Erster Blatt
Samstag, 26. April 1919
169. Jahrgang
I noch vier Vertreter in den Ausschuß des Bundes entsenden dürfen. Also nicht Gleichstellung, sondern Vormachtstellung eines Sonderbun-
des war die Losung, und dcmentsprccheno sollte eine Weltpolizei geschaffen werden. Weite Arbciterkreise in Frankreich und England hatten gegen diese Methoden protestiert. Besonders aber das neutrale Ausland übte
wenden sind, sehr Derleictelt sind.
Indem ich fest stelle, da» mehr als einmal
die Konferenz .sich veranlaßt sah, ihre Ansichten zu ändern, .wenn eS sich darum handelte, diescl Grundsätze auzulvenden, glaube ich nicht,- es an der Ergebenheit gegenüber dieser hoben Versammlung mangeln,zu lassen. Sie urteilte stets und sie urteilt noch immer nach menschlichem Ermessen. Daher betrachte ich mit voller Bestimmtheit die Art vnb Weise als ungerecht, mit der der Präsident Wilson durch seine Bolschaft seine Grundsätze auf die italienischen Forderungen zur Amvendung bringt. Tie Botschaft des Prästdenten Wilson versichert, daß in den darin entl>altenen Konzessionen Italien den alten Wall erreichen würde, der feine natürliche Verteidigungslinie bildet. Ties ist eine Zuerkennung von größter Be deutung unter >der Bedingung, daß die Ostfront dieses Landes .nicht offen bleibt, imb daß im> Süden die Linie des Monte Neveso anschließt. Seit der Zeit, wo das wirkliche italienische Volk auftauchte, bat man das Gefühl, daß ohne diesen Schutz in dieser großen Schranke der Alpen eine gefährliche Bresche osten bleiben würde, Tie 5) a l b-- infel 2 strien stellt diese undiskulierbare politische, historische und wirischastliche Einheit her. Ich glaube, daß man gerade aus diesem Grunde Fiume das Recht der Selbstbestimmung zu erkennen muß, diesem italienischen Gebiet, das stets seine Zu^hörigkeit zu Italien proklamierte. Würde man dieses Recht aus dein einzigen Grunde leugnen, daß es sich um eine kleine Kollektivität handelt, so würde man zu- geben, daß das Kennzeichen der Gereclttchkeit gegen» über den Völkern nach ihrer territorialen A >s» delmung wechselt. Sehen wir nickst, wie die internationalen SÄu. Antwerpen, Genua und Rotte»
weiter greifen die sinnlosen Lohnforderungen um sich. Ein sogenannter Reichserwerbslosenausschuß hat, wie der „Vorwärts" mitteilt, dem Reichsarbeitsamt den Entwurf zu einem Erwecbslo'cnsütiorgcgefttz überreicht, der it. a. als Tagesunterstützungssätze für Erwerbslose über 18 Jahre 10 Mk., für die Ehefrau 4 Mk. und für jedes Kind unter vierzehn Jahrett 2 Mark fordert. Das würde für Erwerbslose mit drei Kindern eine Summe von 6—7000 Mark im Jahr bedeuten! Dazu wird noch Steuerfreiheit gefordert. Erfreulicherweise wird wenigstens im Ruhrgebiet allmählich die Arbeit wieder ausgenommen; die Zahl der Streikenden nimmt von Tag zu Tag ab; eine neue Spartakistenzusammenkunft in Duisburg war verhältnismäßig schlecht besucht und erreichte ihren Zweck, aufs neue den Generalstreik zu proklamieren, nicht. Der Kamps um M ü n ch e n ist noch unentschieden. Die Regierung Hoffmann sammelt noch Truppem auch aus Württemberg, Baden, angeblich auch aus Hessen und Sad)fen, und in einigen Tagen wird sichs entscheiden, ob die Räteregierung, die inzwischen zu umfangreichen Beschlagnahmungen von Lebensmitteln und Vcrmogcn geschritten ist, sich noch länger halten kann.
Hr. 91
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poßschecktonto:
5rcmksvrt a. M. U686
Line Lrk'ärung Orlando;.
