Dienstag, 2. März 1920
Erstes Blatt
170. Jahrgang
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Der prozetz Lrzberger-Helfferich.
Berlin, 1. Mär;. (Wvlff.) Der heutige Verhanblungstag wird erngeleitet mit der Erörte- nmg ber angeblichen Tenunzicrung Öelfte r i ch s in der belgischen Frage.
Englisches -lusländcrgesctz.
Im englischen Parlament gelangte jLndc brs verflossenen Jahres das Gesetz zur Rege Hing der Ausländerfrage zur Verabschiedung. Lßenn auch das Oberhaus nach heftigem Rin gen,mit dem Unterhaus einige Milderungen durchgcsetzt hat, so enthält das Gesetz bcdi noch eine Reihe von Bestimmungen, die die Einwanderung und den Aufenthalt für efv ar als feind lick>e Ausländer außerordentlich er chweren. Ferner bestehen Beschränkungen für Die Beschäftigung in gewissen Berufszweigen, irr die Beteiligung an gewissen Gesellschaften' !0wie für eine Namensänderung. Das Jn- sltitut für Seeverkehr und Welt' wirtschaft ander Univers'itätKiel 'besitzt den vollen Text des Gesetzes und ist bereit, auf Wunsch gegen Erstattung der Ber- vielfältigungskosten Abschriften des Original- tcixtes oder ausführliche Auszüge in deutscher Sprache zur Verfügung zu stellen.
Die Namen der Ausländer, denen eine,Landung in England gestattet wird, werden von England allmonatlich bekannt gegeben. Das K i e l e r I n st i t u t besitzt eine erste Li'.ste, enthaltend die 129 Namen für die Zeit vc»m \ 23. Dezember 1919 bis 31. Januar 1920. Interessenten können die Namen mitge-- teilt,werden. Auf Wunsch kann auch eine regelmäßige Zusendung der Listen gegen Erstad- tung der Unkosten erfolgen. Unfragen sind in allen Fällen an die N a ch r ichte xfa b tc i«= l u n g des Instituts für Seeverkehr und Weltr- wrrtschaft, Kiel, zu richten.
Ein neuer Streit in SüdwaleS.
London, 29. Febr (Wolfs.) Die Stahlarbeiter von Südwales haben beschlossen, am Samstag in den Aus stand zu treten, um eine vierzigpwzentige Lohnerhöhung zu erreichen. Diurch den Streik werden 16 000 Arbeiter berührt.
Der Widerstand der Iren.
Amsterdam, 1. März. (WTB.) Englischen Mattern zufolge lehnt die irische Presse die Homerule-Bill ab. Tie Bill bezwecke die Plünderung und Teilung Irlands und sei eine Beleidigung für Irland.
Die Wahl eines Reichsverweser» von Ungarn.
Budapest, 1. März (WTB.) Die Nationalversammlung wählte heule den Admiral Nicolaus von Hort Hy zum Reichsverweser, worauf dieser den Eid aus die Verfassung abtegte. Tie Nationalversammlung beschloß ferner, der Wahl Gesetzeskraft zu geben und ein Ehrenhoiwrar von irrer Millionen Kronen für den Verweser ausqusetzen.
Annahme van Anzeigen f. bie Xagc'Muimmer diS zum Aacdmlllag variier ohne ledeVerbindlichkeit. Preis |flr \ mm höh« für Anzeigen v.34 mm Brette örth.ii 25 Pi, ausivärts 30 Pi. - für Reklame- Anzeigen von 70 mm vreue»' Pf. Bei Plah- oorfcbrmM* Au'fclllag. Haupts cd riuicucr: Ang. Soe?v Verantivorttich für Politik: Aug. Goetz: für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; sür den Anzeigeuleä'. H. Beck, fämihd) in Dietzen.
Der Streik in Frankreich.
P ar is , 2. März. (WTB.) Der Nation ale Eisenbahnerverband teilt mit, daß infolge von Besprechungen beim Ministerpräsidenten eine Einigung zwischen Vertretern des Verbandes frnb der Eisenbahndirektion erzielt wurde. Daher wird der Befehl, die Arbeü sofort wieder aufzuneh- nten, vom Verband gegeben werden.
Paris, 1. März. (WTB) Savas meldet aus Sttaßburg: Gestern nachmittag wurde in der Schlußsitzung des sozialisttschen Kongresses mit» geteilt, daß die Eisenbahner von Elsaß- Lothringen sich dem Ausstand angcschlos- fen haben.
