Ausgabe 
25.10.1919
 
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Er. 250

Ter Eichener Anzeiger erscheint täglich, au($et Sonn- und Feiertags.

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Frankfurt a. M. N686

Erstes Blatt

169. öützrgcmg

Samstag, 25. GltoLer |9W

äwMnzrrunddnlS u. Verlag: vrühsjche Univ.-Buch, u. Sleindruckerei U. Lange. Schriftleiiung, Seschästsftelle u.Dr liieret; Schulst!. 7.

2Ir.nal)me von Anzeigen f. die Taqesiuannrer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeBerbmdüc! kett Preis für l mm höhe für Anzeigen v.34mm Brette örtlich 15 In «auswärts IS Vf., für Reklame, an zeigen von 70 mm Brette 48 Vf. Bei Platz- vorfcdrü^O^Au.sscblag. Hauvtschri'tleiler: Slug. Goeh.23eraiUiuortli.r) für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz; für den 21ngeige;iteil; H. Beck; säurtlrch in (Sieben

wochenrvckdNL

Es ist von allen Seiten anerkannt worden, baß unsere auswärtige Politik in den letzten Jahrzehnten in ihren Richtgedonken schlecht und unsicher und in chrer Durchführung schwersällia und unfähig gewesen ist. Ob sie im neuen Volksstaate künftig besser und wirk­samer zu arbeiten vermag, hängt von man­cherlei Bedingungen ab. Wiö haben aus dec vorgestrigen Sitzung der Nationalver­sammlung nicht ohne ein gewi.ses Ver­gnügen festslellen hören, daß auch unsere erwählten Volksmänner in den höchsten Reichsstellen mitunter noch der Selbstzucht entbehren und da über die Stränge schlagen, wo das System der Volksrechte ihnen Halt gebietet. Ebert, der Reichspräsident, bat einem spanischen Berichterstatter gegenüber auf eigene Faust auswärtige Politik gemacht, tfw es mußte ihm im Parlament Don. einem Zentrumsredner und einem Sprecher der Un­abhängigen begreiflich gemacht werden, daß er auch bei einem Bade im Konferenzzimmer, wenn er sich interviewen und photographieren lassen will, nicht ohne Bekleidungsstücke, näm­lich die ministeriellen, erscheinen darf. Wir brauchen bei diesem Vorfall darum nicht ernst werden, weil kein großes Unbeil an-- gerichtet worden ist. Ebert hat keine Landes-- interessen verraten, indem er gegen die Ost­politik der Entente krästig protestierte. Frei­lich, fein hohes Amt und seine höchste Würde legen ihm in solchen Sachen größere Zurück­haltung auf, als sein'einstiges Abgeordneten­mandat. Und doch werden die Freiheit der Ab­geordneten, die schrankenlose Betätigung der Parteien unserer künftigen auswärtigen Po­litik vielleicht mehr oder ebenso sehr schaoen als früher daspersönliche Regiment"". Als reine Parteipolitik die auswärtigen Geschäfte des Reiches zu führen, würde höchst mißlich lein, besonders roenn die Pacteipolitik viel Lurzsichliger und schwerfälliger daherstampft als bei den wohlerfahrenen englischen Institu­tionen. Auch die Franzosen haben in auswär­tigen Dingen mehr Instinkt und Disziplin als wir Deutsche.

