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fAnlichrn Saften ist <ntderbem aber Borbedin- gu n g für btc Völkerverständigung, ohne welche die große europäisch.' Fragil nie zu lösen sein wird. Der Minister deZ Aeußern und ich haben bei unserem Besuche am Rhein den Ein­druck gewonnen, daß gerade in dieser Richtung den Rheinlanden, die so oft die Brücke verschiedenster Kulturen waren, als Westmack des Deutschtums besondere Ausgaben harren.

Deutscher rielch-tag.

39. Sitzung,

Berlin, 30. Nov. 1920.

Au» eine. Anfrage der Frau Abg. Men de (D. Vp ), wcsbalo der Reichs?.'mmissar bei Sen- oimg-n von Liebesgabenpak tm a"s dem Ausland die Einfuhr vrn Fett und Süßigkeiten auf zwei Pfund besckräntt. die Einfuhr vm Flei'ch, Speck. Mehl und Z-ucker aber ganz und gar verbietet, wird regierungsseitig geantwortet, dost Li'ferungen in P-nstvaketen u.nbe kränkt zugelas'en sei n und nur bei Sendu"gen. die ernennen lasen, daß sie nicht für den Privotbeda-f bestimmt rinb, eine Drntin- gentierung nach Gewicht s:«t'si"de.

A'g W a r m u t h iD.-Notl) fordert für die zahlreichen Kclouialdeiitscten, die das Verlangen haben, in die früheren deutschen Schutzgebiete zurückzükehren. Unterlbilmng und Entschädigung für dm Verlust ihr^s früheren B.'sttzes.

Staats>kretär Müller: Der Entwurf eines Dolvnial'chädengesetzes wird brm Reickist'g näch­ster Tage zugehen. Er fielst vor, 'o'cken Ge­schädigten, an deren wirtscteftsicher Tdtglicit im aichereuMväi'chLn Ausland ein erheblick.es Inter­esse des Reiches begeht zur Wiederaufnahm" einer neuen Täti-steit Beihilfen zu gewähren. Eine be­sondere Entschädigung van Hppothekengläub'gern ait§ den Schutzgebieten für Verluste, die sie bei der Ei'-ziehung on Hypotheken infolge der Geldent- wertimg erlitten haben, könnte nicht in Frage kommen

Rach Erledigung- einer Reihe weiterer An­fragen erfolgt die Abstimmung über den zum F-ri dmsttat eingebrachten Anti-'-g M4z^hn (US) aus A"fhebung der Ausnalm vcv rdnnng vom 10. RvdmFer und in Verbindung damit Ant-ag Sch-ifser (Demi, der die Aufhebung vm dm Ein- bri-gung e-ner Schlichtimg^ordimng abhänoig mackt Diiß^rtem steht brr sozikoemvkratische Antrag auf Aushebung der Verordnung zur Ab­stimmung Dazu ein Zu^atzantrag Hergt und Gen., der die Aufrechterhaltung der Ausnahmeverord­nung bis zum Erlast eines Schlichtungsgesetzes verlangt.

Der Zu'atzontrag Schiffer zum Antrag Mal­zahn wird angenommen, dagegen der sozialdemo- kra'ische und der Antrag Hergt abqelehnt. Unter allgemeiner Heiterkeit zielt der Abg. Malzahn hievaus seinen Antrag zu ück.

Schiffer (Dem.) nimmt den Antrag Mal- za-hn wieder auf. Die nunmehrige Abstammung er­scheint z'weifelbast, so tetz Hammelsprung vorge­nommen werden muß. Tie Abstimmung ergt't bte Ann-ghmc des Antrages Malzgtm-Sck'q'ffer mit 174 gegen 143 Stimmen. (S'ürmische Heiterkeit.)

Es folgt die Weiterberatung deS Haushalts des RcickSwrtsck'a'tsma 'tsteriums.

