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Erstes Blatt
170. Zahrgang
Montag, V November 1920
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vrkhl'sche Un'.v.-Bnch- und Ztein-rnckerei B. Lange. Schristlenuu-, Leschästrstelle und Druckerei: Schulstratze 7.
2hinQNn<e von >n. ,.<n sür d e lagesnummer bis zum fPacbmittag vorher ohne j<de 'L«rbini»lichkeit. Preis für l mm für Anzeigen o. 34mm Breite örtl d) 35 Pf., auswärts 45 Pf.: für Arklame. Anzeigen von 70 mm Breite 150 Vf Bei Platz- vorfchrstt 20" Q Ausschlag Haurlschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Beinhold Jenz: für den Anzeigenteil: H. Bedt, sämtlich in Dietzen-
Die pariser Terroristen.
Man hat bei uns in Deutschland immer gehofft, daß die französische Regierung a'A- riählich von ihrer Revanctseidee ablassen und zch mit Deutschland zu einem Wiederaufbau 8er durch den Krieg zusammengebrochenen Seit vereinigen würde. Aber diese Hoffnung j't bisher trügerisch gewesen und wird eitel Sahn bleiben, solange das französische Volk acht den Mut findet, die Vabanguespieler an >er Seine zu beseitigev- Deutschland kann vorläufig tun was es will, das Frankreich der Killerand wird ihm stets einen Strick zu drehen wissen. Das zeigt sich jetzt wieder deutsch aus der Behandlung, die die Rede des Reichskanzlers Fchrenbach in der pariser Presse findet. Kein Mensch in Deutschland wäre auf die Idee gekommen, daß öiefc* von rechts bis links für mehr als harm- !os angesehene Rede Fehrenback;S in Frankreich als eine Provokation aufgefaßt werden lönnte. Nichtsdestoweniger geht heute schon wieder eir- Schre ider Entrüstung und der Em- itfrunq über die deutsche Anmaßung durch den iranzösischen Blätterwald. Die „gehässige" Fehde gegen, die farbigen Truppen, der Hin- weisdes Reichskanzlers auf die Notwendigkeit einer allgemeinen Entwaffnung und auf den französischen Militarismus wird in schärfsten Worten gegeißelt und in der gemeinsten Weise zur Hetze gegen Deutschland benutzt. Man fragt sich vergebens, wie es die französische fresse.überhaupt wagen kann, den hundertmal belegten Tatsachen so ins Gesicht zu schlagen, hat etwa die Pariser Regierung von den Ge- valttaten der farbigen Truppen im besetzten Gebiet, die bereits die ganze Kulturwelt zw einem Protest herausgefordert haben, noch nicht gehört? Oder kennt vielleicht Herr Mille- taiw, der sich stets auf den Versailler Friet- densvertrag beruft, wenn es gilt, von Deutschland etwas zu erpressen, die Bestimmungen über die allgemeine Entwaffnung nicht? Will Äris behaupten, daß es in den letzten beiden . ohren auch nur den leisesten Versuch unternommen hat, abzurüsten? Und wer wollte lngnen, daß der französische Militarismus Wf nüber Deutschland Formen angenommen bat, gegen die der früher bekämpfte preußisch« Militarismus das reine Kinderspiel ist?
Millerand weiß, daß die Aegenströmun- een gegen seine Politik in der letzten Zeit iinner stärker geworden sind. Genau wie in Noskau, so sucht man jetzt in Paris durch einen ins maßlose gesteigerten Terror jede Regung der Vernunft zu unterdrücken. Die ^rhaudlungen mit England über die Wiedergutmachung, die Art, wie auch hier der schlechte Wille der französischen Regierung in die Erscheinung tritt, bieten ein Feld, iiler das die deutsche Öffentlichkeit mit Recht in höherem Maße erbittert sein könnte als ite französische Presse über die maßvollen 'Insführungen unserer deutschen Staatsmänner.
Die WicdergutmachnngSsrage.