Die Anfänge, auf die wir blicken, sind gar nicht imponierend. Der Staatssekretär des Auswärtigen, M ü l l e r, hat in der Rede, wo­mit er eine Umgestaltung des Systems in Aussicht stellte und begründete, sich nicht über eine mäßige Durchschnittsleistung erhoben. Die neue Einteilung und bessere Besoldungs­ordnung unserer Diplomatie mögen richtig sein. Aber, darin hat Müller ebenfalls recht, es wird auf die Männer ankommen, die uns im Auslande vertreten. Noch mehr auf den Geist, der alles richtet. Und dieser Geist müßte wie das Felsenneft des Adlers über alle Dächer und Versammlungslokale des Partei­lebens hinausgerückt sein. Die wackersten Pro­teste, die ja jetzt freilich auf der Tagesordnung ft eben, könnten uns den Mangel bestimmter, positiver Ziele in unseren künftigen auswär- ügen Beziehungen nicht ersetzen. Wenn wir uns nur mit solchen Regierungengut stel­len" wollten, die irgendeinem Partei ideal am besten genügen, oder wenn wir nur die Weg­weiser der inneren Politik befragen wollten dann fahre wohl, alle Hoffnung der Diplo- watiel Erfreulich ist, daß Müller die juri­stische Sachlenntnis und überhaupt eine ge­wisse Vorbildung für den Diplomatenberuf nicht zu unterschätzen scheint. Solange wir des Völkerbundes nicht sicher sind, dürfen wir die bisherigen Mittel uno das Rüstzeug ersah- renec Diplomatie nicht ohne weiteres in die Ecke stellen. Können wir die Freundschaft der ganzen Welt nicht erringen, so müssen wir uns an Staaten anlehnen, die gewillt sind, uns Verständnis entge^euzubringen. Und vor allem: Ueber den häufigen Wechsel der Partei? dolitischen Geschicke muß für die Stetig­keit unserer auswärtigen Politik gesorgt wer­den. Ohne die Vertiefung des nationalen Eedankens, der mit keinem Revanchekrieg zu­sammengebunden ist, werden wir nicht aus­kommen.

In dieser Beziehung hat der Leipziger Parteitag der Deutschen Volks- Parte i vernünftige Vekenmnisse abgelegt, ßin V o l k s k a i s e r t u m würde uns grund­sätzlich besser dienen können, als ein republi­kanischer Aufbau. Neuer gewaltsamer Um­sturz kommt keinesfalls in Frage, aber für oen Nationalen Geoanken muß und wird im Volke geworben werden. Da Darf unsere jetzige Re­gierung über eine energische Opposition sich rucht beklagen. Wir hallen es für eine vor- Üilhafte Wendung, daß die Deutsche Volks- Partei bei einer unfruchtbaren Opposition Mcht stehen bleioen, sondern überall Mitarbei­ten will an einem gesunden Wiederaufbau, do bei zeitgemäße Neuerungen nicht abzuleh- 6m sind. Es kommt keine Stärkung reaktio- 6äaer Einflüsse in Frage; die Deutsche Volks- baitei verficht ihr eigenes Progranim, und >.as ist vorläufig wohl gut so, denn in unserem

innerpolitischen Leben darf auch der national Gesinnte nrcht nut Scheuklappen einhergehen. Nur einem entschieden liberalen Bekenntnis, das sich über verwelkte Blätter der Vergan- genheit zu erheben vermag, gehört die Zukunft.

