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Erster Blatt
169. Jahrgang
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Mittwoch, 29. Oktober (9(9
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
Aus Lzernins Erinnerungen.
Ein nicht zu unterschätzendes Seitenstück zu den Vernehmungen unseres deutschen Untersuchungsausschusses bilden auch die „Er innerungeu" des Grasen Czernin. Die „Voss. Ztg." ist jetzt beim Abdruck dieser Erinnerungen an den wichtigsten Stellen angelangt, die von den geheimen Wühlereien für einen baldigen Frieden handeln. Wir Haven chon davon berichtet, wie Gras Czernin un- eres Erachtens sich selber schuldig gemacht 'jat, als er zur Erreichung seiner besonderen Zwecke mit unverantwortlichen deutschen Parlamentariern in Verbindung trat. Es folgte später eine Auseinandersetzung des Grafen mit dem neuen Reichskanzler Michaelis, dessen Standpunkt in den Friedensbedingungen Czernin in einem Briefwechsel mit Michaelis als ein „schweres Friedenshindernis" bezeichnete. Dann führt der frühere Leiter der österreichisch-ungarischen Politik in seinen Erinnerungen wörtlich fort:
(Es fielen schwere Indiskretionen und Einmischungen vor, welche von Personen aus* gingen, die, ohne inverantwortlicherStel- lung zu sein, Einblick in die diplomatiskhen Dor- tzänge erhalten hatten. Es hat Keinen Zweck, hier "Hamen zu nennen, um so weniger, als selbst den ver: antwortlichcn Leitern der Politik die näheren Details dieser Vorgänge erst viel später und auch Dann vorerst in unvollständiger Form zur Kenntnis kamen - also in einem Zeitpunkte, in welchem die pazifistische Tendenz der Entente bereits wesentlich abzuflauen begann.
Es war damals unmöglich, in den Irrgarten dieser sich kreuzenden und widersprechenden Tatsachen volles Licht zu bringen. Faktum ist, daß im Früh, fahr oder Frühsommer 1917 bei maßgebenden Fak- -oren in den Ländern der Bundesgenossen und der Entente der Eindruck erweckt wurde, daß der Bestand .öes Dierbundes erschüttert sei. In dem Augenblicke, -tn welchem die denkbar größte Betonung der Ge- sichlossenheit unseres Bundesverhältnisses notwendiger «ls jemals gewesen wäre, wurde der entgegengesetzte «Eindruck heroorgerusen, und selbstverständlich begrüßte die Entente die ersten Anzeichen der Zersetzung im Bierbunüe.
Ich weiß nicht, ob es jemals geboten sein wird, eine völlige Klarheit in alle die Ereignisse der damaligen Zeit zu bringen. Heute ist es nicht der Fall. Ich konstatierte die Wirkung, konnte aber die Ursache nicht ermitteln. In der dem Frieden geneigteren Stimmung der Entente schwang ein fremder Unterton mit. Man war drüben besorgt und friedensgeneigter als früher, aber doch wieder zuversichtlich in Anbetracht der angeblichen Lockerung unseres Bundesverhältnisses und der. Hoffnung auf den Zerfall des Dierbundes. Ein Freunb von mir, an Bürger eines neutralen Staates, teilte mir im Sommer mit, er habe aus sicherer Quelle vernommen, man rechne am Quai d'Orsay anscheinend damit, daß die Monarchi sich von Deutschland zu trennen beabsichtige. Das werde selbstverständlich die gesamte Kriegslage ändern.
Bald darauf trafen aus dem neutralen Auslande ßehr geheime Nachrichten ein, daß eine bulgarische Gruppe mit der Entente verhandle, hinter dem Rücken und ohne Wißen Radoslawows. Sowie bei unseren Bundesgenossen der Verdacht auf eine Sprengung les Bildnisses erwachte, waren sie natürlich beflissen, den Ereigniffen zuvorzukommen. Wir waren Radosla- wow ebenso sicher wie Talaat Paschas; aber in beiden Ländern waren noch andere Strömungen der Arbeit.