Paris, 1. Nvv. Der „Matin" schreibt: Tie omzösisch-englischen Verhandlungen über die Diedergutmachungsfrage sind soweit I "®raei(f)rittcn, daß die englische Regierung bald ti der Lage ist, eine endgültige Antwort zu er* eilen. Wahrscheinlich wird diese Antwort morgen itr übermorgen in Paris überreicht werden. Wählend dieser Verhandlungen finb die beiden Länder Innig, daß die technische Konferenz sobald pe möglich stattfinden muß, und daß eine Kon- erenz der Finanzminister und Regierungsdele- ] «Honen, die in Genf tagen wird, darauf folgt. TedeutschenTelegierten sollen auf dieser Inferenz als beratende Mitglieder gehört werden. Ter. englische Standpunkt ist nunmehr der, daß
Oberste Rat in der ganzen Frage das letzte Sott haben soll, während die französische Ansicht ^in geht, daß die Wiedergutmachungskommission | dient dazu berechtigt sei.
Mtielenropäische wlrtschaftrkonferenz'
Berlin, 30. Ott. (WTB.) Ueber die mittet* lnvopäische Wirtschastskonievenz wird der „Voss. ß‘9" unbedingt zuverlässig ans Wien gemeldet, «ß in Washington heute besaimtge^e^ nxttc
Wiedergutmachungsausschuß in Paris werde *n feinem Unterausschuß in Wien ein Vorichlag Jtterbreitet wewen, als eine Art Fortsetzung *r Brüsseler Fi nanz kon feren z etnr Lirtschaftskonferenz des gesamten mittel’ kvvpäisclien Staatenblocks einMbemfen. Tie An ^ung gehe besonders von den Vereinigten Staa* * und England aus. An dieser Konferenz 1 outen ^utschland, Deutsch-Oesterreich, die Tsckgeck» fo «rui, Südslawien, Polen und Ungarn, vielleicht
Rumänien und Bulgarien teilnehmen. Auw Teilnahme Italiens und BÄgiens sei sicher.
tte Stillegung deutscher Lustschiffatzr. obgewehrt!
S..?erlin, 30. Okt. (Wolff.) Die Gefahr der L^Uegung des deutschm Luftverkehrs «r w-e wir hören, abgewendet. Nach Aul- . "mrng verschiedener Mißverständnisse zog die
interalliierte LuItschisfahrtSkontroll-Kvmmis'ion das über verschiedme große deu sche Lustverkehrs- iirmen verhängte Verbot der AuZfülirung ioeitener Flüge in Deu.sch!and zurück. Ferner erklärte sie sich bereit, die in Wien und Königsberg beschlagnahmten deutschen Flugzeuge freizugeben. Auch dagegen, da» mit rein zivilen Lustlahrzeugen weitere Flüge ins Aurtand auägefüljrt worden, erbebt sie keine Einwendungen. Aufrechterhalten bleibt nur das Verbot von Auslandsslügen für diejenigen Flugzeuge, die früher Militärslugvuge waren und deren VnwendunA für den zivilen Luftverkehr die Kontrollkommission aus Entgegen* kommen gestattete: für beit InIandSoerkehr können auch Diele Flugzeuge im gehindert weiter benutzt Norden. Das Richsluf^amt wird ter Forderung der Kontrollkommission entsprechend den AuSlands- verfehr der ob.it bezeichne c.1 srül>eren Militär- Luftfahrzeu '.e untcrrog'n. Es hat (ich bayu bereit * gefunden, um weitere Schäden von der deutschen Fugzeugiudnstrie und dem deutschen FlugverkrhrS- wefen abzuwenden.
Die Ablieferung von Milchkühen.
Berlin, 31. Okt. Verschiedene Blätter lassen sich htdben, daß die an Deutschland gestellte Forderung auf Ablieferung von 810 GOO Milchkühen auf hie Hälf.e ermäßigt werden solle.
Eine Reise GiolittiS nach England?
Rom, 31. Ott. (WTB.) „Giornale d'Jtalia" will ans zuverlässiger Quelle erfahren habm. daß Giolitti sich ;n der zwnteu Hälfte des November ober, wenn die Tagimg des Parlament? ihn daran hindern sollte, Anfang Dezember nach London begibt.
Sozialistenkongreß in Brüssel.
