^Nachdruck 9er boten.)
Fortsetzung 68.
Die Gräkin.
Roman von G. W. Apple ton.
Zum Wohl, Pasquale, trinken Sic cms!_ sagte ich und bestellte unverzüglich eine zweite Flasche.
Auf das Andenken meines Vaters, Pasquale! sagte ich, als die Gläser wieder gefüllt waren.
Von ganzem Herzen, Signore, fügte Pasquale. Er war ein guter Mann.
Ja. Und btntn folgte am nächsten Tage in üblicher Weise das Duell?
Am nächsten Morgen, Herr Doktor, sehr früh. Die Nacht über hatte es geregnet, der '-Beben war schlüpfrig, und die Beleuchtung sehr schlecht für Ihren Vater. Unglücklicherweise glitt er aus.
Also ging es nicht ganz mit rechten trugen zu 5
Das möchte ich nicht gerade behaupten. Aber man hat so seine Enrdrücke, und mir kam es w vor, als' habe der Graf aus einem UnglücksfaU Vorteil gezogen und —
Meinen Vater getötet? _
Darauf kam es hinaus, ioerr Doktor. >chr Vater war indes noch am Leben, als er m einem unserer Wagen nach Hause verbracht wurde. berfelben Nacht ging Bittorio — er war,damals noch nicht Erbgraf — auf Reisen. Er blieb lahre^ lang weg, und kehrte erst um die Zeit von CnrtcoS Tod wieder zurück.
Ich erhob mich. , , . , ., ,
Trinken Sie aus, Pasquale! sagte ich. Ich möchte, daß Sie mich sofort in diesen Garten führen und mir genau den Fleck angeben, wo mein Vater gefallen ifc.
Gut, sagte ich, so hat er wenigstens seine Haut bet! davongetragen. Um so besser, von seinem Standpunkte aus. betrachtet. Aber ich bebau re es trotzdem. Und mm, Pasquale, ein paar kurze Fragen. Waren Sie mit meinem Vater bekannt ?
Jcuvohl, Herr Doktor, es war ein großgewachsener, feiner Herr, wie Sie selber. Per Bacco! er könnte es selber sein, der jetzt mir gegenüber sitzt. Niemals habe ich eine solche Aehnlichkeit gesehen!
So? Und er hat mit dem gegenwärtigen Erbgraf en einen Streit gehabt? Was war die Ursache w diesem Streite?
Dabei füllte ich Pasquale wieder fein teercs Glas. -
Oh, der Streit, Herr Doktor? Es war wegen ?*r Gräfin (Siena, der armen Dame, die jetzt so Ichwerkrank darniederliegt. Er hat sie beleidigt, rserr Doktor — mehr noch: er hat sie geschlagen — unb da hat ihn Ihr Vater, welcher der Szene bei- ""Mte, geohrieigt. Ich habe nie etwas derartiges ' Einen oder zwei Augenblicke lang wußte ich nicht, was aus dem Grafen geworden nxtr, btv ich ihn aus dem Kamin Henaus kriechen sah.
Ur. 154 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen) Samstag, 3. Zuli 1920
DK RcichLschnttonserenz.
11. bis 19. Juni 1920.
