Ausgabe 
2.7.1920
 
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170. Jahrgang

Aeitag, 2. Juli 1920

DrHd und Derlag: vrSHI'sche Unw.-Vuch- und Steindructerei R. £<ntge. Schriftleitung, Seschästsftelle und Druckerei: Schulfttatze 7.

Line Note der Sotschasterkonferenz.

Berlin, 1. Juli. (Wolff.) Die Botschafter­konseren; hat am 26. Juni der deutschen Frie­dens deleg atro n in Paris folgende Note über­sandt: _ _ ...

Sie haben durch Ihre Mte vom 7. Jnnr die Aufmerksamkeit der Konjwxni aus die Notwendig-

Berlin, 1. Juli. (WB.) Der Haushalt s- ausschuß des Reichstages genehmigte bei der Beratung des Notetats die Ansätze des Verkehrs­ministeriums, darmrter 185 Millionen für die Ve- scl-affung von Wohnungen. In der eingehen­dem Aussprache über die Stellenanforderüngen im Bereiche des Reichsverkehrsmirnsteriums wurde von verschiedenen Rednern wie auch von der Regierung dargelegt, daß nach der Sachlage sich die Aus­arbeitung einer neuen Besoldungsorcmung als nötig erweise.

Berlin, 2. Juli. Die Re ichs'ta g s- abgeordneten aus den besetzten Gebie­ten hielten geilem im Reichstag eine Besprechung verschiedener Mißstände ab. Alle Fraktionen m 11 Ausnahme d.r Unabhängigen haben mit aller Entschiedenheit verlangt, wie derVorwärts" meldet, daß die Reichscegierung auf eine Verkür­zung der Bese tzungsdauer Ihinwirke.

Relchrwirtfchaftsrat.

2. Sitzung Don Donnerstag, 1. Juli, 11 Uhr voran.

PnäsLent Edler v. Braun eröffnet die Sit­zung um II1/4 Uhr. -Ter Saal ist voll besetzt.

Auf der Tagesordnung steht der von allen Gruppen unterstützte 9ütrcag Wissel!': Tie an- dauernt'e Schließung von Betrieben bzw. die Be­schränkung der Produktion bringen vvllÄvirtschaft- liche und soziale Schädigungen so schwerer Art, daß dringend die Weg? zur Abwendung dieser Ge­fahren zu erforschen sind. Ter Ausbau der heu­tigen Erwerbslo senfürsorg; zu einer produktiven, dessen Ziel die Steigerung der Warenerzeuginrg ist, erscl-eiaft unurngä:rglich geboten. Ter wirt- schastspolitische Ausschuß wird beauftragt, die hier in Betracht Ivnrmenden Fragen zu prüfen uno dem Reichswirtsclmstsrat Vorschläge zur Beschluß­fassung 'zu unterbreiten. I

Rcicksuftnister |a. T. Wissell: Der Antrag ist von allen Gruppen, von Arbeitgebern und Ar- beitneh'Mern aus allen einzelnen Richtungen unter­schrieben. Es genügt nicht, den Arbeitslosen nur eine Unterstützung zu geben. Es gilt, ihnen Freude an der Arbeit zu bereiten und 'eine produktive Er- werbslo sensürsorge zu schaffen. Ich schlage vor, meinen Antrag nicht nur dem wirtschaftspoliti­schen -Ausschuß, sondern beiden Ausschüssen zur gemeinsamen Beratung zu üderwnsen, die eine innere Kdmmiftion mit ben Vorarbeiten betrauen möge. So können wir die Mittel erkermen, um aus der unhaltbaren Sage herauszuvommen. Ich bitte ohne eingebenbe Beratung dem Antrag zu­zustimmen. (Lebhafter Beifall.)

Reichswirtschaftsminister Dr. Scholz: Die Regierung wird im Ausschuß in der Lage sein, die bereits von ihr unternommenen unb beabsich­tigten Schritte darzulegen. Dabei ioirb es uns von großem Wert sein, von den Sachverständigen im Ausschuß zu erfahren, ob sie mit unseren Maß nahmen einberftanben sind oder welche Vorschläge sie zu machen haben. Der Reichswirtschaftsrat soll ein Parlament der Tat sein!

