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Nr. 130 Zweiter Blütt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) —a-iwrw i nwi irw—w i i ■■■r«»nn.i mwiiir ........
Samrtag, 5. Juni (920
Aus Hessen.
Grundsätzliches und Praktisches zur Volkshoch fthulfrage.
Nach kurzer Bec,rüßung durch Direktor Has- sing er von der Zentralstelle für Volksbildung gab Professor Goldstein - Darmstadt ein Referat über „Grundsätzliches zur Volkshock^chul- frage" Der Vollsltz)chschullehrer müsse von seinem Stoffe ergriffen sein, diese Ergriffenheit anderen mitteilen und dazu die Gabe besitzen, populär dar- zuftellcn, d. h. er darf nicht seinen Stoff in möglichster Verdünnung. geben, sondern volksverständlich, das bedeute: sckpvierige Gedänkengänge auf wesenhafte Grundzüge zurückführen. Die Volks- hockftchule könne für uns mir eine deutsche sein. Um diese I d e e des Den t s chtn m s zu erfüllen, müssen wir auf die Zeit des deutschen Humanismus znrückgreifcn. Die« Ziele der Volks ho chschul- bildung könne man folgendermaßen fassen: 1. Gilt es den Willen zur Sclbstbildung zu wecken, einerlei, durch welchen Stoff; 2. ein üb rstaatliches, überparteiliches deutsches Menschentum heranzubildcn, in dem die Toleranzidee lebendig un) Vorurteilslosigkeit als positiv empfunden werde; 3. ein Hineinführen zum Geheimnis der Wirklichkeit und des Daseins, damit zur Ehrfurcht, zur Entphi- listerung des Einzelnen; 4. das realitätslose Denken der gegenwärtigen Menschen zu korrigieren. Nicht mehr sollen sie in wesenlosen Begriffen denken, nicht mehr sich nur erinnern an oberflächlich Erfaßtes; 5. muß sich der Abstand zwischen Masse und Geistessührern vermindern, der nirgends so groß ist als gerade in Deutschland, viellcickst, weil die führenden Leute bei uns ragender und in ihrer Geistigkeit chaotisck-er als in anderen Ländern sind, vielleicht, weil die Menschen anderer Länder mehr Gemeinsamkeiten besitzen. — Man dürfe von der Volkshochschule nicht zu viel erwarten, die habe seinerzeit fortissimo eingesetzt, jetzt komme der Rückschlag. Am Schicksal des deutschen Geistes hänge auch die Volkshochschule, aber wir müßen uns bewußt sein, daß vorderhand Volkshochsckmlarbeit Wintersaat sei. Das zweite Referat von Dr. Hans Werner- Gießen brachte Einzckhciten aus der Praxis d e r V o l k s h o ch s ch u l e i n G i e ß e n. Er sprach von den Erfahrungen, die allerdings noch sehr kurz seien, nämlich der letzten drei Semester. Die Wick>- tigkeit der Reklame betonte er und schlug neben Zeitimgsannoncen, Vorlcsungsplänen, als das Wichtigste die Werbung vom Mensck-en zum Menschen vor. Ferner betonte er, nach seiner Erfahrung solle man das Winter- und Sommersemester möglichst lang ausdehnen und zwischen beide genügende Pausen legen. Er sei auch kein Gegner von großen Arbeit.-gemeinschaften, denn die Gemeinde der Mitarbeitenden sei immer klein und für die uichtaktiv Beteiligten das Hören immer aünstig. Aus seinen Listen gab er dann eine Zusammenstellung der Hörer und bedauerte das Fehlen der Arbeiterkreise. Auch treibe die Menschen zur Volkshochschule weniger der Wille sich zu vervollkommen, als beruflichen Nutzen zu ziehen. Dies könne aber im Laufe der Jahre sich ändern; das Wichtigste seien berufene Lehrer, die sich ihren Hörerstamm sammelten als Saathirn größerer Ernten. Als erster der Aussprache gab Rektor Bach-Großen-Linden einen Ueberblick über seine ländliche Arbeitsgemeinschaft, da Dr. Werner nur von seinen städtischen Erfahrungen mit Absicht geredet habe. Mit 20 Hörern habe er auf Wunfch aus diesen Kreisen