Ausgabe 
30.4.1919
 
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Nr. 100 Zweiter Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

53. April (9(0

Au» Stadt und Land.

Gießen, 30. April 1919.

Die Kirche und der 1. Mai.

Lic. Otto Herpel, Pfarrer zu Lischerg, und Heinrich Schultheis, Pfarrer zu Gelnhaar, ge-

der Wütige Anteil der Provinz fite erhöhte Löhne und Teuerungszulagen ter Straßenwarte Wjxn 120000 Mk. l<tr^>, tarxfj früheres twrsichttg s Iinanzge baren ein A u S- gleichsfonds geschafien gauticn wäre, der in diesem Jahr schon mit mehr als der 5>älfte keines Bestandes, nämlich mit 250 000 Mk., in Anspruch hätte genommen iverben können.

Neben den erhcb'.ich gefiieneitm, in der Haupt­fach: durch die teilwmse Zerstörung der Provinz-Straßen t Mxx* dos 6 t crc d- rückzuges te.vtglen Meltaufwendungon für die Straßemmterhaltung. die ihre Urair aber außerdem noch in der außerordentlichen Grltöhung der.Materialpreise und Ict Löhte hätte, sei die Erhölnrng der Umlagen roei.tr hervorgerufen binrft die notwend-gen Teuerungszulagen für Beamte. Ang:siellte und Arbeiter. Ta':ei ntüife gervchsnet werden, daß, >vas die Erhölmng der Gel)älter und Lölme anlangt, eine Grenze der Aufwärtsentwicklung rod) nidjt abzuselien ßi.

Daß sich unter diesen Umständen der Provin- lialausschuß mit neuen Anforderungen aus das dringend Notwendigste beschränkt und mandr an sich wLisck-enswert gripefenm Ausgaben jetzt gescrichm ober herabgesetzt hätte, fei .ruch eine selbstverständlich: Folge davon gewes.n, d.ih znischm früher und jetzt ein verlorener Krieg läge. Heute bliebe nur zu hoffen übrig, daß uns die Frieden5bedbigungcn einer Si­tuation gegenüber stellen würden, die es auch der Provinz ermöglichten, wieder besseren Zeiten ent- !ge«n zu gehen, wenn auch nicht zu erwarten sei, daß man in absehbarer Zeit wieder in Verhältnisse zitrückkehren werde, wie sie vor dem Kriei be­standen hätten. Möchten diese Verhältnisse wenig­stens so werden, daß die viele MÄHe und Arbeit, die wir hier alle für die Entwicklung der Provinz auforwenbet hätten, nicht ganz umsonst gewesen seien.

Da eine allgemeine Aussprache über den Vor­anschlag nicht gewünscht wurde, trat man in die Einzelberatung ein.

Rubrik I:Rechnungsrest" und Ru­brik III:Allgemeine Verlvaltung" wurden unverändert angenommen.

Rubrik IV:Kreisstraßc n". Zur Unterhaltung der Kreis st raßen" bemerkte der V o r fi tzende, daß der Kreis Gießen an seinem Straßen unterhalt ungs- voranschlag 90 000 Mk. abgesetzt hätte, dadurch ermäßige sich der Beitrag der Provinz um 45 000 Mark, um diesen Betrag verminderten sich die Provtnzialumlagen. Dementsprechend wird der Voranschlag richtiggestellt.

Nach einer längeren Aussprache über die Kosten der Kreisstraßenunterhaltimg und ihre Ausbrin­gung, an der sich beteckigten, außer dem Vor­sitzenden, die Kreisdirektoren von Bst- dingen und Lauterbach, sowie die Mitglieder Fal ck undB irte n ftod wur e be schlo ssen, den Provinzialausschuß zu ermächtigen, soweit ct» forderlich, aus dem Kreisstraßenmtterhaltungssonds Mittel in Höhe von 250 000 Mk. und, wenn nötig, auch darüber hinaus zu erheben, und zwar in dem­selben Verhältnis, wie die Kreise aus ihren Fonds Beträge für außerordentliche Aufwendungen zurück­erhöben: zuvor solle eine Klärung der Frage darüber stattfinden, was als ordentliche und was als außerordentliche Herstrllimg zu gelten hätte.

