Ein fideles Gefängnis.
— Siegen, 27. Nov. Nachdem erst vor einer Docke 33 Gefangene ans dem Gefäna. nis ausaebrochen waren, ginget in dec Nacht zum Mittwoch abermals acht der schivcrften Verbrecher flüchtig. Die Verbrecher sprengten eine Dand, mehrere (Sitter nnd Türen und kamen, da das Gefängnis nachts ohne Bewachung ist, ungehindert ins Freie. Unter den Entsprungenen befinden sich sechs, die erst vor einer Woche ausgebrochen, aber wieder eingefangen wurden. — In drei Wo- cken drei erfolgccid>e Gesangenenausbrüche — wahrlich nette Zu stünde.
Lebensmittel.
♦♦ Kartoffelausgabe 4 7. Woche. Die Wochenkartoffelmarke P der 47. Woche wird durch Karl L ö b s a ck, West-Anlage, beliefert. Die Marken können bis einschließlich SamStag, den 29. November 1919 eingelost werden.
** Milchversorgung. Die städtische ärztliche Prüfungsstelle teilt uns mit: Die Belieferung der Stadt Gießen mit Milch geht trotz aller Bemühungen zur Hebung der Milchonliefe- rung ständig zurück. Es konnte daher in den letzten Wochen ein erheblicher Teil der Kinder und der Kranken bte ilM zustehende Milch nicht erhalten. Es ist deshalb leider nicht zu vermeidest, daß Milch an Kranke nur bei schweren Erkrankungen und nur auf kürzere Zeit abgegeben werden kann, damit wenigstens die dringlichsten Fälle einigermasten mit Milch versorgt werden können. Anträge auf Bewilligung von Milch für Kranke sind nur in den äuge- gebenen Fällen zu stellen. Bei Wiederholunasanträgen empfiehlt sich, soweit nicht ein Alter über 70 Jahre vorlicgt, die Vorlage eines neuen, ausführlich begründeten Srzt sichen Zeugnisses, das die 9h) tnxnbifff.it der Weitcrgewährung dartut.
** Freibank. Sams^g Len 29. November werden von 1—3 Uhr die Nummern 3351—3450 beliefert.
Veranstaltungen
Freitag: Großer Hörsaal der Universität, Zt/r Uhr, Vortragsabend des Katholischen Akademiker-Ausschusses. — Gasthaus rum LSwcn, 8 Uhr, Vortragsabend der cxmokratischen Frauen gruppe. — Lichtspielhaus, Der goldene See. — Lstlrtspiele, Selterswog. Erborgtes Glück und Die Tochter des Henkers.
Drvmbcrg (T.-Rtl.) fragt Präsident Fchrenbach das Haus, ob es Vertagung oder SBeitcrbentung wünscht. Tas Haus entscheidet sich für Pritcr- beratung. Die einzelnen Paragvrpken des Gef-N?' xntwurfcs werden hierauf im allgemeinen nach den Beschüssen der zweiten Lesung mit einigen kleinen Al. anderungen angenommen. Der Antrag S ch u l z - Bromberg (D.-Rtt.) über das Gesetz nach Maßgal« einer Derß-ssungsänderung abzustimmen, wird abgelehnt. Das Gesetz wird hierauf in britter Lesung in der Gesamtabsiimmung gegen bre Stimmen der Deutsch-nationalen angenommen. Die Resolutionen des Ausschusses werden ebm- salls angrnommen.
ES folgt die Beratung des Antrages Löbe (Soz.f, angesichts der Hungersnot in Oesterreich eine Hilfsaktion ins Werk zu setzen. Der Antrag ist von allen Fraktionen mit AuSnalnne der Unabhängigen unterzeichnet. Es sollte ursprünglich von allen Parteien ein Redner zu Wort kommen. Im Laufe der Sitzung ist man aber übereingekommen, den Präsidenten a'lein den Antrag begründen zu lassen. Präsident Fehrenbach: In Oesterreich stelxn viele Frauen und Kinder vor der HunaerS- not. Wenn die Menschlichkeit noch was zu sagen hätte, müßten die Sieger sich erbarmen und aus chren reichen Beständen Oesterreich helfen Aber Humanität und Barmherzigkeit haben keinen Platz mehr bei ihnen. Wir darben selbst, wollen aber versuchen, die ärgste Not zu lindern. Das schwere Opfer wollen wir in aller Brüderlichkeit bringen und fordern die Oessentlichkeit auf, darüber hinaus weitere Opfer wu bringen. Der Antrag bedarf keiner weiteren Degründima mehr.
