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Nr. 251

Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, anher Sonn- und Feiertags.

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Erstes Blatt 169. Jahrgang Montag, 27. Mover W9

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderheffen ,

Lzernin über die Geschichte der deutschen Zriedensresolution.

Die neuesten Stücke der Erinnerungen des Grafen Czernin geben uns neue Erkennt­nisse zur Beurteilung dec vielbesprochenen Friedensentschließung des Reichstags Man mag über die Wirkung dieser Entschließung uno all ihrer Begleiterscheinungen denken wie man will: so viel steht fest, daß Graf Lzernin im höchsten Grade leichtfertig han­delte, als er das deutsche Parlament auf diese Weise zu Hilfe holte. Er untergrub das Vertrauen des deut­sche,' Volkes zur deutschen Regierung und mußte sich fortan dessen versehen, daß unver­antwortliche Persönlichkeiten, die er in seine Karten blicken ließ, plumpe Hemmuntzen ver­ursachten. Auch diese Dinge werden bei einer späteren Geschichtsbetrachtung noch gründlich auf ihre Bedeutung gewertet werden. Mög­lich, daß Czernin die Lage des Fcühsommers 1917 richtig beurteilt, daß es zweckdienlich war, einen baldigen Frieden anzubahnen- der Weg aber, den er einschlug, war »erkehrt und mußte eher zur Kriegsverlängerung führen.

Berlin, 25. Okt. (WTB.) In dem Kapitel Friedensversuche" erzählt Graf Lzernin in seinen Erinnerungen in der ^Vossischen Zeitung": Im Frühsommer 1917 irafen äußerst günstige Nach­richten über die engilischen und französischen Zu­stande ein. Zn der gleichen Zeit aniioortete die türkische Steuerung einer der feindlichen Nöächte auf ein Separatsr^deuLangebot, daß sie nicht von den Bundesgenossen zu trennen sei, jedoch bereit sei, über einen allgemeinen Frieden auf Mmexlons-, loser Basis zu diskutieren. Gleichzeitig Samen Nach­richten aus Rumänien, welche erkennen ließen, daß Rumänien das Spiel verloren gebe. In Ruß­land machte die Revolution und die Lähmung der Armee Fortschritte. Alles zusammengenommen ließ sich daS Bild für uns hoffnungsvoller' er­scheinen. Es Haiwelte sich darum, die Konjunktur möglichst auszunupen. Ich faßte daher den Ent­schluß, dem Kaiser vorzuschlagen, in Berlin zu er­klären, daß für den Fall, daß sich Deutschland mit Frankreich über die elsaß-lothringische Frage verständige,-Oesterrerch bereit.sei, Galicien an das neu zu Mündende Polen abzutreten und sich mit ganzer Krpft dafür eilHusetzen, daß dieses aroßpolmsche Reick) an Deutschland in Form einet" Personalunion an geschlossen werde. Ich machte in Kreuznach dem Kaiser Wilhelm den Vorschlag. Tie Konferenzen schlossen mit dem deutschen Ersuchen die Frage überlegen zu dürfen. Ter optimistischen Antwort Bethmanns lag offenbar das richtige Gefühl der in der Luft liegenden günstigeren Konstellation zugrunde. Es war klar, daß die richtige Taktik nur darin bestehen konnte, einerseits die größten Anstren­gungen an der Front und im Hi.iterlande zu machen, .um die Situation noch einige Zeit zu halten, und einerseits den Feinden gegenüber den Beweis zu erbringen, daß wir trotz dec günstigen Konstellation zu erstem Frieden ohne Eroberungen bereit seien. Für die letztere Aktion den Hebel bei den deutschen Militärs anzusetzen, schien aussichts­los, ebenso erwartete ich wenig von einer neuer­lichen Intervention in der Wilhelmsstraße. Ich versuchte daher, mich direkt mit dem deut­schen Reichstage in Verbindung zu setzen. Einer meiner Freunde teilte insbesondere Erzberger und Südekum folgendes mit: Soviel er beurteilen könne, seien wir an dem entscheidenden Wendepunkt ange.'angt. Oesterreich- Ungarn könne nicht mehr, die Türkei auch nicht. Deutschland könne den Krieg nicht allein zu einem guten Ende führen. Deutschland müsse ebenso klar wie Oesterreich-Ungarn öfsentlich erllären: 1. Keine SInncjwnen und feine Kriegsentschädigung. 2. Be­dingungslose völlige Freigabe Belgiens. 3. Alle besetzten Gebiete werden geräumt, sobald beide Staaten ihr Territorium wieder zurückerhalten haben (inklusive der deutschen Kolonien). 4. Auch Deutschland will gleich Oesterreich-Ungarn an der allgemeinen Abrüstung mitarbeiten und die Ga­rantie schaffen, daß kein zweiter Krieg mehr mög­lich ist. Die bekannte Friedensresolution vom 19. Juli 1917 war das Resultat dieser Demarche.

