klr. 285 Zweites Blatt , Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
hessische Volkskammer.
St. Darmstadt, 3. Dez.
Am Recnerungstisch: Sta.itspräüde t U l r t d). ßrsanzm riisler Henrich, fRcgic:ung3 o.nmif.u;c.
Präsidcm Adelung döimct d.e Sitzung um M Uhr.
Aus eine Anfrage doS Abg. Schreiber Etm.), betreffend
Pachtern igungSämter
-rliest Finauzm knister Henrich folgende Ant- ,rt: Tie Regierung tat am 17 .November gründlich bcschlosien, Pachtemigungsämtcr zu schaffen < lonntc dabei ailerdings die gewichtigen Be- n!en nicht verkennen, welche au3 der Wirkfam- t wlcher Aemter dadurch erwachsen, baß hier- ich in die Streitiflfrit und Sicherheit des Rechts- ri Wirtschaftslebens erneut eingegriffen rot-t», ri zwar zu emer Zeit, in der von vielen Seiten it Abbau zwangsweilen Vorgchoiis gefordert roirt). ib die lLntlcheidwigen der *ßad)tcinigungdämfr i'.t nach bestimmten Rechtsnormen nach dem irankcnden Maßßate „billigen Ermessens" zu rfien sind, hab dies befondere Geuhren auf dem knierigen Gebiete der Lantzwirtsichaft mit sich fingen kann, bei der eS mehr wie m anderen Ge- <tm auf ungestörtes ruh g?s Wirti'd-o'ten an- rniml, daß die hierdurch bedingte Unfidrrbett Milcher Weife auf die londwirtidiaitsiche
;«unmg und damit d.e Volksernährung schädlich jcniwrfen kann, und daß endlich eine behordtirhe SieiSfestfetzung nter Umständen niucht zu einer (rHÖBigunfl, fandern im Gegenteil, zu enter Fr- himg hoher Preise der Bodenerzeugnisse führen *cb-
Tie vielfach gewonnenen ungünstigen Erfach- nrflcn, die sich aus der Tätigkeit irr bereits behenden preuhisdxm Padfteknignngsämter ergaben, leben dabei nicht imterürtfirh igt. Wenn die Rc- (raing gleichwohl übereinstimmend mit anderen liötvursch n Regierungen (Bayern. Baden), die sich Vttx eoensalls abivartono verfallen haben, zur trriiteung von Ta.'.)tem gung?ämiem übergeht, so »schicht dies auch mit Rück'icht tarauf, um die ■itl selten beobachtete schurre Zurücksetzung der -Neressen der Grundstücks Pächter gegenüber den Dichterinteresien in der dirrd» das Reid>srecht hter- ßc gebtoenen Form ausgleichrn zu können. Es rüg dabei aber eine besondere Sorge ter Regierung h. bei (Smriditimg der Padnteinrgungsämter alle sohnahmen zu treffen, um den dargelegten Gc- iiren nach Möglid>kcit zu tegmen. Unter besamter Fragestellung über Eii'zelheiten des Ver- iirenS sind demgemäß die Kreksämter und andere (ffien zur Aenßerung und zu Vorschlägen durch ^rfügung vom 18. November ds Js anfgefor- >rt morden Im Anschluß an die beschleunigt tner- <-l pi erstattenden Berichte wird die Einrichtung ia Canter in JTörje vollzogen werden.
Präsident Dr. Sireckrr und Vie LandcS-Universität.
SrÄfibent Dr. Strecker verliest folgendes, jr den Landtag uns das Ministerium gerichtete ^-reiben des Senats der Universi- •li t G> t e 6 e n:
fcerr Präsident Dr. Strecker hat in einer «de vor der Landesversammlung am 3. August 1 38 aus die vomngegangene Re ktorwohl M unserer Universität Bezug genommen und bäte eine Darstellung des Sachverhalts gegeben, tenh die in der Oefsentlichkeit ter Eindruck ent- jbm mußte, als ob bei dieser Wahl unsachliche vünbe mitgewirkt hatten.
