des
Fortsetzung 53.
(Nachdruck verboten.)
als ein gutes
1 700 000 Mk.
700 000 „
300 000 „
1300 000 „
500 000 „
a) des Elektrizitätswerkes
b) des Gaswerkes
c) des Wasserwerkes
2. Behebung der Wohnungsnot
3. Sonstiges, Kursverluste, Stempel, Druck usw.
Au» Statt utifc Land.
Gießen, den 3. März. 1920.
Eine Anleihe der Stadt Gießen.
guTimg.
Beltretcrbesprechnug der heff. Handelskammern.
Darmstadt, 2. März. Am 23. Janwar 1920 hat eine Vertreterbespo;chung b?r hessischen Handelstommern in Frankfurt a. M. ftattgefunden, gelegentlich roelcfar die gro&m Bedenken der hessischen Handelskammern bezüglich ter Verordnung über Sondergerichte gegen! Schleichhandel und Preistreiberei zum Ausdruck gebracht wurden. Es wurde insbesondere g'- wünscht, es möchte die Ladungsfrist van 3 Tagen aus eine Woche erweitert, d:r Umfang der Bewns- aufnähme aus ein gewisses Miirinmm festges 'tzt und namentlich die Sachverständigenvernehmung sichergestellt und <ito Berufungsinstanz geschaffen werden. Bei Erörterung der Fragen d s Wiederaufbaues wurde gewünscht, cs möchte die V:r- teilung der Aufträge nicht durch Facl)gruppen, son- bcrn durch Bezirksstellen erfolgen. Echteres Ber- fahren habe sich bei Verteilung der H-eveslieserun- gen im Kriege bereits bewährt. Es kann 'hier auch die hessische Industrie stelle gute Dienste leisten. Die Aus üdrungsbei.immur.gen zum Umatzsteuer- gesetz gaben Veranlassung, aus die zahlreichen unb grofeen Unklarl-eiten dieses Gesuches einzugchen.
Geegespensier.
Roman von Anny Wothe.
Amerikanisches Copyright 1918 by Anny Wotiie-Mihu, Leipzig.
Die Tuberkulose in Hessen.
me. Darmstadt, 2. März. Wie sehr öte Tuberkulose auch hn ehemaligen Grvßherzog- tirrn Hessen während des Krieges zugenommen hat, zeigen ine Todesfälle an dieser Krankheit rm Mter von 15—30 Jahren mit erschreckender Deutlichkeit 1914 starben 633 Prozent an Tuberkulose, 1915 stieg die Zähl auf 660, 1916 waren es 668 und im Jahre 1917 ging die Todesziffer sprunghaft auf 900 in die Hätz:. Eine Steigerung um nahezu 50 Prozent, die ohne Zweihel mit auf das Konto ^»ylrübcnwinters zu setzen ist.
Die Stadt Gießen nimmt eine Anleihe von 4 500 000 Mk. auf. und zwar für folgende Zwecke: 1. Ausbau städtischer Betriebe:
Er hatte sicher geglaubt, Sökvc zu treffen, doch je höher er stieg, je mehr hatte er das Gefühl von todestvauriger, tiefster Einsamkeit.
Nein, hier war Sölve nicht. Ganz dumm kam er sich vor mit dem Strauß, in der Hand.
Nun hatte er die höchste Spitze des Morsum- kliffcs erklommen.
Ueberwältigt von dem zu seinen Füßen schäumenden Meer, über welches die zwischen dunklen Wolken hervorbrecheude Sonne eine breite, goldene Straße zog, stand Bent im Schauen versunken.
lieber die goldene Wasserbrücke hinweg wanderten seine Augen nach den Lister Dünen. Wie weiße (5 ebn ec berge leuchteten sie in der Sonne, die ihre strahlen zur Erde warf.
Dort drüben hatte er der kleinen Sölve gesagt, wie lieb er sie babc, und Sölve hatte sich von ihm gewandt, dem kranken PLanne zu, der aus d. Keitumcr Kirchhof zum letzten Schlas galtet l<
Wie Zorn und Unmut stieg es einen Augen- in Bent auf, aber dieser Regung vermochte nicht nachzugeten inmitten dieser erhabenen 91 tm Und als Bent ganz dicht unter süh, auf ein.
Au» Liessen.
