickelkette.
Vereine und Veranstaltungen.
r. Londorf, 5. Mai. Nach fünfjähriger Pause veranstaltet der hiesige Ge'angverein Frohsinn nächsten Sonntag cm Konzert. Der Verein, dessen Leistungen von früher bekannt sind, steht jetzt unter Leitung von Lehrer Schmidt in Wesselbach. Außer einem Stamm alter Kräfte sind dem Verein eine große Zahl junger Leute beigetreten. Nach dem Programm steht ein genußreicher Nachmittag zu erwarten. Abends folgt ein Ball.
Turnen, Spiel und Sport.
Der zweite Bezirk des Gaues Hes- s e n unternimmt am Himmelsahrttag einen Be- lirksturngang nach dem Tünsberg. Bei dieser Gelegenheit soll auch der Ort festgelegt werden, an welchem das diejährigc Bezirks turnen ßattfrnden soll.
Wanderungen.
e. Schotten, 6.Mai. Der B o ael sbera ef Höhenklub will das auf dem vohcrodü^ köpf gelegene Schweiz«.rbäusch^n als Jugend^ herberge cmridilcn, für die bis jetzt 20 Betten zur Veriugung stchcn. — In der Spreß-Tumhalle zu Lauterbach ist auf Betreiben des V. H. E. ebenfalls eine Jugendherberge mit acht Betten emgcricktct worden. — Das Hol-häuschen des Vereins „2 c b r <? r b c i m" auf dem Alten- burgkopf sollte auch als 3ugcnbbcrberge Aur Verfügung gestellt werden. Ta aber mehrfach die Fensterscheiben cingefdHagen und Türen erbrochen wurden und die Gefahr gänzlicher Ausplünderung bestand, mußte das HäuSckxn notgedrungen an eine Familie vermietet werden, um es unter Aufsicht zo stellen.
vermischte».
Der ..Eiserne Hindenburg'.
Berlin, 6. Mai. Ern sonderbares Schicksal hat die Kvloftalstatue des Eisernen Hindenburg in Berlin gehabt. Tie Holzftgur ging durch Vermittelung ds KvnkursrerwaiterS b<-5 Luft- fahrcrdanks in den Besitz einer Privatperson über, die den Abbruch übernahm. Jetzt hat der Berliner Polizeipräsident ui t tr Angclcgen- I?eit einbegriffen. Dieser Evi griff wird in folgender Antwort bekanntgegeben, die der Rcichs- nümftcr des Innern auf Grund einer Anfrage der Abgg. Tr. Heinze und Genossen erteilt hat: „ES ist richtig datz der Eiserne Hmdenburg vom K'on- liirsvenvalter dos Luftfahrerbanks an eine Privatperson verkauft worden ist. Das St.rndbild iollte iuseincmdcrgciwmmrn und auf einem Lagerplatz cingelagcr, nviten. Ucber feine nxit^r: Bestimmung iusbefonLen' über einen weiteren Verkauf i n s Ausland, hat sich bisher nick?!S ermitteln lassen. Da eine Hinwegführung des Standbildes möglicherweise in eimgen Kreisen der Bevllk rung Erregung und Unruhe Irrvorru'ci. konnte, ist es vom Berliner Polizeimäfidenten auf Grund di!s § 10 II 17 des allgemeinen Landrechts vor- läuftg beschlagnahmt worden."
Die Einführung der allgemeinen Zwangsarbeit in Bulgarien.
Das bulgarische Abgeordnetenhaus wird sich demnächst mit einem Gesetz beschäftigen, das die Regierung cinbringt und demzufolge alle bulgarischen Untertanen männlichm und weiblickien Geschlechts gezwungen sind, für den Staat zu arbeiten. Für die Männer beginnt diese Vcrpflick,- tung mit dem 20., für dre Frauen mit dem 18. Lebensjahr. Die Zwangsarbeit soll beim Bau non Brücken und Wegen, bei der Anlage von Eisenbahnen und Kanälen, bei der Ausführung öffentlicher Gebäude, bei der Fruchtbarmachung von Oedland, im Forstbetrieb, in Bergwerken, Fabriken und aoberen Arbeitsstätten geleistet wer den. Jeber Untertan ist persönlich zur Zwangsarbeit verpflichtet, und eine Stellvertretung ist nickt gestattet. Jedoch soll den Männern und Frauen, bie akadernisck-en Berufen angeboren, ge stattet fein, die von ihnen zu leistenden ArbeitK- mengen in der Ausübung ihres Berufe auszu- führen. Kein bulgarischer Untertan darf das Land verlassen ober sich in einem anderen Staate naturalisieren lassen, bevor nicht die vorgeschriebene Arbeitsrnenge von ihm für den Staat geleistet ist. Die Männer sotten gezwungen sein, 16 Monate für den Staat zu arbeiten, die Foauen 8. Die drei ersten Monate werden zu einer vorbereitenden Ausbildung verwendet. Familienhäupter brauchen nur die Hälfte dec gesetzlich geforderten Arbeitszeit abzuleisten. Das Gesetz ordnet an, daß die Männer ihren Zwangsarbeitsdienst im Bezirk ihres Wohnortes oder in einem angrenzenden Bezirk erfüllen müssen, die Frauen dagegen nur an ihrem Wohnort.