Wie tetr berrits anlänljch eines Vortrages über das gleich Tchnni mitg^teilt bibeit, hat fick Herr Pro? D Dr. 2 chian auf unser Erjuchen m lie- tei».rtinrbi.irr Weise bereit ertlärt, zu den Ergebnissen >'c Reichslckulkonferenz in '.mserem Blatte Stellung zu nahmen. Wir geben feine Ausrübrun gen nach üchcnd wieder :
Tas ix)nccjlutionärf Dmtschc Reich besaß teure Zuständigkeit in Schirlsachen. s)htr die Aus- lalldsschulci: unterstanden seiner Fürsorge: im Inland regelten die Eützelstaaten ihr Schulwesen allein. Durch die Weimarer Verfassung ist das art- Sers geworden. Jetzt hat das Reich ^das Recht, <yrunWiit;ct für die Gestaltung des Schulwesens «tufzustellen
Es entsprich der Art, wie derartige Fragen heute aufgcfaßt zu werden pflegen, wenn alsbald der E^edankc einer Rrichsschullonferenz aufvam, der die Aaig-abe zusallcn sollte, den Staff für ein zu erlassend s Reichsschulgesetz durchzuarbeiten. Anfangs t achte man an ein? verhältnismäßig kleine Lonzerenz van Sachverständigen. Aber dann kamen non allen Seiten Wünsche und Färberungen auf Teilnahme, eine Organisation nach der anderen mcLbett- sich; die Zulassung der einen zog die der anderen unweigerlich nach sich. So Tarn endlich der Riesenlörper einer Versammlung von mehr als 600 Mitgliedern zustande, der Mitte Juni die Räume des Reichstagsgebäudes füllte.
Man wird sagen müssen, daß die ungeheure Ausdehnung der Zahl der .Konferenz schweren Schadeti gebracht hat. Bei mehr als 600 Teilneh-- tnem war eine wirlliche Beratung, bei der sachliche Gründe gegencinanber abgewogen werden konnten, nicht mehr möglich. Es entstand eine Art Riesenparlatnent, das gelegentlich an eine Dolls- versammlung erinnert. Dte verschiedenen dluffas- fungen wurden vor geführt, ohne daß eine Ver- ftänbigung gesucht oder gar gefunden warben wäre. Wie hätte nun solche auch möglich sein sollen zwischen den Vertretern des katholischen Episkopats auf der einen, denen des Bundes freier religiöser Gemeinden und des Monistenbund-es auf der anderen Seite? Oder zwischen den .entschiedenen Schulreformern" und den Freunden des humanistischen Gymnasiums?
Wenn trotz dieses verfehlten Zuschnitts die Konferenz hätte praktischen Ertrag bringen sollen, so mußten den Plenarberatnngen eingehende Ausschußverhandlungen vorhergehen. Die Leitung hatte es anders beschlossen. Van neun Sitzungstagen wurden die erften vier einer Generaldebatte über ine drei wichtigsten Themata geopfert (Organisation brr Schulwesens, Lehrerbildung, Arbeitsunterri cht^. Dann berieten 18 Ausschüsse zivei Tage lang: und an drei Tagen sollte das Plenum zu den Ergebnissen «dieser 18 Ausschüsse Stellung nehmen.ZTabei fbiutte keritesfalls mehr als ein? einzig? Stunde für die Leitsätze jedes Ausschusses zur Verfügung stehen. War es überhaupt ein Ding der Unmöglichkeit, in neun Tagen sämtltche Fragen der modernen Pädagogik durchzubevaten, so ließ diese Zeiteinteilung jeden Gedanken -an ersprießliche Ergebnisse erst recht als völlig ausgeschlossen erscheinen.
Unter diesen Umständen war an eine Abstimmung gar nicht zu denken. Wäre sie doch beliebt worden, sie hätte nicht das Ergebnis sachlicher Auseinandersetzungen bedeutet, sondern nur die Feststellung, daß der eine ober andere Standpunkt zufällig auf der Konferenz stärker vertreten war. Ueber die ausführlichen Leitsätze von 18Aus- schüssen in drei Tagen abzustimmen, war schon technisch völlig unmöglich. Hatte die Leitung das nicht erkannt? Oder wollte sie der Erkenntnis anfangs keine praktische Folge geben? Es bedurfte langer Verhandlungen, bis man allgemein zu der Ueberzeugung durchdrang, daß Abstimmungen in diesem Umfang nicht stattfinden konnten. Einem Teil der Versammlung aber lag anscheinend viel daran, daß die Konferenz sich trotz allem auf einige Ergebnisse festlegte. Die Fragen der Schulorgcrni- satwn (Einheitsschule) und der Lehrerbildung, die ja auch im Plenum besprochen worden waren, schienen dazu am geeignetsten zu sein. Der Gesamtkonferenz wurde die Frage vorgelegt, ob über diese Gegenstände ab gestimmt werden solle. Die Mehrheit entschied sich gegen Abstimmung: die Minderheit aber erhob in formulierter Erklärung großer Lehrervereinigungen und in einer nicht formulierten in der Form ungezogenen Erklärung eines „entschiedenen" Schulreformers Einspruch. Die Entscheidung gegen die Abstimmung bebeutete, wie ausdrücklich festgestellt wurde, keine sachliche Stellungnahme: sie war nur der Ausdruck der Erkenntnis, daß eine Abstimmung unter den obwaltenden Verhältnissen! wertlos, ja irreführend gewesen wäre.