Graf Vcrnstorff über unsere Ziele.

. Berlin, 27. Okt. In Magdeburg sprich gestern in öffentlicher Versammlung vor beinahe 4000 Personen Graf Bernstor ff über unsere Ziele. Zunächst müssen wir uns selbst helfen und uns durch Arbeit läutern. In der Anknüpfung NrrtsckaftUcker Beziehungen, auch unseren Fein­den, liege ble Möglichkeit zur Arbeit. Tas bitte Mittel erlchöpse sich in dem einen Wort: Roy- stifte. Ohne ine Gewährung eines Kredits sei deren Befchassung immöglid). Wir müssen auch schleunigst erfahren, was die Entente unter Wie- dergutmacbungsforderungen .versteht, a/ttfe betten Punktebiuxren die Grundlage für unsere $)üf,nungen, die sich zusammenfassen lassen m die Morte: Revision des Versailler Friedens. Wenn Wilsons Haltung uns noch so enttäuscht haben mag, so halte er es doch für unmöglich- eine andere Politik zu machen als die mit der Richtung apf den Völkerbund. Deshalb sei es gut, daß die Arbeiterkonfernrz in Washing­ton von uns beschickt werde. Wir würden da sprechen können a.s Mensch zu Mettsch. Das Ost- fpwblem fei schleunigst zu lösen. Tie uns zuge- mutete Blockade Rußlands müßten wir ablehnen.

Zum Zusammenbruch der österreichischen Front.

Wien, 26. Okt. Ten Blättern zufolge geht aus den Zeugenaussagen, insbesondere des Fclo- marschalleutnaitts W a l d st ä t t e n und anbei er Generalstabsosfiziere in ter gestrigen Sitzung der Unteriua)uiig5foinmiitwn über den Zusammenbruch an ter italienischen Front überemstimmcnd hervor, :raß, um unnützes Blutvergießen bis zur osfiziellen Einstellung der Feindseligkeiten zu ver­meiden, ein anderes Vorgehen unmöglich war. Es war unmöglich, weiterzutämpsen oder Widerstand au leisten; beim die Truppen wußten von den Aaffenstillstandsverhandlungen und die Front be­gann sich auszulösen. Tie Front war schon am 3. iltorember 1918 vollwmm.m zusammenge­brochen. Es scheint cliO festzustehen, daß die da­maligen Militärbehörden unter außergewöhnlich chwierigen Verhältnis en hantelten. Was ater Ita­lien anbetrifft, so könne objektiv gesagt werden, daß dieses vollkommen korrekt vorging.

Tie Kommission wird nun wertere Erhellungen pflegen unb sodann einen Beichluß fassen, der dem Staatskanzlec Renner miigeteilt werden wird, wel­cher das Ergebnis der Nationalversammlung be­kanntgeben wird.

Line neue verwahrungsnote der deutschen Regierung.

