Einzelbild herunterladen

Ich habe gerade genug von Ihrer Unver­schämtheit. Doktor Perigow, antwortete er, bis jetzt bin ich sehr langmütig gewesen.

Ich auch, entgegnete idk denn es kribbelt mir in den Fingern, mich vcm ihrer Gegenwart zu befreien. Aber nur noch ein ober zwei Worte, damit ja fein Mißverständnis mehr zwischen uns übrig bleibt. Bor allem habe ich bat Mord meines Vaters auf Ihre Rechnung zu setzen. Das sollte schon genügen. -Aber bann haben Sie auch noch Diebe angestellt, die in meinem Haus in London eingebrochen sind. Sie haben da einen sehr nied­lichen Plan ausgeheckt, der, nebenbei gesagt, zu nichts führte: in der Meinung, die Gräfin habe ihren Wagen gesandt, um mich nach Queens Gate holen zu lassen, sollte ich in irgend eine Falle gelockt totrbat, wo ich Gott weiß was für Nieder­trächtigkeiten unterworfen worden wäre, damit ich mir das Geheimnis der Gräfin entreißen ließe, von dem Sie glaubten, daß es nun mein eigenes geivorden war.

Lügen, Lügen, nichts als Lügen! brüllte der Graf, nunmehr sinnlos vor Wut.

Sehr wohl, sagte ich, ich fasse dies lünglich als eine scharfe Meinungsäußerung auf. Und nunmehr muß ich mit Ihnen diese Angriegenhrit ins reine bringen!

Damit zog ich den Rr/ck ans und stülpte meine Hemdsärmel auf.

Dieses Mal, rief ich, braucht es keine Degen.

Wir wollen die Sache auf gute, alte englische Art abmachen.

Wer, rief er was soll ich denn tun? Sie sind ja viel größer und stärker als ich!

Dann werde ich nur meine halbe Kraft an- wenden, sagte ich, und legte meinen linken Arm auf den Rücken. Mit der Rechten aber schlug ich ihm dermaßen ins Gesicht, daß chm das Blut aus der Nase sprang.

Ich hätte meinen Gegner besser kamen sollen: wie der Blitz zog er einen Dolch aus der Brust­tasche und mit einem pantherartigen Satz Über­fiel er mich und stieß mir mit der Waffe mit aller Gewalt nach der Brust. Ich konnte mich gerade noch abwenden, um dem tadlichen Stich zu entgehen. All das verlief so rasch wie ein Blitz, so daß ich dem Stahl nicht ganz entging; er drang mir in die Schulter ein und traf einen Knochen, wie ich an dem Klirren des Twlchs er­kannte. Dann packte ich meinen Gegner beim Arm und hörte den Knochen krachen, als ich ihm denselben fürchterlich verdrehte; ich packte den Kerl, ich weiß nicht wo, so sinnlos wütend war ich in diesem Augenblick, hob ihn in die Luft und schleu­derte ihn in die schlammigen Tiefen seines eigenen Brunnens, so daß das Wasser hochauf spritzte. Nunmehr wandte ich mich an den kreideweißen, zitternden Pasquale und sagte:

Sie sind Zeuge des Korgesallenen. Vielleicht

ist es besser, wenn Sie eine Zeitlang hier bleiben und die weitere Entwicklung abroarten.

Damit verließ ich den Garten, durchschritt den großen Hof und war gerade oben auf der breiten Treppe an gelangt, als die Gräfin Maria in Tränen aufgelöst, den GanA heruntereilte.

Oh, wie bin ich ftoh. Sie gefunden zu haben. Die alte Gräfin ist vor wenigen Minuten gestorben.

Dreißigstes Kapitel.

Da mjr die Nachricht keineswegs unerwartet kam, sagte ich nut:Die arme Serie!" und folgte Der Gräfin schweigend und, wie ich hmM- fügen darf, unter großen Schmerzen, in das Bou­doir, wo ich mich sehr schwach fühlte, mich daher in einen Lehnstuhl fallen ließ und um Branntwein bat.

