Einzelbild herunterladen

Nr. (55

Der Siebener Anzeiger erftfreini täglich, außer Sonn« und Feiertags, vezugrpreise.

Monatlich Mark 3.60 undMK.-.65Trägerlohn, vierteljährlichMark 10 80 undMk.l.95Trägerlohn; durch die Post viertel, jährlich Mark 12.- ausjchtiehlich Bestellgeld. Fernsprech.Anschlüsse: ftr die Schriftlertung 112; Derlag.Eeschäftsftelle51. Anschrift für Drahtnach. richten: Arneiger Siehrn.

pofifchecklonlo:

Kraniftirt a. M. U68i>

Erstes Blatt

170. Jahrgang

Montag, 5. Juli 1920

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhesien

Druck und Verlag: vrühl'sche Umv.-Vuch- und Stemdruckerei R. Lange. Zchristleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulsttahe 7.

Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag voi her ohne jede Verbindlich! it. Preis für l mm hol? ilr Anzeigen d. 34mm T .eile örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf.: für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf Bei Platz, vorfchrist 20" 9 Aufsch ag. Sauptschriftleiter: Äug. Goetz Verantwort ich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ur. Reinhold Fenz; für de« Anzeigenteil: f). Deck, sämtlich in Dietzen.

i

Das deutsche Gutachten für Spaa

Berlin, 3. Jrlli. (WTB.) Tas eingel^end: Guttrchten der deutschen wirtschaftlichen Sackwer ftikubigen über Tentschlands wirtschaftlich? Leü- ftungsMig^eit, das am 30. Juni dem Obersten Rat neben zwei amtlichen Tenlschriften über die Zahlungssähigkft Deutschlands uni) über die Stcuerbelastamg in Deutschland von der deutschen Regimmg- als Material für die VerhaMungen in Spaa überreicht worden ist, enthält in seinem ersten Teil eine ausführliche Darstellung der wirt- scyastlichen Lage Deutschlands. Es werden zunächst die vernichtenden wirtsclxtftlichen Wirkungen der Waffenstillstands zeit geschildert, weiter die Lin­derung der deutscleu tw.'dukliven Kräfte durch dm Vertrag von Per a lles und ihre verhäng-aisrvllen Folgen in allen ihren Einzelheiten. Tas Gutachten geht kurz auf den Jusband der dentsck-en Finanzen und auf die durch die neuen Stenern verursachte Belastung der t-eutschen Volkswirtschaft ein. Ter zweite Teil des Gutaclftens b. schäf.igt sich'mit den Voraussetzungen zur Feststellung des Wiederent- machung.betrages und behandelt zunächst das An­gebot der deutscl>en Friedenslelegation in Ver­sailles vvm 29. 9Jkii 1919, worin Deutschland srck zu Zahlungen bis zu einem Höchslbetrag von 100 Milliarden O'-otb verpslich en wo lle. Tie Sachver­ständigen hallen au sich den Grundgedanken des Angebots und die Erwägungen, von denen es aus- ging, im Prinzip auch Heu e noch für richtig, eine Wi^-evl-elung des Angbvts könne jedoch l/eute nicht mehr cr'olgen, tveil einmal von den damals als integrierender' Teil des deutsche Angebots aufgezäli cu Vvraussetzungini vor allem Belassuirg Oft-'und Westpceußett, Oberschlesien und des Saar­gebiets. Selbst.estimmungisrecht für Deutsch-Oester- reich, 'Belas ung der Kolonien als Mandatnr des Völkerbunt-es, Verzicht auf Auslieferung der Han- delschotte, keine Okkupation deutschen Gebiets) auch nicht eine einzig- er.Ält worden sei, sodann aber auch die gesamte äussere imb innere Wirtschafts­lage Teut'schlckbds sich unter erl,edlick>er Mitschuld der alliierten und asoziierten Mächte wesentlich verschlechtert 'hob.'