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m. 208 Zweites V!att

anfschlnßreichen Mitteilungen über das jetzige Leben der Teuifd)cn im Lande all-

Lllneilnahnie finden nrirb.

Einige

Briefe, auch aus Wilna,

werden

1920.

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Sic haben nicht recht hingesehen," widersprich

w-uh yuiyvjcifai, k?' nmner wieder in dem merkwürdig schleppendem Ä4>n' oer der armen Zuhörerin einen Schacher

gemcme weitere folgen.

Die

Deutschen in Litauen.

Kowno, im August

.. . - jetzt ungefähr erreicht

politische Lage dieser Teuischen l-at siä> durch iie Cr.ich ung des li auischen Sl aa es

y. Mit einer seltsam eckigen Bewegung, als U?

D-als fteis geworden, schüttelte das runge Mädchen den Kopf.

Litauische Wahrten.

Von Universitätsprvfessor

Tr. Ludwig Berg st räßer.

$>crr Profes'vr Bargströßer, der Litauen aus langiähriger SarixulKung gründlich kennt, sendet u.is von einer soeben unter- nominellen Reise in das vielumstri tene Ge­biet einen ersten Bericht, der durch seine

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Blinder Hatz.

Roman von Alfred Sassen.

Flachdruck verboten.) Fortsetzung 24.

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feimcn und lieben teniteii und von s.nner wirt- schaftlicheu Entwicklungsfähigkeit überzeugt sind, teils Iiückwanderer aus Rußland.

Bor dem Kriege hat es im Gouvernement Kvwno rund 21 000 Deutsche gegeben und man rechnet, dach diese Zahl auch n>erde. Tie politische Lage

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^Jch trage die Schuld an seinem Tode," nrie- decholte das junge Mädchen, ünd jetzt war beinahe et.oas Hartnäckiges, Eigonsinniges in ihrer Stimme, das dem alten Fräulein in die trostlose Unzugäng­lichkeit dieser jungen, schmer-verwirrten Seele einen Einblick gewährte, der sie mit namenloser Bestür­zung erfüllte.

Ihr war, als Müsse sie sich nach Hilfe um* scheu, da sie sich allein machtlos fühlte. Sie dachte darin, den Bruder aus dem Garten hereinzu- rufen, und ging rasch auf das offene Fenster zu.

Tabei ergriffen ihre Hände unbewußt die auf dan Fensterbrett liegenden Blumen.

Rena sah das. Sie kam langsam näher. Meine Rosen" sagte sie.Sie gehören mir 7~ letzt kann ich sie brauchen dem Toten ,m'll tch sie aus die Brust legen"

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Als wir noch einer durch die Polen und iche gewollten Paßumständlichkeilen im Korridor übel verlängerten Fahri allmählich gen En.tluhucn tarnen, fragte ich den Attacke der litauischen Ge- sandtsck'aft, mit dem ich meine Reise nach Kvwno gemeinsam machen lvnnte, ob es in Litauen irgend eine Zeitung in deutscher oder einer anderen west­lichen Sprmhe gebe. Er verneinte dies und bot seine Tvlmeisckxtiäeuste an Immerhin wars eine wenig angenehme Aussicht. Umso größer die Freude, als schon auf dem Bahnhof Wirballcn ein deutsches Blatt zu finden war, das seil einem Monat etwa in Kvwno herausgegeben nrirb. Die litauisch? Rundschau, Organ der ,.Partei ixr Deut­schen tri auers", unä hst zweimal wöch n Ti fi cr- » scheinend, zwei Sei en Zeitungsfvrmat, Li? dem nächst ver vppelk iverden sollen. Die Nummer, b c ich mir in Wirballen Etiufic, enthielt einen Artikel Über das neue licauische Landgeletz, das die Zer- scklagung des Großgrundbesitzes regelt und man­cherlei politische Nachrick)ten von lokalem wie all­gemeinem Interesse. Dazu die Anzeige, daß im Deutschen Verein am Svmilag ein Sommerfest stattftnde. Das paßte gut.