selbst begonnen und er hafte nun, daß durch diesen Stamm allmählich der Gedanke in seiner Gemeinde Wurzel fassen werde. Allerdings unterrichte er und seine Lehrer in diesen Gemeinschaften nur Elementares. Doch im Laufe der Jahre sei seine Absicht, auch Vortragsreihen cinzuschalten und so allmählich vom Kleinen ins Große zu wachsen. — Pros. Pfannmüller- Darmstadt sprach von den Erfahrungen der Darmstädter Volkshochschule, wo bei 700 Hörern immerhin 100—150 den Arbeiterkreisen angehörten. Er ist der Ansicht, daß, loie man andere. Lehrer in Seminaren heranbildcn könne, man auch Bolkshochschullehrer erziehen müsse. Prof. M e i s e l - Darmstadt wandte sich gegen die Vtode, von der Ueberschätzung des Wissend zu reden. — Pfarrer Sa 1 t l e r - W i e s e ck sprach von den Erfahrungen seiner Volkshock)«-- sckwle, die bei einer Einwohnerzahl von 3500 Seelen 110 Hörer umfasse. Das Interesse sei im allgemeinen sehr groß, und cs wäre interessant, nebelt anderen Statistiken auch eine Konfessionsstatistik zu führen, weil er mit Freude beobackstet habe, daß an seinen religiösen Kursen Israeliten mit Airteil bcigewohnt hätten. — Schwede s - Bensheim führte das Fehlen der Arbeiterschaft auf deren Mißtrauen gegen alles, was Führer heiße, zurück, da die alte Führerschaft bisher ent- täufdyt habe. Prof. Schmidtgen- Mainz betonte, daß bei dem Kampfe gegen das Schlagworr man immer mit solchen arbeite, wie heute das Wort „Leben" i-ud ,,Erck>n" bennv.t werde. Wil- fe*1 s : •• ' * * ■ '
wie das Denkenlernen. Dr. Waas- Mainz bemerkte, daß in Mainz die konfessionelle Frage sehr aktuell sei, da dort die Katlwliken ihre eigene Volkshochschule besäßen. In seinem Schlußwort wies Prof. Goldstein darauf hin, daß er mit seiner Verteidigung der Ratio nicht den Rationali>mus gepredigt habe. Die Ratio erfasse nicht das Letzte,. aber man dürfe auch das Vorletzt • nicht überspringen. Es gälte Platins Wort: „Bis zum Wege und bis zur Fahrt geht die Lehre: das Selien aber ist Sache dessen, der sehen will."
Hessisches Landsesetz.
Vom Sekretariat des Ministeriums der Finanzen, Abt. für Forst- und Kaineralverwaltung, wird uns geschrieben:
. In der letzten Zeit ist die Regierung in Wahlversammlungen vielfach h.stig angegriffen worden, weil sie die Durchführung des Landgesetzes nicht genügend gefördert und die Zuteilung von Siedelungsland an di: Lantzb-.wer-.er unnötig verwgert Hache. — Wer die Schwierigkeiten kennt, mit d r die Virgierung gerade in der Frage der Landbeschaffung zu kämpfen hat, wer fernerhin weiß, wie schwer es ist, die zur Durchführung des Landverfahrens geeigneten Persönlichkeiten zu finden, wird in diese Vorwürfe nicht einstimmen. — Trotz aller Schwierigkeiten ist es der Regierung jetzt gelungen, die Organisation so auszubauen, daß mit einer schnelleren Durchführung der Lcmdzuteilung gerechnet werden kann. Allerdings soll man nun nicht glauben, es könne das Verfahren gleich überall eröffnet und im Handumdrehen durchgeführt werden. Bei der überaus großen Zahl der Landbewerdimg ist dies schlechterdings unmöglich; auch müssen dem Verfahren, will man etwas wirklich Brauchbares schaffen, eingehende Ermitt nugen vorhergel-en, die natürlich geraume Zeit in Anspruch nehmen Man lasse sich deshalb durch haltlose Bel-auptungen, wie sie in den aufgeregten Zeiten des Wahlkampfes besonders gern verbreitet rocroen, nicht irre machen und schenke der Regierung und den Beamten des Siedlungsunternehmens das Vertrauen, daß sie ihr Bestes tun, um dem Land- bewcrber möglichst bald das unumgänglich nötige Land zu beschaffen.