. Bei der Erörterung der Mög> lichkcit deutscher Leistungen bezeichnen cs die ^Satti- verständigen 'als ihren Wunsch, ilwe Erörterung der Wiedergutmachungsfrage einem festen Vorschlag soweit an^uiräh-ern, als es überhaupt in einer wirt­schaftlichen G-eamtlage möglich ist, bei der nicht nur die bekannten Fahren sclaon beforgniserrcg»ond genug sind, sondern zugleich weitere wesentliche Faktoren sich überhaupt der Erfassung durch Rech- nung oder Schätzung entziehen. Sie kommen-dabei zu der Auffassung, daß die Bemühungen laller Be­teiligten auf die Lösung der einzig "wirtlich großen Fragen konzentriert werdm sollten, die der Kählcn- Ueserungen und der Be eiligung Deutschlands am Wiederauft-au Fran'.reichs im eigen'lichen Sinne. Bei ,der Kohlenliesermrg bleibt nach Ansicht der Sachverständigen äem anderer Ausweg, als den gegnerisä rn Staaten, insbesondere also Frankreich, zwar eine Option aus bestimmte Kiohlenmcngan 'zu gctvähren, ietoch unter der Voraussetzung, dass die Liesening auf der Basis der im 'freien Wettbewerb sich bildendem deutschen bzw. errglischen Ausful-r- preisc'tatsächlich bezahlt werde. Deutschland würde sich dann verpflichten müssen, die Einkünfte aus t-iesen Kosten in erster Linie für'die Erfüllung der in Geld auszudrückenden Wiedergutmach-ingslei- stungen sicher zusteli en. Weiter ist erforderliche, daß Teutsttiland, ta cs nicht genügend exportieren kann, einen "Teil seiner lebendigen Kräfte ins Ausland sendet, um t-nrch werbende "-Arbeit einen weiteren Betrag an ausländischen Zahlungsmit eln zur Ab­geltung seiner Wietergutnmchungsschrl) zu erkal­ten. T ie Sachver- Andigmi 'halten es, solang.! andere Betätigungsmöglichkeiten -größerer Bcvölkerungs- masfen im Auslarrd den Deutschnr durch Kolonien nicht gewährt werden, für unerläßlich, daß die Verhandlungen über die Arbeitsbeteiligung beim Wicoerausbcm 1 Frankreichs mit allem Nachdruck fortgesetzt und eifern greifbaren Ergebnis zu ge­führt, werden. Erne weftere Notwendigkeit für Deutschland -ist die Einfuhr derjenigen Warenmen­gen, die für die unmittelbare Wiederherstellung der menschlichen 'Arbeitskraft und die Landwirtschaft nötig -sind. Ter unbedingte Einführbedarf für die Zeit vom 1. Juli 1920 bis zum 30. Juni 1921 beträgt nach der Berechnung der Sachverständigen über 41/» Millionen Tonnen Nahrungsmittel und mindestens 300 000 Tonnen Rohphosphat. Dafür benötigt Teutschlcmd ausländisch- preüilc in Fornr einer Nvtanleche. Die näh/ren Bedingungen dieser Kredithilfe würden im übrigen in mimdlick-en. Ver­handlungen festgelegt werden können, deren baldige Einleitung den Sachverständigen äußerst dringlich erscheint,ivie überhaupt nach Auffassung der Sach­verständigen die alsbaldig.- Aufnahme von wirt­schaftlichen V erlMrdlungen dazu bei tragen lvürde, lene Atmosphäre ton rul-iger Sachlichkeit und ver- antwvrtulrgsbetvußter . G-emeinschasisarbeit l-erzn- stcllen,'dhnc diO'der Vertrag von Versaillesl niemals die ihm fehlende Kraft, cm wirklicher Fried.- zu sein, -evbalten würde. Schließlich beschäftigt sich die Denkschrift mit den Borausietzungen für die Abgabe eines neuen deutschen Ang-bots und >vmmt iu_ dem Ergebnis, daß ein solches Angebot nur möglich ist. roenitsjn Ausführung des Vertrages von Versailles von folgenden Vorausfetzung.n aus- äegangcn wird, die allerdings eine abschließende Auszählung nicht darstellen: Deutschland wird int Acge her tz^gonseitigl'eit Meistbegünstigung, wirt- w'attliche Gleichberechtigung uw. Reckes siche rhei t tm Ausland gewährt. Der Wirtschaftsseiten wird durch die ausdrüttlitt) zuzusagende Nichtanwendung

