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Nr. 250
Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 25. Oktober (919
Höchste Temperatur am 24.10.
Niedrigste
24.10.
Fortsetzung 33
"(Nachdruck vn r» en.)
i
Las Glück der andern
Original-Roman von Erich Eben stein.
Copyright 1916 by Ordner & Comp., Berlin W 30.
„Nicht das allein^, sondern . . ."
„Bah, wollen Sie mich glauben machen. Sie mit Ihren Ansichten, mit Ihrem geistigen Hochmut, mit Ihrem Uncckhängigkcttstrieb tonnten sich
fammlintgen in mehrere Teile zerfallen können,
4. daß die Bestimmungen über die Betriebsversammlungen nur Anwendung finden bei den durch den Ausschuß neu gebildeten Arbeiter- dzw. Angestelltenrüten.
Der bisherige Berichterstatter des Gesetzes, Abg. Erkelenz, verabschiedete sich, da er an der Arbeiterlonferenz in Washington tcilnimmt. An leine^ötelle tritt als Berichterstatter Abg. Schnei- dcr-Lackien.
Meteorologische Beobachtungen _____der Station liegen.
.Wettervoraussage
für Sonntag:
Vorwiegend bedeckt und trocken, Temperatur wenig geändert, wechselnde Winde.
„Sie?" unterbrach iljat Evelyn mit gezwun h gencm Lachen. Er nickte.
Evelyn wandte zwar den Kopf nicht, sah aber doch aus einem Augenwinkel über die Mauer nach dem kaste.lartigen Herr.mhius hinüber.
. „xia. Ich. Ter kalte Zyniker, dem das Weib bisher kaum etwas galt. Lachen Sie darüb-r immerhin, wenn Sie den Mut dazu haben. Es ist doch so. Und wissen Sie warum?"
„Nun?"
Da es noch früh war, beschloß. Evelyn, ein Stück gegen den Kaiserpaß. hinaufzureiten, zu dem von Berdstetten eine- schöne Wa.dstraß: führte.
Hier war es um diese Stunde völlig einsam. Ab und zu zweigte von der Straße ein Weg ab, der tirier hinein führte in das köstlich lockende Tuntel des Waldes. Evelyn schlug aufs Geratewohl einen derselben ein. Er führt: nach einigen Wendungen aut eine einsame Wa.dwiffe, in deren Mitte eine verlassene Holzknichthßtte stand. Felstrümmer und eine herrliche, alte, b;mooile.Lärche ragten daneben auf.
„Wie hübsch.r' dachte sie, flüchtig darüber hin- negiehend. Aber schon im nächsten Moment riß He „Bessie" zurück, als wäre der Boden unter ihr glühendes Feuer.
Neben dem Stamm der Lärche hatte ft’ einen Mann erblickt, der vor einer Staffelei saß und malte, bei ihrem Anblick jedoch jäh aufsprang.
Gottorb! Es war Paul Gottorb . . .
Sie wollte zurück. Aber „Bessie", durch den Ruck erschreckt, begann zu tänzeln . . .
Wie es dann kam, daß sie, itatt zurückzu- reiten, aus dem Sattel flieg und plötzlich ruhig auf einem um gestürzten Baumstamm saß, während er aut sie einsprach, wußte sie nachher selber nickst
Den Rückweg nahm sie über Berdstetten. Dabei I „Vielleicht ist es auch besser, ich ved; ihm mußte sie hart an der Parkmauer von Buchegg seine Torheiten einmal gründlich und in Ruhe vorüber. | aus," beruhigte sie sich selbst. .Hatte er doch vor
hin gesagt, daß, wenn sie ihm ein Zufall nicht endlich tn den Weg geführt hätte, er ihr nach Reümegg geschrieben haben würde, da er eine Aussprache für unerläßlich halte. „Ich gehöre nämlich zu den fatalen Manschen, die auf Befehl weder vergessen, nock) ihre Hoffnungen in die Tasche stecken," schloß er.
. ,,Well ich mir einbilde, daß Sie das einzige Weib tür mich sind auf Erden, wie ichfür Sie der einzige Mann. Zwei Herrenmenschen, die für einander geschaffen sind. Und das soll ich mir nehmen lassen, west Sie sich einbilden, eine Handvoll Geld und ein leerer Titel könnten Sie glücklich machen?"