Ääm*»fc in Syrien.
Am sterda m, 1. März. lWTD.) Die englischen Blätter vom 28. Februar bringen ein Telegramm aus Kairo über die Kämpfe in Syrien, wonach dieTürkenundAraberAle- xandrette genommen haben.
Eine englische Anregung auf AuSvau de» Völkerbundes.
Amsterdam, 1. März (Wolfs.) In der Unrerhaussitzung vom 23. Februar Staate Lord Cavendifb Mvnting den Premiermrm^ er, ob bte Regierung den Regierungen der Allurrtcn empfehlen mürbe, daß als Auss chutz des Völkerbundes der Wiede-rgutmach - ungsausschuß eingesetzt rnirb, und daß Vertreter der deutschen und ölterrerchr- schen Regierung als Mitglieder in diese Körperschaft auf genommen werden, damit tte gegenseitigen Rechtsaniorüche mit den ?0rKsicke- rungen des wir schädlichen Wiederaufbaues aus- geg.icbe:'. werden und Mitteleuropa vrr dem Bankrott lewahrt loetbe. Lloyd George errav- terte, Bieter Vorschlag bedeute eine vr.lltbnumene Umswßung der Bedingungen des Völkerbundes. Er könne daher die Allrierten nicht aufDrdern, ihn mr zunehmen.
Die vertehrrnöte im zerstückelten Osten. 1
Königsberg, 1. März. (WTB.) Ter Prä--1 f ident Rißmann tarn Landesfinanzamt in Ostpreußen, Mitglied der deutschen Delegation für Verkehrsangelegenheiten in Warschau, berichtet nne die Abendblätter melden, über den polnische! Standpunkt bei den Verchrndlungen über den Turchgangsverkehr von Deutschland nach Ostpreußen u. a.: Einen Turchgangsvcrkehc vom Rumps Deutschlands nach Ostpreußen durch Polen gibt es nicht, denn Polen und Ostpreußen grenzen gar nich aneinander, weil der Freistaat Danzig und die dlbstimmmrgsgebiete RLariemverder und Alleinstein dazwischen liegen. Polen will verhandeln mit Danzig und den alliierten Verwaltungsaussäüinen. Es erkennt die Souveränität Tcutschlands über bie Wstimmungsgebietc nicht mehr an und will diese völkerrechtlich nur durch die alliierten Ausschüsse vertreten wissen. Hiergegen wird auf Anordnung des Lluswärttgen Amtes in Berlin Protest eingelegt. Im PersancnverLehr lehnt Polen den Durchgang über Dir schau nach dem Abstimmungsgebiet Marienburg ab, da Tirschau für den jetzigen Kriegszustand Polens mit Stwjetrußland ein äußerst wichtiger Eisenbahnpuntt für den
'Nachschub von Danzig nach Polen ist.
Bezüglich des Güterverldyrs will Polen dm Verkehr von Deutschland in Kvuitz übernehmen und ihn in Marieichurg oder Nkarienwerdcr wedn an tt deutsche Bcchnvcrwaltung übergeben. Ti ! vom polnischen Finanzministerium unter der öanb rnitgc- teilten Vorschläge für das Zollverfahren bet dm lieber gang aus Deutschland nach Polen und umgekehrt erdrosseln den Verkchr vollständig. Br- züglich des PaßverkchrS besteht Polen auch für dm Durchgangsverkehr aus allgemeinem Paßzwang.
Die Abstimmung in Masuren.
Berlin, 1. März. (WTB.) August Winni g, Oberpräsident von Ostpreußen, teilte einem Mitorberter des ,.Vorwärts" mit, nach Aussagen von Mitgliedern der Entendekommissi-rn würde sich die Abstimmung in Uüasuren spätestens! im Full ober August stattsinden. Tie Wahlaussichten könne er als ä u ß e r st gut bezeichnen.
Die Vergleichsfrage zwischen Staat und Königshaus in Preußen.
Ans dem besetzten Gebiet.
Warnung vor ausländischen Aufkäufern.
