Speditionsfirmen kleine Zugeständnisse an ihre I Arbeitnehmer gemacht, die jedoch ihre Arbeit-
sollte meinen, daß auch den Herren Arbeitgebern bekannt sein dürste, wie schwer die heutige Teue- rmrg auf allen lastet, und es unmöglich ist, mit einem derartigen Soljne sein Leben auf ehrliche Art und Weise zu fristen. In Verhandlungen wollen sich die Herren .nicht einlassen, und so dürften sie sich nicht wundern, toemt den Arbeitnehmern eines schönen Tages der Geduldsfaden reisit und sich Dinge ereignen, die weder im Interesse der Allgemeinheit, noch im Interesse der dortigen Arbeitgeber liegen. Bis jetzt, haben die
aufstrichmitteln bi? benötigten Menget Obst unten? Aussicht der Reichsgesellschaft für Obstkonserven und Marmeladen zu deren Verfügung erwerben., Tie Fabriken dürfen daher keine höheren Erzeugerpreise bezahlen als, die folgenden:
1. für gepflücktes Obst bei Ausscheidung aller verkrüppelten und beschädigten Früchte: 30 Mk. je Zentner für Aepfel, 25 Mk. für Birnen, 2. für alles Schüttel-, Most- und Fallobst 15 Mk. für Aepfel, 12 Mk. für Birnen, 3. für Zwet scheu (Hauspflaumen, Hauszwet- schcn, Muspslamnen, Bauernpslaumen, Thüringer Pflaumen, Brennzwetschen) 25 Mk. Hierzu kommt em angemessener Nutzen für den abkaufen^n Händler.
meister Kiröß, Stellvertreter Lehrer Eckstein), in Bettenhausen eine solche mit 56 Mrtgliedern (Vorsitzender Gilbert Sames). Auch Staufenberg hat eine Ortsgruppe.
die Herstellung und den Absatz des Schuhiverks und die Nachprüfung der Schuhwarenpreise usw. regeln. Das Neichs- wirtschastsministerium hat zu diesem Zwecke eine Reihe von Verordnungen erlassen. Zunächst wurde die Verordnung vom 4. Januar 1917, die den Verkehr mit Ersatzsohlen, Soh- lenschouern und Lederersatzstoffcn regelt, aufgehoben. Aufgehoben wurde ferner die Bekanntmachung über den Verkehr mit Treibriemen vom 17. August 1918. Der Ucberwachungsausschusi, die Schuhwaren- Herstellungs- und Betriebsgesellschaften sowie der Hauptverteilungsausfchuß für die Schuhhandelsgesellschaften treten in Liquidation. Zwangsregelungen, denen die Herstellung von Schuhwerk sowie der Handel mit Schuhwaren unterlagen, fallen in Zukunft aus. Bestehen bleibt dagegen, ebenso wie die Neichslederstelle, die Neichsstelle für die Schuhversorgung.
Ein Aufnrhr in Oppeln.
Oppeln, 29. Aug. (Wolff.) Hier kam es gestern und heute zu großen Z u s a m m e n- r o t t u n g e n der Bevölkerung, die die Herabsetzung der Lebensmittelpreise und der Preise für Wirtschaftsartikel forderte. Bereits am Donnerstag stürmte die Menge die Stände der Obst- und Gemüsehändler, besonders der Großhändler. Heute vormittag setzten sich die Zusammenrottungen in großem Maße fort. Die Menge drang in die größeren Geschäfte der Textil-, Lebensmittel-, Bekleidungs-, Zi- garen- und Zigarettenbranche ein. Die Waren wurden weit unter dem bisherigen Preise verkauft. Ein Teil der Geschäfte wurde geplündert. Die meisten Geschäfte sind heute geschlossen. Die Ausschreitungen nehmen ihren Fortgang.
Einmarsch von Neichswchrtruppen in Mittweida.
Mittweida, 29. Aug. (Wolff.) Heute in den frühen Morgenstunden wurde Mittweida von Reichswehrtruppcn besetzt. Die Batail- fone ruckten ohne 'Zwischenfall gleichzeitig von mehreren Seiten vor, ohne Widerstand zu.finden. Der Grund zu dem Einmarsch ist in dem Verhalten demonstrierender Arbeitsloser am 9. August gegenüber dem Grrnzjägerkommando zu suchen, das in Mittweida Quartier machen sollte. Die Besetzung dient zur Wiederherstellung des Ansehens der Negierung, der Festnahme der Rädelsführer bei der Entwaffnung der Quartiermacher und der -Beschlagnahme der Heereswaffen, ivelche sich in unberechtigtem Besitz von Eintvohnem der Stadt befinden.
geuilkton.
