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Freitag, 4. Mi 1920

Erstes Blatt

170. Mrgang

Druck und Verlag: Brühl'sche Univ.-Buch- und §te!nöruckerei K. Lange. Zchristleitung, Gefchäftrftelle und Druckerei: Zchulftrahe 7.

Annahme von Anzeigen für d.e Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 34mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45 Ps.: für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf Bei Plah- vorfchrift 20°/ Aufschlag. Hauptschriftleiter: Aug Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Jenz; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gietzen.

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

m. 129

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wäge und wähle!

II.

Die Kritik an den regierenden K 0 a l i 1 i 0 n s P a r t e i e n darf nicht in den Fehler verfallen, ihnen alles Uebel, unter dem wir jetzt leiden, in die Schuhe zu schie­ben. Das wäre derselbe Unsinn, wie wenn man für die Niederlage im Kriege in Bausch und Bogen einfach das alte System verant­wortlich machen wollte. Die bisherige Regie­rung hatte mach innen und nach außen einen schweren Stand. Alles war aus den Fugen gegangen, alles verlottert, Zucht und Ord­nung waren dahin. Es ist zutreffend, daß die lange und harte Kriegszeit demoralisierend ge­wirkt habe, daß der tiefe moralische Fall so vieler Deutschen menschlich verständlich sei. Wir dürfen uns aber fragen: welche Art poli­tischer Beeinflussung dec Massen hat der Ver­wilderung der Sitten, dem gefahrvollen Auf­stieg von Terroristengruppen den Boden be­reiten helfen? Wer. hat die Geister gerufen, die dann nicht mehr diszipliniert und im Schach gehalten werden konnten? Offene Aus­einandersetzungen über diese Fragen haben sich in der sozialdemokratischen Partei vollzogen. Die Spaltung dieser Partei, die schon im Laufe des Krieges eingetreteu war und sich dann zu erbitterter Feindschaft zwischen bei­den Teilen auswuchs, ist ein Buch, in dem es viel zu lesen und zu lernen gibt. Nicht ohne Grauen denken wir an die Epoche dec Zen­tral- und Vollzugsräte zurück, wo nicht Ver­nunft und Geist die Führung hatten, sondern häufig die wüsteste Demagogie die Oberhand gewann. Einen Vorwurf der Feigheit kann man dem Bürgertum, das wehrlos die revo­lutionären Sturzbäche über sich ergehen ließ, schwerlich machen. Es war gelähmt in Trauer und Bestürzung über das furchtbare Kriegs­ende. Die sozialdemokratische Partei über­nahm die Leitung der neuen Republik, ein schineres Stück Arbeit, der sie sich unterzog, weil ihr gar nichts anderes übrig blieb. Sie mußte, vielfach geschoben durch die radikalen Treiber vom äußersten Links, die Verwirk­lichung ihres Programms versuchen. Man darf einzelnen ihrer Führer, die gegen Maß­losigkeit in den eigenen Reihen kämpften, weil sie wußten, daß damit die letzte Lebenskraft des Staates schwinden'würde, ein relatives Verdienst zubilligen; im ganzen sahen wir ein trauriges Doppelspiel: auf der einen Seite die Vampire per Entente, die mit unerhörter Grausamkeit sich über das gefallene Reich hec- machten auf der anderen Seite die Doktri­näre, die über dem darniederliegenden Volks­körper das Parteimesser schwangen und pro­bierten, Deutschland «innerlich zerrissen und wirtschaftlich in Stücke legten.

