Einzelbild herunterladen

Nr. 128 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Donnerstag, 3. Juni 1920

Aus Stadt und Land.

G i e tz e n, ten 3. Ium 1920.

Der 1000 Mark-Beitrag der Fernsprech­teilnehmer.

Nach dem am 1. Juli in Kvaft trefcnten Ge­setz über bte Fernsprechgebühren haben die Fern- sprechieilnel/mer -um Ausbau des Fe arsprechnetzcs einen einmaligen Beiwag von 1000 Mr. für jeten Hauptanschluß und von 200 Mk. für jes-cn Neben- anschluß y.t .e. en Wie der ReiWposlmi ver setzt b 5amrt gibt, fot en bie.e einmaligen Beträge in vierteljährlichen Te il - ahln n g e n von 2 5 0 M k und von 50 Mk. erhoben werden. Die erste Deilz-chluug ist aml.Oktober 19 20 fällig. Ten Teilnehmern steht ater frei, den gvnKeia Btuag auf einmal zu entridjhn. An- 1 träge von Teilnehmern, Zahlungen auf einen län­geren Zeitraum au^nbehnen, sind nach Anweisung des Ministers zu prüfen und yu genehmigt n, wenn be'iondevcs wirtschaftlicktes Bedürfnis vor.iegt. Die Beträge werden von dem auf die Einzahlung fol­genden Monate mit 4 v. H. verzinst und dem Teftitehmer bei Aufhebung des Anschlusses zu- rückgezal)lt.

** Amtliche Personalnachrrchten. Turch Entschließung des Landesamts für das Br'.- dungswesen Wurde ter Lehramtsrese-endar IWikhelm Kr ieb zu Friedberg zum Lehramlsassessor ernannt.

** Ter Preisrückgang und die Ei sen bahn Verwaltung. Jnf.lgeder Wertt- fieigerung der Marr unb des Rückganges der Preise für Rvhsfafse h t de Zw ig'el e Pv.ußen-Hessen des Reichsverfahrsminis'e'.iums die Eisenbal^n- direklion-en mid d's Ei'cnbckhn-Zentnalamt an­gewiesen, bei der Beschaffung von Rohstoffen und sonstigen HJiateri-alijn mit te'onterer Bor icht zu Merke zu gehen. Zurückhaltung ist vor ackern zu üben bei Stoff in. von welchen -in größerer Vorrat be'.e't jter d rch Lie e>ungstx.rträge ge- fidxrt ist. Soweit ni.ht for l n ende Be'chasfim- gen nötig sind, sollen langrrf'igc Lreserungs- rertröge durch kurz' i ige M'ch üse ersetzt wer-- den, die der Preisbewegung schnell angepatzt wer­den können. Ti s gilt auch für Wertte cbinduugs- berttäge, für Verträge auf Lieferung von Maschv- nen und Werkzeugen, auf Ausführung von Bru­ten usw. Soweit gleitende Preie vereinbart ftnD, must sobald als möglich auf Anpassung der Preise an h e Gestehungsvosten auch zum Vorteil her Eisenbähnverwaltnng Ungewirkt n« den. Tie wei­tere Gestaltung der Preise sock überall forgfäitig beobachtet und mit Umsicht und Geschick ausgenutzt werden.

** Aufhebung des Landkarten­verbots. Landfarten, auch in Relief, dursten während teä Krieges aus militärischen Gründm nicht hi Maßstäben unter 1:100 000 verkauft, vertrieben oder verschickt werden. Ties gilt auch für Reiseführer, Ortsbeschreibungen usw. Tas Ver­bot ist vom Heev.s^bwicklnngsbau pdamt Efgehoben worden. Auch auf den Bahnhöstn dürfen letzt wieder Karten ausgehängt werden.