Noch im Lause des Sommers nahm die Friedens- t ereitwilligkeit unseres Gegners endschieden ab. Diele Kieme Anzeigen, die jedes wenig, die alle zusammen viel bedeuteten, ließen das erkennen. Nun begann im Sommer 1917 auch der U-Bootkrieg feinen ersten Schrecken zu verlieren. Man sah drüben, daß er nicht das halten werde, was man zuerst befürchtet hatte, und natürlich ließ das den Wunsch nach dem militärischen Endsieg wieder aufleben
Beide erwähnten Momente zusammen dürsten beigetragen haben, um den vom Westen wehenden Friedenswind abflauen zu lassen.
Kaiser Karl, Erzberger und auch Graf Czernin haben also den Frieden wahrlich nicht gefördert. In dem vorstehenden Zugeständnis ist ein großes Stück von Ursache zu erkennen, deshalb unser Zusammenbruch so jäh und furchtbar über uns kam. Die Wühler sind ebenso schuldig wie die Staatsmänner und verantwortlichen Amtsstellen, die sich in der Wirkung des U-Bootkrieges so schwer getäuscht hatten.
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Ein Geheimbericht des Grafen TiSza.
Budapest, 28. Okt. Im „Pester Lloyd" wird ein Geheimbericht des Grafen Tisza über seinen Besuch bei Kaiser- Wilhelm am 4. Dezember 1915 veröffentlicht. Er hätte vergebens versucht, die allzu optimistischen Anschauungen Wilhelms II., der die Kräfte des Gegners beträchtlich unterschätzte und über den Ausgang des Krieges allzu günstig" Erwartungen hegtch auf den Boden realer Latsachen zurückzuführen. Durch ben Lenker der verantwortlichen deutschen Politik müsse dauernd ein mäßigenderer Eäirfluß auf den Kaiser ausgeübt werden.
TaS englische Unterhaus und der ehemalige Kaiser.
Amsterdam, 28. Okt. (Wolff.) Der „leie* graaf" meldet aus London: In der gestrigen Sitzung des Unterhauses wurde gefragt, welche Vorkehrungen jetzt in Holland zur Ueberwachung des Kaisers und Kronprinzen getroffen würden. Harms- worth antwortete, die britische Regierung wisse zwar nicht genau, welches die Maßregeln der holländischen Regierung seien, habe aber keinen Grund zu zweifeln, daß alle notwendigen Maßregeln getroffen wurden. Ans eine andere Frage, ob das auswärtige Wut von den fortwährenden Tel ep Hongesprächen des Kaisers mit Deutschland wisse, antwortete Harmsworlh, daß der englischen Regierung darüber nichts bekannt sei.
Die AuslieferungSliste.
Brüssel, 28. Okt. (Wolff.) Havas-Reuter. Die „Independence Beige" teilt mit, daß der Ministerrat eine 1153 Namen enthaltende Liste von deutscher» Zivil* und Militärpersonen guthieß, deren Auslieferung verlangt werden soll. Die Liste wird nach Paris geschickt werden.
Die Heimkehr der Kriegsgefangenen.
Berlin, 27.Okt. (Wolfs.) Die englische Regierung ließ durch ihre Wafsenstillstandskommission mitteilen, daß die Heimschafsnng der in englischer Gewalt befindlichen deutschen Kriegsgefangenen in nächster Zell restlos durch- geführt werde. Vor allem werde dem Wunsche der deutschen Regierung entsprechend die Entlassung der in den Abstimmungsgebieten Beheimateten mit größtmöglicher Beschleunigung betrieben.
Die Nationalratswahlcn in der Schwei;.
Bern, 28. Okt. (Wolff.) Das Ergebnis der Nationalratswahlen bis Montag abend zeigt eine Zunahme der sozialdemokratischen Abgeordneten, in der Hauptsache auf Kosten der bisherigen Freisinnig* Demokratischen Partei. Damit steigt die Zahl der Sitze der sozialdemokratischen Partei im Nationalrat auf etwa 45, an Stelle der bisherigen 19. Die Zunahme bleibt indessen hinter den Erwartungen der Partei zurück. Die Katholiken wahren ihren bisherigen Besitzstand. Die neue Bauernpartei zählt bis jetzt 10 Gewählte. Die stärkste Partei des 139 Mitglieder zählenden Rates bleibt die Freisinnig-Demokratische Partei.