Rubrik IV:K reis st raße n" wurde an- genommen, in Einnahme unverändert mit 360 244,94 Mk. und in Ausgalx mit 860 938,03 Mark.

Rubrik VI:Gesundheitspflege", wobei bemerkt wurde, datz die Provinzialsiechen­anstalt gegen das Vorjahr einen erhöhten Zuschuß aus Provinzmitteln von 15 945 Mk. erfordere, wurde unverändert angenommen.

Tie Rubriken VIIXVI:Landwirt­schaft, Gewerbe und V e r k e h r",S o z i a l e F ü r f o r 9 e", Kapitalzinse n",Kultu­relle Aufgaben", .Zinsvergütung, Kursverluste u R e i ch s st e m p e l st c u e r", Auszuleihende Kavitalien" ,3 u - rückzuzahlen de Kapitalie n",Unein» bringlichePoflenundNachläss e",N e - servefvnds",Betriebskapital" wurden unverändert ana.wmmcn.

Bei Rubrik XVII :,BeiträgeundZu- schü s ses" ergibt ein Umlagcbetrag von 668 000 Mark. Diese Rubrik wurde genehmigt und der gesamte Voranschlag in Einnahme und Aus­gabe aus 1327 295,09 Mk. feftgcftcllt.

(F-ortsetzmrg folgt.)

Ordentliche Sitzung des provinzialtager der Provinz Gberheffen vom 16. April 1919.

3n der heutigen Sitzung waren anwesend: Provinzioldireklor Geheimerat Dr. Ufinger als Vorsitzender, 16 Mitglieder des Pro- vinzialtags, die Mitglieder des Provinrial- ausschusfes: Bürgermeister Stöpler, Lantecvacö. Rentner E m m e l i u s, Gießen, Rechtsanwalt Dr v. H e l m o l t, Nieder-Wöllstadt und das Eriatz- mitgli.H Kommerzienrat Cloos, Gießen, die Kreisdirektoren ober deren Vertreter

Nachdem die Provinzialtagsmitglieder ®eb. Kommerzienrat Dr. Gail, Gießen und Kom­merzienrat Loos, Lauterbach zu Urkundspersonen bcfidlt und Provinzial sekretär Schüllermann als Protoldllsührer durch Handschlag oervfltchta worden waren, hießderVorsitzende dieErsche- nenen willkommen. Er teilte sodann mit, daß im Januar dieses Jahres die Provinzialvertretunq durch den Tod des Provinzialtagsmitgliedas Bürgermeister Zinßer von Schlitz, der feit 1899 dem Provinzial ag airgehört hatte, einen beklagens­werten Verlust erlitten habe. Die Anwesenden er- beben sich zu Ehren deS Verstorbenen von ihren Sitzen.

Sodann gab der Vorsitzende bekannt, daß Forstmeister Dr. Weber von Konradsdorf, der seit 1907 Mitglied des Provinzialtags und seit 1913 Mitglied des ProvinzialauSsckwt es sei, mit Wirkung vorn 1. April l. Js. als Landforstmeister in das Ministerium der Finanzen berufen worden fei. Herr Dr. Weber Ijabe viel für die Provinz getan, und man dürfe der Hoffnung leben, daß er auch in seinem neuen Amt den Protnnzial- rnigckgenbeiten, die ja gerade in seinem jetzigen Ressort im Ministerium keine unerhebliche Rolle spielten, verständnisvolles Interesse entgegen­bringen werde. Der Provinzialausschuß und sicher auch der Provinzialtag wünschten ihm für seine Darmstädter Tätigkeit allen Erfolg.

Es wurde darauf in die Tagesordnung ein- getreten 1. Rechnung der Provinzial- kasse für 1917 und V e r wal t u n g s b e- richt des P ro vin z ia l a u s schu s ses. Tie Rechnung, die mit einem Rest von 114 543,05 Mk. schiesst, sonne der Verwaltungsbericht wurden ge­nehmigt.

