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169. Jahrgang

Tlf.l.nebft 20° eIeuc- rungszufetilag;Plaijvor- kbrm 20 % Au'jcvlag. Hauvtschn Leiter: Slug. IPoeg.Scvantivortlid) tüt Polit k: Ang. tooeg. für ben übrigen Teil: Dr. ReucholD 3enj; für bett . Anzeigenlell: v. '^ed: fämtUch in Gießen

5reitag, 25. April 1919 Annahme von Liizeige« f. eie iageenummer vis zum Nncimtilian vorher ognc ]ebe'l>crbinbiiditctt äeilcitprcife:

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Nr. 96

£rx Lietzener Anzeiger erscheinr laqiich, außer Sonn- und Feiertags.

Beyjgspreis: nwnatl. Mk.l.35, viertel­jährlich Mt. 4.05; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 'Dif. 1.25 durch

Wilson als Hüter des Rechtes. 1 Wilsons vom Reuter-Bureau veröffent­lichte Erklärung über die adriatische Frage bc- cheutet nicht nur eine energische Zurückweisung j)cr übertriebenen italienischen Forderungen, die sich auf den von Wilson als überholt bc- reichnetcn Londoner Vertrag stützen, sondern sie ist zugleich eine demonstrative Warnung nn Frankreich und Englaird, besonders an die französischen Machtpolitikcr. Der Streit dreht sich um Fiume, das die Italiener als Ersatz für andere Verzichtleistungen für sich in Anspruch nehmen wollen, während Wilson -diese Stadt den Kroaten zuweist. Man weiß nicht, ob die italienische Abordnung tatsächlich 'Paris verlassen wird, oder ob sie sich noch durch gewisse Vermittlungsversuche versöhnen lassen wird. Schwerlich ist an einen förmlichen Bruch Italiens mit der Entente zu denken, wenn auch einige italienische Blätter schon an- kündigcn, Italien werde fortan den Handel mit den Mittelmächten wieder eröffnen.

Das Wesentlichste für uns Deutsche ist an diesem Konflikt, das; Wilson noch einmal pro­grammatisch erklärt hat, es handle sich jetzt nicht um Interessen, sondern um die Rechte der Völker, das; er noch einmal feststellt, die Bedingungen seien von ihm bei derEin­leitung des Friedens" bereits formuliert wor­den, und Amerikasei gezwungen, jede Entscheidung, an der es sich beteiligt, mit jenen Grundsätzen in Einklang zu brin­gen." Darauf werden sich also die deutschen Frieden: delegierten noch kräftiger als bisher zu stützen haben. Der Pariser Vertragsent­wurf, wie er bisher in den Blättern erschie­nen ist, ist noch lange nicht der endgültige Friedensvertrag. Deutschland bringt eigene Wünsche, Forderungen und Auffassungen mit, die nach seiner Ueberzeugung enger und klarer mit Wilsons 14 Punkten übereinstim- men, als das, was unter Ach und Krach in der französischen Hauptstadt bisher durchge­fetzt woroen zu fern scheint.

WIlssn über das adriatische Problem.

Paris, 24. April. (WTB.) Reuter. Wil­son gab eine offizielle Erklärung über das Adria- ti-Meer-Problem ab. Ter Präsident liest wißen, das; er ein für allemal die Aufmerksamkeit ans i die TatMlt» L'itfcn wolle, daß es g>?wisse _too()I j definierte Grundsätze gibt, die von den Volkern der Welt als eine Grundlage für einen dauernden Frieden angenommen worden sind. Die, Vereinig­ten Staaten erinnern daran, das; keine Ab­weisung' von diesen GrundsiHcn siattfindcn soll. Die veröffentlichte Erklärung ^räzt den Titel Erklärung in der Adriatischen Sache". Sie be­sagt : Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der da­durch berührten Fragen, hoffe ich,, daß folgende Erklänmg endgültig zur Bildung einer Meinung imb befriedigenden Lösung beitragen wird.

