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Dienstag, 6. Januar 1920

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberheflen)

Zweiter Blatt

IM

(Nachdruck verboten.)

Fortsetzung 22.

Geegespenfter.

Roman von Anny Wothe.

JUsetoeisciiei Copyright 1918 by Anny Wotbe-Mihn, Leipzig

P. s. Solltest Du mich irgendwo zur münd­lichen Aussprache treffen wollen, so bin leben Augenblick zur See oder M Lande zu einer Zu- fammenhmft fcrrit

Fassungslos starrte Bent seine Schwägerdt an. Peter aber, nur einen Augenblick verwirrt, polterte:

Das hört sich alles furchtbar großartig an. Ich Inn nicht der Mann, aus schöne Worte anzu^ beiden und an ungeschehene Tat^n zu glauben^ Die echte, stolze fteilxitS)urittge Friefenfeau, km du jetzt sein willst, die würde sich schämen, ihrem Manne einfach davon zu laufen. Sie hält auS in Sturm und Not, Freiheit, wie du fte meinst, kennen die Friesen trauen nicht. Doch genug der Worte sind gewechselt. Mach dich fertig. -Jn emer Viertelstunde fahren nur."

Mit dir nicht, nie!" gab Estrid zmück, Me Mutter, die sie beruhigen wollte, zurilckschrtben^ bu hast mich selbst gehen heißen und damit rst die Siche erledigt."

Da irrst du gewaltig. Ich habe nicht'Lust, zum Svott der ganzen Insel herum zulau ,en, toeu mich meine Frau aUrin um den £>ot nahm un» den anderen liebte. Du wirst zurückkehren, deme Pflichten als Hausfrau erfüllen und dem Zs.rnd tat Gottestoog zur Welt bringen. .Patzt es dir dann dort nicht mehr oder befragt btt ine Behandlung nicht, die ein Mann seiner Frau angedcihen latzt, die ihn beträgt, so kannst du gehen, wohin du willst, aber das Kind bleibt bei mir."

Estrid lachte krampfhaft auf.

Ich möchte den sehen, der es mir nehm« könnte Wastefrt Ihr denn so stumm und steif da. Deut Bonken? Ahnt Ihr endlich waS mir blüht, wenn ich alsgehorsam Weib wuDer m daS Daus komme, in dem Peter Banken herrscht d Nein, lieber in den Tod."

(Farietzung felgt.)

strich er mit der großen öanb über seinen röt­lichen, lichten Bart, dann sagte er kurz:

Mag fein, daß ich dir im Augenblick unrecht tat Willst du es leugnen, datz auch sie dich befreit hat und die grötzte Lust verspürt, es noch weiter iu tun?" .

Du verkennst die Eigenart deiner Frau, wandte Bent ernst ein, während Mutter Wtbk» I>eimlid) und dringend aus Estrid einsprach, die ime ein Steinbild verharrte und fein Mied richrtr. Frauen wie sie wollen verstanden fern. Ihre Psyche zu begreifen erfordert vielleicht einen .ganz besonders feinen Sinn."

Und bej geht mir ab," höhnte Peter.Du hast recht, Jung, von solchem Kram verstehen wir ehrlichen Land- und Schiffsleute, die wir still aut der Insel leben, nicht viel. Dazu mutz man weife Reisen gemacht haben und die Frauen aller Lander und Meere kennen. Mir patzt die Wirtschaft nicht. Treu und Glauben, die gelten auf der das ist Friesenart und Wahlspruch."

Und Freiheit!" tönte es vom Fenster her. Frei ist der Friese und will es bleiben. Wie ein Heiligtum verteidigte er von jeher seine Frei­heit Mann wie Weib. Das will ich rum iud) tun, mit dem ganzen stolzen Bewußtsein meines Volkes. Du, Peter Donfen, hast es mich ge­lehrt, was ich mir und meinem Kinde schuldig bin. Es ist das Einzige, wofür ich dir danken

Hochausgerichtet stand Estrid da. Nicht wie eine Schuldige, sondern wie eine junge Königin Ihr Goldhaar gleißte um den feinen Kom und die blaßroten Lippen leuchteten m dem durchsich­tigen Gesicht mit ben unerfründlichen Augen in einer fast übcrirbifdjcn Schönheit.