Geheimrat Weigert: Das Reichsarbeits- miniftcrium hat sich mit der Frage der produktiven Erwerbslosenfürsorge bereits befaßt und begrüßt die Möglichkeit, mit Hilfe des von ihnen einzu- setzenden Ausschusses diese Frage auf eine breitere Basis zu stellen.

Textilarbeiter I a e ck e l : Unbegreiflicher­weise ist bei der Zusammenstellung des wirtschafts- polilisck^en Ausschusses die Textilindustrie nicht be- rücksichügt worden. .Die deutsche Textilindustrie ist

von Aufträgen vollkommen entblößt. In diesem Augenblick vergibt man die Bekleidung ivr Sicher - heitswehr (einen Auftrag von 700 UOO Metern Militärtuch) an englische Firmen. (Lebhaftes hört, hört !) Die deutsche Industrie hätte diesen Auftrag zu billigerem Preise ausführen können. Weiler sind von Süddeutschland gewaltige Aufträge ins Aus­land gegangen, während bei uns Hunderttausende von Textilarbeitern arbeitslos grdtrorben sind. Vom Reichsivirtschaftsrat ist festzustellen, nach melctem Grundsätzen die staatlichen Verwaltungen ihre?lu.f- träge vergeben. Deutschland muß seine Dkusgabe darin sehen, die einzelnen Fabriken dem i'Aachte bereich des einzelnen Unternelimers zu eittziehen und sie selbst verwalten. Ter Antrag wird an den wirtschastspolstiscl-en. Ausschuß verwiesen.

Zu Punkt 2 der Tagesordnung, Beratung über den Ausfuhrabgaben Ausschuß, beantragt Herr Keinath, den wirtschaftspolitischen Ausschuß zu beauftragen, eine Kommission einzusetzen. Tas Haus beschließt dementspveckiend. Die Beratung über den Betriebsräteausschuß nnrb nach kurzer Debatte von der Tagesordnung abgesetzt und dem Vorstand die Festsetzung des Termins unb der 'Ta­gesordnung für die nächste Sitzung überlassen.

Schluß 121/* Uhr.

*

Berlin, 1. Juli. (WTB.) Ter vorläufige (Reichswirtsch^stsrat überwies einen von allen Gruppen unterstützten Antrag des R irlP- ministers a. T. Wissel l an den wirtschaftspolitischen Ausschuß. Ter Antrag farbert angvsich s der au- dauernden Schließung von Betrieben die sofortige Erforschung von Wegen zur Abwendung der daraus entstehenden Gefahren und ben Aus­bau der Erwerbslvsenfürsvrge in der Richtung einer Steigerung der Warener­zeugung Rcichsnnri scl-afts Minister Scholz war mit dem Antrag einverßxrnden.

Berlin, 1. Juli. (WTB.) In der öffent­lichen Sitzung des Reichsrats am Donnerstag nachmittag wurde u. a. ein Beschluß gefaßt über die Anrechnung der Dienstzeit der in den Reichs­dienst übernommenen Gememdebeamten. Angenonv men wurde ein Gesetzentwurf über eine vereinfacht« Form der Gesetzgebung für die Zwecke der lieber' gangswirtschast.

Nr. 153

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Vie Finanzlage der Reicher.

Berlin, 1. Juli 1920.

Der zur Beratung stehende Nvtetat wird einst­weilen von der Tagesordnung abgesetzt, weil der Haiishaltsausschuß die Vorberatung noch nicht ab­geschlossen hat. Der Antrag auf Beseitigung von Härten bet der Erhebung der Einkommensteuer durch Abzug an Arbeitslohn usw. wird einer Kom­mission von 28 Mitgliedern überwiesen.

Das Gesetz über ein dentsch-französisäies Ab­kommen über clsaß-lolhringische Rechtsangelegen­heiten wird in allen drei Lesungen angenommen.

Es folgt die Fortsetzung der Erörterung über die Regierungserklärung.