Hausttversammlunst der Laudwirtschaftskammer.
w. Da rmstadt, 2. März. Im Sitzungs- sa-ale der Lmidessynodc trat ine Landwirt chafts- fammer zu ihrer 17. Hauptversammlung unter dem Vorsitz des Geh. Oetoiwmierrckes Walter zusammen. Für das Londes-Emährungsamt waren erschienen die Präsidenten liebel und ferner Ministerialrat SchliepyaL, Neg.-R-at Emmerling. Anwesend waren 28 Personen, In seinen einleitenden Worten besprach der Voriitzendc ine Sttmmung zwijcksen Stadt und Land und die allgemeine Teu-erung. Es wäre wünschenswert, tvenn hierin eine allgemeine Bess'wung eurtrcite. Aufgabe der Mitglieder der Kammer sei '*», zu tun, um diese Sttmmung zu beheben, um die Produktion so hoch wie möglich zu gestalten. lieber die Maßnahme zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion sprach sodann Generalsekretär Hamann. Der Rediter betonte die Tatfache der Geldentwertung im Zusammenl>ang mit denr Rückgang der Produttionsnnrtjckfast mrd des Brdh- handels. Ausgabe der Landwirtsäraft müsse es in den nächsten Monaten sein, das zur Verfügung zu stellen, was zur Bolkscrnährung nötig ist, nicht tm Interesse der Allgemeinheit, sondern vor allem im Interesse der Landwirtschaft. Bei UW tigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen sei du Zwangswirtschaft rriäft zu umgelten. Es mußten aber gewiss Maßnahmen gettvsteil to'tbm, nxnn die Produktion nicht weiter zurückgchen, solle. -W. achtstündige Arbeitszeit fei durchführbar rn belferen Zeiten. Die derzeitige Festsetzimg der Mtu- destpreife entfpreck>e tatsäcküich nicht den Produk- tionstosten Präsident Nebel sicherte, dag. b« Regierung der Landwirtschaft groß" Bedeutung beimesse Täe Steigerung der landvirtfchaftlichM Produktioti sei die vornehmste Aufgabe dec R:-
Vraunkohlett.
Bor einigen Tagen k-nrnteii wir zum Berkaus der Grube Friedrich bei Hungen an die Stadt Frankfurt mittcilen, die Stadt Oneßen habe mit der dort lagernden Braunvohle me'hcfach Versuche gemacht, sie aber für die städtifchen Werke als gänzlich ungeeignet gesunden, da sie zu 'Tbigjei.
Nun wird uns aus Gießener Jndufttiekreiien geschrieben, daß ein Betrieb schon seit Herbst vori- qeii Jahres fast ausschließlich mit Hungener Koche, die maii auf einer besonders dafür gengneten Feuerung verbrennt, aufrecht erhalten wird und daß auch arvöcre Gießener Betri.de im Begriffe stehen, die besondere Feuerung bei sichembauen zu lassen. Wenn daher auch die städtischen Betriebe keine V-erweitdmrg für diele Kvhle haben, fv hätte es doch für die Gießener und Knirsch: Industrie katasttoch-ale Folgen, wenn der Ver.aus der Grube Friedrich nicht rückgängig gemacht
VNtamge JahreSeintommen des folgenden evtl oes nächstfolch'ndcn Jahres angewchuet werden kanrr Unlerstaatssekvetar Movie bittet, d.n An-
toSÄ‘Ä n.itb -bg-l-hnt. Ohne et^Hidr Tebatie werden weiter-' Pavrgrapsch'n in d-er Aus- schußfas ung angenommen Zu § 76 (2Inrcd^',9 dn Kwpiwlerlragssteuer aul die
bei tterneu Stenten ufw.) begnmdtt ^.Schiinder- ^canten ^Ztr em en Antrag Bluno. der Ntehr- helts- und Rechtsparteien, welcher die Gvmzen für die>e ©te.:<terldd)trnrng Leinen Sparern gegenüber noch erweitert. .
Unlerstaa.'s ekietär Mösle: Nur mit schwerem Herze.: kann de Regierung allenfalls den Beschlüssen d.s Ausschusses zustimmen, weiter- gehenden aber nicht.
Ter Antrag Blnnck wird angenommen.
Tie Rechtsparteien und die Unabhängigen beantragen die Streichung der Paragraphen 44 bis 50 bzw. 51 (Einbehaltung von Prozentsätzen der Steuern durch den Arbeitgeber her der Lohn- $^®bg’ Wettlich (D. Ml.) begründet den Antrag seiner Partei. ..