Handel»
Berlin, 4. Juni. (Wolfs.) Wie wir von zuständiger Seile er^r'hren, steht das Reichsarbeitsministerium mit der Pirmasens e i/ckchuftoaren- industrie in Verhandlungen, um die Wi darauf- nahnie des Betriebes in einem Teil der gcfrWfcncn Schuhwarenfabriken herbeizufül-vw. Es! tpird daran gedacht, aus Mitteln der produktiven Erwerbs- losenfürsorge Darlehen zu yetofflyren, die in ihrer Höhe nach der Ersparnis an Eviverbslvscnfürsvrge bemessen werden. Tie Preise für Schuhwaron, die auf diesem Wege hergestellt werden, sollen sich in der Höhe halten, daß sie auch für die minderbemittelte Bevölkerung erträglich erscheinen läßt. Davon wird zugleich eine günstige Einwirkung auf die Haltung des Schckftr?arestlMst)els erwartet, der sich gegenwärtig vielfach noch nicht zu dem Abbau der Preise entschließen konnte.
Brüssel, 4. Juni. (Wolff.) Nach der „Libre Belge" ist tn Antwerpen eine Diam anten- tr ife infolge der Schwankungen der Valuta aus- gebrochen. Als Vorbeugung sniaßnahme ist die Arbeit auf einen Monat eingestellt worden.
Berlin, 5. Juni. Börsen st imrnungs- bild. Tie Auslandsdevifen jrigten tm freien Versehr unreg'lmätzigc, aber über-viegond schvächr ■ Haltung, ^bollond 14-35, London 160, Dollar 39, Schweiz 700, Kopesthag^n 690. Davaushin sind Valuta und Ausstrndriie te bcsestigt. Das Geschäft ist still. Man will die Wählen vorübergehen lassen. Oesterrrichische Werte, bftondrrs Staatsbähnen, fest.
Frankfurt a. M., 5. Juni. Börsen- stimmungsbild. Der Verkehr am Wochen- schluß bietet nichts besonderes. Das Geschäft Ivar auf allen Märkten infolge der bevorstehenden Wahlen zurückgegangcn. Die Grundstimmung ist aber vorwiegend fest zu bezeichnen. Das trifft auch für die Tendenz des Montanmarktes zu. Kali Westeregeln mit 600 + 15 Proz. Von Elektrizitäts- Werten stellten sich Dcutsch-Uebersee mit 87 20 Proz. gebessert. Chemische sind in der Mehrzahl gut behauptet. Die von Wien abhängigen Werte lagen fest. Lombardei: 33. Oesterreichi>ck)e Kredit-Anstalt 5 Proz. höher. Schiffahrts-Aktien hlieben vernachiäffigt. Schantimgbahn 601 plus 20 Proz. Teutsche Petroleumaktien 565 — 57 Proz. Im Anschluß der schwankenden Haltung des Devisenmarktes zeigen im allgemeinen Auslands- und Kolonialpapieve ein rmregelmäßiges Geschäft. Mexikaner fester. Otavi-Mine-r gesuchter. Prjvot-
Frankfurt a. M., 5. Ium.
3. Juni
1622,40 1631,60 1473,50 1476,50
Berlin
Abend- 1-Uhr- Schluß- Anfangs-
Märtte.
12,35
5,95
13,50
11,-
32,40
92,60
23,28
Devisenmarkt.
Geld Brief
13,05 6,80
14,25 11,50
31,96
92,40
23.22
Zürich
Amsterdam .
Kopenhagen.
Stockholm. .
Wien . . . .
Vörsenlnrse.
Frankfurt
Datum*.
Amsterdam« Roiterd. DrilssebAntwerpen . sshristiania .Kopenhagen Stockholm Helsingfors Italien London New-Park Paris Schweiz Spanien Wien (altes) .... Deutsch-Oesterr. abg. Prag Budapest Bulgarien Konstantmopel. . . .