Abg. Tr. Hugo (D. Vv.): Hätte der So­zialismus bet der Revolution dtn festes Programm gebobt, so warn er vielleicht in der Lane gewesen, unserem Wirtsckoftsleben einen festen Halt zu ge­ben. Hier hat die Sozioltemokrafie versagt. Wir brauchen also ein festes WirtschaftSprogramm. Ter Staat darf die Wirt'ckoaft aber nicht bevormunden. Don einem Abbau der Preise kann zur Zeit noch nickt die Rede fern, solange der Arbeitnehmer das gleiche Interesse an den hohen Breiten hat nne der Arbeitaeber. Daß der Staat selbst als Unter­nehmer nichts leistet, sehen wir am Bvanntwetn- monopol, r«3 trotz des riesigen Preises von 82 Mk. für den Liter mit De'izit a-beitet. Der <5*aat ist als Käufer im Ausland nicht geeignet. Er muß kaufen, wenn ihn die Rot dazu zwingt. Bei der Ausfuhr sollen die Kontrollvorschriften nur für die großen Grgmstände wie K'oh'e, Eisen, Kla­viere, Automobile usw. gertri brachtet werden, nid* aber für kleinere Ausstchrartikel. Mit Ein- suhrverboten für u"erwünsckcke Maren sind nnr einverstanden, desgleichen mit Aus'uhrverboten für die Maren, die mtr tnt La"de behalten wollen. Ter Auslandsmarkt ist aber für unser Wirtsckoa'LÄeben eine Notwendigkeit. Jeder Teut'ckx, der fern Ge­schäft im Aukland w'e^er auirichten will, muß energisch vom S art unterstützt werden. Das Pro­blem der Soz'alifieruug ist so groß, daß wir es nicht im Durratempo lösen fomten. Tie bisherigen sozialistischen Experimente sind nicht erfolgreich ge- toefen.

Abg Jäckel fllnabb. R ): Unter WirtschastS- leben fleht im Zeichen des kommun Ei'chen Ver­falls. Die Ausführungen des Ministers tont

Kdhlenübersluß nt Frankreich sind nicht richtig. Wir tmoteftieren daher dagegen, daß »on mim* steriellcr Seite svl<l>c tendenzi fiten Behauptungen in die Welt gesetzt inerten. Wälxrend der Minister ein Freiwillrgenjahr verlangt, stehen Millionen von Arbeitslolen herum. Das kennzeichnet die Kluft ziwi.chen den besitzenden Klassen und dem Pwletari.it. Die deutsche Wi.tsck>aft ist krank bis ins innerste Mark. Der Settlvnium ist von 600 000 Flaschen im Frieden auf 9 Mill'.onen Flaschen jetzt gestiegen. Tuberkulose und Kinder­massensterben herrschen. Das sind die Folgen des Strebens des Kapitalismus, seine Herrschaft wie­der aufzurichten. Ader der Herr Lirt.äof.smmifler hat ja nichts zu sagen. Er wurstelt eben,fort wie alle bürgerlichen Minister. Deshalb muß immer wieder betont werden, daß die Hellte ich, .die Beth- mann, die Hindenburg und Luxntersf die Schuld daran tragen. W.r Arbeiter werden es sicher nicht vergessen. (Zuruf: Abwarten.) Die Reg erung hat mhrfach Gelegenheit gehabt, dem Wirtich.ftsleben auf die Beine zu helfen. Aber al.es v-erbusst. Auf eine Dividendensteuer wird das Kapital schon die Mittel zur Hinterziehung finden. Tie Art muß an die Wurzel des Kapitaliemns gelegt werden. Wenn heute aufs neue ei;te gvoste Kvnzernbildung einsetzt, so lwndelt es sich um nichts anderes, als die bürgerliche Regierung fest in die Hand zu bekemmen. Der Redner schildert das HockHomrnen des Herrn Stiunes. Herr Stdmes sucht Zuflucht bet der Deutlchen Volts'partci. ebenso auch bei der Arbeiterschaft. Wi.d sein Plan der Wirtichasts- pwoinzen zur Tat ache werden, so werden sich noch 10 Milliardäre hinzufinden, und diesem Dutzend Menschen steht ein Proletariat von 60 Millionen gegenüber. Deshalb bek m f'N wir seine Sozi li- sierungspläne. Auch wir wollen langsam dir So­zialisierung Schritt für Schritt. Es bedarf langer Vorbereitungen, aber der Kohlenbergbau muß den Anfang machen. Diese Soziali.ierung kann nur durch das Proletariat erMgen, aber ohne Terror. Den Überla sen wir der bürgerlichen Welt. (Zu­ruf: Sowiet!) Sie lieben ja dte Bajonette. Tcnken Sie an den Aufstand der Pariser Kommune, an den weißen Schrecken in Ungarn. Aber auch die Spal­tung der Arbeiterklasse ist verkehrt. Das Prvle- tariat fühlt die Kraft zum Siege.