Es war, wie die Parteivechältnisse in Deutschland lagen, beinahe eine Naturnotwen­digkeit, daßdie Dinge nach der Revolution sich so gestalteten. Ebenso folgerichtig war es, daß Demokratie und Zentrum mit der Sozialdemokratie die Koalition bildeten. Den beiden bürgerlichen Parteien kann dar­um kein Vorwurf gemacht werden. Im Ge­genteil, man muß anerkennen, daß ihre.Hand­lungsweise die parlamentarische Konsequenz war, für die das Volk, das sein Stimmrecht ausgeübt hatte, die Verantwortung trug. Freilich, nun kam es auf die T a t e n im ein­zelnen an! Da geben die Mehrheitsparteien selbst zu, daß vieles verkehrt und unrichtig gehandhabt, manches zu unreck)t unterlassen wurde. Und heute, vor dec Neuwahl, kann es nur wenig in Rechnung gestellt werden, ob die Koalitionsparteien den guten Willen und Glauben hatten, richtig zu handeln. Jetzt hat das Volk eine lange Kette von Taten und Geschehnissen vor sich, die es zu prüfen hat, um sich klar darüber zu werden, ob weiterhin in derselben Weise Glied an Glied gesetzt wer­den könne, oder ob die Abstimmung von 1919 einer Revision bedürfe. Diese Revision stellt sich auch als eine Naturnotwendigkeit heraus! Und zu den gestern bereits angeführ­ten Gründen gesellen sich viele andere, die es gebieterisch fordern, daß neues Blut in ParlamentundNegierung komme.

In der Nationalversammlung sind zweifellos mancherlei Gesetze formuliert worden, die das aufgepeitschte Meer der No­vemberkatastrophe wieder in ein ruhigeres Bette leiteten. Wir bekamen für die neue Republik eine Verfassung, zu der wir uns treulich bekennen wollten, weil sie eine friedliche Weiterentwicklung wohl ermöglichte. Allein in der Erledigung der großen finanz­politischen Existenzfragen des Reiches und Volkes herrschte eine verhängnisvolle Ein­seitigkeit, weil das demagogische Genie Erzberger die Mitarbeit der sachkundigen Welt rücksichtslos beiseite warf. Seine Kolle­gen in den anderen Ministerien, zumeist eben­falls f a ch u n k u n d i g e P a r t e i m ä n n e r, waren ihm nicht gewachsen, und so deckten die großen Projekte "des vielseitigen Geschäfte­

machers die Bedürfnisse und Erfordernisse des Wirtschaftslebens einfach zu. Der Wieder­aufbau wurde in unzulänglicher Weise ange­bahnt, weil die feste und sichere Hand der Fachmänner fehlte und die Sorge für unsere großen Berkchrsinstitute Parteimännern an­vertraut wurde, die mit dem Strome schwam­men, der Vergeudung von Nationalgut, der Verschwendung von Staatsgeldern und der Unwirtschaftlichkeit der Betriebe ohnmächtig gegenüberstanden. Langsam besserten sich zwar die Verhältnisse bei Eisenbahn und Post, aber der Ruf nach der Leitung durch Fach­leute verhallt noch immer. Auch in den sozia­len Fragen und im Wirtschaftsleben wurde nicht der gerade und kurze Weg zum Wieder­aufbau beschritten, sondern man wandelte gar zu oft die verschlungenen Pfade der Par­teiliteratur, wobei hinter den derben sozial­demokratischenSticbeln" die Pantoffeln der Demokraten und des Zentrums nur leise und behutsam aufzutreten vermochten. Den Mehr­heitssozialisten brannte hinwiederum das Feuer der Unabhängigen und Kommunisten und der verwegensten Höllenheizer in den Rücken; sie marschierten, aber sie wurden auch geschoben. Unter diesem System mußten ge­genüber der selbstverständlich in Oberfläch­lichkeit und Korruption verfallenden Politi­sierung aller Einrichtungen in Staat und Gemeinden die gesunden, sittlichen Arbeitstriebe in katastrophaler Weise unter die Räder kommen. Die Tätigkeit der Be­triebsräte zu einem besonderen Beruf zu machen, sie von anderer Arbeit zu entbin­den, ist die neueste Forderung, ein verwegener Ausritt des politischen Steckenpferdes.