Da ich Kvwno aus der Kriegsbeil kenne, so fand ich mich leicht zurecht, tauft e im deutschen Cafs Konrad, in dem man als Soldat so manck>cs mal seinen Tee getrunken hatte, meine Eintrit s- j Tarte und ging in die Keistmstraße. Nummer 4, I ein Haus, dessen Besitzer noch irgendwo im großen I Rußlmid iveilt, wenn anders er noch am Leben ist; sein Anwesen wird inzwischen von der Sadt Avn-no verwaltet und ist an den Deutschen Verein Der- mietet worden, der sich hier ganz einfache, aber hübsche Räume geschafsen Hal, groß genug yu Fest­lickkeilen, zugleich llntctfunft der Parteiorgani­sation und der Schriftleitung der Rundschau.

Es war alles nrie in der Heimat bei solcher llselegenh.ri!, hübsch geschmückte Räume, eine Menge Menschen an allerlei Tischen, im großen Saale bald reger Tanz, daneben ein Bufett, wo man guten Kaffee, herrlichen Küchen, Bier vom Faß bekommen konnte, <illes von Mitgliedern des Ver­eins gesendet, so daß der gcuM Erlös der Kasse des Vereins zugute kommt. Bald saften wir in lebhafter llnierbaltung, und ich gewann auf die angenehmste und sckmellste Weise ein Bild von ter deulsckjen Kolonie. Sie hat einen ölten Be­stand von Familien, die vor dem Kriege scl-cm hier Mrlässig gewesen sind, inanche schon in der dritten und vierten Generation. Die gvoßen Fabriken in Konmo sind deuisckie Unternehmungen und haben eine Menge i-euifdier 9lng?strllter und Arbeiter. Viele von ihnen sind wätxrend des Krieges ver­trieben gewesen und jetzt zurückgekchrti Dazu kom­men denn rock? eine ganze Anzckhl Den scher, die sich erst nackt dem Kriege hier niebcrgclaifcn laben, teils Reichsdeutsche, die das Land des Soldaten

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. tun Sie das, Zkindchen," ries Anna Ensdorf, lebhaft an diese Worte anknüpfend, ^chen Sie hin zu dem Verblichsien. In seinem ®clW ist Frieden. Kein Vorwurf wird daraus sprechen und Sie werden dann ein* 'Ehen, daß Sie sich auch selbst keinen Borw.trs machen dürfen!"

bedeutens gehoben. Järe Zahl i l int Verhältnis so groß, daß |ie einen Abgeordneten in bi? Landes- versammlnng. den Seim, lxrben entsenden können; in die tonmofdie S adtvenvaltung sogar drei. Da­bei ist die poli ische Organisation der Deutschen hier noch recht jungen Dalums; erst kurz vor den Wahlen zur wns.i uierenden Versammlung wurde sie begonnen, und die weiten Enlsi-rnungen haben sie natürlich nickst erleichtert. Trotzdem der erfolg­reiche Anfang. Man kann sagen, daß einxt 73 °/o dec Deulsck-en il-r Wahl reckst ausgeübt haben.

Die litauische Regierung hat dem deutschen Element grg nüber nach innrer i re glei l e Stillu g eingenommen, nrie es bet neu en meßenden na.io stalm Staaten leicht gelst, so war es auch !:ier; zuerst kam eine nationalistische Welle auf, und es bestand einmal kurze Zeit hindurch, die Gefahr einer Temschenverfo!gung; sie i' jetzt behoben und matt kann nvhl annehmen, daß sie damit endgültig beseitigt ist. Ein besonderes Verdienst Hal sich habet der jetzige Außenminister Dr. v. Purickhe enoorben, in der Zeit, da er noch Gesandter Li-

><l. 5. Ecvteinbkr kndö 8 tttt ilienabenb >wk°oah', Babn> bontrajt.

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Uhr baftlbit I itglieder- I Sammlung.

Erscheinen o eriordnlich.