Jetzt erst bemerkte die Gräfin, daß mein Vorhemd von Blut gerötet war. Sie stieß einen Schreckensschrei aus. Gleichzeitig begann das Ge­mach und alles, was darin war, sich vor meinen Augen rundum ^u drehen, bis ich in Ohnmacht siel. Als ich wieder zu mir kam, sah ich von neuem das weiße, erschreckte Gesicht der Gräfin; ich selber lag aus einem Diwan, unb der römische Arzt war über mich gebeugt. Mit besorgtem Micke suchte er das Blut zu stillen, das mit aus der gerade unter meiner Achselhöhle befinolichen Wunde, über der das Hemd w^ggeschnitteu war, herausdrang. Die englische Wärterin kniete an meiner Seite und hiett ein Wassergesäß m den Händen. (Sortierung sorgt.)

Mio

269.

W die Hier an ltzBock 9tb. ©alter. ll)t 8.3ufi 1920.

OUI*

l eines gesunden ergebest an

Wellmann

geb. Völzing.

öne Aussicht 41 M 1920.

IM

I angenommen

Schmitt ne geb. Putz.

Juli 1920.

611114

iiuiiiiii.,.,...........-r

.........................

ijettr Vermählung in ;tn Aufmerksamkeiten « hnM<« T"ni- Helm Bepler itfe geb. Äreiling

1920. «n»*

AM 920, abends 8 Uhr Postkeller Sammlung.

Lage. -

Nr. 155 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Montag, 5. Juli 1920

Deutscher «eichrtag.

Berlin, 3. Juli.

Am Reglenmgstisch: Reichswehrminister Geß- fer. Hans und Tribünen sind nur schwach besetzt.

Zrrr Interpellation Ledebour über die Bor- Sängc in Thal bei Ruhla und daS Mar- ur g e r Urteil erklärt

Rrick^welTrnriniskn: Geßler, er sei offenbar mißverstanden worden. Er habe mit seiner Erklä­rung nur sagen wollen, daß die Regierung eine Beantwortung der Interpellation in diesem Äugen­klick ablehne, weil sie nicht durch eigene Aeußenin- gen m ein schwebendes Verfahren eingreisen wolle. Er bedauere den Vorgang überaus und glaube, Krall) das UrteÜ, gegen das Berufung eingelegt , rechtskräftig geworden fei, eine Antwort in Aussicht stellen zu.können.

Abg. Ledebour beantragt fofertige Besprechung. Sie wird nach längerer Geschäftsordnungsdebatte mit 182 gegen 142 Stimmen abge 1 ehnt.

Es folgt die Interpellation der Kommunisten über ein amtlich organis iertes Spitze l- wesen, das angeblich Putschpläne der radikalen Parteien erfindet, Putsche provoziert und meuchel- mörderische Beseitigung von Arbeiterführern be­treibe.

Rrichsminister Koch erklärt, die Interpella­tion in der vorgeschriebenen Frist beantworten zu wollen.

Abg Hamm (Dem.- begründet sodann seinen Anttag auf Einsetzung eines Ausschusses zur Prü­fung des Geschäftsgebahrens, der Ergebnisse und der Frage dec Liquidierung der Kriegsgesell­schaften. Er bedauere, daß ein dahingehender Beschluß der Nationalversammlung unausgeführt geblieben sei. Die Undurchsichtigkeit des ganzen Geschäftsgebahrens der Kriegsgeiellschaften mache dem ehrlichen Kaufmann einen Wettbewerb un> möglich

Abg. H io f (Svz.) begrüßt den Antrag.

Abg. Blum (Ztr.) erklärt, es müsse mit dem Abbau der Kriegsgesellschaften sofort begonnen werden. Die fteiwerdenden Wohnungen würden dringend gebraucht.

Abg. Iaud (Bahr. Vpt.1 verlangt gewissen­hafte Nachprüfung des Geschäftsgebahrens der Kriegsgesellschasten.

Abg. Bruhn (D.-Nat.) wundert sich, daß die Regierung die Kriegsgesellschaften solange für unentbehrlich gehalten habe.

Reichswrrtsck)aftsminister Scholz erftärt, den Anregungen nach Möglichkeit entsprechen zu wollen. Uebrigens sei bte Zahl der Angestellten ab Januar d. I. von 16 000 auf 7000 zurück- yegangen.

Der Anttag Hamm wird einstimmig ange­nommen. Es folgt die Beschußfassung über die Einsetzung eines Unterausschusses auf Grund des Artikels 3 4 der Verfassung.

Abg. W a r m u t h (D.-Nat.) warnt davor, die Parteigegensätze durch einen solchen Ausschuß noch zu verschärfen.

