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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Srettag, 5. November (920

der bc5

eben acht geschlagen, als eine w-ss'liche Gestalt am, Ausgang des Lindenweges, dem Doktorhaus gegen­über, austauchte. Sie trug einer langen, nritai Mantel und einen Schleier vor dem Gesicht. Wr bet Apotheker erkannte sie doch: er kannte sie an ilnxnn Gang und an ter Haltung Vrees Kopses; aichcrnsalls hätte tljn die unverke mba e Unsicher- hnt ihres Benehmens erraten lassen, wer sie sei.

,Sie blieb stehen und sah nach dem Doktorhause herüber: aber sie zögerte, den Fahrrvcg zu über­schreiten, der sie von ihm trennte. Und als jc&t zwei Tiesenbrunner Bürger, die sich ain ihrem SLmdspaziergang begeg!-el waren, zu ansck>:inenü längerem Gep.auder ge.ade vor der Apothe.'e stel'en blieben, entschl-otz'sie sich, in der Richtung nach dem Marktplatz zu die Straße hinabzugel.en. S.e warrdtL wiederholt den Kops nach den be den, und als ftc fcp, kib sie sich trennten, kehrte sie um. Sre schien feinen lästigen Beobach er mehr in der Nähe zu vermuten, als sie mit raschen Betvegungen durch dre unverschlossene Haustür schlüpfte. Bon dem Manne, der im Halbdunkel des Vorgärtchens säst und, weit in einen Stuhl zurückgelehnt, das verrate risch gkrm- mende Ende seiner Zigarre vorsichtig in i>jn Aschm- bocher^ drückte, ahnte sie nichts.

Sie stieg die schmale, knarrende Treppe empor und klapst: an die ihr bekannte Tür de; Warte­zimmers. Tast Doktor Germerings alte Wfrtsckjaf- terin, die auch den Haushalt des Apck'e ees mit* besorgte, nicht zu sehen war, wunderte sie nicht: sie hatte es für selbstverständlich ge'-alten, da st er sie fort schicken würde, dlber sie gewann nicht den Eindruck, als ob er in fiebernder Erwartung Irret geharrt hätte, denn sie muhte wiederholt klopfen, ehe eine andere Tür von drinnen auf getan wurde.

(tJjttfeftuafl folgt.).

Berlin, 4. Nov. (Wolff.) Bei Beginn heutigen Sitzung des Hau pl aus schusI e s Reichstages gab Reichs sckjatzminiscr van Rau

l Wirtschaftsverträge mit dem Ausland.

Berlin, 4. Roo. (WTBst Dem Reichs - r a t und dem Reichstag gehen demnächst drei Gesetzentwürfe über ine Wirtschafts­verträge zu, die Ministerialdirektor v. Stock- hammern namens der . deutschen Regierung mit den Regierungen von Deutsch-Oesterreich, dn Tschechoslowake und Ungarn abgeschlossen hat. Diese Handelsverträge stellen die -nisten Abkommen dar, die die wirtschaftlichen Beziehungen zu einem Teil des Auslandes, die durch den Krieg bzw. durch den Friedensvertrag unterbrochen waren, wieder in völkerrechtliche Formen fassen. Ter österreichische Vertrag ist auf dem alten Handels­vertrag mit der austro-ungariscken Monarchie auf» gebaut, trägt aber den neuen Verhältnissen soweit als möglich Rechnung. Die Verhandlungen mit der