Koblenz, 29. Febr. Der Reichsverband für Herren- und Knaben-Klei- düng, E. B. Düsseldorf, Ortsgruppe Koblenz, erläßt fvlaenden Aufruf: Der Tiefstand unserer Valuta lockt fremde Staatsangehörige hierher, welch:, ohne im Ve'rtz orchnun^mäßige^ Papiere zu sein, unter Au-- nltzung mtferer Notlage auch noch bie letzten Vor*
Berlin, 2. März. Die sozialdemokratischen Fraktionen der Nationalversammlung und der preu- nschen Landesversammlung hielten gestern abend eine Sitzung ab, um zu dem Vergleich zwischen dem preußischen Staat und >er Krone Stellung zu nehmen. In beiden Fraktionen ging die übereinstimmende Meinung dahin, daß das Vermögen der früheren königlichen Familie als Eigentum der Allgemeinheit anzusehen ist, die der Familie überhaupt ferne Entschädigung schulde.
In der heutigen Sitzung der Landes Versammlung wird der scharf ablehnende Standpunkt der ozialdemokvatischen Fraktion gegen den Vergleichs- Vorschlag hinsichtlich des Vermögens der früheren königlichen Familie begründet und der Vergleichsvorschlag einem Ausschuß überwiesen werden. In Verbindung mit der Vorlage soll der Antrag der Unabhängigen auf Enteignung des Vermögens der ehemaligen Fürstenhäuser beraten werden. Die bürgerlichen Parteien haben sich fest entschlossen, den Vorgleichsvorschlag anztmehmen Ob der einmütige Widerstand der Sozialdemokratie ihre Haltung beeinflußen wird, erscheint völlig ungewiß.
Bei der ersten 100jährigen Wiederkehr dieses Schmachtages im Jahre 1748 hatte man den Elsässern nicht zugemutet, ein Fest zu feiern. Tie französische Tespotie hatte unfern freiheitliebendcn Vätern bereits allzu tiefe, empfindliche Wunden geschlagen, als daß sie mitten in all ihren Leiden nicht gefühlt hätten, daß durch oie Feier der Unterjochung ihrer Vorjahren durch fremde lieber - madü sie ihre Ahnen, ihre Vergangenheit verleugnet und ihre eigene Schmach zur Schau getragen hätten: sie fühlten allzu tief, daß ein Volk, das seine Nationalität preisgibt, Selbstmord begeht Europa weiß, was Elsaß, was Straßburg ttxn : ein blühendes, reiches, beneidenswertes Land, eine Stadt, geehrt von allen und, weithin in die deutschen Gaue, ein glorreiches, nachahmungswürdiges Vorbild. Und jetzt? Wohin ist all dieser Glanz, wohin all dieser Ruhm, wohin all dieser Wohlstand?" Tie Kunst sei davongezogen, die Wissenschaft vernichtet, handel, Industrie und Gewerbe verfallen. „Nicht bloß zur Garnisonstadt, bis zur Bettel statt sinkt Straßburg herunter, nwm nur wenige Jahre noch die Dinge im jctzigm Zustand verbleiben. Urft» nxc Kirnte es anders werden? Was kümmert sich Paris, was Frankreich um Straßburg, was um des Elsasses gerechteste Klagen und Forderungen, trotz aller Huldigung, bi« von hier aus dem großen Mutterstgate, der unser Vaterland verschlungen, bargcbvackt werben? Ist ber Elsässer doch noch immer ein Deutscher und tnxrr ent dickdäuptiger Deutscher für die zahl lose Menge der Stockwelschen, gut zur Erhebung beträchtlicher Steuern, gut zu Kanonenfutter und zu jeglicher sonstigen Ausbeutung, wie viele Feste ihr auch nod- zu Frankreichs Ehre feiern möget!" „Deutsch ist, deutsch bleibt nvck, für lange der alte Grundstock des elsämfchen Volkes, nxc lehr er auch birrri) fremde Einntisckmng und durch llnterdnlcknng. gehemmt und gefährdet werde. Nimmermehr befreundet sich der Grundcharaller des Elsässers, Wimmer mehr befreunden sich seine angestammte istettichkeil und Offenheit, nimmermehr sein eckn deutsches Gemüt und Sittlichkeitsaefühl^mit wel scher Frivolität und Leichtfertig(wft. Sottild er aushört, Elsässer zu fein, sobald er in tnnbenhafter1 Vermessenheit sich einbilbet, Franzike zu sein, erniedrigt er sich zum fratzenhaften Zerrbild, zur Karikatur."