>— Friedrich Naumann und die Kunst. In Friedrich Naumann lebte eine starke Küustlerseele. die sich nicht nur in seinem Schaffen als Politiker und Redner offenbarte, sondern noch stärker in seinen schriftstellerischen Arbeiten zum -Ausdruck kam. Naumann war ein Meister der deutschen Prosa und ein Darsteller von höchster dichterisck>cr Anschaulichkeit. Deshalb hat er als Schriftsteller ein viel begeisterteres und größeres Publikum gesunden denn als Politiker. Besonders lebendig war sein Verhältnis zur bildenden Kunst. Er malte gern in seinen Mußestunden und entwarf reizende Aquarelle und Skizzen; lieber ging er in eine Ausstellung als ins Theater; er fühlte sich dort dem Leben und dem prattischen Wrrscn näher. Aus diesen Ausstellungsbesuchen ist eins seiner anregendsten Bücher „Ausstcllungsbriefe" entstanden ein „Buch der Arbeit", wie er es selbst nannte, in dein das ganze weite Gebiet des kunstgewerblichen Schaffens mit genialem Weitblick überschaut und in seiner Bedeutung für die Wirtschaft erkannt wird. Nau- niann, der ein Luft- und Lichtmensch war, fand seine beste Erholung aus weiten Reisen, und seine Eindrücke von Natur und Kunst in fernen (öege-n» den hat er in wundervoll farbenprächtiger Weise wiedergegeben in seinem „Buch der Freude", „Sonnensahrten". Aber auch als Kunstkritiker ist Naumann tätig gewesen und bat diese Aufsätze in dem Buch „Form und Farbe" vereinigt. Im Vorwort spricht er sich über sein Verhältnis zur Kunst aus. „Die nachfolgenden Blätter," schreibt er, „sind zwischen vieler mtberer Arbeit als eine innere Erholung entstanden. Ich habe nie daran gedacht, berussmästiger Kunsckritiker sein zu wollen, sondern bin immer nur ein Mensch gewesen, dem es Bedürfnis war, Kunst zu sehen zuw über das Gesehene in einfacher Weise zu
Nehmer bei weitem nicht befriedigen. Die Firma Heimer L Co. dürfte die einzige Firma fein, die die sich d-n anderen Firmen gegenüber wert üb?r- legen gezeigt hat, indem sie unseren Tarifvertrag restlos anerkannt hat. Bei der am Samstag statt- findendcn Verhandlung im Getverkschaftshause können die Herren Arbeitgeber zeigen, ob sie audj fernerhin gewillt sind, ihre Leute am Hunger- bäudchen herumzuführen; wir möchten ihnen, aber raten, ihren Leuten entgegenzukommen, sonst können wir iztne Garantie für eine weitere ruhig? Abwicklung der Arbeit innerhalb ihrer Betriebe
Aus Hessen.
Die oberhessische Bmiernbewcgung.
# Einartshausen, 29. Aug. Nach einer Bauern Versammlung, in der Landwirt Jacob (Ulfa) über Zusammenschluß der Landwirte sprach, wurde hier eine Ottsgruppe des Hessischen Bauernbundes gegründet, der 41 Mitglieder beitraten. Vorsitzender wurde Henrr. Blei, Stellvertreter Ludwig Jochim, Beisitzer Georg Graulich I. und Georg Karpf III.