ferne Wohnung schaffen mußten. Das war ein Skandal gewesen, wie man ihn in Tie'enbrunn seit langem nicht mehr erlebt, und dieses Ereignis lösck-t..- bett Apotheker B <ridt vord^rtand aus ter Liste der umworb men Heivatskandidaten. Gr selber schien sich's al erömgs nicht allzusehr zu Herzen genommen zu haben: er schlug vor niemand die Augen nieder und liest sich's le.ncsw-gs angelegen sein, seine Verirrung durch vermehrt.: Licbens- nürdigkeit zu sühnen. Gr zeigte sich nachher genau so mürrisch und unverdros'en Ivie und üLer- sah sehr gerne auch jene Hände, die sich ihm zu genrütliä«m Anbietern gS ersuch entgegeustr ckt n. So unzweideutig offenbarte sich in all fernem Tun und Lassen der Wunsch, allein zu bleiten, dast man ihm zuletzt den Willen liest und sich nicht mehr um ibn kümmerte, auch nicht um ferne ftiL m Sonntags- und Abendfreuden im Boi Aorten te5 Doktorhauses. Man brauchte ihn nicht einmal im Vorbeigehen zu grüßen, weil er hinter dem Gitterwerk senes Wickels so gut wie unsichtbar war. Und nenn man sich auch über den einsamen Zecher besondere ©exr.itm mackste, so hielt man es doch kaum mehr der Mühe wert, sie auszusprechen.

Ja, er war für die Leute aus der Straße bei­nahe unsichtbar: aber er selber konnte sie durch die vielen kleinen viereckigen Gucklöcher zwischen dem Latcenwerk um so bequemer beobachten: er iah hier olles ebensogut wle von seinem Arbeitsplatz am seniler. Und vielleicht waren die dämmerigen «Abendstunden für die Bereicherung seiner Tresen­brunner Personen- und Claoakterstudlen noch er­giebiger, als der Tag mit ferner zur Vorsicht und Selbstzucht mahnenden Helligkeit.

Tie Kirchenuhr, dre der wirklichen Zeit immer um ein knappes Viertel stündchcrr voraus war, batix

m e r beim Etat für üie be.etz.en Gebiete eine Er­klärung ab, in der er u. a. sagte: In «einem Teil dec Berli.rer Presse sind über meine gesogen Aus­führungen im Haushal.sausschuß so unrichtig: Mit­teilungen gebrachst wotexm, daß ich Veranlassung nehmen möchte, sie richtig Ku stellen. Aus die Frage des Abg Helfferich, ob nicht außer der vom Abg Lvucheur in dem Bericht an die franzö- sische Teputierlenkammec gemachen Sckützung der durch die Okkupa.ion bis zum 1. Mai 1921 ent- stehcnf'en Kosoen aus 4 Milliarden Gvldmort an­dere ziffernmäßige Un erlagen vorliogen, hab: ich eine Reihe von Aritungsmeloungm von belgischer, englischer und amerikwlisck-ec Sei.e mitgc.eüt. Ich habe hierbei ausgeführt, dast diese sänrtlichm Nackj- richten so offensichtlich unnd: ig und nnv>. llständig seien, daß sie Einerlei Grundlage für die Kosten- Veranschlagung abgeben können. Ich möch e daraus hiwvci'en, t-ast auch Helfierich, tute er mir selbst soeben bestä ist, im Verlaus der Deba.te die von amerikanischer Seite stammende Angabe, daß die Koster, für die amerikani'ckje Besatzungsarmee sich täglich auf eine Million 220 000 Dollar beliefen, als unmöglich und offensichtlich unrichtig be­zeichnete.

Gr ist ein verdrießlicher, ungeselliger Mensch, lautete in den besseren Kvnsen von Tiefenbrunn das einstimmige Urteil über Konrad Brandt. Gr hatte einen beträchtlickLn Kausch eis für das Haus und die Apothekengere-chtsame erlegt, und es hieß, daß er wohlhabend sei. Ta hatten es die Eltern heivatssähi^r Töchter ansangs natürlich nicht an freundlichem Bemüler fe'/et lassen, ihn he ranz u- ztehen, obwohl sie damr von den as Oper aus- erfebmen jungen Mädcke., meist wenig Dank ern­teten. Und es nxrr auch in allen Fällen e.n ver­gebliches Bemühen geb ieb n. Granit lat e wo ft einige unerläßliche B'liclstöe-suche bet den Trefen- brunuer ersten Famil en gemackst; aler er J;a!te feiner der durch sie re anlasstm Einladungen Folge geleistet, und sein erstes Erscheinen in einer größe­ren Gesellschaft war zugleich das letzte gctoeien.

