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Dienstag, 25. März 1919

«(u.aqme von Anzeige» j. die iaflcenummci vis zum gicidinüitaii vorher o^neict'elk'ibinöiidjfeit Seilensreise:

für örtliche Anzeigen 25 Vf. .für auswärtige 30 P'^ für Reklamen ü)lf.l.-nebft2O°o2eue- rungszn! vlag;Platjooc- fdirih 20 % \hi'|d)lag. Lauvtichn tleiker: 9lufl. Goctz Veraiitivortlich für Politik: '21 ug. Owctz. für ben übrigen 2cd: Dr. Reinhold Zenz; für den Anzeigenteil: H. Beck; fämtlrch in,Gießen

Srotz-Heffen oder RHein-Zranken?

b. Tarmstabt, 25. März. (Drahtn.) Ter historische Verein hielt gestern abend feine Haupt-

Bildung einer vorläufigen ReichSmanue.

Weimar, 24. März. Der Nationalversamm- lui^g ist ein Gesetzentwurf über die Bildung einer horlänfifl<n Reichs marine zugegangen. Darin heißt es: Der Reichspräsident wird ermächtigt, die be­steheirden Formationen der bisherigen Kriegs­marine au^idöfen und eine vorläufige Reichs­marine zu bilden, die bis zur Schrffung der neuen reicktsgesctzlich zu ordnenden Wehrmacht die brüt» frfien .Kusren sichert, durch Minenräumen, Aus­übung der Seev-olizai und sonstige Unterstützung, die Handelsschifsalntt sichert, den Seeverkrstc er­möglicht, die airfgcfoTbcrte Llusübuirg der Fischerei gewäl>rleistet, im herein mit der Reichswehr den Aiwrdnungen der Reichsrvgierimg Geltung ver- sclrasst und Ruhe und Ordnung aufrecht erhält.

B ldnug einer Ncvubiil Nordbnytrn?

Mün chcn, 23 März. (WTB.) In einer in Waigolshausen in Urrterfrcmfen stattgehabten Ver­sammlung der Bauern räte der untcrfränFi- schen Landgemeinden wurde eine Entschließung an­genommen, in der am Schluß gesagt wird, die versammelten Bauernräte verlangen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln die Abtrennung der drei Frankenkreise und evatluefi der Oberpfalz zwecks Bildung einer Republi' Nordbapern, wenn in München nicht alsbald Besonnenheit, Ruhe, Ordnung und Gesetz an Stelle der despotischen Gewalt und des wahnwitzigen terroristischen Klassenkampfes Platz greifen. Sie lehnen es ab, noch immer untätige Zuschauer der von norddeutschen Literaten und russischen Agen­ten betriebenen Politik zu bleiben.

Wahlen znm Arbtitcrrat in Hamburg.

Hamburg, 24. März. (WTB.) Bei ben gestrigen Wahlen zuw Großen Arbeiterrat entfielen von 400 Sitzen 240 auf die Sozialdemo­kraten, 37 aus die Unabhängigen, 25 auf die Kommunisten und 96 auf die bürMrlichen und Sondergruppen.

derungen der Sieger nicht zu überspannen und be­siegte Völker nicht zur Verzweiflung zu treiben.

Wien, 24. März. (WTB.) Meldung des Wiener Korr.-Bur. Der Minister des Acußern Tschitscherin richtete an den Volkskommissar für Auswärtiges in Budapest aus Moskau einen Funkspruch, worin er ausführlich die gegenwärtige Lage der russischen Sowjetrepublik und ihrer Trup­pen sowie bereit Erfolge, namentlich im Süden und in der Ukraine, schrldert. Das jetzige System der Entente heißt es darin weiter besteht darin, nicht die eigenen Soldaten gegen uns zu schicken, sondern midere in das Feuer zu treiben. Deutschland, das sich ihrem Willen fugt, bildete unter Hindenburg eine neue Armee als linken Flügel gegen uns, während die polnische Armee das Zentrum und die ukrainischen Petljura- trnppen den rechten Flügel bilden, während unsere Truppen im Dongebiet imb im 'Gebiet von Uralsk und Orenburg siegreich Vordringen, näl>ert sich der deutsche linke Flügel Voniewitsch, die lettischen roten Truppen bedrohend. Das polnische Zentrum aber bewegt sich gegen Wilna und Minsk und nahm Baranowitsch. Diese gleichzeitige Offensive ist offenbar die Ausführung eines wohlvorberei­teten Planes, hinter dem die Entente steckt. Unsere ilage im Westen ist dalter schwierig. Schmierig ist auch die Lage unterer lettischen imb litauischen Verbündeten Da sich mm die ukrainischen Sowjet- truppen Galizien nähern, wo es schon gärt, sind wir dadurch unserem ungarischen Verbündeten nahe, der im Rücken unserer Feinde steht. Gegen die anstürmcnden Deutschen und Polen werden neue Kräfte zu'ammengezogen. (Anm. des Wolff- bureau: Die hiesige zuständige Stelle bemerkt, daß es nicht deutsche, sondern Truppen der lettischen und litauischen Regierimg sind, vor d cnen die Bolschewiki zurückweichen.