Ter akademische Senat sielst sich ge- liliflt, gegen dieses Vorgehen des Herrn Präsidien schärfsten Einspruch zu erheben. Air lehnen es weit ab, das; irgendwelche un- küilichcn Gründe uns bei dieser Wahl bestimmt 'Hien. Die Wahl ist streng geheim, ohne daß 7 eine Vorbesprechung unter den wahlbereck- wen Kollegen voranSginge. Die Begründung der Aiimmung entzieht sich dckl)er im allgemeinen — Aschen von privater Aussprache einzelner So- ! ^Mitglieder unter einander — der Kenntnis
Wähler selbst, umsomehr der^Kenntnis jobos ^enstehenden. Wenn aber Herr Präsident Dr. ^iitcker in einer Zuschrift an den Herrn Rek- "wi deS letzten Jahres seine Aenßerung dahin Mietet, daß er mir an eine unbewußte B e- ■iirmiff'UTrg gedacht habe, sv müssen wir er- "Uhr, daß eine solche Behauptung schlechterdings ®t)i zu begründen ist Sie aus dem Munde eines »steiredners im politischen Kampfe zu vernehmen, ‘**te un4 nicht weiter wundern. Aber im hödiftcn S'-he muß es uns befremden, daß ter oberste e-ti des hcs ifchen Untprrjchtswesens einen sol- die eigene Universität l-erabsctzenten ©c* Äyfffl in öffentlicher Landtagssitzung ausge- VWxhen hat, und nicht minder müssen wir es iiwrieni, daß er fein Bedenken getragen hat,
Person des neugewälstten Rektors in die Do- ju ziehen und burd) einen anfechtbaren 1 Breie id) feine amtliche Autorität von • jhr ti herein z u schmälern. '21 ud) in dieser IWicht müssen wir nochmals auf das nachdrück- «Me betonen, daß t8 für den Fernstehenden IM^lMpt unmöglich ist, in die für die Wahi 'Ugebenden Verhältnisse der Uniner itöt Einblick • HgeiPtnnen und ein zutreffendes Urteil zu fällen.
3n früheren Zeiten haben die Herren 23er- iatfu ber Regierung im Landtage stets ihre Aus- darin erblickt, die Universität gegen Angriffe §rait und Geschick!ichlcit zu verteidigen. Daß •l^te ein Regierungsvertreter selbst “ Huldigungen gegen die Universi- • ::*i trhebt, i st eine Neuerung, die wir ,ei- tief beklagen können.
Dir bitten die Gesamtregierung, dafür Sorgt 1 *bcgen, baß unsere Universität in Zukunft nicht von der Seite in den Streit der öffent- i'yi Meinung gezogen wirb, die bod) eigentlich ■|#n ist, sie zu schützen, und geben der 6r- Jföntn Ausdruck, daß die Negierung an eben stelle von dieser unserer Verwahrung Mit- machen werbe, von der aus die Singe* Bjkit in den politischen Tageskampf hinein- 8®*-3<u worden ist. gez. von Eicken.
Präsident Dr. Strecker:
--Ich habe biefe Kvnhgebung noch nicht ver- um» i lveil eine Antwort in 23earbcilmg war, 'ch die Sache ihren geschäftlichen Gang geben “^.brentc. Die Herren vom Senat ter Uni- iSÜt ^Uanc^n nicht mehr und nickst weniger, hier ein ftrenicr Verweis erteilt wird.