Abg. Müller- Franken (Soz.) polemisiert gegen einzelne Ausführungen des Abgeordneten Heim und dos Abgeordneten Schisser. Daß eine Partei noch 17ftähriger Regierungstätigkeit Ver­luste erleiden mürbe, war von vornl)erein Har. Das würde den Unabhängigen genau so ergehen. (Pro­testrufe bei den Unabhängigen. Großer Lärm.) Die Sozialdemokratie sei immer noch die stärkste Par­tei; sie habe einen so starken Rückhalt wie in kei­nem anderen Lande der Welt. An die Prophe- zeihungen des Abgeordneten Hergt über eine Wn- terentwickelung nach rechts glaube er nicht, wie er den Abgeordneten Hergt überhaupt nicht für einen geeigneten Prophet halten könne, nachdem seine Pwphezftungen vom Januar 1918 über das Unwesentliche eines etwaigen Eingreifens Ame­rikas in den Krieg so schmählich Lügen gestraft worden sei. Redner polemisiert dann weiter über die Abstinenzpolitik der Unabhängigen. Die Ar­beiter hätten den Unabhängigen nicht ihre Kraft für nichts geliehen. (Stürmische Zurufe.) Menn Sebebour ferner Partei vorwerfe, daß sie die rein sozialistische Ähre nicht mehr vertrete, so möge Ledebour nach Moskau gehen: dort würde er erfahren, daß man dort den Unabhängigen den­selben Fehler vorwerft. Die Tätigkeit der Reichs­wehr 'habe auch seine Partei kritisiert, wo es nötig war. So müsse auch der dNord an Paasche gesühnt iverden. Tie Militärgerichtsbarteit müsse abgeschafft werden. Wenn der Wahlkampf im Zeichn des Kampfes gegen links geführt worden wäre, so hät­ten die Unabhängig m mit ihren Putschgelüsten hier­an die Schuld. (Stürmische Protestrltft bei ben Unabhängigen.) Tie Geschichte werde die Verdienste Noskes m?erkennen, Wenn längst von Ledeboiir nicht tntehr die Rede sei. Noske habe das Verdienst, daß die R.-gi rang ter Volksbeauftrag en nicht im Chaos versunken sei. Man habe seiner Partei das Kleben an den Ministersesseln vorgeworfen. Tas sei nicht ein Grund dafür gewesen, daß sie sich nicht an der Kabinettsbildung beteiligt 'hätten. Volles Ver­ständnis tobe er für das schwere Opfer, das der Reichskanzler Fchrenbachim vaterländischen Inter­esse gebracht habe. Was Spaa angehe, so sei die Entnassniingsfrage eine Hauptsache. Eine solche Entwaffnung habe aber eine so schwache Regierung, wie sie bei dem Fortbestand der alten Koalition vorhanden gewesen märe, nicht durchführen können, andererseits scheine ein Zusammengelien mit der Teutschen Bolkspartei angesichts des Wahlkampfes unb der dabei ausgestellten Forderungen der Par­tei in der Auslandspolitik unmöglich. Wer eine Revision des Friü>ensoertrages Don Versailles anstrebe, müsse sich nach Bundesgenossen umsehen, das seien aber nur die sozialistischen Parteien. (Zuruf: Giolitti!) Ter neuen ^Regierung werde seine Partei abwarten c> gegenüberste Herr und ben unabhängigen Mißtrauensantrag nicht unter­stützen. Auch er warne davor, in Spaa Unmög­liches zu unterschreiben. Ter Tag werde bald kommet!, wo nicht nur in Italien und England, nein auch in Frankreich eingefehen werde, baß Deutschlands Los dasjenige der ganzen Welt sei. (Beifall.)

