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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheßen)
Zwettez Blatt
Ur. 5
lMttrvoch, 7. Zanuar (920
Aus Statt und Land.
Dietzen, den 7. Jan. 1920.
Tie bicrbewirtichastung.
Das LandesernährungSamt erläßt imtenn 3. Januar eine Sfetarritmachunq über dar Lerkehr mit Eiern, der in 19 Paragraphen, u. a. an rrrtmet: Die Bewirtschaftung der Eier steht unter der Landeseierste UL in Offenbach. Sie teilt jeder Gemeinde auf Grund der letztermiüelten ftübneryity die Pflichtmenge von Eiern mit, du uon den Hülpterhaltem in der Gemeinde aufzu bringen find Die Einsammlung der Eier erfolgt durch die Sammelstellen und deren Aufkäufer, die noch An hören der Kreisämter anzustellen sind Wer in Hessen, ohne bestellter Aufkäufer zu fern. Eier für eine Gemeinde, die nach dreier Bekannt- mochung der Bewirtschaftung nicht unterliegen, erwerben, verarbeiten oder haltbar machen will, lttarf einer «-sonderen Erlaubnis, die von der Landeseterstelle erteilt werden Unnt. Die Bürgen meisteret bestimmt eine Umlegekomission, welche dem Hühncrhalter mitteilt, wieviel Eier er <ä> liefern bat. Rach dem festgestellten Lcrndesvednrs wird für jedes Huhn eine durchschnittlirte Ablieferung von je zehn Eiern angenommen. Heber diejenigen Eier, die der Hülmerhalter über dic festgcfetzte Pslichtmenge erhält, darf er frei verfügen. Bis zum 1. Mai mutz mindestens die Halste der Eier abaeliesert sein, die für das ganze Jahr abzuliesern sind. Die Kontrolle der Sammelstellen wird durch die LandeSeierstelle einem Vertrauens mann übertragen. Für ein Ei wird ein Preis von 60 Pf. bezahlt. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis dis zu einem Jahve und mit Geldstrafen bis zu 1OOOO ML bestraft.
Gegen die hohen Preise d-r Schuhmacher.
lieber hohe Preise der Schuhmacher wird nach wie vor geklagt. Die Aushebung der Avangswirt- schäft hat auch die Richtlinien außer Kraft gesetzt, die von der Gutachterkommission für Schuhwaren- IFteife erlassen worden waren. In Geltung sind «der nach wie vor die allgemeinen Vorschriften «egen Preistreibereien, wie auch die Preisprü fungsstellen noch in Tätigkeit sind. Als Anhalt für deren Preisüberwachung können nach einer Mitteilung des ReichSwirtschastsministeriums wich jetzt noch die Richtsätze der Gutachterkommission dienen. Alach diesen dürfen sich die Ausbesse- rungSpreise nur auS drei Teilen, zusammensetzen: Stosskoften, Arbeitslöhne und Unkosten zuzüglich Gewitrne. Die Preise für Leder sind bei den Händlern sestzustell«. Schnittverlust kann nicht berechnet werden, da die Abfälle wieder verwendet werden. Für bat Arbeitslohn ist ebenfalls nur der tatsächlich gezahlte Lohn maßgebend, Zeitlöhne »ach Anteil ZuschneLen, «modellieren und der- gleichen darf nicht besonders berechnet werden, thifoer bei einer ungewöhnlichen Form des Futzes. Bei den hohen Stoffpreisen und Löhnen ist ein Zuschlag von Z0 bis 25 v. H. für Unkosten und Gewinn als angemessen und ausreichend anzu- fehar, für neues Matzschuhwerk 25 bis 30 v.H.
Mißstände im Postpatetverkehr.