# Harbach, 29. Aug. Hier wurde eine Ortsgruppe des Hessischen Bauernbundes gegründet, der sofort ^0 Mitglieder bcitraten. Vorsitzender wurde Heinrich M und) VI. Weitere Ortsgruppen wurden gegründet in Alten-Vuseck mit 68 Mitgliedern (Vorsitzender Wilhelm Kahl, Stellvertreter Wilhelm Döpp, Reckzner Karl Bonner), in Allendors (Lahn) (Vorsitzender Ph. Volk I., Stellvertreter Friedrich Ameud, Beisitzer Friedrich Höls, Karl Lenz I. und Ludwig HoegV.), in Weickartshain eine solckze mit 52 Mitgliedern (Vorsitzender Vttrger-
Alltagsgewarrd. Keine Girlande, keine Fahne oder sonstiger Schmuck deuteten auf Festtagscharakter. Auch die Menschen, die den großen Saal bis auf den letzten Platz füllten, waren fern von rauschender Festesstimmung. Und doch lag über all der Einfachheit eine gewisse Andacht und Weihe, dre sich schon rein äußerlich in der gespannten Aufmerksamkeit und Rulze bekundete, mit der die Zuhörer bis zum Schlüsse den Worten von der Rednertribüne lauschten.
Nach einer kurzen einleitenden Ansprache von Professor Kraus müller betrat Professor Schi an die Bühne. Er führte uns zurück ui die Augusttage des ersten Kriegsjahres, schiloette die bangen Wochen, nx> es im Westen in rasendem Tempo vorwärts (ring, im Osten aber mit dem Russeneinfall das Martyrium Ostpreußens unter den Henkersfäusten entmenschter Slawensoldateska und vertierter Kosaken Horden begann, bis unseren hartgeprüften Volksgenossen mit dem viertägigen Ringen von Tannenberg die Erlösung kam. Von Tannenberg spann Prosessor Schiau "die Fäden seines Vortrages weiter zurück zu den ruhmreichen Kämpfen des deutsch-französischen Krieges vor fast einem halben Jahrhundert, die die Bausteine zur Einheit Deickschlands zusammenkitteten, zurück zu den erhebenden Taten der Befreiungskriege bis zu den Siegen Friedrichs des Großen. Den sich heute breit machenden AnschauungM, daß; der Krieg an sich unsittlich und Schlachtengedenkfeiern daher frevclhaft seien, stellte der Rriurer die Frage gegenüber, was denn Deutschlands Geschichte ohne Krieg imb Schlachten wäre. Das deutsche Volk mußte Kriege fuhren und Schlachten fd'lLagcn, sonst wäre es längst von seiner unbarmherzigen und unersättlichen Nachbarn zermalmt worden. Die dcutsck)e Revolution, die d-er Bottragende die unhistorischste aller Revolutionen nannte, wolle Aufräumen mit allem Sein unb Wesen des deutschen Volkes, wolle unsere ruhmreiche Geschichte zur toten Vergangenheit machen. Wrr, die wir diese Entwicklung nicht mitmachen, müssen deshalb dafür sorgen, daß Namen wie Tannenberg imb Sedan lebendig in uns bleiben und nicht nur wie die Glocken von Vineta als wesenlose Schatten aus der Ferne zu uns heraus klingen. Wir brauchen Männer wie die, die Deutschlands glorreiche Geschickte machten, Männer wie der Mann von Tannenberg, junt unserem armen Vaterlande, dem kranken Manne der Gegenwatt, wieder auf die Füße zu helfen.
Der Vorsitzende der hessischen Landespartei der Deutsckien Volkspartei, Abgeordneter Dinge l d e y , knüpfte zunächst an einen Ausspruch des britischen Vizekönigs von Indien an, Eng- lanb sei von Gott zur Herrschaft über die Welt berufen, damit das Gute über das Böse triumphiere. Diesem Satze gefegte er ebnen ähnlichen Ausspruch Clemenceaus bei, der beim .Abschluß des Versailler Friedens sagte, daß der erhebende Gedanke an die Krönung seines Lebens- Werkes nur durch die Tatsache getrübt 'werde, daß es nicht gelungen sei, den vor 48 Jahren in Versailles gezimmerten Bau Bismarcks gänzlich zu zertrümmern. Diesen Worten stehe das feierlickp Bekeimtnis unseres Außenministers Müller gegenüber, daß unsere Revanche die werktätige Li:be beim Wiederaufbau Frankreichs fein müsse. Nachdem der Redner mit einigen erschütternden Bildern die Lage im besetzten Deutschland beleuchtet hall', tarn er zu der Feststellung, daß die Gegenwart nicht trauriger, nicht schwärzer sein könne. Dies sei aber nur eine natürliche Folge des Waltens einer Ztegirrung, der jede Eignung fehle, in Zeiten eines solchen Niederganges die Geschicke unseres Vaterlandes zu lenken. Es folgten bann die bekannten Angriffe gegen Erzberger und Henrich,. Ter Weg, auf dem wir von solchen Männern gesteuert werden, b.'i denen sich der amerikanische Grundsatz: nach den Wahlen dem Sieger die Beute! duvchzu- fetzen beginne, führe unfehlbar in den Abgrund. Um aus dem Sumpfe der Gegenwart herauszu- tommen, müsse vor allem die Reinlichkeit sowohl im öffentlichen wie im privaten Leben und die Sittlichkeit in Arbeitsprozeß und Politik wieder- Myrcn. Mit einem Beveirntnis zum nationalen Gedanken schloß Abgeordneter Tingeldey seine Aus- fühning-en. Er erntete ebenso wie Professor Schian reichen Beifall.