Abg. Kleinath (Dem.): Tie Wirtschafts­lage ist, wenn auch nicht hoffnungslos, so doch ernst. Uns fehlt die Schwungkraft, denn der Ver­sailler Vertrag lahmt uns. Freilich mehren sich die Anzeichen über ein Einlenken einzelner Staa­ten. Einstweilen nimmt die Verarmung noch ju. Industrie und Gewerbe können demgemäß keine Expansionen treiben. Wir begrüßen letes Mittel zur Stabilisierung der Valuta. Dazu dient einzig oie Verbilligung der Erzeugung durch ihre Ver­mehrung, die einsetzen muß bei der Produktion, ferner die Einschränkung der Zwischenspesen. Für die Sozialisierungskommission besteht ein Bedürf­nis nicht mehr, zumal wenn die Sozialisierung des Bergbaus in die Wege geleitet wird. Bezüg­lich der Kommunalisierung sind wir dafür, daß weitergehentere Kommunaii ierung der Zustim­mung der oberen Behörden unternwrfen sein muß. Sie würde die Industrie, den Mittelstand und das Kleingewerbe schädigen. Sozialifierungsexperi- mente machen wir nicht mit.

ReickSwirtsckiaftZmintster Scholz: Dte Be­freiung von Handel und Industrie von allen Fes­seln wäre das Ideal. Aber wir treiben die Wirt­schaft nicht um ihrer selbst willen, sondern der Ver­braucher wegen. Ten Wünschen des Handwerks zu entsprechen, bnt ich gern bereit. Mit der So- zialisterungskommtsston werde ich mich, nachdem dec ReichZwirtickiofisrat gesprochen fyit, selbst r s Benehmen setzen. Von einer teoorftetenbeit Divi- dcndenbesteuerung habe ich nicht gesprochen, sondern davon, daß zur Zeit Erwägungen über diese An­gelegenheit sck-weben. Tesgleichen berufen meine Angaben über die 900 000 Tonnen Kvhle in Paris aus Mitteilungen des franzöfiscl-en ArbeitSmlni- sters. Ich verstehe nickst, datz ein Mitglied des Reichstags französisäLr sein will als ein Fi'anzose (Bravo.) Jedenfalls ist 'hier kern iitternaiionateS BerstänDigungsburcau, sondern ein Teutsckicr Reichstag. (Lebhafte Unruhe und ZwisckMirufe links.)

Abg. Hand (Bayr. Vpt.): Die Frage ist, ob die freie Wirtschaft bester in der Lage ist, die Produktion zu fördern als dieZwcmgswirtschaft. Ter Reichskommissar für gewerblich: M.tfchast hat die Aufgabe, für Normalisierung und Tyvi- sierung des Handwerks zu sorgen. Er darf ater dabei nicht soweit gehen, daß die Qualitätsarbeit baiimtcr leidet. Der Achtstundentag ist ein Hinder­nis für die entsprechmte Ausnützung der vor­handenen Betriebsmittel bei Handel und Gewerbe.