Nach weiterer Debatte werdm ine Anträge auf Streichung der Paragrapljen 44—51 abgelehnt und diese Paragrapl;en nach den Anttagen der MehrfattsParteien mit einigen Abänderungen angenommen, ebenso der Rest d's Gesetzes.
Morgen 1 W Antrag der Unabhängigen bett. Berovdmmg tes Reichspräsidenten; Kapitalertvags- steuer, Landes steuer.
Schluß gegen 5 Uhr.
verschwunden. Dunkle Wolken jagten daher. Fest band sie ihren weisen Helgoländer um das Blondhaar unb strich die etwas zerdrückten Falten ihres weißen Kleides glatt.
Da sagte eine liebe, och, so lange.mcht mehr gehörte Stimme:
„Du bist wunderschön, Sölve, viel W schön für mich."
Bor Schreck ließ sie all die Blumen fällen und wäre beinahe von einem Windstoß ins Meer gewellt, wemi nicht ein paar kräftige Sxmanns- ärme sie gehalten hätten.
„Liebe, kleine, süße Sölv>'„" flüsterte dtesÄbc Stimme, unb in paar heiße Lippen drückten sich ans ihren jungen Mund.
Ein Zittern ging durch Sölves Gestalt. Sie wollte sich wehren. Glühendes Rot huschte über ihr Gesicht.
„Halt, halt. Kleines. Sollen wir hier beür ins Wasser plumpsen?" fragte lachend der Kapitän und zog das Mädchen zu einer gesichertm Stelle. „So, nun mal erst ordentlich deinem Bent in die Augen geschaut und dann gebeichtet: Liebst tm mich, oder liebst du mich nicht?"
„Käpten," murmelte Sölve, ihn fassungslos anstarrend.
„Ach was, Käpten — Bent heiße ich, die Seefahrt stecke ich auf. Deinetwegen, kleine Sölve. Ick; und nicht, daß du immer Angst hast um dienen Manu. Verstanden?"
** Milchverforgnng. Infolge imge- nügender Belieferung der Stadt Gießen mit Milch kann für Mittwoch den 3. März 1920 auf die aus 1/2 Liter lautenden Milchmarten Beine Ätilch geliefert werden. .
** Metalldiebstähle. In letzter Zert nehmen die Diebstähle von altem Eisen, Kupfer, Messing usw. in erfchreckender Weise zu. So wurden in einer hiesigen Fabrik 18 Ringe Roheisen, in der Nähe des neuen Friedhofes ein Schachtdeckel, aus einem Gatten der Ost-Anlage ein mehrere Meter langes Wasserleitungsrohr, von dem stadtiichen Lagerplatz an der Margarethenhütte Wasserrinnen, Schachtd edel und Senkkasten, aus einem ^ternbruch bei Steinbach ein eiserner Karren, Riemenscheiben und Senkkasten, ans der Schmallschen Eishalle 'Kochherd und Gattengeräte und von verschiedenen Häusern die Dachkandel gestohlen. Die Diebe, die die Ring« aus der Fabrik, die Gegenstände von der Margar-ethenhütte und den Diebstahl in dem Stem- brnch begingen, konnten ermittelt und festgenommen werden. Als Täter kommen halbivüchsige Burschen in Frage. Der Grund derattiger Diebstähle ist in den gegenwärtigen hohen Preisen dieser Gegenstände zu suchen, wodurch sich die Diebe mühelos ote Taschen füllen können. Ferner fragen die Abnehmer des gestohlenen Gutes den größten Teil der Schuld, denn wenn die Diebe kein Absatz für-i ihre Beute finden, würden sie das Stehlen unterlassen. Die Aufkäufer von derartigen Sachen werden hiermit nachdrücklichst gewarnt, von solchen Geschäften zu lassen, da sie sonst wegen ge- werbsmäßigcr Hehlerei hohe Strafen zu erwarten haben. , „
♦♦ Urkundenfälschung. Gestern wurde dahier ein Bahnarbeiter festgenommen, der bei der am 1. d. Mts. erfolgten Lohnzahlung bei der Stationskasse Gießen den Lohn seines Mitarbeiters in Höhe von 737 Mk. abgehoben hat. Er wird sich somit demnächst vor Gericht wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu verantworten haben.