Der Vorstand htung! a den 5. Skptbr. Großes WO aulfurtci-ei'. Ktgelllii tetjtittnC Mit. tag b.U.Ätt. Konats- famm/ung lnschtteheiiörin il in W-tz

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Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, V September 1920

Miirnini l r i«i ," Jisnu

tauens .beim Deutschen Reiche loar; er hat als solcher bei allen Stellen, die mit ihm zu tun gehabt I>aben, ein rvrzüglichcs Andenken hinterlassen. Da mals hat er von Berlin aus als tilbgeordneter i<r tmifri.uierenbett Versammlung eine Interpellation eingeorach!, die sich gegen die iniDlerantc National i- täkenpolitil des Innenministers wandle und vollen Erfolg bawnrrug.

So ist jetzt wieder von Llusweisung der Reichs­deutschen melw die Rede noch werden bi? Deutschen irgenbroie bceinträck tigt. Im Gegenteil, überall, wo genügend bcutfdjc Kinder vorhanden siich, er­richtet der Staat selbst deutsch? Volisschule.t mit beutsck^er Unterrichtssprache, deutscke i Lehrern. Rur ist Vorschrift, das; auch die litauische Landessprache so gelehrt narben muß, daß die Mürber bei Ab­gang der der Schule sie sprechen, leien und schrei­ben können. Auch eine höhere Schule, die in sibow t o von den Deutschen begründet ne eben soll, wirb der Staat mit demselben Betrage unterstützen, den er für gleich? Fälle anderen dLationalitäten gegen­über festgelegt hat. Also eine vollkotnmene und sehr kluge Politik. Tie Deutsck-en, die ja immer loyale Bürger d?s Staates geivesen sind, in dem sie lebten und arbeiteten, werdeir aus dieser Hal­tung ihre Folgerungen zieheit und werdeir freudig Mitarbeiten, diesen jungen Staat nach jeder Rick;- tung^hin zu festigeir und zu entwickeln. Denn auck; die Staatsämter sind ihireir durchaus nicht ver­schlossen. Beim Militär, in der Polizer urio nt einigen anderen Verwaltungs n?eigen befinoen srch Deutsche in cinflußreinhen Stellungerr.

Für ben aus Deutschland Zugereisten war ?s erfreulich zu sehen, wie hier von Standesunter- schieden und sonstigen Gegensätzen nichts zu iner- fen >oar und sich alles gettenlich berebngte zu gemeinsamer Arbeit int Interesse des Deutschtums. Schwere Arbeit, wie immer, weirn man eme neue Ausgabe anfängt, bei der man sich notnxmoig vor Pvobleme gestellt sieht, zu deren Lösung eicnmt- lich Fachleute gehörten. So.wird die Redaklim des Blattes ehrenamtlich geführt, desgleichen Die Leitung der Partei. Bor allem der Seimabgoockd- ne!e, Herr Kinder, im Privatleben Verwalter o?s städtisckren Hospiials, arbeitet rührig daran, die Verbindung mit den anderen Städten und Dem Lande immer enger zu knüpfen.

Selbstverständlich sieht man auch von hier aus hinüber zur Heimat. Nicht im politischen Sinne irgend>velch?r Bestrebungen, wie sie in der llner» meßlichkeit ihrer Forderungen uns vor dem Kriege so sehr schadeten, wohl aber in der Hoffnung imb Erwartung, baß einschlägige Stellen imd Kreise der alten Hrimat Helsen und mitarbeiten, wo es möglich und nützlich ist. Die Zeitung braucht An­zeigen: sie kann um so mehr auf deutche Unter­stützung rechnen,.als die deutschen Geschäftsleute in Kowno bebeutenbe Unternehmungen unter­halten, Import und Export mit Deutschland, Bank, Spedition usw. Auch geeignete Vertreter detttscher Firmen bürften sich unter ben hiesigen Deutschen sofort finden lassen. Nicht minder hofft man auf kulturelle Beihilfe für die Schulen, für das gesamte geistige Leben. Und darüber hinaus er» wartet man, hier wie allerwärts, wo Deutsche im Auslande beisammen wohnen, daß die deutsche Oeffentlichkeit sich mit ihnen beschäftige, von ihnen erfahre, an ihrem Wohl imb Wehe Anteil nehme. Gerade weil das Deutsche Reich den politischen Zusammenbruch erlebt hat, erwachsen hier Auf­gaben, die mit anderen Mitteln als mit denen der Politik früherer Zeit gelöst werden müssen und gelöst werden können.