Die ttarloffelversorgung.
Ein Ausruf des Bauernbtmdes.
Nt. F r i e b b e r g , 24. Okt. Die „Neue Tageszeitung", das führende Organ des Hessischen Bauernbundes, veröffentlicht folgenden Äofruf: T-'.r Provinzialvorstand des Liess. Bauernd indes stellt mit Bedauern fest, daß eine wickerholte Warnung, dic öffentliche Bewirtschaftung der Kartoffeln müsse jur Katastrophe führen, Tatsache zu st-erden droht, da die Kartoffelversoraung schon jetzt, kurze Zeit nad? der Ernte, ohne Verschulden der Landwirtschaft gefährdet ist. Es ist Ehrenpflicht unserer Mitglieder und Anhänger, ttotz allem zu ton, ^vas in ihren Kräften steht, um unsere Bevölkerung mit dem wichtigsten Nahrungsmittel zu versorgen, und unsere Volksgenossen mcht büßen zu lasten, lvas eine unfähige Verwaltung verdorben. Wir verurteilen den Verkauf an Ham- ftercr, ganz besonders, solange nicht einmal die ortsansässigen Versorgungsberechtigten mit ihrem Bedarf an Kartoffeln beliefert sind.
genau. ...
Aber es war etwas Zwingendes in femen grauen Augen und etwas Gebieterisches iu feinem Ton, das sie stumm zu gehorchen zwang.
neues technisches Verjähren in „Rio delle Ocche", das der letzten impressionistischen Auflösung des Gegenständlichen entspricht. Jahns sichere Yllis- fassung und Hand verraten abermals das Blld der „alten Fran" und der „weibliche Studientopf". zz.
Airche rin- Schule.
. F r i e d b e r g , 25 'ht. Die 2 4. hessische Missionskonferenz findet am Dienstag den 4. November in der hiesigen Burgkirche statt. Die Morgentagung, die durch eine Andacht von Pfarrer Lenz. Lich eröffnet wird, bringt zwei sehr zeitgemäße Vorträge, lieber „das Evangelium in Ost- asien" berichten Pfarrer Dr. Iimmermann-Sandbach und Missionars Müller-Hersfeld, über „die Heidenmission im Dienste der Dolksmission" Missionar Mon- ninger-Ober-Breidenbach. Die Nachmittagstagung ist neben dem Vortrag des Missionars Groh-Engelnrod über „das Presbyterium und die Kirchenzucht auf der Goldküste" vor allem für die Schulen bestimmt. Für sie spricht Missionar Jttmann-Mittel-Seemen über »das Schulwesen in Kamerun" und Miffionar Schlau- draff-Ober-Rosbach über „Wie ich Missionar wurde". Abends um 8 Uhr findet die Tagung ihren Abschluß durch eine Missionsstunde von Missionar Groh in der Burgkirche. Einige kostenlose Wohnungen stehen durch Professor Werner für die von weiterher kommenden Teilnehmer zur Verfügung.
Letzte Nachrichten.
Die Kohlennot in Ostpreußen.
Königsberg, 24. Okt. Infolge der Ost- seesverve ist die Koh len not in Ostpriußen ins Unermeßliche gestiegen. Auch die Abbeförderung des Lebensmittelüb nffchujses nach dem Reich ist größtenteils unterbunden. Eine große Anzahl Hafenarbeiter ist erwerbslos.
Traurige Lage in München.
Mü n che n, 25. Okt. Infolge der Stillegung der Münchener Gaslverke ist nahezu die ganze Stadtim Dunkeln, da nur in einigen Hauptstraßen die elektrische Belwchtung eingeführt ist. In der Nacht zum 24. Oktober wurden 141 Einbrüche gemeldet. Um die Sicherheit zu heben- sollen von jetzt ab Militärpatrouillen die Stadt durchziehen. Ter Direktor der Gaswerk'. ist in das Saargebiet gefahren, um dort Koblensendangen iür München zu erwirken.
Die Vottsabftimnmng in Oberschlesien.