. Aepres aiiensiausel gesichert Deutschlands Wtrtschaftslohci' im Inland bleibt unangetastet. Peutiä-lanis Eiül)cit als Zollgebiet tviro durch rernerlel. Eingrifte gefährdet. Freier Verkehr mit Ostpreußen wird gewährleistet. Tie Lasten aus der Okkuprtiou werden durch ihre Bcgrvnzmrg gc- mubert Tie Retzllmiouen der aus ben besetzten

Gebieten wegg führten Gegenstände müssen in das | System der Wied-rgutmach.ingsschuld eingegliedert werden. Tie finanzielle Auscinandersetzung mit | den einmaligen BundesMvosen wird unter der Mitwirkung der Entente ermöglicht. Deutschland wird der zu seiner Existenz notwendige- Schiffs­raum zur Verfügung gestellt. Ter Gegemvert der bereits liquidierten und das Eigentum an noch nicht liquüierten deutschen Nettsten und Interessen im'Auslande bleibt den Berechtigten zu unmittel­barer Verfügung erhalten. Tie Erl-altuatg von Oberschlesien bildet die unerlä.lidye Voraussetzung jeder Wie >crgutmachung>;reA>flichtung für T-utsch- land. Sollte wieder alles Erwarwn die Abstim­mung gegen Deutschland aulsfallen, so würde die Abg be des deutstt-en Wied ig- trnochnngs-ung-bv's binfäl.tg werden müssen, ba die ilinfäch^gstit Deutsch­lands zu nennenswerten Leistungen ohne Gegen­leistung ohnehin für alle Welt erkennbar seilt würde. Tas Gutachten schließt: Selbst nach Er­füllung dieser Vvvuars' c amgcn bleibt Teutfchlands Lage ungeftärt und gefährdet. Es besteht für noch nicht absehbare Zeit keine and re Möglichkeit, als den Nolwon ügkcÄen des Staatshaushalts, soweit äußerste Einschränkung und ftärCi'iC Sreiieranspur- nung Nicht ousreitt-en, durch Hemmung.läse Aus­gabe neuen Papi?rge-ldes zu genügen. Tie,es 'Ver­salien läßt sich wegen dechlvzialen Wirkungen,üud, ständigen Preisveränderungen noch kurze Zeit stortsetzen. Was dann kommen wird, ist ungewiß Ohne den raschen Beginn eines wahrhaft solidari- stt^n Zusammenarbeiiens der Völker sind die in der gestör.en Weltoronu:tg liegenden llrwchen der Wirtschasts- und Währungsn ü -

Berlin, 5. Juli. Zu dem deutschen Sach- verständigen-Gutachten äußert von den wenigen Blättern, die am Montag Morgen erscheinen, dieDeutsche T a g e g 5 e i t u n g": Die deut­schen Sachverständigen b tont n als eine der Laupt- lvdingimgen. das; endlich ein wirklicher Friedens­zustand P atz greife. Es müßte die fortgesetzte Drohung mit Nepressalien aufhören Und die wirt­schaftliche Gleichberechtigung Deutsttstands zur Tat­sache werden. Dies ist nicht allein wirtschaftlich nötig und politisch, sondern vor allem auch mora­lisch. Solange die deutstt)e Wirtschaft von einem zum andern Tag nicht weiß, ob das dem Deut- sttiert Reich noch gebliebrne Gebiet injangetaftct bleiben wird, ob nicht die Unzulänglichkeit der vorhandenen Truppen einen netten ruinösen Um­sturz herbei führt, ob nicht eine neue Blockade in rrgendwelcher Form verhängt wird, solange wird die notwendige moralische Schwungkraft im deut­schen Volke fahr wirtschaftliche Leistmrg n nicht eintreten, sondern statt ihrer Dosfnnngslosigkeit, Mangel an Unt.-ntehmung.gcist, auch vielleicht an Arbeitslust bestehen bleiben.