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Tet »leheirer Aazel-er erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: Gletzr.ierLtimUietrdlälter;

Kre.slhiU

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sammeuarl'ei en wollen.

A?g..T a u n e n b e r g>(Wel'c>: Auch wir g'au ben, daß ba* alte Hohenzollcnr-Preußen unwidec briuglich dahin ist und wir wollen aus ber Kon­kursmasse unsere hannoversche Heimat wieder­haben. .Eine Annexion lami niemals Recht be g ü.iden. Tie Gerechtig'eit, Selbstbestimmung und Aüoral eilocbent die Wiederlierstellung eines selb­ständigen Hannovers im Rahmen des Reiclics Tie Regierung lat im Februar einen Erlaß gegen die Agitation der deutsch Hannoversck>en Partei ge­richtet, der bedenklich nach Bismarcks- und Putt- kaminers Geist riecht, imb der uns den letzten Rest von Vertrauen zu dieser Regierung genommen hat.

Mini, erpräsident Hirsch: Unser Erlaß wen­det sich gegen diejenigen, die in Hannover eine DolksabsttmNrnng herbeiführen wollen, um diese Provinz von Preußen abzureißen. Tie Regierung steht diesem Gedanken ebenso ablehneitd gegenüber wie den rheinisck^en Sonderbestrebungen. Tie jetzige Regierung hat für byna,rische Interessen gar fein Verständnis. Auch den Ha'.movernmm soll be­zeugt werden, daß sie treue Ternsche sind, aber so­wohl im Interesse der Einheit Preußens als Mich der Stärke des Reiches Müssen wir an dem Be­stände Preußens sestchil en. Durch die Abspaltung von .Hannover wird Preußen in zwei Hälften zerrissen werden.

Abg. Runge empfiehlt als Cchlußbecicht- erstatter, die beiden vorliegenden Entschließungen, in denen sich die Lairdesversammlung gegen die Lvslö uuKsbestrebungen einzelr er Gebiets eile von Preußen, gegen jede Einverleibung rheinischer Landesteile, insbesondere des Saarbeckens und des Bezirks von Montfvie, Malmedy und St. Vith seitens Frankreich und gegen die Errichtung eines rheinischen Pusferstaates ausspricht.

Beide Entschließungen werden an­genommen.

Dienstag 1 Uhr nächste Sitzung. MitteSung des Präsidenten über die Zusammensetzung Her Rogterung und Jdotetat.

Das preußische Kabinett.

Bc r li n, 24. März. Zur preußischen Kabi­nettsbildung meldet derBerliner Börsenrourier": Von der Deutschen bemotratifJten Partei wird der 5?anbelsminister Fischbeck im Amte bieiben. De Partei wirb ferner das Eisenbastnministercunr übet» 1 reimten. Tas Zentrum wird das Justizministerium und das sich neu gründende Vol kswostl fahrt sm ini- sterinm besetzen. Ter ftr ieg§ Harter Reinhardt verll ibl au sei ems Pv, e.i, ckcnfo La stwir sch f s miniiLer Braun. Die übrigen i Minister bei,«hat die Sozialdemokraten. Für das Eisenbahnmüti- sterium dürfte die Deutsche demokratische Fraktion das Mitglied der preußisckzen L-andcsrersammlung £emt Oeser in Vorschlag bringen. Es ist wrihr- sckreinlich, daß in das Kultusministerium, dessen Leitung der Minister Dänisch bellten dürfte, je ein lxr'ilamentarischer Unterstaatssekretär aus der Teutscheu demokratisdien Partei und dem Zen­trum delegiert werden wird.