**®er Verein der Gießener Kunst- re u n d e (Vereinigung der Freunde des kunst­wissenschaftlichen Instituts), der Ende Dftober ge­gründet wurde, zählt bereite über 160 Mitglieder und Stifter, ein Zeichen, wie notwendig Und zeit­gemäß der Verein allen Kunstfreunden unserer Stadt erscheint. Der erste Bereinsvortrag findet Dminerstag den 8. Januar im Großen Hörtaal .der Universität 8V» Uhr abends pünktlich statt.

Ein Küchen-Kleinod

in dieser fett- und fleischarmen, für jede Hau» (rau sehr schweren Zeit ist die

Reine Speisenwiirze Nr. 550

Sie gibt nur mit Wasser gekochten Suppen und sonstigen Speisen höchsten W ohlgeschmack. als ob sie mit Fleischbrühe zubereitet waren. Ein \ ersuch kostet nur M. 1.70 und wird jeden so ort von dem hohen Wert d- Speisen würze Nr. öoO für die Ktkhe u.Enifthrung überzeugen. Die Flasche von lange ausreichend, überall erhält!., wo nicht, direkt vorn Herkules-Nährmittel werk in Gelnhausen. Gi

** Londorf, 4. Jan. Vorgestern fanb die diesjährige Generalversammlung des Turnvereins im Vereinslokal bei Gastunrt Gustav Bo^pn statt. Nad'dem der 1. Vorsitzende W. Schomber die Ver­sammlung eröffnet hatte, gab der Rechner folgenbat Bericht: Einnahmen 1311,10 Mk., Ausgaben 865 Mark, das Vereinsvermögen beträgt 1529,06 Mr.

Im nächsten Augenblick aber schrie Estrid aut. Leichenblaß stierte sie zum Fenster hinaus, wo ein Wagen mit zwei feurigen Braunen daher^ rCl%ct Wagen hielt vor dem Haufe. Bent hörte es auch

Was ist Euch, Frau Estrid, Ihr zittert ja?

Estrid gab keine Antwort. Mit geweiteten Augen sah sie nach der Tür, hinter der jetzt eilige Schritte und Worte laut wurden.

Ehe Bent noch alles recht begriff, wurde di' Tür aufgerissen und in ihr stand zornrot, groß und breit, Peter Bonfen und lachte höhnisch ruf.

, Da hast du ja dein Vorhaben schnell wrhr gemacht," spöttelte er,dich losort einem,brr mir nahe steht," an den Hals yu werten Hast wohl nicht gedacht, daß ich gleich Euer Stelldichem stören würde?"

.Bruder!" rief Bent, auf Peter zustürzend und ihn wild an der Brust packend,wie kannst du deine Frau und mich so beleidigen?"

Na, sie wird wohl zu tragen wissen und du ernst und voll Schmerz, doch nicht zornig sah er den Bruder an,du mutzt mir zugeben, datz es höchst verwunderlich ist, dich hi.'r zu fin­den, nro du mir gesagt hast, daß du in Vift bist."

Soeben komme ich von dort. Ich ivvllfe Söl- ves Adulter nur Nachricht von ihrem Verblech geben, und erst frier erfahre ich, was sich in dieser Nacht im Gotteswog zugetragen. Ich ver­suchte lochen, Estrid zu bewegen, mit mir in den Gotteskoog zu dir znrückzufehren."

Die ruhige A. ttvort d.s Karitäns trug so überzeugend den Stempel der Wahrheit, d^ß Peter ein leises Gefühl der Scham bcsch.ich. Verlegen

Mit besten Grützen Willy.

Mit dem Bündnisangebot Eng- lands beschäftigt sich, ein als privat und streng vertraulich bezeichneter Berliner Bries vom 30. Mai 1898. Er lautet:

Liebster Niki!