Abg (Set) er (U. S. Psi: Wir finb mit der Hilfsaktion einverstanden, können aber der Verkürzung der Drotration nicht justimmen.
Präsident Fchrenbach hofft, daß gerade die Bauern zu der Hilfsaktion reichlich beisteuern werdm. — Rach weiteren Bemerkungen des Aba. Schiele (D.-Nsi wird der Antrag einflimmtg angenommen. Gegen den 8 2 des Antrages (Ber- kürzung der Brotration) stimmen nur die Unabhängigen.
Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr. Steuervvr- lagen. Schluß 8 Uhr.
** Don der HanbelSkamm er wird unS folgendes geschrieben: Auf Grund des Artikels 297 i deS Fric eusvertrageS und des § 8 des Reichsgesetzes vom 31. August 1919 fall letzt die Entschädigung der im Ausland ge - chädigtcn Deutschen erfolgen. Tas Rrich X)t die sofortige Zuwendung von RrichSmitteln ür den genannten Zweck verfügt und die Bormid° ung der Anmeldungen besonderen Jnteves'M- Vertretungen übertragen. Als solch: Interesf>2t- oertretung ist für die im Inland ansässigen Firmen kmb Privatpersonen der Derdand der im Ausland geschädigten I nlandsbeu t- chcn begründet und amtlich anerkannt worden. Sitz des Verbandes ist Berlin. Anträge auf Gk» Währung von Entschädixlmgen sollen von dem Verband vvrgeprüft werden. Dle endgültige Ent- chidung hierüber erfolgt durch die Spruchkom- mission des Priches. Eine solche Spruch'ommis- ion soll a^ch in Frankfurt a. M. für Hessen- Rosferu und H-sien errichtet werden. Mit Rück- icht darauf soll eine Zweigstelle deS AerbandeS für Hessen-Nassau und Hessen m Frankfurt a. M. errichtet werden. Zur Errichtung dieser Awriff, stelle findet am Frchiag dem 5. Dezember dS. Js., nachmTttagS 4 Uyr im großen Saale der Hankels- Bammer zu Frankfurt a. M. (Börfcngebäude) eine Vriammlung statt wozu Jnteres enten des Han- lelskammerbezrrks hierdurch eingelecken werden. Es wird dabei ausdrücklich noch darauf aufmerkfrm gemacht, daß nur solche physische ober juristische Personen m Frage kommen, die im Ausland (wozu die bisherigen deutschen Rricks-tebi-te nicht zSlsi'n) geschädigt sind, jedoch ihren Sitz im Inland haben.
** Tic rechtsrheinischen hessischen Handelskammern, Darm st ad t, Offenvach, Friedberg und Gießen, haben ein Telegramm des Inhalts an den Reichskanzler gerichtet, sie p r o t e st i e 11 e n gegen die euren Bruch der Friedensbedingungen bebittcnben Forderungen der Entente auf Ausliesenmg deutscher TockS, Ba«,cr, Kräne und Werstanlagen.
** Märkte. Wie uns die Stadtverwaltung mitteilt, enthielt die gestern uns übermittelte Ueberfidjt die Märrte für 1921, nicht 1920.
