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Es kam die Stunde, in der ihn Direktor ßcbrttem erwartete. >

Er ging zu Fuß nach der Jägerstraße. Er darbte nicht mehr gn ein Mißlingen. Er dachte an gar nichts. Er handelte, wie unter Zwang.

Er. mußte zu Labwein gehen er mußte ihm die Opiumzigarette geben er mußte ihm deis Brief wegnehmen, das stand fest, das schien sclbstversichchlich. Er wunderte sich über seine Ruhe. Hätte ein Arzt seinen Puls gefühlt,, er würde nicht die geringste Aufregung bei tl/m fesb- ge stellt haben.

*

Tie kurzsichtige, ältliche Dureauirorstehenn des Derrn Erich.Labwein meldete mit ihrem dünnen Stimmchen bie Ankunft des Herrn Heinrich fltot* Müller, und Tirektor Labwein begrichte den ehe­maligen Knopffabrikanten «aus Elberfeld mit der Herzlichkeit, mit der man alte, liebe Bekannte begrüßt.

.Treten Sie ein und machen Sie es sich be­quem, mein lieber Herr Rotmüller," sagte er. ,^Zch bin jetzt für niemand zu sprechen," instruierte er die Vorsteherin seines Bureaus.Sagen Sie, ich wäre aus der Börse."

Er schloß die Türe, die nach dem vorderen Zimmer führte und nötigte Dorival in einen Sessel.

Run wie gefällt es Ihnen in Berlin?"

Tirektor Labwein wollte es sich nicht anmerken lassen, wie er darauf brannte, aus dem Munde seines Besuchers zu hören, ob sein Vorschlag ,an­genommen worden war. Er hatte sich an seinen Schreibtische gesetzt und kritzelte schnell einen gleich-

Der Doppelgänger.

Roman von CarlSchüler.

Fortsetzung Nr.

titefcn Mngriff in die Preßfreiheit. ClemenrraU verscherze sich immer mehr feine Popularität.

( <35 ist nE ganz von der Hand $u weisen, daß

die Teuerungsausschpeitungen in Böhmen von Agenten der ungarischen Räteregie- Xting («ruf dem Wege über bie Wiener ungarische Gesandtsrfrast ins Werk gefetzt worden sind. Die Plünderungen erstreckten sich nicht auf Prag allein; sie haben fast in allen größeren Stabten des Landes überall nach bemfefben Biuster stattgefundem Am fmcrkwürdigsten waren die Vorgänge gegen die Sc* Lensmittelwucherer in der Bergarbeiterstadt Kr a d- n o , dem Zentrum des ls.techi chen Kommunismus. Dort wurde vor dem Rathaus ein Galgen er­richtet. Die Kettenhändler wurden von der Menge Mrm Galgen geschleppt, mußten sich der Reihe nach den Strick um den Hals legen und M en Festigkeit erproben, >worauf sie wieder freigelassen wurden.

Polnische Schreckensherrschaft in Ostgalizien.

Berlin, 25. Mai. (WTB.) Tie ukrainische ^sandtschaft teilt svlgendL Wiener Meldung mit: Tie Polen haben in Ostgalizien das Standrecht v.rhängt. In den d-rch polnisch-. Truppen neutestzton Gegenden wütet eine Schrecken shrrrschaftohnegleichen ge­gen d i e Ukrainer und Juden. Tie aus den Mitteln der Entente ausgerüstete Armee Hal­ler bildete sogenannte Strasabteilungen, welche Hintor bat -Frvnttruppen die ukrainische Bevölke­rung in den besetzten Gebieten, welche sich dem polnisckien Jmpe.ittismus nicht uitteruxrfen will, ftnfvn sotten. Tie ukrainische Intelligenz wird zu Hunderten rücksichtslos berbortet und festge­setzt. Rach verlässigen Bericktten aus Sambor wur­den viele Ukrainer, die Jndckligen» wie die Bauern, rum diesen Stvafkompagitien standreckttlich er* schossen. Jede Zusammenkunft von Ukrainern wird unterdrückt. Selbst die Kirchen werden gesperrt tunb die Priester verhaftet.

gültigen Brief herunter. Ter Knopffabrikant aus Elberfeld sollte wissen, daß es für ihn noch wich­tigere Gescktäste zu erledigen gab, als die Be- fcfjaffimg eines Konsulatstilels.