Mit einer nicht ganz imerwarfetcn Plötzlich­keit sehe ich mich vor eine Entscheidung gestellt, die von lebenswichtiger Bedeutung für mein Lmid ist und die so weit reicht, daß ich die äußersten Konse­quenzen nicht vvraussehen kann. Die Tradittonen, nt denen ich von meinem geliebten Großvater ge­segneten Andenkens in Bezug auf unsere beibm Säufer und Länder auferzogen wurde, sind, «ne Du mir zugeben wirst, meinerseits stets als cm heiliges Vermächtnis von ihm aufrechterhalten worden, und meine Loyalität Dir und Deiner Famifte gegen* über steht, tote ich mir schmeichele, über jedem Ver­dacht. Ich komme deshalb zu Dir als meinem Freund und Consident, um Dir die Angelegenheit zu unterbreiten wie -einer, der auf eine offene unb chrliche Frage eine offene unb ehrliche Antwort erwartet. Anfang April -haben die Angriffe auf mein Land und meine Person, die bis dahin von der britischen Presse und dem Volk auf uns hagel­ten, p l ö tz l i ch n a chg e l a s se n. Es trat, wie Du jfemertt haben wirst, ein zeitweiliger Stillstand ein. Das überraschte uns einigermaßen, und wir waren um eine Erklärung verlegen. Durch eifrige Nach­forschungen ermittelte ich daß Ihre Majestät die Königin selbst'durch einen ihrer Freunde eine Nach­richt an die britische Presse »hatte gelangen lassen, sie wünsche, daß dieses unvornohme falsche Spiel aufhöre. Das in dem Land derfreien Presse". Ein so ungewöhnlicher Schritt führte und natür­lich zu dem Schluß, datz etwas in der Luft liege.

Bericht: Einnahmen 1311,10 Mk., 7-isgaben 865 Mark, das Vereinsvermögen beträgt 1529,06 Mr. Die Mitgliederzahl stieg auf 130. Ms 1 unb 2 Vorsitzender blieben die bisherigen Wilh. bdpnv- ber und Heinrich Rohrbach, ebenso Schriftführer Konvad Schnecler wie auch Kontrolleur und Zeug» foart Wilhelm Stange und Heinrich Pfeiff MS neu nniTben gewählt 1. und 2. Turmvart Philipp Höchst mid Heinr. Kämmerer, als Rechner H«nr. Gott. Obwohl der Verein 21 der bvften Tumor

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«n unb GebrSuchni, ein» Lefensführung bei be* '[Wen, jflbrte .bet leWen Sro e.for bis jum n Wbtnrö, a'xr u- Itanb noch am 'Üotahtnb W und ber IfeinbuitQcn Nachteilen. unb crira^en und durch unben )n öiefem 3oiire b« ttf.tn bwM iiaa» tSkiaiu'.ia mit Volks« ifen nach roadtn n toiiung mürbe auch 5täOto)Ci)nuiig äineiübti.

Jubiläumsjahr wurde dieser Grundsatz sogar in Verse gebracht: England brauch.' Line xkrbünDc- ten, le caö erfreant könne allein die ganze Well be­kämpfen mit folgendem Refrain: Weoe got tl/c shchs, we 've got tfre man, roe 've tfre ntoneq too. Die Antwort war, daß Die Ansichten s i ch vollkommen geändert hätten unb dieses .Angebot die Folgerung daraus sei. Nach Ostern iwurde das Ersuchen dringend erneuert, aber aui meinen Befehl kühl und dilatorisch in farb­loser Fassung bcantnrortet.

Ich dachte, die Angel genheit fei nun zu Ende. Jetzt aber ist das Griii djen zum dritten M a l in so unmißverständlicher Weife ioiri>erfrolt worden, wobei ein bestimmter kurz^-r Termin für m-ine end­gültige Antwort goste.lt unb so ungeheure Anerbietungen hinzngesügl wurden, die meinem Landeine weite und große

Estrid schlug langsam die Augen mit den sei­digen Wimpern auf. In ihnen Augen flackerte nn irres Licht, als sie antwortete.

Nein, Käpten, Ihr habt mir zu wenig Thit. Ich gebe zu, cs machte mir Spaß, zu erproben, toi ireü meine Macht über Euch reichte, doch mit Euch spielen, tote Ihr meint, um Euer Herz zu erwerben, das lag mir fern."

Ihr macht gar feine Unterschiede, Frau Estrid, die ein einfacher Seemann wie ich nickst versteht. Indessen genug von mir, darauf kommt es ja gar nicht an. Ihr müßt in den Gottes- loog zurück, ehe Peter Euch mit Mwalt holt und es ein Aufsehen auf der Insel gibt.

Kommt mit mir, ich bringe Euch heim. Ich will versuchen, in Keitum einen Wagen aufzu­treiben, denn ehe die Flut kommt, vergehen noch Stunden. Macht Euch fertig."

Estrid rührte sich nicht.