DieK r e u z z e i t u 11 g" möchte es für am besten halten, wenn die deutsche Regierung die Ma­terie in Spaa mit Kälte und Nüchternheit anfaßt. Tas Gutachten der wirtstt-aftlichen Sach­verständigen und die Denkschriften über die Zah­lungsfähigkeit und über die Steuerbelastung in Deutschland geben darüber, rote das Blatt schreibt, genügen!) Aufschluß. Will die Entente auf diese Sprache nicht hören, so wird es sich empfehlen, die Aktendeckel wieder zuzuklappen und abzuwarten, ob der Partner noch weiter ver­handeln will. Es wird an Einschüchterungsver­suchen nicht fehlen. Man soll sie ignorieren oder besser mit dem nüchternen Hinweis auf unsere sprechenden Zahlen erwidern. Mit Gewaltplänen wird die Entente lein-m Pfennig aus uns heraus- presseit, und wenn uns nicht zur Aufrechterhaltung dec Ordnung und Staatsautorität das 200 000- Mann-He?r gewährt wird, so roerb.n die Teil­nehmer der Brüsseler Vorchnferenz von Spaa mit leerem Beutel nach Hause zurückkehren müssen.

Der deutsche Standpunkt.

Spaa, 5. Juli. (WTB.) Alle Delega­tionen zur Konferenz sind angekommen. Die erste Sitzung wird heute vormittag 10 Uhr stattfinden.

Wir geben nachstehend die erste Meldung unseres Sonderdienstes aus Spaa wieder:

Spaa, 4. Juli. Der Minister des Aeu- ßern Simons äußerte sich heute vor eini­gen ausländischen Pressevertretern über die bevorstehende Konferenz und erklärte u. a., nach dem Vertrag von Versailles sei der Be­trag, den Deutschland an Wiedergut­machungen zu leisten hätte, im Mai 1921 festzusetzen. Aber wie die Dinge lägen, könnten weder Deutschland noch seine Gegner bis dahin warten, da sonst die Feststellung vernünftiger Budgets praktisch unmöglich sei. Es sei viel­mehr im Interesse der ganzen Welt, die nur durch internationale Zusammenarbeit vor dem völligen Zusammenbruch bewahrt wer­den könne, notwendig, schon jetzt zu einer Eini­gung zu kommen. Soweit Deutschland in Frage komme, werde es bereit sein, alles zu tun, um dieses Zusammenarbeiten zu fördern.

Bon einem der Pressevertreter befragt, ob Deutschland bestimmte Vorschläge mitbringe, erwiderte der Minister: Eine bestimmte Summe zu nennen, die Deutschland unter allen Umständen zahlen könne, sei na­türlich vollständig ausgeschlossen. Aber wenn es durch eingehende mündliche freimütige Verhandlungen gelinge, volles Einver­ständnis über gewisse Voraussetzungen zu er­langen, so werde Deutschland wohl in der Lage sein, ein festes Angebot zu machen. Der Minister bemerkte weiter, er habe im vorigen Jahve, als der Lectrag von I^rsailles unter­