Tas alles war so ungefähr das Ergebnis von vielerlei Unterhaltungen, die ich an diesem schönen Sonntaguachmittag mit ben Männern und Frouen des Deutschen Vereins in Kowno habe führen kömren. Und ich hoffe, daß sie und baß dieserBericht zu seinem Teile dazu beitragen möge, Wünsche zu erfüllen, wie sie geäußert wurden, neue Verbrn- dun gsb rücken zu schlagen von der .Heimat hinaus in die Fremde, die uns heimallich und heimatgleich umfängt, wenn wir in ihr so freundlich von unseren Landsleuten aufgenommen werden.

Der Prophet vor Gericht.

fd. Frankfurt a. M., 3. Sept. Einen Wirndeüvktor und Propheten stellt nurt sich ge­meinhin anders vvr, als jenen kleinen, alten Herrn im Cutaway mit gestreiften Hosen, hohem Steh­kragen und breitem Lebergürtel über Der Weste Tas ist Herr Müller-Czemy, der sich heute vor dem Schöffengericht wegen Beleidigung zu berank Worten hatte, weil er von einem Angestellten der Firma Heidelberger in seiner Zerrung schrieb, er habe stch vom Kriege gedrückt, obgleich ber Mann drei Jahre an der Front gestanden !a tc und schiver erkrankt zurückgetammen iwrr Herr Müller-Ezcrnh ließ keinen Menschen zu Worte Vmrmen. Er üt-er- stürzte Richter, Anwalt und Kläger mit einer wal/ren Flut von Phrasen und sagte %. B.:Fch nach dem andern über ben Leib jagte.Ich weiß besser, was ich daraus lesen werde . . . Aber wenn auch der tote Mund nicht spricht es ist em lebender da, der mich anttagen wir-! Tante, arme, blinde Tante, was hab 'ich dir getan," brach es aui einmal in einem Wehlaul ohnegleichen von ihren Lippen.

Airna Reinsdorf atmete tvotzdem auf. So so mochte sie schreien, die Aermste alles war besser, als diese entsetzliche Starrheit.

Sie legte ben Arm um die Schultern des jungen Mädchens. Mit erhobener Stimme, in der jetzt wieder etwas, von ihrer gewohnten Art mit» Flair geriet sie:Kindchen, ich dulde es nicht länger, daß Sie solche Worte sprechen.' Sie haben sich keinen Vorwurf'zu machen! Das Unglück wäre wohl auch in Davos geschehen"

Wissen Sie das? Weiß das irgend wer? Nein! Aber das weiß ich, baß Oskar von memem Fortgehen tödlich getroffen worben ist! Auf die Brust hab' ich ihn geschlagen, ich Unbarmherzige, mit beiden Händen da erlag die kranke Brust sie mußte erliegen"

Dem alten Fräulein war Nur ein kurzes Auf­atmen gegönnt gewesen. Nun wütete das junge MÄxhen ja erst recht gegen sich!