** Ter Zustrom zur Fremdenlegion. Aus Landau wird dem , Berl. Tageblatt" berichtet: Zuverlässigen Be.i^^en aus der Rheinpfalz zufolge hat der Zustrom jur französischen Fremdenlegion in den letzten Wockien außer- ord-entlich zugenommen. Der Grund ist vielfach auf die herrschende Arbeitslo igk it zurückzuführen. Im März und April haben sich nahezu 3000 Mann zur Fremderl gion gemeLet. Ste wurden in Landau in ein Sammel lager gebracht, von wo der Weitertransport ftattfinbet.
Stuttgart, 5. Mai. (Wolff.) Bei der Ueberwachung des Fremdenverkehrs wurden am 3. Mai zwei Personen beanstandet, die sich durch große Geldausgaben verdächtig gemacht hatten. Sie entpuppten sich als der Kraslwagensührer August Giese aus Anna bürg i. Pr. und Karl Soboto aus Braun^ schweig, die nach der Besetzung von Frankfurt aushilfsweise bei der Sicherheitspolizei angestellt waren und denKraft- wagenbesPolizeipräsibentenun- t e r s ch l a g e n hatten. Mit dem Erlös waren sie geflüchtet.
Die Gräfin.
Roman von G. W. Appleton.
(Sfadjbrud verboten.) Fortsetzung 36.
Sechz ehnies Kapitel.
Ich hoffe aus ganzer Seele, daß '.s beute nacht nicht -uieber Alarm u d Ausflüge ab.etzt, tagte ick mir, als Ick die Haustür auffckloß m.b mehren Ut-berüefcr an den >lleiderständ.r des Vor-- rlatzcS aufhängtc. — ES ist die letzten paar Tag: oocki ein ir-e ij sturrnisck bergeg ngen. Ick ttn nicht einmal b-ajugetommen, die Zeitung n zu kien. Ich frage rnick, was seither m ber Welt passr.-rt ist. Au^atte Fälle wttl ich es mir heute nacht g> müllich rnadei unb nicht mehr an die verfluchte Geschickte b ufen.
Aber b e V Er'v'ung von ter ausgestand men Aufregung iollte mir nicht zuteü nvrdw: dmn als ich meine B.^d: betrat und das Gas aujbrefitc, iah ich einen braunen Umschlag auf dem Ti chc lt?gen.
Ein Tcl.gr amm, beim Henker, rin ich aus. Was für eine neue Störung erwarttt mich da?
Ich brach den Umschlag auf unb las die Worte:
„Ihre Mutier schw rtrank. Sehr zwen lhaft, ob Wicderhers.e.limg mög idk. Wünscht, Sie zu scheu. Kommen Sie 'o'ort Se.'rna Morgan."
Das Telegramm kam von meiner Tante und loar um acht Uhr in Tunbridge Wells auf gegeben. Es war nunmehr beinahe Mitternacht. Wäre ich Nach meiner Sprechstunde sogleich nach Haus: zu-
rückgekebri, statt in den Klub zu gehen und Davm- port zu treffen, so hätte ich jetzt bet nrnner Mutter sein können!
Erschüttert schlug ich im Fahrplan nach imb fand, daß der erste Morgenzug die Eharing-Eroß- Station um 7 Uhr 20 verließ.
Tas bereitete mir Dielen Stummer, aber ich konnte nichts tun, als Tick Molyneux fofort zu benachrichtigen.
Ick setzte mich daher cm meinem Schreibtisch und schrieb ihm Folgendes:
Lieber Dick!
