Ausgabe 
28.7.1919
 
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meine Ruhe, mein Leben. Können Sie leugnen, ba& Sie seit langer Zeit gelesen haben, tote es in meiner Seele aussieht? Nein, Sie können es nicht- Seit Ddonatrn wissen Sie eF, wie ich nur für Sie lebe, für Sic denke, für Sie atme, wie mein ganzes Denken darauf gerichtet ist. Ihr ßebeii in eine andere glückliche Bahn zu lenken, und mm kommen Sie und sagen plötzlich: ,-Jch brauche beine Hilfe nicht, Arne Lorenzen, ich habe mir durch eigene Kraft eine Stelle errungen, obne dich zu fragen, o^ijc deinen Rat zu hören. $d) bin nun frei und gehe meine Wege." War £> recht, Ragna? War das gereckt^

Ragrra senkte einen Augenblick tief das Haupt. Ter Nachtwind spielte mit bei blonden Löckchen, die sich unter der dunklen Kapuze Hervorstahlen auf Der weißen Stirn. D<rmr aber tyob sie die Augen furchtlos zu Arne Lorenzen auf.

Was ich tat," sagte sie fest,tat ich mit vollem Bewußtsein und in dem Gefühl, daß es recht war."

Doktor Lorenzen erblaßte, und ein trüber Schein legte sich über feine noch vorhin so flammen­den blauen Augen.

So hatten Sie kein Vertrauen zu mir? Zu mir, Ihrem emsigen Freunde."

Ragna lächelte, ein müdes, trauriges Lächeln, daS ihm in die Seele schnitt.

,Lch wollte Ihnen nicht wehe hm," sagte sie leise.

Mußte es sein, Ragna, mußte es sein?" fragte er erregt und griff nach ihrer Galten, kleinen Hand, sie in der seinen Pressend, als wollte er sie zerdrücken.

Es mußte sein, Arne Lorenzen, es mußte fein" wiederholte sie feierlich,beim unsere Wege müssen auseinander gehen."

Don Soutcrbrmuien tönte es herauf; ein dumpfer, banger Glockcuklaug

Mitternacht!" sagte Arne stehen bleibend, .Mitternacht! Bald wird die Smme dort bte Bergesspitzcn rosig umglühen, ein neuer Tag '.oird herauf Reigen, aber für mich wird es ewig und immer Nacht fein, Ragna, wcmr Sie mich gehen heißen."

ES tottib sein, mein Freund", gab Ragna leise zurück.Glauben Sie doch nicht, daß es wir leicht geworden ist, mich los zu reißen von der Freund­schaft, von dem Verkehr mit Ihnen, der bisher das einzige war, was mein einsames Leben er­hellte, aber wir müssen leider das Opfer bringen, nicht meinetwegen, sondern Ihretwegen."

Sie fliehen vor mir, weil Sir wissen, wie ich Sie liebe, liebe bis zum Wahnsinn, grenzenlos", sagte Ame Lorenzen leidenschaftlich, Ragnas beide Hände gegen seine Brust zrehend,unb weil Sie glauben, mich nie wieder Irrten M können. Jsts nicht so?"

SS ist fo", gab Ragna fast tonlos zurück.

3*n des Doktors Augen flackerte etwas wie Hosfrnmgsschein.Sie lieben mich nicht?" fuhr er hastig erregt fort, ,-aber Sie achten. Sie ehren mich. Sie sind mir freundschaftlich zugetan. Sie können mich also lieben lernen. O, lassen Sie mich um diese Liebe dienen, lassen Sie mich versuchen, diese Liebe zu erwecken, und ich bin überzeugt, daß nur gelingen wird. Vertrauen Sic mir, ' Ragna, vertrauen Sie mir Ihre Zukunft, Ihr Glück, Ihr Leben an. Nie will ich mit einem Gedanken mehr von Ihnen öerlangcn, als Sie geben können, aber geben Sie mir nur vor den Augen der Welt das Recht, Sie mein zu nennen, damit ich Sie schützen kann vor aller Un­bill, Sie halten rann in dein Kampf ums Dasein."