Brüssel, 1. Nov. (WTB) Der Svtzia- listenkongreß wurde gestern vvrlni tag eröffnet. Nach Annahme einer GlücLvunscktzüwesfe an die eng i chen Bwgvch i er nahm inSbeivn.de e täe Frage teS Eintritts in die dritte: Jitternattvi'ale und die Teilnahme am Ministerium das grvßte Interesse in Anspruch. Der Partei'ekratär und der Minister van der Velde brachten etne Tagesordnung ein. mit der .Feststellung,, daß die 21 Moskauer Bcknngnnq>'n nicht nur eine Spaltung des Proletariats, sondern auch eine Verneinung der grundlegtirden Gesetze des Sozialismus darstellen, wie sie von rnrernationalen Kongressen ausgestellt worden sind.
Brüssel, 31. Ott. (WB.) Ter Deisten- ldngveß befaßte sich heute vormittag mit dec Jnter- natioi'ale. T«§ Sekretariat des Brüsse er Verbandes reichte eine Tagesordnung ein, der zufolge der ftongreß nicht den Beitritt zur 3. Internationale befürworten, aber den Austritt aus der 2. Jnter- ratiouale besck-ließen soll. Der Svzw.si^e ckongretz bat mit großer Medrh it die Tagesordnung te3 Brüsseler Verbandes recnwrfet und feinV e rblet- ben tn der 2. Inte r na tionale beschloßen.
Beniselos über die Lage in Griechenland.
Athen, 30. Ott. (W-oltt) In der Sitzung der Kammer, in der Admival Condouritts zum Regenten gewählt wutt>e, hielt Beniselos folgende Ansprache: „Ich teile 3fr im mit ti-fein Sd;m*Tje len Dod be? Köriigs Tranier mit. Unb-r fefrviertgen Be Muni fr i aus len Tl.r.m gestiegen, verstand er es dach, seine schwierige Rolle, die er zu spiefrn hatte, durck)»ufVwen, und er hat den vorH-ffbriebenen We,r ebne Er lüdung verfolgt. Könbg Mxonder folgte dem Besspiele seines Großraters, er uxurbe ein toefrer volkstümlicher König und füllte seinen sckstvierigen Posten loyal und aufrichtig aus. Nach der B.wvffsung nn;b Prinz Paul König von ©ntrixiilarti), aber seine Abwesenheit macht die Warl eines Regenten erfordersich, umsomehr, a 5 ei -unäcktst un- bestveirbar anerkannt sein muß, dafi Prinz Paul allein der legitime Nack>solger KÄ'.ig Alomid-rrs ist, bevor der Thron dem königlichen xxur'c ilCer* tragen wird. Gr echenland brauckü Friede im Jii- ranen, um sich de. Ausgabe ter Rvo ganilatian und der Festigung seiner nat27na[en Bew.rbungen widmen zu können. Zu diesem 3iue5c ist es unbedingt erforderlich, daß ÄXniftantüi seine Intrigen einiteftt, und daß er nicht mehr in bem Prinzen Paul einen Platzhalter sieht, besten Aar gatv es ist, ihm den Rückweg aus den Thron zu erleichtern."
Luzern, 31. Ott !Wolfs.) Die Schlreneniche Tedesck,>eii--AFeiitur e-hält von Herrn Streit, bem ehemaligen Mvtister des Königs Konstantin die Mitteilung, daß die griechische Regierung durch ihren GesMid-ten in Bern ge fern b.-rm Prinzen Paul w.-gen ter Thvanfvgffrage einen mündliclen Sch i t uniemomme.i Ixifr, roc* uns 'der Prinz erwidert habe, datz er bei etani> yunft der griechischen Regierung nicht teile, datz er nach der Verlas jung berufen i ei. dm Thvon zu lx-sEigen. Ter gcn'vlch'che Thra.i qeT»re vrelwebr emem Vater unb Koanprinz :et lern äl ear Bruder Georg, die beide niemals aur 'tne tyi en -ustehenden Reck, e rerzichtet unb nur geziuw gen ihr Vaterland verlaffvi bäten. K-stnig Ä'.x>ftantui nxKtde Die Rückkehr nach ^rieffe’ilan? rtxgfiib von ix-r freien Willeusäußerung des g-tedx>*i«3t VxkeS .uchängig und er selbst wurde nur dann die Krone arrnefrnen können, wenn das grischksckie CXt |M) unzweideutig v<ihin ariSsvräche, das; e? de Ruch- cf)r des Königs .^orfkrrtin nach ©rieamlanö ::td"4 wünsck>7 und den Kronprinzen Georg von der Thronfolge auSsck)liebe.
