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Erster Blatt

170. Jahrgang

mittwod), 1. September 1920

GiekenerAnjeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vnick und Verlag: vrühl'sche Univ.-Such- und Steinöruderet H. Lange. 5chnf1leitung, Geschäftsstelle und Druderei: Zchulstratze 7.

Annahme von Anzeiuen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v. 34mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf.; für Reklame, Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf Bei Platz» Vorschrift 20" Aufschlag. Hauptschriftleitcr: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Fenz; für den Anzeigenteil. H.Bedi, sämtlich in Gießen.

Der Vogt im Rheinland.

Nach Pariser Meldungen wird der fran­zösische Ministerpräsident demnächst das be­setzte Gebiet des Rheinlands besuchen. Köln, Bonn, Mainz und Worms sollen die Statio­nen der Rundfahrt sein. Kein Bürgermeister dieser Städte, kein Regierungspräsident und auch die Berliner Regierung nicht hat Herrn Millerand aufgefordert, auf deutschen, wenn auch militärisch von der Entente besetzten Bo­den zu kommen. Solange es diplomatische Sitten gibt, begeben sich Minister, falls sie nicht etwa zum Kurgebrauch oder sonstwie privatim reisen, nur auf Einladung in frem­des Land. Millerand betrachtet offenbar das Rheinland nicht als besetztes, sondern als unterworfenes Gebiet. Es ist in seinen Augen nicht ein einfaches Faustpfand für die Er­füllung der deutschen Verpflichtungen, sondern eine den Fremden auf Gnade und Ungnada überlieferte Kolonie. Diese scharfen Ausdrücke sind mit voller Absicht gewählt. Der Reichs­minister des Innern Koch gebrauchte zu An­fang dieses Jahres in der Nationalversamnv- lung dieselben Worte, um die französische Willkür zu brandmarken. Ist es seitdem anders geworden? Immer noch wirken im besetzten Rheinland die furchtbaren Ordon­nanzen, immer noch gilt die Bestimmung, nach der jede Person mit Gefängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu tausend Mark bestraft werden kann, deren Worte, Gebärden oder Haltung mit Bezug auf die Fahne oder ein militärisches Emblem der Alliierten sich als beleidigend oder auch nur als unschicklich kennzeichnen. Das war nichts anderes als die Wiederaufrichtung des Geßlerhutes im zwan­zigsten Jahrhundert. Und wenn nun der fran­zösische Ministerpräsident durch das Rhein­land reist? Ist es nicht, als ob der Frohnvogt selber daherkäme? Natürlich werden ihm die­jenigen, die sich auf die französische Herrschaft schon eingestellt haben, ihre Aufwartung machen. Alle Anzeichen deuten darauf hin, datz der enthaftete Dr. Dorten und seine Leute wieder frischen Mut gefaßt haben und eine neue Aktion zur Durchsetzung ihrer rheinischen Republik planen. Die Franzosenfreunde wissen, daß die kulturelleUeberlegenhcit" der grande Nation allein nicht hinreichen würde, um eine kerndeutsche Bevölkerung vom Reiche und vom deutschen Kulturkreis abzu­spalten. Sie suchen vielmehr die mangelnde Wcrbekraft der kulturellen Propagandamittel durch sehr handfeste wirtschaftliche Argumente zu verstärken. Sie haben in Wiesbaden, und zwar unter der Protektion der obersten militärischen Verwaltungsbehörde des gesam­ten von den Franzosen besetzten rechtsrheini­schen Distrikts, des Administrateur superienr du district de Wiesbade, das Zentral­bureau Gallasch begründet. Der eigentliche Leiter dieser Institution wurde der französische Kapitän Braun. Dieses Bureau verfolgt den ausgesprochenen Zweck, die rhei­nische Industrie nach Westen zu orientieren. Es sucht Fabrikanten und Kaufleute damit zu ködern, daß es ihnen die vorzugsweise Bet­lieferung mit Rohstoffen und Materialien einerseits und die' Erschließung des französi­schen Absatzmarktes für ihre Produkte anderer­seits zusichcrt. In Köln tut das Gleiche: Herr Gallasck) selbst. In der Verbandspresse wird die polnische Reise Millerands bereits vorbereitet. Ein Amerikaner, Frank H. Si­mon d s, unternimmt es, auf angeblich zu­verlässiger Grundlage, das Schicksal der Län­der am Rhein zu schildern. Er prägt dabei' ein Wort, das man sich merken muß.'Deutsch­land wird am Rhein endigen". Wie man sich das denkt, führt Mister Simonds im ein­zelnen aus. Elsaß Lothringen französisch, das Saargebiet französisch, zwischen Belgien und Frankreich eine Rheinische Republik unter dem Patronat des Verbandes. Die Besetzung der linksrheinischen deutschen Länder hat nach Si­monds vor allem den Zweck, den preußischen Einfluß, den deutschen Gedanken durch Ab­trennung dieser Provinzen vom Reiche lang­sam aber sicher zu töten, um das Volkreif" Ul machen für den unter dem Protektorat des Verbandes stehendenPufferstaat" einer Rheinischen Republik. Es ist sicher, daß in den Landern am Rhein unter den breiten Massen witens der Entente in diesem Sinne mit Hochdruck gearbeitet wird. Geschickt weiß die französisch-britische Diplomatie sich freiwil­liger und unfreiwilliger Helfer in der Bevöl­kerung für ihre Zwecke zu bedienen. Aber etwas Gutes wird dabei nicht herauskommen, weder für die französischen Interessen, noch mr das Rheinland. Die Vorgänge in Ober- Ichlerien und in Breslau haben gezeigt, wie gereizt die Stimmung der deutschen Bevölke­rung gegen Frankreich ist. Millerands Besuch Ware nichts anderes als eine neue Heraus­forderung des Unwillens und der Empörung.