Basel, 25. April. Rach einem Pariser Be richt der „9?eucn Korrespondenz" teilt das italicni- sche Pressebureau eine Erklärung Orlandos mit, in der es heißt:
Als gestern die ver.ammelte italieni'che Delegation einen Vorschlag erörterte, der ihr Dom britischen Ministerpräsidenten zugc- fommen war, ünd der bezweckte, die widerspreckten- den Tendenzen, die sich in Bezug auf die italie- ^Nischen nationalen Bestrebungen bekundet hatten, miteinander in Einklang zu bringen, Derölfentlidti ten die Pariser Blätter eine Botschaft des Präsidenten W il s o n, in der er seine eigenen Gedanken über die ernstesten der der Friedens' konferenz zur Beurteilung /unterbreiteten Fragen zum Ausdruck brachte. Der Brauch, sich direkt an Die Völker zu wenden, bildet sickxerlich eine Neuerung in den internationalen Beziehungen. Ich werde ein großes Bedauern empfinden, wenn ick) mich daran erinnere, daß dieses Vorgehen, das bis dahin den feindlichen Regierungen gegenüber zur Anwendung gelangte, zum ersten Male ti.vr Regierung gegenüber angewandt wird, die ein loyaler Freund der großen amerikanischen Republik war und bleiben wird, nämlich der italienischen Regierung gegenüber. Indem man sozusagen die Regierung mit dem Volk Italiens in Opposition bringen würde, würde man zulassen, daß dieses große freie Volk unter das Joch eines anderen Willens als seines eigenen gebeugt werden könnte, und ich wäre gezwungen, lebhaft gegen eine Ungerechtigkeit und für mein Land beleidigende Unterwerfung zu protestieven.
Ich komme jedoch aus den Inhalt der Botschaft des Präsidenten Wilson zu spreckxm. Sie dient dazu zu zeigen, daß die italienischen Forderungen über gewisse in der Botschaft präzisierten Grenzen hina is den Grundsatz verletzen, auf Grund dessen das neue Regime der Freiheit und der Gerechtigkeit unter den Völkern begründet werden soll. Diesen Grundsatz habe ich niemals De i leugnet, und Wilson wird mir oiese Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß ich im Verlause der langen Beratungen, die wir pflegten, mich niemals auf die politische Macht eines Vertrages stützte, durck) den er nicht gebunden war. Im Ber- laufe bieier Besprechungen habe ich mir einzig die kracht, das Vertrauen und die ^-ereckstigkeit zu Nutzen gemacht, aus denen, wie ich stets glaubte und immer noch glaube, die Bestrebungen Italiens begründet sind. Wir hatten niemals das
wochenrvrkblia.
Mit der Aufforderung an Deutschland, seine Friedensdeputation mit ausgedehnten Vollmachten nach V e r s a i l l e s zu entsenden, ist eine Art Trompetenstoß über die Völker erschallt, die müden Gebeins sich nun aufmachen, nach heillosen Verzögerungen durch die Machthaber die „Segnungen" des allgemeinen Friedens einzuholen. Die äußeren Anzeichen sind nicht gerade imponierend und erhaben, nachdent monatelang ein unwürdiges Wechselspiel von Gewaltstreichen und willkürlichem Kourödienspiel das Streben nach Recht und Wahrl>eit gequält und durchkreuzt hat. Der „Rat der Vier" hat bei seinen Vorbereitungen eine gedrückte Atmosphäre hcrvorgc- Lracht, und Paris erscheint wie ein großer Meßplatz, auf dem viel Marktgeschrei, aber wenig echte Herzenstöne des kommenden Friedens zu hören sind.
