Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
M. Zweites Blatt
Mittwoch, 4. August 1920
Börsenkurs-.
Berlin
299'50
Kurs 3.8. 79,75
3.8.
13 65
6,775
Kurs 2.8.
79,60
2.8.
13,92
6,95 15,25 11,20
675,70
680,70
913,40
152,70
230,25
161,70
43,80
329,35 7ö0,75
658,15
24,40
24,15
84,70
24,40
344,65 661,80 661,80
893,10 149,80 225,75
157,55
42,25 322,65 715,25 644,35
24,72
23,97
84,50
24,22
3ür1ch . . .
Amsterdam .
Kopenhagen.
Stockholm.
141,75 142,
262,- 197,50 -,
162,-
l3n einem Teil txrr Auflage wüb.rhKt.)
England und die Vorschüsse an Deutschland.
London, 3. Aug. (WTB.) Das U n - terb aus bewilligte einstimmig den Kredit für die nominelle Summe von ö Millionen Pfund Sterling, die durch die in Spaa ge-
Rückblick auf ein Zahr des Bestehens der Technischen Nothilfe.
Auf fast ein Jahr ihres Bestehens blickt nunmehr die Technische Nothilfe zurück. Mit 865 Nothelfern trat sie am 1. Oktober 1919 in Berlin auf den Plan. Am 1. Juli 1920 zählte sie 95 215 fest eingeschriebene, zuverlässige Mitglieder in Berlin und Reich. 17 Landesbezirke mit ihren verschiedenen Unterbezirken und Ortsgruppen unterstehen der Hauptstelle, so daß die Fäden des Hilfsdienstes, der Hilfsbereitschaft über .ganz Deutschland gesponnen sind in ein festgefügtes Netz, an dem jede Masche dauernd kontrollierbar ist. Während die Generalstreikswochen dieses Jahres hat die große Menge erst eigentlich die Technische Nothilfe kennen gelernt. Welche unnennbaren Werte wurden im Ruhr- gebicr erhalten dadurch, daß sachkundige Hände die Hockstifen vor ihrer Vernichtung bewahrten, und die Bergwerksschächte vor dem Ersaufen. Von noch einschneidenderer Bedeutung war die Tätigkeit der Technischen Nothilfe in der Lebensmittelversorgung der Städte.
Wie die Nothelser und Nothelferinnen sich in Krankenhäusern und Kliniken bewährt haben, ist bekannt. Die Hochwasser-Katastrophe am Rhein in diesem Winter wird den Kölnern noch frisch im Gedächtnis sein, und wie die Nothelfer hier den Niehler-Damm vor dem Einsturz bewahrt haben. — Besondere Verdienste hat die Technische Nothilfe auch um die Eisenbahn. Vom Heizer der Güterzug- Maschine zum Schiffer, Kutscher, Autoführer, alle Verkehrs- und Transportmittel haben bereits durch sie Hilfe erfahren. Auch für^ die leidende Kreatur hat sie gesorgt. So wären 2000 Bierbrauerei-Pferde in Berlin elend
Vlarkn»tteru«ge«.
Datum:
345,65 674,30
679,30 911,60
152,30 229,75
161,30 43,70
328,65 729,25 656,85
24 34 24,09 84,50
24,34
345,35 663,20 663,20 894,90 150,20
226,25 157,95
42,35 323,35 717,75 645,65
24,78 24,03 84,70 24,28
Kurs 3.8.
79,60
69,30 59,50
67,-
142,50 261,50
196,25 161,-
149,- 141,75
179,25 175,50 426,- 296,-
316,25 389,50 235,-
265,25 464,-
458,75 360,- 291,-
191,75 402,-
215,13 295,- 226,-
82,75 299,-
trosfene finanzielle Abmachung über die Gewährung eines Vorschusses an Deutschland vorgesehen ist. Llopd George sagte hierbei, das Abkommen von Spaa bedeute keine Aenderung der englischen Politik, sondern nur die Politik des Versailler Friedensvertrages. Der Vorschuß. der Deutschland zu den Wiedergutmachungsein- nahmen gewährt werde, entspreche den Vertragsbestimmungen. Die Einnahmen aus den Verkäufen der England zugeteilten Schiffe würden England gulgeschrieben, während Frankreich seinen Anteil durch Kohlenlieferungen und durch die ihm überwiesenen Schiffe erhalte.
