169. Jahrgang
Erstes Natt
Lauterbach, 28. Oht Am Sonntag den
25.
Aus dem Baltikum
»
für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold 3ens; für den 2Xngeifleiüeil: u. 'jjed; sämtlich in Hieben
Rechtsparteien die Schuld auf die in der Regierung stehenden Parteien und auf die Juden abzuwälzen Unter dem ständigen Hinweis auf den Unterschied der Verhältnisse von vor dem Kriege und den angeblich durch die Revolution — in Wirklichkeit aber durch den verlorenen Krieg geschaffenen Zustände - fummelten die Rechtsparteien unter den Massen der politqd unreifen Kinder Anhänger für ihre Plane. Was den Dauernstande not tue fei eine auf den Wiederaufbau Unseres Staatswesens gerichtete, von Verhetzung freie Bauernpolitik, die auf das Wohl der Allgemeinheit aller Dolksglieder gerichtet sei, eine Seiu.svertrctung des kleinen und mittleren Bauernstandes. Diese fänden sie nur im Deutschen Bauernbund, der nicht wie jener die Geschäfte des Bundes der Landwirte, also die der Großgrundbesitzer, vertrete. In der darauf folgenden Aussprache fanden die Ausführungen der drei Redner allgemeine Zustimmung.
Als dritter Redner sprach Pfarrer Weidner- Ober-Lais üben Die Bewegung des Hessischen Bauernbundes und den deutschen Bauernbund. Die unverantwortliche Hetze der Agitatoren für den Hessischen Bauernbund gegen die jetzige Regierung, so führte er aus, durch deren Der- langefrnad) Beseitigung der Zwangswirt-chaftund völlig entstellende Auslegung des Landgesetzes, unter dem Hinweis, daß den Bauern alles Land genommen und sie zu Pachte.n und Sklaven des Staates gemacht werden sollten, sei nur darauf gerichtet gewesen, die an sich freiheitlich gesinnte Bauernschatt in das Lager der Reaktion hinüberzuziehen. Die Weigerung der Ao- lieferungspflicht eines großen Teils, namentlich der Wetterauer Bauern, sei nur die Folge dieses unverantwortlichen Treibens und geradezu ein Verbrechen an unserem so schwergeprüften deutschen Volke. Für ihre durch den verlorenen Krieg am Vaterland be- ganqenen schweren Verkündigungen suchten jetzt diese
Nr. 252
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Sin Unabhängigenführer als Schleichhändler.
Mannheim, 27. Oft. Der bekannte Führer der unabhängigen sozialdemokratischen Partei in Vaden, der Gastwirt Seizinger, soll gestern nach einer Meldung, die wir im Frkf. Gen.-Anz. lesen, in Baden-Baden wegen Schleichhandels verhaftet worden sein.
einem einleitenden Vortrag begründete Rechtsanwalt T h u r n die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der Ortsgruppen und Vertrauensleute des Kreises Lauterbach zu einem Kreisverein, worauf ein diesbezüglicher Antrag einstimmig angenommen und ein Satzungsentwurf gutgeheißen wurde. Die hierauf vor* genommene Vorstandswahl hatte das folgende Ergebnis: Hauptlehrer Kinkel 1. Vorsitzender, Bürgermeister Gans-Crainfeld 2. Vorsitzender, Lehrer Stern Schristführer, Fahrradhändler Romer kassier, Lehrer Schmidt-Dirlammen und Krast-Wallenrod Beisitzer. Zu Vertretern des Provinzialverbandes wurden Hauptlehrer Kinkel, als dessen SteUvertreter Lehrer Reibeling bestimmt.