** Ein starker Knall war gestern abend kurz nach 7 Uhr in der Schulstraße zu vernehmen. Aus grobem Unfug war eine Sprengkapsel, wie sie auf der Eisenbahn verwendet werden, um einen bedrohten Zug zum Stehen zu bringen, an der Ecke Sonnensttaße—Schulstraße auf das Ge- teise der Straßenbahn gelegt worden. Hoffentlich gelingt es, des Uebeltäters habhaft zu toerben
** Vermißt wird leit Montag, 23. Febr., abends 6 Uhr, der 13iädrige Realschüler Lrthir Trapp, bekleidet mit schwarzer Krimmermütze, z.v'i Sweatern, httlblau und rot, dunkelblauem Tuch-
mantei mit gelben Knöpfen, ferner Stie
fel Er ist 1,30 groß, hat blaue Augen, hellblondes Haar, fttfck-e, helle Geftchtsfarte. Es wird vermutet, daß ein den Eltern unbekannter Hand'ls- mann sich mit dem Kinde entfernt hat. Nachricht erbeten nach Frankfurt a. M., Düversttaße 21.
** Die Veröffentlichung des Be- triebsrätegesetzes ertolgt in Nr. 31 und folgenden des Amtsverkündigungsblattes., Wir machen unsere Leser daraus aufmerksam, baß nach vollständigem Abdruck das Gesetz als Sonderdruck in der Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers erhältlich sein wird. .
** Tie Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen ersucht die Arbeitgeber, bis spätestens 15. I. Mts. ein Verzeichnis der bei ihren beschäftigten Versicherten unter Angabe der derzeitigen Bezüge rinzureichen. Siehe Anzeigenteil.
** Für alle Ange stell ton findet am Frettag den 5. März 1920, abends pünktlich 8,Ufa im Gafe Leib eine öffentliche Versammlung statt mit einem Vortrag über das Betriebsrätegesetz und Tarifvertragswcsen. Siehe Anzeigenteil.
Landkreis Gießen.
O Grünberg, 2. März. Der Gemeinderat setzte in seiner letzten Sitzung die Preise für das infolge der Holzratiomerung nach außen gehende Holz fest. Es kostet danach 1 Rm. Buchenscheikholz 70 Mk., 1 Rm. Knüppelholz 60 Mk. Tie Preise für das an die hiesige Bwöl- kerung abzugebende Holz sollen demnächst bestimmt werden. Me Stelle des Stadfr'chnecs, welche leit 1918 verwaist ist, soll demnächst wieder be.etzt werden Die Kaution, welche der Rechner stellen soll, wird auf 15 000 Mk. festgesetzt. , Der Gemeinderat beschließt, die Stell: öffentlich auszuschreiben. Me Rechnung für das Jahr 1918 ergibt eine Einnahme von 341 809,69 Mk., denen Ausgaben von 165 360,40 Mk. gegemtberftefan, so daß ein lieber schuß von 176 449,29 Mk. verbleibt. Hiettwii sind 96 194,45 Mk. dem Vermögen zugeflossen, wäfaend ein baver Vorrat von 80 254,84 Mk. verbleibt.
U Lang-Göns, 1. März. Das Rerchs- ehrenzeichen für Knegsverdrenste wurde deiv Postagenten Karl Schneider verliehen.
Vorsprung sitzend, eine weibliche Gestalt gewahrte, war sein Herz mit hellem Jubel erfüllt.
„Uiebe, kleine Sölve," murmelte er zärtlich, liebevoll mit seinem Blick das Mädchen umfassend, das beide Hütwe um die hochg.'zogLnen Kni? gezogen halte und über das Watt htiiittänmte. Er konnte Sölves Augen nicht sehen. Es kam ihn: so vor, als ob ihre zarte, leichtgebräunte Wang: schmaler gerooti>en und ihre Haltung Sehnsucht, tiefe Sehnsucht ausdrückte.
Am liebsten wäre er mit kühnem Satz zu ihr hevabgesprungen. Nein, das war zu gesäfalich, sowohl für sie, wie für ihn, denn da unten schäumten die Wogen und donnerten g:gen das .steil- abfallende Kliff.
