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Erstes Blatt

170. Jahrgang

Montag, 2. $ebnior 1920

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhesien

SwlMngrrunddNlS u. vertag: Vrühl'fche Uuiv.-vuch- il Stembriuterei 8,Lange. Schristleitung. SefchästLstette luDrnderei: Zchulstr. 7.

Ur. 27

ter «iefener Anzeige, erid)eint iäfllicb, auyer oim- und Feiertag«.

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Anaahme von Lnzetge» f. die 4.oqe^mimmer oiS juin Nachmiklaq vorder ohne jedeBerdindlichkeit. Dreis für 1 mm höhe für Anzeigen v.34mm BreUe örtlich 25 St, auSioärtS 30 Pi.; h"it Reklame- Anzeigen voll 70 mm »reite 90 Pf. Bei Platz- Dorlchnfi2Oe/yinfd)lag. HauotichN'tleiter: Aug. Goeiz. Berautioortlich für Politik: Aug. tooeg; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für bett Airzelgeuteü: p. Bert, lämthd) in Dieben.

Die eisenerzeugende Industrie im letzten Jahre.

Das Jahr 1919 gestaltete sich für die eisen- rr8cugenbe Industrie auferordentlich kritisch. Nach dem Waffenstillstands- und Friedensvertrag mutz­ten wesentliche eisenerzeugende Gebiete abgetreten werden, die vorher die beScutenbftm Versorger der deutschen Eisenindustrie bildeten. Besonders ein­schneidend war der Wegfall des lothringischen M i - nettereviers, der die in Deutschland verblei­benden Lüttenwerke dazu zwang, ihre Versorgung mit Eisenerzen auf eine ganz neue Grundlage gu stellen Zwar hatten die Lüttenwerke zu Anfang des Jahres noch erhebliche Bestände. Diese aber wurden im Laufe des Jahves fast völlig auf- gebraucht. Einen teilweisen Ausgleich suchte man durch stärLece Heranziehung der Gruben im Sieger- landc und der Jlseder Gruben herbeizusühren sowie durch eine Erzeinfuhr aus Schweden, die sich uamentlich im Sommer belebte.

In der Hauptsache muhte aber eine Versorgung der Hütten mit lothringischen Erzen ins Auge go- e-erden, die nur auf dem 2Bqje von Verhau d-

i mit Frankreich erreicht werden konnte. Diese ndlungen zogen sich lange hin, führten aber endlich zu dem Resultat, datz Frankreich lothrin- «isckst Minetteerze gegen deutschen Koks liefern sollte, und zwar auf der Basis 1,25 Tonnen Erz gegen 1 Tonne KvE. Die täglich zu liefernde Kvksmenge wurde auf 6500 Tonnen, oem- aemätz die täglichen Erzmengen auf 8125 Tonnen ^stgesetzt. Die Lieferungen begannen im Mai und find seitdem ununterbrochen durchgeführt worden. Seiber wurde aber die vereinbarte Erzmenge nicht erreicht, weil die Franzosen keine Wagen für das Mohr an Erzen zur Verfügung stellten und die deutschen Kokswagen bis zur höchstzulässigen Grenze Maltet wurden. Daher steht ungefähr ein Fünftel der vereinbarten Menge an Erzen mit rund 800000 Tonnen zur Zeit aus.

Da die französische Regierung eine direkte Ver­rechnung mit den Hüttenwerken ab lohnte und auf der Ausführung von Staatslieferungen bestand, figuriert das Reich als Bezieher der Minettcerze und verrechnet auch die Lieferungen mit Frankreich. Frankreich liefert die Er«tdaud", also zu einem Einheitspreis Da jedoch in dem Eisenausbringen von den verschiedenen Gruben Schwankungen bis jju 8 Droz, und dadurch Unterschiede im Wert bis 40 Mk. pro Tonne vorliogon, bestehen dje Hütten mit Recht darauf, datz Eisenerz nach Gehalt ver­lauft wird.