Bent stampsfe imgeduldig mit dem Fuße.

Treibt es nicht zum Aeußcrstrn Ihr dürft es nicht, schon Eures Kindes wegen nicht, Frau Schwägerin." r c p

Merkwürdig, feitdem Bent wußte, daß Estrid em Kind haben würde, seines Bruders Kind, konnte er ganz ruhig in iljre Nsrenaugen blicken, bernt Glanz und Schimmer ihn oft verwirrt hatte.

Ge-bt Euch feine Mühe, Bent Bonfen, ich Heibe."

lung berufenen Sachverständigen Geh. Baurat Th. ! Ävehn-Berlin aufmerksam macht. Danach betragen I nach sechsmonatiger Leistung die gesamten nutz^ : baren Wasstrkräf.e D.utjck,lands 1 Gu9 5OU PS unb bei sechsnu) na tiger Leistung 1 327 0U0 PS an der Turbiiieiuoelle gemeiieu. Den Haupt an teil haben 1 Preußen mit 29, öaijem mit 50 und Baden mit 7,5 Prvz. Hessen steht an 6. Stelle mit 25 000 bzw. mit 18000 PS unb 13 Pro», der Gesamt- Wasserkräfte Deutschlands. Diese recht>edeutende Zahl gestaltet sich günstiger, wenn man die Pferde. krastzahlen mit dem Flacheninlialt (in Quadrat­kilometer) der Länder, in denen sie gewonnen wer­den können, in Beziehlmg bringt.. Neunmonatige Leistung vorausgesetzt, p.rl>ält sich dann der Flächeninhalt Preußens zu feinm Das^erkraft- Pferdeftärfeii wie 1: 1,1. Bei Baharn ist das Ver­hältnis 1:9, bei Baden 1:1,75, bet Hessen 1:2,5, Hessen hat danach verhältnismäßig mehr Wasserkräfte als Preußen.

Neue Vestimmungen für Schüler» monotofartcu.

Die Bestimmungen für Schülermonats­karten sind neu ausgestellt worden. Sie wer­den 2. und 3. Klasse im gleichen Umfange wie die Monatskarten ausgegeben, und zwar an Besucher und Besucherinnen von Hochschulen, von höheren und niederen <5d}uten, von Fort- bilomtgs-, Gewerbe-, Handels- und Industrie­schulen, auch von privaten Lehransdaften so­wie zum regelmäßigen Besuche von Lehr­gängen zur Erlernung von Hansl ickfen oder Hai'darbeiten, für Zöglinge von Lelsrer- und Lehr^rtnnenseminaren, Präparandei anstalten und für Konfirmanden. Auch erioachsene oder selbständige Personen können sie zum Besuckfe von Fortbildnngs-, Gewerbe- und FachsclM- len, Einzelunterricht, Fortbildungslel)rgän- gen hir Lehrer und Handwerker erhallen, so- I fern Der Unterricht lediglich die AusbiFonng für einen künftigen Beruf oder Erwerb be­zweckt. Für Geschwister werden je besondere Karten ausgestellt. Sie können auch für ver- sckftedene Strecken und Wagenklassen lauten. Für Schulkinder unter 10 Jahren werden weitere Bergirnstigungen nicht gewährt.

Um Ostern herum sandte ein berühmter Poli­tiker aus eigenem Antrieb plötzlich zu meinem Bot­schafter und bot ihm a brüle-pourpvint einen Bündnisvertrag m if England an. Graf Hatzfeld, äußerst verblüsst, sagte, er könne sich nicht erflärcn, wie das möglich sei nach allem, was sich seit 95 zwischen uns ereignet habe. Die Ant­wort lautete, das Angebot sei in vollem Emst er» felgt und aufrichtig gemeint. Mein Botschafter sagte, er werde berichten, aber er bezweifle sehr, daß das Parlament je einen solchen Vertrag akzep­tieren werde, da England bisher jedermann, der es hören wollte, nicht Darüber im Zweifel gelassen habt, daß es nie und unter keinen Umständen ein Bündnis mit einer kontinentalen Macht ringtfien werde, wer es auch sei, und zwar deshalb nicht, weil es seine Dandlungsfrerhrit wafrven müßte. 1897 im

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A«s Stadt «nd Land.

Gießen, den 6. Jan. 1920.