Morgen ntitmg 1 Uhr: Penfionsergänzungs- gesetz, Vorlagen und weitere Beratung

Schluß 6V< Uhr.

Rus Statt und LuuH.

Gießen, den 1. Tez. 1920.

Die Ortsgruppe Gießen der Technische» Nothiise

beim Reick^sminifierium des Innern veranstaltete cm 20. Warmter abends im Poftkeller ihre erste iUi itgl i ehernen cnrmlnng unter ftocrau5 zahlreicher Beteiligung. Die be den der Versom nlung dienen­den Räume konnten kaum alle Be.ucher au,nehmen, so daß num fast von einer Ueberfüllung sprechen tonnte. Erschienen waren Frauen und Männer aller Berufe und Stände, die sich hi.fsbereit, das Wohl der Allgemeinheit und des Volkes vor­bildlich über die Partei steckend, für die gute Sache der Technifchen Noth.lfe verpflichtet hatten und die mit ihrem zahlreichen Besuch das Treu­gelöbnis zur sozialen Arbeitsgemernschaft er­neuerten.

Nachdem Herr Schwenke als Ortsgruppen­führer von Gießen die ankvesendmi Nvthe.fer, Not­helferinnen und Gäste begrüßt und für ihr überaus zahlreiches Erscheinen gedenkt hatte, sp ach Ober» Ingenieur S a ch s, der Leiter des Landesunter- beziris Westerwald-Qberhecken in längerem Vor­trag über Wesen, Zweck und Zicke dec Te-chnisckien Ncthilfe, übet die Geschichte und den Aufoau der Organisationen im Reiche. An zahlreichen B.i- spicken und an Hand von Einsatztevichten wurde die segensreiche Tätigkeit der Nothilfe vvrgesührt und der unumstößlickie Beweis erbracht, daß sie ihren GründungSgnindsätzen treu geblieben ist und ihre gute Sache ehrenvoll und rechtlich verfochten hat. lieber den Parteien stehend, vefirolgt die Tech­nische Nvth ckfe lediglich die Politik der'Mensch! sch- ceit und zählt den Wiederaufbau und die Wiedcr- crstarkung unseres sck-werringniden Wirtschafts­lebens zu ihren hohen Aufgaben. Aich für die Frau als Nothclferin zeige lich, wie Frau Retz- lasf in kurzim Ueterblick darlegte, ein überaus dankbares Arbeitsfeld. In nimmermüdem Fleiß haben sich Nothelferinnen in Kranken Däusern, in der Landwirtsck^rst und auf vielen andren Posten behauptet und dim Volke monches Menichenleoen gerettet. Die Ortsgruppenleitung Der ich ete am Schluß des Abends über den bejonberert Ausbau der Ocgai.i.ationen in Gießeu und die eventuelle Ber- wendungsmi glicksteit am Orte. Zum Ein atz sind die nötigen Vorbereitungen aetwssen und alles hierzu Erfvrderitehe sichergestellt. Die Mitgl e'er wuroen ferner auf ihre Pflichten und Rechte höi- gcnnesen und ihnen über alles sonst Wi senswerte Aufklärung gegeben. Die Awvesendcn wurden auf» gefordert, an der Mitarbeit zur Verbreitung des Gedankens der Technischen Nothilfe und an der Hebung der Arbcitsmioral teilzunehmen, für die die Ortsgruppe v)n >ich aus durch Fi'm und Presse zu sorgen ver'prach Wie in den Vorträgen im Verlaufe des Abends dargetan wurde, ist noch gat- nicht ab^usehen, ivelche weiteren Nöte das Vor- handenseui der Technischen Nothilse erfordern, immer w edet können neue und unvorhergesehene Notfälle ci rtreten, bei denen geholfen iverdcn must, um das Schiimmste abz'.wenden Möckcken sich zu diesem edlen Werke der Mensch!!ck-keit und der NäckMnliebe noch viele hilisberrite Hände und Herzen finden. Hoch Hingt das Lied v m braven Mann? Tie Geschäftsräume der Ortsgruppe, die zu jeder Auskunft bereit ist, befinden sich Ost- Anlage 11, Telephon 2034.