.,Wie haben Sie den gestrigen Abend zuge- bracht? Gut amüsiert?"

Er wartete keine Antwort ab, sondern fügte hinzu:Entschuldigen Sie, Herr Rotmütter, daß ich erst diesen Brief fertig schreibe. Sehr wichtig. Ein Geschäft mit unserer Regierung. Ich stehe gleich zur Verfügung." . _

Lassen Sie sich nicht stören!"

Tvrival schlug bie Beine übe rein ander, z-og seine Zigarettenbose hervor und zündete sich eine Zigarette an. Tie geöffnete T-ose ließ er auf dem Tisch liegen. Tas Abteil, in dem sich die Opium­zigaretten befanden, war dem anderen Sessel zu- gcwandt dem 'Sessel, in den sich nachl>er Lab­wein setzen würde. Lächelnd, wie in airgenehme Erinnerung versunken, sagte Dorival:

Tolles Rest, dieses Berlin. Ich glaube, ich werde mich fjtcr bald einlebcn."

,Haben Sie ganz recht," bestätigte Labwein, immer noch mit Schreiben beschäftigt.Man kann hier das Leben gemeßen. Natürlich muß man jemand halben, der dm Fremdling einführt. Ich stelle in dieser Beziehung gern zu Tiensten. . Wo wohnen Sie -hier eigentlich?"

Tvrival nannte das Hotel am Potsdamer Platz.

Sehr geräuschvoll," frittierte Labwein. ,^Jch könnte dort nicht schlaien. Allerdings, Ihr Herren aus der Provinz kommt ja nicht nach Berlin, um zu schlafen. So. Ich bin fertig."

Er zag den fltollverschluß seines Sehreibtisches zu, erlwb sich, und setzte sich ganz so, wie Dorival es gehofft hatte, in den anderen Sessel.

Nun, wie Lst'L? Wollen Sie Generalkonsul

Aus der franzSsifchen Kammer.

Versailles, 24. Mai. (WTB.) T« Pa­riser Morgenblätter melden: Tie französische Kammer und der Senat veranstalteten gestern anläßlich des Jahrestages des Eingreifens Italiens in den Krieg eine Kundgebung zu Ehren des alli­ierten und befreundeten Italiens. Beide Häuser nahmen.Entschließungen an, in der die Einigkeit beider Länder als notwendig erklärt und Italien die Zusicherung ausgesprochen wird, ihm in den Bestrebungen zur Durchsetzung feiner gar echten Forderungen treu zu helfen. In der Kammer verlangten die Deputierten Violette, Lafent, Goude mb Cachm die Festsetzung des Zeitpunktes für ihre Interpellationen über die Räumu ng Odessas, über die französische Politik im Orient, über die Bringungen, unter denen die franzö­sischen Kriegsschiffe nach Frankreich zu rückgebracht wurden, welche man gegen die russische Revolution verwenden wollte. Tie Inter­pellanten protestieren gegen die Jnterventiion in Rußland. Goude verlangte, daß bis zu dem Zeit- punlt der Erörterung per Interpellationen kei­nerlei Strafmaßnaymen gegen die Matrosen der französischen Schwarz­meer flotte ergriffen würden. Tie Offiziere versprachen ihm dies. Die rote Flagge wehte auf den französischen Schiffen, aber die Offiziere wurden nicht belästigt. Tie fron- -östschen Matrosen drückten im Einversündnis mit der Landarm« nur den Willen aus, die russische Revolution nicht zu bekämpfen. Nach der Inter­vention Cachms erklärte sich der Marinemrnistor bereit, am 8. Ium den Interpellanten zur Ver­fügung zu ftefcai

Bolschewistische Ansteckung französischer Matrose«.

Versailles, 23.Mai. (WTB.) Das Matt des Deputierten BrrzonLa V ag ue" veröffenl- slicht den Brief eines französischen Matrosen aus Sebastopol vom 22. Aprck 1919. Dem Brief zufolge räumen die französischen Tr-uppen Rußland, weil auf den französischen PanzernFrance",Ju- stice",Verzniaud",Mirabeau" und einigen an­deren vor Sebastopol liegenden Schiffen Revol­ten ousbrachen. Am 21. April sangen die Be­sitzungen dieser Schiffe die Internationale und hiß- cken die ro t e Fl a g g e. Landurlauber schlugen sich .auf die Seite der Bolschewisten und durch­zogen die Straßen Sebastopols. Es kam zu ßSchießereien, bei beiten es Tote und Verwundete gab. Als die Matrosen die flläuntung Rußlands forderten, 'antwortete der Admiral mit der Zu­sicherung, daß Rußland binnen vierzehn Tagen ge­räumt fern werde. Der Matrose setzte in seinem -Briefe hinzu, toenn es nicht geräumt werde, win­den alle französischen Mattosen revoltieren uno für iLhre Handlungen nicht mehr eitrstzehen. Wie die Humanste" mitteilt, sind von 139 000 gebrurften Exemplaren derVaßue" 129 000 von der Polizei Wegen der Veröffentlichung duses Briefes beschlag­nahmt worden. DieHnmanite" protestiert gegen