353,65 799,20 759,25 95:),-
224,75 262,25 175,80
44,82 342,15 80',20 694,30
22,47
32,96
93,80
23,73
334,65
739,25
694,30
889,10 199,80 244,75 159,80
40,70
309,70 724,25 634,35
335,35 740,75
695,70 890,90 200,20 245,25 160,20
40,80 310,3') 725,75 635,65
354.35 800,80
760,75 961,-
225,25 262,75
176,20 44,92
342,85 805.80
695,70 22,53 33,04 94.10
23,73
Geld Brief 4. Juni
hl. Kassel, 5. Juni. Zum letzten Zucht - schweinemarkt waren i-Sgeamt 1049 Stück Ferckel und Läusier gegen 821 im vorigen Me- nat anfgetrseb^n. Tie Preise ste^tcu sich elw^s niedriger, so daß ansangs das Geschäft nur schleppend vouslatbn ging. Ferlrl von 6 Wruchen alt öosleten 100 bis 150 Mk. (l<-tz4e NotreriMg 150—220, vorletzte 170—250 Mk.), von 6—8 Wochen alt 140—220 Mk. (letzte Nock'e ung 200 bis 250, vorletzte 220 bis 270 Mk.); von 8—13 Wochen alt 250—350 Mk. (letzte Not e ung 320 bis 470, vorletzte 300—450 Mk.); Läufer von 3—4 Monaten 350—500 Mk. (letzte Notierung 500—600, vorletzte 500—600 Mk.); Läufer von 4—5 Monaten 500—600, über 5 Monate 600 bis 700 Mk.
Kurs
Kurs Kurs
Kurs
Datum:
4.6.
5.6.
4. 6.
5.6.
5e/,Teut.ffrteqeanL
79,75
79,75
79,75
79,75
4"/,De>'t.Beichsanl.
e
—, —
74,75
— . —
Z°stDeut.Ne chsanl.
«■B . ■ ■■
— . —
67,40
— . —
4e/e Preuß. fionfoli
— M —
73,90
- - —
Barmstedter Bank
- . —
154,-
154,50
155.75
Deutsche Bans,. . .
— . —
— _ —
263,-
268,75
Di^conto» Nesrllsch.
•— e ■
193,25
196,-
Drer^enerB nk. .
— . —
— . —
166,-
— . —
Nationalbailk f. D.
— —■
137,87
138,-
Mittel Cred ttzank
— - —
— _ —
155,-
— - —
Z5.-Am."r;k.-Pakets.
164,50
162,45
165,50
ÄorddeutscherLloyd
- . —
167,-
165,-
166,50
Doch. Gußftah.wrk.
-- - —E
243,-
242,75
237,50
D.-Luremb.Becgri».
259,-
261,-
260,-
262, -
(Bell# rch.Bergw.
280,-
279,-
278, -
278,50
Harp^ier Bergbau
258,-
258,-
261,-
256,12
OberlchllTisenb-.L
— —
184,87
181,-
Oderjchles.Cisen'mb.
— . —
— . —
224,-
220,50
Phöuix-Argb.-Akt.
-- _ —•
-- - •—
369,50
368, —
Lad.Änilin-u.Soda
412,50
410,-
409,50
411, —
Höchste» Farbwerke
334,-
335,-
330,-
330,50
Llriar. A. L. (B. . .
— _ —
274,-
272,-
Schuckert-Werke. .
— —.
174,-
177,75
175,50
FeltenLtöuilleaums
387,-
—. —
392,-
390,-
Daimler......
216,-
— . e*
217,75
219,75
Lud.-Eisenw.-Äkt.
247,-
247,50
240,50
Adterwerk« ....
220,-
— - ■■
215,-
222,-
4’/o Hess. Saatsanl.
— - —
—— _ —
86,50
—. —
eitctcon Griesheim
— , —
295,-
296,-
— , —
Marknotieruugrv.
Datum:
3.6.
4.6.
Wettervoraussage
für Sonntag:
Vorwiegend bedeckt, meist trocken. Kühle Winde aus nördlichen Richtungen.
Müllsr'sche Vadkanftalt.
Wasserwärme der Lahn am 5. Juni: 15 Grad R.
Büchertisch.
— Der Neue Merkur. Mit dem uns vorliegenden, inhaltsschiveren und ausgezeichneten Heste halben die Münchener Monatshefte „Der Neue Merkur" (Verlag Münchm, Theresienstr. 12. Einzelhcst Mk. 4.50, vierteljährlich 3 Hefte Mark 12,—) ihren 4. Jahrgang begonnen, für dcn diese Nummer nach ihrem Inhalt Vieles und Gutes versprickü. Inhalt: DH. G. Massaryk, Für die religiöse Freil-eit. — Eduard Reinacher, Die Reise nach F-igig, Erzählung. — Georges GTrennetriere, (V<.>'7. — Allons V-milft. Wcnde — Mfred Wol-
senstein. Die Ewigkstt der Jugend. — Frank Thieß, Die Zukunft des Traumes. — Leopold Ziegler, Buddho. — Rasso Bergmann, Müncl-en. — Otto Flake, Die großen Worte.