Der Genfer Sozialiftenkongretz.
Gens, 3. Aug. (WTB.) In der gcftrigcn Nachmittagssitzung wurde die Aussprache über die Zulassung einzelner Delegation en fortgesetzt. Die russische Gruppe der Sozialrevolutionäre wohnte dem Kongreß nur in der Eigenschaft als Gast bei. Rubenowitsch erklärte im Namen der Sozialrevolutionäre, daß seine Partei einzig und allein nach Genf gekommen fei, um sich zu informieren. Die Sozialrevolutionäre kömiten in Rußland nicht arbeiten infolge der Verfolgung durch die Bolschewisten. Darum könne seine Partei ihre endgültige Stellungnahme zur zweiten Internationale nicht bestimmen. Die Russen seien der Aussassung, daß sie bei den englischen und deutschen Unabhängigen wieder Fühlung nehmen müßten. Seine Partei spreche sich gegen jede militärische Unterstützung und In tervcntion des Auslandes in Rußland aus. Nach Erledigung der Mandatssrage gab der Präsident folgende Stimmenzuteilung an die aus dem Kon greß vertretenen Parteien bekannt: England 30, Australien 17, Neuseeland 15, Frankreich 3, Aster beidschan 4, Holland 10, Litauen 4, «Georgien 4, Schweden 15, Dänemark 10, Schweiz 3 sRütli aner), Rußland 5 (die Russen verzichten ausdrücklich auf das Stimmrecht), Belgien 15, Italien 4 (sozialistische Union), Deutschland 20, Po len 10, Ungarn 10. Die Verhandlungen wurden darauf abgebrochen, um der Kommission für die Schuldfragen Gelegenheit zu geben, zu einer vollen Einigung zu gelangen. Nach Wicker- Ausnahme der Verhandlungen teilte der Kommissionsberichterstatter La Fontaine mit, daß in der Kommission eine Einigung erzielt Mocken sei über den Text der von den Deutschen ausgear- beiteten Entschließung über die Schuldftage. Mit Rücksicht auf diese Einigung empfahl er, sich jeder Diskussion zu enthalten. Unter Beifall wurde die vorgesMagene Entschließung einstimmig von dem Kongreß angenommen. Der Wortlaut der Entschließung weicht insofern von dem veröffent- lichten Text der Kommission ab, als die Haltung 1 der deutschen Sozialdemokratie vor dem Krieg« weniger scharf getadelt mucke. Außerdem Mick in dem neuen Text festgestellt, daß nicht mrr für 1 die deutsche Sozialdemokratie, sondern auch für \ Deutschland eine elsaß-lothringische Frage nicht ■ mehr bestehe. Zur Verhandlung kam hierauf eine ' von der Kommission ausgearbeitete und bereits
Kurs 2.8.
Datum: Amsterdam»Rotterd. Brüssel-Antwerpen. tkhrlstiania Kopenhagen .... Stockholm Helstngforr. .... Italien London. Rew-Pork Paris Schweiz Spanien . Wien (altes) .... Deutsch-Oestecr. abg. Prag Budapest Bulgarien .... Konstantinopel. . .
Geld Brief Geld Bries
2. Aug. 3. Aug.
1438,50 1441,50 1468,50 1478,50
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bar/
Abg. Hoffmann- Ludwigslxtten (Z.): Die Regierung muß das Gesetz schroff durchfühvm, >nn sie trägt die Verantwortung gegenüber der Entente. Tas deutsche Volk wird sich der Waffen des Geistes und Fleißes bedienen, um sich Wicker ben ihm gebührenden Platz in der Welt z/uruck- 5'icnobern.
Abg. von Gollwitz (T.-Ntl.): Wir haben ttotz schwerer Bedenken uns mit den meisten Punk- im der Vorlage einverstanden erklärt. Tie Be- snnmung, daß der Reichsöommissar berechttgt fei, Las Brief-, Telegramm- und Fernsprechgeheimnis ausjuheben, lehnen Mir mit aller Entschiedenheit ab, ebenso die Vorschrift, daß derselbe befugt ist, e-desstattliche Versicherungen über den Verbleib ober Besitz von Waffen verlangen zu können.