Hierauf sprach Parteisekretär Heller- Gießen über: Wie begegnen wir am besten einer neuen Revolution? Was uns not tue, sei vor allem: unermüdliche Aufklärungsarbeit in politischen und staats
hingen zwischen General v. Gderhardt und der litauischen Regierung über^ Schaffung einer neutralen Zone längs der für den Abtransport der deutschen Truppen im Baltikum zu benutzenden Eisenbahnlinie haben dazu geführt, daß sich die litauische Regierung mit der von deutscher Seite vorge- schlagenen neutralen Zone einverstanden erklärte. Das innerhalb der neutralen Zone gelegene Gleisdreieck bei Wielze, das zur Aufrechterhaltung der Verbindung mit der Bolschcwistenfront für die litauische Armee von großer Bedeutung ist, wird durch litautsche Jnfanterie-Postierungen in Hochstarte einer Zkompagnie gesichert werden.
Aus Hessen.
Aus der bem2?ralischcn Partei.
Die Familie des ehemaligen Kaisers.
Rotterdam, 27. Okt. (WTB.) Nach dem „Nieuwen Notterdamschen Courant" reist Prinz August Wilhelm am Dienstag wieder aus Amerongen ab. Heute trifft ein anderer Sohn des vormaligen deutschen Kaisers zum Besuche seiner Ellern in Amerongen ein.
Einziehung des Kaisersilms.
Berlin, 27. Okt. (Priv.-Tel.) Der „B. I. a. M." zufolge ist dem Anträge Kaiser Wilhelms auf Einziehung des Kaiserfilms, da eine Verletzung der Rechte des Kaisers an seinem Bilde vor- hegt, stattgegeben worden. (Ein Strafverfahren schwebt in dieser Sache nicht.
Dienstag, 28. Moder sW Annahme von Lnzeiges 1. die Lagesnu.mnec dis zum Nachmittag vorher ohnejedeVerbindlichkei» preis für l mm höhe für Anieigenv.34mmVre:1'. örtlich 15 Bk-, auSioärB 18 Pk., für Reklame- anzeigen von 70 mm »reite 48 Vs. Bei Platz- vorschriü20°chAuischlag. $)auptjcf)riitleiter. Slug. Goe >. Verantwortlich
uns aber die Entente nicht genügend Stosse läßt, um unsere Industrie zu ver,orgen, so Können wir nichk zahlen. Fährt Frankreich in nervöser Hast in unseren begonnenen Aufbau hinein, so schadet es dadurch auch sich selbst. So ist auch die Ostseesperre nicht bloß uns zum Schaden und löst Haß und Erbitterung aus.
Abg. Hoch (S03.): Auch wir wünschen, baß uns die Entente genügenden Spielraum zum Leben läßt, aber wir mahnen dringend, daß es nicht wieder im Innern zu einer Ausbeutung des Volkes durch wenige Begünstigte kommt. Bei Aufhebung der Zwangswirtschaft kommt überall eine Preissteigerung zutage, die uns zu Grunde richtet. Die Hauptsache ist die Rücksicht auf das Wohl der Allgemeinheit. Die Regierung muß dabei unterstützt werden. Vor den Agrariern wird direkt zu aktiven Widerstand gegen die Regierung gehetzt. Wir werden die schweren Zeiten nur dann überstehen, wenn di« Regierung mit starker Hand die Widerstände be- seittgt.
Abg. Dr. Braun (Zentr.): Das Ministerium soll praktische Wirtschaftspolnik treiben und müßt« sich in drei Gruppen gliedern für Landwirtschaft, Ge- werbe und Handel. Die Vorsteher dieser drei Ao tcilungen mußten Fachmänner sein, einander gleichberechtigt sein und den nötigen Einfluß auf die Ge- famtpolitih haben Die Landwirtschaft hat im Ministerium zurzeit sicher nid)t die genügende Vertretung, Für Handwerk und Kleinhandel müßten besondere Abteilungen geschaffen werden. Die stattstischen Aufgaben und andere konnten den Universitäten überlassen bleiben. Die volkswirtschaftliche Abteilung könnte eingeschränkt werden.DieZniangswirtschaft muß abgebar.t werden, wo sic unwirusam ist wie bei dcr Landw ..- schaft. Es bleibt nur c 11 Weg übrig: Die fach.-
Vorbereitungen zu einem neuen Umsturz?