Nein, niemals!" rief Ragna fast entsetzt und I richtete sich stolz auf, so daß Arne erbleichend )n* rücktrat, während er mit bebender Stimme faste:!

Verzeihen Sie, ich vergoß, daß ich zur Grä­fin Svend bürg sprach, deren blaues Blut sich cnif- bäumt, wenn sich bte gemeine Hand eines Bür­gerlichen nach der ihren ausstreckt."

Gräfin Svend bürg?" Ragna lachte leise, fast verächtlich auf.Das, das glauben Sie, wäre es. was mich Sie Mrückweisen läßt? Nein, Arne So- renzen, auf einem so kleinlichen Standpunkte stehe ich nicht, so dürfen Sie mich nüfrt degradieren Gräfin Svenbburg? Was glauben Sie denn, was das ist? Nichts, sage ich Ihnen, als hohler Klang Meine aristokratische Geburt hat mir bisher den Kamps ums Dasein, den ich, wie jedes Bürger* kind, kämpfen muß, noch nicht erleichtert, im Gegen teil, sie war mir bis jetzt nur ein Hemmschuh für ehrliche Arbeit, die allein adelt. Nein, nicht weil ich zu hochgestellt für Sie bin, weise ich Sie rück, sondern weil ich zu uiedria, »u gemein da-

Werbung mmohme, muß rch Ihnen wehe tun, berat rch liebe Sie nicht kann Sie nie lieben, und wenn ich Ihr Weib würde' täte ich es nur, um mich für Brot, für ein Obdach xn verkaufen weil meine Kraft nicht mehr ai^ reiHt rum Lebenskämpfe Wollen Be mich .rRt noch zum Weibe?"

lcU>-nschMich- fe, rn den grauen 9(ugvn, eine Leidenfckaft, bte Arne mit Entzücken aber .«uch zugleich mit herbem Weh erfüllte.

Nein, Ragna," sagte er sanft, feine Hand ) ruur Segen auf ihre weiße Stirn legend, 5 Dürfen sich nicht verkaufen. Ern Mädchen wi-. kann wohl einsam stehen im Leben, aber ir .. teilt unb fleckenlos, es wird und darf niemals bnr. suh selbst erröten."

Lassen Sie uns umkehven, der Wind geht kühl, mir fried er ins Herz."

(Fortsetzung folgt)

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3wette§ Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag, 28. Jult l9fy

erlauben sich eine Sprache gegen ihn, wie fie dafür, daß unsere Bayern nicht wild werden. Das früher einfach unmöglich gewesen märe. deutsche Volk ist gegemvärtig krank, aber der So-

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diien objektiven Ausschuß ein, der die uns he­

tz, I. Äorfchentzu.

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Weimar, 26. Zickt. (WTB.) Die «bgg. Dr.

Fortsetzung 21.

ruck verboten.)

J n Sftunbe vergeblich harren.

s ,Zch verstehe Sie wirklich nicht, Herr Doktor," I L* rÄagita, itd) unwillkürlich höher aufrichtend.

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' p i ,Za," unterbrach Arne Lorenzen Ragna yes- Ä schulden mir auch etwas. Weine Seele,

Haufen werfen. Tanken Sie der unb Noske, daß sie sie vor dies, wahrt haben.

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ng et= ineblt i zmn ja. bei lustger ,9-

daten an einem deutschen Kaufmann h\angencn, Morde gefordert habe und wie sie sich der Gv- schädtgten anzunehmen gebatfe.

tot ovjettives Urteil. (Sehr richtig! rechts. Un- links. Abg. Keil (S^.) ruft: Angst haben

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das stärkere Angebot von Schweinefett aui bte Nachfrage nach Gänseschmalz drücken muß

lerschast zur Aufklärung. T « Illusion vor, daß der U-Boot-Krieg nt Koester Zeit den Frteden bringen könnte. Er selbst

zösischen HeeveÄcitung ÄufNürnng über den in Kaiserslautern von einem ftwrzöschchenSvl-