Zur Durchführung dieses Abkommens ist dem Keichs ko mmissar für Erzversoraung, der die Ver- handlun^n mit den französischen Behörden über die Ausführung des Abkommens leitet, ein beson­deren Bureau,d i e M i n e 11 e-V e r t e i l u n g s- fielle", beigegeben. Hier werden unter Leitung des Reichstommissars alle Fragen über die Mi- nettebelieferung, -Verteilung und -Bercchmrng zwi­schen Reich und Industrie erledigt. Zur Wahrung Öftrer Interessen sind der Industrie weitgehende 9k(f)te auf die Abwicklung der Geschäfte der Minetteverteilungsstelle ein geräumt. Bei Vertei­lung der Erze wird der Verteilungsf^an vom Reichskommissar ausgearbeitet und den Werken vorgclegt. In strittigen Fällen wird eine Gut- achterkommion herangezogen, worauf der Keichskommissar seine Entscheidung fällt. Auf diese Deise ist dem Reich die Entsch.-idmig in der Ver­teilung unbedingt Vorbehalten, während anderer­seits auch die Interessen der Werke weitestgehende Berücksichtigung finden.

T-echnffch regelt sich die Belst^rng derart, »atz die Erze in ganzen Zügrn von tat Lief rgruten uub den Empfangswerfen vollen. wird daher nonathd> ein Verteilungsplan den fvanzösischen Sorgelegt, nach dem die Expebition der Züge er- lülgt.

hinsichtlich der Verrechnung kommen die Werke kür sam'lrÄxLvsten auf, w.lche dem Reich durch zbelunerung entitehcn. Tie Vererchnung elbst wirb auf dem Buroau der Minctt'vertei- ungsstctte rwrgenommen, wobei sich dieses nach aufsei*teIIben Verrechnungs- 'ÄffcL^5 und. ut seiner stattlichen Eigen- chaft lediglich darüber wacht, datz die Gesamt- jPJTY Höhe erreicht, um alle

Tlntoftcn des R rches zu decken. Durch dieses stu- ammenarbeiten des Reichs Lo miniisar- mit den aBerbrauthdroerflm ist die Schaffung einer beson­deren privaten Bezugsver<'rnigung vermieden Wor­ten, welche das Zusammenarbeiten zwischen Reichs- Qlcllen und Erzveriaauchern nur erschiveren würde

Ston den beiden M a n ga ne r z g r u b e n Hernie und Geier konnte die Förderung »er ersteren gesteigert werden. Dagegen fielen die Dien gen, die sonst aus den unter franzö­sischem Einflutz stehenden Geier-Gruben zur Ver­fügung standen, in der ersten Hälfte des Jahres fast ganz weg: sie sind jetzt etwa aus die Hälfte ter früheren Mengen zu veranschlagen.

Es Klang auch im Laufe des Sommers, wieder den Abbau von Domrwitzer Manganjchlacfen in Betrieb zu nehmen, bet aber gegen Ende des Lahr cs wegen Kphlenmcmgels wieder eingestellt herben mutzte. Zur Herstellung ha>chprozentigen Manganeisens gelang es, eine ansehnliche Menge ton Klluklasuscrzen auf dem Tonauwege einzu- s ihren. Jedoch ist auch hier ein großer Teil der noch unterwegs befindlichen Erze hegen geblieben, weil cs nicht möglich war, die nötigen Bunfer- whlen für du Schlevpzüge bereitzu stellen.

Tie Verkehrsnvt, die gegen das Ende «s Jahres einsetz'e, hatte zur Filge, datz die größeren Förderungen im Siegerlande und in sIiebc nicht voll abgefahren werden konnten. Die trnner mehr anwachende Kvhlcnwot führte zur Aengrren Durchführung der Zuteilung der Kon- hngente für die einzelnen Werke. ErÄstvcrend tut zu diesem Umstund noch, datz die Berke fes-

lage in den btiden letzten Monaten es oft nicht gestattete, die Hirtten mit den ihnen zu stehenden Mengen regclmätzig zu versehen.