Berlin, 25. Okt. Wie dem „Lok.-Arrz.^ berichtet wird, hat dic polnische Regierung ent die Oberschllesier einen Aufruf erlassen, in dem sie mitteilt, daß, die Volksabstimmung im kommenden Juli stattfindet.
Die Lage im Baltikum.
Berlin, 25. Okt. Unter der Ueberfdiriftti „Baltikumschieber" liest man im Vorwärts: Ohne Rücksicht auf das deutsche Volk wird immer noch versucht, den Westrussen und den zu ihnen rxm der deutschen Fahne Geflüchteten ihren Kriegsbedarfs aus Deutschland heimlich und durch Diebstahl anl Reichsbesitz zuzuführen. Nur dadurch, daß geftenti Nachmittag ein ?lngehöriger des Reichswchrmini--' fteriums auf einen Baltikumschieber, der in ms koscher Uniform tm Reichstag war, aufmerksam wurde und sofort seine Vernehmung und die seines Begleiters bewirkte, ist es möglich gewesen, zuzugreifen. Der Reichswehrmini stcr wird dem Treiben der Agenten der westrussischen Armee scharfe Aufmerk« samkeit zuwenden.
Die „Deutsche Tageszeitung" erfährt zuver- läflig, daß die lllauischm Truppen bei ihrem gemeldeten Vorstoß gegen die unter General Eberhardt stehenden deutschen Truppen von englischen Offizieren geführt wurden.
Der neue französische Befehlshaber.
Mainz, 25. Okt. (WB.) Havas. Genervt Tegoutte hat sein Kommando übernommen und dte Behörden der Stadt empfangen.
Widerstand des amerikanischen Senats gegen den Völkerbund.
A m st e r d a m, 25. Okt. (WTB.) Laut Presse- buretni Radio erklärte Senator Gronna im amerikanischen Senat, daß der Friedensverttag eine Vergewaltigung der 14 Punkte W il- fons sei und zur Folge haben werde, daß die Vereinigten Staaten in Kriege verwickelt werden. Der Völkerbund mache Amerika zum Packpferd der Regierungen Europas, Asiens und Afrikas. Sena? tot Gronna griff auch die Schantungklausel an.
„Aber, mein Gott, welche Hoffnungen denn noch, da ich doch die Braut eines anderen bin!" rief sie halb erschreckt, halb ärgerlich.
„Tie Hoffnung, daß Sie zur Erkenntnis Ihres übereüten Schrittes kommen und sich selbst wieder - Nitoen. Sie haben Ihr L>erz unterjoche, um ein? glänMide Sxirat zu schließen, aber dieser Entschluß ist Ihrer unwürdig und eine Sünde wider die Natur. Als Sie mich damals in Wien kaltzustelleu beliebten, war ich hart daran, mir eine Kugel durch den Kopf zu schießen . .
„Armes Kind, nun wird dir die Zeit wohl lecht lang werden?" sagte die Gräfin am anderen Tage mitleidig und tätschelte zärtlich Evelyns Hand. „Wollen wir Besuche machen? Oder Leute ein-- laden?"
Um Evelyns Lippen zuckte es wie verhaltener Spott. War Mama wirklich so naiv, diese Dinge für Unterhaltung zu halten?
„Tanke," sagte fte dann laut, „ich will lieber Magnus' Abwesenheit benützen, um meine Fertigkeit als Reiterin auszubilden. .Kitty Melbers lud nnch ohnehin schon öfter ein, mit ihr spazieren zu retten."
Tie Gräfin nickte.
„Wie du willst. Aber reite nicht ohne den Reitknecht intb nimm lieber „Bessie". „Zaza" ist zu wild."
Evelyn lächelte. Den zwetten Rat wollte sie befolgen, den ersten sicher nicht. Was brauchte sie den Reitknecht hinter sich?
Gleich nach dem Frühstück brach sie auf und ritt in bester Laune nach Lustbühl, bem Schloß der Melbers. Kitty war ja noch die einzige hier, die ihr sympathisch mar. Wie ein gefangener Vogel' der plötzill.) die Freiheit erhalten hat, kam sie sich ter. Wie angenehm, endlich einmal von dem Zwang befreit zu sein, Magnus' langweige Unterhaltung mit liebenswürdiger Miene zu quittieren!