französische Sichneforderungen für Breslau.

23 e r I i n, 31. Aug. (WTB.) Die von der französischen Botschaft heute überreichte Note hat folgenden Wortlaut: Herr Minister! Im Anschluß an meine Note vom 27. August, beehre ich mich. Euerer Exzellenz die Bedingungen der Regierring der Republik für die Beilegung des ernsten Zwi­schenfalles bekanntzugeben, der sich auf dem fran­zösischen Konsulat in Breslau am 26. Aug. zu getragen hat: 1. Das Konsulat wird von der deutschen Regierung auf ihre Mtoften wieder in- slandgcsetzt; 2. Die t eutsck-e Negierung;'zahlt100 000 Franken zur Entschängung der Kvnsulatoeamten, für die bei dec Plünderung erlittenen materiellen Verluste, für den Schaden, der ihnen etrna durch Vernichtung ihrer auf dem Konsulat hinterlegten Wertpapiere und Urkundet: entstanden sein könnte, sowie für die besonderen Aufwen­dungen, zu welchen der Vorfall sie genötigt hat. 3. Alle am Ueberfall Beteiligten werden ermittelt und bestraft. Dos Ergebtiis der Ermittlungen wird der Botschaft binnen rchst Tagen mitgeteilt. 4. Gegen die Ortsbehör­den, durch deren Einverständnis, Fahrlässigkeit oder Gleichgültigkeit die Ausführung des lieber«- falls möglich geworden ist, werden diszipli­narische Maßregeln getroffen, von dm en die Botschaft innerhalb der gleichen Frist Mittei­lung erhält. 5. Nach vollständiger Erfüllung die­ser Bedingungen wird das Konsulat in (Vegentoart des Oberpräsidenten der Provinz Schienen und des französischen Botschaftsrats wieder eröff­net. Die Flagge wird gleichzeitig ge­hißt und weht bis 7 Uhr abends. Eine Kom­pagnie Reichswehr mit Musik ei weist Ehrenbezeugung und defiliert vor dem Konsulat. Das Programm des Hergangs wird im Einverständnis mit der Botschaft festgesetzt. Da die Regierung der Republik dec Ansicht ist, daß die Gewalttat gegen das französische Konsulat in Breslau auf die nämlichen Ursachen wie die Beleidigung der französischen Botschaft vom 16. Juli zurückzufühven ist, verlangt sie außerdem sofortige disziplinarische Maßregeln gegen dm Hauptmann von Arnim. Tie Regierung der Republik wünscht mit der deutschen Regierung in einer Atmosphäre der Beruhigung und Arbeit ftied- liche Beziehungm zu unterhalten. Aber sie muß fefrftellen, daß eine lange stieiye femöieliger Kund­gebungen und Angriffe gegen zivile und militä­rische Vertreter in DeutMand zeigt, daß es gewisse Elemente aus Herausforderungen absehen, zu welchen das regelmäßige Ausbleiben der Bestrafung geradezu ermutigt. Sie ist über­zeugt, daß dieser unerträgliche Zustand sich von Dag zu Tag verschlimmern wird, wenn die deuft'che Regierung nicht durch deutliche Miß­billigung "unb nachdrückliche Strafen zeigt, daß sie dem ein Ende setzen will. In dreiem Sinne beehre ich mich, im Auftrage meiner Regierung die Forderung zu stellen, daß die deut­sche Regierung für alle Zwischenfälle, ixten Opfer französische Vertreter oder Staatsangehörige ge- roefen sind, mir in der Botschaft binnen kürzester Frist durch ben Reichskanzler ihr Bedauern aus- spricht und zugleich die Zusage erteilt, daß die in der vorliegenden Not? geforderte Genugtuung in vollem Umfange gewährt werde. Im übrigen be­halten sich die Derbünbeten Regierungen selbst­verständlich vor, die Sühne und Wiedergutmachnng zu verlangen, die die lieber griffe gegen die inter­alliierten Kontrollkommissionen und ihre Mitglieder zu erfordern scheinen. Genehmigen Sie, Herr Minister, die Versichertmg meiner ausge zeichnetsten .Hochachtung. (ge$.) Charles Laurent.