Schneegans schließt mit dem Gelöbnis, daß es noch Elsässer gibt, die sich innig verknüpft fühlen mit der deutschen Vergangen beit imd den deutschen Ahnen.
tion" m meiner Broschüre bezieht sich aus den Vorstoß, den Erzberger in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" am 23. Juli 1919 gegen muh bezüglich der belgischen Frage unternahm. Er sagte darin: „Unter Hclfterrchs Aegrde wurden die schwerindustriellen Aspirationen aus Belgivi ox- gani siert " Deswegen mußte ich in bei cm Angrin eine Drohung mit der Ausliesenrngsliste sehen inti> eine Denunziation an die Entente. Erzberger hatte bas subjellive Bewußtsein, daß er nnch tn die Gefahr der Auslieferung brachte. Ein Beweis dafür ist seine Rede, bie er sechs Tage später m der Nationalversammlung geeilten hat. '
Erzberger wird bieutnif als Zeuge vernommen Er erklärte: Alle Behauptungen des Angeklagten auf diesem Gebiete bann ich unter Eid als falsch bezeichnen Im übrigen wußten unfere Gegner über die belgische Frage sehr genm: Be- sckeid, berat bet bem übereilten Rückzug Mis Belgim wurden alle Allen über d« belgische Frage drmh die Nachlässigkeit er:»5 Beamttrn nuh! r^^etttg abtransp ri Tt und ft lenl'n .t Lcknd der ©.Igier. Ten Vorwurf der Seranatoten teetk rchmtt großer Enrfchiedenhftt zurück. EUzk>«»er verlieft e.ir? Stelle aus bem stmogravhachSi W®wll der NariTnalversarnrnlung Dom 29 ^nlt 1919, irm^u beweisen, daß br Araßerung './-Tamt kmmm Sic sich nicht beklagen, wenn getmlfci ^ticirrchkeiten das Mißgeschick passieren wllte, auf bie Auslre- ferungsliste gesetzt zu werden", nicht eine Äsche
rung von ihm, sondern von dem Abgeoidnetrn, Aticßler war, die er, Erzbcrger, in seiner Rede nur zitiert habe. Der Sinn meiner Rede war jedenfalls ganz anders, als der Angc- tiagte ihn hier darftellt.
Vorsitzender: An bie Nennung des Na- nicns des Angeklagten in düsem Zujammnttving dachten Sie alsa nickst? — Erzbcrgcr: Nein. — Rechtsamvalt Alsberg: Auf den Namen delfferich war bxb aber seckis Tage iorher ui der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" zweimal li.nge- iviescn worden. — Erzderg« r: Mit Reckt. — delsserich: Es ist nicht wahr. Ich mutz diese Aeußerung nochmals als eine ? gemeine Denunziation bezeichnen. — Ter Vorsitzende rügt diesen Auübruck. — Helfserich behauptet, der sienograplisckst Bet licht, auf den sich die 4lussagc (s-rzbergers stütze, sei abgeänbert worden. Tie belgische ^Regierung Hot über meine Tätigkeit anders geurteilt als Sie. — Erzbcrger: Tas Gegenteil i|t der Fall. Von der belgischen Negierung werden Sie als der vanplur'hcher angesehen. -- Zmae Gch/.nirat Rießer beEunbet u. a : In jener Rede, oie her in Frage fttbt^ machte ich den Passus sv, wie er mir in den Mund gelegt wird, nicht. Meines Erachtens muhte Erzbcrger sich bewußt fein, daß diescharfen Angriffe, die er gegen Geheimrat Lugenberg, Lelffertch, üu-1 dendo r s und andere in seiner Rede
Die Zustände in Sowjet - Rußland.
Amsterdam, 1. März. (Wolffs „Daily News" bringt eine außerordentlich pcssimiftische Schilderung des Sonderberichterstatters der „Neu-- York World" übet die Zustände in Sowj et- rußland. Tas Eisenbahnwesen sei erschüttert. Eine groß angelegte Offensive gegen Polen oder einen anderen Nachbarstaat sei daher ausgeschlbf- fen. In dNoskau, Petersburg und anderen Jn- dusttiemittelpuntten verhungerten rund acht Millionen Menschen, von denen nur eine dünne Schicht zu den Bolschewisten gehöre, langsam aber sicher. Tie Sterblichkeit Moskaus betrage 30 Prozent. Tas Land werde von Epidemien heimge- fucht. — Es ist auffallend, daß die radikale „Tally News", btt bisher allen derartigen Meldungen über Sowjctrußland zweifelnd gegenüberstand, üryt den Eindrücken, die der amerikanische Journalist in seinem zehnwöchigen Aufenthalt in Sowjetrußland erhalten hat, einen so weiten Raum gewährt.