Abg. Cohn-Köln (Dem.): Das Gesetz ent- (Dringt einer eisernen Notwendigkeit, deshalb ist es ettoünscht, daß es eine möglichst breite parlamentarische Basis erhält. Der Antrag Lübring -,t dem Antrag der Koalitionsparteien vorzuziehen, 'emzusvlge der Reichsßommissar festsetzt, welche militärischen und polizeilichen Organisationen von der 'Ablieferungspflicht ausgenommen sind.
Abg. Tr. Cu rti us (D. Vpt.) empfiehlt den Antrag der Koalitionsiparteren, daß der Reichs- kommissar einen parlamentarischen Beirat erhält, dessen (Unverständnis zu allen grundlegenden Bestimmungen einNtholen ist.
Abg. Frau Zetkin (Komm.): Das Gesetz tmb hier mit unwürdiger Eile durchgepettscht. 6s sollte eigentlich richtiger heißen: Gesetz zur Nckerhaltung des Proletariats. (Unruhe und Heiterkeit.)
tums seien. ,
Abg. Korell iTem.»: Unsere Zustimmung zu der fraglichen Entschließung hat nichts mit Rassen- und Klaffenhaß zu tun. Tie Abwehr d?r MafseneinManderungen ergibt sich lckiglich aus der eigenen Notlage. Auch gute deutsche jüdische Kreise empfinden diese EinManderung-en als Last. 75 Prozent aller Verhafteten Gold- unb Silberschieber gehören zu diesen Eintt»nderern.
Tie Abgeordneten Rosenfeld und Löwen- tein (U.S.P.) bekunden ihre von der Entschlre- ’ting abweickreirde Anschauung.
Abg. R e nke l (T. Vpt.) empftchlt die Herausgabe einer Denkschrift bezüglich der Schulgeictz- gebung und die Gründung eines Reick)sschulamtes.
Abg. Frau Tr. Lüders |Dem.) tvendet sich gegen bte Schulstreiks, zu denen die .Kinder letzt von unbesonnenen Eltern des öfteren angerevzt wecken. __ ' ..
Abg. Tr. Breitscheid (U.S.P.): Es ist bezeichnend, daß gerade heute Herr von Mumm eine vackenkreuzrcke hält, an dem Tage, an dem ein srenckstaotlicher Monni an die Spitze des' dcnstch- nationalen mecklenburgischen Ministeriums tritt. Tie Entschließung richtet sich ganz einseitig gegen die jüdischen Einwanderer. Wft beantragen die Ausnahme einer objektiven Statistik über die Gesamten- und Auswanderung.
Abg. Rheinländer (Z.): Wir wünschen fein Reichsschulamt, weil die Länder die Schul-- hoheit behalten müssen.
Die Beratungen werden abgckrochen.
In Beantwortung einer Anfrage erklärt bte Regierung, daß zur militärischm Aushilfe für heimgekehrte Kriegsgefangene bisher 150 Millionen Mark ausgesetzt worden seien. Die Frage der Gewährung von Steuererleichterungen für diese wurde in Erwägung gezogen.
Mittwoch 1 Uhr Fort etzung der Haushaltsdebatte. Interpellation über die Arbeitslosigkeit.
Schluß nach 8 Uhr.
umgefommen, wenn nicht hilfreiche Hände ihnen Futter geschüttet hätten. Immer noch, immer wicker heißt es: Nothelfer vor? Möge das Wort Treitschkes, das dieser über unser politisches Leben prägte, für die Technische Nothilfe dereinst wahr werden: „Das schönste Schicksal für eine Partei ist doch unterzugehen, nachdem sie ihr Ziel erreicht hat."
Stenographie.