sagen, die Herren hobst doch eine un- 8^9nc< Vorstellung von einer parlamentarischen stibt für mich keinen anderen Weg, xil }-"lfnitIi(bf€it Kenntnis geben, als hier so-
Antwort erteilen. Weim gesagt wird, ^?ode die Uniberfität Licht >geichützt, fo nuiB ich
antworten: Ich habe die Aufgabe, die Interessen der Wissenschaft zu schützen, die Interessen des volles und des Lautes Ich habe die Aufgabe, die Intercs en der Universität zu schützen, mrr so tveit sie sich mit den In'^rrssen des Landes und des Dolles decken. Wen i die U.iioersität e.was tut. waS den Interessen des Landes und des Volks roiber- sprickst. nehme ich das Reckst in Anspruck), auch gegen die Universität Slellnng zu nehmen. Ich bin ver- psl'chtet orusmtrksam zu machen, auf Tinte, die sie mit ihren eigensten Interessen in Wider pnich bringen kann. Die Universität tat mit dem Volke Füh- lunq zu halten Ich hab? aber bei den RektorvtS- matlen ten E.ndruck gehabt, daß sie die'e Fühlimg mit dem Volke oft nicht hat. Ich habe dm Eindruck, als ob die Privilegien, die sie noch besitzt, baju benutzt, um in (Snz lsälle, gegen Dinge, die sie nidjt billigt, vorzug-?ben Diese Dinge müssen ansgeiproch-.m werden damit sie geteilt werden Ich erinn?re an die Ansichten, die Fichte von den Anf- gabm der Universität batte. Wenn durch unser 23olk Gegensätze in politischer und wirtichastlicher Hm- nckst geben, müßte die Universität alles hm, um den An ch?in zu rermeiben, als ob sie mit ter einen Seite enger liiert sei als mit der enteren. Si* nrifien, daß an unseren Universitäten weite Schichten unseres Volkes überhaupt noch nicht vertreten sind. ES muß anders werden Es ist meine Pflicht, die Universität auf ihre Ausgabe hinzirweism, wenn lie sie selbst nicht erkannt. Werrn mir mm ge'agt wird, ich hätte als Auß-mstehmter feinen Einblick in die Dinge der Universität, so ist das mindestens sehr hart. Ich hab' soioohl als Shibeat, wie als Mitglied tes Lehrkörpec'S sehr oft Gelegenheit g> habt, imb habe durch meine jetzige Amtstätigkeit ebmfalls oft Gelegenheit, sehr tiefe Enrblick' in die Dinge der Universität zu genmrncn. SBenn brr Senat b'tont. daß bei der Heimlichkeit der Wahlen doch niemanb wissen könne, ob politische Moiive fx*i ter Wahl Vorlagen, so frage ich. wie kann ter Senat wissen, daß ferne poli iichen Motive vorliegen. Ich erkläre, daß dieser ®rrmtn einen sehr geringen Eindruck auf mich mackst (S?hr richtig, lin?s.) Ich habe neulich schon darauf hi-i- gdwicfen, daß man diesen Konflikten gegenüber, ic nach der dluffassung, zwei Stellungen eiamehnreu finrn, die tes Advokliten und die eines Erziehers Jch> nehme die des Erziehers rin Mir kommt es auf eine Klarstellung, auf die Herbeiführung emer Aussprack^ an, weil nur durch eine Aussprache Klaiheit geschaffm werten kann Darum stehe ich nickst an, zu erklären, daß ein Satz von mir neulich mißverstand cm werteri formte, ter ben neugewählten Rektor betrifft. Ich habe nickst sagen wollen, daß dieser Herr keine Erfahrungen mit» bringt, ich habe nur gefugt, daß der von mir te* fürrooitcte anbibat (Prostssor Miitcrmatier) sehr vier besondere Erfahrung mitbringt, namentlid) auf dem Gebiet der Leibesübnngm ufro. Das hat mich nun veranlaßt, die Ncktoratswahlm überhaupt zur Sprache zu bringen. Ich Hute es nur getan, um zu beweisen, datz es auch heute noch den linksstehenten Politikern fdjiroer ist, gesellr fdKiftlidK Gleicktzterechtignng zu erringen Das geht so weit, daß schon die Frcnnd'cbaitm der Schüler aushörm. Es ist notroenbig, daß das anders wird. Dazu kommt, daß einige Dozenten ter Universität