Letzt: TUidu*tt« Protest Schleswigs geg-en die Elauftnsche Linie.
F teils bürg, 5. Juni. i^WTB.) In der gestrigen Sitzung der stäotischm Kollegien wurde auf Alftrag des Stadtverocdnct nvorstchers Justiz- rat Dr. Löh mann eine Entschließung angenommen, in der die städtischen Kollegien nochmals schärfsten Einspruch gegen die logenannte Elausensche Linie als r.je Grenze erheben, da sie nicht dem nationalen Besitzstände entspräche. Eine baldige Revision des Friedensvert.ages zur Festsetzung der Grenze werde unerläßlich sein.
Schweizer C<trcide!ieftntrg'.'n für Baden
Bern, 4. Juni. (WTB.) Der Bundesrat Hal das eidgenössische Ernährungsaint ermächtigt, an Baden Weizen und Mehl in einer gewissen Menge zum Selbstkostenpreise abzugeben mit Rücksicht aus die schwieg rigen Ernährungsverhältnisse, die besonders in letzter Zeit in diesem Lande sich geltend gemacht haben. Es handelt sich um einen großen Posten Weizen, -er in Mannheim lagert und um amerikanisches Mehl.
Die Besetzung Thraziens
K o n st an t i u o pe l, 5. Jrmr. (WTB.) Tie Pforte richtete eine Note an dic Friedenskonfwmz, in der sie bittet, d»iß die Besetzung des westlichen Thraziens durch Glieck,«enland vor der Unterzeichnung ds Friedensvertrages verCinöert tue Nach einem Telegramm aus Teheran lom 2. Juni ist die Lage in der Stadt tiftytg mw nichts zu befürchten.
Litauens Verfassung.
Kopenhagen, 5. Jrr.-i. (W^vB. > Nach einem Telegramm d:r „Berlingske Tideod<" hat b-vt H» ta uische Nattonalversamm ! un g ge. ern die twovi,'ori"che Ver a snng ■.ingunomine.",, di: folgende H<mptpui!kt,.' enthält: Lita- e". i t <inc benro» kraiische Republik, die von einem von der Natrvnal- versammlung gewählten Prä identen und dem Kabinett regi-rt wird, d?.s drr NaZonalversammlung verantwortlich ist und deren V-rtrauen genießt. 9(tie Bürger ohne Rücksicht auf Nationalität und Religion sind vor dem Gesetze gleich. Bis zur Wahl eines Präsidenlen durch die Nalionaloec- sammlung übernimmt deren Präsident Stulginski cLe Pflichten eines Präsidenten. N.u Mitteilung des litauischen Gesandten in London hat die eng- lisck-e Negierung die übrigen Ententemächte auf» gefordert, zusammen mit England dic Un-abhängig- keit Litauens anzucrLennen.
Militärdicnstzeit in FinulauÄ.
K o pen h a gen, 5. Juni. (WTB.) Nach einem Telegramm aus Helsingfors hat der finnische Reichstag die Militärdienstzeit auf ein Jahr festgesetzt. Der Präsident kcmn alle überflüssigen Mannschaften vorzeitig entlassen.
Anbeiheae rächte.
Rom, 5. Juni. (WTB.l Tie „Agenzia Stefans" erklärt, datz die Nachricht, die fKegteamg verhandele in Amerika über eine Anleihe von 3 0 Milliarden gegen Abtretung des Tabakmonopols, vollständig aus ber Luft Gegriffen ist. Die Regierung habe nie daran gedacht, irgend ein Monopol abzutr?ten, sondern sich stets gegen eine derartige Abtretung ausgesprochen.
Ein mildes Urteil.
Wien, 5. Juni. (WTB.) Der Feldmarschall- feutnant des Ruhestandes Eacidier-Lütz^ndorsf, der sich vor einem aus Mi.'glftdern des Mllitär- gecichtshoses urid des Kassationshvsts zusammengesetzten Straf amt zu verantworten hatte, weil er im August 1914 in Schabatz drei Soldaten ohne Gerichtsverfahren niederstechen ließ, wurde von dem Verbrechen des Mordes frei gesprochen und wegen öffentlicher Gewalttätigkeit zu sechs Monaten strengen Arrest verurteilt.
Amerikanischer Passagierdi^nst mit vormals deutschen Schiffen.