Landkreis Gießen.

ft. Steinbach, 2. Juni. Am vergangenen Sonntag fand hier die Einweihung des in den schönen Anlagen unseres evang. Friedhofes errichteten Ehrenmales statt. Nach einem feierlichen Gottesdienst, an dem sich die hiesigen Vereine und die ganze Gemeinde beteiligten, ver­sammelten sich sämtliche Teilnehmer um das für die gefallenen Gemeindeglieder errichtete Ehren­mal. Die Weiherede hielt der Ortsgeistliche. Ge­schulte und gut vorgetragene Chöre der beiden hiesigen Gesangvereine umrahmten die Feier. Das Ehrenmal ist schlicht und einfach. Aus einer Felsyrolte, die aus Basaltblöcken, wie sie unser heimischer Wald gab, zusammengesetzt wurde, er­hebt sich ein 2 Meter hoher Findlingstein. Auf diesem ist eine Granittafel angebracht mit der Inschrift:Den gefallenen Söhnen die dankbare Heimat. 19141918." Auf einer Ehrentafel, die in der Turnhalle unserer Kirche noch angebracht werden soll, werden dann die Namen hier 28 ge­fallenen und 4 vermissten Gemeindeglieder an­gebracht werden. Unsere Gemeinde dürfte wohl die erste im Kreise sein, in deren Mitte ein solches Ehrenmal errichtet wurde.

st. Steinbach, 3. Juni. Wie unsere Ge­meinde wohl die erste im Kreise ist, die auf ihrem Friedl.tös einen Ehrenhain für ihre gefallenen An­gehörigen errichtet hat, so ist sie wohl auch eine der ersten, die mietet Ersatz hat für ihre ab ge­lieferten Orgelpfeifen und Glocken. Für die ab­gelieferten Orgelpfeifen 'hat die Finna Förster u. Nioolaus-Lich schon vor Ostern 1919 neue Pfeifen aus Zink mit Älumininmüberzug eingebaut. Dieses Führ erklang auf Ostern ein neues Geläute. Ter Guß der drei neuen Glocken wurde der bekannten Glockengießerei T. W. Rincker-Sinn übertragen. Ta es sich um Glocken aus Edelstahl handelte, wurden sie in Wetzlar bei Buderus gegossen. Nicht nur die Reinheit der Töne, sondern auch die Unter» und Nebentöne, die mftklmgen, lassen das Geläute harmonisch erklingen. Am Palmsonntag wurden

die neuen Glocken gereiht. Tas Geläute klingt wie das Geläute der Johannisiirche zu Gießen, mit dem es schon oft verwechselt wurde.

Kreis Alsfeld.

c. Alsfeld, 2. Juni. Der hiesige Zweig­verein d s Vogelsberger Höhen-ClnbZ, der letzt über 200 Mitglieder zählt mit germei'er Dr. Bölsing als 1. Bor.itzenteii, trägt sich mit der Ab­sicht, auf dem zwischen hier nid Schwarz gele­genen Auerberg einen Aus ichlsturm zu er- aichten. Cs belebt bereits .in Grünte vck, und der Vorstand wurde crmächigt, dem Fonds jähr­lich einen tes.imm en Betv g zuzusü reu, damit der Plan bald verwirklicht werben fa.it n.

Kreis Schotten.

e. Schotten, 2. Juni. In tem hiesigen Rafhausfaale wird Sonntag den 13. Juni ein amtHdjcr Kreis-Feuer webrtag >abg^halten, an dem die Befehlshaber dcr örtlichen Feuefwrhvm, deren Stellvert.e er, sowie t-ie f8ürgcrmtij>r t'il- nehmen. An die Tagung schließt sich eine Hebung der hiesigen fteiroiKrgen Feuerwehr an.

Kreis Fn dberg.

Bad-Nauheim, 3. Juni. Heute fin­det im Konzerthaus ein Ensemble-Gastspiel von Mitgliedern des Frankfurter Opernhauses mit der beliebten Millöcker- schen OperetteDer Bettelstudent" statt. In den Hauptpartien wirkt u. a. der Operettenkomiker Alois Resni mit, der gelegentlich der Erstaufführung dieser Operette während der Besetzung Frankfurts durch die Franzosen verhaftet wurde und eine achttägige Freiheitsstrafe verbüßen mußte. Der Chor besteht aus 28 Personen. Das Orchester ist die staatliche Kurkapelle; die mnsi- kaliiche Leitung: Kapellmeister Walter La Porte.

Handel.