Berlin, 26. Ott. In einem Vortrag über das Tchrnna: „Ter FriedenSv-ertrag' intb seine Wirkung auf dir inneren Unruhen" führte der Kommandeur des Schutzregiments Groß- Berlin, Major v. H c e r i n g c n, u. a. aus: Es seien zahlreiche umstürzlerische Kräfte am Werk, um durch einen eücheitlichen Schlag das zu erreichen, was bei den verzettelten Putschen bisher nicht erreicht worden wäre. Eingehendere Ausführungen behauptet der Redner nicht machen zu können, da die Wände Ohren hätten. Es bestände der Plan, die umstürzlerischen Kräfte straff zu organisiereren, und und cs könne die beschämende Tatsache festgesiellt werden, daß man auf der Gegenseite frühere Kameraden treffen würde. Der Gefechtswert dieser neuen roten Armee, die insgeheim schon bestände, dürfe nicht unterschätzt werden. Die Organisation kranke lediglich daran, daß sie verborgen bleiben müffe. Für Berlin kann man mit einer hohen fünfstelligen Zahl rechnen, die sich im Falle eines Ausstandes erheblich verstärken würde. Es beständen zwei Organisationen unter dem Namen „Revolutionärer Matrosenbund" und „Kampfabteilung dcr klasscnbrwußten Arbeiter ", die beide ihre Zentralen in Berlin hätten Van der letzteren gäbe es in Berlin bereits 22 Abteilungen, von denen einzelne sogar über Panzerautos verfügten. Es handelt sich hier um emwandssrei feftgefteClc Tatsachen. Die Regierung habe ihre Gegenmaßnahmen getroffen. Die Zeitfreiwilligen-Organisation von Groß- Berlin bestände aus auserlesenen Truppen und sei derart zusammengesetzt, daß eine Aufrechterhaltung der Ordnung verbürgt sei.
Die unabhängige „Freiheit" veröffenllicht den wörtlichen Text eines Berichtes dcsReichswehrgruppen- kommandos 1 in Berlin über die Lage im Innern am 10. Oktober 1919. Darin heißt es u. a.: „Die Organisation des Umsturzes ist gut. Die Kommunisten, die U. S. P. und der linke Flügel der Mehrheits- fozialisten sind daran beteiligt. Eine gewiffe Spaltung der Ansichten über die Mittel zur Erreichung des allgemeinen Zieles der Herrschaft des Proletariats ist unverkennbar. Die radikalen Elemente streben den Aufruhr an und schreiten auf dem Wege dazu planmäßig vorwärts. 3m Volk und in der Reichswehr wird für die „Rote Garde" und ihre Dewaj.nung nnb Munitionierung geworben. Äampforganifationen und Mörderzentralen werden geschaffen. Jedes Mittel ist recht. Der Verlauf des Metallarbeiterstreiks hat erneut bewiesen, daß die Macht des Terrors gegenüber der geringen Widerstandskraft der ruhigen Arbeiter noch lange nicht gebrochen ist. 3m ganzen ergibt sich, daß sowohl mit der Möglichkeit des Aufruhrs wie auch mit dem Generalstreik weiter gerechnet werden muß. Für den bewaffneten Putsch liegen Anzeichen im Augenblick nicht vor. Die Ausruhrbe- ftimmungen liegen fest. Die Durchführung des (Bene» ralstteiks nach für das ganze Reich geltenden Richtlinien ist in SlrbeÜ.
Die Führer sind sich ihrer Aufgabe wohl bewußt. Schweres lastet auf ihnen. Bei den Truppen steht es nicht so aus, wie es sein muß und wie es jein, könnte. An vielen Orten sinkt der innere Wert der Truppen, nicht durch Verhetzung, sondern dadurch, daß gerade die besten Leute gehen. Den besseren Elementen wird es verhältnismäßig leicht, Arbeit zu finden. Die schlechteren bleiben, und bei weiterer Entwicklung auf dieser Linie wird das Heer zum Sammelpunkt von Arbeitslosen und Gesindel."