Die ersten Redner auf der Welttribüne
die schärfste Kritik. Die internationale Völker- bundskonfeveuz zu Bern legte einen Gegenentwurf vor. Danach sollen die Staaten gleichberechtigt fein; auf je eine Million Einwohner soll ein Abgeordneter für das Völkerparlament kommen. Die am Mittwoch veröffentlichten deutschen Vorschläge machen nun vollends Ernst mit den von Wilson so ost gepredigten 'Erkenntnissen. Im Slaatenkongreß und im Weltparlament sott Gleichberechtigung herrschen. Die Ziele sind weitgesteckt: Der Völkerbund soll „als internationale Arbeitsgemeinschaft dem geistigen und materiellen Fortschritt der Menschheit dienen". Es wird weitgehende Abrüstung verlangt; in dem Paragraphen über „Verkehrsfreiheit" heißt es: „Die Herrschaft über das Meer wird dem Völkerbund übertragen". Die Parole lautet ferner: Kein Wirtschaftskrieg, auch keine Einmischung in innerpolitische Angelegenheiten, dagegen Schaffung eines Weltkolonialamtes mit internationalen Grundsätzen für die Kolonien!
Ueber diese Vorschläge Deutschlands muß in Paris verhandelt werden, wenn es den Gegnern ernst ist um die Sicherung des Weltfriedens! Deutschland erscheint auf dec Friedenskonferenz mit erstarktem Selbstvertrauen. Auch in der englischen Presse ist darauf hin- gewiesen worden, man müsse daran denken, was das neue Siebzigmillionenvolk der Deutschen in einigen Dezennien fein werde. Der Anschluß Deutsch-Oe st erreichs an das Reich hat wieder einen Fortschritt gemacht, indem nun auch ein Ausschuß der Wiener Nationalversammlung zu den Weimarer Vorbereitungen hinzugezogen wird. Die innere Lage in den deutschen Landen ist noch recht bedenklich. Noske hat die bolschewistische Gefahr militärisch für überwunden erklärt: Scheidemann äußerte sich zu einem Vertreter des „Daily Expreß" etwas weniger optimistisch. Die Gefahr einer Gegenrevolution sei noch nicht geschwunden. Er gab es zu, daß die Zahl der Unabhängigen an vielen Orten auf Kosten der Mehrheitssozialisten zunehme; mit diesem Uebergang zur radikaleren Richtung ofsenbare sich der Protest gegen schlechte Verpflegung und ungenügende Arbeitsbedingungen. Es liege in der Hand und int Interesse unserer Gegner, die Lage in Deutschland zu stabilisieren. Scheidemann glaubt an eine nahe Verschmelzung der Mehrheitssozialisten mit den Unabhängigen; die wirtschaftlichen Kämpfe machten diese Einigung notwendig.
Wir haben dieFolgenderArbeits- einstellungen und ber inneren Wir- ren in den letzten Tagen sehr empfindlich zu spüren bekommen. Tagelang ruhte in einzelnen Bezirken der Eisenbahnverkehr fast völlig! Noch bedenklicher aber ist der rapide Kurssturz unseres Geldes, unserer Mark, die im Auslande nur noch etwa 30 Pfennige gilt! Wie die Streiks und Spartakisteukrawalle der
Glück ihn zu überzeugen. Ich beda"«r.' cS misrichtig. Präsident Wilson jedoch hatte selbst die ute anzuerkcnnen, daß ein guter Teil der Otercch-
sind Wilson und Orlando, der italienische Ministerpräsident. Wilson hält in der Meinungsverschiedenheit mit großer Geste seine oft geäußerten Theorien hoch. Der Streit iwel)t sich um Fiume, die überroie^enb von Italienern bewohute, aber von slavtscher Bevölkerung umgebene Küstenstadt im Buchtenwinkel von Istrien und Kroatien. Man kennt die Einzelheiten der bisherigen Verhandlungen noch nicht und erfährt jetzt nur, daß Wilson den 1915 von Italien mit England und Frankreich geschlossenen Vertrag nicht mehr für gültig hält. Orlando und seine Deputation haben sich übrigens nicht darauf versteift, sondern andere und vermehrte Zuge- ftänduisse herauszupressen versucht; darunter befindet sich der Anspruch auf Fiume. Es ist zweifellos Machtpolitik, die Italien betreibt; die kroatisck)e Küste gehört