Berlin, 2. Juni. Börsenstimmungs­bild. Durch Len im Aus and cingetretenen Rück­schlag in der Besserung des Markckrrses hat auch in Berlin zu Beginn irr Börse ein Umschwung in der Kürsbildmig der AuslandsteVisen stattgefun­den. Tiefe waren im freien Verkehr stark gcsuck-t unb für die maßgebenden Plätze wesentlich höher. Ties beeinflußte auch den in der letzten Zeit zi>m- lich gereinigten Aktienmarft günfttg, zumal man sich der Hoffnung hingab, daß der drohende Vank- beamtenstreik doch vermiedest werden wird. Der Kursstand hob sich bei zeftwei'e etwas lebhaf­terem Geschäft bei einigen Papieren bis zu 10 Pro­zent, doch stellten sich Bismarckhütte, Phönix, Rheinische Braunkohle, Gebr. Böhler, Neu-Guinea, Otavi, Schantimg und Teutfck-U.b r'ee über btefen Satz hinaus teilweise beträchtlich Haler. Angeregt war das Geschäst später besonders in Petroleum- werten, wie ©teaua Romana, die nahezu 200 Prozent gewannen, Deutschen Petroleum- uwd Erv- öl-Aktien, die sich in geringerem Ausmaß höher stellten. KolonialwTrtr erführen bei ce Ingen Um­sätzen gleichfalls eine wesentliche hühere B'Wer­tung. Banlattien behaupte en ihren Kursstand. Am Rentermrarkt ist eine zw^ipwzentige Erhöhung der dreiprozentigen Reichsanleite zu erwckhneii. Sonst 'bat sich hier bis auf die gleichfalls höheren Mexikaner und Türtenlv'e nichts verändert. Bei etwas lebhafterem Geschäft blieb die feste Grund­stimmung auch weiterhin voll erhalten.

Frankfurt a. M.. 2. Juni. Bürsen- stimmungsbi-d. An oer Abendliörse setzte sich die Aufwärtsbewegung fort. Das Geschäft verlies lkbhast. Ztunächst zeigte sich besonders für Aiis- laardswerte eine rege Kmrflust infolge der festen Mtinig der Devisenkurse. Deutsche Petroleum wurden weiter gesteigert (615 Ais 617. bis 614). Neu-Guinea (590.), auch Olavi-Minen zu höheren Kursen gesucht. Schantimgbahu mit 600. bis 601 Vs plus 11 Vs Prozent. Deutsth-Uebersee- Elektrische 830 ä 840 ä 835 plus 45 Poozcnt, fest lagen auch Schuckert (172.), Fetten u. Guille­aume (365.), Norchd. Lloyd (163.), «Schantnng- Genußscheine (2600.). Auf dem Montanaktien- fmarft sind Deutsch-LureTnburg auf spekulative Käufe um 4 Prozent höher (266.). Erwähn etis- Kvert sind ferner Phönix Bergbau (379. plus 10 Prozent), Mannesmann (315. plus 8 Proz.) totb stiegen an der NackÄorse um weitere 5 Proz. auf 320.. Kali Westeregeln 630. plus 29.. Kassaindustriepapiere verbesserten ebenfalls ihre .Kurse. Farbwerte Mühlheim mit 250. plus 5.. (In Mexikaner war großes Geschäft. 5 Prozent Silbermexikaner gewannen 25 Prozent auf 285.. 5 Prozent Gvldmerikaner 10 Prozent auf 340.. Rumänen lagen fest. Der Schluß war (eW;aft bei durchweg anziehenden Kursen. 5 Prozent Reichs­anleihe 795/<.

hl. G roß -> llmstabt, 2. Juni. Heber 500 Prozent Verdienst haben die bisherigen Aktionäre der Zuckerfabrik Groß-Umstadt erzielt. Die Zuckerfabrik wurde vor kurzem verlaust. Die Aktionäre erhalten jetzt ihr Geld zurück, und zwar für je einen Anteilschein, für den 250 Mll bezahlt wurden, statt 250 Mk. die Summe von 1375 Mk.