Zum Schluß dss Dokuments wird eine Reihe von Vorschlägen zur Abhilfe der Zustände in der Reichswehr gebraucht, so u. a. weit bessere Versorgung der Truppen in Verpflegung und Besoldung, Bekleidung und Unterkunst größte Vorsicht im weiteren Ausbau des Heeres. Mtt allen Mitteln sei die Erhaltung des Heeres in einer Stärke von mindestens 250000 Mann zu erstreben. Schuh der Uniform, weitgehendster Schutz der Soldaten, dcr Zeitfreiwil- ligen und Einwohnerwehren gegen Beleidigung, Angriffe und Boykott, rücksichtsloser Kampf gegen Verhetzung in Wort und Bild, rücksichtsloser und sofort aufzunehmender Kampf gegen die Führer der fioni; munisten und Unabhängigen und ihrer Mithelfer (Geldgeber) und künftiger Abbau der Arbeitslosengelder. Alle diese Maßnahmen werden wirksam nur bei der Erklärung des Kriegs- und Belagerungszustandes durchgesührt werden können. Unterzeichnet ist das Schriftstück von dem Chef des Generalstabs Generalmajor von Oldershausen.
teiligt werden. Wenn wir unserer Industrie nur Rohstoffe geben können. Daher wird die Regierung allen politischen Streiks der Bergarbeiter scharf ablehnend gegenüberstehen. Das Ausland bewundert die (Energie unserer Industrie. Wenn
Das künftige deutsche Yen.
D e r I i n, 27. Oktober. (Wolff.) In der heutigen Sitzung des H a u s h a l t u n g s a u s ch u s s e s der Nationalversammlung teilte Relchsminisler Noske zum Etat des'Reichswehrministeriums mit, daß der jetzt vorliegende Etat lediglich ein Uebergan g se t a t sei. Am 1. April würden wir erst einen <Etat ausstellen, der die künftige Reichswehr umfaßen wird. Bei Beurteilung des vorliegenden Etats dürfe man nicht vergessen, daß wir uns an die Vorschriften der Entente zu halten hätten, die un» erträglich demütigend und entwürdigend seien, lieber die Zusammensetzung des Ueber» oangsheeres wurde seitens des Wehrmmisteriums folgendes mitgeteilt: Innerhalb dreier Monate nach Inkrafttreten des Friedensverttags müffe die Stärke des Heeres auf 200 000 Mann und ab 1. April 1920 auf 100 000 Mann zurückgeführt sein. Den zu bilbenben sieben Infanteriedivisionen des Heeres ent- sprechend, ist das Reichsgebiet ab 1. Oktober 1919 bereits in folgende sieben Wehrkreise eingeteilt worben: 1. Ostpreußen, 2. Pommern, Schleswig- Holstein und Mecklenburg, 3. Schlesien, Brandenburg . JP.°fen» 4- Provinz und Freistaat Sachsen und
Teil von Thüringen, 5. Thüringen, Hessen, Ba- oen und Württemberg, 6. Hannover, Westfalen und das Rheinland, 7. Bayern. 3m Rahmen dieser (Ein* tcuung des Reichsgebietes für das endgültige Friedenheer erfolgt auch die Aufstellung des Heeres von 200 000 Mann (Uebergangsheer). Das Uebergangs- heer besteht aus 20 Reichswehrbrigaden. Don den 20 Reichswehrbrigaden entfallen im allgemeinen auf jeden Wehrkreis zwei. - Die Reichswehrbrigaden unterstehen territorial den Wehrkreiskommandos, fit Truppenführung und -ausbilbung den vier Reichswehrgruppenkommandos dss Uebergangs- heeres. Es liegen: Reichsgruppenkommando 1 h Berlin (Wehrkreis 3 und 4), Reichswehrgruppen- hommanDo 2 in Kassel (Wehrkreis 5 und 6), Reichs- vrehrgruppenkommando 3 in kolberg (Wehrkreis 1 1Mb 2) und Reichswehrgruppenkommando 4 in München (Wehrkreis 7). Es sind grundsätzlich in jeder Dttgare folgende Verbände vorhanden: zwei Infan- t*neregimenter,ein Kavallerieregiment und ein Pionier- butaUlQB.
