Ausgabe 
27.10.1919
 
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Montag, 27. Oktober 1919

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Zweites Blatt

W. 251

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1908 en rdc

Das Glück der andern.

Original-Roman von Erich Eben stein. Copyright 1916 by Greiner & Comp., Berlin W 30.

nm. abds om.

Erben erfolge.

Haases Befinden.

Berlin, 27. Oft. Das Befinden des Abg. Laase ist lautVorwärts" nach wie vor sehr bedenklich. Haase ist bereits zum vierten Male operiert worden. DerVossischen Zeitung" zu­folge nahm die Operation einen negativen Ver­lauf, so daß heute voraussichtlich die Ampu­tation deS verletzten Beines erfolgen wird.

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Wettervoraussage

für Dienstag:

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Wechselnd bewölkt, Regenschauer, etwas kalter, nördliche bis nordwestliche Winde.

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Tie hessischen Städte und der Wohnungsmangel.

Am 20. Oktober sand unter dem Vorsitz des Bcig ordneten Krenzien -Gießen imSteiner­nen aus" in Frankfurt a. M. eine von dem ©tat. ecordneten Fourier-Gießen angeregte Versammlung von Vertretern hessischer Städte zur Besprechung über Abstellung des Wohnnngs- manaels statt

Als Vertreter der hessischen Regierung nahmen teil: Ministerialrat Tr. Schwarz-Darmstadt und der Landes Wohnungs - Inspektor Oberbaurat stliunp-Tarmstavl, bic Städte Darmstadt, Oifeiu bad), Friedberg, Butzbach, Bensheim, Alsfeld, Grvßgerau und Vilbel hatten Vertreter entsandt. Von Gießen waren noch die Herren Stadtverord­neter Mann als Leiter des Wohnungsamts, Rechtsanwalt Raab als Vorsitzender des Miel- einigungsamts, die Stadtverordneten Fourrer und Höhn und Stadtassistent Rothamel anwesend.

Tie Tagesordnung betraf die praktische Durch­führung der Beschlagnahme von Wohnungen, die Möglichkeit, Teile von sogenannten übergroßen Wohnungen zu erfassen, die Herrichtung unbe- iinßter Räume und. die Kostenfrage sowie die Verschärfung bestehender Strafbestimmungen.

Aus der Aussprache verdient hervorgehoben

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reguug herum, weil ihr immer noch etwas einfiel, womit sie die lieben Gäste erfreuen und es ihnen behaglich machen konnte. Dazwischen gab es Ent­schuldigungen und Komplimente, bis Harald lachend sagte:2lber Tantchen, es sind doch keine Fremden, sondern liebe Nachbarn, die wohl auch einmal vor­lieb nehmen mit dem, was sie eben vorfinden! So großartig wie in Rettenegg haben wir es eben nicht in Schönau!" , .

Nael> dem Kaffee ging man rm Garten spazieren und später, als'es dunkel wurde, auf Haralds Sternwarte.

Evelyn hielt sich meist ab'eits von den anderen. Sie war verstimmt und fühlte sich grenzenlos ver­lassen. c. r..

Wie anders waren die Gedanken, die sie hier zu hören bekam, als die Gottorbs! Wie klein, banal, alltäglich! Heber Spargelzucht, Kochrez^te und Dienstboten wurde gesprochen! Dazwischen dozierte Harald ein wenig über Astronomie, und alles, was gesprochen wurde, bewegte sich so hübsch sauber auf der breiten Heerstraße landläufiger Moral. . .

Eine .,Zwangsjacke" hatte Gottorb das Leben in diesen Kreisen genannt. Wie treffend wahr! Ach, es war so vieles wahr, was er sagte....

Sie aber hatte ihm geantwortet: Mein Wille ist der Meister, dem ich gehorche! Hnd dabei sollte es bleiben. . t r ,

Die Zwangsjacke hier würde ja auch bald av- gestreist sein, und dann winkte Berlin!!

Ihr grübelndes Schweigen, der zerstreute Blick, die fast unfreundliche Kürze ihrer Antworten nel niemand aus. Das alles war so natürlich an der Braut deren Liebster fern iveilte, und die nahe vor wichtigen Zukunftsentjcheidungen stand .