Wien, 2. Juni. (Wiolff.) Um die Einfuhr der Noten ber österreichisch-ungari­schen Bank einer schärferen Kontrolle zu unter­ziehen, verfügte das St-aatsamt für die Finanzen, daß die Cinflchr von Banknoten dr österreichisch- ungarischen Bmik, ob abgef.enu.rlt oder nicht, so­mit auch ter deutschösl'erteichi.clen gestempelten Noten, nur mit besoud rer Genelnnigung der Dc- vi len zentrale gestattet ist. Im Einr-.isererliehr ist die Cinbrmgung von 2000 Kronen drutsch-öster- reichischer gestempelter Noten per Kops gestattet. Die tschecho-'lowakifchen Steatsnvten u"d die jugv- slann,ck)en K.onen- und Dinartiaten können un­beschränkt ein geführt werten.

Frankfurt a. M., 3. Ium.

Devisenmarkt.

Geld Brief Geld Brief Datum: 1. Juni 2. Juni

Amsterdam - Notterd. 1408,601411,40 1508,50 1511,50

Brussel-Antwerpen . Christi ania .Kopenhagen Stockholm Helsingsors Italien London New-Pork Paris Schweiz Spanien Wien (altes) .... Deutsch-Oesterr. abg. Prag Budapest Bulgarien Konstantinopel. . . .

314,70 315,30 324,65 325,35 684,30 685,70 719,25 720,75

654,30 655,70 694,30 695,70 824,20 825,80 889,10 890,90 204,80 205,20 199,80 200,20 224,75 252,25 239,75 240,25

151,35 151,65 163,85 164,15

39,20 39,80 42,95 43,05 299,70 300,30 327,20 327,80 701,80 703,20 759,25 760,75

634,35 635,«5 679,30 680,70

18,98 19,02 18,98 19,02

27,72 27,78 27,72 27,78 86,- 86,20 90,90 91,10

21,72 21,78 22,72 22,78

Börsenkurse.

Frankfurt Berlin Abend- Abend- Schluß- Schluß- Kurs Kurs Kurs Kurs

Datum-. 1.6. 2.6. 1.6. 2.6.

57*Deut.flTkqsanL 79,75 79,75 79,75 79,75

4"/Deut.Reichsanl. 74,90 74,90

3°/Deut.Re'chsanl. 64,- 64, -

4°/g Preutz. Konsol»74,30 73,75

Darmstädter Bank 154,- 154,50

Deutsche Bank. . . 264,50 261,- 258,-

Dis conto-Ges-Usch. -,- 193,50 193,25

DresdenerBnik. .163,25 166,

Nationalbank s. D.144,- 137,-

Mitteld.Cred-tbank 155,- 155,- 154,50 154,-

^.-Amerik.-Pakctf. -,- 160,- 162,25

Norddeutsche» Lloyd -,- 164,- 161,25 162,50

Boch.GußstahIwrk. -,- -,- 236,- 214,-

D.'Luxemb.Bergw. 252,- 266,- 249,50 263,-

Gelsenkirch.Bergw. 270,- 283,- 271,- 280,75

Harpener Bergbau 249,- 260,50 252, 258,-

Oberschl.Eisenb.-L -,- -,- 175,- 178,

Oberschles.Eisenind. -,- 209,- 212,-

Phönix-Brgb.-Akt. 356,- 379,- 346,- 373,-

Bad.Anilin-u.Soda 409,50 -,- 400,- 410,-

HöchsterFarbwerk« 310, 345, - 335,- 335, -

Elektr. 21. E. (8. . . 253,- 262,- 252,- 260,-

Schuckert-TUerke. . -,- 172,- 167,- 172,50

FeltenLGuilleaume 340,- 365,- 340,- 370,-

Daimler -,- 212,50 207,50 208,-

Bud.-Lisenw.-Akt. -,- 250,- 237,- 243,50

Adlerwerke .... 216,- 218,25 217,50

4°/o Hejs. Saatsanl. -,- -,- 86,50 -,-

Electron Griesheim -,- -,- 298,50 296,50

Marknottermrgerr.

Datum: 1.6. 2.6.

Zürich 14,10 13,75

Amsterdam 9,65

Kopenhagen 15,65 14,65

Stockholm 12,75 11,75

Wien ........... 453,50 453,50

Märkte.

mit gutem Gelingen fort. Das Heft steht ganz unter dem Zeichen der wichtigsten Blüten schön heften deS Monats, der Schwertlftien und der Rhododendren und Azaleen. Den Iris ist eine große farbige Kunstbeilage gewidmet, die in 31 prächtigen Por­träts die schönsten Neuzüchtungen der letzten Jahre in Farbe und Zeichnung mit größter Treue wider-- gibt. Der Mitherausgeber Karl Foerster hab einen ausführlichen Aufsatz dazu geschrieben.