Der neue österreichische R«tionatr«t.
Dien, 31. Ott. (WTB.) Nach den vorläu- sig-n Berechnungen der Hon-Mwahlbehördc werden ün^vdien Ermutesiuigsverfahren Die auf die Rest-
stimmen ent'allenden 15 Mandate in fblcen* der Weise verteilt: Großdeutsche Partei 7, Soza demok.aten 4, Christlichsoziale 3, deu^schöster- reichiiche Bauernpartei 1. Der neue, 175 A b* Jeordnete zählende Nationalrat hat wmit folgende Zusammensetzimg: Sozialdemo- k a:en 66, Christ ich oziale 82, Großdeutsä^ VollS- kxirtei 22, Bauernpartei 4 und Bürgerlick>e Arbeiterpartei 1.
Rußland und Polen.
• Warschau. 31. Oft. (WTB.) Der Minister für auswär ige Ang?lrgenh iten, Sa pieha, xvdy tetc an Tschits che rin in Moskau und Ka- kvlvSki in Charkow naclrstelseudes Telegramm: Der p»lnische Laardfag ratisizie te einstimmig den Vvr- frie en* und den SBaiicni illslondsver rag. Ich heg? das v-olle Denvouen, daß sich die Friedens- und Wohlfahrtspcriode in den wieder versölmten Staaten öffnet und daß unsere fttedlichen Länder sich Dem Werke der wirtschaftlichen Wiederauffickrtung zum Wohle ter gj”aim en Menschheit wv der widmen können. Unser Delegierter und Ueberbrtiigrr der Ratifikationsurkunden wird am 1. Novcrnl»er in Li bau ernt reffen. Wir schlag«! den Austausch der Urkunden am 2. November vor
Das bedrohte Indien.
Haa«, 31. Ott. (Wolff.) Der „NieuweCourant" meldet au<3 London: Berichte aus Simla besagen, daß in den Bezirken Amritsar, Lahore und Shaikspurah der uneingeschrmitte Delageningszustand erttärt worden ist. Arbeiter- versammlnnoen sind nur mit besonderer Erlaubnis gestattet. Die ganzen Maßnahmen sind wegen X>el<ereim gegen die britischen Behörden erfolgt, trnrn sich zahlreiche nationalistische Agitatoren schuldig machten.
Der Achtstundentag in der Schweiz
Bern, 31. Ott. (WTB.) In der heuttgen schweizerischen Volksabsttmmung ist das Gesetz, das die definitive Einführung des Achtstundentages im Eisenbahn-, Post-, Telegraohen- und Telephonbetriebe nach heftigen Abstimmungskämpfen mit rund 389 000 gegen 271000 Stimmen beschlossen worden. Die Landwirtschaft, das Gewerbe und die Kleinbahnen bib- beten die Opposition. Die StimmbeteUigung betrug zirka 67 Prozent.
Eine Notgeme'nschaft der deutschen Wissenschaft.