Neichsminister Dr. Wirth

hielt eine große Rede, in der er zunächst darlegte, daß "schon in der ersten Kriegs zeit das Mißver- haltnis zunschen den Ausgaben und den laufen- öen Einnahmm begonnen habe, der ersten ^?5^,bit habe noch aus der vollen Volkswirtschaft geschöpft werden können. Steuerpolitisch habe es schon 1916 ziemlich trübe ausgesehen. Der Gesamt- bedart dieses Jahres habe rund füns Milliarden be­tragen; die Einnahmen aber hätten alles in allem kaum zwei Millarden betragen. 1917 habe die Zweite Phase der wachseiiden Finanznot begonnen, der eigentliche Raubbau an der physischen, mate­riellen uno finanziellen Kraft unserer Nation. Bei Kampfesende hätten sich die schwebenden Schulden der 50 Milliarden-Grenze genähert. Dann sei der Zusammenbruch gekominen: militärisch und poli­tisch. Mit ihm sei die Krisis unserer Finanzen in das dritte Stadium getreten. Es habe eine ge­radezu beängstigende Zunahme der schwebeiiden Schuld begonnen. Die Liquidation des Krieges habe Monat für Adonat Milliarden gekostet. Daneben ständen die Ausgaben für den unendlich har­ten Frieden. Hinzu kämen die gewaltigen Sum­men, die für Verbilligung der Lebensmittel, son­stige volkswirtschaftliche und soziale Zwecke auf­gewendet werden mußten. Bei alledem hätte der Zusaminenbruch unserer Währung geradezu unheimlich ansgabesteigertld gewirkt. Die Ausgaben des Jahves 1918 hätten mindestens 58 Milliarden betragen. Ter Haushalt ft'ir 1919 weise vcchmingsmäßig die gerad-z-u fabelhafte Summe von rund ,4,50 Milliarden auf. Tie ganze Volkswirt,ck->aft sei erschüttert unb fordere Stützung durch das Reich. Die Milliarden für die Lebens­rnittel, die mir aiiszegeben 'hätten, unb die l:un- berte von Millionen für die Verbilligung der Bau­tätigkeit, sowie all die anderen Summen, die hier Kn Frage kämen, zeigten, wie ungeheuerlich die Wirkungen des Krieges auf die Volkswirtschaft seien. Der neue Etat für 1920 ist noch immer nicht fertig. In großen Zisftrn steht er jedoch im wesent­lich m fest. Ter Haushaltsentwurf sieht cmnähemb,

Das Programm für Spaa.

Paris J. Juli. (Wolff.) DasEcho,be Paris" ist der Ansicht, daß das Programm für die Konferenz von Spaa sich verbreitert habe. Lloyd George habe die Generäle in Berlin und in Ostpreußen ebenfalls berufen, so daß man daraus schließen müsse, daß nicht nur die Ent­waffnung Deutschlands, sondern auch das Schicksal der Gebiete, die einer Volksabstim­mung unterworfen sind, sowie auch das Schick­sal gewisser von Deutschland abgetrenntcr Ge­biete wie z. B. Danzigs in die Debatte ein« bezogen werden sollen.

Berlin, 1. Juli. (Wolff.) Tie Friedens­delegation in Paris überreichte heute der^F r i o denskonferenz zlvei amtliche Senf« schristen, die gleichzeitig den alliierten Regie­rungen in London, Rom und Brüssel übergeben worden sind. Tie erste behandelt die Zahlungs- sähi g k e i t T eu t s chl a n d s für die Wi^dergut- machung, die zweite legt int einzelnen.dar, wieweit Teutschland 'schott heute ferne Steuerquellen angespannt hat. In der Begleitnote wird darauf hingewiesen, daß Teutschland heute nxftn.lich we­niger wirtschaftliche Hilfsquellett zur Verfügung fteben als vor dem Kriege. Tie 'Durchfübrtmg der vo'.geschlagen eit 1 Maßitahmen soll Gegenstand mündlicher Besprechungen in Spaa sein. Gleich­zeitig wurde ein Gut acht eit über di: wirtschaftliche Gesamtlage in Teutjchland, seine Leistungsfähig test und die Möglichkeit seiner Kräftigung übergeben, das von 22 hervorragenden, int wirtscl-aftlichen Leben stehenden Männent unterzeichnet ist.