Abg. R ie ße r (D. Vpt.) sieht keine ersprieß­liche Tätigkeit des Ausschusses, da die unentbehr­lichen Archive der anderen Völker ihm nicht offen stehen.

Abg. Dr. Breitscheidt (Unabh.): Auch in seiner Partei seien anfänglich Zweifel an der Zweck­mäßigkeit des Ausschusses laut geworden, weil die meiften Beisitzer den Parteien angehörten, die selbst die Schuld am Ausbruch des Krieges trügen. .Seine Partei habe sich aber dennoch für Wieder­einsetzung des Ausschusses ausgesprochen.

Fvau Schuch (Soz.) erklärt, das Boll habe ein Recht darauf, sestgestellt zu sehen, daß die Schuld an der Katastrophe dem kapitalistischen System zuzuschveiben sei.

Abg. Reile (Dem.) stimmt der Wiederein­setzung des Ausschusses zu.

Ter Antrag wird mit allen gegen die Stim­men der Deutsch-Nationalen und der Deutschen Volkspartei angenommen. Der Reichsnot­etat wird ohne Debatte in zweiter Sefimg ange­nommen.

Präsident Löbe dankt dabei dem Auslande für die Liebesdienste an unseren Kindern im Namen des Reichstages und des deutschen Volkes.

Bei der anschließenden dritten Lesung erllärt

Abg. Crispien (Unabh.), die Annahme des Notetats komme einem Vertrauensvotum gleich, deshalb lehne seine Partei ihn ab, obgleich einige Poften auch seinen Beifall hätten.

Der Notetat wird sodann in dritter Lesung gegen die Stimmen der Unabhängigen ange- n o mmen.

Es folgt die Beratung des von dem Abg. Müller-Franken eingebrachten Gesetzentwurfes be- tteffend die Aufhebung der Militärgericht s- b a r l e i t.

Abg. Dr. Rosenfeldt (U.) bedauert, daß bie solange an der Regierung gewesenen Par- teien nicht die Kraft aufgebracht hätten, diese Militärgerichtsbarkeit zu beteiligen, die im Volke l^^Verständnis finde. Gegen solche Justiz rufe ct bie Arbeiter auf. Die Binde vor den Augen habe bte Justiz nicht gehindert, dem Kapitalismus Handlangerdienste und gegen die Arbeiter Schergen dien ste zu leisten.

Abg. Warmuth (D.Nt.) erflärt, sein An­

ttag auf Uebenoeifimg an einen Ausschuß von 28 Mitgliedern richte sich nickt gegen den Ent­wurf selbst, sondern wolle 'an alle und jede Ueberstürzung verhindern. Schutz und Ordnung eien das Programm des Wiederaufbaus, dazu gehöre auch die Militärgerichtsbarkeit.

Abg. Schöpflin (S.): Jegliche Verschie­bung werde das Zustandekommen des Gesetzes gefährden.

Abg. Ritter v. Schoch (D. Vp.) schließt sich ben Ausführungen des Abg. Warmuth an und verweist auf die Militärstrafgesetze Frank­reichs und Englands. 82 000 Mann der Reichs­wehr hätten sich übrigens für die Beibehaltung der Militärgerichte ausgesprochen. (Zuruf: Schwindel! Große Unruhe.)

Abg. Boltz (Z.) hätte lieber ohne Kom- missionsberatung das Zustandekommen des Ge­setzes gesehen. Seine Partei werde jedoch der Korn missionsüberweisun g zustimmcn.

Abg. Waldstein (Dem.) schließt sich dieser Erllärung an.

Abg. Enningen (Bayr. Bp.) stimmt der Kommissionsüberweisung zu.

Abg. Levi (K.) ergreift das Wort zu einer heftigen Au^inanVersetzung mit der Rechten. Di« Militärjustiz sei ein Rechtsverbrechen.

Justizminister Dr. Heinze protestiert gegen diese Unterstellung und erklärt namens der Re­gierung, daß die Justizpflege nicht abweichen werde vom Pfade des Nichts.

Der Gesetzentwurf wird schließlich einem Aus­schuß von 21 Mitglieder^ überwiesen.

Vizepräsident Dittmann ruft nachttäglich den Abg. Dr. Rosenfeldt wegen einer beleidigen­den Aeußerung gegenüber dem Abg. Hrifferich zur Ordnung.

Das Haus vertagt sich sodann auf Montag nachmittag 2 Uhr: Interpellationen.