Professor KranSmüller wies in seinem Schlußtvort auf die Bedeutung der bevorstehenden Pvovinzialtagswahl hin und forderte die Anwesenden auf, für die Deutsche Volkspartei an die Wahlurne zu gehen.
Keine Bewirtschaftung de» Herbstobstes.
lieber die Bewirtschaftung des Herbstobstes ist die Entscheidung nunmehr dahin gefallen, daß die gesamte Aufbringung des für Brotausstrichmitteln notwendigen Obstes nunmelyr auf freien Abgaben der Erzeuger beruhen lvird. Ter Handel mit Herbstobst ist also vollkommen frei. Tie Reichsleitung wünscht, daß die Mnrmeladefabriken zur Deckung des Bedarfes der Bevölkerung an Brot
reden. Er wollte in diesen Aufsätzen „zeigen, was alles in der Kunst verborgen liegt, nicht fertige Urteile gebend, sondern Anweisungen zum fröhlichen, sinnenden Schauen". Sein besonderer Liebling war Rembrandt, für dessen tiefe Religiosität er ergreifende Worte gefunden. Aber auch sonst interessierte den ehemaligen Theologen die „fromme Malerei", und keiner hat besser als er den tiefen Gemütsgehalt in den Wetten Uhdes, Thomas und Steinhaufens ersaßt. So wirkte er in einer Zeit, da die Form in der Kirnst alles zu sein schien, für das Verständnis der geistigen Inhalte. Sein seines Naturgesühl ließ ihn aber auch die Schönheit der Freilichtmalerei voll empfinden, und die Kunst Liebermanns, dem wir das beste Bildnis Naumanns verdanken, hat er sehr hoch geschätzt.
— Das Kunsterbe der Habsburger. Um die reiche Hinterlassenschaft der landesflück)- tigen Habsburger tobt g-ogenwärtig ein harter Kampf nicht nur inner Wb Teutsch-Oesterreijchs selbst, wo man die würdige Erhaltung dieses teilbaren Besitzes eifrig erörtert, fvitbcm auch unter bett anderen Nachfolgestaaten des alten öfter- reichisch-ungarfschen Reiches, die voll Begier nach diesen Schätzen blicken. Gustav Wallaschek gibt nun im Cicerone einen Ueberblick darüber, woraus in dec Hauptsache dies Kunsterbe der Habsburger beftcljt. Unter den sog. Krongütern ist das wichtigste der Riesenlomplex der Hofbijrg, inncrlxtfi) dessen wieder von besonderem kunsthistorischen Wett sind die von dem großen Baumeister Fischer von Erlach errichtete Hosbibliothek mit ihrem wundervollen Ktippelianm und die von dem gleicl-en Künstler herslammende „Spanische oder Winter- ivitschule", einer der großartigsten Festräume des Bxrroas. Außer den kostbaren Gobelins sind sodann in der Ho iburg besonders hervorzuheben die Schatz tainmcr mit den itleüiobien des heiligen römisthen
nicht mehr g>eben."