zeichnet wurde, seine Stelle int Reichsdienst aufgegeben, da er der Ansicht genwsen sei, daß Deutschland die furchtbar harten Bedingungen nicht erfüllen könne. Seither hätte er einen wichtigen Posten in der deutschen Industrie inne gehabt und habe Gelegenl)cit gehabt, ein­gehend zu studieren, bis zu welchem Grade Deutschland den Vertrag von Versailles zu erfüllen in der Lage sei. Jedenfalls werde er nichts unterschreiben, als was seiner Ansicht nach Deutschland erfüllen könne. Er betonte weiter, daß Deutschlands Erfüllung in der Hauptsache in Arbeit bestehen würde und daß diese Arbeit von drei Bedingungen abhänge: Rohmaterial, Lebensmittel und innererFriede. Diese Bedingungen, die ebenso grundlegend seien wie die Zukunft O b e r s ch l e s i e n s, seien die wichtigste Vor­aussetzung, über die man sich zunächst einigen müsse, ehe Deutschland ein festes Angebot machen könne. Der Minister erklärte am Ende seiner Darlegungen, es sei der feste Wille Deutschlands, zu einer Verständigung zu kommen.

Die Konferenz von Brüfiel.

Brüssel, 3. Juli. (Wolff.) Der Sonder- 10 Uhr trat der M i n i st e r r a t zur Prüfung der Lage zusammen.

Brüssel, 3. Juli. (Wolff.) Millerand begab sich heute vormittag 11 Uhr nachdem Palast­hotel, wo er mit General We ygand eine kurze Unterredung und darauf eine Besprechung mit Lloyd George und Graf Sforza hatte.

Brüssel, 3. Juli. (WTB.) Die Konferenz bet Minister Frankreichs, Englands und Italiens, der nach Schsiiß des belgischen Minsiterrats auch noch die belgischen Vertreter beiwohnten, dauerte ron heute vormittag 11 Uhr bis 1/22 Uhr. Sie beschäftigte sich neuerdings mit der Frage der Verteilung der deutschen Wieder­gutmachungen. Es wurde ein Abkommen auf folgender Grundlage erzielt: Frank­reich wird 52, England 22, Italien 10, Belgien 8, Serbien 5 Prozent erhaft n, der Rest gelangt an die übrigen Mächte, Rumänien, Portugal und Japan, zur Verteilung. Italien soll überdies Kompema- tionen roirtscbaftlitt>er und finanzieller Natur er- halteir. Um ö,30 Uhr wurden die Verhandlungen wieder ausgenommen. Es haben sich daran ledig­lich die alliierten Minister mit je einem Sekretär beteiligt. Es wurden die Berichte der Militär-' und Luftschiffahrts-Sachverständigen über die Ver­letzungen des Friedeusvertrages von Versailles entgcgnugrommcn. Ter Oberste Rat wird sich heute nachmittag über die Taktik auf. der Kon­ferenz von Spaa entscheiden, damit eine ein­heitliche diplomatische Front der Alliierten gewahrt bleibt. Auf Anfrage hat der Präsident der ' Wiedergut­machungskommission Dubois " erklärt, daß nach seiner Meinung keine Diskussion mit den Deutschen stattfinden würde, son­dern daß diese nur Vorschläge cinzubcingen hätten. Die deiltschen Anerbieten feien bisher durchaus unbefriedigend gemefen. Dubois erklärte, daß die Konferenz, die über die bvlschewisttschen Erfolge gegen Polen beunruhigende Nachrichten erhalten hat, sich^mit der militärischen Lage des neuen Staates beschäftigen werde. s2In die Marschälle Fach und Wilson wurden in diesem ©inne An­fragen gerichtet. Tie deutsche Delegation wird am Sonntag die Grenze überschreiten und nach­mittags in Spaa ein treff en.