Tic Zufülirung von H i l f s sto f f e n bereitete ebenfalls gvotzc Sägvrerigleiten. Trotzdem konnten erheblich.' Störungen in der Zuführung von Sulf und Dolomit vermieden werden. SiMer-Magnesit wurde aus Oesterreich eing^ftih.t, jedoch in so ungenügcnd-n ßKengen datz die Werke auf^rurdent- lich.unter dem Mansol an diesem Hilfsstroff leiden. Da, wo Störungen in der Zuführung auf traten, waren die Grürvde fast ausschlietzlich im Kohlen- manyl zu suchen.

Was he Arbeits Verhältnisse anbe* trifft, so liefen die wilden Streiks am Anfang des Jahres im rh.inisch-weslfälijchcn Gebiet in der zweiten Hälfte des Jorlfres nach. In Ober­schlesien setzten jedoch im Herbst nneder vereinz<lt größere Streiks ein, die die Poodüktton der Werke störten. Unangenehm bemerkbar machte sich auch zu Anfang des Jallres das Fehlen von Fach­arbeitern, so z. B. bei der Hersüellunq von Eisen­bahn material und Rillenschenen und m den Fein­blechwerken. Doch tonnte auch l,ier im Laufe des Jahres die ProduK.wn gesteigert werden. Tie Lohncntwicllung war im Anfang des Jahres ent­sprechend dem vielfach auftretenden Arbcttermangeb sehr slürtnisch, kam jedoch im Lootse der Monate in ruhigere Bahnen.

Tie Vernachlässigung einzelner Zweige der Walzwerkserzeugung gegenüber der M uni. ionshcrstellung in den Kricgsiahren machte die Umstellung auf den Friedensbctrich schviertg. Vielfach luncn Maschii^n und Geräte für andere ZwecL verwendet worden und infolgedessen bei bet schwierigen Rvhsivffbeschaffung nicht schnell genug zu ersetzen.

Trotz aller auftretenben Schwierigkeiten konnte die Erzeugung in Rohrsen und Stahl- und Wa!zwerlsproduk.en tväljv.Tib des grötzten Teiles des Jahres auf gleicher Höhe gefeiten werden. Ja, es trat gegart den Herbst eine Besserung in den Pvoduktionsverfeltnissen ein. Natürlich herrscht im Jillaride wegen des Wegfalles der Loch.inger und Luxemburger Hütten sowie wegen dcS Wegfalles des Einflusses auf das Saargebiet ein erheblicher Mangel an Hüttenproduktion bei der weiterver­arbeitenden Jttbustrie. Besonlbcrs da die Lothrin­ger Hüttenwerke an ihre SchwesterwerVe nach Rheinland und Westfalen früher viel Halbzeug zur Herstellung von Bbochen und Draht geliefert fetten, wir die Beschaffung dieser Halbfabrikate auferordenllich schwierig. Tie Versorgung Süd- deutMands, das vorzüglich von betSaar in der VvrbcrichtLzeit beliefert worben nxir, wurde von feiten der Regierung durch entsprechendes Ein­wirken auf die Verbände geregelt. Ta, wo ein besonderer Mangel auftrat, war er meist auf TransrwrtschwierigKiten zurüchzufülMN.

Gegen Ende des Ja fees verur achte der jifeh- lenmcnu-el autzerordentliche Störungeir. Die Matz- nahmen des Kohlentommis'ars fetten tocitgefenbc BetriebseinschränlUngen, teilweise sogar Stillegun­gen zur Folge, die naturgemäß nicht ohne schädi­genden Einflutz bleiben toraren.