Veranstaltungen.

Mittwoch: Stadtthoater, 7 Uhr,Die ver­sunkene Glocke^.7 Katlwlisches Vereinshaus, 8 Uhr, Vortrag über die historisch-liturgische Ent­wicklung der heiligen Messe. CasS Leib, 8 Uhr Konzert imd Vorstellung der Chicmseer.> Licht­spieltheater wie gestern.

T2cttcrvorauSsage

Vorwiegend bedeckt, trübe, zeitweise Nie- derschläge, milde, südwestliche Winde.

Ein sekundäres Hoch hat bisher aus­giebige Niederschläge in unserem Bezirk ver­hindert. Die atlantische Depression wird jedoch ihren Einfluß allmählich verstärken und weitere Erwärmung und Regen­fälle mit sich bringen.

Die Höchsttemperatur war in Gießen gestern 4- 4,2 Grad, die Mindesttemperatur 0,3 Grad. Lauterbach hatte 4-3 Grad Höchsttemperatur und0,4 Grad Mindest­temperatur, Darmstadt 4-5 Grad Höchst­temperatur und 4- 1 Grad Mindesttempe­ratur *

** Der Monat Dezember. Der Dezember oderChristmonat" umfaßt 31 Tage, hatte aber ursprünglich deren nur 30. Erft unter dem römischen Kaiser Julius- sar wurde ihm bei Gelegenheit einer umfassew-

Seethoven-Gedachinlzfeler.

In allen Ländern rüftet man, Ludwig van Beclvovens 150. Geburtstag zu begehen. Wir Deu'sche haben besonderen Grund dazu; gehört Beethoven auch musikalisch oer ganzen Welt, so ist er doch vor allem ein Deutscher, ein deutscher Meister, der unf.*re Empfindungen, unseren Geist teilt und dessen Wesen wir am nächsten stehen und es am tiefsten begreifen. Es muß uns mit Stolz erfüllen, daß wir der Welt einen ihrer größten Söhne geschentt haben und ein Volk, das solche Geister fein eigen nennt, kann nie und nimmer von Haß, Furcht und Argwohn, zu einem toten Volke, das der Welt nichts mehr zu geben hat, heruntergcdrückt toerben. Ein F iertag muß uns allen bet 16. Dezember fein, an bent ein deutsches Genie baS Licht der Welt erblickte, ein Tag ter Hulbigung, aber auch ein Tag bes Gelöbnisses, unserer Weltsenbung nicht zu vergessen, unsere Jbcale heilig zu Hilten und mit allen Kräften an dem geistigen Aufbau Dentschlanbs zu arbeiten.

Beethoven würbe am 16. Dezember 1770 zu Bonn geboren. Eine harte Erdemvanberung war fein Leben CS führte darch Tiefen unb Höhen. Er trug ein Uebermaß irdischen Leidens, aber in seinem Innern glühte auch ein Ucb.- cmah von Schöpferfreude. Ein Zeugnis f iner leidenschaft­lichen, von Mensckenliebe und herbsten Leites für den 32j.i6 igen Musiker, die Taubheit überströmen­den Seele, ist dasHeiligensE-ter Testament", jene kostbare Religuie, die er im Jahre 1807 für seine Brüder niederschrieb. Sein Leben entbehrte gewiß nicht der Ruhe und d's Glückes, wie hätte er sonst einePastoale" schreiben können, aber die Schatten waren dock tiefer als das Licht hell war Wer kam ohne Mitgefühl jener Sehr'fuckt rach 34 au erliche gedenken, der er ii seinen B> - en o.n die von Geheimnis umhüllteunsterblich' Geliebte" Ausdruck gibt? Auch da mußte er entfag-m und einsam seinen Weg gehen. Sein Glück ist die Welt

der inneren Gesichte. Er verschließt sie mehr und mehr in sich: das äußere Leben gleitet an ihm vorüber, immer gewaltiger wächst er über Die nüchterne Umgebung empor. Das einzige, das verhindert, die Scheidung zwischen inneren unb äußeren Interessen ganz durchznführen, ist bie Sorge um seinen Neffen Karl, der alle Güte und alle Opfer mit Undank lohnt.