General-Anzeiger für Gberheffen
ZrvrMffgrrunddruck «. Verlag: VrShl'sche Univ.-Buch- u. Sleirrdruckerei R. Lange. Zchristleitung, Geschäftsstelle «.Druckerei: Zchulftr. 7.
Vie Wahrheit über die Zustände in Argentinien.
Die Neichszentrale für Heimatdienst bittet uns um Aufnahme des folgenden Brieses, den ein seit dem Jahre 1913 in Argentinien tätiger deutscher Ingenieur seinen Berwand- tcn unter dem 14. 7. 1919 über die in Argentinien herrschenden wirtschaftlichen und rechtlichen Zustände schreibt:
„Die Aussichten hier für einen ehrlich arbeitenden Menschen sind mfferabel. Ls kann in Deutschland gar nicht genug Reklame gegen eine Auswanderung nach Argentinien gemacht werden. Man lasse sich nicht täuschen durch Schreier, die möglichst viel hierher locken möchten. Der Prozentsatz der berufsmäßigen Faulenzer ist hier außerordentlich groß. Lin Land, wo nicht gearbeitet, sondern nur l alku- liert wird, kann niemals hoch kommen. Wo soll das Geld Herkommen, um den Scharen der Nichtstuer Das glänzende Leben zu ermöglichen? Der Einwanderer muß cs bringen, er ist dcr Leidtragende, er verkett sein Geld, er hat zu arbeiten und muß es, weil er die Unzahl von Gaunerkniffen nicht kennt, um mit Erfolg den Dummen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der Dumme war immer* der Deutsche, weil einer den andern nicht stützt als Schuh gegen Engländer, Nordamerikaner, Italiener, Franzosen, die unter sich Zusammenhalten. Ein Deutscher bekämpft immer den andern. Sollte einer sich trotzdem nicht abhalten lasten, dann soll er nur soviel Kapital mitbringen, damit er wieder zurückfahren kann. Diele gehen elend zugrunde, weil sie nicht mehr fort können und nicht in der Lage sind, die nötigen Ersparnisse zu machen.
Man laste sich nicht täuschen durch schöne Gesetze. Alles Papicrfehen. Rechtsschutz besteht nur dem Namen nach. Ein Heer von Advokaten wartet nur darauf, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wenn dieses alle ist, ist der Prozeß zu Ende. Am 1 ch l im m st e n find die Kleinbauern daran. Wenn Urnen Heuschrecken, Ueberschwemmungen, Sonnenbrand und Sanbftür nie überhaupt noch etwas -von der Ernte lasten, dann kommen die Engros- EinLäufer und setzen Preise fest, die den Bauer verzweifeln lasten. Da alle Feldfrüchte im freien lagern müssen, weil das Baumaterial für Schuppen viel zu teuer ist, so ist der Bauer gezwungen, jeden Preis an- zimehmen. Hat aber einmal einer „Amerika" gemacht, wie der Ausdruck für viel Geld verdienen heißt, und er renommiert in Europa damit, dann glaubt man drüben, das käme hier oft vor, und viele fasten den Entschluß, auszuwandern nach den Ländern, wo Milch und Honig fließt. O welche Enttäuschung, wenn sie trotz des besten Willens mit schwerer Arbeit unter schlechten Verhältnissen gerade das Leben friften können! Möge das gesunde deutsche Blut brüben bleiben und nicht andere verseuchte Rationen ausfrischeir.