Aus diesen Wahrnehmungen und Fest­stellungen ist am 6. Juni das Fazit zu ziehen. Nicht Reaktion, sondern Fort­schritt ist die Parole! Fortschritt int Dienste des Wiederaufbaues, der Wiederher­stellung von Ordnuna und des Arbeitsfrie­dens. Der Wiederaufbau muß alle Volks­klassen zusammenführen. Er gelingt nicht int Banne der Parteischablone. Die politischen Parteien hatten sich im neuen Deutschland erneuen sollen. Diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Das Parteileben wird sich wandeln müssen nach den Bedürfnissen der Zeit. WieerstarktunserWirtschafts- lebe n, wie bringen wir es wieder auf die Höhe? das ist die Hauptfrage bei dieser Reichstagswahl. Denn am Ausschwung unserer Volkswirtschaft sind alle Stände gleichmäßig interessiert. Von der Erreichung dieses Zieles ist dann auch das Maß aller wünschenswerten sozialen und kulturellen Fortschritte abhängig. Diese Fortschritte müs­sen im neuen Reichstag in liberalem Geiste sorgsam bedacht und gepflegt werden. Für schrankenlosen Kapitalismus ist im neuen Deutschland ebensowenig Raum wie für Klassenherrschaft irgendwelcher Art. Das ge­meinsame Volksinteresse liegt in friedlicher Aufwärtsentwicklung im Rahmen der Verfassung, in der Wiederbelebung des deutschen Ansehens durch zielbewußte Ar­beit und in der Abschüttelung aller Sklaven­ketten.

Wie könnte man sich die kün ftigeRe- g i e r u n g vorstellen? Dieser Frage und allen Bedenken "und Gerüchten, die mit ihr verquickt werden, muß noch em besonderes Kapitel ge­widmet werden.

Der Zusammentritt der Reichstags.

Berlin, 3. Juni. (Wolff.) Wie wir er­fahren, ist die Frage des Zusammentritts des Reichstages von folgenden Terminen der Reichstagswahlordnung abhängig: 6. Juni: Wahltag, 9. Juni: Eingang der Ergebnisse der Wahlbezirke beim Reichswahlleiter. 10. Juni: Sitzung der Kkviswahlausschüsse zur Ermittelung des Wahlergebnisses in den Wahlkreisen. 11. Juni. Eingang der Erst­stimmen der Wahlkreise bei den Verbands­wahlleitern und beim Reichswahlleiter. 12. Juni: Sitzungen der Verbandsausschüsse zur Ermittelung der Zahl der aufgrund der Rest­stimmen noch auf die Kreiswahlvorschläge entfallenden Abgeordneten; Mitteilung an die Kreiswahlleiter und Abgabe der Reststim­men an die Reichswahlleiter. 13. Juni: Sit­zungen der Kreiswahlausschüsse zur Vertei­lung der Abgeordnetensitze aus die Kreiswahl­vorschläge; Erklärung der erforderlichen An­zahl von Abgeordneten als gewählt: Benach­richtigung der Gewählten: gleichzeitig Ein­gang der'Reststimmen der Wahlkreisverbünde beim Reichswahlleiter. 14. Juni: Sitzung des Reichswahlausfchnsses zur Feststellung der Zahl der auf die Reichswahlvvrschläge fallen­den Abgeordnetensitze; Erklärung der ent­sprechenden Zahl von Abgeordneten als ge­wählt; Benachrichtigung dec Gewählten. 15. Juni: Zustellung der Nachricht an die auf­grund der Reichslitze Gewählten über die

Wahl. 22. Juni: Ablauf der Frist zur Er­klärung über die Annahme der Wahl auf­grund der Kreiswahlvorschläge. 23. Juni: Ab­lauf der Frist zur Erklärung über die An­nahme der Wahl aufgrund der Reichsliste.

Die Zusammenrufung des neuen Reichstags ist daher frühestens am 23. Juni möglich.

Die Ausgaben der Reichswehr.

Berlin, 3.Jünü (Wolff.) LautAbendblättcnm sind vom Reichsrvchrminister die nach Berlin tefoffenen Kommandeure sämt.icher Wehr­kreiskommandos und Reichswehr- gcuppenkommandos h:ute hier ein ettosfcn. Auch dec Reichspräsident w-rde Gelegenheit neh­men, mit dm Kommandeur n am m em ul reffen.