Seit dem Herbst 1826 kränkelt Beethoven, sein Leiden verschlimmert sich mehr unb mchr. Helten- haft sieht er bem Tob inS Auge, von dem er ge­schrieben :Komme wann du willst, ich gehe dir mutig entgegen." Am 26. März 1827 hauchte er, wahrend eines heftigen Gewitters, seine große L>eele aus.

Unendlich reich und groß ist der Schatz, den Beethoven s.-mem Volke hmteckassen. Tie Wurzeln firnes Schaffens ruhen in der Klaviermusik. Eine Unmenge von herrlichen Klavierwerken hat er ge­schaffen: Variationen, Tänze, kleine Klavierstücke und vor allem seine Sonaten und Klavierkonzerte. In musikalisch-technischer Hinsich«t sind die Sonaten der Ausgangspunkt der m&bernen Klaviermusik ge­worden. Sie enfivickelu sich and den altklassischen Formen bis zur Phaut»siefonate; ebenso lassen bie Klavierkonzerte erkennen, daß Beethoven im Be- gnss steht, sich neue Bahnen zu erschließen.

Die Violin- unb Cellosonaten, die übrige Kammermusik, die in allen Kombinationen Perlen ilker Gattung ausweism, seien, wie das herrliche Violinkonzert, nur kurz erwähnt. Eine besondere 'Stellung nimmt der Quartettkomponist Beethoven ein. drei zeitlich gesonderten Gruppen vollzieht fick ictn Werdegang und di'se Kammermusik für Streichinstrumente ist die Seelenarl se seines Sckas- >ens. Lpus 18 knüpft noch an HaydnMvzartsck.e Ciiortfttnufif an mit Op. 59 beginnt jmer neue etu .ick zu enwi ein, der daS Streichquartett z.im ijigan der t.» i m tgsten Tonpaesie erfx'bt unb in ar?l»flc^en ^735 ftine äußerste

Auch auf symphonischem Gebiet lehnt Beet­hoven sich zunächst an vorhandene Borbilber an, gibt aber schon in Den beiden ersten Symphonien der tl-emotischen Arbeit erlBhte Bedeutung. Von der Eroica an geht er ganz eigene Wege. Seine Symphonien wachsen sich zu ungekannten Dimen­sionen aus und nehmen einen Ideengehalt auf, wie er bisher narr Bachscher Kirchenmusik zu eigen gewesen ist.

Bis M seiner letzten Lebenszeit hat Beethoven der Oper großes Interesse entgegen gebracht. Er suchte immer nach dem kongenialen Libretto-Dichter unb finbet ihn nicht. Alle möglichen Opernpkäne beschäftigen ihn: yur Aufführung kommt aber nur derFidelio", in dem erter Treue, dem Opfer­mut und der Gattenliebe" ein hehres Denkmal setzt. Die wenigen kleineren Werke, die Beethoven für die Bühne schuf, sind abgesehen von derMusik zu Egmont" und seinen Ouvertüren, von ge­ringerer Bedeutung. Die Ouvertüre verliert bei ihm ihren Chavitter als einleitendes Vorspiel und wird zur symph.'uischen Konzertouvertüre, in der er ten ganzen seelischen Gehalt des Dramas gibt. Wie unter den Opern derFitelio", so nimmt unter der Kirchenmusik dieMissa solemnis" eine Sonderstellung ein. Der praktische Zweck einer Messe gerät in Vergessenheit: dieMissa" ist das Herzensbekenntnis Bee'hovens, er fitzt sich darin mit seinem Gott unb feinem Schitsal auseinanber. Beethovens erster bebeutenber Lieberckfiolg ist die um 1796 kompmierteAdelaibe". ihr schließt sich anAn die Hoffnung", sein lyrisches Hauptwerk und ber ZyklusAn die ferne Geliebte". Eine Menge Goeth scher Texte komponiert er in der Zett ter Bettina Freundscha't. Tas Ringen nach musikal scher Erschöpfung macht sich in all diesen Liedscköpfunyen bemerkbar, bie ihm auch Dar­stellungen seines eigenen Empck idens werden.