Gleichen-Rußwurm: Dft goftsÄe Welt. Sitten unb Gebräuche im spä.eu Mitteln aller. Prtts geheftet 14 Mk., geb. 18 Mk. Verlag Julius Hoffmann, Stuttgart. Ter Versft'sir g.üx tert seine Darstellung in gewis'e völkische und zeitliche Einheiten (z. B. dte Blütezeft der flau* drisclien Städte oder Venedigs), von ixiten er umfassende Bilder entwirft. Indem er die wirt­schaft licken Orunbtagen, ii'. Linien ber geschicht­lichen Entwich'uiig, die VvlÄ-anlagen, grillige Ideen unb sittlichen Kräfte zur Würdigung zu bringen weiß, gi'jt er dm Ganzen wirkungsvolle go* schichtsphil^foPhische Bertftsung.

Die Weltliteratur (Verlag Tie Welt­literatur, Berlin). Das neueste Heft mthält ehtige Beiträge von Grazia Deledda.

(In einem Test der Auflage wied-wholt.)

Die Unterzeichnung des Friedensvertrages für Ungarn.

Paris, 2. Juni. (WTB.) Die üngrrische FriedensdeLegation, die am 4. Juni den F r ben§ti er trag unterzeichnen wird, wird ntor> gen vormittag in Paris ein treffen.

Der Papst und der Völkerbund.

Rom, 1. Juni. (WTB.) Agenzia Stefcmi. Der Heilige Stuhl versichert nochmals lautOsser- vatore Romano", daß er nie um Zulassung rum Völkerbund nachgesucht habe, weder durch die Vermittlung eines englischen Staats­mannes noch des Grafen Salis, noch anderer PersönliiUeiten.

Kabinettskrisen.

Brüssel, 1. Juni. (WTB.) Havas.Libre Belgigue" behauptet, daß infolge der Rede des Ministers des Innern R e n k i n auf dem Katho- liken-Kongreß und ber deswegen am Mon­tag im Ministerrat ftattgehabten Debatte das Ka­binett sich virtuell in Demissionszustand befindet. Die Krise werde binnen kurzem öffentlich werden. Renkin werde demissionieren, was die Umbildung des Ministeriums nach sich ziehe, über dessen Um­fang man sich noch nicht aussprechen könne.

M adr i d, 1. Juni.. (WTB.) Havas. Es geht das Gerücht, daß Meinungsverschieden­heiten zwischen gewissen Kabinettsmitgliedem bestehen und daß unter Umständen bald das Aus­scheiden einiger Minister zu erwarten fei.

Die Lage am Schwarzen Meer.

London, 2. Juni. (WTB.) Unterhaus. In Erwiderung aus eine Anfrage über die Anwesenheit englischer Streitkräfte im Schwarzen Meer sagte Cong, die englischen Schiffe würden den Schiffsverkehr mit der Krim so lange schützen, bis zwischen ber Armee Wrangrls und der Sowjet­armee ber Waffenstillstand abgeschlossen worden sei. Die Verhandlungen über den Waffenstillstand würden demnächst beginnen. Ferner hätten die eng­lischen Kriegsschiffe Auftrag, einen Angriff Der Sowjettruppen entlang ber Küste nach Baku zu verhindern.

Krassin in London.

Paris, 2 Juin. (WTB.) Nach einer Mel-» düng desMatin" aus London soll Krassin bereite die Erlaubnis erhalten haben, in'London eine Art Filiale der russischen Gewerkschaften zu eröffnen. Krassin habe auch bereits in einer großen Londoner Bank ein Depot von einer Million Pfund hinterlegt.