** Leipzig, 3. Aug. Der Deutsche Stenographen bund Babelsberger" hält seine 11. Bundestagung vom 7. bis 9. August in Leipzig ab. Außer der Begrüßrmgs- feicr finden feine festlichen Veranstaltungen statt. Ter Bundestag ist eine reine Arbeitstagung, xit Tagesordnung zeigt außer den geschäftsordnungsmäßigen Verhandlungsgegenständen nickt weniger als 10 Anträge von zum Teil für die Gabels- bergersche Bewegung schwerwiegender Bedeutung. Daneben finden Sondersitzungen verschickener Bei- txhibe statt. ----
Datum:
5%Deutßrtegsanl. 4°/„Deut.Reichsanl. 3°/oDeut.Retchsanl. 4° n Preuß. Konsols Darmstädter Bank Deutsche Bank . . . Disconto- Gesellsch. Dresdener Bank . Nationalbank f. D. Mitteld.Treditbank H.-Amerik.-Pakets. NorddeutscherLloyd Boch.Guhstahlwrk. D -Luxemb Bergw. Gelsenkirch.Bergw. Harpener Bergbau Obe schl. Eisend.-B. Oberschles.Eisenind. Phönix-Brgb.-Mt. Bad.Anilin-u.Soda Höchster Farbwerke Elektr. A. E. G.. . Schuckert-Werke. . Felten-Guilleaume Daimler......
Dud-Tisenw.-Akt. Adlerwerke .... 4°/0 Hess. StaatsanL Electron Griesheim
Abg. Sauerbrei >UTP. sieht in der Vorlage lediglrch einen reaktionären Versuch zur Erhaltung der kapitalisttschen Gesellschaftsordnung
9(bg. Remmele (USP.) wendet sich gegen die beutfd)? PolkSpartei, von deren Vertretern offen zu gegeben wurde, daß das Gesetz sich gegen den innerm Feind wenden solle. Tas Gesetz fei foeiter nichts als die Vorarbeit vvalttonärer Ka pitalisten für den wüsten Terror nach dem Rezepte Ungarns in Deutschland.
In her Einzelberatung wecken verschiedene Paragraphen, unter Ablehnung der dlbätckerungs antläge, angenommen. Annahme findet der Koa litionsantrag, wonach ter Reichskommissar von Fall zu Fall zu entt'ch.'id?n hat, welche militärischen und politischen Organisationen von der Abliefe rungspflicht befreit werden.
Andere Anträge der Regierungsparteien werden ebenfalls m,genommen. Ter Anttag, betr. Wahrung des Bries-, Post-, Telegramm- und Fernsprechgeheimnisses wird einsttmmig angenoni men. Tie Besttmmungen des ß 9 betr. die Befug nisse des Reichskommissars Organisationen zur Durchführung seiner Ausgabe zu schaffen und die Abgabe eidesstattlickier Versicherungen verlangen zu form en, wird gestrichen. Der Rest des Geietzes wird im wesentlichen unverändert angenommen.
Es folgt die dritte Lesung des Nothaushalts.
Abg. H e l f f e r i ch (D.-N.(: Wir haben im Ausschuß unsere schweren Bedenken über unsere jetzige Finanzpolitik zum Ausdruck gebracht. Mil Rücksicht auf die Geschäftslage werden rorr im Plenum erst darauf Kurückkommeu, wenn der Haupletat zur Beratung steht.
Minister Koch teilt mit, es werde daran fest gehalten, daß Deutschland nur solche aus dem Ausland einreifenbe Personen Unterkunft gewährt, die auf geordnetem Wege mit einem Reisepaß versehen, hereinkommen. Redner geht dann auf die R ei chsschu l ko n seren z ein. Sehr wünschenswert iväre es, wenn diese ein Gegenstück zum Reichswirt- fchaftsrat würde, also ein Reichsrultusrat gebildet würde. . ,.
Abg. v. Mumm (D.-N.) bittet den Mrmster um die Ergreifung geeigneter Maßnahrnm auf Grund der im Reichstage gefaßten Entschließung gegen die Einwanderung frembftäntmigcr Ausländer. In Berlin seien in letzter Zeit mehr als 40 000 Ostjuden, vielfach mit gar keinen und gefälschten Papieren eiugewandert. Bon 5—600 Lebensmittelschiebern sind 9/10 Juden. Das „Berliner Tageblatt" sagt, daß es yalizische und russische Staatsangehörige seien. Diese Einwanderer wer- den, ivemt sie seinerzeit nach Amerika oder England weiterwanoem, die Haßförderer des Deustch-
Deutscher Reichstag.