Die BevSlkerung Hessens

betrug nach vorläufiger Feststellung am 8. Oktober 1919: 1290 356 Personen gegen 1282 051 am 1 Dez. 1910, und zwar 616 301 männl (639 198 rst 1910) und 674 055 weibl. (642 853). Die Zahl der männlichen Personen 'frat demnach um 22 897 angenommen, die der weiblichen um 31202 zugenommen, so daß sich eine Seine Gc- samtztmahme von 8305 Personen ergibt. Würde die Bevölkerung im gleichen Maße gewachsen fein wie in dem Zeitraum 1905 bis 1910, so müßte die männliche Bevölkerung 701243, die weib­liche 709 555, die gesamte 1410 798 betragen, daS ist rin Ausfall von 84 942 Männern, 35 500 Frauen, 120 442 Personen überhaupt. In dreier Zahl wäre der Gesamwerluft an Atenschm ent­halten, den der Krieg unserem Staat gebracht, und zwar sowohl infolge von Sterbesällen wie von Gebnrtenausfall, wie endlich von noch nid# er­folgter Rückkehr aus der Gefangenschaft. Diele Zahl ist aber wahrschrinlich etwas zu hoch, ,veil die Beoöllerungsvermehrung f.it 1910 üuolge des stetig steigenden Geburtenrückganges vor dem Ätfeg nicht mehr so groß gemeiert sein wird wie in dem vorausgegangenen Jahrfünft.

Die Wassertrüste Hessens.

Da r m stad t, 3. Jan. Unter der Ueberschrift: Die Ausnutzung der Wasserkräfte Hessens" ver­öffentlicht Bauinspektor Händel-Worms einen Ar­tikel, in dem er unter Brtonung der erhöhten Be­deutung derweißen Kohle", der Wasferkraft und des Sozialisierungsgesetzes vom 23. März 1919 auf das Gutachten des durch die Nationalvcrsamm-

Dttrehe und Schule.

tt. Treis a. L., 4. Jan. Der aus frtou zösischer Gefangenschaft zurückgefefrrte Mission« Walther aus Beuern predigte beute vor? und nachmittag in ber hiesigen Kirche und schilderte daf>ei die Not ber Äammeruner (Eingeborenen m allerlei Krankheitsfällen, denen sfe hilflos gegen« überstehen. Auch sprach er von feinen traungwi Erfahrungen, die er in Dahome und NtarvkV als deutscher Kriegsgefangener bei der Behanb- lung durch die Franzosen gemacht hotte, ^solche Unmenschlichkeiten und Grausamkeüen, wie sie dort täglich gegen die wehrlosen und zum Teil kranken Teuftchen begangen wurden, um sie zum Wlder- stand zu reizen und sie bann wegen Ungehorsams gegen die Vorgesetzten zu erschießen, spotten teber Beschreibung.

Büchcrtisch,

Die Aussöhnung ntit England Von Fregattenkapitän Robert Trapp. 7,40 Mk, Rus fische Zu kunft. Bon Hermann Rosen. 2,25 Mk. Theodor Litzner Verlag, Berlin.

Zukunft eröffnen, daß ich es für meine Pftickst gegen Deutschland halte, grfrdrig zu über­legen, bevor ich antworte. Ehe id) es aber tue, komme ich frei und offen zu Dir, mein geschätzter 3-reunb und Vetter, um Dich davon zu unter­richten, bo ich fühle, baß es sich um eine Fraye sozusagen über Leben und Tod handelt. Wir beide haben dieselben Ansichten, wir roünfd>en den Frieden, unb wir haben ihn bis freute erhalten und bewahrt. Was die Tendenz dieses Bündnisses ist, mirit Du gut verstehen, da ich unterrichtet Kn, daß es sich um ein Bündnis mit bet Triple- Allianz und mit Einschluß von Japan imd Ame­rika handelt, mit denen bereits Vorverhandlungen begonnen worden sind. Welche Chancen in der Ablehnung ober Annahme für uns liegen, magst Du selbst betedpum. Nun bitte ich Dich als meinen alten ustd vertrauten Freund, zu sagen, was D u mir bieten konnst und tun willst, wenn ich adle hne. Bevor ich meine endgültige ISittfdrtbung treffe und meine Antwort in dieser schwierigen Sage absende, muß ich imstande fein, klar zu sehen, und klar und offen ohne Hinter­gedanken muß Dein Vorscküag fein, so daß ick beurteilen und in meinem Same vor Gott ver­antworten taut, wie ich das Nduß abzuwägen habe, was den Frieden preines Vaterlandes und ber Well zum Nutzen bient. Du brauchst ferne Be­fürchtungen für Deine Verbündeten zu hegen bei irgend einem Vorschlag, den Du machst, falls er in eine von Dir gewünschte .Kombination gebracht wird. Mit diesem Brief, liebster Niki, setze ich mem volles Vertrauen aus Dein Stillschtvrigcn und Deine Diskretion Jedermann gegenüber unb schreibe, wie in alten Zeiten mein Großvater an Deinen Großvater Nikolaus I. gricfrricben haben würde. Möge Gott Dir Helsen, die richtige Lösung und Entscheidung M finden. Es geschieht für die folgende Generation, aber es drängt, deshalb ant­worte bitte bald.