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Nt nicht anders gedacht. Auch die Mängel des Kvchben Nachrichtendienstes haben mit der Partei- lelitif gar nickstS zu tun. Selbst Sozialdemokraten

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Kafdonw oittM Carl Sch

ten an die Wirkung des U-Boot-Krieges, ine gerichtliche Behandlung würde aus dem welt- Achtlichen Erleben des deutschen Volkes ein ktakelstück machen. Stresemann sah die Frie- lresalution doch anders an als Erzberger, und Schaden^ den sie angerichtet hat, war, daß bn deutschen Volke den Glauben vernichtete, müsse, um den Krieg zu gewinnen, and halten.

iranzösisck)en Staatsmänner haben anders ge- öelt und jede Friebensbewegtmg im Volke er- idr. Clemenceau wird heute als der Retter seiner

DlenBUl aritt» ,wu jUteUederalK»

Äagna Svendburg

Roman von Annh Wothe.

Abg. Haase lUnabh. Soz.): Mr haben ge- ßt, baß wir Gegner Erzbergers sinb. Aber die ie, die z. B. jetzt Helfferichin der.Lreuzztg." i ihn reitet, macht stutzig Man will sich rachen n Mann, der durch Unterzeichnung de? F ie- vages den Plan der Va^anque-Spieler oer- vitte und jetzt schwere Steuern durchsetzen will. 5^ der Friede unterzeichnet wurde, ist ein Glück. Stil wären Tausende erschlagen, die Blockade neue Opfer- «fordert. Deutschland wäre lt worden. Herr Noske spielt sich als der Mann auf. Aber ini* Grunde genommen an beiden Händen gefeffdt unb die Offiziere

wie das neue. Es kommt darauf an, welche Geschichte machen. Der internationale , der Schiffbruch erlitten hat, ist nun auch Leitmotiv der äußeren Politik des Ministers ler. Gerade diese Politik der Völker Versöhnung hat zu den katastrophalen Enttäuschungen

, die wir jetzt erleben. Wir denken nicht an neue Rüstungen unb halten es nach Einnahme Friebensverirayes für unsere Pflicht, das zer- tc Frankreich wieder auszubauen. Alles Liebes- kn darüber hinaus kann uns aber nur als chelei ober Schwäck-e ausgelegt werben. Wenn ir and) der Regierung unser Vertrauen nicht aus- iirn können, so beabsichtigen wir boch nicht, negatitfe Politik zu führen. Dais «gilt auch imiere Halttnrg in der Steuerfrage. Wir en an her sozialen Gesetzgebungsarbeit teil­en und an der Uebenoinbung der Klassen- ätze Mitarbeiten.

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Nächste Sitzung am Al Juli fl UHr. Schluß 7 cklhr.

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Ein Antrag der Deutschen DockSprrrbei.

Weimar, 27. Juli. Die Fraktion der Deut- schon Volks Partei hat in der Nationalversammlung folgenden Antrag zu der allgemeinen polittschen Aussprache eingwracht: dir Reichs re gierung zur be­schleunigten Vorlage eines GesetzerrtwurseS aufzu- wrdern, durch den ein ans einigen teinem Parla­ment angehörenden namhaften Historikern und publizistisch geschulten Juristen zusommengiesetzte Ausschuß Mr Äusklärung der bte Entstehung, Füh­rung unb Beendigung des Krieges betreffenden Vorgänge mit den Aufträgen berufen wrrd, das gesamte amtliche Urkundenrnaterial nach objektiv wissenschaftlicher Methode zu orbneit, alle sachdien­lichen Erhebungen durch eidliche ZaugenDerNehnrun- igen und Akteneinsicht zu Pflegen sowie freiwillig angefotene Erklärungen Protokollartsch entgegenzu- nehmen, endlich ,seine Feststellungen unter 9hrtxni» tät der Reichsregierung alsbald der Oeffentlichkrü zu über geben.