Da wart Bent berat lachend all die Blumen, die er vorhin gepflückt, Sölve in den Schoh^ und sprang dann ülerStock und Stein nach einer 'Stelle zum Abstieg. —
Sölve sah erstaunt um sich, ob des unerwarteten Blumensegens. Nirgends war ein Mensch zu entdecken Vom Himmel tonnten die Blumen nicht gefallen sein. Oder doch?
vrefte ihr glühendes Gesicht in die duftete. Sorglich ordnete yte sich gelöst, zu einem
Der Prozeh <kr;berqer-helfferich.
Berlin, 2 März iWolft.) Im Prozeß Erzberger bat Minister Spa hn als Zeiige, den Anlagen Gicsb-rts «rt^genfreten zu dürfen. Ter Vorsitzende erklärte sich bereit, mitten in den Plüdayers di- Beweisaufnahme über diesen Punkt wieder zu eröffnen. ,
ObersraaIsanwalt Krause führte aus: Der Pvozeß sei ein eminent politischer und aucb ferne Folgen seien politisck)er Natur . Tie Gerichtsoe- hördcn aber dürften bei der Urteilssallnng der Politik nicht den geringsten Einfluß einraumen Mw nur feststellen, ob das Strafgesetz verletzt Jen Im Sttafmozeß sei der Staa'smwalt lediglich Jurist und urteile nur nach sachlichen unb junftiid)en Erwägungen. Von den borge setzten Behörden, insbesondere von den Ministerien, sei nut)! die geringste Beeinflussung der Staalsgnwattschaft vor- gekommen. Zur Sache selbst müsse er betonen, daß eine einheitliche fortgesetzte Handlung Dr. Httl- f-erichs vor liege, begangen, um Erzberger zu be- scitigen. Tie Beleidigungen richteten sich gegen Erzbcrger sowohl als Politiker wie, als Mensch. Ter Oberstaatsanwalt sagte wetterhm, tm Falle Tfassen sei der Nachweis erbratfa, daß Erzberger stine parlamentarische Tätigkeit mit den geschaft- lidhm Interessen vcrgnicki habe.
Den Fall Thyssen betrachtete der Ober- stoatsanwalt bei Beginn des Plädoyers nach drei Gesichtspunkten. Anläßlich des Eintritts Erzberg- gars unb seines Austritts aus dem Thystentonzem kam er zu dem Schluß, daß man eine Bercynckung von politischen und privaten Jnteresien rackst er» leimen könne. Tagsgen befrachtete er im Falle der versuchten Uebereignung des Erzbecken-- ton Briey-Longwv an den TMen-Kvil-ern, die Vermischung volitisckier und geschäf.lnfa-r Tätigkeit als nachgewiesen. Als erwiesen müßte ferner angeiebcn werden der Nachrveis der Verquickung politischer und geschäftlicher Tätrg'keit Erzbergers rm Falle der Lieferung von Thyssenschen Schutzlchilde nach
Weiter tommt der Oberstaatsanwalt nach längerer Auslassung über den Fall P u i go- bin auf Grund der Vorgänge tm Jahre 1914jum Schluß, daß er den Beweis als geführt anfteht, Erzberger habe auch faer seine eigenen hntevesstti mit den allgemeinen verquickt. Auch iw Falle Berger, den er als den bedenklichsten überhaupt betrachtet, sieht der Oberstaatsanwalt die Verquickung politisckpr ratb der eigenen Interessen Erzbergers als erwiesen. Im Falle Angele Tonne er keinen Beweis für die Verquickung politischer Tätigkeit imb geschäftlicher Interessen erblicken. Im Falle Kawa t s ch müsse der Staats-- onivatt es als erwiesen anfc'fan, daß Erzberger in einer geschäftlichen Angelegenheit seinen politischen Einfluß geltend gemacht habe. Im Falle „An- h y d a t w e r k e" tommt der Staatsanwalt zu dem Schluß, daß Erzberger eine wei gehende Tätigkeit für die Firma entfaltet habe, in der er als Aktionär beteiligt gewesen sei. Im Falle „Wolf" sei der Beweis von dem Angellagten nicht erbracht, ebenso im Falle Richter. In der Angelegenheit ttes V i eh ha n de l sve r ba n d e s handele es sich um eine Art strafbaren Versuchs. In der Angelegenheit der „H a b a g a f 11 e n" sei der Beweis der Berquickung nicht erbracht. Dem Falle „Dr. T e n f" fehle jeder finanzielle Untergrund: der Fall „Trippe" g-^nze an Korruplton. Im Falle der Ein- unb Ausfstfabewilligungen sei ein Zusammenhang zwisckien der politisck)en Tätigkeit und den gesckstif.lichen Interessen Erzbergers nicht erwiesen. Am Schluß erklärte der Oberstaatsanwalt, der Beweis für die Behauptung der Verquik- Tung vv n Geschäft und Politik seitens des Nebenllägers sei in einer Reihe ton Fällen und damit überhaupt erbracht.