Im allgemeinen aber tonnte im Laufe des Jahres der allerdringendste Bedarf gedeckt werden. Es ferrscht aber immer noch grotze Aufnahme­fähigkeit für Bleche, Stabeifen, Draht und Gleis­material. Tic Nachfrag: in diesen Produkten ist aufervrden!lich stark unb die Werke haben auf 117$ Jahre Vvrgcmerkte Aufträge. Auch in den anderen Erzeugnissen mar der Besthäftigungsgrad ein hoher.

Infolge der grafen Nachfrage nach Lütten- Vrodukten und des Volutasturzes stiegen die Preiseber Erzeugnil fe auferobeutiid). Dre Rcgicrung mutzte daher zu besonderen Aiatzttähmen schreiten unb vereinbart mit den Verbänücn von Zeit zu Zeit Richtpreise. Die trkonrrolle dieser Prci'e bot jebod? erhebliche Schwierigkeiten, so datz sich die Regierung genötigt sah, gegen Ende des Jahres Behandlungen mit den HLtLmwerken tifer Einsührung von Höchstpreisen zu fegtnr.cn. Die yknronafix.famirlung hat die Regierung ermäch­tigt, falls die mit bat Werken in dieser Richtung zur Zeit gesichrtat Berfendlungen bis Mitte Ja­nuar nicht zum Ziele führen sollten, geletzlnhe Mafma'lMen zur Ciniüh ung fern Höchipreftai und lri.s.tzung eines Selostverwaltirngslörpers, an dem Erzeuger, Verbraucher, Handel und Arbeit­nehmer gleichmätzig zu beteiligen wären, zu ver­anlassen.

Zur Devisenbeschafsung jir die aus dem Auslände eingetührten Erze und stöhlen mutzten den £>ü;icmuerMi Aussuchrbaril- (igimgen ihrer Erzeugetisie erteilt werden. Eine Kontingentierung trat jedoch nur für Grobbleche ein, wahrend nie Ausfuhr rirr die anderen Pro­dukte von Fall zu Fa.l entschiefen romiK.

Die finan.ziellen Betriebsergeb­nis s e der Unternehmungon wies«, zwar nicht die fefen Diviocichmdenzablen der Aortahre auf, jedoch mären sie in der Mefet.ahl noch fesricd.- gend. Einzelne Werto al^-rdings ha.en mit be­sonderen Schwi'-rigLirien zu kämpfen und Ivnn- ten daher tei.je Gewinne erzielen. Zusammm- tvüdk führe.der Werto waren nicht zu verzeickmen. Allerdings wird die Kohlen- unL Transvvrtfrage rür die nächsten Monate noch outzerordentlich^ Schvit'rigteibai bereitnt. Ob die Werke b^r Ferng- rndustrie hinreichend mit Hüttenprodukten v r- jeben werden können, wird von der ausreichenden Belieferung der Hochofen-, Stahl- unb Walzwuke mit stöhle iati> stots alchängen. Eine ic.ie Kollen- unb stvfsgrundlagc mutz ;ur Verhüttmg eines Zu- iammaibrudx5 durchgesr-tzt n>*cben. eine starke und erzeugungssÄ^ige Schnx-nnbustrie wird auch ix-n meiteiveuariLt-nben Industrien weder di a!ten Produktions -und M-satzmöglichtoiten erschlictzen.

Vie heimiehrkr derer von Scapa Zlow.