persönlich mit mir gesprochen haben, die mit den Vorgängen dieser RektoratSwahlen nickst eiiwer- ftanben waren Im weiteren verliest Redner z.vei ausführlickte Bcrid.te über die Berufung tes Professors Driesch, um zu beweisen, daß tatsächlich politische Mommte bei ber Universität ausschlaggebend sind. Er fährt dann fort: Auf jeden Fall bestätigt der Ausfall ter beiten RektoratSwahlen ohne Zweifel einen Schaden, der in erster Linie darin liegt, daß sie für die Hochschulen eine ver-- saumte Gelegenheit bedeuten. Die Unnxrfilät hätte Gelegenheit gehabt, zu bdixi.cn, daß
|ie Hineiureichen wolle in die neue
Zeit und ihren Perhältniffen Rechnung tragen. Die Regierung steht den beiden Hoch.chulen durck)- aus wohlwollend gegenüber uno hat ihre Schuldigkeit gerade in diesen schwierigen Zeiten stets getan. Ich kann nicht unterlassen, auch von dieser Stelle aus Herrn Regierungsrat Löhlein, ter als Tejcrncnt seine ganze Krait für die Hodckchulen ernsetzt, Tank auszusprechen. Einm besseren Beweis für die abiolute Sachlichkeit meiner Berufungen kann ich nicht bringen, als ivenn ich diese Berusungen aus allen Parteien ergehen lasse, aus der Koalition, wie auch aus ter Rechten Redner nerbrcitet sich dann eingehmder darüber, was für die Univercktät bereits getan wurde. Angesichts dessen, was für die Universität getan wurde, kann niemand sagen, daß wir unsere Pflicht ihr gegenüber irgendwie verkennen. Tie Technische Hochsckmle hat bereits Gelotenteit genommen, ter Regierung ihren Tank auszusprechen Vielleicht kommt auch die Universität noch einmal zu ter Erkenntnis, daß sie sowohl dem Lcnrdtag, wie auch der jetzigen Qicgierimg Dank schultet. Wenn die Hochschulen einmal in jeder Beziehung über den Parteien stehen, wird die fRegtenria Feinen Anlaß nehmen, sich mit 'ihnen zu beschäftigen. Solange das aber nicht geschieht, ist es Pflicht der ^Regierung, aufmerk am »u sein. Es muß bet» Aciteit der Finger auf die schmerzende Wunde gelegt werden, solange sie noch geheilt werden kann. Wir wollen aud) durch Taten darauf Hinweisen. Es wird darauf hinzuweiien sein, daß das Verfahren beiBerufungenundRektorats- wahlen anders geregelt werden muß. damit auch die Oesfentlichkeit sich damit beschäftigen kann Wir müssen verhindern, daß den Intelligenzen aus dem Volke der Weg zu den Hochschulen versperrt bleibt, müssen verhindern, daß nur die mit einem gespickten Geldbeutel Versehenen studieren können. Wir brauchen an unseren Hochschulen den Geist eines neuen, reinen Idealismus, ter die geistlose Rassentheorie ablehnt, der sich gerade heute in einer Weise an den Hock>schuleen breit macht, daß es eine Schmach für diese ist. Hch will damit schließen, daß ich aut zwei Reden Hinweise. die eine, wie ich sie nicht an unseren Hochschulen hören möchte, die andere, wie ich sie gerne bdre. Die erste Rete ist bic eines Politikers, di? Rede des Professors Schian bei der Tranerfeicr für die Gefallenen, in der er besonders gegen den Pazifismus Stellung nahm Tie zweite Rete, die ich sehr schätze, ist die des Pwfeswr Ka'bileisch über die Temokcatie im Lichte ter griechischen Denier, eine Rete, die durchaus sachlich u.nö wissenschaftlich war. fBravo links.)
Abg. Klingspor sD. Vp): Zur Geschäftsordnung: Herr Dr. Strecker hat in seiner Antwort der Universität Gießen so ungeheure Vorwürse gemacht, ohne dafür auch nur den
Schein eines Beweises erbringen zu können. (Zuruf: Das ist keine Geschäftsordnung Glocke deS Präsidenten ) Daß mir uns vorbelwlten müssen, aus bic Angelegenheit zurück;ukommen, wenn wir die Suche genau geprüft hoben.