Dein ergebener Freund

Willy.

Schmidt, gewonnen, der über die deutsche Porzellankunst im 18. Jahrhundert (unter Vorführung von Lichtbildern) sprechen wird. Gäste

md willkommen. r

* Die Stenographen gesell schäft Gabelsberger" und Damenabtrilung Gießen, E. B., hielt am 3 Januar 1920 ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Die Kassenvcrhallnisfe sind zufriedenstelfend. Die Mitgliederzahl tft auf über 600 gestiegen. Der bisherige Vorstand durfte ftck> feiner einstimmigen Wfederwcchl erfreuen. ll .Bori Karnback, 1. Schristf. Kopp, 1. Rechner S«bert Ferner wurden tofedergewShlt: 2. Bors. Kuhl, oct- tungswart Frl. Zink, 1. Bris. Jöckel und Grave- lius, neu hinzu ber 2. Schrifts. K. Heß als Dücher- toart Frl. Anna Singel. Die Anfänger-, Fortbll- dungs-, Redeschrift- und Diktatkurse ^nehmen am Montag, 5. Januar, wieder ihren Anfang.

Landkreis Gießen.

** Trais-Horloff, 3 Jan. Am zweiten Wrifrnachtssriertag vemnstaltrten Schüler der frü» sigen Bolksfchule unter Leitung von Seminarist Schnxrrz einen in allen Teilen toofrlgelungenen Weihnachtsabend, in bef.cn Mittclpunkt ein zweiaktiges Wrihnachtsmärchenspiel stand. Im Anschluß, daran wurde die Gründung emes Volksbildungsvereins beschossen, lieber 80 Ortseinwofrner sind bis jetzt dem neuen Bevein beigetreten Seine Hauptaufgabe wird leJeten in Theatepaufführungen, beehrenden Vorttägen usto.

Starkrnvurg unD stiheitthessen.

rm. Darmstadt, 5.Jan. Die Lehrer­vereinigung der Handtoerkerschulen in Hessen hielt ihre diesjährige Hauptversammlung in Darmstadt unter dem Vorsitz des Architekten «Georg Kug^l (Darmstadt) ab. Der Besuch aus allen Lande st eilen war gut. Es wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: Die Hauptversammlung tebauert, obwohl die Lehrer an den Handwerkerschulen während des ganzen Krieges und bis heute selbst unter den schwi-ngsten

Die Kailtrbrkfe.

Berlin, 3. Jan. Ein vom 12. November 1896 datierter Brief Wilhelms II. enthält bemer- fensw^rte Acußcrungen des >taisers über den Fürsten BtSmarck im Anschluß an bie Ende Oktober 1896 bekannt gewordene Äünoigung bcs Nückveriicklerulmötrtstrages zwischen 2feut|chland unb Nußland. Der Brief lzat folgenden Wortlaut.

Letzlingen, 12. November 1896.

Liebster Niki!