Die Aussichten des VälfchewismuS.

Wien, 24. März. (WTB.) TasTeutsche Volksblatt" will erfahren haben, daß die russi­schen Sowjettruppen in einer Stärke von 300000 Man an den Grenzlinien der Bu­kowina unb der Ukraine stehet:. Nach Er- xählungerl in Wien ein getroffener ungarisck^r Rei­sender vollziehe sich der Vorndarsch der russischen Svwjetttuppen verhälttnÄnäßig rasch. Er gehe nadp einem zwischen Budapest unb Moskau verein­barten Operalionsplan vor sich Gerückstiveise ver­laute, das; die ukrainischn Truppen Petljurag zu ben Bolschewisten überzugehen beginnen. Noch bilde das gepeinigte dou-sch Volk ben letzten starken Tamm gegen das Vordringen des radikalsten Um­sturzes. Vielleicht glauben die Pariser Imperia­listen das kleine Ungarn mit Waffengewalt bän­digen zu können. Falls die Entente daran fest­hielte, Teutschland einen Vernichtungs­frieden aufzuerlegcn und es für ewige 3eitel Mi entmannen, dann könnte sich auch das deutsche Volk und Teutsch-Oestrrreich wie ein Mann er­heben, da es sich von einer nationalen Katastrophe bedroht sähe. Ein Aufruf der ungarischen Prole­tarier an alle könnte endlich auch leicht in den Reihen der Proletarier der Ententestaaten Wider­hall finden. Ten Besiegten ftünbe es Kvar schlecht an, den Siegern zu drohen, aber die Vorgänge in Ungarn sollten für die Pariser Ententewnferenz (eine letzte nachdrücklich: Warnung fein, die For­

Erzbergers Anfrage.

Berlin, 24. März. Der Telegraphen-Union wird von zuständiger Seite mitgeteilt, daß auf die vom Reichsminister Erzberger nach Paris gerichtete An­frage, ob es richtig sei, daß man den Deutschen nicht gestatten werde, über den Friedensvertragsentwurf zu debattieren oder irgendwelche Aenderungcn an ihm vorzunehmrn, sowie daß die Alliierten sich in keine Debatte über d?n Dorsrieden mit den Deutschen einlassen werden, bisher eine Antwort nicht einge­gangen ist. Es ist nunmehr nochmals an die Be­antwortung dieser Anfrage von Berlin aus erinnert worden.

Kundgebungen in Berlin.

Berlin, 24. Märtz. Unter ben zahlreichen Pwtestversamm^ungen, die gestern veranstaltet wurden, ist, so schreibt dieF. Z", noch eine zu er­wähnen, die vom Nationalverband Deut­scher Offiziere und anderen Vereinen vrr- anstaltet wurde. Die Haupti-ebe hielt Geheimrat Grosse, ber von der Regierung verlangt, baß sie unbedingt an der Grnnbhig' des Wilsmifriedens festhalte und bas deutsche Volk gegen bi" Begehr­lichkeit unb Raublust unserer Frinde schütze. Des­halb müsse auch der international gesinnte Pro­fessor Schücking aus ber Friedenskonferenz! durch einen ?'ir Walwung deutscher Interessen geeigneten Maim ersetzt werden. Mit schwarz- weiß-rvten Falmen und einer MusistLrpelle mar­schierte die Versammlung zum ReickBlanzler Palais. Als der Zug durch djc Wühelmstraß-.' marsckstorte, entstand plötzlich eine Bewoguug und der Ruf nntrbe laut: Lnbendorff! In ber fltähe ber eng­lischen Botschaft stund General Ludenborff. Im Nu hatte man ihn umringt, brachte .Hochrufe auf ihn aus unb begiüßte ihn stürmisch. Nur mit Mühe Coimtc sich der General den Huldigungen unter fortwährendem Tanten entziehen. Am Bis- marck-Tenkmal erkletterte ein Redner die Erdkugel und verlas die Entschließung des Nationalverban- des Teutscher Offiziere, die einmütig Zustimmung fand, imb legte sie als Tveuschwur dem Mtkanzler zu Füßen. Ein anderer Redner beschwor Bis­marck: .Lieber Bismarck, steige nieder unb regiere du uns wieder!" Ein weiterer Redner ließ das deutsche Offizierkorps leben, das auch jetzt wieder bereit sei, Gut unb Blut für Teutsckstauds Rettung einzusetzen. Em Soldat vcrsick-erte:Wir wollen unseren Treuschwur nicht bred>en Es lebe das deutsche Vaterland. Doch!" Weiter wurde ein Loch aus den Kaiser ansgebracht und im Anschluß daran gesungen:Heil Tir im Siogerkrairz Schließlich ersttng em Gymnasiast die Stufen mit ber Erklärung, auch die Jugend wolle hier zu Wort kommen; er erinnerte an den 22. März und brachte dem alten Kaiser ein Hurra.