** Der Bund zur Pflege von Musik und Literatur teilt uns mit, daß filr De»
gegenstehen: die Verbitterung, bte Entmuttguna, der Material smuS des Genusses unü bte Unkrrch- lichkrit. Die Leidenschaft ber Drbttterung wiro Jtd) üjen, anstelle ber Entmutigung sitzt dre chrrst-rche Religion eine tatenfrohe Lebenskunft, dem Marc- rial.smus deS Genüsse- aber steht d r Materia.rr- mus ber Sorge gegenüber, der größte Helfer oes Christentums. Dre Schwächen aber, welche der ikirche anhaften, weil sie von Menschen verwaltet wird, geben uns fein Recht, sie zu verdammen. — Im Gegensatz zu den negativen Mächten beleuchtete dann der Rooncr btt positiven Machte des Christentums Er eigte, wie die Religion Cbristi Göttliches unb Menschliches, wie sie Innerliches und ^duserl'«^ verbinde, wie sie ein System von lojij« mbetc bcritvlle und den Trralismus von <schönhett um, Heiligkeit löse. Die riesengroß gewordenen. Aufgaben des Christentums seren jetzt dre Erztehmtg -es Einzelmenschen und der »rnzen Maste: bte Stunde des Christentums ser heute mehr Denn je gekommen. Ter Ruf der Menscbbett verlange eine Religion der Tröstung, ber Erlösung, der Gnade, ter Güte, eine Religion, die Autorität unb und Gott und den Menschen finden lasse. — Der zweite Vortrag, der das Thema .Neurellgrosltüt" de- handeln imb schon heute abend (nicht Sonntag rote in Aussicht gritellt war!) im stroßen Hörsaal der Lanbesumversität stattfindet, nnd) wohl eoensv' zahlreich besucht sein. Auch hierzu wird durch den „Katholischen Akademckcr-Ausichich" ledermann herzlichst eingeladen. (Siehe Anzeige.)
*♦ Der ReichSwirtschastsverband deutscher Berufssoldaten, Ortsgruppe Gießen, ttdt grsttern abend im Saale des Hotel Gcoß^rzog eine starkbesuchte Mitgliederversammlung ab. Kamerad Offizieritellvertrcter ®emeitibcr, 1 Vorsitzender der Hauptgruppe Hessen, hielt einen l'/rstündigen Vortrag über „Zweck und Ziel des Verbandes". Er führte ungefähr folgendes ans: In den Umsturztagen des vorigen Jahres war auch die Existenz des Unteroffiziers sehr in Frage gestellt. Die Lage sehr bald überschauend, schloiien sich sämtliche attiven Unteroffiziere zunächst in Ortsgruppen zusammen. Dank ber eifrigen Mit- arbeit vieler Kameraden ist es gelungen, im Laufe des Jahres den Reichsbund deutscher. derzeitiger und ehemaliger Beru.ssoldaten zu gründen Frei von jeder polittschen Tendenz sind die Siele zunächst beruflich und dann wirischa t'ich. Es bleiben auch für die Zukunft noch sehr viele und schwierige Aufgaben für das Wohl der Allgemeinheit zu lösen. Kameradschaft, Pflichterfüllung und Einigkeit müssen unsere Devise bleiben. Wir wollen ein Baustein dem Vaterland sein und echte Berufssoldaten.
** In der Eisenbahnerversamm- lung im Lass Leib vom vergangenen Mvntaii wurde Dom VersammlunffSleiter erllärt, baß auch die lnesigen Mitglieder der VolksLimmer ringe- laden worden seien. Wie uns der SEtolfetammei- al geordnete Kling spvr hierzu mittrilt, ist an
(Eine minifterreöe im Theater.
Wir legen feinen Wert darauf, in oct Auseinandersetzung mit Herrn Dr. Streck er )as letzte Wort zu haben uno unterlieben es bähet, zu seiner zweiten „Berichtigung" in unserer Nr. 275 noch etwas )u bemerken. Immerhin, eine etwa 100 Zeilen lange Lektion, die der Minister in Nr. 276 der „Darmst. Zta", aus Anlaß des Abdrucks unserer Kritik in der „Hessischen Lanocszty.", über den Fall noch veröffentlicht, kann nicht ganz unerwähnt bleiben. Herr Dr. Strecker hört zu gern den Beifall in Versammlungen, als daß er für ein überzeugungsvolleS Wort der Kritik noch zugänglich wäre. Oesfentliche Handlungen der Minister unterliegen aber solcher Kritik der öffentlichen Meinung; frei und offen zu sprechen ist auch heute noch dar Recht und Die Pflicht der Zeitungen. Warum also die Verdächtigung unserer Motive? Wrr haben den Minister keineswegs an seiner Ehre angetastet oder antasten wollen. Auch an Stimmenfang für eine Partei, den fr uns vorwirft, haben wir wirklich nicht gedacht. Uno wenn wir den Satz schrieben, es fei ja auch gleichgültig, was und wie er lm Theater redete, so sollte damit eben unterstrichen werden, daß wir hier nut eine Taktfrage anschneiden wollten. Wir k-n- nen den weitläufigen Einwendungen des Herrn Dr. Strecker nur die Wiederholung des Satzes entgegenhalten: „Was Deutschland der ganzen Menschheit zu sahen tya t", konnte allenfalls an einer an- deren Stelle erörtert metben. Tie vor Herrn Dr. Strecker gegen ein Mitglied unse rer Redaktion ausgesprochenen Beschuldiaun- gen weisen wir entschieden zurück; der Herr Minister selbst bat die einfache Sachlage mit falscher Logik durchaus verschoben, und er wird mit seinen Nutzanwendmrgen höchsten» einigen von feinen agitatorischen Wendungen betäubten Lesern ein schwaches Bravo abgewinnen.