Paris, 1. Juli. (Wolff.) Tie Vertreter Frankreichs sind auf den Konftvenze^ von Spaa und Brütsel folgende: Millercmd, Foch, Finanz­minister Marsal, Minister für öfftntliche Ar beit.'N Le Troguer, Präsident der Wied?rgutanachungsi!am- miffion Tubois, General Äteygand, Wmiral Le­vasseur, UnterstaatKi'ekvetär Bigaioan, Tireftor des AuswäaAiien Amtes Berthelot, sowie dessen St.il- vertreter Laroche, Chef Km Ministerium d.s Aus­wärtigen Kammerer, sleltverrretettder Direktor im Amte für Handelsbeziehungeir Fbmriot, Delegier­ter beim Obersten Wirtschaftsrat Avenol, Direktor im Finanzministerium Sellftr, Finanzinspekteur Chaysser, inristischer Beirat im Auswärtigen Amt Fromageot, Direktor im Kohlenversorgungsamt Ader, Vertrete er Schiffahrt Hauplnrann Robert und der Dolmetscher beim Obersten Rat Camerlynk.

Paris, 1. Juli. (Wolff.) Haoas. Descha- nel präsidierte heute vormittag den Ministerrat der von Millerand über die Fragen, die in Spaa zur Sprache kommen, unterrichtet wurde.

Die deutsche» Teilnehmer.

Berlin, 1. Juli, r Wolff.) Zur Konfe­renz in Spaa werden nach den tortäufigen Be­schlüssen sich begeben: Reichzskanzler Fe hren- bach, Reichsminister des Aeußern Dr. St mo ns und die Reichsminister Tr. Wirth, Scholz und Hermes. Insgesamt werden 25 bis 30 höhere Beamte mit dem nötigen Bureauperfonal nach Spaa gehen.

schamloser auf politischem Gebiet angelogen wor­den seien, als durch die Mehrhfttsfozialisten. Tie Unruhen der letzten Tage seien vielfach durch Lockspitzel ber borge rufen worden, um der Reaktion willkommene Gelegenheit zu geben. Der Kapitalis­mus, der aus dem Krieg ungeheure Gewinne ge­zogen habe, wolle das jetzt im Frieden svrtsetzen auf Kosten des Proletariats. Die Konferenz in Spaa fei eine fd?roierige Frage, aber man dürfe nicht vergessen, daß es schließlich eine Zusammen­kunft von Kapitalisten fei. Noske, der sich von Offizieren habe einfeifen lassen, trage die Schuld an Spaa und mit ihm die Sozialdemokratie, die sich jetzt vor Spaa drücken wolle. Natürlich sträube die sich gegen die Dezimierung der Reick>S>oehr und der Sicherheftswehr, weil ihr damit ein Kampfmittel gegen die Arbeiter entzogen werbe.

Ter bayerische Gesandte v. Preger kommt auf die Bemerkungen des Reichsftnantzministers über die bayerischen Gehaltssätze zu sprechen, die höher seien als die des Reiches. Das sei zwar immer der Fall gewesen, habe aber leider noch nicht geändert werden können. Jedenfalls liege der bayerischen Regierung jede Msicht, in die Reichsbesoloung einKugreifen, fern.

Abg. Eisenberg (Bayr. Bauernbund) er­kennt die Verdienste der alten Regierung an. Tie Zwangswirtschaft 'habe auch ihr Gutes gehabt, was ihr Fehlen in Oesterreich beweise, andererseits aber dürfe sie nicht übertrieben werden. Eine Diktatur sei stets vom Nebel, wie uns auch die Militär­diktatur ins Unglück gestürzt" habe. Ein kräftiger Miitelstarid werde das beste Mittel gegen 'ein Um­sichgreifen des Klassenhaftes sftn.

Nach einer Reche persönlicher Bemerkungen vertagt sich das Haus auf Freitag 1 Uhr: An­fragen, Fortsetzung der heutigen Debatte, Notetat.

Schluß '6y4 Uhr.

X

Der Steuerabzug vom Lohn.