Berlin, 3. Juni. (WLB.) Im Hinbllck auf den Emst der Lage und die augenblicklich bevor- stelienden möglichen Aufgaben versammelte der Reichswehrminister am 3. Juni sämtliche Ge­nerale der Reichswehr aus alten deut­schen Gauen zu gemeinsamer gründlicher Aus­sprache über alle schw benden Fragen im Reichs- wehrministerium. AuZgeh-md von der großen Krank­heit, die das deutsche Staats- imd Wictschafts- teben zur Zeit durchmachn müsse und die der Reick)swchrminister als eine Krisis des V e c- trauens bezeichnete, betonte Dr. Geßler den velsammelten Offizieren gegenüber, daß der Kapp- Putsch wieder die Frage der Reichswehr in den , Mittelpunkt a.lcr Erörterungm gestellt habe. Der Minister fuhr dann fort: Unter den Nachweh.m dieses Putschcs leidet Deut chland noch heute. Bei der Ueuemahmc des Amtes kam es für mich vor allem darauf an, die Truppe aus dem Bürgerkrieg her- auszuziehen, um die Möglichkeit zu gewinnen, sie wieder zu ordnen und ihren inneren Halt zu stär­ken. Vor allem lag der Regierung daran, in Zukunft von der gesamten Reichswehr den Schutz der Verfassung gewährleistet zu wissen. Innere Geschlossenheit und feste Fühlung zwischen Führern und Truppe war zu alledem Haupterfordernis. Die Führerfrage, insbesondere die das Offizicr- korps, zeigte sich hier von ausschlaggebender Be­deutung. Es ist klar, daß gerade die innere Lage des Offizierskorps seit Ausgang pes Krieges ins­besondere auch durch die Ereignisse der Revolution außerordentlich schwierig war. Es unterliegt keinem Zweifel, daß es gerade charaktervollen Männern schwierig wird, sich'ohne inneren Kamps in neue Zeiten zu finden. Das muß hervvrgehoben werden, es darf nt dem Offizierskorps wie über­haupt in der Reichswehr keine Ge­sinnungsschnüffelei geben, die polittsckM Glaubensfreiheit hochzuhalten haben wir allen Anlaß. Es kann aber niemand em

öffentliches Amt betleiden, der nicht be­reit ist, unter allen Umständen feine

dem Staate gegenüber dadurch iüber'.vnnmene Pflicht zu tim. Tas müßen wir insbesondere von jedem militärischen Führer verlangen. Ich sehe meine Hauptaufgabe cxirin, eine Versöhnung zwischen oft wei tauseinandergebmde Anschauungen herbeizu­führen, vor allem dahin zu wirken, da^die Reichs­wehr nicht im eigenen Volke als Fremdkörper empfunden wird. Wir müssen vom deutsck-en Volke eine gerechte Beurteilung der schwierigen Lage seiner Wehrmacht und Aufgaben, vor die >ie immer und immer wieder» gestellt wird, verlangen, gleich- zeilig müssen die Ange^hörig-m der Wehrtnacht aber besllrebt sein, auch ihrerseits den Wog zu ihren Mitbürgern zu suchen. Es Sommt darauf an, jeten Eindruck zu vermeiden, als ob die Truppe statt der Gesamtheit nur einzelnen Parteien zugehöre. Unser Werl der Versöhnung darf nicht durch un­nötige Zwisrl-enfälle gefrört tverden. Der so sehr bedauerliche Fall Paasche wird, wie ich lzosfe, er­neut dazu beitragen, alle Ang langen der Wel-r- macht auf die strengste Innehaltung der gesetz­lichen Schranken chutzuweisen.