Und mit fliegendem Atem setzte Rena hinzu: Und wissen Sie, welches Wort die Blinde zu rmr sprechen nrirb? Nur eins ein einziges nur, aber das nrirb lauten: Mörderin! Ich will hm zu ihr ich will nicht feig sein ich will mich ihrem Gericht stellen! Ich hab' es ja verdient, dieses Gericht"

Ihren Mantel riß sie von dem Stuhl empor, über dessen Lehne 2bnta Reinsdorf vorhin das

bönbclc im Auftrage der preußischen Regierung, Knmt mir das bei meiner politischen Gesinnung möglich ist. Ich werde das Voll gesund machen, nrie ich täglich Tausende gesund mache. Der .\i-> nick'l g.anbt, still mir den Buckel runtemitidKn. Durch die Klage fühle ich mich beleidigt unb erhebe darum GrgenUagc. Hinter mir stehen Tausende." Ten Anwalt, den er in diesem Augetchlick neckt auf das SdNvcrftc beleidigte, sprach er int nächsten Augenblick mit:Mein gutes Kind", an uno gab ihm Belehrungen. Ms schließlich ein Vergl ich vvrgeschlagen iuuti>e, in dem der ^Cngctl-agtc eine Er'lärung des von ihm Beleidig'en ver-öfs 'i tlich?n sollte, er Härte er pathetisch:Ich will das tun, aber die Folgen trage ich nicht. Dos ist eine pro poetische Stinunc an alle Missetäter. Die mich üerfoignt toerben, an denen werde ich mich rächen. Bold bin ich soweit." Nach dem Vergleich muß Müllcr-Czerm? auch die Kosten übernehmen, dabei 175 Mk. Anwallsliosten. Diese angeblickrett Wuck-cr- Uoftcn lehttle er ab. Lieber wolle er Tausende an die Armen zahlen. Als man ihm jedoch llar ge­macht hatten fast diese Kosten nicht zu l-och feien, ivar er dami zufrieden und cn-fimtc sih i.nt r tiefen Verbeugungen, wobei er tagte:Mir macht las alles nichts aus, unb ich danle dem Gericht vor seine große Güte."

[1 Marburg, 3. Sept. Hier ereignete sich bet seltene Fall, baß fast sämtliche Selbst- versorgerei n er Ortfchaftvor Gericht erfdKinm mußten. Es bantxritc sich um nmb 20 Einwohner bes Sck>walrnerdörfck>ens Spies­kappel, denen zur Last gelegt wurde, der zustchtdi- gen Molkerei in Frielendorf keine Milch verabfolgt, die Plomben von ben Zentrifugen »entfernt und selbst _ gebuttert zu haben. Vom Ziegenhainer Schöffengericht waren sie freigef pro eben ivorben, weil sie bei der Abholung der Milch Schwierig- Eeitcn gehabt und weil der Bürgermeister ihnen schließlich unter der Bedingung, die ihnen nicht zilstehenben Buttermengen abzuliefern, das Buttern erlaubt hatte. Die Plomben ivareu gelegentlich einer Reinigung ber Butterfässer entfernt ivorben, zu ihrer Wieberanbringung hatte sich jeboch nie- ntanb gefunben. Auch die Ferienkammer sprach die Scknvälrner, durchschnittlich ll^ine Kuhbauent, heute frei, weil sie im guten Glauben gehandelt hatten. ----

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

** Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 126 vom 3. September enthält: Verordnung über die Preise von Schlachtvieh. Bekannt­machung betr. die öffenttiche Bewirtsckiaftimg ber Frühkartoffeln. Verteilung ber Tierschutz­talenoer an die Schuljugend. Fürsorge für Schwerbeschädigte bei Eisenbahnfahrten. An­meldung sämtlich.r Vertriebenen aus dem Osten. Rinderpest. Ti.mstuachrichten. Felbbereini- gungen Hausen, Röth.tes unb Langb.