Beiliegmd ein Telegramm, das ich eben bei meiner Rückkehr voriand. Ich kann heute ab.mb feinen Zug mehr erwürben, fahr: baler morgen früh um. 7 Uhr 20. Es tut mir riesig leid, Derne Hilfe so rasch wieder in Anspruch nehmen zu müssen: ick wäre Dir jedoch ;ebr verpflichtet, wenn Tu mich morgen — nur für zwei Stunden — vertreten uDlltest. Snt ick Dir fchricb, find verfchicdenr weitere Ereignise ui der anderen Siche norgefallen, auf die ich indes heute abend nicht näher eingehen kann. Wie Tu Tir leicht Vörstetten kannst, U.i ich d rrck die Nachricht lehr niedergeschlagen, da ich das Schlimmst-: befürchte.
Mit Gruß
Dein I. Perigord.
Sodann trug ich den Brief svgßich in den Kasten und blieb hieraus noch ein Stündchen sitzm, meine Meist rauchend und mit trüben Gedanken beschöftigr.
Am folgenden Morgen war ich bei zeit m aus und fuhr um 7 Uhr 20 von der Eharing'-Eroß- Station ab. Als ich mich der kleinen Villa in Tunbridge Wells näherte, bemnfte ich zu meinem große.i Kummer, biß alle Vorhänge herabg.'bafsen waren: ich ersah daraus, daß das Schlunmste bereits ringe treten war.
Meine Tante Selina empfing mich im Wohnzimmer, wo ich meine Mutter das letzt: Dtal ge°- »prochen hatte. Es war eine Frau mit barten G'-- sichtszügen, die, wie ich beretfs erwähnte, in ihrem Benehmen mir gegen üb *r nie sehr freundlich gewesen war. Und nunmehr fragte sie mich nicht nur ernst, sondern mit cifger Strenge:
Warum bist du nicht schon gestern abend gekommen, wie ich dich in mente m Telegramm cm- wies?
Weil das für mich unmöglich mar, erwiderte ich Mehre Pflicht hielt mich bis nahe um Mitternacht von zu Hause fern. Bei meiner Rückkehr sand ich dein Telegramm vor. Es war aber schon zu spät. Das einzige, was mir zu tun übrig blieb, n»r, beute morgen den ersten Zug zu benützen. Wann ist meine Mut.er gestorben?
Trotzdem ich von ihrem Hinsch-iden überzeugt war und mich gestern nacht mit diesem Gedanken vertraut gemacht harte, wollte mir bie Frage fast nicht über die Lippen.
Um zwei Uhr. Daß du es versäumt hast, -an ihrem Sterbebett anwes»nd zu fern, hat ihr ihre letzten Augenblicke uerbitrirt. ES war auch rück- fichÄos von dir, nicht zu kommen.
Tas Mut stieg mir zu Kopfe.
Habe ich dir nicht eben erklärt, rief ich, daß es für mich völlig immöglich war, früher zu 6om* men? Ich habe doch meine Patienten.
Und (Gräfinnen, fiel sie ein.
Nunmehr wurde ich zornig.
Was heißt das? fuhr ich sie an.
Tas heißt einfach, daß sie ftimbenlang oon nichts als Gräfinnen gesprochen hat, daß die Gräfinnen dick verderben würden, und daß ft: dich sehen müsse, bevor sie sterbe, um dir etwas fchr Wichtiges mitzuteilen. Von dem Augeicklick' am, wo ich dir das Telegramm geschickt habe, bis zu ihrem Ende hat sie fortwährend nur gefragt, ob bu nodi nickt ba seiest. Alle Viertelstund: hat si: gefragt: „3lt Julius gekommen?" Und btnrn kam das Ende. Es kam wie ein Blitz: sie schnappte nach Luft, und es war vorüber.
Aber, sagte ich, wirder etwas beruhigt, hat sie nichts für mich hinterlassen?
Nein. Ich habe sie immer nrtbn gefragt, aber sie schutttlte den Kopf und sag.:: „Julius nnrd sicher kommen. Was ich zu sagen habe, ist nur für sein Ohr benimmt." Ich tat, was ich konnte. Zu tadeln bist du allein. Unb wenn es sich auch mit um dein eigenes In lernst gehandelt haben würde, hättest du dich bemühen fall en, gestern nacht noch zu kommen. Ich sage es immer wieder: es war grausam von dir, nicht zu kommen.
iForrsetzung folgt)