Ist somit die Konferenz ergebnislos verlaufen, Jn01 .dock) für die pädagogische Welt eine höchst mtereffante Erscheinung. Zwar bot sie für t ' k ^ire Literatur kennt, keine Ueberraschungen: ?der der Aufmarsch der verschiedenen Gruppen war ledenfalls bemerkenswert. Dazu kam, daß neben Öen Vielen, die mehr Interessenten als im eigent- Itajen 'Sinne sachverständige waren, doch auch die letzteren anwesend nxrren und vielfach zu Worte
Tarnen. Weniger wäre freilich mehr gewesen: wenn statt der Dutzende von Zehnminutenrednern eine kleinere Zahl von hervorragenden Sachkennern gesprochen hätte, würde der Ertrag größer geworden fein
Wird die Konferenz auf das kommende Reichs- schulgesetz Einfluß ausüben? Zweifellos wird versucht werden, die Lcitfätze der Ausschüsse fbic freilich großenteils auch nur mit ganz kleinen Mehrheiten zustande gekommen waren) dafür aus- zunützen. Stoff hat die Konferenz überhaupt reichlich geliefert: nur hat sie keine einheitlichenRicht' linien geschaffen. Ich würde eine Ausmünznng einzelner Ausschußbeschlüsfe für unerlaubt halten: sie waren durci>aus Zufallsprodukte. Sachlich aber mag die Konferenz insofern Einfluß üben, als sie — ivenigstens stimntungsmäßig — erkennen ließ, daß bei der großen Mehrzahl der Beteiligten der Wille vorhanden war, den Forderungen der Reformer so weit entgegenzukommen, als die Treue gegenüber dem bewährten Alten das eben zuläßt. Besonders weit ging anscheinend die Bereit schäft zur Reform der Lehrerbildung, obwohl bas Endergebnis auch hier zwiespältig blieb. Dem Ausbau eines eiitheitlicheii Schulwesens wird grundsätzlich fein Hindernis entgegenstehen. Das aber war deutlich zu erkennen, baß der Versuch, die Grundschule über mehr als 4 Fahre zu er strecken, stärkstem Widerstand begegnen würde. Die Probleme der. konfessionellen oder nichtkonfessio anlassung der Regierung nicht behandelt, auch nicht nellen Gestaltung der Schule wurden auf Ver- in ben Ausschüssen.
Die Entscheidung über die Stellung des Reichs werden Regierung und Reichstag zu treffen haben. Die Reichsschulkonferenz hat ihnen von der schve- ren Verantwortung, die mit dieser Aufgabe zusammenhängt, einfach gar nichts abgenommen.
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Aus Hoffen.
Finanzausschuß.