Als Italien in den Krieg eintrat, tat es das auf der Grundlage einer Definitiven, aber pri­vaten Verständigung mit Großbritannien und 'Frankreich, die jetzt als Londoner Vertrag belanut ist Seit jener Zeit trat eine vollständige Aendenmg der Verhältnisse ein. Viele andere -große und kleine Mächte beteiligten sich, ohne von jener privaten Vereinbarung zu wißen, am Kampfe. Das österreichisch-ungarische Kaperretch war damals der Feind Europas, aus beifcn Kosten der Londoner Vertrag im Falle eines öicgeS Liugehalteu werden sollte. Es ging aber ui Trüm­mer und besteht nicht mehr. Recht nur, da;; verschiedene Teile jenes Reiches, wie jetzt von Italien und allen seinen Assoziierten vereinbart äst, als u rabhängige Staaten eingerichtet werden -und im Völkerbund nicht mit denjenigen agozuert -werden, die kürzlich unsere Feinde waren, wndcrn -mit Italien selbst und den Mächten, die mj>em großen Mampf um die Freiheit an der «eite Fkalieus standen. 'Dieier -satz 1 cf)eint durch lieber^ milteluug oder Uebcrsetzung malträtiert worden fein D. Red.) Wir wollen ihre Freiheit ebenso begründen wie unsere eigene.,,Sie gegoren zu tlcineren Staaten, deren Jnteresien und öu- fünft ebenso peinlich genau garcmtlert roerbtm sollten, wie die Interesien der machrgiten Staa­ten "Außerdem wurde der Krieg dadurch beendet, daß von Deutschland ein Waftenstill­st a^r d v o r g e s ch l a g e n wuede, der sich aus ge- Wi kl ar d e s iniert en Gru ndsa tze n auf» bauen soll und die Neuordnung nach Recht und Gerechtigleit mit sich bringen solle. Aus die,er Grundlage wurde der Frieden mit ^cutichlaud nicht nur konzipiert, sondern auch Tormuiiertunb auf dieser Grundlage wird er auch auvgcsuhrt werden.

Wir können n i ch t von der großen Gemeinde der Mächte verlangen, daß der Friede mit Ocirer- reich auf einer neu eu GruuWuge d^r Unav- Hirngialeit und des m Staaten, die ur-

wrüng'.ich das österrerchrick)°-linganiche Kaiserreich bildeten, und in den Staaten der Balkw.grnppe nach Grundsätzen.anlxrer Art,Vorschlägen und duick'gefuhrt werde. Wir müßen ba ba Mge- lmm in jenen Teilen Europas dieselben Grundsätze zur Ar.wendilng bringen, bi- wir in 6cm! Frieden mit Deutschland Zur Anwendung brachten. Tie Ji i.iatli^e zuml ^ri.dr.r gdai/il) mir dem ausdrücklichen B leen ms zu^eneil Prm- zivien. Auf ihnen must die ganze ^iruktur de s Friedens ruhen. Wenn jene Grundsätze