2. Voranschlag der Provinzial­kasse für 1919.

Hierzu führte der Vorsitzende zunächst «rflgcmcin etwa folgendes aus: Seit der letzten Tagung im Oktober v. Js. hätten sich Ereignisse zugetvagen, die unser deutsches Vaterland in seinen Grundfesten erschüttert hätten. Auch die Berwal- tung der P rovi n zangel egen heilen sei davon nidjt unberührt geblieben. Noch b-is zum Herbst v. Js. hätten mir im Gefühl der unbedingten Sicherheit zu arbeiten geglaubt, .daß unsere wittschastlichen Unternehmungen, wie während des Krieges, auch für spätere Zeiten einer weiteren günstigen Eitt- tvicklung zugefühtt werden tönnten. Diese Erwar- ttmgen seien durch die Ereignisse, die sich seit November v. Js. iLerstürzt hätten, über den Hau­sen geworfen worden. Man stehe jetzt bezüglich unserer wirtschaftlichen Unternehmungen, an denen seit einem Jahrzehnt mit einer unendlich großen Hingabe aller daran Beteiligten gearbeitet wor- mordcn sei, unerwartet vor überaus schwer- wiegenden Problemen. .Nick?r nur die Elek­trische Ueberlandanlage, sondern auch das Provinzialwafserwerk, das früher als sick^erste Einnahmeauell« gegolten hätte, zeigten jetzt unter den veränderten Zeitoerhältnissen ein wesentlick, anderes Gesicht. Während das Wasser- roert nach der letzten Rechnung nach Abzug aller Unkosten und nach entsprecheitden Abschreibungen noch einen Ueberschuß von rund 100000 Mk. ge­liefert habe, betrage nach dem neuen Voranschlag der Ueberschuß nur noch rund 22 000 Mk.

Aus den beiden Unternehmmrgen lasteten in gleickier Weise und mit gleichem Tank die in letzter Zeit rapid gero-uftenen Betriebs ko steu, be­dingt durch die Abhängigkeit vvm Kolstenmarkt und dessen Preisgestaltung, durch Teuerungszulagen und Lohnsragen, sowie durch die Lasten, die den Werken durch die neue soziale Gesetzgebung auf» erlegt worden seien.

Ter hier, wie auch sonst überall empfundene Truck der ganzen wirtschaftlichen Lage, mache fid) aber nicht nur in ben Voranschlä­gen für das Provinz ial-Wasserwcrt und die Elektrische Ueberlandanlage, .sondern noch in ver-- flärlterem Maße in dem Provinzialkassen­voranschlag, der heule zur Beratung stehe, geltend. Ter Pro vinzialausschuß habe sich nur sehr fdjrocr zu der darin vorgesehenen Umlage­erhöhung entschließen können. Tiefe wäre noch um einige 100 000 Mk. höher geworden, wenn nicht bezüglich der Straßenunterhal­tungskosten, die «allein um rund 353 000 Mark gegenüber dem Vorjahr gestiegen leien, nwvan

dem in derTürmst. Ztg." mock^chcnde beachtens­werte Anregung:

Tünch Beschluß der Nationalverstrmmlmrg ist der 1. M a i als gesetzlicher Feiertag erklärt wor- dor. Dadurch sollen die Gedanken des Völta- friedens, des Völkerbundes und des internationalen edjubeö der Arbeit besonders gefeiert werden. Alle Betriebe werden ruhen, alle Sckmlen werden schlie­ßen. Was wird die Kirche tun? Viele sagen, sic nird nich s tun, und roeiien daraus "bin, wie bis» Ixt die Kirch: bei allett derartigm Gelegenheiten entweder überhaupt irieftt oder zu spät g:kommen ilt. Tem würde entspro»l)en, daß in der Tat die Kirchruregierungen bidber nicht mit Anregungen, die au« eine kiichlich: Feier des 1. Mai abzielen, an die Pfarrer h.nang:treten stich. Wir bedauern das, möchten und aber nicht damit zufrieden geben, lonbern alle Kial»mvvr«tände und Amtsbrüder d-rngend ermahrnen, ten 1. Mai nicht an den zN.ch.rntüren Vorbeigehen zu la sen. Die Kirche sollte fuft hoch hu en, einen Feiertag, den sich die Piehrlieit des Volles als solchrn erwählt hat, des- lialb gering zu ach en, w:ü er von Sozialdemo- fig.cn und Temofoaten ring:führt wordeir ist. Diese Zeiten sind vorüber, in denen die Kirch: eine tiw Htige txüitifrije Stellung ernnehmen durste, und eine Misiwstung des Volksfeientages wäre eine einseitige polstisckr Stellungnahme. Dagegen wür­den ki.chiche Feiern zu El-ren des 1. Mai feine einseitige politisch: Stellungnahme bedeuten. Tenn die Ge.-anken des Völönckricderrs, des Völkerbundes und beö Schutzes der Arbeit sind nicht nur hervor- raynb ckch lick», sondern auch gerade aus deutschem ^oben in besonderer Weise ansg?vrc.gt woTien. Taium würde ihre besondere kirchliche Belo- rarng am 1. Mai keineswv-gs eine politisch ein» fci:igc Stellungnahme bedeuten, oiaft wenn, nne gesehen, eine polittsck^ Minderheit ihre welt­liche Befeierung abaelehtt hat. Aber, wie dem auch sein mag, die Mcche sollte jede Gfelcgenl} l«nutzen, sich zu chrisckickzen GedMttar zu bekennen, Mmal wcim sie von solchen Kreiselt vertreten wer­den, die die Kirck»! g.wöh.rlich alsentckwisüickst" ajfclnien. Wir fordern desl-alb alle chisttick-rn KchlLnvorstLnde auf, ben GedcrNken des Völker- st-irdens, des Völkerbundes mid des internationale» Schutzes der Arbeit entioeder am 1. Mai selbst oder am Sonntag naxftber einen besonders se ierl ichen Gottesdienst zu west,en.

Beschlagnahme ausländischerWertpapiere

Nachdem der Termin zur Anmeldung und Ablieferung der vom Deutschen Reiche be­schlagnahmten Wertpapiere bis zum 5. Mai d. I. verlängert worden ist, möchten rote un- ler Hinweis auf die früheren amtlichen Ver­öffentlichungen die Besitzer von ausländischen Werten nochmals auf ihre Ablieferungs­pflicht bis zu genanntem Tage Hinweisen. Die Papiere, welche zur Anmeldung oder Ab­lieferung kommen müssen, sind jederzeit an den Schaltern der Banken zu erfahren, wo auch jede weitere Auskunft bezügl. Zahlung des Gegenwertes usw. erteilt wird. Alle Ban­ken sind zur Entgegennahme der beschlag­nahmten Papiere ermächtigt. Abgesehen da­von, daß auf Nichtablicferung erhebliche Geld­strafen stehen, liegt es schon im Interesse eines jeden einzelnen, wie der Gesamtheit, sämtliche erreichbaren ausländischen Werte dem Reich zur Verfügung zu stellen, damit eine geord­nete Lebcnsmitteleinfuhr und Rohstoffversor­gung erfolgen kann.

** Amtliche Personalnachrich- ten. Am 19. April d. I. wurde der Forst- assistent Karl Blitz aus Lrntgfeld i. O. zum Oberförster mit Wirkung vom 1. April d. I. lab ernannt. Am 22. April d. I. wurde der Forstassistent Heinrich Kendel aus Licdcrbach mit Wirkung vom 1. April d. I. an zum Ober­förster ernannt.

** Aus dem Militär-Wochen­blatt. Der Abschied mit der gesetzt. Pen­sion bewilligt: Frhrn. Röder v. Diersburg, Rittrn. im Garde-Drag.-Regt. 23, mit der Er­laubnis zum Tragen der Regts.-Unif. In Genehmigung ihres Abschiedsgesuchs milder gesetzl. Pension zur Disposition gestellt: von Schmelzing und Wernsheim, Maj. im Drag.- Regt. Nr. 23, und dem Gen.-Komm. des 3. A.-K. zur Verfügung gestellt, mit der Erlaub­nis zum Tragen der Uniform des Küc.-Ro- giments 5.

**VomReichs-Kursbuch erscheint Anfang Juni eine neue Ausgabe zum Preise von 8 Mk. Bestellungen nehmen sämtliche Postanstalten und Buchhandlungen entgegen

* Die Rentenzahlung der In validen-, Alters- und Unfallrenten find« nicht am 1. Mai, sondern a m 2. M a i statt.