Auch hatten die drei anderen Damen so viel damit zu tun. Harald und Modesta zu beobachten!

Mama Losenstein hatte ja bisher noch gar

zu werden, daß der Vertreter der Regierung er­klärte, die Beschlagnahmeoerfügung biete die ge­nügende gesetzliche Grundlage für die Gemeinde­behörde, um ohne Anrufen des Gerichts und ohne Mitwirkung. des Gerichtsvollziehers zwangs­weise vorzugehen. Interessant war ferner die Mit- teilimg eines Darmstädter Vertreters, daß die Stadt Darmstadt allgemein alle Dach stock - räume beschlagnahmt und angeordnet hat, daß die Dienstmädchen, Besuch und bergt aus den Dachwohnräumen in die untere Etage aufzu- nehmen sind. Bei der Durchführung dieser Maß- nalrmen hätten sich in Darmstadt keine Schwierig­keiten ergeben. Als Wirkung der Beschlagnahme wurde die Verpstichtung des Verfügungsberech­tigten sestgestellt, die beschlagnahmten Räume leer und in bewohnbarem Zustand zu übergeben.

Zur Frage derübergroßen Wohnung" wurde es als dringend erforderlich erachtet, darauf hin­zuwirken, daß die Unterbringung einzelner Woh­nungssuchender in freizumachenden Teilen solcher Wohnungen beschleunigt und erfolgreicher durch­geführt werden könne. Die Kvstensrage wird in den einzelnen Städten verschieden behandelt. All­gemein wird so verfahren, daß der Verfügungs­berechtigte insoweit die Kosten der Herrichtung trägt, als er einen dauernden Vorteil daraus erzielt. Kommt hierüber eine Verständigung nicht zustande, dann fordert die Gemeindebehörde die Räume gegen Vergütung zur Herrichtung an, nimmt die Arbeiten und Instandsetzung selber vor und ist dann berechtigt, die Räume zu vermieten. Der Mieterlös fließt dann der Gemeinde zu

Die Hauptvorschläge wurden in Beschlüssen niedergelegt und die Stadt Gießen beauftragt, bei der Landes-Zentralbehörde entsprechende An­träge zu stellen.

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ängstlich täte, wenn der Junge einmal zufällig allein mit ihr zusammentrifft? Ich habe es mehr­mals heimlich vom Fenster aus beobachtet, wenn er sie beim Kommen begrüßt! Auch läßt sie sich nie von ihm heimbegleiten!"

Mädchenhafte Schüchternheit? Sie ist eben noch ein sehr scheues junges Vöglein."

Am selben Abend saß Mama Losenstein noch lange int Finstern auf Modestas Bettrand und plauderte mit ihr über Schönau, Harald und Tante Luise.

Aber wie geschickt sie auch die Worte wählte sie wurde nicht um ein Haar klüger über das, was sie wissen wollte. Modesta hatte entweder leine Ahnung, daß sie geliebt werde, ober schien nur dankbare Freundschaft für die Schönauer zu empfinden. Nur über die Schönheit des Landlebens und das Glück, in Tante Luisens Kindergarten imr- ten zu dürfen, entfaltete sie eine begefilterte Be­redsamkeit.

Dann würde ich dir nur wünschen, Klein­chen," sagte endlich die Mutter, sich erheberw,daß der liebe Golt es fügt, du mochtest bald etnm hären Mann finden, den kein Beruf zwangt, in bet Stadt zu leben."

Ich werde nie heiraten, Mama," antwortete Modesta leise, aber fest. Tie Mutter lachte:

Tas willst du letzt schon wissen mit kaum achtzehn Jahren?"

Ja."

Aber warum denn? Wenn nun ein Mann käme, der dich liebte und brav und tüchtig ist und dir alles bieten könnte, was dich glücklich mocht?"

Ndodesta schwieg. Tie Mutter beugte sich ver­wundert nieder und tastete im Tunkeln nach ihrem K.'pfiWarum schweigst du denn, Modesta?"

(Fortsetzung folgt.)

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Deutsch-Westungarn.