beibehalten werden sollen, so muß F iu m e ils Ausgangs- und Einga-ngswr für den Hrridcl nich. von Italien, fmtbern von den Ländern nörd ich und nordöstlich jenes Hafens dienen, nämlich Ungarn, Böhmen, Rumänien und den St raten der neuen südslawischen Gruppe. Wenn iri; Fiume Italien zuweisen, so würden wir das Gefühl h-cr- ocrrufai, daß wir absichtlich diesen Hasen, der für alle bi i"c Länder den Hauptzugang zum Mi>- telmeer bildet, in die ldände einer Macht legen, ton der er keinen iiitcgriercnben Bestaadteil bildet und beten Souveränität, nxenn sie bort erricht t würde, unvenneidich dem kaufmännischen nnb in­dustriellen Leben bet Gecpeiioen, denen der Hasen dienen muß, fremb ober nicht mi ihnen identisch et-die in en muß. Es geschah zimifcilos aus di'scn Grnnbe,, daß Fiume in den Londoner Vertrag nicht cing-schloßen, sondern Hi i i > b n Kro­aten zngewie>.i wurde. Und der Grund, warum die im Londoner Vertrag festgesetzte Linie viele Inseln der Ostküste des adriatischen Meeres und einen Teil der dalmatiußchen Küste ei','.schloß, der sich am meisten nach diesem Meere hin öffnet, war nicht nur der, daß sich auf diesen Inseln und an dieser Küste hier und ba Gemcinden ita- lienifdjer Abstammung und Tradition befinden, sondern auch unzweifethaft und baust ! äch ich, daß e-s für Italien für no wendig erachtet wurde, zwi­schen den Kmtä'en önlich der Adria einen Stütz­punkt zu haben. Es wurde vorgc schlagen, daß die Befestignngeu, die die Österreichische Regic- riing4>ott errichtete, geschleift und dauenid zerstört werden sollen. E; gehört auch zu den neuen Plä nen her europäischen Ordnung, die im Völker­bund ihren Mittelpunkt hat, daß die neuen dort errichteten Staaten eilte Beschränkung ihrer R n st u n g e n annehmen sollen, die jeden An­griff ausschließen würden. Es kann keine Besorgnis vor einer ungerechten Behandlung der dort b-kindlichen italienischen Bevölkernngs- grnvpen bestehen, weil ausreichende Garantien unter internationaler SanTtion für eine gle'ch- mäßige Bel andlung aller nationalen MiiiderRitcn gegeben werden sollen. Kurz und gift, jede mit dieser Regelung zusammenhängende Frage hat ein neues Aussehen, es ist daftir gesorgt, daß gerade dem Recht der Sieg gegeben wurde, für das Italien seine höchsten Cpicr an Gut und Blut brachte. Italien ist mit vier anderen Groß­mächten der öauptbürge für die neue Ordnung 1 geworden, bei deren Errichtung es eine so ehren­volle Rolle spielte. Längs des ganzen Zuges der Alpen wurde ihm vis an das Ende der isttiani- scheu Halbinsel seine natürliche Gren;e vollständig wiedergegeben, die alle großen Wasserscheiden ein» schließt, innerhalb bereit Triest, Pola und alle schönen Gegenden liegen, die die Natur der großen Halbinsel zuwandte, und auf denen sich die ruhmvolle G-ckchidstc des römischen Vot.ec a'c- spielte. Seine alte Einheit ist wiederhergestellt. Seine Grenzlinien erfttetcc-ir sich uneber bis yt den Wänden, die seine natürliche Verteidigung bilden. Cs hat die Wahl, von Fremrden umgeben zu sein und gegenüber den kürzlich befreiten Völ­kern jen"e;t5 des Adriatischm Meeres jene vor­nehmste Eigenschaft und Größe zu entfalten, näm­lich Hochlzerzigteit, sienudliche Generosität und Bevorzugung -der Gerechtigkeit vor den Interessen. Die mit Italien assoziierten Nationen, die nichts vom Londoner Vertrage ooer irgend einer artberen besonderen Abmachung, die bei Besinn dieses Kampfes zu/änide kam, wissen und die ihre großen Opfer ebenfalls im Interesse des dauernden Weltftiedens brachten, vereinigen sich jetzt mit ihren älteren Assoziiert cn darin, daß sie von ihnen verlangen, die Opfer - rolle zu übernehmen, die in der neuen Ordnung Europas nicht mißverstanden werden kann Amerika ist Italiens Freund.. Sein Volk zählt Millionen von Einwohnern, die aus den schönen Gegenden I: ackert 3 kommen. Es ist an das italie­nische Volt durch Blut und Zuneigung gefetiet. Solche Fesseln können niemals gebrochen werden. Amerika hatte das Vorre-ckit, vor sei­nen Alliierten im Kriege mit der Einleitung des Friedens beauftragt zu werden den dnrchzusuhren wir jetzt im Begriffe sind, und zivar un er Bedingungen, die cs selbst formuliert lat imb bei deren Formulierung ich als sein Wortführer ein getreten bin. Es ist gezwungen, jede Entscheidung, an der cs sich beteiligt, mit jenen Grund- s ätzen in Einklang zu bringen. Es kann nichts anderes tun. Es üeriraitt Italien und glaubt in seinem Vertrauen, daß Italien nicksts von ihm verlangen kann, was sich nid)t deutlich mit jenen geheiligten Interessen vereinbaren läßt:

Es Iinnbclt sich jetzt nicht um Intkrksscn, son­dern um die Rechte von Völkern.

Ties allein sind die Grundsätze, für die Amerika f(impfte Dieses allein sind die Geundsätze, unter benen cs zuitimmen fmm, den Frieden zu schlie­ßen Es hockt und glaubt, daß das Volk Italiens von' ihm nur einen auf diesen Grundsätzen aus­gebauten Friedensschluß verlangen wird.

Line Erklärung Orlandos.