Berlin, 1. Sept. Wie aus Breslau berich­tet wird, sprachen gestern die Vertreter des All­gemeinen Studentenausschusses der Universität beim Oberpräsidenten vor. Dieser zeigte sich den Wünschmder Stuben tenfebaft, eine Klärung der Mißverständnisse herbeizuführen, entgegenFommenb und ermächtigte die bei ihm Er- schienenen, der Studmtmschast bekannt zu geben, daß die Angriffe in der Presse auf keiner tatsäch- lick-en Grundlage beruhm, fernerhin, daß er per­sönlich 'die lieberjeugung gewonnen habe, daß die Studentenschaft nicht für die Vor­gänge verantwortlich gemacht roerben Söime. Alsdann ermächtigte er die Erschienenen, der Studentenschaft bekannt zu geben, daß feiner Heber zeugunq nach polnische Agikatorm, darunter eine große Anzahl polnischer Stubenten, an der Herbeiführung der Ausschreitungm Schuld gewesen sei, zumal diese Herren, als man sie am nächsten Tacx in Schutzhaft nehmen wollte, verschwundm gewesen seien. *

Ein Kompensationsvorschlag Frankreichs.

Berlin, 31. Aug. (Wolff.) Wie demVerl. Tagebl." gemeldet wird, schlug die französische Regierung der deutschen Regierung vor, ihr die Bestände der Deutschen Bücherei in Leipzig, datierend vorn 1. August 1914, zu über­lassen. Alsdann würde Frankreich auf beit speziellen Wiederaufbau der einzelnen zerstörten Bibliotheken Frankreichs, wozu Deutschland verpflichtet iet, ver­zichten. Tie deutsche Regierung lehnte in­dessen ab, dem Kvmpensationsvorich^age Frank­reichs Rechnung zu tragen, da die Erfüllung des Wunsches gleichbä>eutend mit einer nicht wieder- gutzumachenden Schädigung des deutschen Bibl«- thettvesens fein würde.

Die Streitlage in Württemberg.