RMK. Darmstadt, 2. Juli. Die heute fortgesetzten Beratungen des Finanzausschusses des Landtages ergaben bei Kap. 32, Tierärztlicher Dienst, und Kap. 33, Hebammeulehranstalt in Mainz, keine Beanstandungen Fit Kap. 34, Landesheil- und Pflegeanstalten sowie Heilanstalt für Nervöse in Gießen, wird Sie Unmöglichkeit der Durchführung des beantragten A ch t st unbe u - tags für Wärter und Wärterinnen festgestellt. Es sollen über diese Angelegenheit nochmals Verhandlungen mit der Regierung statt- finden. Kap. 35, Anstalt für Blödsinnige, Alicestift Darmstadt, wird genehmigt. Zu Kap. 36, Gesundheitspflege, wird angeregt, ob es mit Rücksicht aus die in der Epileptischen Anstalt in Nieber- ramstadt herrschenden Verhältnisse angezeigr erscheine, die Anstalt in staatliche Leitung zu ül>er- ncbmvn, zudem durch die Zuschüsse des Staates ein gewisses Aufsichtsrech-. gerechtfertigt erscheint. Die Regierung soll weiter über die Mitte! zur Bekäntpfung der stark verbreiteten Tuberkulose befragt werden, da der angeforderte Betrag zu gering erscheint. Kap. 37, Armertpflege, 38, Staat!. Unterstützungskasse, werben genehmigt. In Kap. 39, Jnvalidenversorgung, wirb die Dar inst ä d ter Ze i tun g und die von ihr vertretene Politik besprochen und von einer Seite beanstandet. Auch das Kreisblattwesen soll mit dec Regierung einer eingehenden Aussprache unterzogen werben. Kap. 40, Bankbesoldungssonds, Kap. 41, Fonds für öffentliche und gemeinnützige Zwecke, 42, Nichtstaatliche Bausachen, 43, Hochbauwesen, werden nicht beanstandet. In Kap. 44, Kunststraßenwesen, wird der bisherige Staatszuschuß von einer Million Mark mit Rücksicht auf ben sehr schlechten Zustand der Straßen für zu gering erachtet. Da der Zustand zum größten Teil auf die Kriegsverhältnisse bzw. auf die Demobilisation und ben starken Lastkraftwagenverkehr verursacht wurde, wird angeregt, daß das Reich einen größeren Zuschuß zu der Wiederherstellung der Straßen leiste. Bei Kap. 45, Landesamt für das Bildungswesen, wird die starke Vermehrung der Beamtenstellcn, die sich sowohl hier, wie auch in anderen staatlichen Betrieben zeigt, beanstandet. Kap. 46, Stellvertretungs- und Aushilfskosten, 47, Postgebühren, werben genehmigt. Bei Kap. 48, Lehrerseminarien, wird von einer Seite bie Erhöhung des für bedürftige Seminaristen in Höhe von 30 000 Mk. vorgesehenen^Zu- fchusses gefordert, während von anderer Seite davor gewarnt wird, allzuviele Zuschüsse zu ge- roären, um zu vermeiden, daß allzuviele vorgebil- bete Seminaristen bei dem jetzt sehr verteuerten Studium dieses nicht abbredjen müssen, sonst werben hierburch nicht nur viele halb fertige Existenzen geschaffen, für die schließlich der Staat erneute Opfer bringen muß. Hier wird auch angeregt, bie Vergütungen für die Schulrechner zu erhöhen. Die Regierung soll weiter wegen des Programms über bie Umgestaltung der Lehrerbildung um Auskunft gebeten werben. Kap 49, Volksschulen, Hier wirb bie auf 200 Mk. festgesetzte Vergütung für Lehrer, die an besonders ungünstigen Stellen ! untergebracht sind, für zu gering erachtet, von anderer Seite wird die Notwendigkeit dieser Vergütung bestritten. — Nächste Sitzung Freitag.