ihn keine Einladung ergangen.
Landkreis Gießen.
x Wiefeck, 27. Nov. In unterer Ge- dächtniSausstellung sind die Bilder ber Gefallenen und Verstorbenen noch Kriegsjahren gruppiert, was bei der großen Zahl ein schnelleres Auffrnden ber einzelnen ermöglicht. Fol- genbe Aufstellung zeigt die Zahl t*r Opfer in den einzelnen Jahvcn, wobei bre Klammern dr: Vermißten enthalten. 1914: 13 (4), 1915: 14, 1916; 19 (4), 1917: 13 (l), 1918: 26 (3).
Kreis Büdingen.
4 Orten berg, 23. Nov. Am nächsten Sonntag, nachmittags 2Vs Uhr, veranstaltet ber Gau 9 des R e i ch S b u n d e s für KriegS-
frieten. Tas ist nicht Schuld der Lerckwirte, fon*f dem ber Regierung.
Abg. Wurm (ll. S. P.): Au'gehetzt vorn Landbund und Großgrundbesitz weigern sich te.t auch Die kleinen Bauern, abzul Lesern. Die Der- b'aüchcrlommrssionen müssen' das Recht erhalten, auch die Ersenbal-nwaggons und die Windmühlen zu kontrollieren, in denen vieles Derborben roirb. Die Zwangswirischasi ist ein iwtroenbt^ Uebel, solange ber Bedarf größer ist als das Angebot, 1 Solange wir keinen freien Markt haben. Dre Sanb* ci-eter müssen Schulter an Schulter mit txm Jndustricarbritern kämpsen.
Damit schließt die Debatte über die beiden Ernährungsinterpe lationen und den Antrag Blum betreuend Frostschäden süc Hackfrüchte. Der letz- tere wird mit einem Abänderungsantrag ^rn* ftabt und einem Antrag Löbe betreffend Beschleu- nigung ber laickwirtschasisicheu Tarifverträge an- genommen. _ , t ,
ES folgt die dritte Lesung der ReichSabgaben- 6timybg Dr. Düringer (D.-N.): Der Gesetzentwurf ist ein die Reichsvermsiung ab änderndes Gesetz Wir beantragen deshalb bei der Abstimmung über das Gesetz, baß diese in d<m Formen vor ftd) gdTt, die rttr die Ber as^nngSänderurff vorgesehen sind. Bon einer Weiterführung der ünan- zi-llen Rettung unseres Vaterlandes seit dem Smnmer, von welcher der Abg. Wirth gesprochen hat, ist keine Rede. Wir haben nach wie vor die schwerste'^ Bedenken argen den Gesetzenttrnrrf. Wir finden ihn unpolitisch und unmoralisch. Der Entwurf enthält die schärfsten Bestimmungen geaen Schel-erei und mü/elofen Gewinn, aber bte Zu- fallSgewinne von Millionen, welche die Spar- Prämienanleihe verheißt, werden boppn nicht betroffen Die Steuerunmoral fördern Sie mit btciem Geietz, nicht die Steuermoral. Wir lehnen das Gesetz ab. (Beifall rechts.)