Aus der Denkschrift der Reiche wirtschafttministerillms.

Berlin, 24. Mai. Vom Reichswirt- schast sministeriu m ist <nt das Gesamt- kabinett eine umfassende Denkschrift gerichtet wvr- beit, in der ein Programm für die deutsche Ge­mein w i r t s ch a f t aufs-'slellt wird. TieVossi- sche Zeitung" ist in der Lage, nähere Angaben über oiese Tenffchrift zu machen. Danach find der Dcnü- schrift mehrere dlnlagm beig^geben, die Richtlinien enthalten für ein Gesetz über die deutsche Gemein- wrrtsthast, für die Ausgestaltung einer zu gründen- deu R e i ch s ve r m ö g e n s b an k, für die Errich­tung eines Reichsfonds, der die Ausgabe hat, durch Gebrauch und Verbrauch seiner Mittel die Wiedererzeugimg inbefriedeten Betrieben" zu fördern und dadurch die Besckjäftigung der deutschen Arbeiterschaft zu ermöglichen. Schließlich ist ein GeseEntwurf über denA rbeitsfrieden" beigffügt, der die Möglick»keit geben soll,Be­tri, be, die für die Aufrecksterhaltung der iyirtfdicn Volkchlckrtsckmft, insb.wndcre für die Skrfvrgrmg mit Brennstoff, elektrischer Arbeit, Nalwung. Klei- tung, Beleuchtung, für den Verkehr mit Personen, Gütern- oder Einrichtungen, die für die Erfüllung der dem TeutsckZen Reich obliegenden völ'öerrrch- lichrn Verpflickstungen lebenswiclrig sind, unter Fri. densgebot zu stellen". Zu svlckienbefriedeten Betrieben" können auch Betriebe anderer Art gc- mackst werden,sofern dies von dem Arbeitgeber und der Arbeitnehmerschaft einstimmig beantragt wird".

Tie Denkschrift fordert u. a. ein festes und klares Wirts,haftsvrogramm, damit dem ungeßü- men TnSugen eine Rickstung gegeben wird, damit jeder sich auf das einriditen tonn, wrs die nächste Zukunft brrtgen soll. Erfdes Ziel must also sein: Fachliche Wirtschaftsgruppen jew.ils aus Unternehmern und Arbeitern, Kaufleuten und Verbrauchern zusammeng-sekt zu btiten. Tie Gesamtl-cit dieser Win ßte ftsgrnppen, die als sach­liche .Sekhstverwaltuetgs'/örper auS ulnlten wären und jeweils aus Unternehmern und Arbeitern zu­sammengesetzt sind, würde neten den regional gt» nalilten Vettretrrn in einem Reichs roirt* schaftsrot zu vereinigen sein.