Preise für Schlachtvieh. Beim Ver­kaufe von Schlachtvieh durch den Viehhalter barf ber Preis für 50 Kilogramm Lebendgewicht nicht übersteigen: I. Bei R inder n: 1. gering ge­nährten Rindern, einsch.ießlich gering genährten Fressern (Klasse D) 180 Mk., 2. an gefleischten' Rindern (Klasse C) 240 Mk., 3. fleischigen Rindern (Klasse B) 300 Mk., 4. vollfleischigen Rindern (Klasse A) 340 Mk. Für aus gern äst ste oder voll­fleischige Rinder höchsten Schlachtivertes (Klasse AI) kann nach näherer Anw.risung ber Landes­zentralbehörden ein Zusckstag bis zu 40 Mk. für 50 Kilogramm Lebendgewicht bezahlt werden. II. 23 e i Kälbern: 5. Schlachtkälb.wn im Alter, unter 3 Monaten 350 Mk. III. 23 e i Schwei­nen: 6. Schlachtschweinen (ausgenommen bei Ver­tragsmast) 350 Mk. IV. BeiSchafen: 7. min­derwertigen unb abgemagerten Schafen (Klasse v) 200 Mk., 8. mageren und gering genährten Schafen sowie Zuchtböcken (Klasse C) 260 Mk., 9. vollfleischigen mtb fetten Mastschafen sowie fleischigen Lämmern uno Jährlingen (Klasse B) 310 Mk., 10. vollfleischigen Lämmern unb Jähr­lingen, Hammeln und ungelammten Schafen (Klasse A) 360 Mk. Die Landeszentoalbehörden oder die von ihnen bestimmten Stellen können mit Zustimmung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft Ablveick.nmgen von ben Preisen für ihren Bezirk oder Teile ihres 23ezirks vor­schreiben und Rindvieh und Schafe in andere Klassen cknordnen

Fürsorge für Schwerbeschädigte bei Eisenbahnsahrten. Kriegsbeschädigte mit äußeren Schäden ober inneren Leiden, denen längeres Stehen fäjabet, sowie Kriegsblinde er­hallen bei Eisen bahn führten auf Grund eines Aus­weises Sitzplätze angewiesen. Ausstellung der Aus­weise erfolgt beim Koeisarnt auf Grund des Zeug nisses eines beamteten Arztes

Maul- und Klauenseuche. In ber Gemeinde Riede r-O hm en, Kreis Alsfeld, ist die Maul- und Klauenseuche amtlich f e st g e ft e l l t worden. Die Orte und ®emarfirigen Burg-Ge-

Kleidungsstück gelegt hatte, und hastete hinein. Tann eilte sie zur Tür. Den Hut aufzusetz^ii, vergaß sie.

Das alte Fräulein erinnerte sie auch nicht daran. Es war ja so nebensächlich. Sie banb nur geschwind ihre Schürze ab, um mitgehen zu könmm. Sie durfte die maßlos Erregte natürlich nicht allem lassen.

X

Im Wohnzimmer desalten Schlosses" frnden sie die Mamsell vor, die an Stelle der unsicht­baren Hausfrau unb des abwesenden Fräuleins die Beil-eidsbesuche entgegennahm. Ernrge Frauen ans dem Städtchen waren gerade gekommen.

Als das junge Mädchen auf der Schwelle er­schien, siel man sie mit wortreichem Bedauern an, daß sich, während sie ahnungslos" verreist ge­wesen sei, em so großes Unglück im Hause ereignet habe. Man suchte natürlich bei dieser Gelegenheit Zweck unb Ziel" von Renas Reise, die ein so tiefes Geheimnis geblieben war, herauszubckommen, hatte aber fein Glück mit aller diplomatisch for­schenden Neugier.

Tie Befragte nickte nur mit abwesendem Ge­sicht oder sagte ein paar Worte, die gar nicht paßten. Sie drückte die Hände ber Mamsell, die eine treue Ergebene des Hauses war, und nwllte Vor allem wissen, wie die Dante den furchtbaren Schlag aufgenommen habe.

Tie Mamsell aber feante vor Weinen kaum sprechen.