Rrichsminister Er zber ger: Weder fach- «ch noch sachlich tonnte aeaen den Gesetzentwurf, wie er aus dem Ausschuß hervorgegangen ist, etwas Wesentliches vorgebracht werden. Tas bedeutende Werk ist ein Schritt zum Einheitsstaat. Das ist von Anfang an mein Programm gewesen. Das deutsche Voll geht an der Zersplitterung zu- «runde. lBrisall links.) Haben Sre denn in Preußen die Wünsche der Rheinländer beiricbtgt? Woher kam in Sübdeutschlaird die Opposition gegen Has alte Preußen? lLärm rechts, Zusttmmnng bei der Mehrhit ) Die verkehrte Gewaltspolrtrk Preußens bat die Opposition hcrvoraeru.en. (Lärmender Widerspruch rechts.) Die Folgen des alten Sn st em s mußten eintreten. Wenn Sre dafür die jetzige Regierung verantroortlich machen, so ist das Heuchelei! (Lärm rechts. Präsident Fehrenbach . bittet um eine gewisse Ruhe und. rügt bte beleidigenden Zurufe und die belribtgen->e Antwort des Ministers.) Es ist völlig unlogisch, mir zuerst au große Zentralisation vorzmverfen, mich aber dann yi tadeln, daß uh du einzelnen Finanzminister zu Präsidenten der Finanzämter gemacht habe, denn das ist eine Konzession an die Dezentralisation. Es ist im begleite lich, daß ein Jurist gegen eine einheittiche Steuerpolitik und ein einheitliches Steuerrecht im Rerche sein kann. Das ist gegen jedes Interesse d-s Steuerzahlers. Ich bin angenehm überrascht, daß die Teutsch-notionale BolkSpartei sich jetzt mit einem Male zur Hüterin ber Verfassung mirwint, die sie bis jetzt verworfen hat. Ter Arttkel 84 trifft nur für den Fall zu, dast feine besondere Gesetze erlassen werden. Nun werden wir aber besondere Gesetze erlassen Wso entfällt ber Artikel 84. Wir haben und nicht skrupellos über die Lerfasfwig hinwegseietzt. Das verbitte ich mir. Tie Finanzminister ber Einzelstaaten, die Präsidenten der LandeSsinanz- amfer sind, sollen nicht zweien Herren dienen, sondern nur einem: dem deutschen Volk! Diele Interessengegensätze konstruieren nur S« (nach rechts) Freilich haben Sie immer solche Politik betriebe. Die Prämien-Sparanleihe soll unmoralisch sein. Glaubt ber Vorredner mit seiner Kritik dem deutschen Volke M nutzen, jetzt da die An- leihe alrsgeschrieben ist? Waren Sie denn immer so moralisch bei der Lotterie?
Abg. Kempkes (T. Dpt): Bedenlllch ist die autzerockentlichc Machtfülle, die daS Gesetz dem Reicl)Sfinanzminister rinräumt. Tie Abgg. Katzenstern (Soz.) und Pohlman n (Dem.) stemmen dem Entwürfe zu. Abg. Dr. Delbrück (T.-Ntl.): Die Politik, die hier getrieben wird, führt zu einer unheilvollen Zentralisation. Minister Erzbergcr wendet sich nochmals gegen die Vorwürfe ber deutschnationalen Partei. Wer im Glasixruse sitzt, soll nicht mit Steinen werfen! Rach weiteren Aeußerungen deS Abg. Schulz
SitzttnS der -ta-tveeordneten.
Gießen. 28. Shft
Zur gestrigen Beratung batte sich eine grafe Anzahl dringender Angelegensten gehäuft, « durch die längere Erkrankung deS Oberbürgermer- sters die Geschäfte oerzö^rt wurden. Wie wir hören, ist der Oberbürgernreister so ntil wieder hergestellt, daß er von nächster Woche an seine Tätigkeit wieder aufnehnten kann. Gestern führte nock Beigeordn. 5sirenzren den Vorsitz.
Eine dringende Jnterpellanon der Unabhän- eigen, wie die Stadtverwaltung die Dcivassnung eines Teiles der Stürmten durch die R ichsivehr rüefgängig machen wolle, wurde zur nächsten Beratung verschoben.