Neuyork, 4. Juni. (Wolff.) Reuter. Die United Mail Steamship Company beginnt im Juli mit 15 vormals deutschen Schiffen den Passagierdienst zwischen den amerikanischen und den europäischen Hnsen.
i.. •ytX' <K. r - •, .jr<*ewe”xr- ■ --Ä--^_eewua
Da Hilst nur „St ii f t r u l" daö schnell u. sicher mir- kendeMitiel. Auch geg Hornhaut, Ballen uud ' i'avzen mit bestem Erfolg an*iiiuenben. Pr ts 2.50 'ü’arf. 15162A Drogerie Roll, Babubosttrafte 51 u. Avotbeker Waldschmidt, SeiterSweg 39.
Siegfried
von Richard Wagner.
Kr. Gießen, 3. Ium 1920
Unter dem unrnittelbarm Ein. ruck eines musikalischen und darstellerisch.n Erlebnisses, wie es uns heute vergönnt war, läßt sich schlecht schreiben, besonders wenn dem Schreiber das Gespenst der Raumnot über die Schulter schaut. Und doch wäre gerade heute über Dichtung und Musik so vtel zu sagen: über die Dichtung, deren bei der Lektüre leicht erkennbare Schwächen auf der Bühne wie Schlacken abzufallen sch:in it, über die Musik, von deren Tongewalt und Färb nglanz auch die bestgesetzten Worte nur ungenügende Vorstellungen annehmen können. Nun bleibt nichts übrig, als Dichtung und Musil in das Licht der wundervollen Aufführung zu rücken, die wir genießen bunten und die von den Schwingen des Genius getragen war. Da muß allem vovan das Orchester genannt werden. Der „gewöhnliche" Hörer macht um ja keine Vorstellung von dm riesenhaften Schwtertg- keiten dieser Partitur, die an jeden cmzelnen Streicher und Bläser die denkbar größten Anforderungen stellt. Er kann nur die Sicherheit bewundern, mit der sie gemeistert wurden. Aber auch das kritischste Ohr wird heute mit Entzücken gelauscht haben. Es war ein vollmdeter E n lang aller Instrumente unter der sieghaften Führung Oskar von P a n de r s, des jugemdltchen Dirigenten. Die hinreißende Steigerung des ersten Aktschlusses, die wonnige Lyrik des Waldwebens, die prachtvolle Begleitung der ergreifenden Erda- foene, die farbenprächtige Vertonung von Sieg-
g „um <zaaaieuen u.i nejaj-.oneiter Szene, da.5 und alles andere nxir am das Wirkungsvollste herausgearbeitet. Und auf der gleichen Höhe standen die Leistung-en, die die Bühne bot. Was war das für ein lebenswahrer Mime (Dr. Paul Kuhn), gleich ausgezeichnet in Stimme und Charakterisierung, wie veckenhaft und doch ein reiner Tor der Siegfried (Peter I o n s s o n. der sich nur unabhängiger vom Taktsivck machen müßte), wie vornehm wirkte die Ruhe des Wanderers (I o h a n n e s B i s ch o f f), wie eindrucksvoll spukte der tückische Alberich (Heinrich Kuhn) an lins vorüber, wie sckjreckhalt tönten hinter der Szene Fafners Baß (Josef Schlembach) und wie hell des Waldvögleins (Frieda Meyer) frohes Zwitschern, wie majestätisch wirkten Erdas (Anna Jacobs) warnende Worte, wie beherrschend erhob sich in dem herrlichen Schlußgesang Brünhitd.ms (Johanna Hesse) prachtvolle Stimme. Und dazu die Bilder! Die szeniickje Leitung hat sich selbst übertroffen, besonders mit dem frühlingsfrischen Waldbild und der überzeugend ernsten Erscheinung Erdas. Die technischen Kunststücke nxnxm durckpveg gelungen, nur dem riesigen Blasebalg hätte man eine größere Gewalt über das Schmiedefeuer ziftrauen mögen. So ist de> Lobes kein Ende und darum auch des Dances nicht. Ihn am Schluß dieser Opernsolge mich Der Leitung des Vereins ausMsprechen, effehrint mir als gern geübte Pflicht. Die Darmstadter Gäste aber mögen uns in so gutem Andenken beb alten, wie es ihnen bei uns gewiß ist. Sie haben uns in schwerer, harter Zeit bei Edlen und Schöner: viel geboten.
