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Erstes Blatt
Ur. 284
Donnerstag, 2. Dezember 1920
170. Jahrgang
u > ur.^ Elftes omu 170. Jahrgang Donnerstag, 2.
IB GietzenerAnzeiger i*. I Fe r u s p r e ch -AnschLff«: IW'
Fern sprech-Anschlüsse: fit die Schristleitung 112;
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck unb Verlag- vrühl'sche Uuw^vuch. uaö Steinbruderd B. Lauge. 5chriftleitung, SefchäftLftelle uud Druckerei: Zchulstratze 7.
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Seb. Deibel
W« 1920.
Die Verhandlungen in Gens.
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»chex werden fihme, und baß, wenn ein anderer teg beschritten werden sollte, er das dem Kabinett
und mit
Absicht hätten, darin zu überwintern, richteten an das Publikum das Ersuchen, sie Lebensrnitteln zu versorgen.
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Konzerttimrrdn I Slreichquart IIHm Scsaiil- kr. 8«hUH* j^Mlobi-GieÜeu ö.-, Ä-l-'iDdh Gallier und abeoi identen erhalten « karte auf allen ri
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w-s. Reichsminister Wrrth erklärte, datz,vre »n ihm vertretene Borlage mtfyt das allerletzte Htttet xur Sanierung der Frnanzberchältnifle an#
ertragen würde. Jin Hinblick aus dre grobe wltt- Üoftiidzc Bedeutung der garrzm Angelegenbcit tnbe aur Antrag von verschiedenen Seiten der lcichSwirtsckmsksinmrster ersucht, m der morgigen ditzung zu erscheinen und seine Stellung darzu-
haupt Wesen und Form des Notopfers ge- r.gnet jlt, eine Konsolidierung der Reichs- stuanzbedürfnisse herbeizuführen. Nicht außer
t* 1920.
Ware die Kriegsabgabe zur Ursprung- Wh gedachten Zeit veranlagt worden, so wäre die neunmonatige Höchstfrist jetzt bereits ab» gelaufen oder der Ablauf ftänhe unmittelbar bevor. Der Notwendigkeit der durch die No-
hessische Doltsfammer.
St. Darmstadt, 1. Dez.
Am Regierungstisch: Staatspräsident Ulrich, Minister des Innern Dr. Fulda, Finanz- minister Henrich und Reyierungsvertteter.
Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9Vs Uhr. Das Haus tritt sofott in die Tagesordnung ein und setzt die Besprechung des
9. November und 1. Mai
Genf, 1. Dez. (Wolff.) Ter bisherige ... lauf der Kommissionsberatungen läßt erwarten, daß der Bericht der ersten Kommission über die Beziehungen zwischen Rat und Versammlung bis
Lerlag,Geschäftsstelle 51. Lnschrist für Drahtnach« -ichtem Blutiger E letze», postfcheettonto
jranffurt a. M. ULS,
isse nicht zu umgebyr ist, so dürfen in ihr t die Kautelen fehlen, die — wenn auch in bescheidenem Umfange — Kriegsabgabegs- und Reichsnowpfergeseh zur Erhaltung der rivatwirtschaften zu schaffen für notwendig nden haben.
Berlin, 1. Dez. (Wolff.) 5Zm Steueraus- des Reichstages erklärte bei der Weiterberades Gesetzentwurfes zur beschleunigten rhebung des ReichsnotopferS der Itichsbankpräsivent Havenstern, daß die denkbar fsten Maßnahmen getroffen werden müßten, der Papiergeld flut Einhalt zu tun. .Der vor- bzende Gesetzentwurf g?he in dreier Richtung.
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London, 1. Dez. (Wolff.) Havas. Infolge der Ankündigung der Werstbesitzer, daß die L ö h n c in der Woche um 18 Schilling herabgesetzt werden sollen, ist durch die Arbeiterschaft der Streik erllärt worden, der Mittwoch abend beginnen wird.
Amsterdam, 30. Nov. (Wolff.) Reuter mdbet aus London: 700 Arbeitslose haben sich nach dem Gemeindehaus von Tottenham begeben und es besetzt Sie gaben bekannt, daß sie
PctljuraS Heer aufgelöst.
Berlin, 1. Dez. (WTB.) Die „B.Z." erfahrt aus Kopenhagen, daß das Heer des Generals P e t l j u r a nach einer zwei Wochen dauernden Schlacht vollständig aufgelöst sei und 12000 Gefangene, sowie viel Kriegsmaterial, u. a. 35 Kanonen, 300 Maschinengewehre und unübersehbares Eisenbahnmaterial verloren habe.
kurzem Sinnfeinerartilleristen in eigenen kleinen Booten angekommen sein sollen.