In Luftbühl angekommen, erfuhr sie, daß die Herrschaften schon in aller Morgenfrühe aus- Wogen seien.
„Auch «ut. Nein — um so besser!" dachte sie. „ Es ist zn köstlich, so allein dahinzuretten!"
i.., -^ie! rief Evelyn außer sich. Sie schwang yich von einem Saumftrunf auf ihr Pferd und trieb es mit zornigem Schlag der Reitgerte vor- warts. „Nicht das 5)er; — mein Wille ist der Meifter, dem ich gehorche!" (Fortsetzimg folgt
Bad-Nauheim, 24. Okt. Nachdem einige hiesige HäMer den Ankauf von Karbofflln in der Wetterau planmäßig in die Hände genommen haben, ist eine Besserung in der Belieferung der kiesigen Dersorgungsbevechtigten eingetreten. Eine lebhafte Aussprache entspami sich in der letzten Stadtverordnetensitzung über die Kartoffel- itDt. Auch Erpährungsminister Neumann hat dieser Tage in einer öffenttichen Versammlung ernste Worte in der Angelegenheit gesprochen, die scheinbar nicht gatty auf unfruchtbaren Boden gefallen sind. Ichoch ist der Bedarf der Bevölkerung noch nickt bei weitem gedeckt. Bürgermeister Möbs- Niedcrmörlen forderte tti genannter Versammlung mit Recht Volksgerichte zur Aburtettung der Schieber und Schleichhwidler.
X Hanau, 24. Okt. Im Landkreise Honro ist jetzt scheinbar ein Ka r tof f e l kr ie g ent- Erannt. Nachdem alte Versuche, die Gemeinde Niederdorfelden zur freiwilligen Ablifferung von Kartoffeln zu zwingen, fehlgeschlagen sind, hat der Landrat die zwangsweise Wegführung aller .Kartoffeln aus der Gemeind.' angeorbnet. In früher Morgenstunde rückte eine starke Abteilung der Reichswehr in NiederdorfeDen ein und besetzte alle Dorfausgänge. Unter dem Schutze des Militärs wurden sodann die einzelnen Gehöft: revidiert und alte ablieferungspflichtigen Kartoffeln beschlagTiahmt. Auch gegen mideve G:meinden sind Zwangsmaßnahmen in Aussicht genommen, falls sie sich nicht noch in letzter Stunde entschließen, freiwillig ihre Sllstieserungspflttht zu erfüllen.
Alles hermettsch verfchloffen. Dor und Fenster. Keine Menschenseele zu sehen weit und bmt. Aber das war ja gut so. . .
Um dar Setriebrrätegesetz.
Die Arbeit des 7. Ausschusses der National- fDerfammtung in der Beratung des Betriebsräte- 'Gesetzes nimmt jetzt einen verhältnismäßig schnellen Verlauf. Am Donnerstag wurden die 26 bis 32 eimchlieiflich erledigt. Zm § 26 wird vorge- lehen, dast die Versammlung der int Betriebe beschästigten Arbeitnehmer durch Beschluß jedes ‘eiiueüte Mitglied des Betriebsrats abrufen kann, während § 30 bcflimmt, daß die Betriebsvcrsamm- lluna durch ein Mißtrauensvotum mit Zweidrittel- iMehrhett der Wahlbereckstigten den ganzen Betriebsrat abberufen kann
Zn den grundsätzlichen Auselliandersetznngen wurde von sozialdemokratischer Seite der Standpunkt vertreten, daß diese Abberufftng er- baüen bleiben müsse. Zwar sei durchaus zuzu^ igeben, daß ein Betriebsrat, der etwas leisten wolle, längere Zeit an seiner Stelle verbleiben müsse. Wenn aber ein Betriebsrat des Vertrauens bei den Wählern entbehrt, so könne er sein Amt doch nicht mehr versehen. Es sei deshalb besser, im Gesetz eine Lücke zu öffnen, die in solchen Fällen eine Abberufung zulasse. Geschehe das nicht, dann wöe zu befurchten, daß Stteiks und sonstige Kämpfe gegen einen Betriebsrat geführt würden mnd diese seien dann unangenehmer, wie das ■getegtutiieb ausgeübte Recht der Abberufung.