Berlin, 25. DU. (Wolff.) .Die deutsche Waffenstillstandskommisswn in Düsseldorf über­reichte folgeirde Note:

Durch Verfügung des Oberbefehlshabers der belgischen Besatznngsarmee ter vierten Zone wur­den am 6. Oktober sieben Per sonnen, dar­unter zwei Geistliche und zwei Lehrerinnen der höheren Töchterschule in Melmedy, ä caufe de propos tendencieux et vropagandatn", and dem Kreise Malmeby ausgewiesen und haben zum Teil binnen drei Tagen den Kreis verlassen. Tie ausgewiesenen Personen sind keiner Gefähr­dung der Sicherheit der belgischen Besatzungs­truppen schuldig und lediglich für das Ver­bleiben der Kreise Eupen und Mal- medv bei Deutschland einaetreten. Der Friedensvertrag gibt den Bewohnern dieser Kreise das Recht, ihre Wünsche in diesem Sinne zu äußern. Die alliierten und assoziierten Mächte versicherten feierlich, baß die Abstimmung in voller Freiheit vor sich gehen werte. Mit diesen Zusicherungen steht im Widerspruch, wenn unter der Bevölkerung jebe Regung für das Verbleiben bei Deutschland gewaltsam unterdrückt, anterr' seits aber belgische Propaganda mit allen Mitten betrieben wird. Der Bevölkerung von Malmedy hat sich durch die Ausweisungen eine tiefgehende Erregung bemächtigt, da sie in ihnen einen neuen Beweis für die von den belgischen Bchörten ver­breiteten Unterdrückung jeder freien Willensäuße­rung in Bezug auf die Abstimmung erblickt. Die deutsche Regierung legt gegen die Ausweisungen, die nur ter Einschüchterung der Bevölkerung die­nen können, nachdrücklich Verwahrung ein und spricht die Erwartung aus, daß die belgischen Militärbehörden unverzüglich Anweisung erhal­ten, die getroffenen Maßnahmen aufzuheben.

Die Wirkung der vstscesperre.

Kiel,, 25. Okt. (Wolff.) Die Wirkungen ter Ostsee sperre machen sich in den Hafenplätzen ter westlichen Ostsee von Tag zu Tag fühlbarer. Auch der Schiffsverkehr zwischen den Küstenplätzen, der die Eisenbahnen bisher wesentlich ent­lastete, ruht vollkommen, so daß die Anstauung ter zur Verschiffung bestimmten Guter in den Häsen einen immer größeren Umfang annimmt. Die Minenräurnverbänte sind nach der erzwungenen Einstellung ihrer Tätigkeit nunmehr vollzählig in die beutfdjen Häfen zurückgekehrt. Von ein­schneidender Bedeutung für die Versorgung des Marktes mit Fischen ist, daß die Fischerei flottlllen ter Ostsee an der Teilnahme ter nun­mehr beginnenden Herings- und Sprottenfänge durch die Ostseesperre verhindert sind.

Königsberg, 25. Okt. (Wolff.) Am20.Ok­tober vormittags kam ein englisches Tor­pedoboot in Sicht und legte sich beim Pil­lauer Tief quer vor ten Eingang tunt Hof unb sperrte dieses. Auf bis Bitte des? Pillauer LotsenöommcmteurS, ter an das Boot heran fuhr, gestatteten die Engländer ten Fischern die Aus­fahrt in die See. Am dtachmittag gegen 4 Uhr fuyr das Boot mit nördlichem Kurs davon.

Kiel, 27. Okt. (Wolff.) Von ter Marine- pation ter Ostsee wird mitgeteUt: Die O st s e e - sperre ist soweit gemildert worden, baß bte Hoheitsgewässer jetzt aB außer halb ter Beschränkungen stehend betrachtet werten können, wodurch die deutsche Ostseeküstenschiffahrt wieder ermöglicht wird. *

Sech» bolschewistische Schisse in die Luft geflogen.

Helsingfors, 26. Okt. (WTB.) Sechs bolschewistische Schiffe sind bei Kronstadt auf Mmcn gestoßen und in die Luft geflogen.

Die deutsche Vertretung auf der Konferenz in Washington.