Immer Und immer wieder ist mir bei Besuchen der Truppe am stärksten in Erscheinung getreten das dort herrschende Gefühl wirtschaftlicher Un- sicherheit. Die Frage, was wird, aus mir, wird ?nich die Regierung auf die Straße setzen, der ich in schwersten Tagen Dienste geleistet, bewegt leben einzelnen. Wollen wir in der Wehrmacht zu ge- orbneten Verhältnissen gelangen- müssm wir diel er Unsicherheit ein Ende machen. Sie ist aber für den einzelnen nicht behoben, ehe wir nicht wissen, daß wir 200 000 Mann behalten werden. Darüber soll in Spaa entschiÄxm werden. Damit es zu den dor­tigen Verhandlungen überhaupt kommt, ist Haupt- k«evinaung aber die Erhaltung der inneren Ruhe mii> Ordnung in Deutschs and. Ich sprach gestern mit dem Reichskanzler, was ich den Herren ant­worten sollte, nrenn an mich die Frage gefüllt wird, was geschehe, loeim nach den W»rhlen die neue Regierung nickü gleich zustande komme. Darauf trnirbc mir die Antwort, unter allen Umständen wird eine verfassungsmäßige Regierung gebildet toerben. Außerdem hat nach der Verfaßung die oberste Kommando gewalt über alle Truppen der Reichspräsident. Schon ans diesem Grunde Wnlien aus ter Frage ter RearrirngsbiLmng Einerlei Schwierigkeiten für die Reühsr^hr entiWit. Wer sich gegen die V-e ehlsgrwll: des Reichspräffde..ten wendet, ver­stößt unter allen Umständen gegen di> Vorsaüu.ig. Wenn die Eigenschaften, loetuu die alte Armee groß gemacht haben, Pflichttrne und 5lümerai'» schäft, auch in der heutigen Wehrmacht erhal en ble ben. dmu wrben mir mencr Ueberzeugung nach über al e Schvi rigbüe-i Unw.-g ommen. Dec Reichspräsident benutzte d te B swe- chung, um auch seinersci s die Schwiengviten der gegenwärtig'!! ^age Te llcha ds zu ilennzeichnen und bereit! hinzuv eise ', nie dte z yammen- fassend.' Arbeit al.er Bolls., ä te auf dem Boden der Aersassuns mH Ge^tze in einer besseren Zu­

kunft'hren können. Als Vertreter der versarw menen Generale hielt der. Chef der Heeresleitung, General von Seeckt, fo ge i>- Anspraa;e: Unser allen gewiesenes Ziel ist klar: es ist die Gesundung und Wiedererstarkimg unseres Vater­landes, wozu uns Ordnung und Arbeit führen muß. Wir alle sind der festen Ueberzengung, bafr hierfür der Staat einer festen, wohldisziplinrertenk Wehrmacht bedarf, in der selbst Ordnung und Ar­beit gilt. Diese junge neue Wehrmacht herMstellew ist unsere Aufgabe. Manches ist erreicht, vieles bleibt noch zu tun. Wir bedürfen für unsere Arbeit des Vertrauens und des Verständnisses weiter Kreise des gesamten Volkes, als dessen Vertretung uns die Regierung und an ihrer Spitze Sir, Herr Präsident, gelten. Wenn wir um dieses Vertrauen bitten, so geben wir dafür als Pfand die Verffche- rung unserer entschlostllwm Treue zu der befchwo- reuen Verpflichtung auf Gesetz und Verfassung. Auf dem Boden anderer uns in der Erinnerung heiliger Verhältnisse aufgewach'en, durch die hartes und doch höchste Schule des Loidaten, durch erneu ehrenvoll durchgefochenen .Krieg hindurchg^gangen, sind wir gewillt unb bereit, dem neuen Heere ine alte soldatisckfe Schule einzupflanzen, den Geist,, der alle Staaten des Vaterlandes verbindet, die Vaterlandsliebe, bmnit Volk und Heer wieder eins werden, den Geist 4>er Disziplin und des Gehor- sams, Len Geist der Treue, damit das wieder gilt vtr Deutschland: Ein Mann, ein Wort!