Stuttgart, 1. Sept. (WB.) Tie Streik­lage war am Dienstag unverändert Verfuche der Streikenden, die Eisenbahner auf ihre Seite zu bringen, blieben erfolglos. Anschläge gegen die Eisenbahnen an verschiedenen Orten des Landes, konnten nocb rechtzsttg vereitelt werden.

ebenso die Versuche der Streikenden, die Reisen­den an dem Betreten der Bahnhöfe zu verhindern. Uebrigens macht sich schon eine gewisse Streif6 mattigfdt bemerkbar. In Ulm hat eine Geheim­abstimmung in mehreren Betrieben eine große Mehrheit gegen den Streik ergaben. Zu dec Voll­versammlung der Betriebsräte Stuttgarts wurde am Dienstag nachmittag beschlossen, sich dem Steuerabzug zu unterwerfen und die sofortige Zurückziehung der Truppen aus den Betrieben zu verlang.n. Tie Regierung wird die Polizei­wehr erst dann aus Den Betrieben zurück zielen, wenn die Verhandlungen zwisck-en Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die heute abend wieder auf- genommen werden, über die strittigen Fragen zu einem Ergebnis geführt haben, und sobald Ge- wähc dafür vorhanden ist, daß die öffentliche Ruhe nicht mehr gestört wird.

Reichsfinanzminifter Dr. Wirth in Stuttgart.

Stuttgart, 1. Sept. (WTB.) Reichsfinanz­minister Dr. Wirth weilte am Dienstag auf der Durchreise im Finanzministerium, um über Or- gmnsationsfvagen des Landesftnan.-amtes zu ver­handeln. Tie Besprechungen standen mit dem Steuerftrcit in feiner Beziehung. Dr. Wirth reifte in gleicher Angelegenheit auch nach Karlsruhe und Darmstadt.

Der Krieg im Osten.

Der russische Bericht

Moskau, 31. Aug. (WTB.) Durch Funk- spruch. Operativnsbericht der russi­schen Sowjetrepublik nom 30. August. Westfront: Im Abschnitt Wolllowis'k besetzten mir eine Reih- von Or schäften. 1530 Werst südöstlich von Bialysüok erbeuteten wir Panzerautos sowie neun Kisten mit Munition. Im Abschnitt Brest- Litowsk örtliche Kämpfe. Im Abschnitt Wladimir- Molhynel besetzten wir die Stadt Belz und eine Reihe Ortschaften nördlich davon, woher wir Ge­fangene machten und drei Geschütze erbeuteten. Im Abschnitt Lemberg und Przemysl sind hartnäckige Kämpfe im Gange. Das Uebecgewicht ist auf Sei­ten unserer Truppen. Krimsront: Im Abschnitt Crechow für uns erfolgreiche Kämpfe.

Ter polnische Heeresbericht.

Posen, 31. Aug. (WTB.- Durch Funk- fpmch. OperatronSbenchr des polni­schen Generalstabes vom 30. August: Am 29. August sind unsere Vortruppen, von der ört­lichen Bevölkerung enthusiastisch begrüßt, tn Augusto wo ein gerückt. Im Abschnitt von Ma- ftyftof toebt sich der Feindunter unserem Drucke gegen Osten zurück. Unsere Truppen besetzten So­kol und Grodok. Bolscl;ewistische Abtftlungeu, die im Abschnitt Mala Narewka ernsten Widerstand zu leisten versuchten, wurden zurückgevol-fen und zur panikartigen Flucht gezivungen. Im Msclmitt B re st- Li to ws k 'herrscht Ruhe. Im Abschnitt Zomoß leisteten unsere Abteilungen her beritte­nen ^trmee Budonnvs Zeitigen Witecstand. Goa- bowiec, welches von uns oorüberge'hend verlassen worden war, wurde im Gegeniugriff zurückerobert. "Oestlich von Lemberg ist die Lage unseränbert. Hartnäckige feindliche Ang'rife aus Zadivorze wur­den abgewiesen. Feindlicl)e U^onnen wurden bet Pvhoryles 50 Schritt vor unseren Stellungen zu- rückgewiesen und erlitten sehr schwere Verluste.

Die polnischen Gegenvorschläge.

Moskau, 31. Aug. (Wolff.) Tie pol­nischen Gegenvorschläge zu den einzelnen PPtlnkten der Fr ieden s bedin gu n g e n be­sagen u. a. M Punkt 1:

Die Sowjetregierung muß die Unabhän­gigkeit, Selbstäichigkeit und Souveränität der polnisck»en Republik anerkennen. Es ist selbstver­ständlich, daß Polen fein innerpolitisches Leben ganz selbständig ohne Einmischung anderer Staaten organisieren kann.