Die „Neue Züricher Zeitung" konstatiert, daß die hochgespannten Erwartungen der Sozialdemokratie nicht in Erfüllung gegangen sind. „Journal de Gönsoe" sagt: Trotz des Anwachsens auf 45 Mandate wird die sozialdemokratische Linke nur */« oder l/6 des neuen Nates betragen. Ts besteht jedenfalls kein Grund, darüber den Kopf zu verlieren. Die demokratische „Züricher Post" schreibt: Es besteht also vorläufig noch keine Gefahr, daß die sozialdemokratischen Bäume in den Himmel wachsen. „Gazette de Lausanne" freut sich über den soliden Block, den der Kanton Waadt gegenüber der sozialistischen Linken bildete, während in der ganzen übrigen Schweiz, namentlich in Genf, der sozialistische Vorstoß gelungen sei. Der linkssozialistische Baseler „Vorwärts" schreibt: Unsere Position ist unzweifelhaft gesichert. Wir haben standgehalten und wir marschieren vorwärts. Die liberalen „Baseler Nachrichten" konstatieren die zeitgeschichtliche Notwendigkeit einer politischen Neuorientierung, glauben aber, daß die neue Regierung nur fruchtbar werde, wenn sie sich an die historisch gewordene anschließen.
Einstellung des Güterverkehrs zwischen Elfak-Lvthrrngc» und der Schweiz.
B ern, 28.Okt. (WB) Die Einstellung des Güterverkehrs zwischen Elsaß- Lothringen und der Schweiz soll wegen der unruhigen Verhältnisse im Elsaß notwendig geworden sein. Die elsässische Bevölkerung ist erregt, weil das französische Aufsichtspersonal die deutsche Sprache nicht beherrscht und die Postverhältnisse nicht organisiert hat. Die Eisenbahner sabotieren den Verkehr, ebenso die Rheinschiffer. Frankreich ersuchte daher die Schweiz, ihre Waren über französisches Gebiet umzuleiten. Da aber Frankreich großen Mangel an rollendem Material leidet, laufen die für die Schweiz bestimmten Waren Gefahr, auf den französischen Bahnhöfen liegen zu bleiben und nicht in die Schweiz zu kommen.
Fremdenverkehr in Tirol.
Innsbruck, 27. OKt. (W. B.) Die Korrespondenz Herzog erfährt aus Kreisen der Wiedergutmachungskommission, daß die Entente bereit sei, für die Hebung und Belebung des Fremdenverkehrs in Tirol nach dem Muster der Schweiz ein-, zutreten. Durch entsprechende Propaganda und sonstige Hilfe soll der internationale Fremdenverkehr in erhöhtem Maße nach Tirol gelenkt werden, wodurch das Land, das anerkanntermaßen im Kriege am meisten gelitten hat, in die Lage käme, über größere Einkünfte wie bisher zu verfügen.
Die Kämpfe in Rußland.
Amsterdam, 28. Okt. (Wolff.) Die Blätter melden: Die Kaukasusarmee unter dem Befehl des Generals Wrangcl rückte 50 Meilen vor. Augenblicklich stehen diese Truppen nordöstlich von Zarizin. (Es wurden 500 (Befangene gemacht. Die Donarmee ist auf einer Front von 120 Meilen im Vormarsch begriffen. Die Eisenbahnlinie zwischen Poltawa und Kiew ist besetzt, wobei 500 Ge-1
fangene gemacht wurden. Südöstlich von Moskau war Denikin genötigt, einige Meilen zurückzugehen, wodurch Drei wieder in die Hände der Bolschewisten fiel.
Reval, 28. Okt. (Wolff.) Havas. Das große Hauptquartier Denekins meldet am 22. Oktober die Entwicklung der Offensive auf der ganzen Front in der Richtung auf Kamyschin: Wir haben starke feindliche Kräfte vernichtet und viele Gefangene gemacht. In der Richtung auf Briansk haben wir dolschewisttsche Regimenter aufgerieben. In der Gegend von Kiew sind Kämpfe im Gange. In bei Gegend von Mohilew dauert ine Offensive an. Der Generalstab Petljuras hat die Flucht ergriffen.