Wilhelmshaven, 31. Jan. (Wolsf.) Ter DampferLis oa" mit dem Admiral v. Reuter und etwa 1000 Angehörigen des eh>.- malijen Jnternierungsverbanbes von §capa Flow an Bord ist heute mitUg in WilfetmSh^ven tingctroffen. Die Ankunft ces DampfersBylgia" mit dem Rest oer B^frtzun- aen von den Scapa Flow-Schiffen wird in den Nachmi.tagssttrnden crmirtet. Ter Efes orc Ad­miralität v. Thro tha, der zäm Empfang der Heimkehrenden nach WllhelmS.av.'N ytommeu war, hielt bei der Begrützmig folgerä».' An­sprache:Innerlich tief bewegt tr?te ich hier­her, um Sie alle auf das wärmste und bcrzlichst-' namens der deutschen Marmo, der Hansastädte unb mcseres teueren B^torlartdes willkommen zu!/?ifeen. Es ist mir eine Ehre, Ihnen in Dankbar Veit unb Treue die Hand zur Begrützung drüben zu kön­nen nach allem, was Sie in bat «vergangenen 13 Ddonaten ertragen mussten, trotz aller un­serer Bemülmngen, Ihr Los zu erleichtern und Ihre Rückkehr zu feschlemtig-'n. Sie fehen als bi: Letzten unserer einst so sto zen unb iieggenwlmt -n Hochseeflotte vor mir. Die Schiffe bringen Sie nickst heim! Das brandende ewige Meer tuuib? ihn:n zur Decke. Auf einsamen Posbm, abgeschlos ai von jeder freien Verbindung mit der Sximat, gabat Sfe. L>err Admiral, den Befehl zum Versenken der Flotte, als Sie den Wiedereintritt des Krieges für Tat­sache hielten. Neun tapfere Kameraden gaben wehr­los einem Feinde gegenüferftefenb ihr Lebm hin. Sechszehn sind mehr ober minder schwer verwundet. Die 'fertefte Behandlung mutzten Sic alle gegen den Brauch und das Kriegsrecht über sich ergefen lassen. Wir gedenken in dieser Stunde mit bean­derer Treue der Gefallen und in stiller Teilnahme ihrer schwergeprüften Angehörigen. Tre!en Sie uns mit Ihren oft bewiesenen Maunesmut zur Sette in der Not unseres Vaterlandes? Hingabe und Selbstlosiqkett müs'en uns zum Wiederaufbau hel­fen? Treten wir so zusammen, st>stneschlossen im Willen und Ziel' dann wird uns ferner den Aus­stieg verwehren, dann wird auch die versenkte Flotte uns zum Segen werden, als Staft- auelle der Vaterlandsliebe, aus der uns wieder das jetzt geknebelte Recht neu ersteht zur freien Seefahrt unfet deutscher Flagge. Same» raven! Nichts kann uns den Glauben an unser Vaterland aus dem Herren reifen! Je stärker die Ketten, die der Feind uns anlegen will, desto stärker der ruhige, nimmer prahlende, aber feste Witte bei uns. durch-gtkommen, auch durch diese sckpvere Zeit, bis sich eines Tages auch die deutsche Seefahrt wieder fer a*tcn Achtung in der Welt erfreut, gestützt auf eine, wenn auch kleine, so doch aus die alten Traditionen stolze und pflicht­bewußte Flotte. Dazu helfe uns das Gedächtnis an die Opfer von Scapa Flow,' die Liebe zu unserem Vatcrlande?

Admiral v. Reuter dankte in kurzen Wor­ten und schloß mit einem Hurra auf die Marine.

Die Heimlehr der Gefangenen.

Berlin, 1. Febr. (Wolff.) Die Reichszen­tralstelle für Kriegs- und Zivilgefangene teilt mit: In der Nacht zum Samstag traf der erfte Transport Gefangener aus Frankreich über die Schweiz in dem festlich geschmückten Bahnl-os Basel ein. Im Namen der deutschen Regierung begrüfee der Reichskommissar StÜck- s e n die Heimkehrer Er gedachte dabei der Für­sorge, die die Schweizer den deutschen Ge­fangenen stets hatten an gedeihen lassen. Im Auf­trag des erkrankten deutschen Gesandten erschien Gros Mont^elas. Die über den Empfang hocherfreuten Heimkehrer waren tief bewegt und banften herzlichst. Trotz spätester Nachtstunde widmeten sick Baseler Damen unb Herren in aufmerksamster Weise den Gefangenen, lvobei die fchweizerischen Milttärbehörden und die Regie­rung von Basel vertreten waren.