** Umwandlung der BezirkSko» mandos in Wehrämtec. Durch die neue Heeresorganisation ist eine Umwandlung der Be zirkskommandos notivcnbig geworden. Durch den F-ottsall der Wehrpflicht wird den Be­zirkskommandos ein großer Teil ihres ArbeitS- gebietet genommen; sie werden dafür nun auch die Versorg ungsangelLgenheiten zu be­arbeiten haben. Tie im Besitze des Zroilver- sorgungsfck^ins befindlichen Unteroffiziere der Be-. zirkskommandos sollen alS Beamte der Wrhr- amter Verwendung finden. Tie Umioanblung läfit sich jedoch erst durchführen, wenn die Temobst- inachungSarbeiten beendet finb.

Kreis Friedberg.

4 Bad-Nauheim, 28. April. Tie hiesige Turnhalle, das Vereinshaus des Tnrnverein-ß 1860, wurde für einen JahreSpreis von 4000 Mk. art N. Hettlein vett»ach:et. Eine Ortsgruppe Bad-Nauh:im-Fri chlrerg-Butzbach bt5 T ent scheu Osfizierbundes unter dem Vorsitz von Major Rastch wurde hier gegründet.

Starkenburg und Rheinhessen.

Pensionierung des Mainzer Oberbürger­meisters.

Mainz, 28. April. In Verfolg der bekanw ten Affäre des Oberbürgermeisters Tr. Göttel- 'mann mit General Mangin hat dieser jetzt um ferne formelle Versetzung in den Ruhestand nach- igefucftt; unter Beiostligung eines Ruliegehalts von 17 000 Mark wurde ihm dies von der Mainzer Stadtverordnetenversammlung einstimmig grwähtt.

Mainz, 29. April. Das iran^öfische Oberkommando hatte in feinem Besehlsheretch für die am weißen Sonntag abg Hal lenen Zkvmmimion- feiern und Bittgänge die E-stfattung deutscher Nationalfahnen vrrboleir.

Hessen-Nassau.

Die Frankfurter Plündenmgen.

ntr. Frankfurt a. M., 28. April Die Vor­untersuchung gegen die Belästig len an der Plün­derung Dom 31. März ist nal)C»u absrschlossen. Zwölf Fälle gemm Jugendliche sind spruchreif. Weitere hundert Fälle ,verden dem Schvurgericht überwiesen, das zur Alburtestung eure besondere Schtvurgerichtsperiode einrid>ien wird, die enva drei Wochen dauern nrirb. Alle wetteren Fälle, >es sind annähernd 150, tonun.cn vor die Strafkammer und werden im genwhnlick-en Plane bchaiedelt.

Au; dem HmtsocrtünMgungsMatt.

Tas Amtsverkündigungöblatt Nr 21 vom 29. April enthält: Bekannttnachung Nr. K 20 über Beschlagnahme und Bestandserhebung von Kunstwolle und Kuiistbairmwvlle aller Art. Vom 1. März 1919. Abänderung der Land­gemeinde- und 'Stcrbtcorbmmg; hier: Neuwahlen zur Stadtverordnetenversammlung, zum Gemeinde­rat und der Bürgermeister imb Beigeordneten. Ausführung des 8tu he geirrt tsgesetzcs vom 21. März 1914. Tie Anstellung eines Nachtwächters für die Gemeinde Hcuck-elhcun. Zuckerverbrauchs^ rtgtlung.

** Kommun alwa hl en. Durch Abände­rung der Landgemeinde- imb Stadteordnung sind die Neuwahlen zur Sladtverordnetenoerfammluiig!,' zuM Gemeinderat und der Sürgcrmeiitrr und geordneten ausgesck>rieben. Tie näl-eren Einzel­heiten sind bereite im Gießener Anzeiger mit ge­teilt worden.

Als Nachtwächter für die Gemeinde lHeuchelheim ist August Römer in Heuchelheim ernannt und verpflichtet worden.