Abg flau! (Soz.): Wir werden bei ber Beratung ter Vorlare, betreffend btc Emeritierung ter Hochschulprofessoren, auf die Sache zurückkommen.
Dbg. Dorsch (H. Vp?: Auch wir behalten unS vor, an> die An telegenheit zurückzukommen.
Damit schließt die Besprechung vorläufig.
Wir lassen nun um tes Zusammenhanges willen die Fortsetzung der Besprechung folgen, die sich am Schluffe der Sitzung ergab. Anlaß dazu gab die Regierungsvorlage
Emeriti*ning der Hcchfchulproftsforen ufw. betreffend.
Abg. Kaul (Soz.) führt dazu aus: Meine Fraktion ist bereit, ber Vorlage zuzustimmen. Obwohl ich erklären muß, daß das Verleiten eines großen Teils ter Professoren an der Universilät uns die Zustimmung sehr schwer macht, ^as Verhalten der Herren ist ein derartiges, daß man sagen muß, es ist die höchste Zeit, daß diesem Treiben einmal ein Ende gern a ch t w i r d. Es wird dort tatsäck lich ein Kamps geführt, der sich nicht nur gegen einzelne Parteien richtet, sondern gegen die r-publilavische Staatsform überhaupt. Gegen diese Art Des Kampfes, der sich in unerhörter Weise besonders gegen die Person des Präsidenten Dr. Strecker richtet, ist die schärfste Zurückweisung angebracht. An der Universität macht sich ein derart reaktionärer Geist bemerkbar, daß wir dagegen den shürfsten Protest erheben müssen. Es ist charakteristisch, daß gerate in diesen Taaen, in denen der Kamps gegen Dr. Strecker auf bas Schärfste entbrannt ist, an den schärfsten Gegner Streckers in biefem Hause, ber Titel eines Ehrendoktors verliehen wurde. (Hört, frort, links.) Dir wis'en nicht, welche besonderen Vurlisist« Herr Dr. Osann um die Universität hat. Tie Tatsache allein, daß er Referent ist, kann doch nicht genügen. Früher war Herr Brauer Referent und and) Herr Ulrich hat sich schon sehr energisch für die Universität eingesetzt. Von einer Ver- leihimg tes Ehrendoktors chi dies? beiten Herren haben hnr bis heute nichts gehört. (Heiterkeit.) Wir beschränken und darauf, beute schärfsten Protest gegen bad Verhalten der Professoren- schast einzulegcm Wir mülfen es uns entschieden verbitten, daß sich ein derartiges parteipolitisches Treiben, das iid*. bewußter Weise gegen den Bestand der Republik richtet, an unseren Hochschulen weitergeht.
Abg. Ur stad t (Dem.): Wir stimmen der Vorlage zu und würden ihr auch zustimmen, wenn bic Universität noch reaktionärer wäre, denn wir halten die Vorlage für fachlich begründet. Es muß aber dabei hervorgehoben werten, daß diese Art ter Pensionierung eine große Bevorzugung ter Professoren gegenüber den unteren Beamten bedeutet. Die Bevorzugten sollten sich dieser Tat- fadK bewußt sein. Ich halte mich für verpflichtet, darauf hinzuweisen, bäh die Vorlage Konsequenzen ziehen kann. Zur Zeit werben zwar die erforderlichen Mittel durch bi? Professoren selbst aufgebracht, die auf einen Teil ihrer Lehrgelder beruhten Ob diese Suntlrte nun rn Zukunft immer ausreiclren wird, ist eine andere Frage.