Wien 27. Oft. (WTB.) Nach einer Meldung des Korrespondenzbureaus erklärte Staalskanzler Renner einer Llbordnung über die Besetzung des an Teutschösterreich fallenden Gebietes von West- Ungarn: Im Einvernehmen mit der Entente, die auch die Auslieferung Bela Kchuns an die ungarisch- Regierung bzw seine ?lusweisung fordere, tömu derzeit aus wichtigen außenpolitischen Gründen an einen Einmarsch in Tcutsch^Westungarn nicht ge­dacht werden, er wisse aber, daß in ganz kurzer Frist die Uebernahme durch Teutschösterreich er-* folge Oberst Cunninglwm habe ihm erklärt, daß Ungarn den ihm vorgelegten Friedensvertrag, tn dem Teutsch-Westungarn Deufichösterrcich zu- gesprochen wird, annehmen werde und müsse. In ein bis zwei Monaten werde Teutschösterreich tat­sächlich int Besitze Teutsch-Westungarns sein.

Für Aufhebung des Zölibates.

Berlin, 27. Oft. LautLokalanzeiger" mel­det dieAssociated Preß", daß der Erzbischof von Prag 50 Priest er ex kommuniziert hat, die den Bestimmungen entgegen geheiratet haben und trotz des Verbotes chre Funktionen tveU tersührten. Tie Bevölkerung von 1400 Dörfern un­terstützten die Aufhebung des Zölibates für die Tschecho-Slowakei durch Vorbereitung einer Peti­tion an den Papst.

Rechtsmittel der Beschwerde an den Reichsfinanz­hof ist die Gewähr dafür geboten, daß von der zweifellos toeitgebenben Befugnis zur Schließung eines Bankbetriebes nur in Fällen Gebrauch gemacht wird, fit denen zwingende Gründe hierfür vorliegen. Die Verordnung schreibt weiter vor, daß in Zukunft Banken bei der Eröffnung ihres Ge- iverbebetriebes dem Landessinanzamt hiervon An­zeige zu machen haben. Mit der Frage der Ein- führung der Konzessionspslicht für die Banken, die in dieser Verordnung nicht behandelt wird, hat du vorerwähnte Anzeigepflicht nichts zu tun. Für Zu­widerhandlungen gegenüber den zur EinlölUng der Zins- und Gewinnanteilscheine erlassenen ^Vor­schriften sind in der Verordnung empfindliche ,Ltra- feii vorgesehen. Bon besonderer Tragweite fit die Vorschrift, daß die den Gegenstand der strafbaren Handlung bildenden Werte durch Urteil zugunsten des Reiches als verfallen zu erklären sind, falls sie einem Täter ober Teilnehmer gehören.

Ohne Zusammenhang mit der Hauptfrage der Einlösung der ZinS- und Gewinnanteilscheine in­ländischer Wertpapiere enthält die Verordnung schließlich noch eine Strafvorschrift gegen die Verbreitung von Anzeigen, Schriften und sonstigen Drucksackien, in denen offen oder in verschleierter Form Angebote zum Zwecke der Verletzung ober Umgehung der gegen die Kapitalabwanderung und Steuerflucht gerichteten Gesetze gemacht werden.

ambes ist. ,

Ter Zuzug nach Gießen ist durch die Stadtverwaltung bereits im Mai ds. Js. verboten trerben. Gießen war mit diesem Vorgehen^ mit an erster Stelle. Es dürfte bekamit fein, datz der Zuzug gestattet werden muß für alle Flüchtlinge ans Elsaß-Lothringen und den anderen bisher deutschen Gebieten, sowie allen seither dort an­sässigen Deutschen, die zum Verlassen ihres bis- hengen Wohnsitzes gezwungey worden sind; ferner zurückfehrenden Kriegs- und Zivilgefangenen im Einvernehmen mit den .Krie^sgesangenen-Hefin- kehrstellen, Personen, die feit 1. August 1914 zur Aufnahme von Arbeit in einen anderen Ort ge- ^ogen sind und in ihren früheren Wohnort zurück- kehren, und Reichs- und Staatsbeamten oder -be­diensteten, die aus dienstlichem Interesse versetzt tr erben. (Amtsverkündigiungsblatt Nr. 105 vom 16. Oktober 1919.)

Tie Aufnahmefähigkeit der Stadt für Stu­denten kann das Wvfeiungsamt nicht feststellen, da dies in hohem Maste bedingt wird von dem schwer einschätzbaren sozialen Entgegenvommen und Verständms der beteiligten Gefellschaftsschichten.