Einschneidend ist eine neue Fa hr Preiserhöhung ber Straßenbahn auf mm mehr 20 Pf 6 Zahlmarken kostrn 1 Mk, em Monatskarte 15 Mk. Größ-re G plckstü^ 60 Pf S hr *n begrüßen ist es baff gen, daß sämtlichen schioergehfähigen Kriegsbeschädigten frreifabrfdrten ausgestellt werden sollen.
Bei einer Beratung über die tlebematmie der Kosten für die KriegSge'aniienenl>eimrel)rstelle and Gewährung einer Beihilfe für heim gekehrte Gießener erfuhr man zum ersten Male, daß sich etwa 250 Gießener in Okfangenfdxnt bestmtvn, von denen etwa 70 zurückgekehrt sind.
Ausführlich besprochen wurden die neuen Maßnabmen zur Behebung der Wohnungsnot, die tief in die Gewohnheiten und bisherigen Rechte der Vermieter und Mieter ein- »reifen. Wir verweisen an dieser Stelle aus bflt Sitzungsbericht, aus dem Einzelheiten zu erfe-en sind.
Sehr zu recht wurde nach Schluß der Tagesordnung der Stadtverwaltung der Dorwuri ab macht, baß sie nicht genügend Hol» bade schlagen lassen. — Auch die Milchoersorguag wurde einer berechtigten Kritik unterzogen.
tcilnehmer, Krieasbeschädiate und Kriegs- Hinterbliebene in der Gastwirtschaft von Hern- riet) Wiesner eine öffentliche Kundgebung, bei der Herr Eichinger- Frankfurt a. M. über „Die Leidtragenden des Krieges und ihre Lebensbedingungcn" sprechen wird. Eine öffentliche Ausspraä>e sckstießt sich an.
Kreis Schotten.
ed. Eschenrod, 26. Rvv. Zn der letzten Nummer unseres Gemeirrdeblattes wurde als Ehrung der 14 gefallenen Eschenroder Kri/ger dteStiftungzweierGedächtnis- glocken annertfft. Tie am Totensonntag durch erwachsene Qfcmeintegt teber vorgewommtene Haus-- sammlung hatte folgendes Ergebnis: Wilh. K u n - fcl und Frau ftirteten die eine Glocke, für bte andere Glocke wurden von 125 Gebern 15 000 Mk. « zeichnet. Auf jeden Geber entfallen im Turch- schnitt 120 Mark. Für eine neue Orgel wurden am gleichen Tage namhafte Beträge in Aussicht gestellt.
Kreis Friedberg.
sw. Friedberg, 26. Nov. Eine Vorstands- und Aufsichtsratsitzung der Ober- hessischen Milchzentrale richtete eine Eingabe an die Landes-Milch- und Fettstelle in Dorn,stabt, in der sie darauf hinweift, daß die Preissteigerung für Futter und die hohen Löhne viele Landwirte veranlassen, die unrentable Rindviohhaltuna aufzugoben. Die dadurch verminderte Milckerzeugung könne nur durch eine erhebliche Milmpreiserhöhung auf mindestens 1 Marr pro Liter, frei Ber- wendungsort, verhindert werden.
Hessen-Nassau. Hochkonjunkmr.
= Frankfurt a. M., 27. Nov. Mehr als 60 Einbruchsanzeigen von der vergangenen Nacht liefen heute bei der Kriminalpolizei ein. Don dieser Fülle soll nur folgender Blütenstrauß gezeigt werden: Logereinbruch Neue Mainzer Straße für 60 000 Mark Lederwaren, Lagereinbruch in der Kai- sersttoße für 20000 Mk. Leder, Geschäftseinbruch in der Jahnstraße für 20000 Mk. Wollsachen, Wohnungseinbruch im Mittelwea für 8000 Mk. Reichsanleihe, Lagereinbruch in der Mainzer Landstraße für 10 000 Mk. Leder, WohnungSeinbruch in der Dogelge- sanagasse für 4M0 Mk. Wäsche, WohnungSeinbruch in der vadergasse durch den eigenen Sohn 3000 Mark Bargeld, DvhnunaSeiltbruch in der Rotteckstraße abends zwischen 8 und 10 Uhr für 40000 Mk. Wäsche und Silber, Lagereinbruch im Westhafen für 40 000 Mk. Wein, Aellereinbruch in der Tertorstraße für 2000 Mk. Kupfer, Wäfchediebftahl von offener Straße im Westend für 10 000 Mk., Ladeneinbruch in der Ludwigstraße für 3000 Mk. , Zucker und Ladeneinbruch in her Kaiserstraße . Zigarren, deren Wert noch nicht eingeschätzt wurde.