Schluß 3'/- Uhr.

Berlin, 3. Juli. (Wolsf.) Der vom 9Ibg. Müller-Franken (Soz.) im Reichstag ein gebrachte Gesetzentwurf betr. A u fhebu n g der M i 1 i t ä r- gerichtsbar keit wurde einem Ausschuß von 21 Mitgliedern überwiesen.

Ber 1 in, 3. Juli, (Wolff.) Die letzte Sitzung des Reichstagsausschusses für auswärtige Angelegenheiten am Donnerstag abend mußte sich nach der Rede des Ministers des Aeu- ßern vertagen, weil dieser dienstlich anderweit in Anspruch genommen war.

In der heutigen Sitzung fand eine ausge­dehnte Besprechung der Ministeriellen Erllärungen über die vorbereitenden Verhandlungen von Spaa statt.

Aus den Beratungen des St-eUeraus- schusses des Reichstages kann als allgemeine Auffassung festgestellt werden, daß mit Ausnahme der USP. von keiner Fraktion die Aufhebung des § 45 des Änkommenstenergesetzes (Erhe­bung der Steuer an der Quelle) ver­treten wird, dagegen dessen schablonenhafte An­wendung gemildert werden soll. Es soll versucht werden, durch Erhebung eines Pauschalbetrages in einer der Steuerleistung nahekommenden Höhe eine Erleichterung des Abzuges herbeizuführen. Demgemäß konnte der feste Satz von zehn Prozent nicht unter allen Umständen aufrechterhalten wer­den. Zur Beschlußfassung ist es noch nicht ge­kommen. Die Angelegenheit wurde einem Unter­ausschuß überwiesen.

Zur Abstimmung in Gberschlesien.

In absehbarer Zeit soll die Entscheidung über die Zukunft Oberschlesiens fallen. Schlesien hat sich in allen seinen Teilen stets als deutsches Land gewußt und gesuhlt und bildet mit allen fernen Teilen eine wahre Einheit des Lebens. Sogar die polnische Bevölkerung in den oberschlesischen Be­zirken 'Hal seit 800 Jahren nie zu Polen /gehört. Die deutsche Wirtschaft Ginn die oberschlesische Kohle nicht entbehren. Die deutsche Heimat schrene uns nicht mehr dieselbe, sondern verarmt unb ver­kümmert und um einen wunderbaren Schmuck ge­bracht ohne die schlesischen Berge. Die Schlesier bilden unter den Deutschen einen besonderen Stamm mit ausgeprägtem eigenen Charakter, den man nicht zerreißen darf-

Hierzu kommt, daß bas wirtschaftliche Inter­esse nordöstlichen Deutschlands viel zu sehr mit Oberschlesien verknüpft ist, als daß man es über völkischen Gesichtspunkten ganz vergessen könnte. Denn Nordastdeutschland ist im allgemeinen ein rein landwirtschaftliches Gebiet, da die Rohstoffe, auf die sich ein Fabrikwesen aufbauen könnte, feh­len. Und wenn es schon sonst für ein strebendes Volk schwer ist, sich auf die Pflege der Landwirt­schaft besckwänkt zu sehen, Osteibien müßte, wenn es dazu gezwungen wäre, mehr als andere Länder verkümmern, da sein Boden vielfach wenig frucht­bar und die Winter länger firtb als im übrigen Reiche. So ist es für fein wirtschaftliches Leben von der höchsten Bedeutung geworden, daß es in Schlesien Anschluß nicht nur an das kleine Kohlen­becken in Waldenburg, sondern vor allen Dingen auch an das vberschlesischc Revier mit seinen un­erschöpft ichen Kohlen-Flözen gefunden hat. Das

Gewerbe fast ganz Nordostdeutschlands wird in seinem Nerv getroffen, wenn ihm die Verbindung mit Oberschlesien durch eine lingünstige Vesör- derungs- oder gar Zollpolitik cridtmert wird. Im Jahre 1913 entfielen 23 Prozent d.r reichsdeutschen Kohlengewinnung auf das oberschleftschc Becken. Vom gesamten Kohlenversand des Regierungs­bezirks Oppeln gingen 51 Prozent nach ostelbisckien Provinzen.