Das Hauptquartier der Nordweftarmee meldet: In der Gegend von Zarskoje Selo haben wir Angriffe zurückgewiesen. Gegen Kowno haben wir die Offensive fortgesetzt. In der Gegend von Kapersjaka gingen wir zur Offensive über und nahmen mehrere Ortschaften.
Kowno, 28. Okt. (Wolff.) Hier ist ein englischer General eingetroffen, dem elf englische Offiziere folgen werden. Sämtliche Engländer treten in litauische Dienste.
Ein Plan zur Zerstörung der deutschen Flotte.
London, 28. Oki. Den Plan zur Zerstörung der deutschen Flotte, den die britische Admiralität schon im Jahre 1905 faßte, veröffentlicht Lord Fisher, der ehemalige erste Seelorb der Admiralität, in seinen soeben erschienenen Memoiren. Die ganzen Umtriebe oer Partei, die auf den Krieg mit Deuschland hinarbeitete, werden in dem Plan beleuchtet. Fisher tröstet sich damit, baß er derjenige gewesen sei, dessen Hirn die Idee entsprang Am 14. März 1908 habe er bei einer Unterredung mit König Eduard diesem erklärt, der Krieg mit Deutschland sei unvermeidbar, denn Deutschland könne ohne Krieg sich nie kam* merziell ausdehnen. Schon im Jahre 1905 habe er daher den Plan gefaßt, die deutsche Flotte zu „Kopenhagen", d. h. das gleiche Manöver zu wiederholen, das die Engländer vor 100 Jahren ausführten, sie mitten im Frieden ohne Kriegserklärung zu überfallen, zu vernichten ober zu kapern. Leider, so schreibt Lord Fisher, besaß England aber damals keinen Pitt, keinen Bismarck oder (Bambetta. Er hat ferner dem König Eduard den Plan zur Landung einer Armee an der pommerschen Küste '■m 7 «-eitet, um hierdurch dem unvermeidlichen Krieg zuvor zu kommen. Wenn feine Idee befolgt worden wäre, Hütte England diesen kostspieligen Krieg nicht zu führen brauchen. Der Kaiser hätte aber von dem Plan Wind bekommen und sich auch dem bekannten deutsch- englischen Finanzmann Beit gegenüber darüber geäußert. Wilhelm II. hat gesagt, er tadele Lord Fisher keineswegs, er bewundere ihn, aber Deutschland sei auf alles ootbereitet. In bas Komplott waren außer Lord Fisher noch Lord Esher und Admiral Sir Arthur Wilson verwickelt. Mister Churchill, der jetzige Kriegsminister und einer der intimsten Freunde Fishers, hat ausgerufen, als er von der Idee hörte: Fisher, Sie sind ein Genie! Auch Me. K e n n a , der damalige Marineminister und spätere Schatzkanzler, soll in den Plan eiygeweiht gewesen sein und ihn gebilligt haben.
Fisher macht in seinem Buche auch ironische Bemerkungen über die Höflichkeitsbesuche zwischen der deutschen und der britischen Flotte und den Austausch von Komplimenten zwischen den Admiralen, was zu dem Zweck geschehen sei, die Deutschen in Sicherheit zu wiegen. Das Buch ist voll von derartigen Indiskretionen. Fisher hält anscheinend den Zeitpunkt für gekommen, wo man kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen braucht.
Die englische Preffe übergeht diesen Teil der Offenbarungen Fishers meist mit Stillschweigen. Nur die „Daily News" findet Worte der Entrüstung. Der „Expreß" hält es für unverantwortlich, daß Fisher die intimsten Geheimnisse der britischen Politik in dieser Werse ausplaudert.