Sanitätsrat Tr. Barenchin, der sich ferner von Anfang an sehr freundlich angenommen, juckte ihn einmal zu bestimmen, aus "dem Winterball e i derHarmonie" zu erscheinen, einer Ve-.anstaltung, bet ber niemand fehlen durfte, der sich zur guten Gesellst!»ft des Ürte5 reck et:. Daß er auch im Frack keine vortnlba-te Fr^ur mackste, Tratte dcm Ansehen des Apothekers le, dieser Gelegenhcü sickerlich ebenfoii'C.ng gescha' et rot? seine schwer g- same Zurückhaltung und seine Abneiging gegen

Tanzm. Aber es war etwas gesckreom, was man in Tss'senbrunn nicht so leicht re zieh w e bwfe deinen SchönhectSsehler: er halte lieh bis zur Sinnlosigb it betrunfen. Und z'var nickst etwa im fttdie ftöhlicher Zecher, wo einer leicht ei'unat des Guten zu viel lut, sondern in aller Stille und mutterseelenallein in einem einsamen Winkel, von wo zuletzt zwei handfeste Männer den Lallenden, Der nicht mehr auf de» Füsen stehen bunte, ur

nicht nur von dem über 15 000 Mark hinaus* gehenden Teile des abzugssähig.m Arbeitslohns, sondern auch von dem übrigen Betrage desselben, also auch von 1 bis 15 0J0 Ddirs, einbehalten mcriMm sollen. Nur bann, wenn ter ab-ugopslichtig« Terl des Arbeitslolms aus das Jahr umge- rechnet den Betrag von 15 000 Pdark, nicht aber den Betrag von 130 000 DLark, übersteigt, linb bis auf wetteveS an dem Teil des Arbeits­lohns, der den Betrag von jährlich 15 000 Mark nicht übersteigt, 10 Proz., unb von dem übrigen Teile des Arbeitslolms 15 Prvz. einzubehalten. Hiernach sind z. B, loenn der abzugs^islichtia« Teil des Arbeitslohns 16 000 Mark jährlich be­trägt, nur 1650 Mark, und zwar 10 Proz von 15000 Mk und 15 Prvz. von 1000 Mark einzu- bcItalien, dagegen bei einem abzugspslichtigen Ar- bet'stöhn von jährlich 32000 Mk- 20 Proz von 32 000 Mk- = 64 00 Mk.

Tscbecho-Slowakei wurden in so freundschaft­lichem Gkifte gepflogen, daß ein nKttgebniM Entgegenkommen beiöcneitd möglich war. Dte 53er- bandtungen mit Ungarn lehnen sich ebenfalls an den a-ten Handelsvertrag an, der zwischen dem Deutschen Re.chc und der austrv-ungarischcu Mo­narchie bestand Alle drei Avkommen bauen sich auf dem Grundsatz der Meistbegünstigung auf. Tie gedeihliche Fortentwicklung von Handel und Vc.fehr ist ferner durch Gewährung der freien Durchfuhr «llch^rt. Besondere dlbkommen wurden mit der Tjchecho^Slorvafei über den gegenroät^ tigert Bezug von Kohle und mit der Tlchecho- Sloivafei unb Oesterreich über die Regelung g> imster finanzieller Fragen geschlossen. Ferner wurde mit der tschecho-s.owalischen Regierung ein besonderes Abkommen über die Anwendung des Art.fels 297 des Friedensvertrages von 23er» faules, der das Liquidalionsrecht der alliierten und assoziierten Mächte regelt, getroffen.

Die BrsatzungSlosten und der Haupt- auSschuß.