Brüssel, 3. Juni. (Wolff.) Ter Sonder­berichterstatter derAgence Havas" meldet:

Nach Schluß ber ge~X Q n Vvrmi tagsLcmf re.'z setzten die Sack>verslMiL>ige.i für die S ch 1 s l a h r t - imö Luftschiffahrtsfragen den Text einer Note fest, die der deutschen Telegation in Spaa überreicht werden soll. Ter endgültige Wortlaut wird wahrscheinlich durch den Obersten Rat fest­gesetzt werden. Wir glauben zu wissen, daß die Note insbesondere auf die Notwendigkeit der Ab­lieferung von Kriegsmaterial bestehn wird, das den Mliierten bisher noch nicht mis- geliesert worden ist, und daß ferner von der deut­schen Regierung die BerofferlttittMng eines Gesetzes verlangt wird, daß die M i l i tär p fli ch t im Teutscheu Reiche abgeschafft ist. gmviß dem Ver­sailler Vertrag, und schließlich hririchelich der Re­duzierung der deutschen Armee auf 100000 Mann, die bis zu dem rorgeseheneii Ter­mine am 10. Juli nicht durchgeführt.werden kann. SttsiieUich müssen die 100 000 Mann reguläre Truppen, die Teutschland zu kalten bered? igt ist, auf neuer Grundlage verteilt werden, so daß sie von einem Tage zum anderen große Heeresteile nicht bilden körrnen. In dieser Hinsicht wurde voll­kommene Einigung erzielt.

Tie Sitzung am Nachmittag beschäftigte sich mit der Fv?ge der Verteilung der von Teutschland an die Alliierten zu zal/leorden Entsch-ädi- gn ngs summe. In dieser Frage wurde keine Einigung erzielt und die Vertreter der 4 inter­essierten Mächte sahen sich g^wungen, auf ein Komprv miß hinzuarbeiten. Gestern abend wnroe noch keine Entscheidung getroffen. In der heutigen Sitzung werdeir die Führer der Telegativ- nen vv-n neuem versuchen, zu einer Einigung zu gelangen unb ein Stiftern der Versöhnung zu fin­den, was in offiziellen ftanz-östschen Kreisen als sicher angenommen wird.

Am sterda m, 3. Juli. (Wolff.) Nach einer Havas-Reuter-Meldung aus ®rüffel wird ut amt­lichen Kreisen darauf bingcwiesen, daß die Aus- fpradjc biZher ei»« offwjai Ch^aLer trug und

daß -der belgischen Regierung noch kein 0 ff t* zieller Vorschlag g.-macht to.irde. Nich's':cii>- weniger scheine der Verlauf der Besi-rechu gen bie Besorgnis des belgisckxn Müüsterpräsidentcn zu rechtfcrtigen,der am Abend er.Härte, von ber gegenwärtigen Wendung, die die Tinge goi nommen, peinlich berührt tvordcn zil sein.

Brüssel, 3. Juli. (WTB.) Havasreuler. Nach gjlittcihmgen aus guter Quelle ist in der Frage der Wielxrgutmachrlngen iwch keine Rege­lung erzielt worden. Die Erörterungen sollen in privaten Zusammenkünften fortgesetzt werden. Es besteht die Hoffnung, daß man dort zu einer Einigung über die Frage gelangen wird. Die Konferenz von Brüssel ist beenbet. In der letzten Sitzung wurde von den Berichten der Sa ch v er­st ä n d 1 g e n a u s s ch ü s s e über die militärischen, maritimen und Luftfahrtangelegcnheiten Kennt­nis genommen, nach denen sich die deutsch-.- Re­gierung offenbar mit deck ihr durch den Friedens­vertrag auferlegten Berpflichttlngen im Rückstand befindet. Sodann wurde der voraussichtliche Ver­lauf der Verhandlungen von Spaa geprüft. Es wurde bestimmt, daß die nächste Sitzung Montag 11 Uhr vormittag in Spaa stattfindet. Die deut­schen Delegierten werden eingeladen, daran t.-il- zunehmen. Schließlich trat die Konferenz in die Prüfung der amtlichen Mitteilung des Wieder­gutmachungsausschusses, die sich aus den Rück- stano Deutschlands m der Kohlen lieferung bezieht, ein.