von Rechts wegen den Kroaten. Orlandos Entgegnung auf Wilsons Erklärung bewegt sich daher auch in sehr gewundenen, wenig überzeugenden Ausdrücken. Zu einem förmlichen Bruch Italiens mit seinen bisherigen Bundesgenossen wird es zweifellos nicht kommen; Orlando sucht zu trotzen und verläßt sich auf englische und französische Unterstützung. Wllfon aber wird in dieser Frage schtoerltch sich zurückziehen können. Er hat sich mit großem Nachdruck und mit unzweideutigen Nebenabsichten auf sein allgemeines Friedensprogramm berufen, das voit Deutschland angenommen, von den Verbündeten gutgeheißen worden sei und von dessen Richtlinien er nichts korrigieren ober abkürzen lasse. Da man weiß, daß Wilson besonders auch mit überspannten französischen Forderungen in Fehde liegt, dürfen wir Deutsche diese Eröffnungen mit großer Genugtuung ausnehmen. Wir hoffen mit Wilson darin einig zu gehen, daß die Deutschland aus- zuerlegendeu Bedingungen von allen Wucherungen französischer Macht- und Jnteressen- politik gereinigt werden müssen. Wir fassen feine Flucht in die Oefsentlichkeit als ein Vorbauen gegen französische Illusionen auf. Freilich, unser deutsches Recht, den Frieden nach unseren, mit Wilson vereinbarten Grundsätzen, werden wir selber vertreten und verteidigen müssen. Herr Wilson versucht wohl seine 14 Punkte so hecumzuschieben, wie es ihm paßt; cs ist oft schwer den rechten Weg zu finden, und der Präsident ist weder allmächtig noch geneigt, sich völlig unabhängig voü den Wünschen seiner Mitstreiter zu machen. Er will anscheinend das deutsche Sud tirol den Italienern zuschanzen, er druckt zu den französischen Ansprüchen im ©aargc&iet beide Augen zu, bevorzugt auffällig die Tschechen und die Polen. Wenn es ihm ernst ist mit der Absicht, keinen „Machtsneden zu dulden, so wird er die Deutschen zu so eingehenden Verhandlungen zulassen müllen, wie sie der Aufklärung über feme großen Menschheitslehren entsprechen. Wilions Rolle ist sicherlich nicht leicht, da die Welt eben doch noch voll von imperialistischen Tendenzen und Machtanspriichen steckt So kann man Gekannt sein, ob Wilson wirklich den Mut und die Kraft behält, auch das japanische Krtegsztcl beiseite zu werfen. Das Selbstbestimmungsrecht ber Völker spricht in diesem Punkte zweifelsfrei für China.
An unserer deutschen Abordnung liegt es, mit den Pariser Bretterbudengehetmntssen gründlich aufzuräumen. Es ist ein guter und zweckmäßiger Anfang, baß letzt int Gegensatz zu bem Völkerbunds entwu r, der Entente ein deutscher Plan der Völlerver- söhnüng veröffentlicht worden ist. Wilson- Idealismus muß letzt die ^uerprobe be- stehen. Er hatte bekanntlich, seine Zustimmung zu einem von einer Interessengruppe „fügender" Staaten einseitig begründeten und g ' führten Völkerbund gegeben, tu dem Amerika, England, Frankre ch, Italien und apaii. das Macht wo rt sprechen soll' eu.^ebenc entern Vertreter dieser Großmächte fohlen Die übrigen Völttrbundönntglieder zunächst nur
licitifdKn Aspirationen gegenüber der dalmatischen! Küste, beten Zugehörigkeit zu Italien johr Hunderte- (angen Verf.'lgungon getrotzt bat, und die beute mit bem italienischen Volke von demselben Patriotismus beseelt ist, als übertrieben bezeichnen? llnb wenn wir dickes Attest unseres guten nationalen Rechtes durch die Unterstützung ftatiftifd)cr Feststellungen bekräftigen wollen, so glaube ich. versichern zu können, daß unter bat verschiedenen nationalen Neubildungen, zu denen die KonferenU bereits geschri'.teu ist und noch schreiten luirb, kein einziges wiederausgerichtetes Volk sich be- finden wird, das sich innerhalb feiner neuen Grenzen in einer solchen Lage befinden wird, wie man sie für Italien schassen will.