London, 1. Dez. (Wolff.) Wie die englischen Blätter melden, erklärte Lloyd George im Unterhause, die britische Regierung sei nicht geneigt, um Untersuchung der Lage in Irland durch einen Ausschuß des Völkerbundes nachzusuchen.
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Schutzmaßnahmen für London und Liverpool.
London, 30. Nov. (Wolff.) Reuter. Außer- orderttliche Maßnahmen wurden getroffen, um hervorragende Persönlichkeiten und Gebäude in Liverpool und London zu schützen. Heute wurde die in der Nähe des Parlaments Dienst tuende Polizei mit automatischen Pistolen bewaffnet.
London, 30. Nov. «Wolff.) Eine Reutermeldung besagt, daß die Geschäftsinhaber und Besitzer wertvoller Gegenstände aus dieBersiche- rungsgesellschasten Sturm laufen, um sich gegen die Taten der Sinnfeiner zu versichern.
London, 1. Dez. >WTB.) Amtlich. Die L e i ch e n der 17 in Kilmichael getöteten Hilfspol iz isten waren iurchtbar verstümmelt, anscheinend durch Beilhiebe. Die außerordentliche Polizei m London hat Befehl erhalten, sich bereit zu halten für den Fall, daß die Simn'einerver- brechen weiter um sich greifen. Das Postamt in Livervool wurde vorsichtshalber gesctzlo'sen. Andere wichtige Gebäude, wie die Bankm, Docks, die Elek- ttizitätszentrale ufro., werden bewacht. Die Polizei verhaftete eine Anzahl von Personen. Die Behörden befürchten in den nächsten Tagen Gewalttaten bet Sillviemer in ßonsaa, da bart m
6r bitte, ihn ohne Abschwächung 'rnzunehmen. große Defizit der VeckehrSverivrlrungen und Kt steigenden Söhne und Gehälter ließen erwarten, laß tue schwebenoe Schuld in diesem Jahre um itoa 30 Milliarden steigen werde. Der Reichsbank-
Jn feinen Ausführungen in der Sitzung ies Steuerausschusses des Reichstages er» litte Reichsbankpräsident Havenstein noch, ich die Weltpreise gegenüber dem Frie- en auf etwa das Dreifache gediegen seien. 51 Deutschlano betrage die Preissteige- :lTtg etwa das Siebenfache. Gemessen wi der Einheit unseres Geldes, seien die patschen Preise also etwa zwei- bis dreimal t >och wie die ausländischen. Unsere Valuta kl jedoch stärker, als unsere Preiserhöhung ttsmache. Die Valuta betrage gegenüber dem Mar ein Sechzehntel gleich etwa 6 Pf. Wenn dchre Preise den Auslandspreisen auf der vLlis unserer jetzigen Valuta sich näherten, bvürde eine etwa dreißigfache Preis- •eigerung gegenüber dem Frieden die sein. Damit würden wir uns den öster- ^ischen und russischen Verhältnissen und in ein bis zwei Jahren uns am . unserer Volkswirtschaft befinden. Star-
kr als die Preissteigerung stieg der Geld- ; in Deutschland. Das Steigen der : jBtoehenben Schuld wäre vor allem durch die
■ rare der ffeinfte Teil in der Lage, Rücklagen M für die später zur Erhebung kommenden Äb- zaben zu machen. Die Rücklage hing also nicht Dom „guten Willen" der Steuerpflichtigen ab. Neradezu zu einer Härte führt es deshalb, «Denn die Novelle Erleichterungen der Steuer- xchlung jetzt beseitigt, welche bei Schaffung ies Gesetzes vom Gesetzgeber doch sicherlich ttcht leichten Herzens, sondern als Ergebnis Htter sorgfältigen Erwägung und Prüfung brr wirtschaftlichen Bedürfnisse gewährt worden sind.
Bei der Beratung des ReichsnotopferS h« man seinerzeit von der sofortigen Zahlung ausdrücklich deshalb Abstand genommen, weil nran der Ueberzenaung a>ar, daß es nicht möglich sei, ohne die Kreditfähigkeit und die wird- östliche Existenz von Handel und Industrie erhaupt zu erschüttern, eine so erhebliche gäbe in einer Summe oder in größeren ülbeträgen einzuzieben. Wenn also die Nolle in Anbetracht dringender Reichsbedürf-
üui dem Reiche.