Paris, 1. März. (LVB.) Nach dem „MatSn" trafen in Paris ungünstige Nachrichten ans Slib- rußlanb über die Lage der Arm« Dknikins ein. Die einzigen Truppen, tte erfvlgvnch gegen die Bolschewisten kämpften, seien östlich von Rostow.
vom 2 5. Julirichtcte, die Entente veranlassen konnte, ihre Auslieferung zubegehren.
Zu bem birauf behandel den Falle an ke , bei bem es sich um die Dirbstahlsaffäre im Flotdni - verein handelt, bekundet Zeug' Grundow, ivr als Richter die Vorunlersuckmng gegen dte b.iben des Diebstahls besckiuldigtcn Jankd, Valer und Solpi, führte, Erzberger habe auf die Frage, ob er wisse, wie und durch wen gewisse Schrift^ stücke in den Besitz des „Baycrifckien Küri-ers" kamen und innneweit Janke in Betracht käme, bi: Antwort mit dem Bemerken verweigert, daß >it sich bei ihrer Beantworttotg strafteckülichcr V-ri fofgung aussetzen würde. Der Zeuge er klärt mit Beitimmtheit, daß von Liebsdähl gesprochen wurde. Rechtsanwalt Bertram er Bart, Erzbcrgcr feit langem zu kennen und bei einem Gespräch mit ihm 1906 die Antwort erhalten zu haben: Em Diebstahl liegt nicht vor. ReickstSminifter Gießbetts erklärt, daß er sich an die .Vorgänge, die fidj 1916 um bie Steuervo-clagm dvehten, nicht m?hr erinnere. Zur Julivcsolution bekmchet d'r Z«tgc, er habe das Vorgehen Erzbcrgers nicht als 1 raten Vorstoß angesehen. Auf weiteres S‘fragen1 erklärte der Zeuge, daß nur der engere Ausschuß her Zentrurnsftaktion von den Absichten Erzb'tgerS wußte, lieber die vertraulichen Behandlungen des Parteitages des Zentrums in Franfturt a. M. leimt der Zeuge jede Auskunft ab, da sich alle An- toeieitben zum StTCfdto igen verpf ichtrt hätten. Minister David führt aus, die soztoldenwkrali'che Partei ftcke Bethmann-Lollweg eingelMnd unterrichtet über ine im Volke herrschend: Mißstimmung. Sie habe eine klare Erklärung über bi: N'ri-gs-iele gefordert. Ebert habe erklärt, das Volk Härte j>.d-s Vertrauen zur Regierung verloren, .'s müsse reiner Tisch geichoften werden. Der Vorsitzende des (Gerichtshofes saßt die Aussoge Davids dahin zusammen, daß er den Vorstoß Erzbergers nicht als etwas betrachte, aus dos die Regierung gftaszt ftin mußte. David erklärt, er wisse nicht, ob bie Roi qienmg wissen mußte, baß diese Aktion gerad? von Erzberger ausgchen werde, obre bv: Regierung sei darüber unterrichtet gemein, daß eine sehr kritische Situation vorhanden war.
Berlin, 1. März. (WTB.) Im weiteren Verlaus der Verhandlung fragt tz e l f f e r i ch Erzberger, ob es richtig sei, daß kürzlich z u tz ä n d e n des Generaldirektors Rabes vom Thyssenkvnzern 400 Mill. Mark als Entschädigung für die lothringischen Hüttenwerke gezahlt worden seien Erz- berger lehnt es in seiner Eigenschasi als Rcichssinanzminister ab, dar- über sich in der Oesfentlichkeit zu äußern. Es handle sich auch nicht ton dir Firma Thyssen allein, sondern um 16 Firmen. In der vierten Nachmittagsstunde erflärte der Vorsitzende die Beweisaufnahme für geschlossen.
Berlin, 1. März. (WB.) (Ergänzung zum Helfterich-Prvzeß.) Giesberts sagte zur Frag' der Steuittrortagen noch aus, einer svlchm Äußerung Erzbergers, biß der Reichskanzler auf bt’ Durchführung der Vorlagen keinen Wert leg: Mecde er sich unbedingt erinnern Ein- so markante Aeußerung des Reichskanzlers wäre, tomn er sie gehört habe, seinem Gedächtnis nicht ent- fallen.