Von Sellen der Demokraten und des Zentrums wurde gegen diesen Standpunkt sollendes geltend gemacht: Es seien gewiß Fälle denkbar, in denen es wünschenswert sei, daß ein ^Betriebsrat seine Stornier abgibt. Das könne zum Beispiel bann eintreten, wenn ernsthafte Gründe vorlägen, anzunehmen, daß der Betriebsrat ober «einzelne Mitglieder desselben im eigenen finanziellen Interesse gegen das Interesse der gesamten Arbeitnehmerschaft handelten. Ein Betriebsrat aber, der das allgemeine Mißtrauen der gesamten Arbeiterschaft habe, werde wohl in der Regel Alber durch freiwilligen Rücktritt einer Neuwahl die Bahn öffnen. Zm allgemeinen handle es sich fin der Demokratie darum, Führer auszubilden, sowohl im kleinen wie im großen. Eine der ersten Voraussetzungen zur Führerschaft sei aber, selbst- verantwortlich zu handeln, d. h. in wichtigen Fällen auch einmal gegen die momentane Stimmung, die vielleicht in der Betriebsversammlung zum Vorschein komme, zu handeln. Zum Beispiel sei die breite Masse der Arbeiterschatt in bezug auf die Verbesserungen der Archeitsmethoden in der Reacl sehr konservativ veranlagt. Es müsse aber hier der Beweis geführt werden, daß ttotz der 'Demokratisierung des Ärbeitsveihältnisses technische Verbesserungen gefördert werden. Das werde oft nur dadurch möglich fein, daß der Betriebsrat gegen bed scheinbare Znteresse der Arbeiterschast bessere Arbeitsmethoden zur Durchführung bringen Hilst. Das kann er aber nur dann tun, wenn er eine gewisse Sick?erhett und Dauer für seine Tätigkeit *x>r sich habe. Auch wenn das Abberufungsrecht der Betriebsversammlung gestrichen werde, fei es in schwierigen Fällen noch möglich, zu eurer Neuwahl des Betriebsrats zu kommen. Demi das Gesetz enthalte im § 28 die Bestimmung, daß eine Neuwahl stattzuffnden habe, wenn die Halste der Mitgliederzahl des Betriebsrates ausgeschieden sei. Es bedürfe also in wichtigen Fallen nur der persönlichen Amtsniederlegung der Hälfte der Mit- itteder, um eine Neuwahl herbeiznführen. Ferner könne ein einzelnes Mitglied durch Klagr beim Schlichtungsausschuß abberufen werden, wenn es sich einer Verletzung feiner Pflichten schuldig gemacht hat.
Bei der Abstimmung wurde mit 15 gegen 13 Stimmen beschlossen, die Abberufung aus lern Gesetz zu streichen.
Eine ähilliche Anseinanbersetzung entstand bei ? 32, der über die Betriebsversammlungen handelt. Von einer Seite war beantragt worden, in gröberen Betrieben das Vertretersystem dnrchzu- fübren, da es irnmöglich sei, aus einem Betriebe von etwa über 1000 Arbeitnehmern alle Bettiebs- Ähörigen in etwa ein bis zwei Versammlungen nmenzubringen. Gegen das Berttetersystem touBfcc geltend gemacht, daß es wünschenswert sei, allen Betriebsangehörigen Gelegenheit zu geben, die Berichte des Betriebsrates selber zu hören, und nicht erst auf dem Umwege der Vertreter davon Kenntnis zu erhalten. Es wurde dann festgestellt, dah in, großen Betrieben unter Umständen eine Reihe von Betriebsversammlungen notwendig sei, um allen Arbeitnehmern des Betriebes Gelegen- hett zu geben, daran teilzunehmen. Beschlossen wurde:
1. Daß alle Arbeitnehmer des Betriebes an den Betriebsversammlungen teilnehmen können,
2. baß auf den Betriebsversammlungen Arbeiter und Angestellte gemeinsam tagen,
3. daß in größeren Betrieben die Betriebsver-
Gberhessijcher Uunstverein.
Gießen, 25. Okt. 19.