** Warnung vor einem Waren- s ch w i n d l e r. Gestern ist hier ein Waren- schwindler ausgetreten, der sich Willy Hehlet nannte, Dolmetscher bei einer hiesigen amerikanischen Kommission in der Neuen Kaserne fein wollte. Er hat auf folgende Weise gearbeitet und ein Geschäft um 600 Mk. geschädigt. Er erschien in dem Geschäft und legte der amvefenden Ehefrau eine Stoffprobe mit dem Bemerken vor, daß er Gelegenheit habe, von einem amettkanischen Offizier der Kommission von dem Stoff zu kaufen, der ein Stück davon besitze. Da er sich darauf nicht verstehe, bat er um ein Gutachten, ob der Stoff auch gut sei. Die Fran erHärte ihm, daß er sehr gut sei. unb sie ihn auch nehmen würde. Er erwiderte darauf, daß er den Herrn fragen wolle, ob er damit einverstanden fei, entfernte sich und kehrte nach geraumer Zeit mit dem Bemerken wieder zurück, daß sie das ganze Stück haben könne, wenn sie Verwenbung dafür habe. Sie war damit einverstanden und er wollte das Stück alsbald besorgen. Zuvor verlangte er aber noch 600 Mk., da das Stück 900 Mk. kosten solle und dieser Betrag ihm zur Bezahlung fehle, waS sofott erfolgen müsse. Da aber dem Ansinnen, weil man ihn doch nicht näher kannte, nicht entfprock>en wurde, so schlug er vor, daß die Fran mit zur Kaserne gehen und dott den Stoff selbst in Empfang nehmen möge. Dott an-
attige kunft- und kulturgeschichtlich: Zengmisie von Umbauten und Zutaten frei bleiben fallen.
— Einneuer Schwank von Presber und Stein. Aus Hannover wird und geschrieben: Rudolf Presber unb Leo Walter Stein sind der Betriebsamkeit verfallen, und so ist es kein Wunder, wenn der Weg von der „Seligen Exzellenz" bis zum „Grönländischen Papagei" sich als eine ausfallend abschüssige Bahn erweist. Es soll keineswegs in Tlb- rede gestellt werden, daß dec „burleske Schwank", wie die beiden Verfasser das jüngste Kind ihrer literarischen Ehe benamsen, viele gute Szenen, recht wirksame Aktschlüsse, unb im Dialog manche Erfreulichkeiten zeigt, die wohl geeignet sind, Heiterkeit und Lachen auszuwirken; es soll auch nicht verhehlt werden, daß dem Publikum die Sackie sogar ausnehmend gut gefiel und daß der Erfolg, den die Uraufführung in der Schauburg hatte, als durchschlagend bezeichnet werden kann. Aber man ist berechtigt, von Presber und Stein Besseres zu verlangen, als diesen allzu schnell hingeworfenen Versuch, der weder einen Schiin- mer von Handlung noch auch nur im entfernt testen das hat, was man unter dem unentbehrlichen Fremdwort „Pointe" versteht. Ilm einen] Papagei, der ausgerechnet ein paar grönländisch; Brocken „reden" kann, werden allerlei Personen gruppiert: ein Grönlandsorscher, ein Eskimo, ein Stotterer, ein Oberlehrer mit einer jungangctrau = len, sehr sausten, und einer geschiedenen, sehr temperamentvollen Frau und sonst noch zahl^ reiche, ganz ulkige Typen; diese wirbeln durch eiitmtbcr unb plaudern miteinander, aber, was fic voneinander wollen, das weiß man eigentlich nicht recht. Presber unb Stein verschleubern bic Fülle ihrer Motive, .sie mühen sich nicht um Lösung und Gestaltung.
Ein Todesurteil.
Hamburg, 29. Aug. (Wolff.) Der schon schwer vorbestrafte Hafenarbeiter Karl Friedrich Petersen, der am 24. Juni an den revolutionären Kämpfen in Hamburg teilgenommen und am 25. Juni morgens gegen 6 Uhr das Mitglied der Einwohnerwehr Mengdehl, Führer einer Maschinengewehrabteilung, auf dem Platze vor der Jakobikirche erschoß, ist vom außerordentlichen Kriegsgericht in Hamburg wegen gualifizierten Aufruhrs und Mordes zum Tode und zu zehn Jahren Zuchthaus, sowie zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 30. Aug. 1919.
Tannenberg. *'
(26.-30. August 1914.)