In dem Programm über die einiuffihrende gebundene Planwirtschaft wird bergelegt:Tie Räteorganisation ist ßosprt durch ein be» sorLeres Rcick-sg setz noch vor Verabstnedung der Verfassung ins Leben zu rufen. Ihr Kernstück soll die fachliche Organisation sein, die von den ans den Facktg.uppen der Arbeitsgemeinsckiast zu eick- N-ickelndeii Wirtsckxaftsbünden zu rechts- und ge- schäs.s'ähigeu Wi tfrf>af S neckt er. ie-i fcrtijft i gen. Aufgabe dieser scht'ilichen Organisation soll sein, die Wictsrfvft aus allett Fachg.'bieten nach den von der Reichsg.-setzg.-bung aufzu stellenden Grundsätzen zu leiten. Diese Fachstellen, zusam- mengesastt in Arbeitgeber- und Arbeit nehm, rräten, besitzen gemeinsam den Reick-snstnsdxtsts'?at als oberstes Organ der beut fiten Gemeinwirtsämst. Die Organisation des ReiehS.virtsrfiaf.srates ist streng paritätisch g.dacht. Der Gesamtheit der Arbeit- nelimer sollet: mithin hinsichtlich der g meinwirt- sckaftliten Beciitflussung der Wirtsckiaftsrvrgänge die gleichen Rechte und damit auch die gleichm Verantnortlichteiten Lustehen wie dem Unterneh­mertum. Im RciihSloirtscimftsrat sollen auch Ver­treter des Handels und Vertreter ber Verbraucher sitzen. Reben der gemeinwirl schäft liehen Regelung der Kohlen- unb Kalischätze wird unverzüglich eine gemeiun-irtschastliche Regelung ber Elektrizitäts­versorgung mib des Betriebes der Getreidemü l'len in bie Wege geleitet. Tie gemischt wir tscha stliche Beteiligung des RricheS an industtiellen Unter­nehmungen ist durch» eine zweckmäß ge A u s g c - staltung der Vermögensbesteuerung zu fördern. Es ist namentlich daran gedacht, daß das Reich die Befugnis bekommt, an Stelle der Ab­gabe der in der Steuerdeklaration aüfgeführten Vermögensobjekte zu den von den Steuerpflichtigen angegebenen Werten die von den Steuerpflichtige'.- verfchniegenen Objekte ohne jede EntslNbigung selbst zu übernehmen. Tie gemeinwirlsckr-aftlich! Verwaltung aller in den Händen des Reichsbe- Hörden oder in ihre Hand gelangenden gemischt­wirtschaftlichen Beteiligungen ist an eine bchondetc- Rrick'svermögensbMik zu über tragen. Diese R-ichs- vermögensbank verwaliet auch einen Reichs fonds in Höhe von mehreren Milliarden, der bei: Zw° rf hat, die beutsche Gütererzeugung insbeioickere durch (Srteitung von .Reühsanfträgen zu fördern, ^ir Turchsührung des ei hsttliä-en Wirtfetestspro- g amms wird die Zahl der an der Wirtfäiosts- polilik beteiligten Reichsministerien auf drei verringert. Tie Mhrung bet Wirtschafts­politik soll ledigttch in den Händen des Reichs- N iststeftsmi-ftslers de> Reick».arbeitsmi i'ers und des Reichsfirwnzminiöers liegen. Diese drei Mi­

nisterien werden mit Männern einheitlicher An­schauung befehl. Die drei Ministerien unter dem Vorsitz des Reichswirtsckiaftsministeriums bilden innerhalb des Kabinetts einenWirtschastsaus-- sckfuß" dessen wirtschaftspolitische Rick^lmien von allen anderen Ressorts, insbesontere von der wirt- «itspolitischm Abteilung des Auswärtigen Am­tes, bent Reicksernälrrungsminiterium und der Waffenstillstandstommiffvu, imbebingt zu befolgen sind, solange nicht das aesamte Kabinett abwei­chende Entscheidungen trifft.

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Die württembeegische -andeSversamm- lung gegen die Auslieferung des früheren Kaisers.

Stuttgart, 24. Mai. (WTB.) Die Württemberg. Landesversamm- lung nahm heute gegen die Stimmen der beiden sozialdemokratischen Parteien einen A u s s ch u ß a n t r a g an, worin die Staatsregierung erfudjt wird, bei der Reichsregierung dahin zu tuirken, daß Deutschland 1. einem völkerrechtswidrigen Verlangen der Entente auf Auslieferung von Deutschen, insbesondere des früheren deut­schen Kaisers mit aller Entschiedenheit entgegentritt und 2. die Einsetzung eines Kriminalgerichtshofes aus partei- isck>en Richtern zur Abteilung von Deutschen grundsätzlich ab leh n t.

Ein Ausstand ber Eiseubahnarbcittr in Ostpreußen.

Königsberg i. Pr., 24. Mai. Der Ausstand der Eisenbahnarbeiter breitete sich fast über das ganze Dtrektionsbezirk Königs­berg aus und ruft fdauere Hemmungen im Verkehr und im Wirtschaftsleben hervor. Die Arbeiter versud>en vielfach unter Drohungen, die dienstbereiten Beamten an der Arbeit zu hindern. Auch Militärzüge sollen nicht be­fördert werden. Abordnungen der ausstän­digen Arbeiter begeben sick) nach Berlin, um beim Minister ihre Forderungen zu vertreten.