Sinne, daß ine Besserstellung von Laichesbeamten gegenüber den Reichs veaimen vermieden werde Es Paise auch nicht zur Sparsamkeit, daß 25 000 2>eamtni|iellcn neu geid>af(cn uno durch Notuach liagsetat vom 6. August dieses Jahres in aller Stille neu eingerichtet wurden, den das Haus en bloc angenommen habe. Hierher gehöre auch die sozialinerunZ. Seine Partei lehne jede Fo- italiitcrung ab. Sie p^llam-iere nichl den Klassen- kampi, 1 andern die Klaiseiiverstöhnung. Wuer- spruch.) Tic Sozialpolitik habe den beutidym Ar­beiter beijercejtellt, als irgenb einen anderen aus ber L3ell. Rur durch Versöhnung könne ein Aus- glcick» zwischen Kapital und Arbeitern gesunden nerven. An England sei das ja auch der Fall gewesen. Die Sl^ialisierung der Gesinnung werde aus betden t^ten dazu h lsen. Die soziale Ver­söhnung ist dte Grundbedingung für die Wiederauf­richtung unseres 23atcrlanr.es.

RcichSfinauzminister Dr. Wirch bedauert, daß irr Vorredner vielfach die Grenze des Erlaubten überfd?ritten habe, I,a e er doch selbst wähvcnd seiner Tat gleit as Finanzmini, er k itte G.iitesb.ic^ beknieter Lei ungs ähtg ei. zn- rückgllajsten. Tas Wlllch.uten les bcutia.mi Val.cs habe sck-on wLineno des Krie -.es brg> nrum. Tag die Autonomte eiiizelner Lände.' den 2k, a.ü) des Reicktes nicht gesähvde, fte e s t st, da btc Rcickjspost, Reick-seistnbahnen und Rei.hss.eur.rn eine sacke g- mcimamc Klammer seien. Tag die Turchsüljrung des sjfeichsniotopfers zu Härten f..hren tonne, fix* zioll gegenüber der Landwirtsck'ast, fei möglich Abcr in Weimar ist ausdrücklich bestimmt worcen, daß auch der Besitz zum RcickjSnotopter l;erange>c- gen werden sol.e. Angesicksts der Entnxrtmrg dcs Geldes ist ja eine Ernziehmtg aus 'oer Grund ago des Reick/slvehrie t a es ganz unmög ich 2c* gl täten sei ter Vorwurf nejei d r 2j 000 neu gchordetv.-n Beamten unlxwttcht g-, da es sich um bte durck) de Steuerübenraijme bedingten Stelen handle. Tast die 1>u'.:d rttauseude von Mensckten, die nicht in der Produktion stehen, sich tn schverer Notlage befinden, weiß ich Um auch üyiien zu l>.-lfcn, nxrden wir Ihnen in den nächsten Tagen eilte M illiarden vor läge ju gelten lassen, um i.,ncn das täglich Brot zu sicksern. Tas ganze Probern ist die Stabilisterung unserer Valuta. Tie es Po>* blem ist die Hauptaufgabe des Kstbinett.'. Dte Lösung aber ist sicher zu finden. Hier sollte Herr Dr. Helsserich Mitarbeiten. Zu eir.ee Vereinbarung mit der Entente hmsickstsich der Festlegung d r Gntschädigungsgelder werden mir nicht komme 1, solange in Frankreich der Gedanke lebt: Ter Bockv zahlt alles! Jedenfalls fei Dr. He s.e.ich nach seiner ganzen früheren Tätigkeit nicht der geeignete Mann, hier Vorwürfe zu erheben. (Beifall.)

Aba. Q u a tz (D. Vp.) betont, daß die Kohlen- und Eisenindustrie allein die Einfuhr von Lebens­mitteln ermögtichm. Daher müsse diese Produktion gestärkt werden. Der Redner warnt den Finanz­minister vor einer erneuten Belastung der Kohlen­industrie. Er findet es sonderbar, daß der Minister erst diese mangelhafte Gesetzgebung in der Praais erproben wolle, statt gleich an die Revision der Steuergesetzgebung heranzugehen, und wirft ihm sch.ießlich Lüctenhastigkeit und Unt'lugheit seines Etats vor. Eine Reform des Etats an Haupt und Gliedern sei erforderlich. Der Weg, neue Ein­nahmen durch Tariserhöhungen h.rein-,ubekommen, schine ihm ungangbar. Zu einer aktiven Politik Deutschlands brauch man ein Heer. Man habe aber nur 100 000 Mann und selbst diese erfchinen Frankreich noch zu hoch. Um aus unserer Loge herauszulommen, müssen wir uns in wirtschaft- lichr und politische Beziehung als ein Volk fühlen.