würde. , „ QT„p
Außlerdem droht durch eine unvvrftckstige Ausbeutung der Grube der Stadt Gießen die Geftryr, daß ifa das Wasser des Wasserwerke s n - Heiden abgegraben ward. Und mich darum ist es notwendig, daß der Betrieb der Gruv: von einheimischen Jntevesfeiiten übn'wacht wirv.
Weiter geht uns in d.n Brauittohlenfrageein längeres Schreiben ton Oberingenieur Rickrarv Fertsch-Grünberg zu, das Jub mit bem Braunkohlen Vorkommen bet Munster (Kreis Gießen) besaßt itnb gegen me Stadt Gießen den Vorwurf rirbt, sie habe feinem Sachtorständigenurteil kein Vertrauen geschenkt Und sich dadurch den Ettverb der Grube entgehen lasten.
Wie wir hierzu ton zuständiger Stelle erfahren, woreii frotz eine§ abfälligen Urteils der hessischen Bergbaubehörde über den Wert der Grube die VerhLiü>lrmgen, über die wir dainals berichteten, soweit gedtehm, daß man die Grube erwerben mollte. Sie wurde jeLoch im letzten Augenblick von einer Frankfurter Zirma iveggekauft.
Dafür Hot die Stadt Gießen inzwischen ja Anteile einer Grube im Westerwald erworben und tonnte bereits einen großen Teil der minder- bemittelten Bevölkerung mit einer hock/vertigen Brauntohle beliefern, die ton den Arbeitern in llcbcrffuitbcn gegen Lieferung ton Schuhen usw. I gefördert wurden. Augenblicklich stockt die Ausftifa infolge eines Streiks Man ettvratet letoch, m den nächsten Monaten noch die gesamte Betolre- rung sowie die städtischen Werke und später die Gießener Jiidnstri? mit der Westerwälder Brauw- toyle versorgen zu föniten.
Beranstattungen.
Mittwv ch, 3. März: Deutsche Kolonial- gesellschaft, Frauenverein vom Roten Kreuz für Teutsch-Uebersee, 8 Uhr: Vortrag, Hotel Emhorn. — Lichtspielhäuser wie Dienstag.
Summa 4 500 000 Mk.
Es lagen folgende Angebote vor:
1. Von dem Konsortium der Gießener Banken, beftebenb aus der Mitteldeutschen Creditbank, Filiale Gießen, Divecttou der Dis'.ontoges'til^choft, Zweigstelle Gießen, Bank für Handel und Industrie, Niederlassung Gießen, Hessischer Bankverein A. G., Filiale Gießen, Gewerbebank e. G. m. b. H., Gießen: __
a) für 4proz. Anl. zum Kurs von 93,07V$,
b) für 4V»prvz. Anl. zum Kurs von 101 07V2.
2. Von der Deutschen Vereinsbank, Frankfurt a. M. in Gemeinschaft mit der Bankfirma Josef Herz, Gießen:
a) für 4proz. Anl. zum Kurs ton 96V,, für 4VsPvoz. Aul. zum Kurs von 100,75.
In der gestrigen nichtöffentlichen Stadtverordnetensitzung wurde das AngebotderDeut- schen Vereins bank Frankfurt a. M. in Gemeinschaft mit der Bankfmna Herz, Gießen für 4proz. Anl. zum Kurs von 96 V2 angenommen.
Kreis Lauterbach.
O Schlitz, 2. März. Infolge Kohlenmangels muß, d e bekannte L e i n e n f a b r i k Langheinnch zunächst an 2 Tagen in der Woche den Betneb einstellen. Bis'her hat die Firma immer ungsttort gearbeitet.
Starkenburg und Rheinhessen. Mord in Alzey.