Der (Etat der Reichswehr.
dem Vermögen sind abzuziehen: „Bi den Abgabepflichtigen mit einem steuerbaren Vermögen von nicht mehr als 100 000 Mark, die weder einen Anspruch auf Pension oder Linterbliebenenfürforge, noch einen Anspruch der in § 10 Ziffer 1 bis 3 genannten Art (Ansprüche an Witwenkassen usw., aus Kranken- und Unfallversicl-erung und Ansprüche für Renten usw.i haben: im 911 ter von von 45—60 Jahren ein Viertel, im Alter von über 60 Jahren ein Tritte! des seitherigen Vermögens. Bei bis zu 50 000 Mk. ermäßigt sich die Abgabe- pslicht auf ein Fünftel, bzw. auf ein Viertel. Diese Vergünstigung tritt nicht in Straft, falls gemäß § 25 Absatz 1 die ganze Abgabe zinslos gestundet wird."
Im § 18 a, Ivonach das gewerbliche Betriebsvermögen nur mit 80 v. H. seines Wertes angrsetzt H erben soll, 'wurde Abs. 2, der nur bestimmte Teile des Betriebsvermögens als Betriebsvermögen im ft cuei Heben Sinne bezeichnete, ^strichen und das ganze im gewerblichen Betriebe jeder Art arbeitende Vermögen dieser Vorschrift unterworfen. — Ter Termin für den Beginn der Verzins Jung der Vermögensabgabe wurde gemäß der ursprünglichen Regierungsvorlage wieder auf den 1. Januar 1920 verlegt. — Zum Sckstuß ist noch ein § 50 a neu eingefügt, der die EntlclEngungs- frage der Deutschen aus den abgetretenen Gebieten, die ihren Hausrat infolge der kriegerischen Ereignisse verloren ’tyaben, behandelt. Weitere Aende- ruugen von wesentlicher Bedeuttrng sind an dem Gesetzentwurf bei der zweiten Lesung nicht vorgenommen.
Die Splirprämienonleihe.
Berlin, 28. Okt. (W. D.) Reichsfinanzminister Erzberger erklärte, daß man mit der Sparprä- mienanleihe zu einem vollständig neuen Typ übergegangen sei, der nicht «nur den Spieltrieb ausnütje, sondern auch den Spargedanken in den Vordergrund stelle. Die Gewinne erfordern insgesamt nicht mehr als 0,9 Prozent des Anleihebetrages. Durch den Bonus und die Iinszuschläge würde der Spielcharakter der Anleihe wesentlich gedämpft. Den Besitzern von Kriegsanleihe seien Begünstigungen bet der Zeichnung eingeräumt.
Aus dem Reiche.
Scheuch und Ludeudorff.
Berlin, 28. Okt. (Wolff.) In einer Zuschrift an die „Deutsche Allgemeine Zeitung" erklärt der frühere Kriegsminister Scheuch, daß er den Vor- fit} imDeutschenOffiziersbund n i e b erleg e , um diesen nicht mit in die Kämpfe hinein- zuziehen, die er mit General Ludendorff wegen einer Stelle in heften Buch „Meine Kriegserinnerungen" führen müsse. Ludendorff sckreibt darin mit Bezug auf die Besprechung, die am 25. Okt. 1918 beim Vizekanzler v. Payer stattfand: „Auch der Kriegsminister war zugegen, der sich im Reichstage und innerhalb der Regierung nicht vor den Kaiser und das Heer gestellt hatte,- andernfalls hätte er sein Amt niederlegen müssen." Generalleutnant Scheuch be* trachtet diesen Sah als eine schwere Beleidigung und erklärt, daß er gezwungen sei, sich jetzt mit seiner Rechtfertigung an die Oeffentlichkeit zu wenden, da seine bisherigen Schritte bei Luden dorff, um Genugtuung dafür zu erhalten, vergeblich gewesen seien.
Haases Befinden.
Berlin, 29. Okt. Laut „Berliner Tageblatt* ist im Befinden des Abgeordneten Haase im Laufe des gestrigen Nachmittags und Abends keine wesentliche Aenderung eingetreten. Die sehr bedeutende Schwäche des Pattenten dauert bei mittlerer Fieberhöhe an. Der Verlauf der Krise läßt sich jedoch nicht Übersehen. Die Lebensgefahr besteht jedoch in erhöhtem Matze fort.
Der neue Oberbürgermeister von Düffeldorf.