Fra nkfur t a. M., 2. Jrnn. Ter heutige Pferde markt war von etwa 1600 Pferden, darunter vielen dänischen, beschickt. Für bestes Material mürben noch hohe Preise angelegt, doch machte sich während des Kaufgeschäfts der Einfluß der Valuta schon fühlbar geltend. Bei starker Nach- Ifragc wurden für Schlachtpferde sehr erhebliche Preise gezahlt. Den Hauptteil der Käufer stellten Saitbnnrte aus der näheren und weiteren Umgebung Frankfurts.

hl. Laasphe, 2. Juni. Der Schweine­markt war mit Ferkeln zahlreich beschickt, die flotten Absatz fanden. Der Preis beroegte sich bei 46 Wochen alten Ferkeln zwischen 180 bis 250 Mk. für das Stück, 68 Wochen alte Tiere kosteten 250 bis 300 Mk. Läuferschweine erzielten den Preis von 580 bis 600 Mk.

Müller'sche Badeanstalt. lWosferwärme der Sahat am 3. Juni: 17 Grad R.

Büchertisch.

, Gar tenschön beit". Das Machest dieser großangelegtenZeitschrift für Garten- und Mumenfreuno, für Liebhaber und Fachmann", die i"tzt im Berlage der Gartenschonheft in Bettin- Westend erscheint, setzt ihre Arbeft, die Freude an - Garten und Blumen zu wecken und zu Der tiefen,

Südafrika.

London, 2. Juni. (WTB.) Reuter erfährt, Südafrika würde in der Delegation des! englischen Reiches nicht vertteten sein, da die südafrikMiische Regierung der Meinung sei, daß ihre Ansichten zur Genüge bekannt sind.

Ein Dementi.

Berlin, 1. Juni. (Wolff.) Von zuständiger Seite wird mitgeteiU: Wie gegen viele Männer, die im politischen Leben an exponierter Stelle stel-eu inerten auch gegen einige Minister immer wieder Anschuldigungen erhobn, die ihre persön­liche Ehre schmälern sollen. Die schon einmal als plumpe Erfindung gebranbmarftc Behauptung eines westdeutschen Blattes, daß die preußischen Minister S e v e r i n g und Hänisch in eine Schieberaffäre verwickelt Men (es soll sich dabei um ein Geschäft mit einem Waggon Kakao han­teln) wird von Elementen, die damft ihre politt- sckien Geschäfte besorgen zu kömren glauben, jetzt immer wieder im Wahlkampf in zahlrftchen Fällen Dcrroentet. Es sei hier noch einmal ausdrücklich! festgestellt, daß die ganze Erzählung tenden­ziöser Schwindel ist. Die Minister haben bereits gegen das betreffende Blatt «Strafantrag gestellt und werten gegen alle Blätter und Per­sonen die sich dec Weiterverbreitung dieser Ehr­abschneider eien schuldig machen, auf dem Rechts­wege auf das Schärfste vorgehen.

Die Gräfin.

Roman von G. W. Ä p p l e t o n.

sNachdmck verboten.) Fortsetzung 49.

Am besten suchen wir es auf, ehe wir eine Meinung äußern. Auf jeden Fall wird die Srche immer interessanter, und ich bin neiig gespinnt.

In diesem Augenblick Run ein Polizist des Weges. Ich wandüe mich an ihn und erhielt sofitt die gewünschte AuSkmist.

Wir fanden, daß derHolly Tvee Lane" be­nannte Weg tem Blicke gwßentzils h>he Back- fteirantrueni bot, über die riesige Ulmen uno Wal­nußbäume berüterrag'.en: sonst war wenig zu ieten. Es dauerte nicht fange, bis nnr ein mor­sches Holztor entdeckten, von dem die Farbe bet» nahe völlig durch Wind und Wetter abgewasckien war. Auf dem roftigen Schildchen unter dem Glocken zug war ter N>ameMoittpelier" cm ge­graben.

Da waren wir ja, Dick, sagte ich, und ver­suchte das Tor auszustoßen, was mir indes nicht gelang. Es war sorgfältig zugefterrt.

Bis hieher hat uns Simpkins gesührt, meinte Tick. Wir werten uns schon mehr um die Lokalität kümmern als er. Wie lang bist du, Perigord?

Ohne Schuhe einen Meter sechsundalbtztg, er» Hiberte ich.

Breite tementspvechend, fügte er hinzu.

Man behauptet es wenigstens!

Gut. Es ist trocken heute, meine Stiefel sind nicht schmutzig. Halte daher tein verehrliches Haupt gegen die Mauer halt ein wenig! h>! und wemi ich mein Geld nicht völlig lüeggenxrrfen habe, das ich für Turnunterricht ausgegcben iMte, werte ich einen Blick über die Marler da werfen. Sir ist höchsten- etwas über drei Meter hoch.