Auch Erze bat Oberschlesien. Von der gesamten Förderung Deutschlands -an Blei-, Silber- und Zinkerzen kamen auf West-, Mittel- und Süd- deutschlarck im Jahre 1913: 1331811 Tonnen ober 46 Prozent, alles übrige entfiel auf dos ober« schlesische Becken (1 552 917 Tonnen oder 54 Pro­zente Vorwiegend handelt es sich dabei um Zink, von dem Oberschlesien zwei Drittel der Erzeugung Deutschlands liefert, und bann um Blei (geschätzter Metallgehalt seines Anteils 1913: 203 430 Ton­nen Zink und 49 386 Tonnen Blei). Wie unent-- brifriid) es auch ans diesem Grunde für den wirt­schaftlichen Gesamt körper des Reiches ist, leuchtet ein. Andererseits genügen Oberschlesiens Eisenerze heute nicht mehr für dm Bedarf der Hütten, die sich dort angesiedelt haben, und ihre Förderung geht sogar von Jähr zu Jahr zurück. Statt dessen müssen die Erze vor allem aus Schwebst bezogen werden. Eben aus diesem letzten Umstand erhellt, wie Nordvstdeutschland an der Verbindung mit Oberschlesien interessiert ist, so naturgemäß Oberschlesien an der Verbindung mit Nord ostdeutsch!and, das nicht nur sein bester Kunde ist, sondern ihm auch durch die Ostseehäfen den Anschluß an den Weltverkehr vermittelt. Daß unter den Ostseehäfen vor allem Stettin der Haupthasen des oberschlcsischen Reviers ist, wird sich noch mehr lnach Vollendung des Ausbaus der Oder zeigen. Noch mehr wird sich dann jedem die Erkenntirts aufdrängen, daß der natürliche Markt für das ober- schlesische Becken, obschon es im Herzen des Fest­landes liegt, nicht gleicherwetse in allen Himmels­richtungen gesucht werden kann, sondern zunächst im stLordwesien. Im Jähre 1913 gingen nach Dolen, Galizien und der Äikowina nur 12 Prozent des vom Regierungsbezirk Oppeln versandten Tonnen­gewichts, bei Kdhhen insbeßondeve auch 12 Pro­zent, bei Eisenierzeugnissen noch nicht 3 Prozent, krnd was den Bezug von dort anlangt, so ist ter inoch unbedeutender. Nur bei Holz kommt er in Bettacht, da Oberschlesien eine beträchtliche Quote seines Grubenholzes von dort erhält. Im ganzen kamen nur 12 Prozent des Donnengewichts aller vom Regierungsbezirk Oppeln empfangenen Waren aus diesen Ländern.

Tie Provinz Schlesien bildet in ihrem heu­tigen Umfange einen außerordenllich wichtigen, ganz und gar notwendigen Faktor für das ganze deutsche Wirtschaftsleben. Durch ihre geschlossene Änheft, welche Landwirtschaft, Jnousttre, Handel und Wissenschaft stets gebildet haben, war sie im­stande, den an sie gestellten Aufgaben, bezüglich Ernährung des deutschen Volkes, Förderung von Rohprodukten, sowie Erzeugung fertiger Fabrikate, gerecht zu weiden. Unter dem Einfluß des Deutsch­tums, welches eine einheitliche Grundlage für alles Schaffen, Wirken Schlesiens bisher gebildet hat, gelangten die einzelnen Erwerbszwerge zu höchster Blüte. Oberschlesien hat in dem letzten halben Jahrhundert unter der Betätigung des deutschen Geistes einen AuUchwung genommen, der <mj ameri­kanische Verhältnisse erinnert. Schlesien als ur- deutsche Provinz hat sich immer als Teil unseres deutschen Vatertanoes bekannt. Schlesien muß in seiner "heutigen Gestalt dem oeutlchvn Volk er­halten bleiben. Es Ko mutt uns mit unseren Aus­führungen nicht darauf an, vie in Oberhessen zer­streuten Oberschlesier in ihrem Pflichtgefühl ihrer Heimatprovinz 1 gegenüber zu bestärken, sondern jedem tyum Bewußtsein zu bringen, daß sich das ganze Boll und Land geschlossen für einen Teil rin setzen muß, der ihm entrissen werden soll.

Hoehschulnachrichten.

Die ausländischen Zeitschriften an den deutschen Bibliotheken.