Ist Beethovens Kunst als vollkommenster Aus­druck der banuxligen Zeitkultur anzusehen, so ist

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Crescendo geradezu ins Dämonische.

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sie doch gleichzeitt^i die organische Fortfühnma einer weit zurückrcichenden Entwi Hungslin'e unb sie bemächtigt sich ber gesamten Musikentwicklung.

Der Konzertverein beabsichtigt, Freitag, den 3. Dezember, seine Beethovenseier im Stadttheater zu veranstalten. Ausführenbe sind: Herr Professor Trcmtmann, Herr Rehberg unb das Landestheater-Orchester. Die Ouvertüre zu . Coriolan" wirb bas Kon'ert eröffnen, jene er- L sckütternde Tragöbie des Helden, ber sich zu damo-A nischer Größe erhebt, um bann, in jähem Sturz,! zerschmettert hinabzusinken.

Das letzte der Beet Hoven schen Klavierkonzert«, das in Es-dur, erhebt sich bis an die Grenze be8 symphonischen Konzertstücks für Orchester unt> Soloinstrument. ES ist das einzige Konzert, für das Beethoven keine Kadenzen geschrieben Hit. beginnt mit einer Improvisation; nach rausckenben Passagen setzt das machtvolle Tuttivorspiel ein. Eine ungetrübt freubiae S'.immung gcht burch kas ganze Werk, ein heroisch kraftvolles Gepräge tragen die Themen. Mit befonberer Liebe ist ein Seiten- thema behandelt, das Beethoven in allen möglimen Umdeutungen auftreten läßt. Nach dem A^agw, das in zarten Farben gehalten ist, filhrt ein kühner lwrmonischer Uebergana zu bem überrnüt ger Lust hingegebenen Rondo. Den Schluß beS Konzertes bildet die 7. Symphonie in A-Dur. Das Weck ist von sieghaftem Geiste erfüllt. Ein emp-'rstrebentes Sostemito führt zu demdithyrambischen" vi­vace. Das folgende Allegretto könnte man einen idealen Marsch nennen. Ein äußerst lebhaftes Scherzo, voller Tanzlust unb Heiterkeit, sich an. Ihm folgt ein nachbenkliches Assaimeno presto, das sich auf bem Orgelpunkt A entfaltet.. Die Melodie entnahm Beechoven einem Öfter« . reickiscken Pilgerlieb. Das F'nale wächst über Die mächtigen Orgelpunkte auf Dis unb E in ncsigem

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den Kalenderverbeffermig noch ein Tag <mge- hängt. In den Dezember fällt ber kürzeste Tag. Dies ist Oer 22., wo die Sonne in das Zeichen des Steinbocks tritt Die Sonne geh'r dann 8 Uhr 12 Minuten auf, um wieder drei Uhr 46 Minuten unterzugehen.

** Eine neue Preiserhöhung der Margarine ist, wie uns mitgeteiu wird, unvermeidlich geworden und tritt in den allernächsten Tagen in Kraft. Wie der Reichsfinanzminister Dr. Wirth in seiner letzten Rede über die Finanznot des Reiches ausführte, fallen die staatlick>en Zuschüsse zur Verbilligung der Speisefette weg. Die Rest­bestände des Reichsausschusses für Oele und Fette sind jetzt vollständig aufgebraucht und es müssen bekanntlich fast alle Rohstoffe ber Margarine aus dem Auslande zu wesentlich erhöhten Preisen bezogen werden. Die Ent­wertung ber deutschen Mark verteuert diese Rohware derart, daß die Preise'der fertigen . Margarine etwa um ein Achtel des bis- herigen Preises gesteigert werden müssen. Dte deutsche Margarineindustrie und die Mar- gcrrinehändler stehen dieser bitteren Nottoen- 1 bigfeit machtlos gegenüber, diese ist aus­schließlich die Folge des Tiefstandes unserer Währung, wofür man die einzelnen Gewerbe nicht verantwortlich machen kann.