In der Frage der Beschlagnahme übergroßer Wohnungen bildet die Verordnung des Hessischen Landes-Arbeits- und Wirtscksafisamtes vom 12. Mai 1919 die Grundlage, in Verbindung mit §9 der Bekanntmachung über Maßnahmen gegen Woh- nungsmangel vom 23. September 1918. Ties bildete einen der Haupt-Verhandlungsgegenstände der Besprechung von Vertretern hesiischer Städte am 20. Oktober zu Frankfurt a. M., worüber an anderer Stelle berichtet wird.

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Maßnahmen gegen die wohnnnosnot.

Gießen, 27. Oktober.

Zu dem Artikel in Nr. 249 überMaß­nahmen gegen die Wohnungsnot in Gießen" erhalten wir vom städt. Wohnungsamt die nachstehende Zuschrift:

Auch die StaLtverwallung hat mit wachsender Sorge die steigende Wohnungsnot verfolgt, sich nach Kräften bemüht, ihr zu steuern und deshalb auch int Juni ds. Js. ein Wohnungsamt er­richtet. Der damalige Vorsitzende des Mieteini- gungsamts wurde mit der Leitung des neuen Amtes beauftragt. Für jeden, der die gesetzlichen Bestimmungen zu lesen versteht, kamt die Zu- tändigkeit des Mieteinigungsamtes und die des Wohnungsamtes nicht zweifelhaft sein. Tas Miet- einignngsamt ist als Sprucks- pnd Einigungsstelle nach Art der Gerichte tätig und wie diese nur an die allgemeinen Gesetze gebunden. Tas Wohnungs- amt dagegen ist ein Teil der Gemeindeverwaltung und kann je nach den örtlichen Bedürfnissen zu besonderen Maßnahmen ermächtigt werde»:. In ben einschlägigen Gesetzen und Verordnungen ist aus­drücklich auseinandersehalten Einigungsamt (Miet- einigungsamt) undGemeindebehörde" (Woh­nungsamt). Es ist deshalb eine Meinungsver­schiedenheit der beiben Vorsitzenden über die Gren­zen ihrer Befugnisse von vornherein ausgeschlossen. Tie Trennung der Aemter in der Leitung rst not­wendig, da in diesen Fällen bei Personalunion der Vorsitzende des Mieteinigungsamtes über lerne eigenen Anträge als Setter des Wohnungsamts zu entscheiden hätte. Andererseits ist ein Zu­sammenarbeiten beider Aemter dadurch gewähr­leistet, daß der SchriftftilMr des Mieteinigungs­amtes zugleich Geschäftsführer des Wohnungs-

Höchste Temperatur am 26.10. 8.1*, 27. 10. 5.3°

...... 4.7J, 27. 10. = 2.1°

Letzte Nachrichten.

Zur Finanzlage des Reiches.

Berlin, 25. Oft. In einer Samstag abenö abgehaltenen öffentlichen Sitzung R -ichs- keine Ahnung gehabt, daß auch ihre Jüngste nun möglicherweise bald vor der Chame stehm würde, eine glänzende Partie.machen zu können.

Heute freilich, wo sie sah, wie viel Mühe sich Harald Wolfern gab, Modesta zu gefallen, und wie deutlich dieser Wunsch auch in den Augen der alten Komtesse stand, gingen ihr die Augen auf.

Aber Modesta? Siebte sie ihn denn? Die Mutter konnte nicht klug aus ihr werden. Modesta fühlte sich'auf Schönau sichtlich zu Haufe. Sie wußte überall Bescheid und unterstützte Tante Luise in ihren Hausfrauenpflichten, als sei das ganz felbstoerständlich. Ihr Ton Harald gegen­über war von unbefangener, fast schwesterlicher Herzlichkeit.

Aber Siebe siebt doch anders aus, dachte bte Mutter. Oder ist fte sich derselben nur noch nicht bewußt?