Kürzlich stand übrigens in der Zeitung, daß sich ein hiesiger Film-Großhändler namens Max Vllicks- mann an schickt, Deutschland mit seinen Besuchen zu „beglücken". Er will eine Anzahl Films aus Argentinien drüben vorführen, um Propaganda für d i e Auswanderung zu machen. Es dürfte drüben weite kreise interessieren, daß dieser Unternehmer dem deutschen Namen unglaublich großen Schaden zufügte, indem er während der ganzen Kriegszeit und noch heute eine Unzahl der gemeinsten Hetzfilms gegen Deutschland und alles Deutsche lieferte. Es wäre empfehlenswert, dem Herrn einen gebührenden Empfang zu bereiten.
Deutsche Nationalversammlung.
109. Sitzung.
Berlin, den 27. Oktober.
Am Ministertisch: Schmidt.
Vizepräsident L ö b c eröffnet die Sitzung um lx/4 Uhr. Das Haus ist schwach besucht.
Fottsetzung der zweiten Beratung des Reichs- haushalts, Abteilung Reichswirtschaftsministerium.
Abg. Dr. B ö h m c r t = Bremen (Dem.) berichtet über die Ausschußverhandlungen.
Rcichswirtschaftsministcr Schmidt: (Es sind in unserem wirtschaftlichen Leben Anzeichen zur Beffc- tung vorhanden. In der Ernährungssrage haben wir von Beschränkungen Abstand nehmen können. Das Brot ist besser geworden. Die Landwirte können mehr Kleie zurückbehalten.EineVermehrung derSchweineauf' zücht würdeunsere mäßige Kartoffelernte gefährden. Aus dem Gebiete der Diehäblieferungen habe ich Beden- Ken gegen scharfe Maßnahmen. Wir werden ver« suchen mästen, in ausländischem Fleisch Ersatz zu finden. Die Hemmungen in der Kartoffelbelieferung liegen neben der schlechten Ernte in den Transport- vcrhältnisten. Holland und Polen werden uns Kar« löffeln liefern. Ls mästen kohlen für die Margarinefabrikation bereitgestellt werden, bamit die Rationen beibehalten werden können. Wir sind bemüht, die wilde konkuttenz in Lebensmitteln durch zentralen (Einkauf im Auslande zu beschränken. Die l1/, Milliarden zur Preissenkung sind ver- braucht. Für den kommenden Winter haben wir die Preise bis Ende des Jahres fest in der Hand, für Fleisch bis Mitte Januar. Die Gemüfeoersorgun; ist noch beftiedigend, wenn auch die Preise hoch sind. Mit norwegischen Heringen sind wir bis März reichlich eingedeckt. 'Petroleumverteilung ist in Aussicht genommen. 3m allgemeinen ist die Versorgung erheblich bester geworden. Wenn wir durch Steigerung der Ausfuhr Devisen in die Hand bekommen, werden wir noch größere Einkäufe tätigen können. Amerika und Norwegen haben auch Lebensmittel gespendet. Ihnen sei dafür herzlichster Dank gesagt. (Bravo.)
Handel und Industtie bieten ein anderes Bild. Die Einfuhr beträgt zur Zeit ein Fünftel der Frie, denseinfuhr, kostet aber 100 Prozent mehr. Die Ausfuhr steigt enorm. Sie beträgt jetzt ein Sechstel der Fried'ensausfuhr und hat den gleichen Wert. Di« Reichsstoffeinfuhr ist möglichst zu begünstigen. Staatliche Unterftütjung wird weiter nötig sein, freilich mit Berücksichtigung des Standpunktes der Konsumenten Eine Vorlage wird dem Hause zugehen wegen einet schnellen Verfahrens gegen den Wucher. Die Frage des „Loches im Westen" wird geregelt werden durch geeignete Kontrolle. Die Regierung wird wegen der Frage der Goldzölle im Westen energische Schritte tun.