Alig. Wünzer (D Vp): Wr ßimmen der Vorlage zu. Herr Klingspor hot bereits erwähnt, daß wir auf die heutigen Ausführungen tes Präsidenten Strecker später -urückkornrnen nvrten. Die Schärfe der Angriffe des Präsidenten Strecker veranlaßt uns aber schon heute, den schärfsten Pro test bogeeen einzulegen Daß Herr Kaul die Verleiknm^ tes Ehrendoktors an den 9£bg Osann in die politische Debatte gezogen hat, ist mir unverständlich Ich meine, die Universität wird genau unssen, .und sie tut. «Widerspruch links. Große Unruhe.) Die scheren Vonvü fe. die Herr Strecker einem Teil des Lehrkörpers gemacht hat, sehe ßch darin, daß er sagte, die Herren hätten die Fühlimg mjt ter Vosssüimmung verloren. Ein Prvscswr, eine llniberiität. die die Fühlung m.t der Stimmung des Volkes v'rloren hat. ein ioüfcr Lchrkvrp r fairn nidit mehr Träger der Wissenschaft sein. Sie würde sonst völlig unbrauchbar werten Wenn bad so ist, lassen wir die Untrer ität cm allertesten Versdjtivindcm WaS i'inb nun die Grumte zu diesen Porivülsen? Bei Hodnchule und Unirerii- tat sind bei den Wahlen tes Nektar Magaiifieus Herren and der Urne hervorgegangcm. tne nicht aus dem polit.sdnm Boten tes Landesamls für dos Bildungswefen stehen Der Vodivurf beruht also zN'cifellos auf ein ginfied Enrvf in den daß damit ein Teil des Lohri'örperd nicht auf tiefem politischen Boden steht T-enn die Wahlhandlimwi sind geheim. In konseauenter Fortietzimg dieser Folgerung, erNä'.t Dr Strecker, die Wahl sei ein Schoden gewesen, lr-il sie Mißtrauen ms Volk getragen böte. Ans diese Voiwü se iverten mir uns demuäd>st äußern Ich sage aber heute schon, was sich hier ereignet bat. ist mehr geeignet, T? i fetrauen gegenbieUniberfität insVolk z u tragen, besonders die Rede, die Herr Strecker gehalten hat DcS hätte vorn RegierunoStisch vermieden werden müssen. Ich mochte weiter sd»ä ssten Protest einlegen gegen die Kritik, die Herr Dr Strecker hier an Professor S ch i a n geübt hit Gewiß ist die Weltanschauung Schians in seiner Rede zum Austemck gefenfmen. Ebenso gewiß ist anzmeehmen, daß, wenn Dr. Strecker bic Rete gehalten hätte, seine Deltanschoimng zum Ausdruck gekommen wäre. Herr Dr Strecker beschreitet m feiner Kritik den Weg, den er vor kurzem Dr Osann gegenüber, selbst auf tes Schärfste verurteilt h't Er löst aus der Gesamtheit ter Rete Br ichslücke heraus und bringt sie b er »ur Krnntn s Dr. Strecker hat mit Recht erklärt, daß Toldr Reden nr.ir aus ber Gesamtheit richtig beurteilt weiten können Hätte Dr. Strecker, diese seine An icht heute befolgt, dann wäre er nicht dazu gekommen, von Proseswr Sch:an ein Bild zu entnrrfen. tpie er es geben hat. Dagegen erhebe ich fdyrrfften Protest. Derr Dr. Strecker hat zum Schluß erklärt, daß die Hochschulen die Pstegestätten des ce n^rn Id afi m-s fern müssen Darin frinrme ich ihm zu. Mw dars ater md)t sag n daß sie mir die Pslegestätte ber Ibeale sein sollen, die die gegenwärtigen Machthaber vorschreibcm, denn die Wii en drift soll über den Parteien und über ter Politik stehen.