Tie ersten drei von Japan abgefahrenen Dampfer treffen Voraussicht, ich zwischen dem 21. und 29. Februar in Deutschland ein.

Der Empfang aller feimtefeenben Kriegs­gefangenen findet, unterstützt von freiwilligen Hel­fern und Helferinnen durch die in jeder Stadt be­findliche Kriegsgefangenen-Heim lehr statt, in bet sämt tickst Angehörigen unb Interessen-Organi­sationen der Kriegsgefangenen neben dem Roten Kreuz und anderen hummntären Organisationen vertreten sind. Die Mittel für diese Empfänge wer­den neben Reichsmitteln aus freiwilligen Spen­den, befonders aus dem Erträgnis des deutschen Hilfswcrkes für die Kriegs- und Zivilgefangenen gedeckt.

Eine deutsche Verwahrung in Paris.

Paris, 31. Jan. (Wolff.) DasEcho de Paris" schreibt, die deutsche Diplomatie b.'mühe sich, die hochstehenden Persvwm der Justtz fer Alli erten zu entziehen. Sie zeiK! fid) konz'li-anter, was die Subalternen an beträfe.

Der Vorsitzende der deutfch'N FrfeocnDtte- gation in Paris nahm heute Gelegenheit, den Vertretern, Frankocickis, Englands uns Italiens auf der Botschafter ton seren z in Paris, Jules Eam- lwn, Lord Derbv und Grat Bvnin-Lugare zu er­klären, das; er gegen eine krartige Unt r.rdlung namens seiner Regierung feLtirch Einipruch tv feLeit mü,|e.

Die Getreidesrage in Frankreich.

Paris 2 Febr. H<tt>as.) Tie Minister ir.tf) Untcrsmatssekr-Iäre bereuen iihrr bte: be­treibe frafie Die Ber.nung nnrb am Trens- tag berg-tieljt DerTemrs" meldet dazu: In i>-»v §i inni wurde die Tat aclxe be vr. chen, fetz cm Jahre 1914 eine grö.'.re Land fläche befat ioar als feuie. Ter ©rintb wird aus den Mangel an

Dünger uitüdgcfufet. Eine Erhöhung der Ge- lroidepreise mutz auf alle Zweige des Wirtichrfts- lebens und p auch auf den Geldkurs eine schädlrchc Wirkung feben: desfelb mutz die Regierung in der imchslen Minifferratssitzuilg eine grn.rue Prü jung dieser Frage vornehmen.

Sonntagsruhe der Presse in Belgien.

Brüssel, 2. Febr. (Havas.) Die Vereini­gung der belgischen Presse hat den Wunsch ausgesprochen, die Regierung möchte für die belgische Presse obligatorische Sonntagsruhe einführen und den Verkauf von Zeitungen von Sonntag mittag bis Montag mittag verbieten.

Da» englisch-japanische Bündnis erneuert.

L o n d o n, 31. Jan. (Wolff.) Havas. Aus T o- ki o wird gemeldet: Der Minister des Auswärtigen erflärtc, die Regierung habe Schritte eingeleitet, um das Bündnis zwischen England unb Japan i u erneuern.

Ein amerikanischer Vorschlag znr Erhöhung der Zahlungsfähigkeit Deutschlands.

Paris, 1. Febr (Wolff.) Wie bi: Blätter aus Amerika melden, fet der amerikanische Schatz- sekretär Glaß dem Präsidenten der amerikanischen Handelskammer auch geschrieben, daß zur Lösung des Problems der Wiederaufrichtung die a'tiiettcn Regierungen die von Deutschland geforderte Ent­schädigungssumme auf eine Ziffer herab Hetzen soll­ten, die es ihm geflatte, zu bezahlen. Deutschland solle Obligationen in Höhe diefer Summe emittie­ren. Man müsse ihm Zeit lassen zu arbeiten, um seine Schulden bezahlen zu können. Diese Art vor- i ug^ifen würde die Zahlungsfähigkeit Deutschlands erhöhen nird das Verttaucn wieder ferstcllen und würde auch dem Handel bet «samten Welt einen neuen Antrieb geben. Die Zahlung von Summen, die unmöglich bezalstt wer­den können, zu verlangen, würde zu feinem prak­tischen Ergebnis füfexm und rufe Besorgnis hervor.