RMK. Darmstadt, 2. Juli. Fn brr heute fortgesetzten Beratung des Finanzausschusses wurde! in Kap 50, Zeichenunterricht, brr Meinung Aus I druck gegeben, laß man dieses Kapitel im Vor I anschlag st reichen kötme, wenn wirklich ausgebil-I bete Fachlehrer in ben einzelnen Schulen beschäftigt I wären. Kap. 51, Taubstummen Anstalt, und Kap ! 52, Blindenanstalt, werden ohne Aussprache genehmigt. Bei Kap. 53, Gymnasien usw, wirb eine Rücksprache mit der Regierung für erforber lief) erachtet bezüglich des gewaltigen Steigens der Zuschüsse der Gemeinden zu den einzelnen Schu len und wegen der Verdoppelung des Schulgeldes. Kap. 54, Höhere Bürgerschulen, 55, Kunstpflege, 56, Jugendpflege, 57, Volksbildung und 57a, Förderung der Kunst, werden nicht beanstandet Bei Kap. 58, Techn. Hochschule, werden von der Regierung noch Aufllarung über den Abbau der erhöhten Kol leg gelber gefordert, so er Treulich auch die erhöhten Einnahmen an sich bc grüßt roerben. Tie gleichen Auskünfte auch bezüglich verscl iedener neu angeforderter Stellen sollen amb bei Kap. 59, Landes Universität, von der Regierung erbeten w.ro.n. Kap. 60, Landesbibi io thck, 61, Landesmuseum, Kap. 62, Förderung der Landesgeschichte, 63, Geophysikalischer San» desdiensl, finden Gnehmigung. Zu Kap. 64, Hochbauwesen, sollen bezüglich verschiß bencr größerer baulicher Herstellungen von der Regierung Aufklärungen erbeten werden. Kapitel 65, Denkmalpflege, wirb genehmigt Der nächste Hauptabschnitt wirb von der Beratung ausgesetzt. Kap. 86, Bergbau, 87, Forderung des Handels, 88, Techn. und Privatanstalten, 89, Förderung des Handwerks, 91, Tampfkefselprüsimg, werden 'nicht dronslundri In Kap. 92, Aichwesen, wird von der Regierung bezüglich zweier neuer Stellen um Aufklärung gebeten. Kap. 93, Zentralstelle für die Gewerbe, wird angenommen. Bei Kap. 94, Ehern Prüfungsstation Darmstadt, wird beanftanber, daß trotz der erhöhten Gebühren für Untersuchungen und Gutachten sich die Einnahmen verringert haben. Kap. 95, Gewerbl. Unterrichtsanstalt, foll die Regierung über die unterschiedliche Höhe des Staatsbeitrags bei den verschiedenen Fachschulen Auskunft geben. Kap. 96, Kunstgewerbliche und gewerbliche Zwecke, wird genehmigt.
Nächste Sitzung Dienstag.
Auch Iber dritte (Petitivns.! Ausschuss der Kam- L-ner erledigte in feinen gestern und heute unter dem Vorsitz des Abg. Tr. Ur stabt erfolgten Beratungen eine reichhaltige Tagesordnung. Zunächst wird der Antrag des Abg. Lang bett, die Einführung der Zeitkarten 4. K lasse gutgehri- ßen und die inzwischen getroffene Neueinrichtung begrüßt, aber gewünscht, daß neben den neuen auch woch die alten Karten dabei geführt iverdeu. Verschiedene Vorstellungen des Saarvereins Berlin, der Arbeitsgemeinschast Wahrheit, der Frau Klein We.rms', des Rrichsbundss der Kriegsbeschädigten, der städtischen Bureaübilfsfräfte in Mainz, des Fuftizrates Lind ^D-arinstadt), des P. Weidmann I in Elmsltztusen, der Handelsöammer Darmstadt bett. Sozialisierung des Kohlensyndikats und des |0unb Ludwigshöhe werden für erledigt erklärt. Die Regierungsvorlagen bett, die Ersatzwahl Scherer Nuß, Ersatzwahl Grtcber-Neff, Strafähr-Rimbach und Schloß-Tauber-Bischofsheinr, Anttag Häuser bett. Maifetertag, Antrag Frau Hattemer tetr. Kindersterblichkeit, Vorstellung betr. Schornsteinfeger Keil (Gießen), Vorstellung Greis (Ingelheim) roerbeit antragsgemäß erledigt. Eine Vorstellung bett. Familiengesetzgebung wich der Regierung als Material überwiesen- ein Mttrag des Abg. Sriel bett. Belagerungszustand wirb zurückgezogen.