17. Sitzung.
Berlin, 3. August.
In Bearttwortung von Anfragen teilt die Re- gienmq mit, daß die Berliner Einwohnerwehr auf- ,^löst sei. Die Waffen sind an die Sicherheitspolizei ,1 herben worden, ;. T. befinbeu sie sich noch in tat Hänben einzelner Mitglieber. Selbstverstäüd ktj n/ftd bie Einziehung berfeiben burch bas Reich /crölgen, sobalb es burch bas Eiitwaffnungsgesetz ftne Hanbhabe hierzu hat.
Eine Ermäßigung ber Tax gebühren für bie tanreiie von Hollanb nach Deutschlanb lvirb in ' '-kusficki gestellt.
Präsibent Lobe bittet bie Mitglieber fick cjtüuridnen, baß ber Reichstag heute imb morgen noch nicht zu Enbe gehen werbe.
TaS Gesetz über bie Ausführungen ber Be- h'rfinmut!gen des Friedensoertrages und über bie gemischten Schiebsgerichlshöfe unb bie Vollstreckung iäusläubischer Urteile wirb eubgülttg angenommcit.
Es folgt bte erste Lesung bes Gesetzentwurfes Izur Abanberung ber Lohnverpfänbung. Der Ent- ; imrf erhöht im Hinblick auf bie Verteuerung ber nid;muten Lebensbedürfnisse die Grenze des nicht oec Psänbuugspflicht unterworfenen Einkommens.
! Die Grenze wird danach auf 5000 Mk. für Der- ' heiratete und 4000 Mk. für Lebige gezogen.
Abg. Kaiser (Soz.): Wir beantragen bie IOkcnjen auf 7500 bzw. 6000 Mk. festzusctzen.
Auf eine Anftage bes 9fbg. Branbes stlSP.) wegen ber Hermtziehung ber Montage- nilage bei bem Steuerabzug burch bas Finanzamt Hannover, erwibert Geheimrat Kohn, baß nach ben neuen Bestimmungen über beit Steuerabzug btt Montagezulage, wie alle Zahlungen für Tienst- austvände bem Steuerabzug nicht überworfen sei, imbeschabet ber Abrechnung ber enbgültigen Veranlagung zur Einkvmmensteuer.
Staatssekretär Joel wiberspricht bem Anträge Kaiser, ba auferbem 5000 resp. 4000 Mk. noch weitere Einkommensteile bis zu 6/io ftei- ; bleiben, wenn Mmber ober unbemittelte, unter« T Mtznngsbedürftige Verwandte in Betracht kommen.
In zweiter Lesung wird der Antrag int Wege . ber Ueberzählung mit 171 gegen 126 Stimmen |J abgelehnt unb ber Entwurf lunveränbert ange- rommen. In ber brüten Lesung unb ber Gesamt- . lÄtimmung wirb ber Entwurf bes Gesetzes zur *■>. ihttcigmmg von Grün bei gentum unb betr. bie jz ^itragsleistung zum Sanulbau Rhein-Neckar unb Rhein -Donau ohne Erörterung enbgültig ange- f nanmen.
(Es folgt bte zweite Lesung bes Entwafftrungs-
9lbg. Luebring (Soz.): Das Gesetz bars nicht zum Ausnahmegesetz gegen bie Arbeiter werden. In ihren Hänben beftnben sick so gut wie gar keine Waffen (Wiberspruch rechts», wohl aber ür Befitze vieler anbener Leute. Wenn bas Gesetz feinen Zweck erfüllen soll, so müssen auch bte Einwohnerwehren entwaffnet werben. Wenn bas nicht geschieht, so lehnen wir bte Vorlage ab. Mr beantragen baher ausbrücklich ibie Aufnahme ■ der Bestimmung in ben § 1 „nur bte Reichswehr . unb bie BettufsPolizei ward von ber Ablieferungspflicht ihrer Woften befreit".
Abg. Dr. Rosen selb (USP.): Die Regie- t nmg soll sich bei diesem Gesetz nicht auf bie Abmachungen von Spaa berufen. Es genügt hierzu ttre Bekanntmachung ber Regierung, welche bie tmverzügltche Ablieferung ber Waffen forbert, unb für Unterlassungen wirksame Strafen festsetzt. Das >Hesetz ist lediglich gegen bte Arbeiter gerichtet.