43,6 Millionen Arbeitstage durch Streiks verloren.
Berlin, 2. Dez. Wie der „Lokalanzeicier" meldet, gingen nach einer Streikstatistik im Jahre 1917 in Deutschland rund 900 000 Arbeitstage durch Streik verloren. Im Jahre 1918 waren es bereits 4,9 Millionen Tage und im Jahre 1919 ergab sich die ungeheure Zahl von 43,6 Millionen Arbeitstagen, die durch Streiks verloren gingen.
Entwurf eines ArbeitsgerichtSgesetzcS.
Berlin, 1. Dez. (Wolff.) Im Reirbs- tagsausschuß für soziale Angelegenheiten teilte Reichsarbeitsminister Braun mit, daß er dem Reichstag int Januar einen Entwurf über ein Arbeitsgerichtgesetz vorzulegen beabsichtige. Durch das Arbeitsgerichtgesetz soll auch die Frage des passiven Wahlrechts der Frauen zu den Kaufmanns- und Gewerbegerichten geregelt werden.
Verstecktes Papiergeld.
München, 1. Dez. Nach einer Mitteilung des bayerischen Finanzministers im Münchener Landtag macht die Gesamtsumme der vom Publikum versteckt gehaltenen Papiernoten 10 M ill.. ien Mark aus, was für das Reich einen schweren Steuerausfall bedeute.
Eine BeleDigungsklage des Reichs- Präsiden tep.
Berlin, 1. Dez. lWTB.) Wegen Beleidigung des Reichspräsidenten Ebert wurde heute der Mitarbeiter der „freien Presse", Siegs, von der Strafkammer 9 des Laichgerichts 1 zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Siegl veröffentlichte am 5. August einen Artikel in der „Freien Presse" mit der Ueberschrift: „Des Reichspräsidenten Ebert Nichte als Schönheitstänzerin". Tas Gericht erblickte in dem Artikel eine wissentlich beabsichtigte Herabsetzung des Reichspräsidenten.
rksam und laaä . ..Studentin«*] leinde le und Üben
K.*t!
Beschleunigte Erhebung des
*Reichsnotopsers.
fort.
Wg. Lenhart rZentr.): Meine Partei kann und will aus der vorliegenden Sache keine Haupt- [unb Staatsaktion machen. Es genügt ihr, ihren ablehnenden Standpunkt mit aller Deutlichkeit auszusprechen. Im übrigen vermißt sie in solch ausgedehnten Debatten die Rücksicht aufs Volk, dem allein wir hier zu dienen haben, die Rücksicht auf die schauerliche Finanzlage, für die ein paar Sörth- tagssitzungen mehr ober weniger wenigstens das Gehalt eines höheren Beamten bedeuten, die Rücksicht auf die Ausgaben des Landtages, die durch oas Volkswohl, nicht durch das Parteiinteresfe vorgeschrieben sind. Von sozicckdemokvatischer Seite sind in der letzten Donnerstags-Sitzung im Zwischenruf die firchlichen Feiertage vergleichsweise herangesogen worden. Dam erkläre ich: Wenn man auf sozialdemokratischer Seite in der Geschichte der christlichen Hortologie oder Festlehre einigermaßen Bescheid wüßte, hätte man sich diesen Vergleich geschenkt. Denn die kirchlichen Feiertage sind auf ganz andere Weise entstanden, als die Sozialdemokratie jetzt beliebte Patteigedenktage gesetzlich zu sanktionieren sucht. Zwischen dem Präsidenten des Bildungsamtes und dem Hessischen Ode rle hrerverein besteht ein Konflikt, der sonderbare Blasen treibt. Ich habe nicht die Aufgabe, mich ht diesen Kon still einzumischen, bedauere aber, daß nach vorliegen- den Tatsachen zu schließen, vom Oberlehreroerein nicht die genügende Vorsicht geübt wiiä». So scheint der Oberle-rerverem ohne weiteres anüQunumen
zum nächsten Samstag bereit fein wird. Der Bericht der zweiten Kommifsiön über die Schaffung einer ständigen Kommission für Verkehrsfragen wird mindestens Freitag fertig fein. Der Bericht derselben Kommission über die Beziehungen der technischen Organisationen des Völkerbundes mit dem Rate und der Versammlung kann vielleicht im Laufe dieser Woche der Versammlung unterbreitet werden. Die dritte Kommission wird nicht in der Lage fein, einen Bericht über den Gerichtshof vor Ende nächster Woche ferttgzustellen. Da- aegen ist der Bericht der vierten Kommission über das Budget des Völkettnmdes ziemlich fettig, lieber die Verteilung der Aufgaben unter die Mitglieder des Völkerbuiches wird die Kommission voraussichtlich kaum vor Ende der Session Bericht erstatten können. Was die fünfte Kommission betrifft, so sind die beiden ersten Unterkommissionen zur Berichterstattung bereit und die dritte Unterkommission hofft, ohne Verzug einen Bericht vorlegen zu können. Der Bericht der Unterkommission für die Abrüstung roirb Ende der Woche fertig sein. Dagegen wird der Bericht über die Blockadeftage kaum diese Woche fertig werben. Die Mandats* frage ist noch mcht geprüft worden.