Tic italienische Regierung ist auf ber Suche nach einer allgemeinen Verständigung, wie sie die Botschaft des Präsidenten wünscht, vom Geiste! der Versöhnung beseelt. Tiefe Botschaft schließt mit einer in freundschaftlichem Tone gehaltenen Note Amerikas an Italien. Ich antworte int Namen des italienischen Volkes und fordere mit Stolz dieses Recht und diese Ehre, nie mir als demjenigen zukommeii, der in ber tragischen Stunde dieses Krieges dem italienischen Volke zurics: Widerstand uw jeden Preis! Dieser fünf wurde gehört, und zwar mit einem Mut, ber in der Weltgeschichte nach Beisvielen sucht. Italien konnte, dank deut reinsten Bltrte seiner Sühne, bis zum glänzenden Gipfel des glänzendsten SiegeS fln> vorsteigm. Im Namen Italiens gebt* ick» meiner* fcits den Gefühlen der Sympathie Ausdruck, die das italienische Volk dem Volke Amerikas ent« gegenbriugt. (ges ) Orlando
Tic Abreise der italienischen Abordnung.
Paris, 24 April. (WTB.'l Havas Orlando ist, begleitet von Barzilai, Diaz, Naggi und Ehiezzi, um 8 Uhr 30 Minuten nach Rom abgereifL Vor seiner Abreise hotte Orlando eine Unterredung mit Wrlson, Llovd George und (He mene e au. Es trat der Wunsch zutage, eine Fassung zu finden, um die Difserenzcn ,u beheben De Negienmgechess losten, daß das italienische Parlament seine Unterstützung nicht versage»» werde. Orlando bestand darauf, nach Rom zu reifen, um sich vor dem Parlamente zu rechtfertigen und dessen Unterstützung zu erhalten.
Lärm in der italienischen Presse.
Sua a n o , 25. April. Der „Secol o" fr* zeichnet Wilfons Botschaft als Verletzung oller Re- lgeln ber Diplomatie und als eine willkürlickse und unerlaubte Einmischung in italienische Angelegen» heilen, die Italien keineswegs dulden werde.
„(Sortiere della Sera" erklärt, daß Wilsons Imperial isnrus und voreilige Aktion das lAnselien der zkvnferenz auf das grausamste verletzte, eine befreundete Nation beleidigte und der allgemeinen Mißachtung prtisgebe WUson luirb Dorgeworfen, daß ihm ebenso in wirtschaftlicher wie in geographischr Beziehung die Kenntnisse in enropLi- fd*m Angelegenheiten fehlen. Wilson hatte Italien Dor, daß es von einem toten Oesterreich nichts zu befürchten habe; das alte Oesterreich fei tot und ber Völker bunb fei geboren, fügte er hinzu. Die Wahrheit fei aber, baß bie Tatsack)en — sowohl bet einen wie ber anderen Versicherungen Wilsons sich ftf>roff gegenüberftänben. Die Wahrheit sei, daß Oesterreick» nicht endgültig tot und ber Völkerbund nicht enbgültig geboren fei. Ein Sonderartikel deü „(Sortiere della Sera" betont, Wilson, der unter feinen Augen bie Magna rharta feiner 14 Punkte habe zerrinnen lassen, bie Freiheit dec Meere, bie das ansschließlickv Recht ber Angelsach'en geworden sei, unb bas Recht der Nationalitäten in §llen Staaten ber Karte Europas verletzt habe, unb die Entstehung ber wildesten imperialistischen Gefahren in den Kolonien und in Asien dulde, unb ber noch Rechen schatt schulde über ferne Ziele selbst gegen rin -ganzes Volk lebendig Begrabener i > Rußlmcd, ber die Japaner auf bie Stufe Don Mews l-en zweiter Klasse herabdrücke, dieser Wilson tbontr uichtj hoffen, bie in Paris zum einzigen Vorteil ber Angelsackisen Dcrlorcnen GrunbsLtze tn ben armseligen Gewässern der Adria wieder zu finden.