Reichsminister Koch: Wir wollen durch bas besetz dahin toirfen, baß nicht ein Volk gegen bas obere bewaffnet Vorgehen kann. Es ist Pflicht der Reichsregierung, Waffen ba hevauszuholen, oo sie welche finbet. Vermeidet es, daß wir in Zukunft auf Grund bes Ausnahmezustandes vor- achen müssen, welches eine große Beschränkung ber persönlichen Freiheit zur Folge hätte. Ter Antrag Lübrrng ist für bie Regierung unannehm-
Harrdel.
Berlin, 3. Aug. Börsenbericht. Daß gestern hervorgetretene lebhaftere Interesse für einzelne Montanwerte übertrug sich auch auf den heutigen Verkehr. Die Führung hatten Bismarckhütte-Aktien, die in großen Sprüngen weitere 60 Prozent gewannen. Phönix- Aktien, die gleichfalls in großen Posten gelaust worden sind, gewannen 20 Prozent. Bochumer setzten ihre Aufwärtsbewegung mit einem Kursgewinn von 12 Prozent fort. Hösch und Rombacher Hütte erzielten Besserungen von 19 Prozent bzw. 8 Prozent. Deutsche Erdöl-Aktien gaben weiter nach und sanken zeitweise unter 1900. Deutsche Petroleum schwächten sich weiter ab. Kolonialpapiere zogen weiter im Zusammenhänge mit der Besserung der ausländischen Valuten an. Auf den übrigen Gebieten wirkte die gute Haltung des Montanmarktes befestigend und teilweise auch belebend. Am Anlagemarkte blieb es still und ohne weitere bemerkenswerte Veränderungen.
Frankfurt a. M., 3. Mg. Börsen- stimmungsbild. Montanpopien- bclvahrten auch an ber Vlbenbbörfc ihr festes Aussehen. Ober- bcdatf fliegen bei regen Umsätzen um 6^2 Prozent auf 239,50, Buderus biteben ebenfalls gesuchter 301 plus 7, Laurahütte sind 4 Prozent höher 303, auch Phönix Bergbau fest 465,50, Bochumer 4‘-o plus 4, Caro 268 plus 5 Prozent. Lebhast warben Mansfelder Kuxe 4425 plus 200 Mark. Unter den Valutapapüren, welche festere Tendenz zeigten, stellten sich Deutsch Uck.rsee-Certif. auf 827 plus 7, auch Scha n tu.it g - Akt ien find gebelfert 640. Steaua Romana 1225, büßten 25 Pvozeitt ein. Deutsche Ecköl 1850. Deutsche Petroleum 840, Geld genannt. Auf dem Gckiete der Jnduslrieattien tonn« ten sich chemische Werte behaupten. Höher gingen um Spiegel und Spiegelglas mit ihrem Höck-stütrs auf 401 plus 3, Bingwerüe 223, Zellswff Aschaffenburg 389, Badische Zuckerfabrik gaben 10 Proz. auf 410 nach. Feinmechanik Zetter erl)vlt 380,25 plus 41/4, auch Zellstoff WaM.vf sind 6l/_> Prozent auf 359,50 gebestert. Schuhf. Aug. Weffels 249^0. Metalllxtnk lebhaft 232, junge 220. Otavi-Minen befeftigt 775, bto. Gemüffcheftie 670, Laurahütten fliegen im Verlaufe auf 305 bis 307. 5prvzentiae Reicks-mlethe blicken gesuchter 79,75. MexrSmttsche Anleihen fest bei lebhaftem Geschäft. Es notierten 5pwz. Goldmexikaner 363, 5Proz. Silbermexikon-r 305 bis 307. 3proz. Mexikaner 213. 5prv-. T^huantepec 221.
Frankfurt a. JJt., 4. August. Tebifenmarft.
Frankfutt
Abend- Abend- Schluß- Schluß-
Abg. Lipinski (USP.): Die Unruhen in jtttau haben in ber unerhörten Verteuerung ber ^ben«mittel ihren Grund. Aufreizend wirkte «as Verhalten ber Hänbler, von denen einer ben Arbeitern zurief: Wenn Euch unsere Lebensmittel Kt teuer sinb, so freßt boch Sägespäne. (Großer *ärm, Rufe: Pfui, Unerhört!)