Aber wir hängen im politischen Tun noch sehr stark, allzu stark wohl, an der Ver­gangenheit, und. es ist paradox, daß Diejenigen, denen sonst immer die schneidige ParoleVorwärts"" von den Lippen klingt, am eifrigsten die Akten der Vergangenheit zurückblättern. Paradox, aber vom partei­politischen Standpunkt aus verständlich. Der 28 - köpfige Untersuchungsausschuß, vor dem der frühere Botschafter Sern» storff seine Aussagen gemacht hat, ist ein Werk der Regierungsmehrheit. Daß diese den Wunsch hegt, dem alten System die Sünden nachzurechnen, über seine Träger das Schul­dig auszusprechen, wer fände dies verwun­derlich? Unbestreibar hat das deutsche Volt ein großes Interesse daran, dunkle Fragen seines Unglücks aufzuhellen; früher ober später müssen wir wissen,^ welche Personen und Verhältnisse mit Schuld belastet sind. Aber es ist qualvoll, daß der Drang, histo­rische Erkenntnis aufzustellen, heute mit allen Parteileidenschaften und Vorurteilen behaftet ist. Neuen Zündstoff wird inan wohl finden, weniger objektive Wahrheiten. Eine der entscheidenden Ursachen der deutschen Niederlage steht ja ohnehin fest: daß der U-Bootkrieg versagt und die Erwartungen enttäuscht bat, die man ans ihn setzte. In­sofern hat Die Regierung Bethmann-üollweg in der Auseinandersetzung mit Amerika einen verhängnisvollen Fehlgriff getan. Daß aber voy der amerikanischen Vermittlung viel zu halten gewesen wäre, ist Damit nicht er- . wiesen. Wilson hat ja jüngst selbst zuge­geben, auch ohne den U-Bootkrieg wäre Amerika in Den Krieg gegen uns eingetreten. Die bisherigen Verhandlungen des genann­ten Ausschusses lassen auf oen ersten Blick die Politik Der alten Regierung als bei­nahe zwiesvältig, ja frivol erscheinen. Bernstorff glaubte so bieDer an Den ehrlichen Maller Wilson, und Dethmann-Hollweg hat seinen Vermittlerwillen im Dezember 1916 durchkreuzt. Ob bewußt und mit welcher Ab­sicht das wird Der frühere Kanzler uns in Den nächsten Tagen selber sagen. Wahr­scheinlich wird er, wie er es ja später Herrn v. Bernstorff gegenüber schon getan hat, sich darauf stützen, daß Wilson uns einenfaulen Frieden'" zugedacht hatte. Ferner vielleicht, daß Die faule Frucht eines Vermittlungs­schrittes zu gänzlicher Fäulnis verurteilt war durch den Vernichtungswillen und Die voraussichtliche Ablehnung Der Gegner. Dann kommen wir, bei Der Betrachtung Des deut­schen Friedensangebots vorn Dezember 1916, wieder in die allen Mellrungsverschiedenheitenf über dessen Zweckmäßigkeit. Nach der Ueber- zeugung der amerilanischen Staatsmänner hat es, wie wir jetzt wissen, nur den Sieges­willen Der Feinde gestärkt. In diesem Falle wäre es auch als Sprungbrell und Rechtferti­gung für Den darauffolgenden verschärften U-Boot-Krieg ein untaugliches Mittel gewe­sen. Größere Klarheit werden erst bie wei­teren Zeugen schaffen; eine v ö l l i g e Klärung erhallen wir aber vielleicht auch bann noch nicht. Denn dazu müßten die fremden Archive und Geheimnisse sich uns eröffnen. Und wenn man von Schuld spricht, wären auch noch an­dere Gebiete und Unternehmungen zu durch­forschen, an die Der Ausschuß nicht recht zu rühren vermag. Wie verschiedene Ursachen un­ser Mißgeschick vergrößerten, so hätte es doch vielleicht auch verschiedene Wege zum Erfolg gegeben. Vielen mag ein neues Licht aufgegan­gen sein bei den von Bernstorfs erwähnten Wünschen der Amerikaner, wir möchten in un­serem Interesse und mit Rücksicht auf eine aussichtsvolle Vermittlung nicht zu viel vom Frieden reden. Doch genug, wir wollen uns weitere Folgerungen ersparen. Könnten wir die weitere Ausbreitung der Gerichtsverhand­lungen als solche werden Die Vernehmun­gen trotz Der Einleitungsrede des Vorsitzen­den gemeinhin gelten vor dem Auslände vermeiden oder zurückstellen wer weiß, ob es nicht besser wäre! Parteipolitik, wenn sie ich auch äußerliche Triumphe holte, darf das diplomatifche Geschäft nicht verderben. Das berechtigte Streben nach dem Völkerbunde soll nicht vergessen, daß der Machiavellismus auch nach dem Ende des Weltkrieges noch ein mächtiger Faktor ist, dem man durch Prote­stieren und Pazifizieren allein nicht bei- kommt. . .

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Lzernin über den russischen Kriedenr- fütz-er.