Berlin, 25. Okt. (WTB.) Unter ten zwöl Vertretern, die Deutschland zur internationalen Arbeitskonferenz zugeitanden sind, fuib oier Regierungsvertceter, darunter ter Führer der Delegation, Staatssekretär a. T. AugustM üller, Gel-eimec Oberregierungsrat Dr. L e y m a n n vom Reichsacbeitsministerium, Regierungsrat Dr. Ti­burtius. Geheimrat v. Lewinsky vom Aus­wärtigen Amt. Ter Vertreter ter A.v:iNe<ec ist Geheimer Kommerzienrat Wieland, Vertreter

ter Arbeitnehmer der stellvertretenbe Vorsitzende der Generalkommission der Gewerkschaften G r a fe­rn ann als Vertreter Legiens. Unter den tedjnb chen Ratgebern werten genannt Fräulein Hanna, Schriftleiterin ter gewerkschaftlichen Frauenzeitung, ter Abgeordnete Erkelenz und ter Generalsekretär ter christllchen .Gewerkschaften, Brauer.

Ein Stimmungsbild aus Amerika.

§) a a g, 24. Okt. DerNieuwe Courant" meldet aus Neuyork: D e Anhänger der d e u t- schen Großen Oper hatten es durch- gcsetzt, daß das Verbot gegen die deutsche Oper aufgehoben wurde. Die Vorstellungen im Lexikontheater wurden mitZar und Zim­mermann" wieder eröffnet. Innerhalb und außerhalb des Theaters kam es hierbei zu großen Ruhestörungen. Im Zuschauer- raumi erhoben sich mehrere Personen und be­warfen die Schauspieler mit faulen Eiern. Das Orchester zog sich zurück, die Sänger je­doch spielten weiter. Die Polizei wurde zu Hilfe gerufen. Bei den Straßenunruhen wur­den mehrere Personen verwundet. Die Vor­stellung konnte trotz der Unterbrechung zu Ende geführt werden.

Personenwechsel im englischen Auswärtigen Amt.

London, 24. Okt. (Wolff.) Havas. Lord Eurzvn ist 5um Staatsiekretär für die aus- wartigen Ange.'egenheften ernannt worden anstelle Dan Balfour, ter zum Präsidenten des Ge- teimea Rates des Königs anstelle Curzons er­nannt wurde.

Der König von Spanien in England.

London, 25. Okt. (Wolffft Havas. Der König von Spanien nahm in K e n s i n g - ton an einem von der Priirzessin Beatrice ge­gebenen Bankett teil. Es war der. Marschall Haigh anwesend. $

Ein Konflikt zwischen Elemencean und Mangin.

Versailles, 26. Okt. (WTB.) Zwischen Clemenceau.und dem General Mangin, der mit einer Mission im Baltikum betraut werten sollte, ist ein Konflikt ausgebrochen. Dem Ge­neral wurde die Mission entzogen. .ES wird ein anderer General entsandt.

Paris, 26. Okt. (WTB.) General Fran- cke t b'Espe re y wird nach den baltischen Pro­vinzen entsandt werden.

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Fiume.

Basel, 24. Okt. Die Agence Centrale meldet aus Fitune: d' Annunzi 0 loste durch eilt Dekret den Fiumer Gemeindc- rat auf und schrieb Neuwahlen für den 26. Oktober aus. Bei den Neuwahlen soll be­reits das neue, vom Fiumer Nationalrat be­schlossene Wahlrecht angewandt werden, nach welchem, wie Oie Agentur hinzufügt, nur llOUO Einwohner Fiumes das Wahlrecht ausüben dürfen, während 33 000 nicht wahl­berechtigt sind.

Bern, 25. Okt. (Wolff.) DerSecolo" berichtet aus Washington, daß die Verhand­lungen über Fiume sich einem guten Ende nähern. Es sei gelungen, sich auf eine Mittel­linie zu verständigen. Die Lösung der Frage, die binnen kurzem ihre endgültige Formulie­rung erfahren wird, sei derart, daß man auch auf die Zustimmung d'.Annunzios hoffen dürfe.

Der Friede mit Bulgarien.