2lu* Hessen.

Eine Mitteilung des Lanvesamtes für das Bildungsrnesen.

rm. Darmstadt, 25. Mai. Das Landesamt für das Bildungstvesen erläßt eine Bekannt­machung, in der mitg.teilt wird, oaß demnächst her Landesschu bcirat einberufen würde. Es ist ferner ein gemeinsames Vorgehen mit dem badischen und württembergischen Kul- ttüsministerium bezüglich der Schulreform in bie Wege geleitet. In Württemberg habe sich ein Lehrerbund gebildet, in dem sich die Oberlehrer und die Volksschu lehrer zur Bearbeitung der großen Zeitfragen zusammengetan taten. Vielleicht ließe sich auch in Heften ein solches Zusammengehen ermöglüben. In Darmstadt sei eine solche Arbeits- gemeinsckwft schon in Tätigceit. Hoffentlich wür- den sich die Hochschuldozenten nicht ausfchließen.

Lin unzweckmäbiges Bahnprojett.

Gießen, 26. Mai 1919.

Eine vom Bürgerve re in für Samstag abend in bas HotelFelsenteller" ein berufene allgemeine BLeserversammlung beschäftigte sich mit den von der Eisenbahndireltion Frankfurt a. M. geptonten Balmanlagen an ber Strecke Gießen-Kassel. Noch einem von der Direktion aufgelegten Plane ist in dem Raume zwischen Rodberg unb Ba­de n b n r g ein Ueberholungsgeleise mit einem Stalionsgebände bei dem Blockhaus Baden- burg voxgeseten.

Nach kurzer Darlegung uno Erläuterung des Pwnes durch die Herren Archit. Seuling und Geh. flNedizinalrat Prof. Tr. Sommer unt> nach längerer fachlicher Aussprache, an der sich die Herren Kaufmann Bindewald, Fabrikänt Georgi, 93e:cnigimgvgeonteter Ludwig u a. beteiligten, einigte man sich auf folgende Ent- ichließung:

Tie Interessen der Stadt Gießen erfordern es, daß die von der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. für ben Raum zwischen dem Wißmarer Eisenbachnviadukt imt> dem Blockhaus Badenburg geplante Bal>nanlage sog. Ueberholungsgeleise näher an das Nordende ber Stadt heraage- schoben werde, und zwar soweit südlich, daß eine Hctttrstelle an d^m Süd-Wesd-Abhauge des Rod­berges ermöglicht .wird. Ausschlaggebend hierbei dürfte neben ber Rücksicht auf die Stadt die sich in nicht allzu ferner Zukunft wohl sicher ergebenöe Notwendigkeit fern, von dieser schon, längst erstrelton Haltestelle Gießen-Nord aus mit Untertunnelung der Marburger Straße die Linie nach Fulda abzuzweigen. Wird die vor- gefebene Anlage so weit, wie geplant, nach der

von Costalinda werden? Wollen Sie den Groß­stern der El/renlegion haben?"

Herr Rvtrnüller aus Elberfeld rieb sich ver­legen bie Knie.

Ich will schon," sagte er,aber der Preis ist doch sehr hoch. Ließe sich die Sache nicht etwas billiger machm?"

Er mußte die Unterhaltung etwas in die Länge sieten, den Widerspruch seines temperament­vollen Gegners «wecken. Er hatte schon gestern beobachtet, daß Labwein, wenn er sich auf regte, zu den Zigaretten griff.

Ater Herr fltotmüller, wo denken Sie hin? lieber den Preis waren wir uns doch fchon einig, darüber dürfen .vir lern Wort mehr verlieren." Er kalkulierte, daß ein Mann, wie dieser ehr­geizige Herr fltotmüller, nur einen Fühler aus- streckte, um zu sehen, ob er billiger wegkommen könne. Er dachte ater gar nicht daran, diesem Dummkopf gegenüber feine Forderung zu er­mäßigen.

Wenn ich nun 120 000 Mark bezahle, bar bezahle," entgegnete . Herr Rotmütter,mürben. Sie das Geschäft machen oder nicht? Ja ober nun?"

T-irettor Labwein zuckte nervös zusammen.

Es war nicht seine Art, mit einem Ja oder Nein eine Sache von Wichtigkeit zu erledigen. Er nurde ärgerlich, wenn jemand ein solches Ver­langen an ihn stellte.