Zum fünften Male jährt sich in diesen Tagen die Heldentat von Tannenbergs die Teutoburger Schlacht des Weltkrieges. Wie damals in den frühesten Zeiten deutscher Geschichte die Legionen des Varus in den Wäldern Westfalens vernichtet wurden und dieser Feldherr sich selbst in sein Schwert stürzte, so wurden die den Deut- sck>en weit überlegenen russischen Korps in den letzten Augusltagen des Jahres 1914 in den Wäldern unb Sümpfen Ostpreußens zusammengehauen ober gefangen, indes ihr Feldherr Samsonow verziveifelnd sich eine. Kugel durch den Kopf jagte, lieber 90 000 Gefangene und 40 000 Tote betrug die Einbuße bet Russen; was übrig blieb, war in wilder Flucht zersprengt unb für bie nächste Kampfzeit ausgeschaltet. Eine der größten Bernichtungsschlachten des Weltkrieges war geschlagen. Als Schirmer der Freil-eit Germaniens war uns Armiir der Cherusker in Hindenburg toiebererftanben.
Eine schlichte Feier war es, zu der die Deutsche Volkspartei gestern abend ein» geladen hatte, um des Tages &u gedenken, an dem vor fünf Jahren das deutsche Volk von der bangen Sorge um das Sckstcksal der von der russischen Dampfwalze bedrohten Ostmark erlöst wurde. Ter Saal des Hotels Einhorn trug
provinzialtagrwahl.
Die offensichtliche Müdigkeit der Wähler hat sich anscheinend auch auf die Parteien übertragen. Von einer Wahlagitation kann man eigentlich nicht sprechen. Besondere Wahlversammlungen haben nicht stattgefunden. Auch die üblichen Wahlaufrufe, bie veröffentlicht mürben, bieten im allgemeinen nicht viel Neues. Die Demokratische Partei erflärt sich gegen eine neue Revolution; sie wirb gegen den radikalen Ansturm von rechts unb links auf bemokratiscker Grunblage georbnete Zustänbe schassen und die Volks rechte sicher stellen. Die Deutsche Volks- fpar tei will vor allem gegen die Wirtschaft mit allen Mitteln ankämpfen, die im „neuen Deutschland" ciuzureißeil drohe. Tie Deutsch-Nationalen (Vereinigte Stadt- und Landliste) ver- ßpreckM, sachlich und tatkräftig für die gemeinsamen Interessen von Stadt unb Laub zu ar- beiten unb als Feind jeglicher Klassenwirtschast nur bas Wohl der Gesamtheit im Auge zu haben. Die Sozialdemokratische Mehrheitspartei will im Provinzialtag einer freien Entwicklung unb der Gefamtwohlfahrt bie Wege ebnen, währenb die Unabhängige Sozialdemokratie Kampf den Gegnern des Sozialismus anfagt, auch der rechtssozialdemokratischen Partei, die von Arbeitersreundlichkeit, Sozialismus usw. rede, in der Praxis aber den Sozialismus über Bord geworfen habe und die Revolution gemeinsam mit den Bürgerlichen zu Grabe trage.
Das Bürgertum her aus! Noch einmal ruft bic Wahlpflicht; voraussichtlich bas letzte Mal in diesem mit Wahlen so reich gesegneten Jahre. Uebedaöt das Wählen nicht den sozralistt- schen Parteien, tretet zahlreicher zur Wahlurne als bei der Kreistagswahl! Ter Provinzialtag hat zahlreiche wichtige Ausgaben zu erfüllen. Er hat zunächst alte Provinzialange- legenbeiten zu beraten und zu beschließen. Als befonoere Ausgabe fällt ihm durch das Gesetz die Beschlußfassung über bie Ausgaben der Provinz sowie auch über bie Verwendung der vorhandenen Mittel für gemeinnützige Zwecke im Interesse der Provinz ober ihrer Teile zu. Ter Provinzialtag hat die Voranschläge des Wasserwerks Inheiden, der elektrischen Ueberlandzentrale^ des Siechenhauses ufm. zu verabschieden. Er kann ferner über das der Provinz gebärige Grund- und Kapitalvermögen Anleihen aufnehmen und Grundsätze aufstellen, nach welchen das .Vermögen der Provinz zu verwalten ist. Weiter ist das Provinz-- varlament Spruchbehörde in zweiter Instanz. Es bat außerdem das Recht, Dienstsbellen zu errichten, soweit diese nicht durch Gesetz ober Berorbnung vorgeschrieben sind. Anttäge und Gutachten über Gegenstände, bie die Interessen der Provinz ober ihrer Teile berühren, kann der Provinzialtag an das Ministerium richten. Schon der hier angebeutete Aufgabenkreis dieser Körperschaft läßt er» Fermen, daß deren Bedeutung keinesfalls unterschätzt werden darf. Also nochmals auf zur Wahl!