»aus, warum wollen Sie mich berat nicht efcn? Wußten Sie nicht, baß ich Ihnen i iu sagen habe, baß ich es Jhiten noch beut: i mußte? Und doch lassen Sie mich Stunbc

deutsche Volk ist gegemvärtig krank, aber der So- ztalismus darf nuht als Allheckinittd verwandt werden. Wir finb arm geworden, aber durch Fleiß und Arbeit können wir wieder hoch kommen. Die Rechte verzichte auf ihre Macht Politik, die Linke, auf ihre Gewaltpolitik, damt muß sich ein Zusam­menarbeiten aus dem Boden des gesunden Men ichenverstandes ermöglichen lassen. Darm kommst toir auch wieder vorwärts.

Abg. L a n g w o st (Deutsch-Hamt. Partei): I» der inneren Politik hat es unsere Regierung un­geheuer schwierig. Sie hat es nötig, sich Freund e zu erwerben. Dazu bietet sich in meinem öeimQl* lande vor allen Dingen Gelcgenl-eit. Wir kärnpf«n für ein selbständiges Hammver, nicht für ein Königreich Hannover. Wir finb zwar nur ei/ne kleine, aber um so fester geschlossene Partei, bic zum Teil aus Fanatikern besteht, bie bereit fiitb.

Erklärung.

Im Auftrage bes Vorstandes des ReichSveretnL bentofratifdper Arbeiter, Beamten und s?Ingefte(Ttrr sollte eine Erwiderung auf den afferam Brie« bei Herrn Geh. Justizrats Metz in Nr. 167 bes Gvjv ner Anzeigers erscheinen, in ber wir uns mit den Ausführungen bes Briesschreibers in fast allen Punkten bis auf die Streiks nicht einverWmdm erklärten.

Nachdem nun Herr Geh. Justizvol Metz ui- zn-ischen feinen Austritt aus der Demokratischen Partei erklärt hat, erübrigt sich jede weitere Aus- einanderschuna^

Andreas Erhard,

Vorsitzender des Reichsvereins dcnvokratifcher Arb, Beamten und Angestellten (Ortsgruppe Gießens

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Reichswehrminister Noske: Die antisemitische iHetzc schätze ich als sehr gefährlich ein, weil es bei der Erregbarkeit vieler Menschen leicht zu Anv- fdireitimgen kommen kann Wo sich eine Handhabe bietet, wird zugefaßt werden. Jede antisemitische Treiberei in ber Truppe verurteile ich aus bas Ent- schrcdenste unb bin bagegen eingeschritten. Die Re- gierung hat allcrbings in ben letzten Ätimaten nicht immer ihr Dichren unb Tradsten aut Reformen unb Sozialisierungsmaßnahmcn richten können, weil ihre Kräfte für innerpolitische Kampfe in Ein­spruch genommen würben. Wenn bie deutschen Ar­beiter die Früchte der Revolution noch nicht ernten, so ist das dem ekelhaften Bruderkrieg in der Partei zu danken, der von Haase unb fernen Freunder« geführt wird. Am vorigen. Montag ist den Stuten in Berlin vorgeredet worben, toant sie aus bai Betrieben hinousgingen, so nähmen sie an einer Kundgebung bes internationalen Proletariats gegen ben Gkmaltfricben teil. In Wirllichkeit haben bie Franzosen, Italiener und Schweizer ben Streik ab* gelehnt. Deutschlanb bedarf der intensiven Arbeit. Aber was kümmert bas bic Leute, bie mit dem Schicksal Deutschlands unb der Arbeiter Schind-

Nachmittagssitzung am Samstag, 26. Juli.

Vizepräsident Dietrich eröffnet die Sitzung um 4.05 Uhr.