Die Unregelmäßigkeiten im Paketverkehr der Post rühren z. T. davon her, daß die Pakete oft längere Zeit unbeaufsichtigt auf den Bahnsteigen lagern, so daß sie dem Zugriff Unbefugter ausgesetzt sind. Dann werden sie bei Regenwetter nicht immer genügend vor Nässe geschützt. Immer wieder wird auch darüber geklagt, daß die Pakete beim Stert laden zu wenig schonend behandelt werden. Auch werden die Laderäume in den Bahnpostwagen nicht vollständig zur Paketbefördcruna ausgcrtutzt. Die Wagen fahren oft nur tei£ weise beladen ab, weil die vorliegenden Pakete nicht rechtzeitig sortiert sind. Zur Beseitigung dieser Uebelstände hat das Reichspostministerium eine neue Verfügung an sein Bereich gerichtet. Die Bahnpostwagen und Sackwagen sollen restlos für die Beförderung der Pakete ausgenutzt werden. Mit dem Sortieren der Pakete auf den Bahnsteigen soll stets früh genug begonnen werden, damit den Bahnpostwagen und Sackwagen soviel Sendungen zu- geführt werden können, wie sie zu fassen ver>- nwgen. Hilfskräfte, die mit ihrer Aufgabe nicht hinreichend vertraut sind, sind im eigent
lichen Sortierdienst nicht zu verwenden. Beim Verladen müssen die Pakete möglichst von Hand zu Hand gegeben werden. Sie dürfen nicht geworfen werden. Es ist dafür zu sorgen, daß die Pakete auf den Bahnsteigen stets beaufsichtigt und vor Regen geschützt werden. Mißstände sollen mit allen Mitteln beseitigt, Ordnungswidrigkeilen mit Nachdruck verfolgt werden.
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** Zur Fördernng der Vermißten - nachforschung werden alle aus der Kriegs gefangenfdyirt 3urütfgefeierten, die die Vermißten listen erhalten haben, gebeten, im Interesse ihrer Kameraden imb deren 4lngehörigen diese Listen, die sie niete mehr brauchen, dem Zentralnacfeveis- amt für Kriegsverluste und Kriegergräber, Berlin NW 7, Dorotheenstoaße 48, umgehend zu übersenden. Die Listen werden hier dringend benötigt. Jeder einzelne ^cimgcfeiyrte Kriegsgefangene wird gebeten, die kleine Mühe zur Rückfendung nicht ju scheuen. Jeder Hilst damit am allgemeinen Werk, den Verbleib der vermißten Kameraden festzustellen.
’♦ Kriegs st iftung für die Angehörigen der Reichs-Post- und Tele- grapyenverwaltuna. Unter dem Personal der Reichs-Post- und Tetegraphcnvernxlltung ist eine Gelrsmntmlung vevansüaltet werden, die insgesamt etwa 3% Millwnen erbracht hat. Hiervon nttb rund 1950 000 Mk. zu gcnv.innützigen Kriegs- LDblfehtts-lvecken verwende! morden. Aus Item Restbeträge der Sammlung, der sich einschließlich der Zinsen auf 1,7 Millionen beifiuft, ist am 25. slüovember eine „KricgSsttftung für die Angehörigen der Reichs-Posd- und Telegraphenverwal- hmg" errichtet worden. Zweck der Stt.tung ist die Unterstützung der durch den Krieg geschädigten Beamten, Angestellten, Dostillione und ständigen Arbeiter der Postverwaltung sowie ihrer Angehörigen» und Hinterbli.benen. Tic Bewilligungeit sollen bestehen in laufenden ober einmaligen Unterstützungen, in Beihilfen zu Kuren zum Zwecke der Wieder- 5erHeilung der Gesundheit, in Zuschüssen zu den reichsgesctzlichen Bersorgungsgebülwnissen oder Hinterbliebenenbezügen, in Freistellen in Vcrsvr- guugs-, Heil-, Genesungs- vder Erzietznngsan stallen «oder in Beihilfen zur Aufnahme in oder ähnlichen An stellen fetot: in sonstigen Zuwendungen zur Ersüllurtg des Stiftungs-wecfes. x.ie Stiftung wird von einem Berwaltungsrat verwaltet, an dessen Spitze der Wirkl. Geh. Ober-Posttxtt Bor- beck steht und in dem die Organisationen der höheren, mittleren, weiblichen und unteren Beamten vertreten sind.
»* Oeffentliche Bücherhall< Im Dezember wurden 1596 Bände ausgeg-chen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 901, Zeitschriften 176, Jugendschriften 151. Literaturgeschichte 7, Gedichte und Dramen 32, Lander- und Bölker- kunde 39, Kulturgeschichte 27, Geschichte;tnb Biographien 66, Kunstgeschichte 15, Natttrwissenschast und Technologie 83, Haus- unb Landwirtschaft 5, GeslmdheitÄtchre 9, Religion und Plstiosophie 34, Staatswissenschaft 12, Sprachwissenschaft 11, Fremdsprachliches 28 Bände. Nach auswärts kamen 31 Bände.