Die erste Ausstellung des Oberhessischen Kunstvereins in feiner neuen Ausstellungsperiode hatte schon unter ben ungünstigen Transport Verhältnissen 3ii leiden die sich im Winter vermutlich noch stärker bemerkbar machen werden. So konnte man diesmal nicht das einheitliche ^Bild Münchener Kunst geben, das man beabsichtigt hatte.
Zur Ergänzung des Ausgebliebenen hat man u a. auch wieder Gießener hllizugezogen, so H. G eil fn ß und T. V ei t h - Fr i tz e l. Geilsutz geht immer noch ohne eigenes Zielbewußtsein da in die '$0)1116, wo er seinen Arbeiten eine Bereicherung erhofft. So kommt es, daß er so diametral entgegengesetzte Bilder mall, tote das Kornfeld, seine Land- to^llbn vor Sormenaufgang, die Burgen oder ein Scherzbild „Vater geht aus Reisen" und daneben eine Zeichnung „Nathan der Weise" stellt, ohne irgenbtoo eine eigene persönliche Note zu verraten.
Vei t h-Fritzel tonnte mehrfach mit guten Pastellltilleben erwähnt werden, sie sollte sich hingegen an Porttätstudien nicht heranwagen, da sie dieser Aufgabe nicht gewachsen ist. Elli Alsfelder Maler Guth bringt sympathische Landschaften, die der besonderen Charakteristik entbehren.
Tie besten btemälde zeiM Frahm- Hamburg an denen man bereits in mehreren Llusstellungen seine Freude haben tonnte. Er ist ein starker Vertreter eines farbigen Impressionismus, der dic ganze Landschaft in gebrochenes Lickst auflöst, aber dennoch zusammenhaltende Farbwette beroafjirt. Wundervoll in der Stimmung ist das Gehöft „An der Westküste von Dvndern" mit bem farbig darüber stehenden Abendhimmel. Tas Ganze ist mit breiter, fidjerer Pinselfühnmg httigesetzt. Ausgezeichnet ist auch der Kahn „In Nebel und Regen". Neben ihm steht als kraftvolle Persönlichkeit P. Schisser- München, von dem kompositorisch und farbig bie „Dorfkirche" am besten gelöst ist. Unter ben nicht gleichstarken Arbeiten faben wir noch die farbig seh«r fein abgestimmte „Lechbrücte bist Füssen" hervor, bei der nur das Wasser des Flusses etwas speckig bleibt. Ein starker Landschafter ist R. K a i - s c r. Eine verhaltene Farbigkeit wird durch llaven Formtoillen beredt. „Am Staffelsee", „An bet Altmühl" sind Bilder, deren Eindruck man sich ungern entzieht. R. F. Schmitz zeigt eine feine Landschaft „S-onnenblick", die der Gegend von Fritzlar entnommen sein muß. Eine Landschaft, über der wirklich Sonne schwingit. Sehr gut zumal im Aufbau, ist auch das Bild „An der Brücke". A. Lutteroths duftige Landsckxistsbflder sind von früher her betomet und geschätzt. Auch Th. Rvcholl, der in seinen Bildern zuviel erzählen nill und daher tompysttionell nicht den ruhigen Ausgleich findet, ist bereits Trier gewesen. M. Stegmayer zeigt ein gutes Bild der reifenden Ernte. E. Eimer trägt sein Dörfchen im Frühling mit der Spachtel auf und erzielt bamtt bte reizvoll flimmernde Unruhe des Lichtes über der Landschaft. Seine Marchenbildcr sind von ftoh- Itd/et Kindhastigteit. Erwähnt seien noch P. P. Müllers kühle Bilder „Scheidende Sonne" und „Wintersvnne". Kößlitz „Die letzten Häuser", foirte ein Tamenstteit von G. von Gall rück. „Auf der Mm" von R. Rau möge mit Rücksicht auf ben Geschmack mancher Besucher schonend übergangen fein.