Abg. Eisenberger (Bayr. Bauernbund): Es ist gut, daß endlich Leute aus dem praktischen Leben an die Regieruicg gekommen sind. Wenn ber alte Obrigkeitsstaat nicht so faul gewesen wäre, bann hätte er nicht so rasch zusammenbrechen können. Nicht bie Revolution ist schuld an dem Zusammenbruch unseres Heeres, sondern die Zer­mürbung, die durch die Ungerecbtigkeüen zwischen dem gemeinen Mann und dem Offizier in das Heer hinein getragen worden, ist. Herr Minister Erz­berger! Gehen Sie mit den Steuern und der Monopolisierung nicht soweit, daß Sie den Glied­staaten gleichsam das Hemd auszrehen, sorgen Sie

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Wiemanb sah sie, lautlos verließ sie das Hotel, am schritt sie bie vom Mondlichr fcll er* bete Dorfstraße entlang: Wie frei, frisch unb sie hier bie Nachtluft umfächelte, tote sie jetzt riete, toemi ihr Bltck bic Schnee- unb Eis- ber Jungfrau streifte. Langsam ging sie jetzt bem Promenadenwege der Bergstraße ent» Ta löste sich vlöhlich eine bimETe Gestalt rarem Baume unb trat auf sie zu.

p.fflme Lorerqen!" entfuhr es Ragnas Lippen. ,3a," sagte er einfach,ich toutzte, baß Sie ausbalten würden da brtnnen in des Hauscs Lin dieser herrlichen Mvndemrachti. Ich wußce. Sie dreien Zauber hier, den toir vielleicht nie :r genießen werden, auskosten wollen, und m habe ich auf Sie gCtoartet feit Stirn den." Der verdeckte, leibenfdjaftlidje Ton, in oem

ch, weckte etwas wie Widerspruch in ihrer

,Das mar recht unvorsichtig, Herr Doktor," t lie ablehnend,die Nacht ist kühl." Micht kühler als Ihre Seele, Ragna," gab erregt zurück.Warum weichen Sie rflir

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btf: , di! $'1: tom, als ob ich Ihnen etwas schuldete, baS 6M-dieser Stunde zurückerstattcn soll."

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Willi ge im Herbst 1919 sind die^Eesuchc um Zulassung .bei Mcidung des Ausschlusses spä­testens bis zum 1. August 1919 vorzulegen

Die rcommllnalwohlen.

** Trohe, 28. Juli. Bei der Bei geo c d- nctenwahl wurde Hinrich Wilhelm Rau mit 56 Stimmen zum Beigeordneten für die Gemeinde Trohe gcwähll. Ter Gegenkrardidat erl/idt 6? Stimmen, zwei Stimmen wovor »erfplittert

Vepmrschtes.

veutsche Nationalversammlung.

67. Sitzung. Samstag, 26. Juli.

Präsident Fehrenbach teilt vor (Eintritt in u Tagesordnung mit, daß folgender Antrag xuiRnmint <'Tem>Löbe (Soz.) zur Beratung der ßröärnng der Rcichsregierung eingegaugcn ist:

Tie Nationalversammlung wolle beschließen: die erste Beratung des Gesetzenkwurss über ben tuttsgerichtshof mit der gegenwärtigen politischen ebatte zu verbmden: 2. bie Reben des Herrn chSrniinsters Erzberger vorn 25. Juli unb des rn Ministers bes Aeußern Müller vom 21. Juli iif Kosten des. Reiches int deutschen Balke zu Der* eilen: 3. alle Protokolle ber vertraulichen Sitzun- f-n bcs Haushultungsaussd-usses bes Reichstages iwie bie ber Regierung bekannt gewordenen Doku-- reite über bic Entstehung unb Fortsührrurg bes Sieges zu bcröffentlidien."

Ta die beiden rechtsstehenben Parteien Wiber* (iciid) erheben, ist gcschästsorbnungsmäßig bie De- »hing bes StaatSgericht»hoseS nicht möglich. Die f s iiHifefaffimg Über bie Berössentlichung ber |<wn wirb am Schlüsse der Beratung erfolgen., herauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein.