Paris, 25. Okt. (Wolff.) Havas. Diplo- mattsche Lage. Die Antwort ter bulgari­schen Delegation auf die Frietensbedmgun- gen ter Entente ist in einer sehr klaren, flüssigen unb maßvollen Form gehalten. Die Bulgaren ftimmen ohne Vorbehalt den Bestimmungen des Frietensvertrages zu. Sie machen Vorbehalte, die sich auf gewisse Abänderungen im Abschnitt über die Wietergutmachungen beziehen. Sie erheben namentlich Einspruch gegen die Höhe des von Bulgarien verlangten Betrages. Sie fordern die Aushebung ter Zmsen und die Ausdehnung ter Zahlungsrristen und wenden sich hauptsächlich ge­gen die Wiederherstellung der Verträge Bulga­riens zu Gunsten von Staaten, die daraus vor 1913 teilten Nutzen zogen. Mit Bezug auf die militärischen Bestimmungen macht die bulgarische Negierung Vorbehalte hinsichtlich be3 Freiwuligen- systems, das ihr durch den Vertrag aujerlcgt wird, indem sie heroorheöt, daß einzig 'die Aushebung in Bulgarien eine genügende Wehrmacht sichern kann, um die Ordnung im J-nnern zu gewähr­leisten. Die auögetehittesten Einzelheiten ter bul­garischen Bewertungen s.nd Auseinandersetzungen über die territorialen Bedingungen gewidmet, wo­bei sich die Einwendungen aus ethnographische Grundsätze und zahlreiche statistische Darlegungen stützen. Sie erheben Einspruch gegen die Ver­änderung ter bulgarischen Grenzen unb schlagen namentttch eine Vottsabstimmung in Thrazien und die Bildung eines autonomen Staates aus diesem Gebiete vor. Es scheint wenig wahrscheinlich, daß die Alliierten die ursprünglichen Bedingungen merklich abäntern werten.

Köln, 27. Okt. TieKöln. Ztg." meldet aus Paris: EH verlautet, daß Transshlva- nien an Rum,anien gegeben ivei'ixn wird.

Doch soll die alleinige Aussicht Rumäniens übe tee Eisenbahnlinie von Aram nach Szalmar aus» geschlossen sein. Tas Banat soll zwischen fRumjk nien und Serbien grteilt werten.

Die Tiamantfvrdcrcr in Siidwest-Afrika.

Berlin, 25. Okt. (Wolff.) Von maß­gebender Seite wird uns geschrieben: Die bis­herigen Verhandlungen über den Zusammen- ,chluß der hauptsächlichsten südwestafrikani­schen Diamantförderer und eine ge­meinsame Veräußerung ihrer Berggerecht* same in Südwestafrila führten vorläufig zu einem befriedigenden Ergebnis. Vor der end- gültigen formalen Erledigung der schwebenoen Fragen können Einzelheiten nickt mitaeteilt werden.

Süddeutschlanv und die Uohlennot.

München, 25. Ott. (WTB.) Tas Korre» spondenzbureau Hoffmanrt meldet amtlich: Zu­folge des Beschlusses teS Ministerrats wurde an den Reickrslanzler sowie an ten ReichswirtschaftS- miniftcr je ein Telegramm gerichtet, luorüt tei bayerische Ministerrat seine Auffassung betont, daß die in S üdde u t s chl'and herrschende Koh- lennot zur Katastrophe führen muß, wmn nicht die Einstellung des Eisenbahn- Personenverkehrs auf 10 bis 14 Tage er­folgt. Gleichzeitig wird ersucht, zur Beratung die­ser Maßnahme die Verkahrömimster ter einzelnen Länder sofort nach Berlin zu berufen.