Die Kohlenproduktion wird gesteigert werden durch Erhöhung der Belegschaften. Die Braunkohlen- förderung nimmt zu. Wrr werden aber den Personenverkehr noch mehr einschränken mässen, um den Güterverkehr aufrecht erhalten zu können. Die Arbeiterwohnungsfrage wird durch Baracken-
2lu$ dein Reiche.
Ter ilntersuchllngslUlSschttß.
Berlin, 27. Oktober (Wolff.) Der zweite Untersuchungsausschuß wird seine Tätigkeit am 31. Oktober mit der Vernehmung Bcthmann H 0 l l w e g s fortsetzen.
Haases Krankheit.
Berlin, 27. Okt. (Wolff.) Die „B. I. a. M." meldet: Dem Abgeordneten Haase wurde heute das verletzte Sein abgenommen.
Ter Auöillchmczilstand erklärt.
= Cassel, 27. Oktbr. (W.B.) Mit Wirkung vom 27. Oktober zwölf Uhr mittags verhängte der Reichspräfident auf Grund des Artikels 48 der Reichroerfassung in den Bezirken kreis Schleusing Landkreis Ohrdruf und Stadt Zella — TTleljlis den Ausnahmezustand. Der Grund sind Waffendiebstähle, Gewalttätigkeiten und andere, ungesühnte, ungesetzliche Handlungen. Truppen find an Ott und Stelle eingetroffen.
Die christliche ArbeiterLrisegmrst.
Berlin, 27. Okt. (WTB.) Zwischen Vertretern des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften und des Verbandes der katholischen Arbeitervereine, Sitz Berlin, fanben in den letzten Tagen Verhandlungen statt, die zu einer Einigung führten. Die gewerkschaftliche Zusammensetzung aller christlichen Arbeiter und Angestellten wird als gebieterische Notwendigkeit anerkannt. Die Gewerkschaft, die für die katholischen Arbeiter geeignet sein soll, muß ihren Mitgliedern die Möglichkeit bieten, die gewerkschaftliche Tätigkeit auch vom Standpunkte dcr Religion und Moral aus zu beurteilen und zu bcemfhtfien und dementsprechend zu handeln. Insbesondere Dürfen die Mitglieder nicht benachteiligt wer- den, wenn sie auf Grund religiöser Verpflichtungen nach aögemem maßgebenden kirchlichen Normen den Gewerkschaftsmaßnahmen nicht zusttmmen können. Gegen die gemeinsame Arbeitseinstellung an sich ist vom Standpunkte der Moral aus nichts einzuwenden. Sie kann aber durch Absicht, Umstande und MUtel verwerflich werden und die Arbeitseinstellung unter Anwendung ungerechter Gewalt ist zu verwerfen. Die sich vollziehende stärkere Bindung unserer Wirtschaft fordert die Bildung friedlicher Einrichtungen zur Regelung der Arbeitsverhältnisse, inbejonbere von gewerblichen (Einigungsämtern mit entscheidenden Vollmachten. Die Lösung der den Arbeitervereinen und Gewerkschaften gemeinsamen Aufgaben soll dadurch gefördert werden, daß aus Vertretern beider Organisationen ein Ausschuß gebildet wird. Die beiderseitigen Verbandsvorstände stimmen diesen Grundsätzen vor« behältlich der Genehmigung der Vettreterver- sivmnlungen ihrer Organisationen zu.
AUS vem -daittkUM. 5 bürgerlichen Fragen, Volksbildungsarbeit und Hebung
K 0 w n 0,25. Okt. (Wolff.) Die Verband- > brr gesunkenen Valuta der religiösen Ethik durch • • v «. . q Beteiligung am kirchlichen Leben.
Oktober s. nd im Lokal „Zur Burg" eine kreis- bau vorläufig zu lösen versucht. Die Bergarbeüer- cerfammlvng der Deutschen demokratischen Parir-genoffenschaften sollen an vem Wohnungsbau auf statt, die tTb'.j ter Bahnsperre gut besucht war. In siedlerischer Grundlage mit Mitbestimmungsrecht be-