Die.„^mrantin" über die poüamrntarische Lage.
Berlin, 2. März. In der „Gcr maniä' wird gesagt: Die Opposition von rechts und linT? möge bedenlln, daß die Sprengung der Koalition nicht der Beginn ihrer Herrschaft sein könne Die Uebcrzcngung von der Notwendigkeit bei Fortführung btt gegenwärtigen Politik fei im Zentrum so fest fregrünbet, daß das Ausscheiden einzelnerPersönlich'keiten nichts daran andern werde.
Ztrahburger parallelen.
Kaum ist das alemannische Elsaß der alten ftanzösischen Begehrlichkeit wieder anheimgefallen, so beginnt auch schon das alte Leid, unter dem das Land Jahrhunderte gellltcn. Wie das führende katholische Blatt des Unter-Elsasses, der „Elsässer", scststellt, sind die Schlagworte von der „Tragik des Grenzlandes", von der Behandlung als „Bürger zweiter Masse", von dem „doppelten Maße", mit dem gemessen wird, von neuem zu hören. Die ftan- zösische Geschichtsschreibung hat es in ihrer geschickt sälschcnden Att immer so dargestellt, als ob sick) die Elsässer wahrend der ftanzösischen Herrschaft wohl gefühlt hätten, und besonders viel ist von dem angeblichen „elsässischen Jubelfest" vom Jahre 1848 gesprochen worden, bei dem die 200. Wiederkehr des Friedens von Osnabrück gefeiert wurde. In bem „Grenzboten" erinnert Fr. König an ein* Betrachtung, die damals der Stabtarchivar Ludwigs Schneegans von Straßburg in dem Hauptorgan der nationalen Revolutionsbewegung, der „Deut scheu Zeitung", veröffentlichte. Der ganze Jammer, «der ihn und alle echten Elsässer erfüllle, kommt in dieser Klage über die Verftemdung der .Heiinat ergreifend zum Ausdruck, und seine Worte sind heute, wo die Franzosen mit leidenschaftlichem Nach druck das 1870 unterbrochene Werk der Romani- sieiung wieder ausgenommen haben, zeitgemäßer Demi je.
,Lm Augenblick," schreibt Schncegans, ,,nx> in ganz Europa die Nationalitäten sich geltend zu machen stricken, mo die unterjochten Volkn hck- denmütig ringen nach WiÄrerclangimg verlorener Freiheil und llnobbängigkeit — in diesem Augenblick soll das Elsaß, zum ersten Male, bas An- denken an seine Ueckergabe, an seine schmählich vollbrachte Abtretung an Fraickrrich festlich de gelpn' Enkel, reparblÄanische Enkel ehemaliger Republikaner, fallen das 200jährigc Arativersarium der Unterivchung ihrer Vorfahren durch eine frembe, despotisch rnonarchiiche Macht mll jubelnder Freude begrüßen! Welch ein Fest! Seit Jahrhunderten hatte Frankveick unverwandt seine tirfhernen Augen auf bas blühende Elsaß gerichtet. Seit den Tagen Kaiser Friedrichs III. hatte es alle List der Tipb>- matic aus gewendet, um Straßburg abfällig zu machen von seiner alten Treue am Deutschen Reich. Umsonst waren alle Bemühungen, umsonst alle Ränke. Die glänzendsten Versprechungen sch.irmen an dem Ehrgefühl unserer Ahnen und an ihrer unerschütterlichen Liebe zur Frei'hnt und zum Vaterland. Erst nachdem durch die endlosen Drangsale des Dreißigjährigen Krieges Deutschland zerrüttet bar* nicdcrlag, gelang cs Richelieu, das sell Jahrhunderten durch Frankreichs Könige rastlos verfolgte Ziel zu erreichen imd sich im Fnedcn von Münster von Oesterreich die Landgrafschaft Elsaß imo die Reichsvogtci der zehn Städte abtreten zu lassen. Die zehn Reichsstädte sanken hernieder zu Mnni- zipalstädten, und nur zu früh ichon mußten die im Elsaß ansässigen Stände es sich gefallen lassen, als französische Vasallen behandelt zu werden. Jetzt schon wußte Frankreich mehr sich zuzueignen im (Asaß, als ihm durch den Westfälischen Frieden war zugestanden worden."
Nr. 52
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für OberHeffen
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