Nach persönlichen Bemerkungen des Abgeord­neten Dr. Helfferich, der entgegen den Behaup­tungen des Finanzministers auf eine ganje Reihe von ihm gemachter Verbesserungsvor^ch äge hin­weist, vertagt das Haus die Weiterberatung aus Freitag 12 Uhr.

Außerdem Anfragen, Interpellationen und kleine Vorlagen.

Schluß der Sitzung nach 7 Uhr.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt^

** Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 160 vom 4. November enthält: Verkehr mit Kartoffeln. Gesetz zur ergänzenden Regelung ces Steuerabzugs vom Arbeitslohn. Gebühren für ote Schätzer bei der Abschätzung oes an Seuchn eingegangenen Viehes. Kri gergrabstätten und Kriegergräberpilege. Maßnahmen zur Siche­rung der Fteijchversorgung. Verpflichtung zum Preisaushang für den Verkauf von Lebensrnitteln. Feldbcreinigungen Allendorf a. 0. Lahn und Ober-Be,singen. Dienstnachrichten. Vieh­seuchen. Gefunden, verloren.

Dtrkchr mit Kartoffeln aus der Herbstcrnte 1920.

Die Kreisämter werden ermächtigt, Vorschrif­ten zur Regelung der Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln zu erlassen und die im Interesse der geregelten Versorgung notwendigen ÄUwrdnungen zu treffen. Kartofselvorräle, bezüglich deren anzu­nehmen ist, daß sie von dem Besitzer ober Ver­wahrer entgegen den erlassenen Anordnungen in Verkehr oder zum Versand gebracht iverden sollen, können sichergestellt oder der ordnungsmäßigen Verwendung zu geführt werden. Der Erlös dieser Kartoffeln ist dem Besitzer oder Berwal-ror nach Abzug der durch oie Wegnahme entstandenen Kosten auSzuhäMgen, insoweit nicht etwa weiter- gehende Bestimmungen Anwendung zu finden ha­ben. Die Landeskartosselstelle bat die weiter er­forderlichen Anordnungen im Interesse der Ver­sorgungsregelung zu treffen. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften dieser Bekanntmachung und der zu ihrer Durchführung erlassenen weiteren Vorschriften werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstvafe bis zu 1500 Mark bestraft. Dtese Bekanntmachung, sowie die auf dieser Bekanntmachung erlassenen Anordnungen treten mit dem 16. November 1920 außer Kraft.

Regelung des Steuerabzugs vom Arbeitslohn vom 21. Juli 19 20. Nach 8 45 6 des Einkommensteuergesetzes sind von dem Arbeitslohn, der nach Abzug bes steuerfreien Ein- kommensteils den Betrag von 15 000 Mark jähr­lich übersteigt, höhere Beträte als 10 Prozent von dem über 15 000 Mark hcnausgehenden Teile einzubehalten, und zwar 15 Prozent von den Teil­beträgen über 15 000 Mark bis 30 000 Mark usw. Nach neueren Mitteilungen ist diese Bestimmung dahin auszulegen, daß diese 15 Proz. bis 55 Pv^.

Die Gebühren für die Schätzer bei der Abschätzung dcS an Seuchen eingegangenert Vietzs sind durch Beschluß des KreisausschuffeS vom 25. September d. IS. mit Genehmigung deS Ministeriums des Innern rücklvirkcnd vom 1. Olt. d- IS. wie folgt festgesetzt: Bei Schätzungen an ihrem Wohnort und bis zur Entfernung von 3 Kilometer wird den Schätzern für die ersten drei Stunden ein Tagegeld von 5 Marl, bei übet drei Stunden ein solches von 8 Mark geioährt.