Beginn 5V4 tTbr.
Anwesend sind bte Beig. Krenzien und Rosenberg sowie mit Ausnahme von Edel und Gmeltr. 40 ©fabtoerorbnete.
Zu UrkundSoerionen wurden gewählt Stedtv W i n n und Vetters.
Dor Eintritt in die Tagesordnung wendet fW Stadtv Michel gegen bte Kritik bc4 „Gieß Anz." an ben Berbanblungen ber Stadtverordnetenversammlung, die nicht ba*,u beitrage, da' Ansehen bei Parlaments zu erhöhen.
Stadtv. Vetter- <Soz.) bemerkt, daß ri das gute Recht Herrn Michel- sei, Kritik an br Kritik zu üben. Ob die Versammlung durch dv Stritif der Presse berabgemiitdert werde, stelle r dahin Jeden.'all- rönne sich die Prrsie keine Vorschriften machen lassen, wie sie die Verhandlung des Parlamente- beirrt eilen wolle.
Beig. Krenzien macht Mitteilung von verschiedenen Anträgen, die nicht mehr auf die Taatv orbmmg gefetzt werden konnten und den »ns* schüssen übemne en wurden, darunter einen Antrai Ttaumann, sämtliche Frauen des Pnr'amentes sozialpolitischen Ausschuß hinmmwählen und oc. deutschen VollSvattei die Dohnung^feputano. durch einen Vertreter deS Hausbesr^ roerrrns un des StudentenauSschus es zu erweitern.
Eine Interpellation der U. S. B , .wie de Stadtverwaltung geben 5c die Bewannvni leine# Teiles ber /?c D 5 c •l!1 J I tüdg4nflifl zu machen» wird nach uu
zcmbcr und Januar je rin Autoren-Abend vor- aesehrm ist. So hat für Freitag beit 5. Dezember Albert H. Rausch (Frtedberg) einen Vottra^S' Abend au5 eigenen Vterken zugesaft, während |ür Ende Januar Kasimir E d s ch m i d t (Darmstadt) alS Autor gewonnen ist. Der Rausch-Abend findet im großen Lörsaal der Universität abends 8>/« Uhr (pünktlich) statt. (Definung des Saales, ber geheizt ist, nach 81/» Uhr.) In Hinsicht daraus, daß die Zahl der diesmal zur Ausgabe kommenden Sintrittßtarten eingeschränkt werden muBte, ist es für unsere interessierten hiesigen dürrahrr- freunde geboten, sich frühzeitig für Plätze zu sorgen. (Näheres siehe An-esi»e.)
** Katholischer A ka de m i ker- An s- schuß der Landesuniversität. Gestern abend sand im Saale des Felsenteller bet erste Vortrag deS Jesuiteiwater Lippert- München über daS Thema „Religion der Vorzeit pno ber Neuzeit" statt, zu dem ber .sisiath Mademikri-AuS- schuß" cmgelaben batte. Pater Lippert führte etwa Folgendes au3: Wir stehen am Ansanse einer neuen ungewissen Zeit. Die stellt sich das Cbristcn- i tum zu dieser neuen Zett? Er schilderte ein* I gehcud die Kräfte, Die ber christlichen Religion em-
2tu» Sta't un» Can». Gießen, ben 28. Nov. 1919.
Das Adreßbuch der Stadt Gießen 1920
st heute erschienen und wird den Bestellern zum Preise von M. 8.— nebst 10 Prozent Teuerungszu. W Q QA zugestellt. Ohne schlag,also zu ♦H*OeOV Dorausbestellung wird das Adreßbuch zum Preis von M. 10.— in unserer Geschäftsstelle, 5chulstr.7, abgegeben. Srühl'sche Univerfitäts - vuch- und Steinörudevei • R. Lange.