Im nächsten Augenblick stand er auf meinen Schultern.

Bvavv, Tick! sagte ich, und nun, was siehst du?

Einen riesigen ©arten, verwahrlost unb ver­wachsen, erttnterte er, unb ungefähr dreißig Meter weit hinten ein Gebaute, das richtige Bild trost­loser Verwahrlosung. Je halber es abgerissen wird, desto teffer. Herrgott! Es sch.intert mich förm­lich. In dem Hause tonnte Bein Mensch wohnen.

Ta du schon mal oben bist, bemerkte ich, und du hast ein gutes Gewicht! so sieh dir ine Sache nur recht genau an. Gar nichts Bedächtiges zu fthen?

Nein doch halt! rief er plötzlich aus. Da steigt ja ans einem ter Kamine Rauch auf! Tas genügt. Halte fest! Ich Homme herunter.

Im nächsten Augenblick stund er wieder neben mir.

Somteirklar, tetz jemand in dem gottverlasse­nen Hause ist, sagte er. Darüber, Perigord, müssen wir nachdenken.

Mehr als nachten Sen! setzte ich hinzu.

Allerdings, psiichtete er mir bei, aber diesen Nachmittag können wir weiter nichts tun. To kommt jemand den Weg herunter. Am besten, wir drücken uns. Wir tonnen ja auf den Vorschlag des Portiers am Bckhnhos eiugeheu und uns in ten Weißen Löwen" verfügen.

Das taten wir denn auch.

Zweiundzwan-igsteS Kapitel.

Eine halbe ©tunte später waren wir ivicter auf dem Bahnhof unb eilten eben ten Bahnsteig auf ber Suche nach einem Raucherabteil in einem gerate ein gefahrenen Zug entlang, als ich ein paar Schritte vor mir eine Gestalt erblickte, de mir merkwürdig bekannt vor kam. Sofort hielt ich Dick zurück.

Halt mal, flüsterte ich ihm zu. Ich glaube, ich kenne den Menschen da im hellen Ueberziehw, gerate vor uns.

Während ich dies sagte, fahtte sich ber Herr halb um, ohne mich, wie es schien, zu beachten und stieg in den Zug ein.

Ganz gut, Tick. Wir wollen hier einfbetgen! Und als ter Zug sich in Bewegung setzte, fügte ich hinzu: Ich habe mich wirklich wicht geirrt.

Worin geirrt ? fragte Dick.

»der Persönlichl>eit jenes Burschen. Es

graf Fvangipani; und wenn er nichts von ter alten Dame weiß, wre er her Gräfin feier­

lich erd irrte, was zum Teufel führt ihn wach Putney? Kann das bloß ein Zufall fein?

Mir kommt es schon verdächttg vor po viel ist sicher, meinte Tick. Bist du ganz sicher, daß es ter Erbgvaf ist?

So sicher, als daß du der Herr Richard Molh- neux bist. Und ich hatte cs für einen sehr verdäch­tigen Umstand, daß er heute gerate hier in Pute my ist.

Es hat ten Anschein, als ob er der Gräfin) etwas itorgefluntert habe.

Allerdings scheint dem so zu sein erwiderte ich. Um so besser, wenn der Anschein sich bestätigen» würde. Gerade mit diesem Manne möchte ich ate rechnen. Tcr geieimnisrvlle Salviati nuereinert mich nicht, aber ich habe den sehnlicher, Wunsch mit dieser Kreatur, die meinen Bfter getötet hat ) könnte ihr kaltlächelnd das Lebenslicht aus- blasen, Tick! ein Wörtckzen zu ueten. Die alte Dame hat gesagt er habe ihn ennoitet, mtb sie sEe es doch wissen. Wie tvollen nnr diese Ge­schichte weilcrführen? Ter Raarch aus dmi Kamm! hat uns e'nert entfajcitenten Fingerzeig g-g, bnt sie ist dort, die arme Seele, und vor allem müssen^ toir sie befreien. Sollen wir das selber bewerkstelligen, .oter uns zum Beispiel Simpkins^ Beistand sichern?

(Fortsetzung folgt.)