Rena entnahm den gestammelten Worten nur, daß die Blinde seit heute mittag, wo irie Aufbah­rung erfolgt fei, vegungÄos am Sarge sitze und

münden, Bernsfeld, Atzenhain unb Merlau wurden iitin Be?b«tr:ugsgebret erklärt. Zn Bad- Nau h c i in, Petterweil und Wölfers­heim. Bruchenbrücken ist di? Maul- unb Klauenscuch amtlich festgestellt worden. Die ge­nannten Gemeinden und Gemarkungen iDcrt-eir zum Sperrgebiet erklärt. Jus Beobachtungsgebiet satten die Gemarkungen Rödgen, Sckmxilheim unb Kloppenheim, Ober Wöllstadt In E . che l h a i n ist die Maul- und Klaueusench? au-Sge'jrodyen. Die Gemarkung Eichel ha in nrirb zum Sperrbezirk er­klärt. In Queck ist die Maul- mtb Klauenseuche ausgebrochen. Die Gemarktmg Queck ist zum Sperr­gebiet erklärt worden. In den Gemeinden Ro­denbach, Orten berg, Ranstadt, H eu­ch e l b e i m, Wenings und Grunb-Schwal- he i m ist die staute und Kiauettseuch? erneut au5- gcbcochen. In den Gemeinden D it t e n h o f e n! und Wißmar ist die Matü- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. In ber C^cmeinbe Krosdori ist die Maul- imb Klauenseuche amt­lich sestgeftellt worden. In der Gemeinde Stein­bor f ist die Maul- unb Klauenieuche amtlich sestgeftellt worben. Unter dem Viehbestände des Aldeckereibesitzers Gary in Marburg ist die Maul- und Klmiens?!lch? ausgebwckien. Unter dem Viehbestände des Schäfers Franz Gruber mid bes Landlmtts Iohs. Wister in c r n b -i ch ist die Maul- und Klauenscuch? abgebrochen. Unter dem Viehbestände des Landwirtes Philipp (Gombert in Wolsshausen ist die Maul und Klauenseuche ausgebrochen. Tie Maul- und Klauenseuche in der Gemeinde Reuters ist erlosckren. Die Ge­markung Reuters ist aus dem Sperrgebiet aus- geschieden imb ist wieder Beobachtungsgebiet.

Die Rinberpest. In Belgien ist die Rinderpest durch indisch? Zebus eingeschleppt wor­den, und dadurch die G?fahr der Berseuchuna für Deutschland, insbesondere für bas besetzte Gebiet nahegerückt. Da die Rinderpest als di? gefähr­lichste Rinderseuche unseren durch den Krieg unb die Maul- und Klauenseuche ohnedies schwer geschä­digten Viehbestand im Falle ber Einschleppung nach Deutschland vollends zugrunde richten würde, lveisen wir wiederholt daraus hin, baß die drohende Gefahr nur dadurch abgewendet werden kann, daß verdächtige Krankheitsfälle den Behörden sofort aui dem schnellsten Wege gemeldet werden, damit unverzüglich die erforbcrtidxm Maßnahmen an- geordnet werden können.

Lotterie. Jnsc^ der außerordentlich ge­stiegenen Unkosten der Ävtterieeinnehmer wurde 1. für die 2. und 3. Spielv.rihe der Losbries- lotterie der Hess. Hauptsürsorgestelle ber Kriegs­beschädigten- und Krtigshiuterbliebenenfürsorge der Lospvcis auf 1.50 Mk. für ben Losbrief erhöht.' 2. Ter Preis des Losbrieses ber 3 Reihe bet 5. Geldlotterie des hessischen Roten Kreuzes unb des Alicefrauenvereins ist auf 1.25 Mk. erhöht, wobei die 29prozentige Reick)sstempelabgabe durch Zuschlag zum Lospreis besond rs erhoben nrirb. 3. Der Lospveis ber Ueberlinger Münslerbau- lotterie ist von 3 Mk. auf 3.60 Mk. festgesetzt.

Tienftnachrichten des Kreisamts. Konrad Pfeil II. wirrde zum Kommandant und Vatentin Hillgärtner von Kesselbach zum Stell­vertreter des Kommandanten ber Pflichtseuerwchr zu Kesselbach. Karl Eller $um Kommandant unb Karl Becker VII. von Muschmheim zum Stell­vertreter des Kommandanten ber Pflichtteil er wehr zu Vruschenheim ernannt.