Kriegergrabstätten und Krieger- gräbert)liege. Für den Nachipeis der Jrrie- gergrabftätten deS In- und Auslands unb für die Kriege^ rüber für sorge ist das Zen:ralnach,c'eiseamt für Kneaerverluste und Kriegergräber (Z. A. K.) Berlin NW. 4, Towtheenstr. 78, die alLri yi* ständige Behörde. Durch Ar ikel 225 des Fri dens, Vertrages haben sich die alliierten und asiozirerten Regierungen verpflichtet, die aiti ihren Gebieten gelegenen deutschen K i gergrabstätten mit Achtung SU behandeln und inftanb zu halten. Nach den bis­herigen Feststellungen liegt ftin Grund für die Annahme vor, datz die Ententeregierungen Vieser Verplichtung nicht nachzukommen gedenken Um eine geordnete Grabpflegc zu g.'währleistcn, werden in Frankreich und Velgim, zum Teil auck in an­deren Ländern, die im Kampfgebict zerstreut lie- Qenbcn_ Kriegergräber und auch einige kleinere Friedhöfe zu Sammelfriedhösen zusammengeleat. Das ^entvalnachweiseamt erhält später über die ausgeführten Umbettungen besondere Protokolle und über die fertiggestellten Fri dl>chc Listen durch die Ententevegierunaen zug.sandt. Ta bei den Um- bettunflen die Graostätten in einhntlicher Weise hergcnchtet werden, erscheint es zwecklos unb dürfte den Gesamteindruck stören, wenn Angehörige Son* derwünsche bezüglich der Errichtung von Grab" denkmälern schon jetzt durchzusüh.en g<ü>rnk»"n. Aus dem Vorstehenden erhellt, bau sichere Auskunft in vielen Fällen erst nach Beendigung der Um- bettungsarbeitcn, also »vohl kaum vor Jahresfrist erteilt werden kann. Infolge der politischen Ver­hältnisse im Osten ist auch über dortige Gräber die Erteilung eimvandsveier Auskünfte zur Zeit häufig unmöglich.

Maßnahmen zur Sicherung dec F l e i s ch v e r s 0 r g u n g in der Uebergcmgszeit nach Aushebung der Z^vangswir:schast. Ans Grund der Verfügung des Hessischen Landes -Emährungs- amtes zu Nr. L. E. A. 13 011 vom 27. Oktober ds. Js. wird auf Folgendes Ijingennefen: 1. Den Anträgen auf Erteilung der Erlaubnis zum Vieh­aufkauf sind für die Folge zwei ausgezog-ne Licht­bilder beizufügen. 2. Aus die Einhaltung der Paragraphen der Verordnung bre Reichsregierung vom 19. September 1920 (Amtsverkündignngs- blatt Nr. 143) wird ganz besonders aufmerksam gemacht.

Verpflichtung zum Preisaushang undzurPreisauszcichnung für den Ver­kauf von Lebensmitteln und Gegenständ m des täg­lichen Bedarfs. Trotz der von uns in Nr. 144 des Am.'sverkündigungsblattes erlassenen B.kannt- machung vom 1. Oktober ds. Js. wird die Vev» pslichtung zum Preisaushang und zur Pr isaus- zeichnnng vielfach nicht bear^tet. Das Streisamt weist daher nochmals auf strengste EinHaltuna dieser Vorschriften hin. Zuwiderljandlungen sind unnachsichtlich zur Anzeige w bringen.

Dienstnachrichten des KreisamteS. In Radmühl (Kreis Lau.crbach> ist die Maul- und Klauenseuche ausgcbrockjen. Tie Gemarkung Radmühl ist zum Sperrbezirk erklärt. In der Gemeinde Ehringshausen mit Obern­dorf (Kreis Alsseld) ist die Maul- und Klauen­seuche erloschen. Ort unb Gemarkung Ehrings­hausen mit Oberndorf ist zum BwbachtungsgebieL erklärt worden. Die Schafräude ist in der Ge­meinde Daubringen feftgeftrtlt worden. Der Schwei ne rotlaus ist in Gießen in dem Ge­höfte Lonystrahe Nr. 2 erloschen. Die Sperrmaß­regeln sind ausgehoben.

Gefunden und verloren. In der Zeit vom 15.31. Oktober 1920 wurden in (liegen

;Roman von Reinhold Drtmann.