Ter letzteren Ansicht war entschieden die Grä­fin. Tenn als ihre alte Fveundin Wolfern sie beim Auftruch einen Augenblick beiseite zog und aufgeregt fragte:Was glauben Sie? Wird wirk­lich etwas daraus?" antwortete sie lächelnd:Aber aeiriß, meine Liebe! Nur nicht rühren davan, Modesta ist ja noch so jung, daß chr die Er­kenntnis für das, was in ihr vorgeht, erst all­mählich kommen muß. Ein vorzeitiges Wort iönnt: sie wecken aus ihrem Traumzustand und alles verderben!" , .

Und er der immer sagte, er würde nie leiraten, weil die Wissenschaft in seinem Leben keinen Raum ließe für ein Weib!"

Bah, das sagen alle, bis eben ihre Stunde schlägt. Leute wie Harald, die sich in ein Lfeblrngs- studium verbohrt haben, sind ja auch wie Kinder.

Es wäre so schön," slüsterte das alte Frau­lein.Sie ist ein Engel an Güte, und keiner anderen würde ich so gerne meine Rechte hier tm Hause ab treten. Wenn sie nur nicht so scheu und

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Mabncchmen gegen die liapttalflucht. ;

In h 7 des Gesetzes gegen die Kapitalflucht vomß. September 1919 ist der Reiusf.nanzmi.r er < ermächtigt worden, ,im fri'.ncmelymen mtt bem , Reickrsw irtschaftsininr 2r un> nni Zustimmung^ eines vvn der Natronalver ammlung gewählten Ausschusses von 10 Mitgliedern Maßnahmen, zur fieuerlid'CTt Erfassung des flüchtigen una versteck­ten Vermögens zu treffen und un Zu lammen hang tiermit Vorschriften über den Geschäftsbetrieb der Kankeu zu erlassen. . .

Tie nunmehr von dem Ailslchuß der National- berfemmlung verabschiedete, in der nächsten Num­mer des Reichsgesetzblattes zur VwöfseiUlichung gelangende V-rordimng über Maßnahmen gegen die Kapital fl ucht vom 24. Oktober ds. Js. be­stimmt zum Zwecke der steuerlichen Erfassung ge­flüchteten oder versteckten Veruwgens, daß Ge­winn- oder Gewi nil an teil sch ei ne w- wie ausgeloste, gekündigte oder zur Rückzahlung fällige StückeinländischerWertpapiere ii u r a n V a n k e n, uiu> zivar nur an solche Ban- Äen zur Einlösung, Beleihung oder Gutschrift über­leben und nur von solchen Banken zu diesem Zwecke angenommen werden dürfen, bei denen bad ganze Wert Papier oder der Zms- oder Gewinnanteilschchn'ooMNi mit dem ErneiuwungS- rfdietn hinterleg, sind. Befindet sich das Wertpapier im Auslande oder im Gewalw'am enw3 xntten im Jnlanoe, so muß die einlosende rnlandfichc Rank im Besitz eines mit einem ^tuckeverzerchrns -versehenen urkund.ickxn Nach.vefies über die an- berroriliac ^iteoulyrung »rttxunraü fern. Diese Notwendigkeit zur Hmlerlegung der Wert- lapiere bei einer Bank zwecks Encköiung der Zmfen und Gewmnanreife tritt für beit in Deutschland .steuerpflichtigen Effektimbesitzer nicht em, wenn er dem für ihn zuständigen Finanzamt (Befitzi^uer- amt) ein Verzeichnis feines Besitzes an Wertpapie­ren in doppelter Ausfertiguiig einreicht. Durch diese Vorschriften soll die Steuerbehörde m bte Lage versetzt iverden, sich mit Hilfe der Aus­kunft s p f l i ch t der Banfen die Kenntnis zii verschaffen, rocld)c inländischen Wertpapiere eine in Deutschland steuerpflichtige Person besitzt

Ausnahmen mußten vorgesehen werden .für den Effektenbesitz solcher Personen, bte im 'Auslande ihren Wohnsitz ober dauernden Ausent- j>alt haben ober für bas Einkommen aus ben Wert­papieren in Deutschland nicht steuerpflichtig smb. Der ausländische Effektenbesitzer kann die Zmien unb GewinnanteUe seiner deutschen Wertpapiere bei jcher ausländischen Bank ober Zahlstelle unter Abgabe einer eidesstattlichen Erllärung (Afsidatw) erheben, welche dahin lautet, baß die zu bezeichnen­den Papiere fein Eigentum sind, daß er in Deutsch­land nicht steuerpflichtig ist und weder mittelbar nwch unmittelbar im Auftrage und für R^>- nuntg einer dritten Person handelt, die einer Be­steuerung in Deutschlaiid unterliegt.