Schon mehrfach wurde die Deffentlidjfeit auf die Notlage hingewicsen, in der sich die deutschen Bibliotheken infolge der auf5 höchste gesteigerten Bücher- und Materialpreisc bringen. Noch weit schlimmer als um die inländische Literatur steht es um dse ausländische, da hier zu den allgemein erhöhten Preisen noch die ungünstige Wirkung unserer schachten Valuta kommt, so daß die Preise gegenüber dem Frieden vielfach auf das 2030- fache gestiegen fmb. Die meisten Bibliotheken sind infolgebeffcn nicht mehr in der Lage, ausländische Literattrr zu kaufen, ja sie haben sich genötigt ge­sehen, ihre feit Jahrzehnten gehaltenen ausländisch. Zeitschriften ganz oder dock zum größten Teil abzubestellen. So hat allein die Preußische Staatsbibliothek in Berlin die Zahl ihrer aus­ländischen Zeitschriften von ca. 3000 (vor dem Kriege) auf etwa 250 hevabsetzen müssen.

Um der Not, die der deutschen Wissenschaft auf diese Weise droht, entgegenzuarbeiten, hat es das Auskunftsbureau der deutschen Bibliotheken unternommen, ein Verzeich­nis der zur Zeit nochandendeutschen Bibliotheken gehaltenen ausländi­

schen Zeitschriften aufzustellcn: es will ba> mit einmal die noch Dorbanbcnen ausländischen Zeitschriften möglichst allgemein zugänglich ma­chen, dann aber möchte es auch auf diese Weist oerhindern, daß eine Zeitschrift 1020 mal, an­dere vielleicht nicht weniger wichtige, überhaupt nicht gehalten werden. Sein Bestteben gebt dahin, daß jede wichtigere ausländisck)e Zeitsänift wenig­stens in erneut Exemplar an irgend einer deut­schen Bibliotl)ek erreichbar ist.

Aus biefent Grunde hat sich das Auskimfts- bureair zunächst an die deutschen Bibliothekrii gc- tvandt, die vor dem Jriiege am Gesamt-Zeft- schriften-Verzeichnis mitgrarbritet haben. Indessen »perden dadurch bei weitem nicht alle auslän- dischett Zeitschriften erfaßt, die zur ;}eit noch in Teutschland yehalten werden. Es fehlen vor allem die vielen Zeitschriften, die von lleinerett Biblio­theken mit mehr oder weniger pri­vatem Charakter, Jnstitutsbiblio- theken, Verein sbibliothekcn, Biblio­theken industrieller und kaufmän­nischer Unternehmungen n s w. gehalten werden. Tein drohenden Hebel wird aber nur dadurch ernstlich gesteuert, menn auch diese Biblio­theken ihre -Bestände an ausländisäxn Zeitschriften nach Möglichkeit weiteren Kw'isen zugäng.ich ma­chen. Es ist dafür durchaus nicht nötig, daß diese Bibliotheken nun ihren Präsenzcharaktln amgeben. Es genügt, daß sie sich wenigsten5 bnvit erklären, in AusTrahmefällen diejenigen ausländisclAM $eib schriften auszuleihen, die an keiner öffentlichen Bibliothek Deutschlands vorhaitden sind, und sollte selbst auch dies nicht möglich sein, so ist es immerhin auch sck/on von Bedcuttmg, zu wissen, daß eine Zeitschrift an einer bestimmten Bibliothek vorhanden ist.

Tas Auskunstsbureau der deutschen Biblio­theken (Berlin N. W. 7, Unter den Linden 38), richtet daher an alle beutfeben Bibliotheken und Büchereien, einerlei ob öffentlich, ober privat, ob Ausleihe- ober Präsenzbibliothek, die dringende Bitte, ihm im Interesse der deutschen Wissenschaft mitzuteilen, welche ausländischen Zeitschriften sie zur Zeit noch besitzen oder deren Eingang in sicherer Aussicht steht, einerlei ob burd) Kauf. Tausch ober Geschenk. Es wird geb.-ten, bei jeder Zeitschrift Titel und Erscheinungsort anzugeben.