«w. Alzey, 2. März. In Weinheim bei Alzey wurde der in den 30er Jahren stehende Landwirt Joh. Zimmermann IV. in 1 einem Bette erschossen aufgefunden. Unter dem dringenden Verdachte, den Zimmermann erschossen zu haben, wurde der ebenfalls in Weinheim wohnhafte Landwirt Fritz Müller verhaftet. Tie Eheleute führten schon lange kein gutes Familienleben. Tie Eheftau Z soll bereits seit Jahren mit Müller Beziehungen unterhalten haben. Während der Verübung der Tat, war die Frau verreist, doch ist es wahrscheinlich, daß sie den Müller angestiftet hat, ihren Gatten zu ermorden. Ter Verhaftete wird heute der Leiche gegenüb ergebt
me. Darmstadt, 2. SRärz. Nunntehr kommt nach dem siebenten Gemeinde st euerz tcl auch noch ein achtes zur Erhebung, da die Stadt- torwaltung mit ih.en Einkünften noch immernicht den finanziellen Bedarf zu decken imstande ist.
Hessen-Nassau.
me. Frankfurt a. M., 2. März. Tte Er- weiterungsbauten am Hauptbahnhof werden bis anfangs Mai dieses Jähes vollendet sein. Ter Bahnhof hat dann 14 Bahnsteige, die sämtlich hochgelegt sind. Er ist nach der Erweiterung wieder der zweitgrößte Bahnhof Deutschlands und wird nur vorn Leipziger Bahnhof überttvsfen. Technisch wird er auch diesen in den ^-chattm stellen, denn die hier geplanten Einrichtungen für Gepäck und Postbeförderung werden überhaupt zum ersten Male in Deutschland ausprobiert.
= Frankfurt a. M„ 2. März. Bei einer polizeilichen Streife, die Montag abend in der Schnnrgasse torgenommen wurde, holte man aus bet Wirtschaft Ackermann nicht weniger als 75 verdächtige Personen heraus, darunter 42 Wev ber. Unter der Gesellschaft, die dem Pollteläesang' nis zugeführt wurde, befanden sich zahlreiche vielbegehrte Verbrecher und steckbrieflich Verwlgte.
me. Höchst a. M., 2. März. Ter erste Storch im Maintal traf am 29. Februar iv Flörsheim em, zwei Wochen früher wie vorig« Jahr. . J
n Marburg, 2. März. Hrer fielen der Vizeieldwebel Friedrich Gotting und seme Vrcml Ida Tannenberg am gleichen Tage der Grippe zum Opfer, traute wurde im Beisein einer Menschenmenge, wie sie der Friedhof im /)abichtstal ,uohl iwch nicht zu torzeichnen hatte, das Braut- paar, beides Marburger Bürgerskinder, zur letzte» Ruhe gebracht.
p Marburg, 2. März. Am Sonntag VN' anftalteten etwa 70 Studenten auf der 15 Sil3’ Nieter langen Strecke Marburg—Nehbrücke im zurück rin Wettgeheii. Der 1. Sieger Koslows vom A. T. V. legte die Strecke in 1 St. 31 Mm 5 Sek. zurück. Der A. T. V. erhielt ferner fut beste Gesamtleistung den Wanderpreis.
„Ihr seid anmaßend, Bent Banken," kam & ans Sölves Munde. „Wißt Ihr genau, daß tdr Euch liebe?"
„Darauf schwöre ich z8hntausend Etoc, tetzd aber, mein Süßing, fifing, sonstwerden wir: pudelnaße uns das ist nicht schön für ein Braut« paar."
„Das sind wir ja gar nicht."
„Nicht? Na, das will ich dir beweisen — und er küßte sie heiß und innig, bis ihr otc Atem verging. Da schlang sie aufroeuvnb ct- Arrne um seinen Hals und lehnte ihren Kopf am seine Brust.
„Na, siehst du wähl, kleine Sölve," tröstet-' er, indem er ihr zärtlich die Tränen von dm Wangen trocknete, „wir tonnen uns doch, ntnn Kleines? Nun komm, die Modder ängstigt fttt gewiß schon zu Tode."
Sie sprachen nicht miteinander, aber ihr! Augen unb der Druck ihrer Hand redetm deuttich» als alle Worte. Gab es denn so viel Glück?
Bor dem Kritumer Mrchhof zögerten sie uitö wortlos traten sie, obwohl der Donner über i'Wi grollte und schon grelle Blitze am Himmel zuckte«-, an das stille Grab, auf dem die Heideblüten in Sturmwllid zitterten. Ergriffen standen sie an hert Grab des Armen, den des Lebens Stürme so frW gebrochen.
(Fortsetzung folgt.)
e fut tos