Abg Dr. Hugo (Deutsche Bolksp.): Die «triqe Rebe Erzbergevs und der eben gehörte l itrag sollen bas beutsche Volk in seinen tiefsten

luder spielen. Eine Regierung muß nadi Möglich­keit daraus Bedacht nehmen, daß die Dinge, die im> Januar und März in Berlin Dorfamen, sich nicht wiederholen. Zu dem Kapitel dieser Vor­beugung gehört auch das Verbot der Republik und anderer Blätter. Ich halte eS für meine Aufgabe, dafür zu sorgen, daß träte Anzahl Leute, die ihr revolutionäres Herz eben erst entdeckt haben, und damit politische Geschäfte machen wollen, baß sie bie Erregung, bte im deutschen Volke steckt, in fol* djer Weise aus nützen. Denv trete ich entgegen, so­lange ich das Vertrauen der Mehrheit habe und au| meinem Posten stehe. Ich habe ständig Nachprüfun­gen angevrbnct, ob die Voraussetzungen für ben Dclagerungszu staub noch bestehen. Llber biese Leute auf das bcutfdfle WirtschvftÄeben wieder loszu- lasien, erschien mir absolut unverantwortlichl. Werat die Gefolgschaft Haases Deutsdstand zugrunde rich­ten will, bann stelle ich bas Schicksal unseres Lan­des und Volkes höher als allen Spektakel, den Sie hier aufführen. Klagen über Gewalttätigkeiten ans ihrem Munde finde ich sehr merkwürdig. Wenn Ihre Leute Masienmorde begehen, wie die niebeTträdjtigcn Morde an Kl über und Neurin g, dann bringt das Organ Haases auch nicht ein Wort. (Stürmische Unterbrechung und tobender Lärm bei den Unabhängigen.) Ailsschreitungai der Soldaten beklage auch ich. Mer in Königs­berg wurden nach dem Ergebnis der Untersuchung bie Soldaten bis aufs Blut beschim^t urtd tätlich beleidigt. Die Freiwilligen wurden als Dogel- frei angesehen. Ueber alle diese Niederträchtig­keiten ist das Lmid vollkommen unterrichtet. 2lls Noske weiter auf die Vorfälle in Hamburg zu sprechen kommt, erhebt sich bei den Unabhängigen tobender Lärm. Gellende Rufe: Verbrecher! Glatte Frechheit! wiederholen sich. Ern Teil der Mehr­heitsfraktion begibt sich zu den Banken der Uu- abhängigegn und redet ihnen zu, Ruhe zu hallen.) Noske fährt fort: Für die Truppen ist es kein Vergnügen, mit den Unabhängigen zusammen­zukommen. In mehr als einem Falle ist solch unglücklicher Teufel erstochen worden. Die dama­ligen Verhandlungen Barths wegen der Frei- toilligenkorps sind der glänzendste Beweis dafür, daß aud) Sie, wenn Sie einigermaßen reaiereu wollen and die Rechte wird Ihnen bad Leden nicht leichter machen als ans auch Leute haben müssen, die ein Gewehr tragen. Die Truppe, die im November wie sprödes Glas zersprang, ge­winnt wieder den nötigen Zusammenhalt. Nicht gleich aber allmählich wird sie unter guter Lei­tung das Maß von Ruhe und Ordnung und Sicherheit uns verbürgen, ohne das toir nicht leben können. (Lebhafter Beifall.)

Um 2.45 Uhr wird die Beratimg auf 4 Uhr vertagt.

wenn es sein muß, den Kopf auf den Block zu legen. Ich appelliere an Ihr Rechtsgefühl: linder­st ützen Sie uns! Wir wollen nichts weiter als mitbelfen, um Deutschland wieder zu Macht unb Ansehen zu bringen.