** Der ©ertrag „Dentsche Porzellan k u n st im 18. Jahrhundert, den Professor Dr. Robert Schmidt, Frankfurt, Direktor des dortigen Gewerbemuseums, im Verein der Gießener Kunstfreunde am 8 Januar im großen Hörsaal der Universität 8Vr Uhr abends pünkllich halten wird, bflrite die weitesten Kreise interessieren. Es handelt sich einmal um den feinsten Ausdruck der hochentwickellen Rolokbotultur, sodann dürfte eS kaum Familien geben, die nicht Porzellanfiguren oder -gruppen besitzert, die unter Umständen großen Wett haben können, lieber alles Wissenswerte der Porzellankunst zu unterrichten, ist der Zweck, den der Vortrag des bekannten Kunstgclel-r-en teriolgt. Da auch Gäste willkommen sind, ist es jedermann möglich, leine Kenntnisse in Sachen des Porzellans"zu erioeitern.
** Die Demokratische Fra uen- §ruppe veranstaltet Frettag, 9. Januar, abends Uhr .im Gasthaus „Zum Löwen" einen Dis - kussionsabend, zu dem alle demokratisch gesinnten Frauen eingeladen sürd.
Landkreis Gießen.
OGarbenteich, 6. Jan. In seinen letzten Sitzungen regelte der Gemeinderat die Der-
Seegespenster.
Roman von Anny Wothe.
,*JHcrikMfsdies CepydgM 1018 by Aany Wethe-Mahn, Leipzig (Nachdruck verboten.! Fortsetzung 23.
„Faßt Euch doch, Frau Schwägerin, es wird sich alles finden. Begreift doch, daß Petcr Bonkm außer sich ist. Ihr und er werdet rühiger werden."
„Peter Banken hat recht," mischte sich Wibfe Wedderken ein, ,chte Frau gehört zu ihrem Mann, du gehst mit ihm."
Estrid sah ihre Mutter mit einem so entsetzten Blick an, daß das Herz der alten Frau darob erbebte.
„Auch du, Mutter," sagte sie und ihre Stimm, bebte in Tränen, „weisest mich von dir? Dann werde ich wohl wandern müssen mit einem, der mich in vierzehn Tagen holen wollte und von dem Peter Honken felbst gesagt: ich gehöre zu ihm. Bei Jngewatt Ferks ist also mein Platz, dem Gonger, der den Tod verheißt."
Ein herzzerreißendes Weh, ater auch eine stille Festigkeit klang aus den Worten der Frau, die für Bent und die Mutter etwas Erschütterndes hatten, nur in Peter kochte der Zorn.
„Wage es, mit meinem Kinde zu beinern alten Liebhaber zu gehen, und du sollst mich kennen lernen. Du folgst mir jetzt!"
Mit roher Kraft erfaßte er ihren Arm und zwang sie so einige Schritte durch die Stube.
„Keine Gewalt, Peter," mahnte Bent, „laß Estrid Zeit."
„Misch dich nicht in Sachen, die du nutzt verstehst. Wir beide reden auch noch mitsammen, und du," wandte et sich an Estrid, „du tust jetzt, was ich fordere, ober ich brauche wirklich Gewalt. Ich will nicht, daß mein Weib sich rote eine Dirne auf der Insel aufrfiljrt, die heute hier mit meinem Bruder ein Stelldichein hat und morgen zu ihrem alten Liebhaber läu't. Ich roerbe dir zeigen, was sich für eine ordentliche Friesenfrau sckiickt."
Bent hatte die letzten Worte nicht mehr vernommen. Er war still htnausgegangen. Auch
Stumm, ohne ein Mort zusammen zu sprechen, waren die Brüder über die Heide gcsahren. Halb tot hatte Peter die Braunen gejagt.
Ungeduldig wart er im GottesÄvg den Knechten die Zügel zu und sagte zu Bent:
,^d> möchte dich sofort sprechen, komme m den Pesel." , .