Tie Auswertung des für die Steuerv.'ranla- <ung wichtigen Materials, das sich bei den Ban­den durch bte Vorschriften über die Hfiiterfegung der Wertpapiere ansammelt, wird dadurch ermög- ,1^ft, daß den Banken die Verpflichtung auferlegt toirb, den Finanzämtern bis zum 31. März 1920 Verzeichnisse ihrer T epotkünden nach dem Stande des 30. Juni 1919 mitzuteilen jrnb Zugänge solcher Kunden periodisch nach^u- nagen. Dabei ist liervorzuheben, daß unter Ban­ken im Sinne dieser Verordnung auch Sparkassen irnb Kreditgenossenschaften sowie weiter alle Per- fmen und Unternehmungen zu verstehen sind, die «schäftsmäßig Bank- oder Bankiergeschäfte dftrn- ven. Die Finanzämter, die auf Grund dieser Kundenverzeichnisse erfahren, bn welchen Banken em Steuerpflickstiger Wertpapier: hinterlegt hat, können alsdann, sowoit erforderlich, weiter: Aus-- kiinft über die Art und Höhe des Effeifenbfiitzes bei den betreffenden Bankm einholen. Tie wich­tigen Ausgaben, die hiernach den Banken bn Oer -Bekämpfung der Kapitelsflucht übertragen werden, lassen es geboten erscheinen, die auf bfefem Gebiet zu leistende Tätigkeit der Banken einer staatlichen Kontrolle zu unterwerfen. Zu diesem Zweck find durchs die Verordnung Prüftmgen der Bankbettrebe durch besondere Beamte vorgeschrieben.

Gleichzeitig ist in Verfolg der Vorschrift im L 7 Ms. 2 des Gesetzes gegen die .Kapitalsflucht vom 8. September 1919 die Möglichkeit vorgesehen, solche Banken, deren Geschäftsbitrieb zn einer Ver­urteilung wegen vorsätzlicher Zuwiderhandlung gegen das Kapitalabwanderungsgesetz geführt hat, und denen gegenüber weitere Tatsachen vorliegen, welche die Ännahme rechtferttgen, daß sie keine Ge­währ für bic Erfüllung der ihnen übertragenen Arbeiten bieten, den Geschäftsbettieb zu unter­sagen. Es ist vorgeschrieben, daß vor einer solchen Anordnung der Bank Gelegenheit zu geben ist, sich SU rechtfertigen, daß ferner zuvor die zuständige amttiche Handelsvertretung zu hören ist. Durch das

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WgeMMv» ^ütrlortiL W H gegen hohe delohm

Ich werde Sie täglich hier an diesem Ort ertoaiten, und Sie werden kommen!" rief er ihr nach.Wäre es auch nur, um wie einst unsere G:- banfen auszutauschen über We.t und Lebeii, üb:r die albernen Begriffe der Mmschen vongut" und böse"."

Wie em Hauch verklangen die Worte an Eve­lyns Ohr, aber gleichzeitig rührte e.w.-s wie mit Geisterhand an ihre Seele und bracht: Tinge darin zum Wanken, die sie für unverrückb.ir gehalten.

Eine dumpfe Angst stieg in ihr auf. Ein Ekel vor allem, dem fr: entgegentritt, eine Sehn- jjucht^nach der einsamen Waldwiese, die sie zu- Großer Gatt! Hebe ich ihn denn wirk­lich?" fragte sie sich bang.Könnte ich so schwach, töricht fein, je . . .? Nein! nein r rief sie tant in den schwülen Mittag hinein.

XVI.

Nachmittag fuhr man nach Schönau, wo das Kommen der Rettenegger Tomen große Freud?, ater fest ebenso große Verwirrung anrichtete. Tenn es war große Wäsche, und bi: gute alte Tante Luise, die alles selcht überwachte, mußte erst ein bißchen Toilette machen, ehe sie die unerwarteten (Säfte mit altmodischer Umständlichkeit begrüßen Konnte.