Berlin, 1. Juli. (WTB.) Der Reichs­tag hat beschlossen, die drei dringenden Anträge, die übereinstimmend die vorläufige Aussetzung des lOprozentigen Steuerabzugs vom Lohne fordern, gemäß dem Beschluß des Aeltestenausschusses an einen 28gliedrigen Ausschuß zu überweisen, der feine Beratungen unverzüglich aufnehnicn und tnelleicht übermorgen bereits berichten wird.

28 Milliarden an ordentlichen Ausgaben vor. Die Einnahmen des ordentlichen Hauslialts find so ge­schätzt, daß sie ergeben sollen insgesamt 28 Mil liarden, darunter 2,3 Milliarden aus noch nicht bewilligten neuen Steuern. Wenn die neuen 2,9 Milliarden Steuern bewilligt sino und all diese Summen emDommen, wird erstmalig feit der Vor­kriegszeit wieder das Gleichgewicht zwischen Ein- nannten und Ausgaben im ordentlichen Haushalt erzielt. Aber ist zu fürchten, daß wir das ge­wünschte Ziel dieses Jahr rechnungsmäßig noch nicht erreichen. Was den außerordentlichen Haus­halt anbe.ängt, so sind ohne die Fehlbeträge der Betriebsverwaltungen 'an Ausgaben vorgesehen: 11,6 Milliarden, darunter 5 Milliarden für den Friedensvcrtrag; doch wird letztere Summe kaum auseeichen. lieber die geradezu katastvopl)aft Ent­wickelung der Betriebsvenvaltungen ist zu fragen, daß die Eisenbähttverwaliung jetzt mit 14 bis 15 Milliarden Fehlbeträgen rechnet. Wenn die Fehlbeträge der Betriebsverwaltungen zusammen 15 bis 16 Milliarden ausmachen, ergibt sich ein GesamtMlstvand atts dem außewrdentlichen Etat von 26,6 bis 27,6 Milliarden, so daß nxieberum ein Etat, von insgesamt 54 bis 55l/2 Milliarden vor uns steht. Wo diese Entwickelung enden soll, das ist die furchtbare Frage, die wir uns vorlogett müssen. Taß bei derarttgen Anforderungen an das Reich die Schulden lawinenartig wach'en müssen, ist selbstvev!Mtdlich. Gegenwärtig beträgt die'Schuld des Reiches rund 209 Milliarden; doch ist das Bild der Reichsverschuldung damit iwd) nicht abgeschlossen. Das Reich hat ja auch aufsu flammen für die Kriegsauf­