Reichsmiirister Koch: In Zitten hat bie Stenge bie Entwaffnung ber Sicherheitspolizei vertrugt, unb als diese Forderung nicht benrilligt tturde, rissen sie bie öffentliche Gewalt an sich. As ist cinroanbfrei festgestellt worben, baß bie Stenge erhebliche Waffenbestänbe zur Verfügung hatte. Die Reichsregierung hat mit biefen Vorgängen nichts zu tun. Sie hat bas Vertrauen 8a dem sächsischen Ministerpräsibenten, baß ec Mcartige unerhörte Zustänbe nicht bulben wirb. «Jegen ber Entwaffnungsfrage regen Sie sich ohne Icke Ursache in Nervosität hinein. Sie legen bem Regner bie Löwenhaut an, ohne baß hierzu ein Aflaß vorliegt. Die Entwasfnung nnrb für olle bes deutschen Volkes von Nutzen sein.
mügeteilte Entschließung über die Stellung ber Sozialbemokratie zum Völkerbunb. Der Berichterstatter La Fontaine teilt? mit, baß leiber nach bem Kriege ber Militarismus noch nicht abgeschasft sei unb zu neuen Konflikten Anlaß geben könne. Der Vertrag von Versailles erzeuge in seinem ersten Teile nicht nur in sozialistischen, sondern auch in Kreisen ber bürgerlichen Pazifisten wenig Befrickigung. Die Sozialbemokratie stehe nunmehr vor zwei Möglichkeiten, enttoeber bahin zu wirken, baß ein neuer Völkerbunb geschaffen würde, oder aber zu versuchen, ben bestehenben Völkerbunb mit sozialistischem Geiste zu erfüllen, um ihn zu einem wirklich demokratischen Instrument des allgemeinen Friebens zu machen. Zu biesem Zwecke müßten bie Befugnisse bes Völkerbunbes auf wirtschaftlichem Gebiete vergrößert werben. La Fontaine betonte ausbrücklich, es gehe nicht an, baß alle Lasten auf bas Volk abgewälzt würden, bas sowieso am schwersten unter ben Lasten bes Krieges unb bessen Folgen zu leiben habe. Die Sozial- bemofratie werbe versuchen, auf bie nächste, für den 25. November einberufene Völkerbundsversammlung bereits Einfluß in ihrem Sinne zu gewinnen. Die Verhandlungen wurden darauf abgebrochen und auf Dienstag vormittag vertagt.
Die sächsischen Eisenbahner yegen die Truppentransporte.
23 er!in, 3. Aug. Wie die Blätter auS Dresden melden, haben die sächsischen Eisenbahner einstimmig beschloffen, alle Truppentranspotte sowie die Beförder-mg von Munition und sonstigem Heeresmatenal unter allen Umständen abzulehnen, da angehende Untersuchungen erwiesen haben, daß die angehaltenen Transporte tschecho-slowa- kischer Kriegsgefangener im Dienste einer kriegführenden Macht Verwendung sinden sollen. Ausschüsse zur Überwachung der Transporte sind gebildet wocken. Die sozialistische Partei Sachsens schließt sich dem Vorgehen der Eisenbahner an.
Prozesse gegen Hölzgardisten.
Berlin, 3. Aug. Der „Lokal-Anzeiger" berichtet, daß die P r 0 z e s s e gegen verschiedene Hö lzg ard isten in der nächsten Zeit vor dem Landgericht bzw. Schwurgericht in Dresden beginnen werden.
Die Griechen in Thrazien.
Kirkilisse, 3. Aug. (WTB.) Reuter. Die griechischen Truppen haben nunmehr ganz Thrazien bis an die T s ch a t a l - s ch a - L i n i e besetzt. Jaffar Tayar wird nach Athen gebracht werden.
fir ßrnjljif n. KiMmttbt in Butzbach, vorn 1. — 8. August, Realschickaebande. Geöffnet: Nachmittags von 4 — • Uhr. " ligs vonS - 7 Uhr. ' D
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