Der zweite allgemeine Stuben- tentag deu tscher H o chschulen in Göt­tingen. Wie im Vorjahre in Würzburg, so tritt die gesamte deutsche Studriitenschaft auch in diesem Jahre zu einem allgemeinen ©tubententag beut scher Hochsckwlen zusammen. Die Vertreter sämt ­licher Hochschulen versammeln sich in den Tagen vom 22. bis 27. Juli in der zum Tagungsort gemähten Universitätsstadt Göttingen. Die Tag­ung zerfällt in mehrere Sitzungen bet gesamten Vertreterschaft aller Hochschulen, in die Ausschuß­sitzungen der zahlreichen Unterausschüsse und in einen geselligen Teil. Die Tagesordnung enthält auch in diesem Jahve außerordentlich interessante Punkte: besprochril wird die Notlage der Akade mifer, der Studenten und der kleinen Hochschulen. Weitere Vorträge erfolgen über die FragenBe ruf unb Studium",Hochschulreform",Ziele unb Wege akademischer Erziehung" unbAufgaben ber beutfdyen Studentenschaft". Zwisft)endurch wer­ben dann die wesentlichen unb bedeutenden Be­schlüsse der Ausschüsse (bett. Wohnungen, Aus­länder, Verfassung, Leibesübungen, Ehrenordnung, Disziplinavorbnung unb Wirtschafts fragen) durch­beraten unb zum Schluß bas wichtige Thema Student lirnd Politik" behandelt. Bekannte Per- sönlichkeiten werden in ben Referaten sprechen.

GeriehtssaaL.

Das Urteil im Philippi-Prozetz.

mc. Frankfurt a. M., 4. Juli. Die Straf­kammer verurteilte die Fabrikanten und Inhaber der Maschinenfabrik Wiesbaden G. m. b. H. Karl und Rudolf Philippi, die für rund sechzehn Millio­nen Mark Holzrahmen für ben Stollenbau an ben Pionierheerespark geliefert hatten, wegen Preis­überforderung zu je 10 000 Mk. Geldstrafe. Das Gericht verfügte die Einziehung des über­mäßigen Gewinns von 1 460 443 Mk. Teilhaber ber Fabrik war der Regierungsbaumeister a. D. Heinrich Philippi, der als Leiter des Heeresparks Mainz seinen Brüdern die enormen Lieferungs­austräge zuwies und Vorschüsse in Höhe von 160000 Mk. aus der Fabrikkasse dafür bezog. Er mürbe seinerzeit wegen Bestechung vom .Kriegs­gericht zu brei Jahren Gefängnis verurteilt, in­folge ber Amnestie brauchte er die Strafe aber nicht ab^isitzen. Äs bie Lieferungsverträge des Heeres- parks von ber Kriegswucherftelle revibiert wurden, ergaben sich bei einer Anzahl Firmen erhebliche Preisüberforberungen. Dreißig Firmen zahlten im Vergleichs weg bte übermäßigen Gewinne zurück unb auch bie Brüder Philippi willigten in einen Ver­gleich, demzufolge sie zwei Millionen Mark zurückzahlten. Nach Schluß der Verhandlung er­kundigte sich Rudolf Phllippi, ob sie denn angesichts der schon geleisteten Zahlung der Vergleichssumme nun auch noch die ly2 Millionen Mark zahlen müßten, auf deren Einziehung erkannt wurde. Dar-

Die Gräkin.

Roman von G. SB. Appletou. ^Nachdruck verboten.) Fortsetzung 69.

Aus einem schändlichen Grunde, den ich jetzt ganz genau kenne, haben Sie sich, Herr Erbgras, fett mehreren Jochren als rin grausamer Feig­ling gegen Ihre Schwägerin, die Gräfin (Sierra, benommen. Weil Sie diese arme, bemitleidenswerte Dame beleidigt unb geschlagen haben, hat mein Vater Sie gerechterweise gezüchttgt, wie ich ober jeder anständige Menlch es auch getan haben würde. Dann flamten Sie, wie ich annehme, über Ihre Ehre und schickten ihm Ihre Sekundanten. Mein Vater, statt Ihnen eine zweite Tracht Prügel zu verabreichen, war schwach unb gutmütig genug, auf Ihren nieberträchtigen Vorschlag rinzu- gehen und wurde in der Folge auf unehrenhafte Weise umgebracht.

Nunmehr schäumte der Graf vor Wut.

Hüterr Sie sich! Sie wissen, daß dies eine Beeidigung ist.

Beleidigung! Pah! rief ich. Unterbrechen Sie mich nicht! Und dann, mit diesem Verbrechen auf dem Gewissen, verfolgten Sie von neuem die alte Gräfin, und dies ging jahrelang so weiter, bis ein glücklicher Zufall mich den Sohn Ihres Opfers Ihnen in den Weg führte. Soll ich Jhnar noch den Rest erzählen?