Paris, 24. April. (W'TB.) Nach einer Ha- vas-Meldung ries die Veröffentlichung der Note Wilsons über die Adriafrase in Paris grafte Er­regung hervor. Zahlreick.-e Besucher strömten zu dem 5n>tel, wo die italienischen De!ögicuckm woh­nen Orlando erklärte einem italienischen Jour­nalisten, er habe persönlich mit Lloyd Ge­orge gesprochen. Die rralienische Delegation hwe am Mittwoch vormittag die Antwort von Ame­rika, England und FrMtkr-.r.h erhal.et, die itch auf die Anfrage der italieuiiche» Delegation be­treffend die Adriasrage bezog. Danach Vexex die

Rechte Italiens auf die dalmatinischen Städte anerkannt. (Amnerkling des Wolif-Bureaus: Ter Widerspruch biefer Meldung mit der Note Wil­sons läßt sich vorläufig noch nicht aufklärcn.)

Eine Volkskuudgebung in Nom.

Rom, 21. April. (WTV.) Stefani. Gestern abend fand auf dem Colouna-Platz eine grohc V o l k s k u n d g e b u ng für die italienischen Ge bietssorderungcn statt. Es bildete sich eln Zug, bet unter Abfingung patriotischer Lieder sich zum Ka vital begab. Au der Spitze des Zuges bonuTl'.c uian den Fürsten Colonna inmitten vieler Offiziere aller Gr d u.id -ahlreicher Teputi'rieu. Auf dem Kapitolsplatze hielt der Bürgermeister, Colonna eine Ansprache, in ber er insbesondere aus- führte: Von dieser Stelle, wo wir am 24. M ck 1915 den Ruf nach dem Krieg erschallen ließen, ec- heben wir beute unseren Rus des Protestes und der Entrüstung wegen des Attentats, das unsere ge­heimen Feinde gegen unfeit heiligen Rechte zu be­gehen wagen. Italien hat seine Pflicht erfüllt und cs bat ba-3 glecht zu verlangen, daß feine Kriegs- ziele nicht verraten ober durch Heuchlerische Kom­binationen geschädigr werden; es kann verlcingeu, baß die Früchte seines blutigen Sieges nicht von seinen Feinden gepslückt werden.

Italienische Presseftimmen.

Rom, 24. April. (WTB.) Stefani. Die Zeitungen sagen in ihren Kommentaren zur diplomatisÄen Lage in Paris einstimmig, daß das italienische Programm das Minimum der für Italiens Würde und Sick)erheit ausge­stellten Forderungen enthalte. Die,T r i - bunck" sagt: In dieser größlen Krise des Krieges und des Bündnisses werden wir ruhig und einig sein. Ohne die Intervention Jtcv- liens hätten die Vereinigten Staaten keine Zeit gehabt, in den Krieg cinzutrcten und mit den Deutschen als Sieger rechnen müssen, die von Mexiko bis nack; Fapan Amerika einge­engt hätten. Die Märkte Europas Mären Amerika bann verschlossen gewesen.

Die japanischen Forderungen.

58cti in, 23. April. (Priv.-Tel.) Nach Mel- dungen der Abendblätter aus Paris erklärte A kino auf der Konferenz namens der japani­schen Telegation, daß er heimkehren loerbc, wenn Japans Wunsch bezüglich Schan- l u n g s nicht berücksichttgt würde. Die japanischen Vertr.ster stchm auf dem Standpunkt des Ge­heimabkommens vom Februar 1915 zwi- sckrm England, Italien, Frankr-nch, Ruftland und Japan, welche ba-3 Versprechen biefer Staaten enthält, das; Japan die Schantuiiginfel erhalten wird. Tic ZeitungWorld" erklärt, daß die Exi­stenz dieses Abkonnncns Wilson unbekannt war.

Der deutsche VöltcrbnndSentwurs.