** Ein sehr bedauerlicher Un- glücks'fall ereignete sich am 29. November, nachmittags 4l/e Uhr in einer hiesigen Fabrik Ein Arbiter aus Steinbach kam infolge eines unglücklichen Zufalls zwischen Fahrstuhl unb Schutzgehäuse und wurde erdrückt, so daß der Tod auf ber Stelle eintrat. Ein weiterer ebenfalls bebauerlicher Unglücksfall er­eignete sich am 30. November, vormittags 10'/, Uhr, in berselben Fabrik. Arbeiter einet anbereu Firma waren bort mit dem Ablaben einer schweren Maschine beschäftigt, welche auf einen Arbeiter aus Münster zu fallen kam, ber innere Verletzungen bavontrug, an beten Folgen er im Laufe desselben Nach­mittags in der Chirurgischen Klinik verschied.

** W a r n u n g. Der Vorsitzende des Bei­rats ber Fürsorgestelle für Knegsbeschäbiyte unb Kriegshinterbliebene, Dr. Frey, gibt bekannt:In letzter Zeit hat in Gießen ein Beauftragter einer Berliner Organisation nicht ohne Erfolg Beiträge gesammelt für Kriegsbeschäbigte unb Kriegshin- terb liebe ne unb Mitglieder geworden. Es besteht aber keinerlei Gewähr dafür, daß die aufgebrachten Mittel auch den leider recht zahlreichen hiesigen Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen zugute kommen. Un­ter diesen sind viele in bitterster Not. Tie hie. sige Fürsorgestelle kann bei der Beschränkt­heit ihrer Mittel nur in geradezu verzwei­felten Fällen zur Linderung ber Not bei* tragen, unb muß es sich nur zumeist schweren Herzens versagen, Ku helfen, wo doch Hilfe not täte. Wer ietzt in ber Weihnachtszeit der Opfer bes Krieges tätig gedenken will, -i unb wer verbiente ein solches ©ebenfeit mehr? ber gebe seinen Beitrag an bit hiesige Fürsorgestelle für KriegSbcschädigte unb Kriegshinterbliebene burch Vermittlung ber Stabtkasse. Er fließt bann ausschließlich unseren bebrängfen Mitbürgern zu."

** Städt. Seefisch markt. Morgen, Donnerstag früh, sollen letend'rfi'ck)e Nordseefischi eintreffen, wie Kabeljau, Sch?llfi'ch, Sch llcn und Rotbarsch. Der Verkauf wird heute am LebenS- mittelamt, am Stadthaus und an der VeckaufS- ftdle in den Marktlauben tekamitgegeben.

Landkreis Gießen.

x Großen-Linden, 29. Nov. Gegen- über manchen falschen Behauptungen fei mit­geteilt, baß von ben hiesigen Lanbivirten weit über 3000 Zentner Karto ffeln zur Ablieferung gekommen sinb, von denen ber weitaus größte Teil ben hiesigen Ver­brauchern zugesührt würbe. Annähernd 200 Zentner zum Preise von 16.75 Mk. ber Ztr. würben an Kriegerwitwen usw. verteilt. Er­wähnt fei noch, baß neben ben VertragS- kartoffeln unb ben Kartoffeln an Minder* bemittelte, ber Preis ber übrigen freien Kar* toffeln bis zu 27 Mk. ber Zentner als <w nehmbar unb befriebigenb zu betrachten w«.