Aus Stadt unS (and.
Gießen, den 3. Juli 1920.
Woher kommt die Trockenheit?
Non Tr. August Kilbinger von der Wetterbienststelle Gießen.,
Hütte mer en gute Rege! So hört man überall (lagen. Der Kleingärtner, der Gärtner und der Bauersmann, alle stöhnen sie unter der entsetzte cken Trockenheit, bie nun schon Wochen und Wochen au hält Der feuchtwarme Frühling hatte zu ben schönsten Hoffnungen berechtigt, aber man hatte die .Rechmutg ohne ben Wettergvtt gemacht. Selbst die (tewitter schienen sich verschworen zu. haben, uns ihr lebenspendettdcs Naß vorenthalten zu nroltert. Wir scheinen jetzt so ziemlich am Ende der Trocken- periode an gelangt zu sein und da lohnt es sich, einmal zu fragen, welches wohl die Ursachen der selben gewesen fern mögen. 9Ebcr da stehett wir armen Menschlein vor einem Mtsel. Zwar können wir manck)es erkennen und in Zusammenhang briro- gen, doch die letzten Erkemitnisse sind uns vorenthalten. 1 . „
Die Regen bringe r sind tm allgemernen dre Tiefdruckgebiete und im Gegensatz dazu bringen uns die Hochdruckgebiete klares, trockenes Wetter. Im Frühjahr, besonders im Slpril, da folgen sich die Tiefs in imunterbrochener Reihe: sie kommen vvn Westen, vom Atlmitischen Ozean, uttb gehen etwa über die Nordsee nach Osten. Wenn sie nahe genug an uns vorüberziehen, dann bekommen
wir Regen, geben sie aber weit von nnS, hoch nit Norden an uns vorbei, bann bleibt auch der Regen mro Zu anderen Fabreszeiten kann es aber auch loriommot, daß die ganze Beweg^mg der Lust- bnufgebiete fast zum Stillsunü) tonnnl, bann lirat vielleicht über Deutschland ein ausgedehntes .voax brudgebiet, das sich nicht rübrt uni> nicht reg^, bann tonn aus dem wolkenlosen Himmel bte Sonne »ingehindert ihre versengenden Sttahlen auf die atme Erde senden und ein trockener Osbornd holt ben letzten Rest der Feuchtigkett aus dem Bobew, Weit weg von uns liegen bann die Tiefdruckgebiete, aber der Weg zu uns ist ihnen versperrt. Darin besteht ber Haupt unterschied zwischen der feuchte» FrülstahrSwitterung lutb ber jetzigen Trockenheit, Im Frühjahr ber rasche Wechsel der Lustdruckgebiete und jetzt ber Stillstand ober nur eine ganz langsame Bewegung. Am Bawmeter äußerl sich dies im Frülyahr in schnell wechselndem Falle» und .Steigen und jetzt in einer fast gänzlichen Be- wegungslasigkeit des Zeigers. So ivei: geht bie Erllänlng ganz schön. Wenn man aber fragt, warum bewegen sich die Luftdruckgebirte geruhe so und nicht anders rum, da versagt die Wisstn- sckaft. Zwar kann man Theorien aufstellen, aber grau ist alle Theorie. Drum will ich davon schweb« gen, denn es kann sein, daß. sich die Luftdruckgebiete im nächsten Fahre auch mal anders rum bewegen. Nur eins ist twch zu sagen: Seit den letzten vier Fahren folgt in unserer liegend einem feuchten Frühjahr mit der Pünttlichtelt eines Frio- densfahrplanes eine längere Trockenheitsperiode und dieser ein naßkalter Herbst. Es ist schon vieles, geschrieben mürben über einen allmählichen Jblioüiz» Umschwung in unseren