Berlin, 23. April. Die deutsche Reichs- regientng hat, nach der Franks. Ztgr, in ihrer, heu­tigen Kabiuetlssilmng einstimmig einen Gese tz- en trau r | für die Errichtung eines Völ­kerbunds verabsänedet. Am 14. Februar sind in Paris durch eine Rede des Präsidenten Wilson der Kpuserenz der 'Alliierten Vorschläge für die Dölkerbmibsakte unterbreitet worden, die im nxfentlid'cti daraus lstnauslaufen, eine ^Organi­sation der siegreichen Staaten zu fdyaiiien. Der Ent­wurf der deutschen ^Negierung beruht demgegenüber mis durchaus demokratisd>er Grundlage. Er will die Völker selbst zur Arbeit nicht nur im necatioen Sinne zur Verhinderung der Kriege her­an zi-hen, sondern auch im positiven Sinne zur For­derung des geistigen und materiellen Fortschrittes der gc]amteu Mensck>l)eit. Das Kernstück dec Vvlker- Ümnds soll ein W e l t p a r l a m e n t bilden neben dem Staatenkongreß. Dieses Weltparlament soll ttmäd>st eine Vertretung der Parlamente dec ein­zelnen am Bolkerbiindc vertretenen Staaten sein, aber für den Ausbau diefe-s Weltparlaments sind alle Möglichkeiten offen gelassen, und es ist denkbar, baß die großen wirtschaitlick?en Organisationen, bie Gewerkscbasten, bie Handels- und Schiffahrts- organisationen beruslickre Vertreter in dieses Welt- pa lament cntfen'en können. Alle Staaten und alle Völker sollen nach der Ausfassung der deutschen Reichsregierung im Völkerbunde gleichberechtigt sein. Es soll nicht unterschieden werden zwischen großen und kleinen Staaten, zwrsck-en Sch;vack)en und Mächtiaen, sonbern das Prin'iv der Gerech­tigkeit soll den Ausschlag geben. Um den Völker­bund arbeitsfähig zu machen, ist in dem Entwurf ber deutsckxm Reichsrefierung von der EinAmmig- keit bei den B^chlücken Abstand genommen wor­den, und cs ist die Zweidrittelmajorität eingesülirt worben. Als eine dauernde Einrichtung wird der Völkerbund gedacht, und er soll nicht mir über die nnrtsck'astlickien, sondern auch über die politischen Fragen ent)d',eiben können. Besonderer Wert wird mif die Abrüstung und auf die völlige V e r - keh.rsfreiheit gelegt.

Bolschewismus in Konstantinopel?

.Paris. 23. April. (WTB.) Haoas. Ten Blättern wird aus Athen gemeldet, in Saloniki gehe das Gerüd/, daß in Konstantinopel schoere Unruhen ausgebrod)en seien. Tie An- hinger des trüberen Komitees für Einheit und Fortschritt Hütten sich gegen die Regierung erho­ben und die türkische Sowjetrepublik proklamiert. Heftige Zusammenstöße sänden statt doch würden fremde Untertanen nicht be­

lästigt. Die Revolutionäre fd)iencn der Bewegung einen rein internen Charakter geben zu wollen.

Au» dein Ueiche.

Acußcrungen Nocckcs.

Berlin, 23. April. (WTV.) NeickMvchr- Minister Mske g unTtjrlc einem Mttglieb dcr Re- l'crktion berDeulschm Mlgemernen Beitmig" eine Unterredung, aus ber wir folgende Mitteiluitgen luicbcrg.'bcn: Es fei weder von dem neuen Din* zierskorps, noch vvu der neuen dcutscheii Armee bie Gefahr einer politisck)eii Umwälzung zu be*- fmachten. Wir haben noch fernen Frieden imb müssen die Ostgncenzen, die noch immer slüsiig sind, gegen feindlichte Ueberfälle uitb pvgen die gewalt­same Vorwegnahme ber Frieren-3 bed-iugun geiü schützen. Werni die französisck)c Regierung über den 11 nrfang unserer Rüstu gvu nickt selbst nntcrriditet ist, so foitnle sie sich jederzeit bei ihrem Verbüit- bclcn, Wilson, inforntieicn, ber sozusagen bis aus den letzten Mann weiß, was wir im Osten stellen haben. Besser als die Franzosen scheint ja auch Llopd George die wahre Lage ber brutschen Wehrkraft ^clannt zu haben,, als er kürzlich int Unterhaus äußerte, daß Tentsstilcind kaum in der Lage sei, 80009 fDiann zur Aufrechterhaltung der polizeilichen Ordinrag aufzubringcn. Dies ist leider Wahrheit. Wir müssen er ft wieder zu einem leben* bigeren Staatsgesühl kommen, wenn wir den toten! Pirnkt unserer nationalen Verleidigiingskvaft über­winden wollen. Es ist deshalb gruz unsinnig, wenn Barth von deei^ Millionm,Anhängern einer monarcllistischen Gegnirevir'lution/ spricht uitb damit ba-3 Ausland grculiid;| ;u madrn versucht. Tie Unlerrebung wandte lick)vrrni* der inneren Lage zu. Ter Minister hc.il die o?esal)r des BolfchckvisrnnS in Tleutfd/and mllitärisch für überwunden.