„Das ist auch mein Wunsch," gab Bent zurück, „ich bin sofort zur Stelle."
Und dann standen die beiden Bruder ,tch tn dem we.ten Raum, in dem die Abendsonnr durch die breiten Fenster flutete, gegenüber.
Hier waren sie einst getautt worden. Hr:r hatte des Vaters und der Mutter Sarg gestanden. Hier war Trauer und Freud« gewesen.
Wibke Wedderfen war ihm zögernd gefolgt, das Ehepaar war nun allein.
Gelassen setzte sich Estrid wieder in ihren. Stuhl. Ihre feinen, roten Lippen preßten sich fest aufeinander. Unter den hall>g<schloisenen Augenlidern funkelten ihre Aug^n drohend zu dem Mann herüber, und seltsam, rote gebannt von dem Blick EstridS, trat Peter, der schon die Hand rote zum Schlage erhoben hatte, zurück. Ohne ein Wort ging er hinaus und warf die Tür schrncttcrnd ins Schloß. .
Wie wilder Triumph zitterte es da m Estrtds Augen aut. Ganz dunkel waren sie, mit leuchtenden Punkten, in denen ein Feuer brannte, vor dem man erschrak.
Dann aber sank ihr der blonde Kops het aut die Brust und eine große, schiveve Träne rann ihr langsam über die blasse Wange.
Draußen klang der Hufschlag der Pferde, Peter Banken fuhr mit feinem Bruder beim.
Estrid sah noch, rote Bent ine Hand grüßend an die Mütze legte, bann brach sie ohnmächtig zusammen. _
Mutter Wibte Tarn hinzu und brachte fie in die Butze. Dieses Mal tjal en feine Troitsp^chc, mit denen die alten Frfefenftau sonst so gern Wort tmd Werk geleitete, denn noch am Abend lag Estrid im heftigsten Fieber und Wibfe hatte zum Arzt geschickt, weil sie das Schlimmste besurchtete.
gfltung der Gerneindebediensteten. Sie erhiellen — Bürgermeister und Rechner ausgenommen — eine durchschnittliche Erhöhung von 50—75 Proz. ihrer bisherigen Bergütung. Als einmalige Be- schaffungsbethilje wurden ihnen 100 Mk. bewilligt — Wie allerorts, so regt sich auch hier wieder die Äercinstätigkeit. Der Gesangverein Vill toia nahm vor Weihnachten feine Uebunasstundcu wieder aut und fointtc in Verbindung mit kleinen theatralischen Vorführungen zu Weihnachten einen genußreichen Farnilicnabcnd veransta.ten. — Ganz besonders rege zeigte sich der Turnverein. Er begann mit seinen llebungen bereits im vergangen nen Sommer. Mustcrrregen, Fackelreigen, an dem sich auch Turnerinnen beteiligten, Stabübungen und andere wohlgelungene Freiübungen mit Musikbegleitung verschönten feinen Fami,ienabcnd am 2. Weihnachtstag. Dem Verein gebärt sämtliche schulentlassene Jugend — von vier bis fünf Ausnahmen abgesehen — an.. Es wurde ihm der Dank für feinen Fleiß und feine Ausdauer durch feinen stellvertretenden Vorsitzenden, Siebter Weifet, ausgesprochen, der auch zu Anfang des Abends der gefallenen Turner ehrend gedachte.
Kreis Büdingen.
4 Ortenberg , 6.Jan. Am Dienstag 2 0.Ja n uar, wird der frühere B urenko m- ma nbant Koos Iooste hier einen Vottrag halten.
O Schwickartshausen, 5. Jan. Zur Errichtung einer Ged ach tni s stä t te für die im Wellkrieg Gefallenen sind in unserem Kirch spiel, dem noch die Gemeinden Eckartsborn und Babenhausen angckhöven, schon über 2000 Vkuck gesammelt worden.
Kreis Lauterbach.
sw. Herbstein, 5. Jan. Beim Nachhaufe- gehen machten sich junge Leute mit dem scharf geladenen Revolver eines Rttchswehrsoll baten zu schaffen. Dabei ging ein Schutz los und traf einen 16jährigen S&nbnrirt so unglücklich in die Lunge, daß er infolge bet schweren Verletzung starb.