Abg. Wels (Soz^): Die gestrigen Enthülluisi- gen bes Minifters Erzberger haben im ganz-m Reich einen gewaltigen Eindruck gemacht, und m an kann wohl sagen, daß die Oesfentlichkeit ihr Urteil über die Alldeutschen gefällt hat. llnsere Poliitik ist es gewesen, die zur Bildung des Mehrheitsblücks im Reichstag unb schließlich zu ber Friedensrefo- lution geführt hat, von der feststcht, daß sie eS wür, die bas englisch-französische Friedensangebot dvrch den päpftlick-en Stuhl zur Folge gehabt hat. Tine unselige Regieruna hat bte Brücke, bie über 'bas Blutmoer hätte hurwegführm können, in Stücke zerschlagen. Nicht imfcre Politik war falsch, fort* dcrn bie Männer waren falsch, die öffentlich Ja und im Geheimen Nein sagten. Das Wort: JSir sind belogen und betrogen worden, wird ziun Buf- sd)rei eines ganzen Volkes werben. Es wirb sich verdichten zu einer furchtbaren Anllage, der sie nie­mand entztehen kann, der dainals mitgelogen ranb mitbetrogen hat. Gewundert hat es mich, oaß Herr Haase durch die Enthüllung nicht Ükier- rascht gernefen fei, sondern daß ihm diese 2bit- fachen schon länger bekannt gewesen sind. Daan muß ich aber sagen, wenn Herr Haase diese Kennt­nis hatte und sie dem den Ischen Volk vorenthielt, bann hat er sich mitschuldig gemacht. Unsere Aus­landspolitik muß vor allem Vertrauen erwecken. Dazu gehört, daß glle Unfähigen aus dem Aus- toärtigcn Amt entfernt werden. Wir brauchen keine ©cfanbben mehr an den Höfen. Unsere Po­litik muß die des Völkerbundes sein. Aber der in Paris zusammengebrachte Völkerbund ist ein Bund gegen die Völker und namentlich gegen gewisse Völker. Der Völkerbund ist die w-ahae, unblutige Weltrevolution. Heute haben wir die Weltherrschaft der angelsächsiichen Rase. Ter Kamps gegen den Kapitalismus muß künftig in England und Amerika durchgeführt werden. Nicht mit Maschinengewehven und Handgranaten, son­dern mit der internationalen Organisation, der Arbeiter, sowell die Enavicklung dazu reif ist. Auch eine Rävevegierrarg wäre abhängig von der Lieferung von Rvhmateiial und LevenSmitleln und ihre Entziehung würde die Räteregierung über den

M Ai« hiq l im Tops bczw. sowie vul» ntabL '

, W in durchaus obiektiver 21

> n«d)SDerbanb füi £^4 altopft, bestehend auS Historikern unter einem in logemriter wild-,Äizistisih geschulten Juristen, bic bas Recht

övar widerrechtlich jal<u, alle Auskünfte zu verlangen unb jebe Er- ro.oesjru^ren Uf,®. icwig anzuordnen. Jebe andere Methode sd>asft 1 er sich auf dir jetzt noch «t-L ' - - --- - -

tl)Qt Dieser Dncinveisi^ N ______ _________

lohnerschaft kSeldbeträge!) Objektive Erklärung sinb wir bem deutschen c unb Täu[d)ungm, bit Im Solle schuldig (Beifall rechts.) Ganz einseitig nchn zu verhinbern, bm snrft der Minister Erzberger ben Deulfchnationalen

Ai..«.» baß ber U-Boot-Krieg in

rat. iteunt hLm. iljtt Sa

itoit angesehen. Man hat ip.'sehen, wie wenig raktervoll bas beutsche Volk in ber entscheibend- auS Reisstroh l°ü- Stunbe feiner Geschicke geführt wurde. Wie

arbeitet ßxlörei;- Inders urteilten früher und noch während des Slstlk Mk. M . tricxes maßgebende Sozialdemokraten über, den lieferbar.""Volt" frct, den sie heute einen blutrünstigen Casaren Willi«, 8aw ront Das alte System war so gut und so

Schr. 76 an erbet.