..Ich bin tief traurig über Bismarcks schreck­liches Benehme, daÄ^ob^erch es. ,/nn Coup- ist, der sich lediglich gegen, mrch Persons nicksts desto weniger cnum Bruchs Loyalttat gegen seine Regtorung

auf dem Gedächtnis meines geliebten Groß«itrts SI auT km Äin-s gelüMen Saterä surütflafet Ich habe meinen Dnfel, den Kanzler, bereits vert standigt, was im Parlament zu faptft,.unb i* hoffe, Du wirst zumeden fern mit ber Art, wie bie ganze verräterische Angelegen­heit ^handelt wird. Ich nehme an daß bei diesem letzten Schlag des <yuriton und bei der schamlosen Art, mtt der er mich in ferner Preise hXnrilt insbesondere durch den Versuch, das Volk glauben zu machen, daß ich imterenglischem Einfluß" war und es noch jetzt bin die klaren Köpfe anftmgen werden zu Derftefrcn, daß ich Grund hatte, diesen unbändigen Mann mit feinem niedrigen Charo kter aus dem Amte zu sckricken. Ich setze unbedingten Glauben in die Hoffnung, daß Du mir freundsckMuch ver­trauen wirst, wie Du es bisher getan hast, und daß sich nichts zwisckien uns beiden geändert bat unb nichts ändern kann, seitdem wir in Breslau die Richtung sür unser Handeln abgesteckt haben. Wladimir ist mit dem besten Eindruck von Pans gekommen, daß dort alles ruhig ist, was i(fr be» tätigen kann aus den Berichten meines Bvt- chasters, der auf bestem Fuße mit der Regierung tefrt und ganz voll von Bewunderung für die Fähigkeiten unb Kaltblütigkeit Hanotaux ist. Dieser ist, wie ich fröre, ziemlich nervös wegen der Türker, aber ba ich nichts Aufregendes von dort gefrört habe, nehme ich an, daß dazu kein wirklicher Grund vorhanden ist. Er ist, wie ich fröre, einer Konferenz wegen der Türkei stark abgeneigt, unb darin frat er vollkommen recht.

Verhältnissen voll und ganz ihre Schuldigkeit getan haben, daß bis freute bie 2efrrerwrgütungen noch nicht den Zritvcrlfelttiiisen entnnxdjcnb geregelt sind, und den ßeIrrem nxrfrrenb des ganzen Krieges nur einmal eine geringe Teuerungszulage aus Staatsmitteln zutett geworden ist. Sie erfemit an, baß bie Geiverbevertrne zum größten Teil allein nicht in der Lage linb, den zeitgeniofen Anfer berungen ber Handwerkerschulen gerecht zu wer­den und fordern umgefrenb ausreichinbe frnajv zicllc Untersiüimng des Staates. Sie betuyert rwitcr, baß bi ifergütungen ber öcfrrcr an den Hanbwcrlei schulen groß enteils weit lüitter den Bergiitungen an den obligatorischen ForlbildungS^ schulen znruckstelvn. Sie enoartet daher, baß bie Forderung der Lehrer Vereinigung vvn der Regie­rung alsbald anerkannt und bie erforderlichen Mittel da zu bereitgestellt werden.

dz. Osfenbach, 3. Jan. Im Jahre 1919 wuckden in ber Stabt Offenbach beurkundet: 1203 Geburten, 901 Elnsdüiehungen und 1260 ©terlKfälle gegen 879 Geburten, 487 Eleschlfe- bungen und 1096 ^terbefälle im Jahve 1918.

Hessen-Nassau.

Frankfurt a. M., 4. Jan. In den letzten Tagen macht sich frier eine regere um­stürzlerische Werb, tätig leit bemcrfixir. Infolge­dessen fefren sich die hiesigen Behörden gezwungen, umfassende Sicherheitsmaßnccknnen ^u treffen. Sell einigen Näcksten wird das Polizeipräsidium von ftnrfen Wachen und Reichswehrabtrilungen be­hütet. Auch bie Umgebung bcs Präsidiums ist nactsts burch Polizei und Militär g sichert

Frankfurt a. M., 4. Jan. In ber Billa des Bankiers Wertheimver, Zeppe­lin-Allee, wurde in ber letzten Nacht ein ver­wegener Einbruch ausgeführt, wobei den Die­ben Kunstgegenstände, Schniucksachen ujro. im Werte von fast einer Biertelmiltion Mark in die Hände fielen. Bislfer fehlt jede Spur von den Einbrechern und dem Verbleib l oer Waren.

Turnen.

Als Redner ist der Direktor des Kunstgewerbe-1 [m Felde verloren, kehrten 14 zum Bittest ent» museums in Frankfurt a. M., Pros, Dr. Robert suchte alle prrisgekröitt zurück. Am 8 Februav hält ber Verein fein diesjähriges Wmferver- gnügat ab.