Prä'iSent Dr. Streifer:
Das ich beute gesagt habe, war die Antwort aus einen sehr scharfen Angriff de* Uniscrfilät, Wie ti in ben Wald
Samstag, ch Dezember 1020
hineinschallt, so schallteSwieder her* au d Ich bäte mich in meiner ersten Rete durchaus vorsichtig ausgedrüdt. Tie Schärfe ist in in.it Senatsverhan^lun en in Gießen entstanden und bat sich in ter Eriläruni ausgebrückt W^m > bicicr lueit über ba> Ziel bimrus dnes-cmte Angrifi an die Oesfentiichkcil kommen A?IL daim foll cmdi gleich meine Anniwrl darauf kommon. (Sehr richtig! links.) Wenn man aut S i en der Universität ich keine ®nid>ränhrig aidcrlegt. werte ich ba> in Zu- hruft auch n:du mehr tun. Was die Rede Schians tetr.fst. ko stimme ich tem Ate Dünzer zu. Den nnnr und in die,em Puntt eir.i *tn wollen, bin ich bcr.it dazu. Ich hate betont, daß bei einer ioldm Auseinautersetzung ter ri rite Staiidvunkt burd>.^fübrt ivcrten (ann, ohne daß ter Gegner batei berab..civürtnflt werten b auch: Als ich in diese Tiskus ion e.ntrat. r.*ar ich in c bewußt, daß hier eiu heillos und gefährlid>;d 'Broblcm a ligcrollt wird. Id) war mir auch bewußt daß ich mir hätte viel etiwren können, wenn ich es nicht an^xrolft hätte. Ater n*eil Vas Problem furch ter dringend ist, imb weil bie Hochfdwlen mehr als bisher Fühlung mit dem Volke haben müssen, habe ich eS angesdm ttcn. Herr.« Wünzer muß i!) widor v erlyn, nxnrn fr meint dreie Fühlung,tesleht Herr Dünzer denkt wohl lrchi daran, daß währ mb ?e- Krieges sehr viele Professoren zu ben Alldeutschen sta den, währen dvi'l weniger sich etwa ri den Soiiaiiston oder zum Z>mtrum bekannten Man brauch' heute mir die Pr-se zu vorfobscm um diese Ansicht bestätigt zu finden Id>bestieitc nicmanten das fRedit, seinen Standpunkt zu vertreten, aber ich testreito das 9tcd»t, ter Regierung gegim.iter einen Ton an- zufchlagcn, der sie verädntich macht und ter die ungeheuren Sch.inerigkeitcn ter Regierung noch erhöht. Es kommt eine neue Zeit mit neuen Ide n, das muß man überall bog reifen Wir müssen die Kräfte zum Wieterau teu aus allen Parteien holen. Ich werte meine Arbeit m dieser Richtung mit aller Energie fortseyen: so lange ie nod) um Licht und "Sonne kämpft, kämpfe id) mit ihr Wo:n ihr der Untergang boid) eben sei nsoll, werbe ich umec ihren Trümmern mit unleegehen.
Abg. Torsch (Hess. Bv): Wir sind für die Vorlage. Ich muß ater gestehen daß ich erstaunt bin über dm Ton, ter hier im Hcuüe gegen bie studierende Jugend angeschl^en nncd. Wa> müibe wohl die Jugend ter Arlxnter dnit sagen., wenn wir hier g-. gtn sie den gleicte' Ton an'djlogcn würden? Jd> protestiere aich dagegen daß vom Re- gierungstifch von den Goldfäden nribro ten wurde. Tie ©tubi. reuten iinb doch in ber Mehrzahl bie Söhne unserer Beamten. (Widersvuch Unruhe.)
Präsident ^r Strecker stell: fest daß dieser Ausdruck nicht gegen bie Subicrcnten gtbramfrt worden sei. Un er ganzes Streben geht ja bar aut hinaus, gerate den Söhnen des Mittelstandes, unseren Beamten und Lehrern das Stubium zu ermöglichen. — Damit schließt bie Debatte.
Wir lassen nun den Bericht über den voran* gegangenen Teil der Sitzung folgen.
RcgierunaSvorlag!-n.