Berlin, 24. OKI. (WTB.) Graf Lzernin feilt in dem Kapitel .Friedensoerjache" seinerErinne­rungen" über den russischen Friedens sühler mit: Am 26. Februar 1917 eridiien bei mir eine

IPersönlichkeit, welche sich als berufener Ver­treter einer neutralen Macht zu legitimieren imstande war ui.d teilte mir im Auftrage seiner Re­gierung mit, er habe Befehl, mich wissen zu lassen, daß die Gegner oder einer von ihnen bereit fei, mit uns Frieden zu schließen, und daß die Bedingungen dieses Friedensschlusses für uns günstig fein würden. Ich möoe, falls ich hereit sei, auf diese Anregung einzu- gehen, sofort auf dem gleichen Wege meine Bedingungen mitteilen, werde jedoch daraus aufmerksam gemacht, daß die Vorschläge der feindlichen Regierung in dem Augenblick null und nichtig seien, wo irgend eine andere mit ihr oder uns befreundete Regierung von diesem Schritt erfahre. Ich zweijelte keinen Augen­blick, daß es sich um Rußland handele und ant­wortete sofort telegraphisch durch Vermittlung der intervenierenden neulrajen Macht am 27. Febr., daß Oesterreich-Ungarnselbstverständlich bereit sei, weiterem Blutvergießen sofort ein Ende zu machen und keinen wie immer gearteten Gewinn aus dem Frieden ziehen wolle. Die etwas unklare Fassung lasse es indeß nicht ganz verständlich erscheinen, od der betr. Staat Frieden mit uns allein oder mit unserer ganzen Mächtegruppe zn schließen bereit sei. Ich mußte Wert darauf legen, zu betonen, daß wir von unseren Bundesgenossen nicht zu trennen seien, och sei jedoch bereit, meine guten Dienste als Vermittler anzu- bieten für den von mir erwarteten Fall, daß der sich an uns wendende Staat zu einem Frieden mit unserer ganzen Mächtegruppe bereit sei. Ich garantiere Geheimhaltung, da ich es vorerst für überflüssig fände, unsere Bundes- g massen zu verständigen. Darauf erfolgte am 9. März nie weitere Antwort, welche anscheinend meinen Standpunkt akzeptierte, die Frage jedoch, ob es sich um einen Frieden mit uns allein, oder mit unseren Bundesgenossen handele, nicht direkt be- aniroortete. Um am raschesten Klarheit zu schaffen und keine Zett zu verlieren, antwortete ich sofort: Ich ersuche die gegnerische Macht, einen Ver­trauensmann in ein neutrales Land zu senden, wo- hin ich meinerfeits sofort einen Delegierten schicken würde. Auf dieses Telegramm kam nie mehr Antwort. Am 16. März wurde der Zar ent- thront. Es hat sich offenbar um einen letzten Rettungsv ersuch von ihm gehandell, der viel- leicht, wenn er wenige Wochen früher erfolgt wäre, nicht nur das Schicksal Rußlands, sonden der ganzen Welt hätte ändern können.

Der Kampf in Rußland.

Amsterdam, 24. Okt. (2Dol7f.) DieTimes" meldet aus Helsingfors: Die Geschwader der Al­liierten setzen die Beschießung von Kronstadt fort Der Kampf um Krasnaja Gorka dauert an. Die Bolschewisten versuchten am Montag einen Ausfall aus Krasnaja Gorka, wurden jedoch zurückgeschlagen. Unter den (befangenen befinden sich Mannschaften von fünf verschiedenen Regimentern und Seesoldaten. In­zwischen machte Judenitsch weitere, wenn auch lang­same Fortschritte. Einer Meldung aus Reval zufolge eroberte er Katlina, die Station Eorawlo bei Pulkowo und die östlich davon gelegene Station Str elinsky.

Es wird gemeldet, daß die Sozialrevolutionäre in Petersburg sich erhoben haben. Der Kamps in den Sttaßen gehe weiter. Die Sowjetregierung sammelt alle Kräfte zu einem erbitterten End Kampf. Die Soldatenräte wurden aufgehoben. Die Vertreter der Kommunisten wurden von der Front zurückgerufen. Den Befehl führen dort nut noch Offiziere.

Finnische Blätter melden, daß es den Bolsche­wisten gelungen ist, bei Petrozadowsk vorzu­dringen, wodurch die brittschen Truppen gezwungen wurden, sich zurückzuziehen. Bei Strugibelaja ist eine Gegenoffensive im Gang. Der russische Bericht vom Montag meldet ein heftiges Gefecht nördlich von Zarskoje Sselo, ungefähr 18 Meilen von Petersburg. Ligowo scheint noch in den Händen der Bolschewisten zu fein.