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HP Butter zum Preise von drei Mark für das Pfund ist in der Stadt Eisfeld in Sachsen-Meiningen nach der dortigen Zeitung angeboten worden. Aller dings bisher nur einmal, aber es ist doch ein Anfang gemacht worden. Erheblich billigere _____ ___ e 11> r i f c werden dagegen von den Oberfvhrerr und.Genossen brachten.eine An- tner anzen Reche von Städten ge-

frage ein, ob die Rcrähsrvgierung von der frxm* uielder^ Auch die Gänse preise sinken, ba

Aus dem Amtsverkündigungsblatt

Tas Amtsverkündigungsblatt 9h- 64 t»m 25. Juli enthält: Verordnung über bic En»- eignung und Dorläufige Sicherstellung djii rohen Häuten inrb Fellen sowie Leder. Vom 2. Juli 1919. Bekaractmachnng über Ausgabe von '-uv^ ftoff (Sacharin). Bekanntmachung über Au>- brurt) der Pferderäudc Vekaraitniachamg irber 19im Herbst

Häute und Felle sowie Leder, hin­sichtlich deren gegen die Beschlagnahme, .Höchst- preis-, VerteilungsDorschristen und sonstigen ein* schlägigen Bestimmungen verstoßen wirb, können von der Reichslederstelle enteignet werden. Der Eigentumsütorgcmg ist Dvllzogen, sobald die Au- orbmntg dem Eigentümer oder bem Inhaber de Ämrahrsams zugeht. Ter von ber Awrdnung Br ^offene ist verpjlichtet, die Gegenstände ortmimgo- gemaß verwahren und sie herauSzugcben, in«? besondere sie auf Verlangen und Kosten des neuen Eigentümers zu überbringen ober zu übersentxm Ter von bem neuen Eigentümer zu zahlende Ucbcr nahmcprcis darf den zur Zeit der Enteignuno geltenden ^geringslen Höchstpreis nickst übersiemeu Werden gegen diesen Preis Einwendungen ,i hoben, so setzt die Reichslederstelle den llrto, nahmepreis fest. Soweit nicht nach den allgemeinen Strafgesetzen höhere Strafen verwirkt finb, wird mit Gelbstrafe bis zu einhunderttausend Mark bestraft, wer vorsätzlich der Vorschrift des § 3 zuwidcrhandelt, wer unbefugt einen iwrläufin sichcrgestellten ober enteigneten Gegenstand bei­seite schafft, beschädigt oder zerstört, verwende» oder sonst über ihn verfügt.

Ausgabe von Süßstofs (Sacharin) Fiir die Zeit Dom 15. Juli bis 15. Äugust 1919 ivirb gegen die LiefernngSabschnllte ß und 6 ber Süß» stofskarte8" (blau) und 2 und 3 ber Süß stoffkarteG" (gelb) von ben Süßstoffabyalx stellen der Landgemeinden des Kreises Subiton abgegeben. Es gelangen auf die Abschnitte 6 tunb 6 je ein Briefchen und auf die Abschnitte 2 irrtb 3 je eine Schachtel zur Ausgabe. Mit dem 16 Skua. 1919 verlieren bte MstcAritte 5 imb 6 b»in 2 (unb 3 ihre Gültigkeit. Nack) diesem Zeitpunkt nicht abaerufene Süßstvffmengen dürfen von d-n Ab­gabe stellen frei verkauft werden.

Tie Räude ist ratter bem Pferdebestww be» Friedrich W Srner-Gießen, SchützcnLva^ 18. ststgestelll worden.

rräen außvühlen. (Unruhe links. Rufe: Äuf- ft\wuuasPlth - Bären!) Nachgerade wird das eine Gefahr für

t.a M;tn ®lr f''r ' I M- deutsche Oeffentlichleit. Nach dar gestern an» 0 unf» n.u l 914 ' ffioandtcn Methode wirb ein Schaben im Volke ber-i ®rtid)tet, ber eine Wüste daraus macht. (Großer Iw x ?ein 8äcm unb andauernbe Unruhe links.) Setzen wir 1 *ö.fij äien objektiven Ausschuß ein, ber bie uns be-

>n d-rch<wr objektiv«» ffleife