Nach^chten.

Evnngelischt Gentrinde.

Sonntag, 5. Sept., 14. n. Trin. Kollekte f. d. K'aiser-Wllhelm-Stifmng zugunst. deutscher Kriegs- invaliden. (Sedankollckte.)

In der Stadtkirche. Vorm. 8 Uhr, zugl. Ehristenl. f. d. Nentensirm. a. d. Markusgem.: Pfr. Becker. 9Vs': Pfr. Mahr. 11: Kindcrkirckte f. d. Matlhäusgem.: Pfr. Mahr. In der Jo­hannes kirche. Vorm. 8, zugl. Christen!. 1. d. Neukoiifirm. a. b. Johannes gern.: Pfr. Ausfell». 9y3: Pfarrafsift. Ramge. 11: Ktin^erkirche V d. Lutasgem.: Pfarrasfist. Ramge Abds. 8: Bibcl- besprech. i. Johminessaal: Pfr. Mahr. Sonntag, 5. Sept., vorm. 10: Kirchberg. 11: Eh isten- lehre f. d. weibliche Jugend. Nachm. V/at Lollar. Wieseck. 5. Sept. 1920. Vorm. ÖV2: Gittes« dienst, nachm. 1: Ehristenl. (Lons, männl. Jugend).

Ka!holi''che Gemeinde.

Samstag, 4. Sept., nachm/. 5 u. abds. 8 Uhr: Gelegenh. z. hl. Beichte. Sonntag, 5. Sept. 15. Sonntag nach P'ingsten. Bo -m. 6y2: Gelegewh. z. hl. Beichte. 7: Hl. Messe. Geineinsch. hl. Kom­munion b. gjlänner u. Jünglinge. 8: Austtg. t>. hl Kommunion. 9: Hochamt m. Pr. 11: Hl. Messe m. Pr. Nachm. 2: Andacht. Abds. 7V?: Abenbunterhaltirng d. Kirchenchors. Freitag, vorm. 7: Segensmefse. Tiaspora-ltzottesdienft am 5. Sept. Hungen 8, Lauchbach 10 U'hr. Ka­tholischer Gottesdienst. 5. Sept. Lich Laubach 10 Uhr.

jedes Beileids- und Trosteswort zurückweise vor einer k-alben Stunde etwa habe sie angeorfmet, daß' kein fremder Fuß das Zimmer m>hr betteten solle nun sei sie ganz allein mit dem armen Heimgegangenen.

Das junge Mädchen schritt $ur Tür.

Anna Reinsdorf wollte ihr folgen Rena wehrte aber ab:Lassen Sie mich allein hrnau?- gehen ich bin gefaßter, als Sie denken."

Das alte Fräulein nickte schmerzlich wtb sagte: ,^Jedenfalls bleib ich im Haus wenn Sie meiner irgendwie bedürfen fottten, liebes Kind"

Ja, ja. Ich baute Ihnen."

Im Hinausgehen fuhr sie plötzlich wieder herum und sah zur Mamsell hinüber: ,^ft mein Bruder hier"

Die Mamsell wurde ein wenig rot, als fri antwortete:Noch nicht. In der Verwirrung Hab­ich erst heute mittag daran gedacht, nach Jena hineinzuschicken. Natürlich hab' ich Mar nur auf« fordern lassen, herauszukommen. Tie Trauerbot­schaft selbst erfährt er hier ja noch zeitig genug. Er tann jeden Augenblick da sein."

Rena nickte unb ging.

Rasch, mit einer Art von Anlauf, zu dem sie sich antrieb, stieg sie die Treppe hinan. Droben un Flur freilich stand sie znrückbebend still. Wie eine Lähmung wollte es an ihr hinaufkriechen. Dort rechts die braune hohe Tür führte in vrs Zimmer, das Oskrr ehemals bewohnt hatte darin war er nun jedenfalls auch auf gebahrt worden.

(Fortsetzung folgt)

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