Kreis Friedberg.
■= Bad-Nauheim, 4.Jan. Wegen Breim- stoffmangelS müssen die Ernst Ludwig-Schule und die Stadtschule vorerst geschlossen bleiben.
4 Bad-Nauheim, 4.Jan. Die hiesige Ottsgruppe der Deutschen Demokratischen Partei hielt gestern obenb ihre Hauptversammlung unter dem Vorsitz von Apotheker Heß. Außer Geschäftsbericht und Rechnungsablage stand auf der Tagesordnung ein mit Beifall aufgenommener Vottrag von Seminarlehrer Koch (Fttedberg) über JniUurfragen in bet Demokratischen Pattei". Besonders eingehend Ve^handelle der Redner die Stellung der Pattei zum Schul- kompromiß. Der Vorstand der Ottsgruppe wurde auf 15 Mitglieder erhöht, darunter zwei Damen. Außerdem sollen die Stadtverordneten, Kreistagsund Provrnzialtagsabgeordntten aus der Partei jeweils dem Vorstand an gehören. Beschlossen wurde die Einrichtung von Diskussionsabenden. — In einer stark besuchten Zentrumsversamm- lung sprach Beigeordneter Kl oft (Essim) über „Das Zentrum und die neue Zeit". — Auf Ber anlassung der Deutschen Volkspartei wird am kommenden Mittwoch ber frühere hessische Finanz Minister Qbg. Dr. Becker über „Die Ar- beit der Nationalversantmlung und die politische Sage" sprechen.
Starkenburg und Rheinhessen.
** Heppenheim, 4.Jan. Irr unserem 7000 Einwohner zählenden Städtchen sind im Jahre 1919 vorgekommen: 121 Geburten, 102 Trauungen und 159 Sterbefälle. Vor dem Kriege im Sabre 1913 waren eS 172 Geburten, 59 Trauungen imb mir 126 Sterbefälle. Im vollen Kriegs- fahre 1918 waren es nur 79 Geburten 37 Trauungen, aber 189 Sterbefälle. Ein Vergleich dieser Zahlen ergibt, daß die GÄmrten, welche in 1918 nickjt die Hälfte der Gebutten von 1913 erreichten, im verflossenen Jahre wieder zugenommen 'haben, aber immer noch mehr als ein Drittel hinter bem 3afrre 1913 zurückbleiben. Die Trauungen aber haben wieder ganz rapid zugenommen.
Kreis Wetzlar.
ra. Wetzlar, 5. Jan. Die Landwittschasts- fanrmft für tte Rh?inProvinz stellt in einer Denkschrift fest, daß dic Kosten für bfe in ihrem Bezirk bestehenden 48 Winterschulen von 346 655
Mark aus 670135 Mark gestiegen sind. Sie stellt dcsßckb den Antrag, baß der Zujckmß des KreifeS zu den Kosten ber Schule von 15OJ Mott auf 3000 Mark erhöht werde. Da die hiesige Winter-^ ichulc mit einem Bestände von 35 Schulern gegm-, roäctig ihren HöchsldcslQick» erreicht hat, so hat der Kreistag euiümmig ben erhöhten Zujchutz bc^ willigt.
Alrche und Schule.
4 Darmstadt, 6.Jan Nachdem in Ausführung des Kirchengcsetzes vom 28. August 1919 m allen Gkmcinbcn die Wahlen der neuen Kirchen- gemcindevettreter und Kirchen Vorstände slattgcfun- ben toben, hat mmmchr das Oberkonsistorium die sofortige Bomahme bet Wahlen der Abgeordneten zu ben außerordentlichen Dekanats- ! vnvden angeorbnet, zu der jede Pfarrei mindestens zwei iveltliche und einen geistlichen Abgeordneten zu entsenden hat. Die Dekamitssunod« lollen spätestens bis Mitte Februar ftattgeiunben’ und die 9ßx»3Dtbneten zrcm verfosfungs-i gebenden Kirchentag gewühlt haben.