WH)ruck verboten.) Fortsetzung 28.

ljr demDoktorhaus" lag, wie beiden meisten Wrrn in diesem unteren Teil der Hauptstraße, Kleiner Vorgarten ein winziger, der Straße EMoimener Streifen, eben groß genug für ein Wifcä Rasen beet, einen schmalen Kiesweg und ffib-iynö niedriger Ziersträuck^er. In einer Ecke, ^Si:n Nest an die Hauswand geklebt, war ein M'-Sxttern und dichtmi hölzernen ®itternvrf vzimmertes achteckiges Ca.tmhäusckVi au> IW:, dessen Inneres durch ein kleines rundes IU«n und zwei eiserne Gartenstühfe fast aus- SR mußte. Hier pflegte Konrad Brandt seit y'lliintritt der mi0>.Ten Jahre^eit ferne Sonn- Mitznittag? und seine Abendstunden zu ce> Ter Platz in dem Häuschen bot ben_ Vor- JJJJ-teiö er von hier ans die neben dem Haus-- gelegene Tür der Apotheke im Auge be- bunte, während Vorübergehend' und Ein- seiner nur bei-arsem Hinspähen ansick>- stk!dLLen. Gesellschaft ljatte er nie: aber er «ÄS1' auch nicht zu vermissen. Auf dem nmbJ.i

^?nd immer neben einem Wasfcrglase und dicker, fast schwarzer Zigarren eine brud-Äge Flasche mit schwerem Südwein, den ^M^theker aus einem im Kelter lagernden Fasse ^«ujüllte. Ten trank er in geregelten Zwischen- ^^n.aus dem Wasserglaje, das immer nach Anfetzen geierrt war. Dazu raudjtr

^U9, un wenn die Flaickje ihres Inhaltes ^n letzten Tropfen leer geworden war, v*. <r in bftä feftuj

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II. 261

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Daher müsse fl&ffll*1 - «eirrr Ve'-pslich^unqc

eine feste Zahl als Grenze

Ve-pslich'ungen festgesetzt werden.

ht. Tas ganze Opfer bring, wenn es richtig te. ganze 55 Milliai^en Mark, decke also nicht einmal die Bedürfnisse eines Jahres, komme die Erbschaf sstcuer mit ihrer 35- bis vn iien Abgabe. Alles das führe zu einer olmung des Bürgertums, wie sic schließlich her radikale Sozialismus sich nicht besser f*n könne. Unsere Wirtschaftskraft sei somit

rrumrn der Redner einzeln durchgeht. Das W Volk könne schon seine eigenen Bchürf-

6. Olooembtr dn Slabthi^ >en ergeben^

[ufmerhfambi? 1 rhochzeit!^ ]

, Dank, ettche hieran.

kslde ihrer Kraft. Da nütze feine Schön- rrei. Ti? Entente müsse die Tinge sehen, wie

«iterertiäge b i brr Ci en bahn und Post müßten W*i imtcrsuckst wer'ten. Tariferhöhungen dürfen Wt?4)(flPn< wenn es gar nicht mehr anders geht. Jrf ttf.it lidjc Vereinfachung der Steuergesetz- Ätoii mu se erfolgen. Der Redner fordert eine $tjn iter Reickjöbesvldung^ordnung in dem

Veuischer Nelchstag.

Berlin, 4. Noo. 1920.

cksetzuna der ersten Bemwng des Reichs- h.2U§h2ltS.

May leb. Schulte ie Geburt ibes an

nicht b.friedigen, geschnoeige denn tri1 un- «ch:erlichen Forderungen der Entent t erfüllen, «r würde mit dem Reichsnotopfer Ernst

u haben-. llw^ipst"

hlich unserer * iesenen Aus. S vir hierdurch | Jten Dank 1

iges V.