Eupen und Malmedy.
Genf, 1. Dez. (WTB.) Ter Völkechundsrat veröffentticht soeben den Brief an das deutsche Reichsministerrum des Aeußern, den er in Beantwortung der letzten deutschen Note in seiner Sitzung vom 29. November festsetzte. Es heißt darin u. a: In Beantwortung Ihrer Note vom 14. November dieses Jahres über die Zuständigkeit des Völkerbundsrates hinsichtlich des Beschlusses von Eupen und M a l m e d y bin ich vom Rate beauftragt, Ihnen mitzuteilen, daß die Bemerkungen in dieser Note nach seiner Ansicht keinen Anlaß bieten, die in seiner Mitteilung vom 22. Oll. dieses Jahres ausgesprochene Auffassung abzuändern. Der Völkerbundsrat wünscht außerdem, daß ich Ihnen davon Kenntnis gebe, daß alle Mitglieder des Völkerbundes in der Frage von Eupen und Malmedy auf dem Lausenden gehalten wurden und daß der Bericht an die Bölkerbuilbsversamm- lung über die Tätigkeit des Rates ausdrücklich die deutsche Note, in der gegen die Zustänbigkeit des Rates protestiert wurde, erwähnte.
Wilson Schiedsrichter in der armenischen Frage.
Amsterdam, 1. Tez. (Wolft.) Dem „Te- legraaf" zufolge wirb aus Wishington gemeldet, daß Wilson die Einladung des Böllerbundes. als Schiedsrichter in der armenischen Frage auszutteten, annahm, jedoch mit dem Vor- befralt, daß er nur einen moralischen Emflutz ausüben werde, da er nicht ermächtigt fei, ohne Zustimmung des amerikanischen Kongresses Streit* träfte zu entsenden.
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zu haben, daß das Zentrum bei dem Ausscheiden des Oberschulrates Ritsert tv Hand im Spiele gehabt habe. Ich wollte schon in der letzten Freitag.s^tzung erklären unb belegen, daß diese Annahme nicht der Wahrheit entspricht. Da ich aber nicht mehr zu Wort kommen komtte, hat die Fraktion eme entsprechende Erklärung veröffentlicht. Tor ObetlebrciVcrvin 1 iat durch fernen Vorstand auch dagegen protestiert, bafc rar* teipolitische Momonct Ixn Befetzmig ve an twortungsvoller Stellen ivgendwie mitspielen. Ich nehme zu dem fachlichen (Tetanien nicht. weiter Stellung, kann aber mcfi BesreuiM den darüber nicht MrücLxüten, daß dieser Protest ausgesprock)en m dem Augrmblick erscheint, in dem ma.i Gefahr wittert, daß em Katholik einrücken könnte. Am Schluffe noch ein Work zci Auseinandersetzungen zwischen den Herren Kollege«! Knoll und Kaul. Man wird sich auf den Bänken der Sozialdemokratie doch keiner Täuschung darüber hingeben, daß wir ht der Beurteilung des 9. November mit unserem Fratturnsfreunde ftni-U einig gehen. Denn wrr haben für diese Beurteilung nur den einen Maßstab, den unsere Weltanschauung uns gibt. Unsere Weltanschaming aber verbietet jeden aktiven Widerstand gegen die gesetzliche Obrigkeit. Darum können und dürfen wir keine Revolution machen und keine billigen. Nur in dem Bestreben, nach Ausbruch der Revolution möglichst bald wieder g.ord.rete gefetzlnl^ Zw», stände herzustellen, nicht wie Herr Kollege Kaul annimmt, das Verlangen nach Hercsehaft, hal daS Zenttum sich fefoveren Herzens zu einer nicht gerade leicht verständlichm Koalition entfchließnr lassen. Und sicher hat die Koalition für die erste Zeit der RevolutionSveriode ihren Zweck erfüllt. Wir haben von der Aufgabe des Landtags eine höhere Auffassung und üben darum in solch?« Fragen eine Zurückhaltung, die man im Lande draußen wohl besser verstehen wird, als die Tatsache, daß hier parteipolitische Debatten kein Ende finden können.