wendungen 1 der Länder und Gemeinden. Deren Höhe wird sich auf 15 bis 16 Milliarden belaufen. Sobald diese Stimmen hinzugekommen sind, wird sich eine Reichsschuld von 264 bis 265 Milliarden ergeben. Diese Zahlen sprechen Bände. Das deutsche Volk wurde leider im Kriege nicht zu dem so dringend nötigen Steuerheroismus er­zogen. Während der sechs Jahve von 1914 bis Ende 1919 flössen I6V2 Milliarden an laufenden Steuern in die Reichskasse, wozu noch einschließ­lich des Wehrbeitrags 9V2 Milliarden einmaliger Steuern hinzukameu. Jetzt braucheit wir in einem einzigen Jahre mehr laufende Reichsstetiern als in den sechs Jahren zusammen an dauernden ein­maligen Steuern aufkamen. Sobald Spaa vorüber ist, nriro die Erhebung der Steuern untere Haupt­sorge sein. Auf die Einnahmen hieraus, die in diesem Rechnungsjahre vorausschichtlich 4,2 Mil­liarden betragen werden, kann unter keinen Um­ständen verzichtet werden. Am Schluß seiner Aus­führungen sagte der Minister u. a.: Wir stehen vor Spaa und damit stehen wir vor unserem Schicksal, ja vor deut Schicksal Europas. Von den Verhaudlungett in Spaa hängt nicht nur unsere Zukunft wesentlich ab, sonv. rn auch die Frage des gesamten europäischen Wiedwaufbaues. Wemt Ver- nmtft und Verständigungs'wilte die Bethant-lungen bcherrschen, kann man wöhl auf einen Erfolg hof­fen, der zu einer rascheren Behebung der Kriegs-- schaden zu führett vermag und uns auch ivirtschaft- lich wieder ztt Atem kommen läßt. Notwendig aber ist, daß Deutschlands wirtschaftliche Leistungsfähig­keit wieder gehoben wird. Nian darf nicht vergessen, daß interniationale Schuldabtragungen nur erfolgen können durch Sachgutlieftnmgen oder Tienstleistun- gen irgendwelcher Art. Das ganze Wftdergutmack-- ungsproblem wächst sich damit von selbst zu einem Problem der Produktion aus. Welche Finanztrans­aktionen man auch erbeuten mag, alle gelten schließ­lich immer wieder auf die einfache Formel der Ueberschußl-eistung der heimischen Wirtschaft an Waren oder Dienst zu Gunsien der Entente zurück. Unter diesem wirtschaftlichen Geiichlswink'l ist die ganze Wi.dergutmachuargs vage zu bemänteln. Wenn das Problem von Spaa für Europa zu einem gün­stigen Ende geführt werden soll, sind Verhand­lungen notwendig, die geführt merben müssen mit dem ehrlichen Willen, das niedergedrückte Europa pufzurichlen und die dvohende Gefahr des sina» ziel- len, wärtschaftlichen, sozialen unV allgemein kultu­rellen Bankevotts von den bart getroif<nen Ländern Europas zu bannen. Das Problem ist nicht nur ein deutsches, sondern auch ein europäisches, es ist ein Wcltproblem. Kommt es irgendwo zu einem Zusammenbruch, sofort pflanzt sich der Stoß auf alle übrigen Länder fort. Die Weltwirtschaft würde ungeheuren Schaden leiden, schon aus dem Grunde, weil wichtige Absatzmärkte verödm müssen. An unserem guten Willen bei den Berhandlungeil wird es nicht fehlen. Wir wissen, daß wir mehr als jedes andere Land unter den Lasten zu tragen haben werden, die der Krieg «aufedegt hat. Tie deutsche Regierung und das deutsche Volk haben trotz aller ungeheuren Nöte der Zeit bisher schon Leistungen vollbracht, wie sie noch feinem Volke nach einem verlorenen Krcege jemals auserlegt mürben. Nur darf man immer wieder nicht ver­gessen, daß jätet, der Arbeit leihen soll, auch das nötige Handiverkszeug und Arbeitsstoffe zur Leistung haben muß. Nimmt man ihm diese weg ober enthält man sie ihm vor, so kann man ihn nicht beschuldigen, daß er zu wenig, leiste. Tas deutsche Voll muß sich> jetzt des, ganzen Ernstes der gegenwärtigen Lage bewußt fein. In diesen Stun­den entfrbeibet sich nicht nur unser nächstes Sckstck- sal, ifronbern auch die Zukunft unserer Stinber unb Kindeskinder. Einig unb geschlossen müf'en wir stehen, müssen wir die Lasten auf uns nehmen, die aus dem Kriege unb dem Fricdensvertrage uns erwachsen sind. All unsere Hoffnung, daß doch noch eine bessere Zeit flammen wird, beruht auf Arbeit, auf unserem Können und dem Fleiße un­serer Hcknde. Die Not der Zeft muß bezwungen merben; nur durch ihre Bezwingung können wir sie befestigen.

Abg. Henke (USP.) erklärt, er wünsche den bürgerlichen Parteien in ihrem Liebeswerben um die Rcchtssozialisten viel Glück, aber seine Partei werbe den Arbeitern klar mgch-rl, daß sie läagAlä

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Kn Mengen

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er von dem r dem dieses ihm für die en an Brot- Xe Abnahme 1 äommissio- üverband ob. 11 b hat dafür erforderliche

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»erband von r wird ihm >ft entzogen, »mmissionäre

das in ihrem et unb ans- 1 die beschlag- üten Borrate intelt iverden. n Stellen hat lusdrusch ober ms Kosten des

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