Zuckerverbrauchsregelung in den Landgemeinden. Die für den Monat April yuftebenbe Zuckermcnge in Höhe von 750 Gramm auf ben Kops der Bevölkerung gelangt nunmehr Zrur Ausgabe. Es köirnen auf die ZuckcrmarTvn 103, 104 tunb 105 je 250 Gramm 750 Gramm Zucker pür den Monat April bezogen werden. Mit Adlculf des 15. Mai ds. Js. verlieren die Marken 103, 104 jund 105 ihre Gültigkeit.

Vermischte».

Dcr Trmperamrsturz.

Freiburg, 28. AprU. (WTB.) Nachdem vor einigen Sagen auf den Höl-cn des südlichen Schwarzwaldes bei mehreren Grad unter Null starker Schneefall herrschte, ist seit gestern ckbend auch in den Tälern ein starker Temperatur­sturz zu verzeichnen. Es sckmeit ummterbrochen. Der Schaden, namentlich an den Obsckulturen, ist außerordentlich groß.

Der Doppelgänger.

Roman von Carl Schüler.

Fottfetzung Nr. 16.

Tvrival aber lachte weiter.

Tas war ja famos! Also dieser Geheim­polizist, vor dem er gestern solche Angst ausge- standen hatte, war fein eigener Angestellter ge- lucfen einen seiner eigenen Privatdetektive, die ibn so sckvveres Geld kosteten, hatte er verprügelt! ZuM Heulen war das! Nee, dem Dummkopf scha­dete die Keine Lektion weiter nichts. Und im Grunde war Torival sogar heilsfroh, daß er nicht mehr das peinliche Gefühl mit sich herum tragen mußte, einen königlich preußischen Polizeibeamten niedergeschlagen zu haben. Hat doch die Polyei die Eigentümlichkeit, solche Uebeltaten besonders übelzunehmen und mit großer GeduL und Aus­dauern nach bent Uebeltätcr zu forschen.

Nein, es war wirklich besser so.

Und diese neue Verrücktheit paßte so schön zu dem übrigen ...

Tvrival beschloß, den ramtoten Herrn LEkdvr Zahn aufzusuchen, und ihn zu seinem famosen Erfolg zu beglückwünschen.

ganze Sache ist total verrückt ..."

Das war so ungefähr sein Urteil, als er auf denk Spaziergang zum Institut Prometheus über die Ereignisse des neftrigen Nachmittags nachdachte. Sie" hielt ibn also wirklich für den Spitzbuben, den Emil SchnepfeDir, mein Sohn, hat sie Übrigens damals im Opernhaus gar nicht zu ge­lächelt, sondern ihrer Schwester, die neben dir W" unterbrich er sich beschämt und in ,,ihrer" GegeMvart passiert diese Geschichte undihrem" Vater hatte er den Pelzmantel aus^führt . .

Schauderhaft!

Na, warum hatte sie ihn auch gar nicht zum Wort kommen lassen!

Und damals im Tiergarten hatte fre ihn auch erkannt und er war ihr als Spitzbube offenbar ganz sympathisch und sie würde sich vielleicht an ihn wenden . . .

Donnertvetter!

Am gescheitesten war eS wohl, wenn man bart Herrn Konsul einfach einen Besuch machte! Hnr ja, denn diesem Umbach fiel es natürlich nicht im Traum ein, ihn in die Familie einzu­führen. Aber dann ging dieser ganz schöne Schim­mer des Geheimnisvollen verlören! Nein! Ab­warten? Aber auf welche Weise wollte sich Ruth an ihn wenden und in welcher Angelegenheit? Ob er es wagte, ihr einige Zeilen zu schreiben? Ihr eine Adresse zu nennen, an die sie postlagernd schreiben konnte? Tieser Ausweg war der einzig mögliche. Nein! Tie Annäherung mußte von ihrer Seite erfolgen. Sie würde schon Mittel und Weg: finden, sich ihm bemerfbar zu machen. Dafür gab es in dem Anzeigenteil der Zeitungen eine Rubrik unter der BezeichnungVermischtes"; sie nmrbe ja täglich benutzt, um verloren gegangene Spuren flüchtiger Beziehungen wieder anruflrüpfrn. Eck beschloß, von heute an die Zeitungen nach einem Inserat, das für ihn bestimmt sein konnte, mit Gründlichkeit zu prüfen . .