Abg. v. vr. D i e h l (H. B.): Durch besondere Umstände ist meine Partei bisher nicht zu Wort gekommen. Ich habe namens meiner Pdttei za erklären, daß wir sowohl die FeiertagSerklärung- des 1. Mai, wie auch die des 9 November ablehnen. Wir lehnen dre Feier der Revolution am 9. November ab, weil wrr nickst bloß wissen, daß der größte Teil des Bo'kes in diesen Ereignisser, deS 9. November das größte Verbrechen sieht, das jemals am deutschen Volke vollbracht wurde, sondern weil wir auch überzeugt sind, daß die Revolution geschichtlich betrachtet, tatsächlich ein Vev» brechen am deutschen Volke war, mit dem wir unS heute abfinden müssen. Wir lehnen den 1. Mai als Feiettag ab, weil er der Feiertag mir einer Pattei seit jeher gewesen ist, die nicht bedangen kann, daß das ganze Volk diesen Tag mitfeiert' Dem Abg. Dingeldey hat man einen Dorwnrf aus seiner Interpellation gemacht. Ich darf soviel sagen, daß der Antrag deS 1. Mai das Urteil verdient, daß e5 ein stackes Stück ist. Wir haben bisher keinen gesetzlichen Nationalfeiettag gehabt. Dir hatten nur an Tagen wie Kaisers- und Gwß- herzogsgcbuttstag dienstfrei. Wirklich gefeiert hat diese Tage nur ein kleiner Teil der Bevölkerung. Es hat z. B. kaum einen Bauersmann gegeben der diesen Tag bet festlichem Gelage gefeiert hat. WaS hat man den Beamten zugemutet an diesen Tagen? Man hat ihnen zugemutet, nicht aufs Bureau zu gehen. (Heiterkeit.) Das ist alles Am Festesfen sich zu beteiligen, war niemand gezwungen. Fn der Schule war es allerdings so, daß man den Lehrenr, zumutete, den Unterricht auSsallen zu lassen und eventuell mit den Kindern einen Ausflug zu machen. Niemand war gezwungm, bcmck'kr echerssche Reden zu halten und niemand bat solche gehalten. Vor allem nicht an unseren Hochschulen Tcr.n, kommt, daß jedermann im Lande geroufa hat. daß der letzte Gwßherzoq geradezu einen Widerwille^ gegen derartige Huldiaungen hatte. Wie ist es nun aber am 1. Mat Da heißt es nicht mehr, bn kannst feiern, 1 andern du mußt feiern. Taf- ist ht unserer Zeit xddjti anderes als eine Gewalt Nun zu dem Erlaß des Bild--.mgSamteS. Dieter Erlaß ist vielleicht über Gebühr angegriffen worden, aber er enthält auch einen PunÄ, der geradezu wie ein Schlag ins Gesicht nnrft, das, ist das, was ht dem Erfaß von mtlerer b.'utfdiat1 Vergangenheit gesagt, zum mindesten angedeutet ist, als fei die Bergangetcheü nur Gewalt und Unter- örüchmg gewesen. Das mutz man direkt als Beleidigung ernpfmden, befonterd, wenn man an die große (ftwche feit 1870 denkt, die doch einen bet*, imellofen Aufschwung brachte. Gewiß gabs früher^ Gewalt, aber ich meine, heute gibts Gewalt und Unterdrückung in nickst bedenkliliem Um'a <p Ich fagc allo, ich halte die Form des Erlasies nicht für glüellich und nicht für taktvoll, und kann die Haltung der Oberlehrer verstehen. Redner fragt lobtnm. nach einer Antwort auf lerne Anträge gelegentlich des Kapp-Putsches über die Frr d'^erger Affäre. Man hätte den Verbreitern oder Erfrn- dein des Friedberger Romans auf die Finger klopfm sollen. Ich möchte wissen, ob es richttg ist, was Herr Dr. Sttecker gejagt hat, daß dte Untersuchung doch sehr bedenkliche Tatachen -u- tage gefördert hat. Im Jnteresfe der Bevölkerung, tue ich zu vertreten die Ehre habe, mutz ich Den- fangen, daß vollständige Klärung geschaffen wird.