Er schüttelte mißbilligend den Kopf, rang oer- zweiftlt die Hände und griff in die Zigaretten­bose Tvrivals. -

Er nahm eine ber Opiumzigaretten!

Sie verkennen ganz die Lage ber Sache, mein lieber Herr Rotmüller? Sie tun ja gerade als ob ich das Geld bekäme. In meiner Tasche bleiben noch nicht fünf Prozent. Was weiß ich?

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Stadt ttnfc Land.

Gießen, den 26. Mai 1919.

fehlenden Kartoffelzufuhrea, einem dernnächstigen Versieget,

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Scfccnburg verschoben, so wäre wohl die Mög« lichkeit ber Hinauslegung der Linie Gießen-Fuida aus der Stadt mit Abzweigung von ter Hall?stell« Gießen-Nord für alle Zeiten zunichte gemacft"

Tiefe Entschli.'ßung soll dem Herrn Otev bfirgermeifter unterbreitet werden mit ber Bite, in ihrem Sinne bei den zuständigen Stellen - Eisendahndirektivn Frankfurt a. M. und Hess. nifkrium wirken und gegen den P au in feiler vorgelegten Form Einsprrrch erheben zu wolie.i

Maßgetend bei ten Erörterungen war in bn Hauptsache die Erwägung, daß eine Halte ste l l< am Blockhaus Badenburg weder für Gie­ßen noch für die in Betracht bmmenben Nachl^r« gemeinden Wiefeck und Wißmar irgendwelche be. sondere Bedeutung hat. Dagegen erfordern bie Interessen der Stadt Gießen und indtetonber? des Nordendes eine Haltestelle am diessritigeü Abhang des Rodberges, bie auch der Ge­meinde Wieseck sehr zugute käme. Wird die gt< Plante Anlage so, irie es die Entschließung voc- schlägt, näher an das Nordende der Stadt heran- gezogen, bann ließe sich auch die längst erstrebte unb später sicher nötig wertende Hinausle. gung der Lime Gießen-Fulda ans ber Stadt mit Ab^nxigung von ter Halle stelle Gießen- Nord ermöglichen, während die Ausführung bei von ber Eisenbahndirektton vorgelegten Planes diese Möglichkeit ein für allemal zunichte machen würde. Daß der Verwirklichung des in der Ent­schließung des Bürgerverems enthaltenen V.w schlages besondere Schwierigkeiten entgegenftetyn, ist mcht emziffriien. Den für die Ueberholungs- gclcife nötigen Grund könnte man ganz gut am Eifenbahneinschnitt unb dem Südwestabhange bd flöobte^es abhcben umb dadurch freien Raum für bie entsprechenden Anlagen schaffrir. Ob aber bai geplante Empfangsgebäude am Nvrte- oder Süb­ende der Ueberiwlimasgeleife liegt, dürfte wohl nicht besonders von Belang fein.

Es wäre zu wünschen, daß eS endlich einmal gelingen möge, in ter fchon so lange schwebentei imb durch den vorgelegten Plan aufs neue in Fluh gebrachten Frage ter Verlegung ter Oberteftischrn Linien des wundesten Punktes im Gießen« Berkelirsivesen eine wenigstens teilweise Lösung zu finden, die ter Entwicklung und den Lebens- intsrefien unserer Vaterstadt gerecht wird.

P'JÄ'S

- S .Mn kp*"ihtet

Pf luijjft tubi tet6S

fcnqVbu^n

Biell.ickft muß ich alles heran drücken. Tann hrbe ich weiter nichts von ter Sache als die Ehre, aus Ihnen einen Generalkonsul gemacht zu haben, einen fliitter der Ehrenlegion. Unter uns Ü rechne auf Ihre unbedingte Verschteegenheit - irvniger als 100000 Mark darf ich meinem Freias Awarez nicht anbieten. Ich würde meinen gaiiyn Einfluß bei ihm aufs Spiel setzen, tarne ich ihm mit weniger. Uno Minister Jgnacio te Sfibv guerque, ter Kommandeur ter Ehrenlegion, iii auch nicht blöde im Fordern. Ter 'Mann ifl so. durchtrieben, daß man aus ihm tegitrm zivä Pferdehändler machen konnte. Was ich dem oo» ten 50 000 Mark, die verbleiben, abl-andle, iS mein Verbimst, mehr nicht So wahr ich JhnE" hier als Ehrenmann gegenüber sitze."