Der finnische Generalstpb meldet; Die Flotte bombardiert Krasnaja Gorka, wo Explosionen beo­bachtet wurden.

Kopenhagen, 24.Oktob.(Wolff.)Politiken" meldet aus Helsingfors: Der Vormarsch der Nord- roeftarmee wird fortgesetzt. Bolschewistischen Zei­tungen zufolge ist Trotzky in Petersburg ange­kommen. Alle Proklamationen sind von Trotzky und Sinowjew unterzeichnet. Ueber Petersburg wurde der verschärfte Belagerungszustand verhängt. Die Theater wurden geschlossen. Niemand darf sich nach 8 Uhr auf der Straße aushatten. Die Stadt" soll bis zum Aeußersten verteidigt werden. Alle Männer wurden zu den Waffen gerufen, selbst die 70 jährigen. In der Stadt wüten große Brände.

Der Berichterstatter derNationaltidende" in Reval bestätigt die Meldung der englischen Admiralität von der Versenkung bolschewistischer Kriegsschiffe. Vier leichte Kreuzer sind während eines Ausfalles gesunken, der von Kronstadt unter­nommen worden war, um den bei Krasnaja Gorka stehenden bolschewistischen Streitkräften, die Judenitsch abschnitt, zu Hilfe zu eilen. Nach einer amtlichen Meldung sind zwei dieser Kreuzer auf Minen gestoßen. Von den 350 Mann der Besatzung wurden nur sechs gerettet

Wilson.

Amsterdams. Oktbr. (Wolff) DieTimes" meldet aus Washington: Der Brief Wilson, den Lane auf der Industriellen-Konferenz verlas, war auf dem Krankenbette mit unsicherer Bleistiftschrift unterschrieben. Zn dem Brief heißt es:Müssen wir denn bekennen, daß keine Industrie möglich ist, ohne den Geist und die Methoden des Krieges? Das wäre eine unerträgliche Aussicht und die Ursache für eine nationale Katastrophe. Die Konferenz muß sich vor Augen halten, daß das Publikum erwartet, die Konferenz werde solange zusammenbleiben, bis deut­lich zutage getreten ist, daß die Männer, die Arbeiter sind und die Männer, die die amerikanische Industtie leiten, so verschiedene Wege oerfolaen. daß alle Se>

mühungen, zu einem Zusammenwirken zu gelangen zum Scheitern verurteilt sind."

Ter Papst und die Bötterverföhnung.

Amsterdam, 24. Okt. (Wolff.) Laut Presse­büro Radio meldetRcwyork Sun" aus Paris, daß der Papst an Frankreich ein Schreiben gesandt habe, in dem er erklärt, daß die vom Kriege geschlagenen Wunden nicht geheilt werden könnten, wenn sich die Völker der Wett nicht bald versöhnen würden.

Eine Hinrichtung in Frankreich.

Paris, 24. Okt. (Wolff) Haoas. Der wegen Einverständnisses mit dem Feinde zum Tode verur. teille Lenoir ist heute morgen um 7 Uhr in Vin­cennes hingerichtet worden. Der Verurteitte mußt« während der ganzen Zeit der Ueberführung durch die Polizei geschützt werden.

Caittaux vor Deut StaatsserichLöhof.

Paris, 24. Okt. (Wolff.) Haoas. In der gest« rigen Sitzung des Staatsgerichtshofes perlangle Eaillaux das Wort. Mit starker Stimme erklärte er im Laufe seiner Darlegungen: Ich bin heute nve gestern bereit, alles zu verantworten, was man mir fälschlich zuschiebt. In den 20 Jahren meines außer- ordentlich arbeitsreichen polittschen Lebens wollte ich niemals etwas anderes, als das Wohl des Vater­landes. Ohne Zweifel verlangt man Aufschub, um Abenteurer, Gauner und Polizisten vorzuladen, deren sämtliche Aussagen gegen miuj sich nicht vereinigen lassen werden. Ich bin bereit, die Schlingen zu zeigen, vor denen ich mein Land mit der ganzen Kraft meines Gewissens bewahrte. Hierauf stellte der Der« leidiger Doutet den Antrag der vorläufigen Inftei- hettsetzung. Nachdem der Gerichtshof zur Besprechung hierüber sowie über das Datum der wetteren Der Handlungen sich zurückgezogen hatte, lehnte er den Antrag auf Hastentlassung mit 100 gegen 36 Stimmen ab. Die Verhandlungen wurden auf 14. Januar vertagt.