Zu Ptm'tt 2 macht Polen folgenden Vorschlag: Keiner der Staaten braucht die Kriegskosten zu ersetzen. Die polnische Delegation betont, daß das polnische Element weit über die vor geschlagene Grenze unb über die Ostgrenze Polens reicht. Tie Kraft dieses Elements muß unbedingt in Betracht gezogen werden. Gleichzeitig halten wir es für unsere Pflicht, dem Volke, das Territorium zniichen den beiden Staaten bewohnt, in seinen politischen Angelegenheiten freie Hand zu (affen."

Zu Punkt 3. Tie Absicht, Polen die Ver­pflichtung einer Heeresverminderung auf­zuerlegen, wird als Entwürdigung des polnifchcn Volkes kategorifch zurückgewieftn. Rußland folge augenscheinlich mit vollem Bewußtsein dem Bei­spiele der Politik Peter des Großen und Katba- rhta II., einer Politik, welche dieselben Forde­rungen stellte und zu dem Verbrechen der Teilung ftihrte.Es setzt uns umsomehr, in Erstaunen, weil es doch bekannt ist, daß das .Sowjetregim? den Militarismus auf die höchste Enttvicklungsstufe brachte unb nicht im geringsten die Absicht zeigt, ihre eigene Wehrmacht zu befdnänbm."

3u Punkt 10: Polen behält sich das Recht vor, allein an der Grenze ein Heer von 200000 Mann zu hatten. Für Polen wird es bann erst möglich fein, an die Temobilasatio.r zu denken, wenn diefe fick in ganz Europa verwirklicht hat, was Polen als echt demokratifches strich itfun lange heiß ersehnte. Die Vorschläge bezüÄick bei Ergänzung des Heeres durch Arbeitermili- zen nriirben einen völligen Um.atrj der Basis bei Souveräni'at und der Nichteinmischung in die inne ren Angelegenheiten Polens herbeifühten können und als solche überhaupt nicht in Betracht gezogen werden können.

Entsprechend ben vorhergehenden Ergebnissen kann die polnische Regierung unter feinen Um­ständen zu einer einseitigen Verpflichtung der De- mobittjarron ihre Eürwllttgung geben. Das einzig

richtige wäre, daß beide Seiten gleichzeitig demo­bilisieren, und zwar sofort nach Friedensschluß

Eine Untat der Polen.

Berlin, 31. Aug (Wolfs) DemLokal­anzeiger" wird aus Hindenburg über eine jetzt erst bekannt gewordene Untat der Polen be­richtet : Am 19. August fuhren trotz des Go-« neralstreiks etwa 400 bcutfdje Arbeiter in Die Delbrückschächte ein. Eine etwa 8M Man» starke polnisch.' Bande erztvang durch TrohungeN die Ausfahrt der deutschen Arbeiter. Tie Polen stellten sich am Tor der Zeche in zwei langen Reil-en auf und ließen die beutf eben Arber ter regelrecht Spießruten laufen, indem sie den Laufenden mit Knüppeln und Stöcken zahl­reiche Hiebe versetzten. Besonders schwer wurde der Vorsft^nüe des Verbandes heimattreuer Ober­schlesier der Ortsgruppe Kiurzendors mischandelt. Polnische Frauen und Mädckfen beschimptten dabei die deutschen Arbeitswilligen, spicen ihnen ins Gesicht und traten die Verwundeten intix zu Boden Gestürzten mit Füßen.

Ter Massenmord von Joseph»tal.