Paris, 1. Febr. 08^8.) Nach einer Radio­meldung aus Washington genehmigte bet Senat die Ernennung von David F. H o u t s o n zum Ehefsekvetär und von E. T. Mederith zu« Sekretär für die Landwirtschaft.

(Senator Hitschkock teilte dem Bureau des Senats mit, er werde am 6. Februar eine Tages­ordnung cinbringen, die eine neue Besprechung des Friedensvertrages von Versailles herbeiführen soll.

Die Finanznat.

Amsterdam, 1. Febr. (Wolff.) In einer Unterredung mit dem Berichterstatter derDaily News" er Härte v. Gwinner von der DeÄtschen Bank, die deutsche Regierung werde wegen der Ausgabe von Papiergeld geirifeit. Es bleibe ihr jedoch gar nichts anderes übrig: .die französische Regierung tue genau dasselbe. Seiner Ansicht nach zirkuliere in Frankc'eich, auf den Kopf bet Bevölkerung gerechnet, mehr Papiergeld als in Deutsckfend. Wenn der gesamte deutsche Kredit erst zusammenbreche, würden auch die anderen Länder Europas dem Zusammenbruch nicht entarten. Ein Zusammenbruch Deutschlands sei der Zusammen­bruch Frankreick)s und ganz Europas

Vie Kämpfe In Ruhland.

Warschau, 1. Febr. (WTB.) Havas. Ein Funkentelegramm der Station Moskau meldet aus Charkow unterm 21. Januar, datz die ukrai­nischen unb polnischen T r uppen zur Sowjetarmee über getreten sind.

London, 1. Febr. (WTB.) Havas. Ern Funkspruch aus Moskau meldet, datz die Tschechen zur Entwasfnung der Armee des Generals Se- menow schreiten. Ein anderer FunLvnich aus derselben Quelle spricht von schwer^ Kämpfen in Pcre kop an der Krimgvcmze.

Paris, 1. Febc. Nach einer drahtlosen Meldung aus Loirdvn berichtet die amtliche Prawda", datz Ko lt schal vor «rangen Tagen auf den Bajonetten seiner Soldaten aufge spießt worden sei.

Ausstand in Finnland.

H aag, 1. Febr. (WTB.) Eine beimNieuwe Courant" aus Sonfen eingetrossene Meldirng be­sagt, daß in Finnland ein Aufstand aus- gÄbrochen sei.

S»m proze'z Lrzdergtr.

B e r l i n, 31. Jan. (Wolff.) Die gestrige Ver­handlung im Helfferichprozeß fet den Miß­brauch v on Erzbergers Namen durch oen Ge.'chäftssührer derO st r o p a" G. m. b. H. zu Tage gebracht. Der erste Staatsanwalt beim Land­gericht 1 leitete so'ort ein Ermittlungsver­fahren gegen diese ein.

Aur Ocm Uciche.

(Segen das Verlangen her Auöliefernvg deutscher Staatsangehöriger.

Der Präsident des Reichsbürger* rat es, Berlii, fet an den ReichspräsidenLm folgendes Schreiben gerichtet:

Aufs Tieffce bewegt die Frage der AuSlce- ferung deutscher Staatsangehöriger alle Herzen. Die Reick)siegierung wird sich selbst nustt darüber im Zweifel sein, welcfe unabsehbaren Schwrerlg- fe ten für unsere innere Lage sich ergeoeit munen, iv.mn die Entente auf der Durchführung ihrer nn- geheuren Forderung besteht. Neuer, tiefer