Breiten. Tatsächlich hat in ben letzten 50 Fahren die mittlere Jahrestemperatur stark zugenommen. Vielleicht ist dte ständige Tvockenhett im Frühsvmmer zu einer unangenehmen Dauererscheinung für unsere l'tegcnb geworden. ' Wir wollen es nicht hoffen, aber es ist lwtzdem .gut, wenn man mit dieser Erscheinung rechnet. Deshalb ist es unbedingt notwendig, daß wir mit der Frühtahrsbobenseuchtigkeck hauSh-ll- tcrifd) umgehen und uns dieselbe möglichst lange im Boden zu erhalten suchen. Dies können wir, ivenn wir im Garten und auf dem Acker Die -oberste Bodenschicht immer locker halten. Dann werben ‘bie feinen Boden Poren zerstört, in denen das Wasser an bie Bobeuoberst'iche steigt und in die Lust verdunstet. Die lockere Schicht verhindert drs Verdunsten uno erhält die Bodenjeuchtigteit auch bei grober Trockenheit Durch dieses einfache Nüttel gelingt es uns auch hier, zu sparen und dem ungnädigen Wettergvtt ztl trotzen.
** Baustrossbewirtschaftung. Noch einer Bekanntmachung des hessischen Staats.'om- missars für wirtschaftliche Demobilmachung können zunächst dis 15. ÄügustiohnekFrergab e schein die Ziegeleien bis 2000 Stück Backsteine unb^ ovo iObanat und Einzelverbraucher, 2000 Stück Diate ncgeröyren pro Monat und Einzelverbraucher ab* geben. Die Baumaterialienhändler können bis 2500 Kg. oder 50 Sack Kalk pro Monat imÜ Einzelverbraucher liefern. Das von den Kreis bau* inö?eEuren ^bzw. Stadt. Baupolizeiämtertt durch Freigabeschein freriu gibt nix Baumat er ia- lienUntingent wird wie folgt erhöht: Backsteine, Avbruchsteine, bis zu 5000 Stück, Biberschwänze 1500 Stück, Falzziegel, Tachpsmrnen, Zementziegcl 1000 Stück, Trainageröhren 5000 Stück, Kalk 15 000 Kilogramm oder 325 Sack pro Monat und Baustelle. Für Zement ist die gleiche Erleichterung beabsichtigt. 1 Größere Mengen werben im gleichen Verfahren wie bisher von der Baustoffbeschasfungs- stelle für Hessen, Sitz FranTfurt «Main), Ober-* mamsttaße 51, freigegeben. Mit Rücksicht auf ben zur Zeit vorhandenen Vorrat an Baumaterialien werden bis auf weiteres Freigabescheine auch für solche Bauten ausgestellt, deren Ausführung einem wirtschaftlichen Interesse entspricht, bereit Belte- serung sich jedoch bisher durch die B au stv ffknapp- Izeit verbot. Voraussetzung ist dabei, daß die Erzeugnisse im Inland bleiben und keine Gefährdung der Baustofsbelieserung für den Wohiumgs- und «Siedlungsbau eintritt. — In diesem Zusammen- lxing fei auf eine Anzeige verwiesen, die eine alte Firma in einem auswärtigen Blatt veröffentlicht: , Gr0ßer Preisabschlag in Baumaterialien. Um auch für Baumaterialien einen Preisabschlag 'Herbrizuführen, habe ich feit Mon- iag fast alle Artikel teilweise ganz bedeutend tm Preise zurückgesetzt, u. a. Dachpappe, Sackkalk, Stuckgips, 'Zement, Ringofen steine, Schwemmsteine, ' Zementdielen, Chamottesteine, Wetßkalk usw." Hoffentlich eifern andere firmen diesem guten Beispiel nach, damit Ixtlb wteder an Wohnungsbauteil 'zu denken ist,
♦* Oef sentliche Bücher Halle. Im Juni wurden 2248 Bände aus gegeben. Davon kommett auf: Erzählende Literatur 1449, Zett-, schristen 139, Jugendschriftett 164, Ltteratur- geschickte 17, Gedichte und Dramen 40, Länder- wkd' Völkerkunde 75, Külturgesck)ichte 38, Geschichte und Biographien 75, KUnftgeschtchte 21, Naturwissenschaft und Technologie 89, Haus- und Landwirtschaft 11, Gesundheitslehre 14, Relt- gion und Philosophie 41, StaatswiNenichaft 26,