x Wieseck, 5. Jan. Vi den kirchlichen Wahlen am letzten Sonntag wurden die bis^ beugen Kirchenvorstc her roicbcrgewählt: 1. Bürgenneist-er Scho m bc r, 2. Iakob 91 e ibet, 3. Wil hel m Schäser II., 4. L u dw ig P e p l er, 5. Heinrich Wei ler XII., 6. Lehrer Döll, 7. Philipp Heinrich Mank. Dazu als Ersatzmänner Heinrich Will und Lud« roig I hm I. Zur Wahl der weltlichen Abgvord^ neten zur außerordentlichen Dekanats spnode lag nur ein Wahlvvrschlag vor, weS-, hnlb Ue aus ihm Genannten ohne weitere Wahl-; Handlung als grwäl)lt gelten: Wilhelm S ch S * • ser II. und Heinrich Weller XII.; Stelüxra tretet wurden Lehrer Töll und L u d w I h m 1>
Turnen.
** Burkhardsfelden, 5. Januar. Sn Sonntag hielt der Turnverein Gut-HeÄ Jahtesschluß ab. Man gedachte der 15 gefallene« Kameraden und begrüßte die heimgekehtten Ktiegs« gefangenen. Bei ber Neuwahl des Vorstände- wurden gewählt: 5um 1. Vorsihenden Christian Mübus, 2. Vorsitzrnden Frt.drich 'Stu rtipf, Schuft» führet Heinr. Möbus, Rechner Christian Brück ILj Kontrolleur Ludwig Schmidt, Zeugwatt Joh. Heuser. Als erster Turnwart wurde Christian Rühl als zweiter Christian Brück gewählt.
Vermischte».
Koblenz, 5.Jan. Im Schlo« durch ant 3. Januar ein Brand aus, durch bat die Kapelle beschädigt imb ein großer Dell der wertvollen Bücherei des Landgerichts, die in dem Gebäude unter gebracht ist, zerstött wurde.
* Amerikanische „Mammut-Zei4 tun gen". Ter UirntrnÄder gwßenameriLint.chrn Zeitungen ist toä-Iircnb be» Krteges und dem damit Deroimbencn Auischroung des Änzeigenwe.ens^ i«S Ungeheure gewachsen. Fast alle führenden Blatter klben ihren Uurfeng mehr als verdoppelt. Als Beispiel fei angeführt, daß eine Neuyorker Zetttorg- die noch wahrettd des Krieges 276 Spalten rtbab ll.mellen Text in ihrer SvnntagSmmrmer brachte^ numnehr den Text auf 446 Spall en erroctterl Eine anbete Tageszeitung, die früher an Sonn- toflcit mit 294 Spal:en erschien, druckt jetzt eine Ausgabe von 475 Spalten. Die Chiorgv Tttbune rühmte sich kürzlich, daß sie für eine einzige Ausgabe 670 Tonnen Papier brauche, das ist 2% mal fo viel, als der Gesarntpapferoerbrauch sämtlicher in Kanada erscheinenden Zeitungen für eine AuS^ gäbe betrögt. Man «hat berechnet, daß die zroanzigl führenden Zeitungen Amerikas 38 Proz. des geflamten ameukanischen Papiervorratcs derbrauchor- Diese Entwicklung ist für die kleineren Zeitungen fe bÄrohlich, baß man im Abgeordnetenhaus cür Gesetz eingebracht hat, daß ben Umfang der Zev- tunoen auf ftn bestimmtes Höchstmaß fcstlegen will, um dadurch Papier für die kleineren Zeitungen zw sparen. In der Begründung des Gesetzes wird go* fegt, daß die Papierknapphctt für die nächsten zwölS Monate auf ein Minus von 200 000 Tonnen geschätzt wird und baß 3000 Provinzzeitungen gezwungen fein würden, ihr Erscheinen einzustetten, weil das ganze Papfer von ben Besitzern der großen Blätter aufgekauft sei.
was du sprichst, würde ich anders mit dir umgehen, aber ich nehme Rücksicht aut deine Gefühle und will zu vergessen suchen, was du mir zufügtest, um heute noch einmal als Bruder mit dir zu reden." „
Peter sah unsicher dem Jüngeren ins Gnicht.
Er hatte ja recht. Wie einem Wahnsinnigen war ihm zu Utute. Er dürstete förmlich darnach, überall Streit vom Zaun zu brechen und andere zu kränken. _
Denc trat schnell auf den Bruder zu. Fast zornig packte er ihn an der breiten Brust.