Dazu erfährt das Wolsf-Bureau von zustän« diger Stelle: Die Kohlenirot in Süddeutsch!arid ist die Folge des niebrtgen Wasserstandes bei Flüsse, der ten Transport auf ten Wasserstraßen ausschliefet. Die Vorbereitungen zur Einstellung des Personenverkehrs sind von den zuständigen Stellen bereits getroffen worden, doch erscheint es fraglich, ob dieses Mittel nach ten schlechten Erfahrungen in Oberschlefien unb Ostpreußen an* gewendet werden muß. Eine Freimachung ter nach Süddeutfckland führenden Bahnlinien wird tor», aussichtlich notwendig sein. Es ist zu hoffen, daß sich dabei die für das Wirtschaftsleben so über­aus schädlichen Wirkungen einer Einstellung des gesamten Personenverkehrs vermeiden lassen. Irr welchem Maßstabe eine solche Freimachung durch- zusühren ist, wird Gegenstand der Prüfung ter tetrtiienben Behörden snn.

Bus dem besetzten Gebier.

Eröffnung der Mainzer Warenbörse.

Main z, 21. Okt. (WTB.) Unter Beteiligung von etwa 600 Besuchern, darunter eine große Anzahl Ausländer, wurde heute int ,,Hof zum Gutenberg" die Mainzer Warenbörse cr< ösftiet. Es entwickelte sich gleich ein lebhaftes Geschäft. Vorerst sind folgende Warengruppen vov, gesehen: 1. Landesprodukte (Getreide-, Futter- und Düngemittel), 2. Kolonial- unb Material­waren, Drogen, Wein, Spirituosen und Tabak, 3. Eisen und Metalle, 4. Textilwaren, 5. Häute und Leder, 6. Holz, 7. Versicherung, Spedition, ferner Effekten-, und Wechselverkehr,

Aus dem Reiche.

Eine Spaltung des Spartakusbundes.

Berlin, 26. Ott. (Wolffft Tie Hamburger Morgenblätter bringen einen Aufruf ter kom- m u n i st i s ch c n A r b e i 1 e r z e i t u n s, ^wonach die Kommunistische Partei Teutschlands (Spar­takusbund) sich gespalten habe. Dem.Aufruse zufolge überfiel die Senträlc ter Partei die Dele­gierten mit Leitsätzen, die vorher ten Organisatio­nen zur Beschlußfassung nicht vorgelegt Worten Karen. Arn Schluß ter Leitsätze befand sich der Vermerk, daß alle Genossen, die nicht auf dem Boden dieser Leitsätze ständen, aus ter Partei aus­zuscheiten hätten. 18 von 43 Delegierten stimmten Bi die Leitsätze und wurden bestell», als außer- der Partei stehend erklärt, ausgefortert, ten eifrig sofort zu verlassen., Ter Aufruf weist schließlich Darauf hin, daß sich die bJiinbcrteit sofort neu organisieren müsse, und daß die Partei­organisation in Hamburg hie Durchführung ter Vorarbeiten für bie Organisation ter neuen Partei in die Hand genommen habe.

Getreide für die Brauereien.

Berlin, 25. Okt. (WTB.) Nachdem am 1. Oktober das neue Kontingentjahr begann, wurde angeordnet, daß den Brauereien nunmehr neues Getreide zugewie- sen wird. Die ganz kleinen Betriebe, bei denen 10 Prozent des Malkontingents nicht mehr als 20 Zentner aus machen, werden bis 10 Prozent, die übrigen vorerst mit 5 Prozent beliefert. Die Belieferung ist eine Teilliess- riing, da mit Rücksicht auf die bisherigen Ge­treideablieferungen es zurzeit noch unmöglich ist, die gesamte, für die Brauindustrie im Wirtschaftsplan vorgesehene Menge zur Aus­schüttung zu bringen. Mit dec Belieferung wird sofort begonnen.

DieDeutsche Zeitung" verboten.

B e r l i n, 27. Okt. (MTV.) Die2 ent -- sche Zeitung" ist wiederum verboten worden.

Vom Münchener Kalholikentag.

München. 26. Ott. (WTB.) Erzbischof Faulhaber hielt auf ten; Münchener Katho­likentag eine Rete, in der er sich gegen das ^streben wandte. b:n Einfluß von Kirche und Religion aus dem öiienHtcben Lebet; auszuschaMu. da dadurch jede e:aat:autoritär verloren geh