Düsseldorf, 28. Okt. (W.B.) In der heurigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurde der zweite Bürgermeister von Dortmund, Dr. jur. Emil Kö 11ger, einstimmig zum Oberbürgermeister von Düsseldorf als Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Oberbürgermeisters Dr. Oehler gewählt.
Das Reichsnotopfer
Nus dem besetzten Gebiet.
den zeit
Angehörigen der Reichswehr nach ihrer Dienstoffenstehen.
Die Kohlenversorgung.
...________________ .____________ Koblenz, 27. Okt. (Wolfs.) In Gegen
folgende neue Bestimmung getroffen worden: von wart des Reichskomjpissars v. Stark sand heut-
Berlin, 28. Okt. (Wolff.) Der Haushattungs- ausschnß der Nationalversammlung bewilligte den Etat des Neichswehrministeriums und nahm gegen bie Stimmen der Deutschnationalen den demokratischen Antrag an, das Beköstigungsgeld und den Ersatzbettag für die Unterbringung angemessen zu erhöhen, sofort zu prüfen, ob die Gebührnisse der Heeresangehorigen den Teuerungsverhält- niften entsprächen und sie gegebenenfalls zu erhöhen, die Verpflegung zu verbessern, der Reichswehr gute Bekleidung zur Verfügung zu stellen, soweit das noch nicht geschehen konnte, den aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften Stellen in der Reichswehr zu halten und festzustellen, welche Stellen in Staat und Gemeinden
Aus Sachsen.
Berlin, 29. Okt. Dem „Lokalanzeiger" zufolge ist die Bevölkerung des Freistaates Sachsen erheblich zurückgegangen. Gegenüber der Ziffer vor dem Kriege beläuft sich der Rückgang auf rund 250 000 Personen.
Koburg und Groh-Thüringen.
Kvburg, 28. Okt. Ter Verfassungsau s s ch u ß legt der Landesversammlung vor, durch eine Volksabstimmung am 30. November entscheiden zu lassen, ob Kvburg dem thü- ringer Gernecnschastsvertrag beitreten will.
Die Kohleunot.
Duisburg, 28. Okt. (W.B) Die Binnenschiffer und Flößer des Rheins und seiner Nebenflüsse haben beschlossen, zur Linderung derKohlennot in S ü d d e u t s ch l a n d auf den Rheinfahrzeugen jeden Tag zwei Ueberftunben zu fahren und ebenso an den freien Sonntagen zu arbeiten.
Strengere Bestrafung der Schwarzschlachtungeu.
Berlin, 28. Okt. (WTB.) Der Reichswirtschaftsminister Schmidt hat wegen der Zunahme der sogenannten Schwarzschlachtungen, die die Versorgung der Gesamtbeoolkerung aufs Schwerst« gefährden, eine Verordnung erlassen, welche bestimmt, daß in allen Fällen verbotener Schlachtungen auf Gefängnis und Geldstrafe nebeneinander, nicht mehr wie bisher nur wahlweise auf die eine ober andere Strafart zu erkennen ist.
Berlin, 27. Okt. Der Gesetzentwurf über das Reichsnotopfer ist rn zweite: Lesung im Ausschuß der Nationalversammlung angenommen worden. Tie Beschlüsse der elften Lesung, nach denen die Abgabepslicht auch aus die Reichsbank, die Kir- ck>en sowie die religiösen Gemeinschaften ausgedehnt werden sollte, sind wieder aufgehoben. Tie Abgabe- fteiheit der Sparkassen, die nach dem Entwurf für alle Sparkassen ausnahmslos gelten sollte, wurde Idahin eingeschränkt, daß nur solche sie genießen sollten, die sich auf die Pflege des eigentlichen Sparverkehrs befdrränfen; danach sind Sparkassen, die neben dem Sparoerkehr noch Erw:"rbsgeschäfte irgendwelcher Art treiben, abgabepflichtig.
Beim § 15, der die Fragen der Abzüge regelt, ist mit Rücksicht auf die klein enKapitalrstenl ► 1 A MA... Cß . ... ....... V f V V Y-PWM • hAM *