Berlin, 31. Ott. (WTB) Die Akademien der Wi'sensck-aften, die Universitäten, Teckmiscken Hochschulen, Der Verband teckmisck»wissenschafflicher Vereine, die Kaier -Wilhelrn-Ce ellsckiaff zur Förderung der Wi senschaf e^i und die Ge'ellschast deutscher Naturfuricher und Aerzbe sind zur ersten Mi:glieDerversammlung der N v t ge m e hn schalt der deutschen Wissenschaft am 30. Oktober in der Staatsbiblwtbek in Berlin zusammengetreten. Satzung und Cintvagung des neuen Selbstverwal ungskörpers ter Wi 'enschäft in das V-veinsi'effs'^r nmde b^sck^o'stm. Tw 9crtgrme:n- schast will die ihr .zufließenden Mittel inr Gesamtinteresse ter dnitschen wi'senschastlichen Fcrschimg verwenden und durch die in ihrem Kreise vertretene Fachkunde und Erfahrung zur Erhaltung dec lebensnoiwendig.n Gru^4<vg^! der deutschen Wissenschaff wirken. Die beutiaje Wisienschäft wird zunächst in 19 Fachgebiete ausgeeilt, die durch Fcrck^ruSsckZü fe bei der No gemeinschast vertreten sind In die'en Fachausschüssen sollen alle tn der w-i senschaftlichen Forschungsarbeit tätigen Kiäste mit ihren Be-ürfnis'en zu 3Bo:tf kommen. Zum Ausgleick» der Ansprüche ter Cinzelsächer und zur Dereinhei lichung uwb 3u)'ammenfafung der auf einzelnen Gebi? en erfotteikick«n Maßnahmen bat die Mitgliedervettcrmmlung einen Haupt- auSschußvon 11 führenden Gelehrten mis Den veffckü-densten Geb» ten gewählt. An brr Spitze ter Notgemeinschaff eht als Präsident S.aatsminißer Dr. F. Schmi 1-Ott (Berlin), als dessen Vertreter der Geheime Rat von Dyck in München und Gehemwr Regierungsrat Haber m Berlin-Talüem gewählt wor en and. Aus-erhalb der Wissem'chast stehende Sachverständige und Freunde werden in besonderen Kommissionen der Nr> gemeinschaft zur Lö'ung ter algemeinen Fragen wi'imrken Eine svlckw Kommis ion übernimmt den Verkehr nri den Bereinigten Sbio en. Dr. Li ber 'Neuynck' Hal das EmrerstL-dnis der awv- rikanischon Ts-reunbc des Deutschtums mit die er Vereinhff lichung durch einm Beitrag o-m 50000 Mark für tie Ge'chäffSführung der Notgemein- sckxlft bei Gelegenheit der Mckgliederversammlung zum Ausdruck gebracht.
Der Oxforder Brief
Amsterdam, 31. Ott. (Wolff.) In einem Brief an di? „TimeS" verwirft der Vizekanzler b?r Universität O r ford das öffentliche Schveibm von Oxforder Professoren an die deutschen Gelehrten. Er erttärt, daß die Universität Oxford in feiner Weise dafür verantwortlich sei, ober überhaupt etwas mit dem Schreiben zu hm habe: die betreffenden Profffsoren hätten ein R'cht, nomenS der Unioer'ität Oxford zu sprechen, weder besessen, noch auch für sich in Anspruch genommen.
Der angebliche Mordversuch an einem Reich5wrhrso'doten.
München, 30. Ott. (Wolff.) Tie Polizeidirektion teilt zu dem angeblichen Mord
versuch an dem Reichswelrrsoldaten D e b n e r folgendes mit: Arn 29. Oktvbw, 7 llhr a meldete sich bei der Polizeidirektion em 24jährigev Student von hier mit dem S5erlangen, zu dem Voffall, dessen ausführliche Darste.lung er soeben in Der „Münchener Post" gelesen habe. Genaues berichten zu Dürfen. Gr stelle s i ch der Polizei nach jeder Richtung zur Verfügung. Nach seiner Angabe war es ihm und ein paar Kameraden nur darum zu tun, ein Wafsenlager, dessen Umfang ihm gar nicht, bekannt war und da- Debner um 3000 Mark an sie verraten wollte, kennen zu lernen. Die Besichtigung sollte am 20. Oktober abends stattfinden. Gr und ein weiterer Kamerad hätten die Fahrt mit dem ihnen bis bah in ganz unbekannten Dehner an- getreten. Debner hatte die Führung, ba ben beiden anderen der Ort des Lagers nicht genau mitgeteilt worden war. Debner erhöhte während der Führung seine Ansprüche auf 'Belohnung unter der Androhung, er könne bei der U S P D. für bem Waffenverrat noch mehr Gelb bekommen, derart, daß sie beide in plötzlicher großer Grregung über sein Verhalten ihn sofort ordentlich verprügelten. Hierbei wurde ein Debner gehörender Stock benutzt. Die sämtlichen Angaben DebnerS übeti mitgebrachte Totschläger, Stricke usw. seien erlogen. Im Lause des Abends konnte auch der zweite Student, der wegen einer schweren Armverletzung zu Bett lag, zur Polizeibirettion gebracht werden. Seine Afußerungen deckten sich mit denjenigen seines Begleiters in jeder Hinsicht. Das Verhör wird fortgesetzt.