Ruhe in 2kugSburg.

Augsburg, 24. April. (WTB.) Tie Ar­beit in den Fabriken ist heute in vollem linv» fange wicber ausgenommen worden. Tie Straßenbahnen sind wieder int Be'rieb. Ter Te- lephonverlehr wirb am! heutigen Nachmittag im Ortsverkehr wieder ei'geschränkt zugelassen. Nach dem heutigen militärischen Tagesbericht betragen die Verluste der Regierimgstruppen sechs Tote, sowie 18 Verwundete, von denen mehrere ge­storben find.

Der Belagerungszustand in Sachsen.

Berlin, 24. April. (WTB.) Von zu­ständiger Stelle wird bekannt gegeben: 8'ud Aufrechterhaltung dec öffentlichen Sick-erheit wird hiermit über das Gebiet des Frei­staats Sachsen der Belagerungszu­stand verhängt. Mit der Durchführung der sich hieraus ergebenden Maßnahmen wird die sächsische Regierung beauftragt.

Berlin, 24. April.

gez. Ebert. Scheidemann.

Sicherheitsmaßregeln in Hamburg.

Hamburg, 24. April. (WTB.) In der vergangenen Nacht wurden etwa f ü n f u n d - dreißig Straßenzüge in St. Pauli durch 2000 Manu Volkswchr abgesperrt. Die Truppen wurden durch 200 Kriminal­beamte wirksam unterstützt. Vis um ZV-Uhr vormittags waren über hundert Personen wegen unbefugten Waffentragens,, Auf­reizung, Diebstahls, Schleichhandels usw. fest­genommen. Eine bedeutende Menge Gewehre, Revolver, Munition, Hieb- und Stichwaffen wurden aus den Häusern herausgeholt. Die Durchsuchung wird im Lause der nächsten Tage fortgesetzt. .

Die Neuosganisation der Spandauer Betriebe.

Berlin, 22. April. (WTB.) DieFreiheit" beachte in ber Dienstag-Mor-emiummcr e m Zu­schrift, bie behauptet, daß von der Reichsregic-- rung beabsichtigt worden sei, die Span bau er Betriebe, in denen ein Vollsvermögcn von 600 Millionen inüeni-rl sei, an Kapitalpreßmag- raten um den Judas ohn von einigen Silberlingen zu verschleudern. Von zuständiger Stelle wird hier- u erklärt: Es versteht sich von,selbst, daß an der Nachricht kein wahres Wort ist. Die vorläu­fige S d; l i e ß u n g dec Spandauer Betriebe mußte verfügt werden, ba unter keinen Um­ständen noch länger die dort eingerissene Verschlcuderung von Rcichsmittcln, insonderheit die Vergeudung von Noh^offen, ge­duldet werten konnte. Was nun da3 sernere Schick­sal der Lvaiidancr Verriebe betrifft, so ist festzu­stellen, daß au s sorgsamste darauf Bedacht ge­nommen wird, die Be'riebe ivieber auf eine gesunde Basis zu stellen. Sobald dies erreicht ist, wird and) an die Sozialisierung ber Betriebe heran­getreten weiden können. Schon jetzt aber wird Die Umstellung ber Betriebe auf bie Friedensarbeit so vorgenommen werben müssen, ba»; die Betriebe sich zum minbeften selbst erhalten, wenn schon das Reid) im Interesse der in dem Bettiebe unter» gebrachten Arbeiterschaft zunächst auf eine Ver­zinsung tmd Amortisation verzichtet. Bereits heute haben VcrhanDlirngen mit Vcrtr'tcrn der Arbeit­nehmer einerseits und mit, bewährten BetriebS- orsauisatoren andererseits slartgcmnden, um Die notwendigen Maßnahmen für Die Neuorgani- sati ander Spandauer üÖetrcb: fektziilelzen Diese Besprechungen werden sorigese ck. So'.ald das Er­gebnis voil'.egt, werden die SpMldauer Werkstätten zum mii'beften wieder im Umangc Der FriedenS- 5-it erögnet tocrDcn. Bis am wci eres erhält Die Arbeiterschaft, wie bereits mitgeieiU, in vollem Umiangc den Lohn ausgezahlt.