Er strich sich ein Streichholz an und zündett die Zigarette an, die leise fnifterte, als sie in Brand gesetzt wurde.

T-orival ließ dem lebhaften Mann keine Seit Tann kostet mich ter Orten also glatt 50000 Mart? Nee, .aus ten will ich verzichten!"

Direktor Labwein fuhr auf.

Wie kommen Sie aus die flkrmutitng?" ri'l er lebhaft.Wollen Sie ten Minister znm Gegnck haben? Er ist Ihr Vorgesetzter, wenn Sie General­konsul sind. Er kann Sie abfetzen, wenn Sie Hfl nicht auf Ihrer Seite haben. Berscb'rzen Äj sich doch nicht ten Einfluß auf die Regierung, ten ich Ihnen verschaffen 'will. Tas General­konsulat läßt sich vom Orten nicht trennen. M würde das aussehen, ein Generalkonsul und kett! Orten! Sie kommen in eine Gesellschaft. Sir, tragen einen Frack. Man wird Sie nicht unter'' scheiden können von eitflem Kellner, wenn Sil nicht einen Orden baten! Nehmen Sie Vernunft an, Herr fltotmüller!"

(Fortsetzung folgt)

liegen: 6<m.»ü li. Schwestern -Schüler» in Fck b ftler-Sonll mif der L«cl ihtt und erfreuen. Eir lÜlMt abwi^lte, M guter Auch kMit ber klär ketürinnen. Bus

M Betätigung i Stsangsuorttch , 0. Gordon, ienh.Frau find rnnftitmt, fonr Stlmtjt. Mit ein '< Zufall verstär m Leisall aus.

1 fonjertA-D ye" von Beet!

ber Kartoffelzufuhren gerechnet werden muß, hat der Reichserliährungsminister angeoro- net, daß in Zukunft für jedes an der fünf* pfundigen Normalration fehlende Pfund Kar­toffeln 140 Gramm Mehl ausgegeben werden. Die Kommunalverbände haben die Anträge auf Mehlzuweisungen an Stelle aus­fallender Kartoffeln an die Reichskartoffel­stelle zu richten. Solange der Bestand an Kartoffoltrocknungserzeugnissen es zuläßt, wird an Stelle von Getreidemehl Kartoffel- walzmehl oder Stärkemehl ausgegeben.

Gültige Lebensmittelmarken

für die 22. Woche vom 26. Mai bis 1. Juni 1919.

Brot: 2250 Gramm Brot oder 1680 Gramm Mehl. Brot Kilogramm 50 Pf., Weizenbrotmehl Kilogramm 58 Pf., Krankenbrot Kilogramm 72 M. Krankenbrotbäcker) I. Klingelhöfor, Asterweg, Ü, Rühl, Marktplatz, H. Müller, Neuenweg

Butter: Marke 22, 40 Gramm Margarine zu 27 Pf.

Eier: Marke 5, ein Ei zu 33 Pf., sämtliche Bezirke.

Fleisch: Wochenabschnitt 22. Metzger für Fremde unb Urlauber: Heinr. Rausch, Neustadt <8.

Nährmittel: Marke 5, Mai 1919. Aus die gelben Karten (A): 250 Gramm Snppensabri- tote. Ans die roten Karten (B): 250 Gramm Grieb, 250 Gramm Haferflocken, 250 Gramm Grünkern­mehl, 2 Pakete Keks. Auf die blauen Karten (0): 250 Gramm Graupen, 500 Gramm Teigwaren, 125 Gramm Suppensabritote. Die Marke verliert mit dem 31. Mai ihre Gültigkeit.

Lebensmittel: Marke 10. 250 Gram« Bohnen ober Erbsen znm Preise von 45 Pf.

Surfer: Marke 5, Mai 1919 Anteil 750 Gramm. Die Ausgabe erfolgt bis eii s hl. 31. Mci Zugezogene unb Kranke: für Lebensmittel, Nährmittel und Zucker: Adami, Mäusbnrg 11, Seibel, Frankfurter Str. 39, Renter, Ludwigs- Platz 4. Urlauber: Kaisers Kafseegeschäst, Kirchtt- Platz.

Seife: Marke für Mai 1919. Anteil 125 Gramm K.-A.-Seifenpulver zu 15 Pf., 50 Gram« K.-A.-Seife ^zu 20 Pf.

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