Daher kehrten wir zu dem alten Palazzo zurück, und Pasquale führte mich über ben großen, gepflasterten Hof zu einem Eisengitter im Htnter- grund, unb von da aus einige Schritte m den Garten hinunter, ber in früheren Zeiten einmal ordentlich gehalten gewesen sein mochte, aber nunmehr eine 'ordnungslose Wildnis geworden war. Sogar die Drangen auf den Bäumen sahen verfault aus, die Oleander trugen halboerkrüppelte, kränkltch aus- schende Blüten, und große Büsche unbLschntttenen Buchses standen allenthalben m ordnungslofen Gruppen herum. Wo einst Blumenbeete geroeien, erblickte ick nur noch durchnäßte und von Unkraut überwucherte Erde, und die Gartenpfade waren von einem besonders unerquicklich aussehenden Moos überwachsen und schlüpfrig. Fn der Mttte stand ein großer Brunnen, mit tieiem, wettern Bal sm, auf dem eine von Delphinen umgebene, verwttterie Nymphe stand: das Wasser in den« Beck«t, em ungewöhnlicher Fall in Rom, der Stadt der Brunnen, war schmutzig und übelriechend, und kem Fisch hätte es auch nur eine stunde lang dann ausgekwlten.
All dies beobachtete ich mit einem einzigen Blick, während Pasquale mir erzählte.
Tas ist ber Fleck, gerade hier, sagte er. Ich habe alles durch das Gitter mit angelegen. Ihr Vater stand dort, gerade neben dieser Lotemetche, wobei ihm ein sehr ungünstiges Licht m d« Augen fiel. Ter Graf stand ihm gegenüber, nahe bet jenem
Lorbeerbusch. Dann legten sie los: Stoß und Gegenstoß, volle zehn Minuten lang! Es schien mir, daß Ihr Vater besser focht und liegen würde, als er plötzlich ausglitt und dann —
Und dann was? —
Die Stimme, die diese Frage aussprach, war in unserem Rücken erklungen. Ich wandte mich rasch um unb zu meiner geheimen Freude sah ich mich Atcg in Auge dem Ervgrafen gegenüber.
Sie kommen im richtigen Augenblick! rief ich aus, unb uh werbe Ihnen Ihre Frage selber beante Worten: Und bann, trotzdem Ste sahen, daß Ihr Gegner älter war als Sie selber, stießen trie meinem Vater FH rett Degen in den Leib. Das war edel, das war ritterlich gehandelt, Herr Graf!
Dec Erbgraf erbleichte vor Wut.
Da Sie mich beleidigen, Herr Doktor ’ßeri* gord, gebe ich Ihnen die Beleidigimg zurück. Sie sind ein Lügner!
Gut — ausgezeichnet! rief ich. Das verend facht die Sache. Sie haben des Grafen Worte vernommen, Pasquale. Bleiben Sie da! Stelten Ste sich ans Gittertor und lassen Sie niemand heremj Und vor allem, behalten Sie Ihre Augen und Ohren gut offen! So, ich bin also ent Lügner? fügte ich. mich wieder an den ©raren roenbenö, hinzu. Für dieses Wort sollen Sie mrr Rede flehen, (Fortsetzung folgt.)