Die „P e r se v e r a n ; a" richtet berei s ziemlich unverhüllt Drohungen mit einer Ltzr egserNL- ,‘tung gegen Italiens bisherige Verbündete nnb fordert bie fRegicrung auf, ihre politische Annaho- cung an Deutschland zu vollziehen.
Eine neue BerkchrSbeschräntung durch Joch.
Berlin, 25. April. Wie bem „Lokalanz." aus Köln gemeldet wirb, werben auf Befehl von Marschall F o ch vorläu tg keine Pässe mehri für bas besetzte Gebiet genehmigt. Diese, Maßnahme soll angeblich dis zur Unterzeichnung des Votiriebens, gelten: banach werbe wahrscheinlich ber Verkehr wieder freigegeben werden. Die deustcha Waffensti'lstant»ssommilsion hat gegen den Beseht des Marschalls Foch Einspruch erhoben.
Der Handelsverkehr zwischen Deutschland und den Neutralen.
A nt ft e r b a m, 25. April. Wie „Algemeen Handelsblob" meldet, haben die assoziüwten Regierungen für den jugeiaiJenen Handelsverkehr zwischen Deutschland und den Neutralen folgende Bedingungen festgesetzt; 1. Alle verfügbaren Wege können beMtzt we. it. 2. bie Milteilungen bezüglich ber Einfuhr nach Deutschlanb muffen sich vorläufig ausschließlich auf öebensmiilel bezieh n, 3 bie Mitteilungen uc- züglich ber Ausfuhr aus Deutschland dürfen sich nicht auf anderen Handelsartikel als Gold, Silber und im Handel zugelassene Ktiegswerkzeu« oder Material belieben, 4. TransattionLU srhe
Merkwürdigerweise sollen bekannte höhere sdam den verschiedenen Völkern und Gebieten all; Offiziere an der Spitze der „Roten Garde" Ausgang dienen, ohne^dav fte dieses Dorrecht ftefcn! Im übrigen ift es mit der geistigen lc“ct «“ b-iaM. brauchen? Mnn nun ine.sta, Führung der Münckzener Bolschewisten nicht weit her Der oft genannte Führer der Unab hängigen, der Student Ernst Toller, ist, wie der ..Köln. Ztg." von einem seiner früheren Studiengenossen geschrieben wird, auch nur wieder ein Landfremder; er entstammt einer polnischen Judenfamilie, hat Gedichte und Einakter geschrieben und ein unruhiges Vorleben geführt. Scheidemann hat Recht: nur mangelnde Ernährung und tlngünstige Arbeitsbedingttngen verrtrsachen das Anwachsen bolschewistisckwr Strömungen. In dem deutschen Bölkerbmrdsentwttrf steht folgender Satz: „Es gehört zu den Hattpt- ausgaben des Völkerbundes, der Arbeiterschaft aller Gliedstaaten ein menschenwür- diges Dasein unb die Freude an der Berufstätigkeit zu sichern". Das wäre also auch oie Bekämpfung des Bolschewismus!
letzten Wochen gewirkt haben, ersehen wt r aus ■ ... , v- . - -
folgender Zusammenstellung: Am 5. April Güte anzuerkennen daß em guter reck der Ofercch- gal en 100 Mark in der Sck)weiz noch ^knt das Monopol von niemanb sem kann, und 1Q3/ nm 7 Antil nur nnrfi 40»/, W lüyte hmjU, baß der Irrtum um so leichter ift,
43 k Franken, am l. aDril nuc noch U/2, die Probleme, auf bie bie Grundsätze anzu- am 17. April nur noch 36V« Franken. In - -r- " ... ...
Amsterdam sank vom Anfang April bis zum
7. April der Wert von 100 Mark von etwa
22 auf 2O'/r und bis zum 17. April auf 18’/3 Gulden. Man kann sich danach ausrechnen, wie sich unsere Warenbezüge aus den neutralen Ländern verteuern! Und immer
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