In aller Eile wurde der Kaffxttsch gedeckt: Waftckrn wurden gebacken: Obers wurde geschla­gen, und im Garten mürben Ananaserdbeeren ge- Mückt.

Fräulein von Wolkern schoß hochrot vor Auf-

rates, die unter der Leitun; des Reickswehr- miiiisiers Nvsle stattfand, stand junädyft eine E» gänzung zum Entwurf Haushaltes der «Tl- icmeincn Finanzvei?:altung für bas Recl^rmigs- jai;r 1919 aus der Tagesordnung. Bei der Er­gänzung zum Enttvurf des HaushoVes der Reichs- schulb iür das Rechnungsjah: 1L19 mackste der Be­richterstatter barani lufmcrlfam, daß das gesamte Finauzbilb überaus ernst sei. Tie Schulden des Reiches l/aben sich in einem Jahr um 40,9 Milliarden Mark vermehrt. Tie Gesamt- schuld betrug am 31. Tezember 1918 93,7 Mil­liarden iiJbatt. Sie wurde durch Rückkauf auf 90.4 Milliarden Mark ermäßigt. An unverzins­lichen Anweisungen sind z. Zt. 83 Milliarden im Umlauf, so daß sich bic Gesamt schuld aut 172 Mil- liarden Mark beläuft. Am 1. April 1920 werden die Schulden des Reiches, wenn alle Kredite r^ alitiert werden, die noch offen sind, insgesamt 204 Mil liarde'n Mark betrogen, eine ganz ungclfeuerltdfe Summe, da wir vor km Kri'ge nur 5 Milliarden Schulden hatten und unser ge» samtes Nationalvermögen auf höckfitens 200 bis .300 Milliarden geschätzt wurde. Um 300 Mil­lionen erhöht sich im Rechnungsjahr 1919 tvr* für den Zimendfenst fortdauernd nöttge Beoart. Tie Abwicklung der Folgen des Krieges wird ans ebensoviel kosten, nie der Kri:g selber, in dessen Anfeng wir mit 26 Milliarden jährlich cmsgekom- mend sind. Für außerordentliche Zwecke sind un Etat allein 32 Milliarden vorgesehen, darunter 17 zum Vollzug des Friebcnsvertrages. Ter Aus­schuß des ReickMates war sich darüber einig, daß das Reiche etne Fortdauer dieser gewaltigen Aus­gaben wohl nicht mehr lange aushllten können und ein einschneidender Abbau der außerordent­lichen Ausgabeii unabweisbar ist.

Graf Häfelcr t-

Berlin, 27. Oft. Im Mer von beinahe 84 Jahren ist lautLokal anzeig er" gestern Genc ralfeldmarschäll G r a f v o n H ä sele r auf seuieu, Gute 5oarnekop bei Wriezen fii Obcrbamim Plötz­lich am Herzschlage gestorben. Dem preußischcii Heere ist einer seiner gckoßen Erzieher im Tode gefolgt. Ms kommandierender General des 16. Ar­meekorps in Metz erfüllte er seine Leute mit fernem Geiste. Das Korps war unter ihm eine wahre Feld- truppe. Er verlangte nie ermattende Arbeit und fühlte mit ben Soldaten wie selten einer. Im Wett- kriege führte er fein Kommando weyr, doch hat er die Geschicke der 5. Armee lange Zeit kaum mehr wie als einfacher Kämpfer geteilt.

BismarcksGedanken und Erinnerungen".

Berlin, 27. Oft. Eine Erklärung der Cotta- fchen Verlagsbuchhandlung in «Stuttgart an die 'Tägliche Rundschau" stellt fest, daß die Ver­öffentlichung des dritten Bandes von Bis­marcksGedanken und Erinnerun­gen" nicht auf einen Vertragsbruch beruhe, son­dern im Ein Verständnis mit den Bismarckschen

Büchertisch.

Erzberaer als Staatsmann und Werkzeug in seiner Rede vom 25. Juli 1919. Von Professor Dr. Hans Freiherr von Liebig. (Sonderdruck ausDer Betrug am deut­schen Volke".) I. F. Lehmanns Verlag in Mün­chen. Preis 1.50 Mk., bei 100 ^>tück je Mk. 1., bei 1000 Stück je Mk..75.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

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