Tie Regierungsvorlagen, Ennmirf emes Gvc jetzes zur Abänderung des Artikel 33 tes GcietzeH die Ausführung des Bürgerlichen Gesetzbuches ho« treffend, vom 17. Juli 1899 betref cud: wc iter Entwurf eines Gesetzes, bie Entschädigung ber Vertrauensmänner, Sd-öffen und Geid'worenen betreffend ; den Arntsgend-tsneubau z n Gießen betreffend; ferner Ant.af der Al'gg. Nuß u. Gen., Vorlage eines Gesetzentwurfs übet bie Gewährung von Strafircflieit und Stramuhte rung m Ti|zipli>:ar)ad)en betreffend und bet bringh'dfc Antrag des Abg. öoherr, Wagenverkeht über bic Hindenburgbrücke bei Bin gen o fltfr. betreffend, werden ol>nc Tebat:e nach ten Aus* fchcußanträgen erledigt, bz)v. zur Kenntnis ge* nommen.
Präsident Adelung teilt nach der Pause mit, daß noch Rücksprad)? mit dem Acltcstenrat und der Regicrm'g, grgririb t auf die neue Gc* schästSovdnuug, alle Vorstellungen von ter Tages* ordnimg adgefetzt und z:ir endgültigen Erledigung an die Aiisschüssc zurückvenvitien werven Tom Haufe ist cm Gefetzentwurf über daS Volksbegehren *ngrr,c:igcn. ter in her üier* nächsten Woche den Gefctzgebu:g aud.dK b beschä;* tigen soll.
Eine Anzahl llerncrer Vorlagen wird nach ben Ausschußonträgen erleb gt Nacl» uer Rcgierungs* Vorlage wird für de Unroetter|d)äb en in Helfen die Summe von 290 O.)O Mk beroilligt
Eine Regierw gsvorlage, tetr bie Kosten ber sozälen Kriegsbcfdröbitzteu- unb JVncgd'.i terblic* denenfürlorgc m Helfen, wird telsutflod angenommen, etemfo rod) kurzer Aus prachc die 9te* gierungsoorlage, betr die Vcrwendmig>dcr 11 e b e r* Ich ük | e der Knegsorganiiationen.
Die angeforberten Kosten für einen Erwei* terungsbou für bic Kinderklinik itt Gießen lAuistellung einer Baracke) ,sow e für ten Ausbau des Ehcmischm Instituts ber Techllii« fchen Hochsdwle werden (»eroilügt.
Zum Antrag tes Abg. U r ft a b t (Dem.), bi Notlage öcr Privatdozentkn,
erstattet Abg. Reiber Bericht Es werden 50 000 Mark angefortert. — Abg Klingspor (DVv.) stimmt ber Vorlage freudig zu, doch hält er ben Betrag für zu gering. Er ()oift, daß es möglich sein wird, den Betrag balD:gft zu orhäl-en. — Abg« U r ft a b t (Dem.) begrüßt es m;t Genugtuung, daß dieser Betrag für die Beamten b.roilligt nmrte. Wir rechnen damit, daß auch für bie Hochschule das gleich.' g.'schi.'ht. D:e BcroitivÜligkcit sei ein erneuter Bew is dafür, w:e da; Lante:aint für Dildungswefcn für tue Universität ein tri. t. Für die erst« Not reicht ter Betrag au3, wenn er! nicht verzottelt wird, sondern zunächst dx Bo* dürsligston wirksam unterstützt worden. Redner bittet, Stipendien möglichst zu dermeßen und da ür ßebrou träge juzerteilen, bic ater von ber Roy e- rung erteilt werden müßten, wril b:e U.iioerinät erfahru ngsgemäß sehr burcaut at sch tatei vor ährt. — Präsident Tr. Strcder teilt des' Betenken und verbreitet sich kurz über bie in Aussich! genommene Verwendung der Gelber. Die Vorlage wirb angenommen.
Ohne Debatte wirb eine Reihe weiterer Die* jterungdPorlagcn angenommen, borunter eine olche zur Unterstützung eines Studenten* heims in Gießen. Der Ausschuß beantragt pierzu. auch in Darmstadt ein Stubententeim zu errichten.
Damit ist bie Tagesordnung erledigt. Der Präsident vertagt bas Hans auf Mitt« Januar unb wünscht ten Abgeordneten ein fröhliches Wcihnachts- und Neujahrsfest.
Schluß 'M Uhr.