„Glaubst du an mich?" forderte er. „Glaubst du, daß. ich, selbst wenn ich deine Frau heiß liebte, irgend etwas getan hätte, sie tnr zu entreißen? Ist das Bonkei sche Att, bes Nächsten Weib zu begehren? Antworte," drohte er erregt, als Peter erschreckt und betreten schwieg.
Peter fuhr sich ein paar Mal durch das wirt« Haar und feh seinen Bruder mit einem unl» schreiblichen Ausdruck in das erregte Gesicht. Dann umwßte er mit krampshajt.m Druck BentS braune Hand und ungewöhnlich sanft, mit tiefem Atemzug»: sagte er;
„Verzeihe mir, Bent, ich bin wirklich gan> von Sinnen. Nein, ich holte dich einer solchen Schlechtigkeit gar nickst für fähig. Aber als ich dich bei Estrid fand, faßte mich eine solch sinnlofe Wut, baß cs meiner ganzen Selbstbeberrschimg bedurfte, nicht ganz anders dazwischen zu fahren."
Bent hielt des Bruders Hand fest umschlossen.
„Ich danke dir, Peter, ich wußte ja, daß dü an mich glauben würdest, aber ich wnß auch, daß bu dir selbst mit eigener Hand dein Glück zerstörst. Frauen wie Estrid vertragen feine rauhe Hand. Du selbst scheuchst sie von deinem verzen.
„Sic soll schon meine Hand fühlen." fuhr Peter Banken auf. „Ihr Herz, das will ich nicht mehr Es liegt mir nicksts daran, mit anderen zn teilen. Mag sie es $ngemärt F?rks oder sonst wem zuwenden, aber sie selbst sie gehört mir.
Du kannst sie doch nicht durch Hätte »der Gewalt zwingen, zu dir zurückzukehren." (Forsetzung felgt.)
Beide dachten sie daran. Auch »ran, daß schon vor mein: als hundert Jahren hier lebet Zwist, jede Mißstimmung in ber Familie zum Aus trag gebracht wurde. Und oie Feierlichkeit dieser Stunde beschlich sie mit ehriürdftem Schauer.
„Du wolltest mich sprechen, Peter," begann Bent mit verhaltener Stimme, „bevor du aber tt- was sogst, möchte ich dich fragen, wie bu zu ber unerhörten Bel-auptung kommst, sch hätte mit mit deiner Frau ein Stelldichein bei chrer Mutter gegeben!"
In Peters ehrliches Gesicht stieg ein leises Rot.
„Eben darum will ich ja mit dir reden."
„Na, dann los, nackstrem du mir meine Frage beantwortet hast."
Peter wurde etwas unsicher.
„Muß ich das nicht denken," stieß er hervor, „wenn Estrid bei Nacht und Nebel aus dem Haufe läuft und ich finde dich, von dem ich annehmen muß, daß du in List bist, bei ihr?"
Auf Bents brauner Stirn schwoll die ZomeS- ader.
„Das gibt dir noch lange kein Recht, deine Frau und mich in so niebriger Weife zu verdächtigen. Ich verbitte mir das ganz energisch."
„Du trägft die Stirn recht hoch," spöttelte Peter „Willst du es leugnen, daß Estrid dein Herz bezaubert hat? Willst du es leugnen, daß bu, hin geraten von ihrer Schönheit, sie an dich gerissen hättest, wäre Estrid nicht gerate teincg Bruders Weib gewesen?"
Bent hob die großen, grauen Augxn frei zu dem Bruder empor.
„Ich leugne nicht, daß das rätselvolle Wesen imb ber eigentümliche Zauber, ter von Eftrid ausgelst, mir zuweilen den Sinn verwirrte, das wird vielleicht auch anderen Männern so ergeben, aber begehrt habe ich sie nickt. Ganz abgesehen davon, daß Estriv deine Frau ist, hat sie mein Herz nie gefesselt, imb deine Verbäästigungen sind so beleidigend, daß ich eigentlich feiort ten GotteS- koog verlassen mußte, um nie wieterzufehrcn. Wenn ich nicht bedächte, daß bu gar nicht weißt.