** Das Backen von Weißbrot für den Monat September ist nachstehenderr Bäckern übertragen -morden: Deibel, August, Neuenweg; Konsumverein, Filialen Schanzenftraße, Bleichstvaße, Neuen Bäue unb Asterweg. _
** Weißmehl und Nährmrttel auf Grund von ärztlichen Attesten werden für den Monat September in folgenden Klein Handelsgeschäften ausgegeben : Weißmehl bei Anrold, Heinrich II., Kaiser-Älee; Nährmittel bei Becker, Heinr.> ßöroengaffe. ~ ,
** Die städtische Fuhrwerkswage in der Frankfutter Straße ist von Montag beit 1. September an bis auf weiteres wegen Neu« eichung außer Betrieb.
Auszahlu-ng derFamilien- unter ft Übungen an bte Angehörigen Gefangener, Vermißter, im Ausland durch feindliche Maßnahmen 3urütfgehaltener, sowie von Gefallenen, falls deren Hinterbliebenen-Versvrgung noch nicht geregelt ist, findet für die Zeit vvm 1—15. September Montag, 1. September, in der Zeit von 9—12 Uhr vormittags im Stadthaus, Zimmer Nr. 7, statt.
** Die Lohn Verhältnisse bet Transportarbeiter. Die Ortsverwaltung Gießen des Deutschen TranspottarbeiterverbandeS bittet uns um Aufnahme folgender Zeilen: „Die- Lohn Verhältnisse der Transportarbeiter in Gießen sind im ganzen Umkreise die denkbar schlechtesten. Es ist unglaublich aber wahr, daß Wochenlohire von 45 biS 48 Mk. gang und gäbe sind. Man
Reichs deutscher Natton unb die „Geistliche Schatzkammer" des Hauses Habsburg. Sodann befindet sich hier bie Fideikommißbibliothek mit ihrer rech- haltigen Porträtsammlung unb der Sammlung des Hauses Este. Gleichfalls zum Baukörper der Hofburg gehören das kunsthisterische mtb das natur* historische Hofmuseum, an die sich die Hvsstallungen mit der großen Reitschule und der Txrrrlid^c Prunk- wagen enthaltenden „reichen Sattelkammer" an-- schließen. Sodamr liegen vier kaiserliche Schlösser hn Bezirk von Wien: der herrliche Spätbariockbau des B e l v e d e r e, der für den Prisen Eugen tron Lukas von Hildebrand erbaut wurde, das von Paoassi geschaffene Maria Theresianische Schönbrunn mit feinen unvergleichlichen Parkanlagen, das nicht mrnber schöne Hetzendorf, ebenstckls eine Schöpsuirg Maria Theresias, und baS in entern großen Gatten gelegene Augarten Palais, das hauptsächlich als geschlick)tliche .Erinnerung an Josef II. bedeutsam ist. Aus dem l-alben Weg gegen Baden liegt bei Wien das Schloß Laxenburg, licriLlymt durch feinen romauttfdlien Park, und in Baben selbst das in Biedermeierstil gehaltene Kai- serl-ans. Sriongüter sind sodamr der großartige Bair der Residenz in Salzburg mit dem ttifrn Luftsckftößchcn Hellbrunn und die Residenz in I ir n s b r u ck mit dem Schloß Ambras, das einst Erzlserzog Ferbinanb mit seiner Philippine Welser bewohnte. Dazu kom« men noch als Familicnsibeikommiß^ die Schlösser Eckartsau, der schöne Banockvau SttLv-ß- Hof, Nieberweibcn, Otth a. b. Donau, Eßling bei Apem, Mannersdorf am Leithagebirge, Pöggstall, Ndclttigl)osen und Vösenborf bei Sicbenlnrten. Ueber der Zukunft all dieser herrlick;en Besitzungeir sÄoebt ein gefährliches Dunkel. Aber alle Einsichtigen sind sich, barhi einig, daß diese Kunstschitze möglichst ungeteilt erhalten und der Besichtigung wie dem Studium zur Verfiignirg gestellt werden müssen, baß die mid’itigen histerischen Räume als estrzig-