Tvrival hatte nicht bemerkt, daß ihm ein hochgewachsenes, junges Mädchen mit bleichem, nicht unschönem Tuldergesicht seit einiger Zeil folgte. Als er vor dem Schaufenster eines Ju­weliers stehen blieb, stellte sich die Dame neben ihm auf.

Endlich, Liebster, treffe ich dich! Worum

kamst du nicht? Warum hast du mich vergebend warten lassen?" flüsterte sie.

Tvrival blickte entsetzt auf.

Vor iljm stand die junge Dame, die er in Be­gleitung ber Frau von Maar kotz gesehen hatte.

Sie blickte ihn aus verängsttgten Augen an wie eüt treuer, verprügelter Hund, der seinen, Herrn um ein freund.iches Wort anbettelt.

Sie irren sich in meiner Person, mein Fräu­lein," sagte er ruhig und freundlich. ,Lch möchte Ihnen das beweisen. Wollen Sie mir in eine Konditorei folgen? Ich werde mich Ihnen dort legitimieren. Ich bin nicht der, für ben Sio mich zu holten {deinen."

Tu verhöhnst mich! Tn willst mich las fein Y* antwortete sie mit sanftem Vorwurf.Wor­um willst du mich nicht mehr tarnen?"

Aber so kommen Sie doch nur mit!"

,Lch komme . . ." stöhnte Gretchen Lotz ferner Aufforderung zu, du bist ja immer gut zu mir gewesen. Ich will dir alles verzeihen; ich habe ja niemand, als dich."

Gräßlich!" dachte Torival.

Sie traten in eine nahe gelegene Kondttorei und setzten srch in einem Winkel an einen Tisch. Tvrival bestellte bei dem bedienenden Fraulein Saffet. Tonn zog er ferne Leyitimationssant her­vor und überreichte fit dem jungen Mädchen.

Bitte, lesen Sie!"

Gretchen Lotz los aufmerksam das Schriftstück. Tvrival wunderte sich, daß sie dabei keinerlei Er­regung zeigte. Sie gab ihm nur die Karte zurück und sagte vorwurfsvoll:

Warum nennst du dich jetzt Torivcck Don Armbrüster? Und wer ist dieser Schnepfe^

Tonnerwetter! Entschuldigen Sie aber nehmen Sie doch Vernunft an, liebes FrLulem!

Ich nenne mich nicht nur Torival von Arm­bruster, sondern ich bin es auch. Ich bin sozusagen polizeilich beglaubigt. Sehen Sie hier meine be sonderen Kennzeichen. Tie Narbe an der Hand, die goldene Zahnplombe. Tas Muttermal am Knie erlassen .Sie mir. Ich bin ackh nie em anderer geroefen,. als Torival txnt Armbrüster Aber dieser Emil Schnepfe, der mir leider so ähnlich sieht der ist der Matm, für den Sie mich halten! Ich nehme Ihnen das nicht übel, obnwhl dieser Schnepfe ein großer Spitzbube ist, ein Hoteldieb, ein Heiratsschwmdler. Ich bin schon öfter mit ihm v-rwechfelt worden. Sogar von der Polizei. Tieser Schnepfe wird nämlich steck brieflich verfolgt. Ich hoffe, mit dieser offenen Erklärung Ihnen einige Illusionen über diesen Mann 8it zerstören, so leid mir das auch um JhretwiUen tut!"

Gretchen Lotz sah ihn starr an. Tann hielt fte ihr Taschentuch vor die Augen und weinte

Fassen Sie sich!" sagte Torival weich.Seien Sie doch ftoh, daß Sie die Wahrheit über diesen Menschen erfahren habem Er wäre Ihr Der derben gewesen."

Gretchen Lotz hatte als Gesellschafterin ber Frau von Maarkatz eine harte Schn'e in d^r Kunst sich selbst zu beherrschen durchgemacht. Sie fiber^ irmbt die Schwäche schnell, trocknete ihre Tränen und sagte leise:

Ich muß Sie sehr um (5ntfffiufbigirnt bkttm, Herr von Armbrüster, daß ich Sie beiä'igt hab/ Aber ich will Ihre Zeit nun nicht länger in Anspruch nehmen."

(Fortsetzung folgt)