Unruhs „Platz".
Frankfurter Uvausführmcg.
Frankfurt a. M., 3. Juni 1920.
Fritz v. Unruhs Spiel in z.vei Teilen „Platz" setzt in andwem Bau u'.rd anderer ötüart die Tragödie" „Ciu Ge.chl<.chk" siort. LLitgedanke ist hier wie dort der Wille, eine bessere Wüt aus der in den letzten Zuckmrgen liegenden alten zu schiffen, ein Gdanke, ter wal,ri'ch inlich im Schutzglied der Tichtung zu Gude geführt werden wird
Ter jüngste So.,n, Dietrich, führt in „Platz" die Handlung: riu Heilbringcr wie so oft in cx- presfwnistifchen Dvemcn. Aus bent Kriege heim- gekehrt, ist Tietrich ein flamme.-der StYi?gd<}egrer geooed.m, und die herrschenden E-enml en bei „Platzes", d. h. von Volk uni) Staat, will er in jugendlicher B gcisterung enttr-urzeul. Gegen Ob r- ‘OeiT und Greis, die Jacheber der geivordenen Necklsordnrng, gegen Gurinrdblut, der bas ree- knöcherte Erslarr n eines alten Systeens dar stellt, und len hal o eu 5chn unkturschi ber und „Ze.t- aeiwssen" Schlich mutz ec den K mpf auftiehmen. Und als er für die nackte Ge^'.t des V- rgangeicen eine tbcix ©eioalt rin setzen will, dr findet er in der grcnz-ulo en Ve rii.igLmg mit Srer.e (der dran Dockster des Oberarm) 'e-u Weg yi.m neuen Menschen. — Tiefer Haupt>dcn der dluug erschließt
sich dem Höreiiden nicket b-ycie Mühe, und es soll offen alisgespvochen fein, drtz der Ti h:ung die Einheit dec ®ef£aItnng5Ti<i|'t abg-cht. Vieles bleibt in Relxck aehü.lt, und unter den rasch vorübcrgler- tenben BiLxm rollt manches vorbei, ehe es per nachprifte d V r'a ck>, ia selbst das unmitteibrve FÄhlen erfassen Dann. So gehen auch in der drän
genden Hast ter Szeenioige die starken Sprach- und Ge.-ünkenschöNheiten, die z:ixi'el >os da sind und etwa das Ringen Dietrichs in 'hyimvenartigcn ©eiängen beschwingen, mthmtcr verloren; wie ti-.f sie zu wirken vcrcnögen, das zeigt l-ednders Der Ausgang der Dichtung, wo Wort und Gegniwort sich zwanglos zürn Reime vermählt. Tiessiem el'hisckien Wollen des Helden steht all der Schlamm und Unrat einer morschen Welt gegenüber. Hier 'hat Fritz v. Unrckh in ber Foif'en und oft ver- letzcichn D'rseilurg orgi-astück^r Brunst'zenen dos Masi der Mustleri'ch Z stä'ig n tiberftfjri ten. ^>öe Häufung solcher ero ri ch.n Widerwärtig Liten tn ungemildert grc ler Bel- uchtung mackste es begreiflich, datz aus dem Kreis der sonst lo ivillig mit» gelinden Höver während des 2. Astes lebhafte Proteste laut iwurden, die fast zu einem regelrechten Tftrateri'kmch.rl ge'üh t bä!ten. Wenn trotzdem der Brisall am Schlus'e einmütig klang, sv dankt das ber Dickster vvrnri-gend einer geradezu meisterHaften Aufführung.
Mit vollem Recht Ejimt?. Oberregisseur Haftung, Ur dem so schnurrigen Werk hingebungsvoll in allen Eiu-kbri en ^mchgegiangen war, sich mit Unruh und l-eii Künstlern wieder und wieder verneigen. Ebert g'5 Dietrich schuf in prachtvoller Sp achUnunq C.’c u'.t neuen Tatmenschen; Fritta B r o y,r G. ita Müller wutzten alle Seiten tveibiiip1 Wesens und >veib- lickier Triebe zu eiit:.iiI:eV;., -tcr „Zeitgei.ofst" Schleich, wurde von Hrrn^Gaerge äu,,erst le- tentrig ve.ckörperi Noch Ee h t eu am refb* losen Gelingen ber Ausfü'Mmg vollen Anteil.