Aus dem Reiche.

Die Entgleisung de- Reichspräsidenten.

Berlin, 23. Okt. (Wolff.) Durch die deutsche Presse ging ein Interview des spanischen Journalisten R o d r n o mit dem Reichspräsidenten. Hierzu wird festgestellt:

Rodino wurde vom Auswärtigen Amt zum Empfang enipfohlen. Es handelt sich, wie schon vorher fcstgestellt wurde, um ein Interview, das aktuelle politische Fragen nicht behandeln sollte, Die Ausführungen, Die Nodino weitergab, entstanden unter Verwendung einiger Bemerkungen des Neichs- präsidenten, die zur Veröffentlichung nicht bestimmt waren, und die teils nicht richtig wiedergegeben wurden, vielleicht, weil sie von Nodino trotz Kenntnis der deutschen Sprache nicht völlig verstanden wurden."

Die Deutsch-polnische» Abmachungen.

Berlin, 24. Okt. (Wolff.) Ueber die deutsch­polnischen Wirtschaftsverhandlungen d et lau­tet von zuständiger Stelle: Polen erhält bei einer Förderung von 4500 Wagen 75000 Tonnen Kohlen monatlich, von einer Mehrförderung 20 Proz., außer­dem aus den Haldenbeständen eine einmalige Liefe­rung von 50000 Tonnen, die mit eigenen Lokomo­tiven und Wagen abgehott werden. Polen liefert uns dafür 3 Millionen Zentner Kartoffeln und ar dere Landesprodukte, u. a. Spiritus und Gänse. Gleichzeitig wurde ein Eisenbahn-, Schiff- fahrts-, Post-, Telegraphen - und TeIe« phonabkommen abgeschlossen, wobei die Polen die Schiffahrt auf der Weichsel und ihren Nebenflüssen und auf den Kanälen freigaben. Der Transport von Kohlen nach Ostpreußen und den Abstimmungsgebieten durch das von den Polen besetzte Gebiet, der auf Grund eines am 22. Oktober unterschriebenen Provi­soriums gestattet ist, wird an demselben Tage begon­nen, an dem der Transport von Kartoffeln bzw. Kohlen seinen Anfang nimmt Vorgesehen ist die so­fortige Einstellung aller Lieferungen, falls die deutsch- polnischen Hauptoerhandlungen kein Ergebnis haben ,o Ilten.

Konferenz der Landesfinauzämter.

B e r 11 n, 24. Okt. (Wolff.) Im Reichsfinanz, minifterium ist derB. Z." zufolge die erste Konferenz der Präsidenten der neu geschaffenen 25 Landes­finanzämter aus dem ganzen Reiche zusammengetreten, um über die Durchführung der neuen Steuerorganisa- sIonen zu beraten. Die Beratung wurde von Erzberger mit einer programmatischen Rede eröffnet, in der er dar­auf hinwies, daß der Aufbau der reichseigenen Steuer­verwaltung die Setzung des materiellen Schlußsteins einer Entwicklung bedeute, an der Jahrhunderte ge­arbeitet hätten. Wir hätten finanzpolitisch eine ganz neue Zett vor uns - die absolute SteuerjouDeränitäi des Reiches. Mit dem Gedanken des Bankerottes könnten unentwickette Agrarstaaten umgehen, für Deutschland dagegen gebe es nur den Weg, durch Ausbau des Steuerwesens zur Sanierung der Fi­nanzen zu kommen. Der Kampf gegen die U m - g e h u n g und Hinterziehung von Steuern sei darum eine sozialethische Notwendigkeit.

Tas demokratische Parteiprogramm.

B e rlin, 24. Okt. Die Deutsche Demokrattiu Partei wird vom 13. bis 15. Dezember in Leipzig einen Barteitag abhalten, der en. aültia über das Programm entscheiden soll.