Hierauf v.dfjm der Reichspräsident das Wort. Nachdem er dem General v. Socckt für seine Morte gedankt hatte, fuhr er fort: Eine un­bedingte Verfassungstreue, gut disziplinierte und vo npslichtbewußten Offizieren geführte Truppe ist in allen Zeiten der Gärung und Entwickelung notwendiger denn je. Die Organisation dieses Heeres ist geschaffen; sie nun auch ganz zu er­füllen mit dem Geiste der Treue zur Verfassung und zum Vokksganzen, dem Gefühl der Verant­wortung für Reckst rind Gesetz und dem Gedanken selbstloser Hingabe für das Vaterland und dessen Zukunft ist eure Aufgabe, die in Jlwen und der übrigen Führer Händen ruht. Meine Herren! Ich 'habe volles Versröndnis für die heutigen Schwie-- rigkeiten des Offiziers. Mit dem Abbau dos altern Heeres verschwindet sein Beruf, für den er eine- Lebensarbeit eingesetzt 'hat, und der kleine Teil der- Offiziere, der im neuen Heere steht, kommt in der langen Uebergangszeit nicht aus wirtschaftlicher Unsicherheit heraus. Soweit als möglich biben totr dem mit Furbr-gemaßnahmen ent .egrngearbeitet. Ich erkenne auch dankbar an, was oft unter schmie­rst en Vethäl nissen und Opern die R ichs-rdhr, Führer und Mannschaften, bisher für die Sicher­heit und Erhaltung des Vaterlandes geleistet ha­ben. Tie Erhaltung der Rühe im Innern ist Cie erste Bomussttzung für de Wiederse'chung und Erstarkung un'e>es Baterlaeides. Dieses Ziel, das tins al [eit gemein sein muß, err- ichen wir ater nur durch rüstige Entwicklung auf dem Boden der Versüssung. Nur so können wir Vastrland .imd Volk vor Not und Vernickstung schützen, fragen Sie, meine Herren Generale, diesen Geist der verantwortlichen pflichtbewußten Arbeit im ganzen in Ihren Befehlsbereichen überall hin, pflegen unb erhalten sie ihn, dann wird die Reichs wehr, vorn Vertrauen aller mitarbeitenden Volks­schichten umschlossen, ein wichtiger Grundstein des Wieedraufbaues unseres Vaterlandes sein.

Was uns die Ententemissione» kosten.

Daß die in Deutschlanb Weitenben Vertretun­gen der Entente uns ungeheure Kosten aufeileg.m, daran mag uwhl niemand bisher g-yccTelt laben. Staunen und (Sntpörung dürfte aber den Leser er­füllen, wenn er die genauen Ziffern erfährt. Wir geben sie nachste'heild ffir die einzelnen Klassen der Anteilt-vlKrheter und fügen jedesmal das (Sintern* men der entspiecstenden deutschen Militär- und Zivilpersonen hinzu.

Ter General-Präsident bezog bisher 228 000 Mk. jährlich, jetzt tnpo ge Erhöhung bet Jahresertschädigung 312 000 Mk. jährlich;

ein deutscher General oder Staats'effvtär mir 38000 Mk. Ein Präsident der Unterkom­mis s r 0 n 'bisher 168 000 Mk., jetzt 232 000 Mk., ein deutscher Generalleutnant ti>er Botsckucker nur 30 000 Mk.;

ein Enten te-General 108 000 Mk. bis­her, jetzt 252 000 Mk., ein deutscher General­major- 25 000 Mk., ein deutscher Ministerin- direkter 28 000 Mk.;

ein fremd.r Subalter nof fr zier bisixr 78 000 Mk., jetzt 152 000 Mk., ein deutscher Hauptmann oder Vizetensul 11100 Mk.;

ein fremd r Unteroffizier bis->?r 39 600 Mark, jetzt 69 300 Mck, dagegcm ein deutscher Unteuosfizier ober Amtsgehilse 5200 Mk ;

ein fremd r Soldat Mießlich bisher 24 000 Mark, jetzt 42 000 Mk., ein deutschec Soldit oder Hauswart 4800 Mk

Ein französicher Soldat in Berlin b.'Z^stn also natürlich auf unere Kasten mehr Geld als ein deutscher General oder StaatZ- sekretär! stller damit nicht gmitg. Die Jahr s- bezüge der Mmmistionsmttg'lie er stellen le.ig'ich Berpflegungsgeldcr dar, und diese Herren empsan- gen aus;evd?m ruKh Qu-artter und Gelkult. Das> Quartier z. B. für General No'tet allein testet -.ins jährlich etwa 144 000 Mk. So hoch beziffert sich de Zimmerrechiung des Oteneralv im Hotel Kai seriös. Wir müßen l dig llcst für Ho tclun'er- künfte der Berlfter Kommi sin smitglie^er ialjc* lich etwa 14 500 000 Mk. bezahlen.

Clsaß-Loth» nge«.

Paris, 3. Juni. (WTB.) In der heutigen Kammersitzung nmrde der Staatshlnishalt beraten. Bei der ErörterlMg der ©kuerbeiträge zum Haushalt für Elsaß-Lolhringen erwiderte Mi-, nisterpräsident Millcrand aus eine bedauernde >Amßerung das Mg. Lafont, daß. Elsatz--