Tier bilder nach der Art Zügels versucht H. W ü r f f e l mit gänzlich mißlungener Anatomie des Tierkörpers. Auch die Behandlung der Farben ist plump. Da verraten die Enten und Hühner des ebenfalls hier bekannten Thiedgen ein anderes Können. Konsequent in der Schule Boehles verharrend zeigt Fahren bruch, die Holzschnitt- Tränke sowie derbe Holzschnitte. Außerordentlich manier ins Oelbild Überträgen?), das Roß an der reizvoll sind die Tierbilder auf den farbig warmen Holzdrucken von E. Consentius. Madlener möge hier cmgereiht fein, der mit ungewöhnlicher Sicherheit seine Tuschezeichnungen hinsetzt, aber in seiner Sicherheit von Selbst,icherhett bedroht wird, die ihn zu Spielereten verleitet. Am besten ist das Abendlied.
Zuletzt noch zwei geschätzte Graphiker Jahn und H a b e r I. Haberls kleine Radierungen geben immer wieder neue Freude. Wirkungsvoll ist ein
ie glücklich fühlen in der Zwangsjacke, die Ihnen eine vielfach noch mittelalterlich naiv denkende Kaste bereitet hält? Oder Sie könnten diesen guten Macmus je — lieben?"
„Unb wenn es dennoch der Fall ist?" m /eDa'»" müßten Sie mich erst überzeugen. Vorläufig nehme ich von dieser Möglichkeit so wenig Notiz wie von Ihrer Verlobung überhaupt. Es gibt eine wortlose Sprache von ©eete äu Seele, der man allein den Namen Liebe gzben darf. Und diese Sprache, Evelyn Losenstein, diese nie trügende Sprache, Hot zwischen uns gesprochen, irenn Sie es später auch zehnmal ableugnen woll^ rcn!' Tie Erinnerung daran hat mit ben ■ Re- colver wieder aus der Hand gewunden. Ti: Erinnerung daran hat mich nach Buchegg getrieben üiiO läßt mich dort alle Schrullen meiner Tante geduldig ertragen. Und angesichts dieser Erinnerung frage ich Sie jetzt: Wagen Sie wttklllh^ mit ins Antlitz hinein zu behaupten, baß Sre Magnus Sanderseld lieben?"
Evelyn war feuerrot geworden.
„Welche Dreistigkeit!" stieß fte erregt herauf Aber unter seinem durchdringenden auf ihr nd>en< oen Blick blieb dic Frage unbeantwortet.
Ein Lachem glitt über sein glattrasiertes sicht. Er atmete tief auf.
„Jcy wußte, daß Sie nicht ben Mut haben w ürben, mir eine — Lüge zu sagen! Und ich bin nun ruhig. Die werden sich s»lbst wteber-- suiden. Reiten Sie zurück nach bem goldenen Mang und prusen Sie sich. Das, was Sie in meinen Bann füllte, ist nicht tot, es wird Sie wieder zu mir zurückführen."
Büchertisch.
— Erzberser,der Reicksperderber. Von Tr. Heinrich Frenzel. Verlag von Theodor Thomas, Kvmmisswnsbuchhandlung in Leipzig.
— Neu-Buddhistiscke Zeitschrift. Das Herbstheft 1919 des zwetten Jahrgangs ist soeben erschienen. Preis 1.50 Mk. Neubnddhisti- scher Verlag Zchlendors-West bei Berlm, Linden- Allee 17—19.
— M nernote chnik im B ürgerlichen Gesetzbuch nebst Emfül>runssgesetz, Handelsgesetzbuch, Strafgesetzbuch, Gerichtsversassungsgesetz, Zivil- und Sttafprozeftardriu rtg von Dr. jur. F. Franz. Preis 4,50 Mk. Verlag v-cm Otto Liebmann, Berlin W., Potsdamer Sttaße 96.
Neuapostolische Gemeinde ®JaT-
Gottesdienste: Sonntag nachmittag 31/* Uhr 7905____________Mittwoch abend 8% Uhr.
Wir laden Sie hiermit herzlich ein zu den christlichen Versammlungen im Vereinsbaus der Sadtmissiou Löberstr. 14.
ES finden dort statt:
Jeden Sonntag abend 8'/< Uhr: Religiöser Vortrag, tteden Mittwoch abend 8*/i Uhr. Einführung in bte Heilige Schrift.
Eintritt frei für Jedermann.
5.1°, 25. 10. -- 4.3*
1.2', 25. 10. — 2.8'
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nachts Nebel