Brüssel, 4. Juli. (Wolff.) Havas- Reuter: Lloyd George erklärte bei einem Empfang belgischer Journalisten, die Deut­schen hätten kein Recht, auf der Konferenz von Spaa den Versailler Vertrag zur Erörterung zu bringen, sondern hätten nur ihre Absichten über die der A u s f ü h c u n g dienenden Wtaß- nahmen kundzutun. Bezüglich der Entschädi­gungsfrage sprach Lloyd Oöeocge das Ver­trauen aus, daß man zu einem Einverneh­men gelangen werde.Wir zeigen alle unseren, guten Willen", sagte er.Es gibt nur ein einziges Land, das bezahlt, und es gibt viele Gläubiger. Es ist also zu verstehen, daß einige Schwierigkeiten entstehen, bevor eine Eini­gung erzielt ist." Lloyd George erklärte wei­ter:England hat sich mit einer gewissen Verminderung seines Anteils zugunsten Belgiens einverstanden erklärt." lieber die eventuelle Beteiligung Englands an dem ge­planten französisch-englischen Militär­bündnis befragt, erklärte Lloyd George, int Augenblick handele es sich nicht um diese Frage.

Br üssel, 3. Juli. (Wolff.) ,L>avas" meldet: Bezüglich der Frage des Anteils Belgiens art der Entschädigungssumme rerzögericn sich heute Durch einen unvorhergeseh.-nen Zwischen-all die Arbeiten der Konferenz. Mau versichert, daß der Zwischenfall durch das Auftreten der ita­lienischen Regierung hervorgerufen würbe, die ver­langt habe, daß Belgien zu Gunsteii Italiens auf einen Teil seines Entschädigungsanteils ver­zichte. Der belgische Ministerpräsident habe irt dieser Angelegenheit lange Unterredungen mit Lloyd George und M i l l e r a n d gehabt. Ta eine Einigung nicht erzielt wurde, stellte es sich als unmöglich heraus, die Konferenz in der verabredeten Weise wieder zusammen- zurusen. Der belgische Ministerpräsident wird über die Angelegenheit mit dem König vor dem freute abend im Palais zu gebenden Essen eine Besprechimg haben.

Paris, 4. Juli. (Wolff.) NachChi­cago Tribüne" sollen die Verbündeten dahin übereingekommen sein, Belgien die P r i 0 r i - tat für 2V2 Milliarden Goldmark zu ge­währen.

Der voykott gegen Ungarn.

Amsterdam. 3. Juli. (Wolff.) Wie das Sekretariat des internationalen GewerksclxrstSpun­des mitteilt, wird in der Sitzung des inter­nationalen Bureaus, das anläßlich des Kongrefses des belgischen Gewerkschaftsbundes vom 3. bis 7. Juli in Brüssel zusammen tritt, die weitere Haltung des Internationalen Gewerffck-aftsbundes in der Frage des Boykotts geacn Ungarn näher festgestellt werden Inzwischen wird der Boykott ungeschwächt fortgesetzt. Die beteiligten Organisationen iverden ausgesordert, Maßregeln für eine eventuelle Verschärfung des Boykotts zu treffen.

Lemberg in den Händen der Noten Armee?

P a r i s , 3. Juli. (Wolff.)Daily Mall" mel­det aus Brüssel: Nach der letzten Meldung aus Polen soll Lemberg in die Hände der Roten Armee gefallen sein.

Aus dem Reiche.

Der Proteststreik gegen den Steuerabzug.

Aschaffenburg, 4. Juli. (Wolff.) Gewerkschaftskartell und die Be­triebsräte von Aschaffenburg haben den Streik auf der Dettinger Zeche ,G u ft a v", durch den Aichaffenburg, Darmstadt und vierzig andere Orte leit