Abg Loos lDcm.): Es ist richtig, daß wir baau ba ftnb, praktisch? Arbeit zu leisten. Es hat sich aber zu bem Antrag Dingelbey eine große politische Debatte entwickelt und wir Linnen nicht still sein dazu. Tie Revolution am 9. November war allerdin^ keine Revolution. Es ist ein Verdienst des 9kbg. Delp den Schleier vor ben Ereignissen des 9. November gelüftet zu haben. Ter Redner schildert dann seinerseits bfa Vorgänge deS 9. November und b?r Folgezeit und polemisiert gegen die Deutsche Vollspartei und den Abg. Din^ldey, der früher sich auf den Boden der repu-
nr r velle geplanten Maßnahmen Tarnt man sich,
vvs die Bedürfnisse des Reiches an langt, ■V geb. $rohi * natürlich nicht verschließen, wenn man von dem grundsätzlichen Streit absieht, ob über»
Luaahmr von Anzeige» für bie lagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Perbindlichbest. Preis für 1 miu höhe für Anzeigen v. 34 mm Breit« örtl.d) 35 Pf., auswärts 45 Pf.: für Reklame. Anze igen von 70 rom Brette 150 Vf Bei Platz. Vorschrift 20", Anflchlag. HauptschrifUetter: Lug. woetz. Deranlwottlich für Politik: Auq. Ibodj; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zeitz: für den 21n3eigentcil: H. Beck, sämtlich in Biehe».
Besatzungskosten bedingt, die für die englische Besatzungsarmee nach englischen Mit- tetlungen auf etwa eine Milliarde Papier- rnark, für dte amerikanische auf 0,6 Milliarden Papiermark und für die französische und belgische Armee auf 4—5 Milliarden Papiermark monatlich zu fchätzen seien. Gegen die steigende Papiergewflut wären durchgreifende Maßnahmen erforderlich, wenn der Reichsbankkredit, der allein unsere Wirt- schast noch aufrechterhält, nicht erfchüttert werden sollte. Als den wirksamsten Hemmschuh faßte die Reichsbank schon feit Monaten eine Zwangsanleihe ins Auge, die in Kombination mit dem Reichsnotopfer gebracht weroen müßte. Durch sie würde das uns verloren gegangene Vertrauen des Auslandes am ehesten wiedergegeben. Da die Zwangsanleihe vom Reichskabinett nicht genehmigt worden sei, müsse die Vorlage über die beschleunigte Erhebung des Reichsnotopfers ohne wesentliche Abänderungen Gesetz werden, wenn die finanziellen Nöte nicht einer Krisis zutreiben sollen.
iert ess. Lautete stadt ir Rehberg Mannheim stav Trautman erkonzertop.73k: op. 92 A dur.
6.- nn< । id abends an der En kgAarliozudenUa i M.L-, fflr3u.ll. tieiiu Zushlijür »Orche-ierkoii eruenteknrlen i Theaters >?/, Uhr.t Musik u. Literal n Eteigaies-Aiiiüi ipinde für die M r Üo.wdllL ind,
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acht aber lassen darf man, daß, ungeachtet der 7m-VprüP Anerkennung dieses Bedürfnisses ein ge- J 1 •'»Imi rechter Aus g leich zwischen den Jnter- r 1920. abendi 7 Dh 1 essen des Reiches und den Interessen der ,eete , steuerpflichtigen gewahrt bleiben muß. «•rfilOP w hauptträger der beiden Abgaben sind Han- I viöl |j/,^ kl und Industrie. Bei dem ungemein starken Geld- und Kreditbedarf dieser Kreise war
Irrbit dürfe nicht In Frage gestellt werden. Für den tirfften Hemmschuh gegen das völlige Herunter- ileiten halte er nicht dir Vorlage über das Reichs- Donne s i to^er, sondern eine Zwan gsanlcihe. Ms r abends. Iw Int) einer Zwanqsanleihe hätte er sich eine vier- findenden h^enligc Anleihe gedacht, die in zwei kurzen aftiramber folgenden Terminen eingehobeu
1 -| ft .brrben sollte. Der (Ertrag könnte mir 20
f "sslfarden angenommen werden. Dre nachfolgen-
y Jb Redner Becker-Hesfen (D. Vp.). Dernburg
en.), Helfferich (D.-Ntl.) erklärten, daß die Ausgen einen tiefen Erndruck bei ihnen htnter- itn hätten, und verlangten die Ausretzung der g brs zur Vorlage eines schriftlichen Vor-