te geb. Ml

8fbg Dr. Helfferich -D.-Na l ) weist jede nfur seiner Partei sowohl von feiten des Abg. Lte jet wie auch von feilen des Außenministers pirf. Der Redner warnt vor der obersch^esischcn Ltmtomic, nicht so sehr vom preußischen Stam>- auS, als im Hinblick auf die Wirkung, die L bloße Gedanke schon auf einen großm Teil der L schlesischen B völkeruna au^eübt habe. Der Ljbnrger Zwi'chenfall, den ter Außenminister l SaS Konto feiner Partei gefduten habe, fei ein , -z bausckter Wirtfckiafttssandal. W-ft hatten so i T g.mugmd Zwischenfälle g?habt. als daß der Lnifter noch solche Fälle künstlich konstruieren j,!-». Der Minister solle sich lieber um die Ueber-

|r Offiziere. Die'e hätten die Treue halten wollen rt 'ich zu Tausenden am 8. November zur Ver­ging gestellt, seien aber nach Hause geschickt jryn. Dann kam der Erlaß über das Sch'ej> Kurz, es ist klar, daß in der Regierung feil bie heimliche Förderung der Revolution saß. fit Äusser ist, um den Bürgerkrieg zu vermeiden, Vs Holland gegangen. Abg. Müffer-Frankcn Mite es freilich (iebn: gesehen, ihn an der Spitze r.-ft Garden den Tod suchen seh-m. Abg. Müller 5 ec doch auch zu den Persönlichkeiten, die am Kc des .Kapprutsches nach Tvesden geflüchet Kn. Er sei also ant wenigstens geeignet, über ff-ni'cr den Stab M brechen. Ter Redner nni'iert bagcgit, daß man feiner rt*i ständig die Absicht einer Gewalttat unter-* Wiche und greift die äußerste Linke an, weil sie die Gewalt predige. Er tritt für die Orgesch- Srnnifationen ein, bespricht die Stellungnahme fct preußischen Justizministers und fordert die W5sregierung auf, dem Gesetz gegenüber den Maltakten des preußischen Innenministers Gel- hon zu verschaffen und das Material über die -Ovrsch ter Allgemeinheit zugänglich zu machen. Itipurnt vor der bewaffneten roten Armee und :w ter Anknüpfung von Handelsbeziehungen mit Üh^'anb, die nur ein Vorwand dafür seien, dem löilichewismus Tür und Tor zu öffnen. Das einvge Handelsobj'kt, das Rußland besitze, sei b-r Revolution. Nachdem er noch die energische SIMirung der Dieselmotoren-Wüns che der Übümte gefordert hatte, geht der Redner Besprechung des Etats über. Er sle, daß sich das Gleichgewickst wieder [en lasse. Dm Ausgaben von 100 Mil- 1 flürb.m an sickeren Em nahm en hur 30 Mss- Iteint g-g'?n'"iber, so daß 70 Milliarden ungedeckt t Bei seinem Ausscheidim aus dem Rnchs- Mteamr b't-ua die Staatsschuld 40 Milliarden, t 210 Milliarden und am Ende des Rech- Ät5jab-e5 wird sie auf 325 Milliarden ge- Änt sein. Eine Bankerotterklärung entbinde das K6 nicht von seinen Verpflichtungen gegen sein? rntrn, gegen die Verstümmelten und gegen die mtt. Sodann bespftcht der Redner die Valuta- !v, schildert das Wettrennen zwischen Löhnen W Preisen und betont die Notlage der kleinen ^Bm?r und Pensionäre. Die Steuerges.'tzaebirng Wlhfrfe deren Lage iwch. Hier könne wenigstmS «r Mildenmg einsetzen Das Stocken der Va- w führe zum Export. Uns habe man Vandalis- borgemorfm. Der Ententismus sei noch Wnmer, das beweise der Friedensetat, dnsen

I CV der Polen kümmern, da schon wieiter in h nberg elf Deutsche v rhaftet wurden. Tie Aus- j ungen des Abg. Müller-FranLn, daß Deutsck»- negm tne Uedergriffe oer Entente machstos V nnrTen wie eine Einladung an das Ausland, ss ne Uei<rgrisse zu beg ben. Ter Redner pole­st <r e sodann gegen Die Aeußerungen Scheide-

I frtit5, über die Entbindung der Beamten und I 6!'aen vom Treueid gegen den Kaier und über