Kattowitz, 31. Aug. (WB.) lieber beit Massenmord von Josep Hstal bet Teutfch-Pickar, wo nun schon 10 Leichen grausam getöteter deutscher Arbeiter gesunden wor­den sind, treffen neue Meldungen mit entsetzlichen Einzelheiten ein. Bon privater Seite wird uns beriditet: Ter Schauplatz der Leichenfunde ist ein kleiner Nadettvald dicht an der Grenze. Alle zehn Opfer flammen aus dem Schlaf Haus Maczeiko- witz. das von den Pohm am 20. 8. erstürmt wurde. Ter Mord ist jedenfalV am 23. 8. er­folgt. Erkannt ist bisher nur eine von den Leichen und zwar die des Sdilafhausmeisters Loz. A1Z einer der Täter wird ein gewisser Njdek ge­nannt, der mit mehreren Brüdern die ganze Ge­gend dort ausgewiegelt haben soll. Er ist fett der Untat flüchtig geworben. Tie Leichen, die aus den beiden Massengräbern zutage geiörbert wur­den, boten ein grauenhaftes Bild. Nack dem Aussel-en der Wunden und Der zerstörenden Wir­kung der Kopfschüsse waren die Schüsse alle aus nächster Nähe abgegeben worden Aber gerade deshalb zwingt eine Anzahl Schüsse zu der Ver­mutung, daß die Mörder ihre Opfer Durch schlech­tes Zielen absichtlich grausam gemartert haben. Außerdem waren die Leichen der ganzen Ober­kleidung, Schuhzeuge usw. beraubt und wie Viehkadaver durcheinander geworfen. In den deut­schen Kreisen ist man überzeugt, daß diese viehischen Mordtaten nicht die einzigen ihrer Att sind, und daß die meisten von denen, die von den polirischen Truppen w ggeschleppt wurden, ein ähnliches Schicksal erlitten haben.

Der Bürgerkrieg in Irland.

Belfast, 1. Sept. (WTB.) Tie Unruhen haben den Charakter eines Bürgerkrieges angenommen. Tie Kämpfe tobten gestern den ganzen Tag über. Seit Beginn der Unruhen zählt man bis jetzt 18 Tote und über 200 Schwerver­letzte. Gestern abend erhellten viele Feuersbrünste die Stadt. Aus einem Stadtvft-rlel wurden allein 20 Brände gemeldet. Fast alle öffentlichen Ge­bäude und die meisten GastwirtschaftLN standen in Flammen. ----

Au» dem Reiche.

Unzulässige Zensur.

E l b e r s e l b , 31. Aug. (Wolff.) Im Be­trieb derBergisch-Märkischen Zeitung" in Elberfeld weigerte sich das technische Personal, den Leitartikel des politischen Schriftleiters dieser Zeitung, Dr. E. Brau­weiler, zu setzen, der den Titel:Ver­fass u n g s sa b o t ag e" führte und sich grundsätzlich mit den Auswirkungen befaßte, die sich aus dem Beschluß der Ortsgruppe des Elberfelder Buchdruckerverbandes ergeben, welcher lautet:Die am 26. August tagende Buchdruckerversammlung verurteilt auf das entschiedenste die jeden journalistischen An­standes bare Schreibweise des bei der Firma Bacmeister hergestelltenBürger-Vor- w ä r t s" und verlangt von den dort beschäf­tigten Kollegen, daß sie künftig jede Hand^- reichung verweigern, Zeitungsartikel in die Welt zu setzen. Die zur Arbeiterzersplitterung beitragen uno ihre anerkannten Führer mit Schmutz bewerfen. Ein Buchdrucker ist ein Buchdrucker und kein ,Lloakenarbeiter". Der Verlag erblickt in der Weigerung, den Leit­artikel zu fetzen, eine Zensur des tech­nischen Personals über die Arbeit der Schriftleitung, die in keiner Weise zugestanden werden könne, da dies für das gesamte deutsche Zeitungsgewerbe einen verhängnisvollen Präzedenzfall schaffen werde/Das technische Personal trat daraufhin in den Streik.

Neutralitätstundgebungen in Berlin.

Berlin, 1. Sept. Gestern abend hielt oie ^Sroß-Berliner Organisation der 1 o * zrL'l demokratischen Partei zaArerche Dersammlungen ab, in denen für Wahrung Der deutschen Neutralität im russisch-polnischen Kriege eingetreten wurde im Gegensatz zu dem Bestreben der Kommunisten, eine weitgehende Untetttutzung Sowjetrustlands durch Deutschand Werbet tu rügten. Gegen bi? polnischen Uebergrif-e in Obetichenen mürbe weiterhin Einspruch erhoben, .jn einer Dre­ier Versammlungen nahm auch der bekannde Ge­neral Hoffmann das Wort als Zrvilich um die Ausführungen des Referenten wm Barth Wort für Wort zu unterschreiben mch tarar trnfru* treten, daß jetzt feine Zeit für Partettampke fcfa