München, 30. Okt. (Wolff) Der Versa s s u n g sa u s s ch u ß des Landtags beschäftigte sich heute mit dem Fall Debner. Am Donnerstag bitte der Abg. Garei S /USP.) im Staatshiusholtsausschuß mitgeteilt, daß er den übelberüchtigten Reickslvehffoldaten Debner dem Zugreisen der Polizei dadurch entzogen habe, daß er ihm im Landtag Unterschlupf gab und über Nacht dort beließ. In der brütigen Sitzung brachte der Abg Brosius (Mittelpartei) einen dringlichen Antrag ein, und sagte, daß ans feiner Bestimmung der Versassungsurkunde Bayerns der Schluß gezogen werden könne, daß Abgeordneten das Recht zustehe, Nichtabgeordneten ein Asyl im Landtagsgebäude zu gewähren, um sie gegen ein polizeiliches ober richterliches Gingrttfen zu schützen. Von den Rednern aller bürgerlichen Parteien wurde es als eine ungeheuerliche Zumutung, ja als eine Beleidigung des Landtages bezeichnet, den Abgeordneten zuzumuten, mit Leuten wie Debner unter einem Dache zu sein. Staatssettetär Schweyer erklärte, der Landtag sei keine Freistätte für Leute, Die polizeilich gesucht werden. Hätte die Polizei gewußt, daß Debner sich im Landtage befand, so hätte sie Ferne Bedenken gehabt, ihn festzunehmen. Debner wurde in der Zwischenzeit, nachdem ihn der Untersuchungsrichter vernommen hatte, von Gareis wieder in Sicherheit gebracht. Mit allen Stimmen gegen die Stimmen der U. S. P. D. wurde der Antrag angenommen.
Aur dein Neicbe^
Die Verfassung Preußens.
Berlin. 30. Okt. (WTB.) Die preußische Landesversammlung setzte die zweite Lesung de§ preußischen Verfassungsentwurfes fort und nahm den grundlegenden Paragraphen über die Schaffung eines Staatsrates gegen die Stimmen der Unabhängigen Sozialisten und Kommunisten an. Darauf vertagte sich das Haus auf den 4. November.
NoSke Qberpräsihent der Provinz Hannover.
Berlin, 30. Ott. (WTB.) Der „Staatsanz/' veröffentlicht die endgültige Gmeratung Noskes zum Oberpräsidenten der Provinz Hannover.
Ein Arbeitsdienstjahr.
Berlin, 30. Okt. (Wolff.) Wie das „Acht Uhr-Abendblatt" erfährt, wird ein Gesetzentwurf über die Einführung eines Ar- beitsdienstjahres k-e eits nu^gearbeitet. Es sollen dabei zwei Momente hervorgehoben werden: Die erzieherisch und sozial gewonnenen Arbeitskräfte sollen für Arbeiten ausgenutzt werden, die nicht kapitalistischen Interessen, sondern der Allgemeinheit dienen. Auch weibliche Arbeitskräfte sollen zur Verwertung, besonders im Dienste der KrankheitS- pffege und anderer, besonders sozialer Einrichtungen herangezogen weroen.
Eine Partei für ReformsozialiSmus.
Berlin, 31. Okt. Im Westen von Groß-Berlin hat sich eine neue Partei für Reformsozialismus unter Führung oes ffüheren „Vorwärts"-Re^akieurs Unger und des Milmersdorfer Sozialdemokrat ten Kopsck gebildet. Sie erklärt, daß der marxistische Sozialismus abgewirtschaftet habe und tot sei.
Reichstagung des NationalverbandcS der deutschen Gewerkschaften.
Berlin, 31. Ott. ^WTB.) Der Nationalverband deutscher Ge wer kscha f ten, trat frute zu feiner ersten Reichstagung zusammen. Nach der Begrüßungsanivrach. deö, Vorsi.?e!i- den Ge is le r sprach Der ehema ne Vorsitzeide Der den schen FriedensDelezatioii in Be.sai e-, Fniherr v. Lersner, über Da3 Thnna „Bcr cnl.es". Er führte aus, der Vertrag von Verailies beocute nach ten Worten Clemenceaus die Forttetzungl des Krieges mit anderen Mitteln. Dn Vertrag frr auch ter innere Grund fast allrn Uebels n j)eutta>* ümD. Man müsse ferne Revision anftrvben,