preußische Landcroersammlung.

Sitzung vom 24. März.

Tie BespeeckMiig ber förmlichen

Anfragen über die AbtrkiiiiniigSbtstrkbnngen werben um zwei Uhr nackuwittags fortgesetzt.

Al»g. Heß iZentrum : Tie Errichtung einer rlzeinischlvest'äl fdjen Repub il ist für bas Zentrum feine Fiaktiousangelegeuheit Tiefer GedMike ist von allen politisck>cir sjÄrteien der Rl.<evilanbc ernst­lich erwogen worben. Aus nationaler Sorge treten wir für die Errichtung einer rheinischen Republik ein, um bas linke Rheinufer für das Reich zu retten. Wir glauben an Deutschlands Glück unb hoffen, mit Teulsckiland wieder groß zu )verben. Eine Lösung vom Teutsckwn Reich wäre für alle Bewohner des Iinten Rl-einusers unerträglich

Unterstaatssekretär Freund: Tie außen­politischen Gründe des Zentrums über die Errich­tung der n>e,tbeutschen Republik werden abge- schnächt durch die iimerpolitisckwn .Gejichtspunkte, die es geltend macht. (Sehr rrchig.)

Alg Lldolf Hoffmann (U. S.): Tie Sache fängt gut an! Heute soll die neue Regierung unter dem Ministerpräsidenten Hirsch gebildet werben durch Anhänger ber Mehrhcitsso'ialisten, der De­mo traten und des Zentrums. Man soll sich über

ihrer weitaus größten Melirzal/l weniger von ben Chatten als von ben Rhein fron ken abftammej Tarin erblickt ber Redner eine ^lblehnung deS g-evßhessisck;en Gedankens. Tas Großl-essen, wie .'s sich ber Hessische Volksbu nb vorstelle, nntrbe etwas über 3Vo Millionen Einwohner zäl>- len, von beiten 970000, also etwas mehr als 1/l Süd- unb Wesldeutsck;«, R^nhesM unb Starken­burger wären. In Grostossen würde also das süddeulsthe Element weit in der Minderzahl sein. Turch das Ausscheiden Rheinhessens, das ber Red- i:Ci für unvermeidlich hält, nxr.m Gr ß t fei s aa ö- rechtlich zu a ide komme, würde sich bad Verl.'Ät- nis noch mehr zuungunsten ber süddeutschen Eiw- nohner des heurigen Hessen verschieben. Starten* bürg stehe allein als ein kümmerliches Anhängsel des rechtsmainisckien Y>wßl^essen mit feinen 600 000 Seelen etwa 3 200000 rechtsmadrischen Großh.ssen gegenüber.

Der Redner schlug sodann folgende Neu­bildung als wünschenswert vor. Eitt

Rhein fränkischer Staat dagegen, wie

er mir vorschwebt, würde, auch meine

sich ihm nur die Rhein Pfalz ansclstösse, unter 4*/$. Millionen Emwvhn-mit rund 2 Mill. SüddeutsclZ? und Westdeutsche enthalten. Würden sich ihm da­gegen auch alle rhcinfränkischen Gebiete, mit Aus­schluß ber badischen P alz, an d/ictiri, s) wür en- unter 57» Millionen 23/t Millionen liicksmai..ttche und ebensoviel süd- unb westdentschl: Seelen enthal­ten fein. Gin solcher Staat würbe lebens'ähig und '.ein Staat sein, der als große wirtschaftliche und .SiuUurgnmeinl d>ait im Innern des Reiches eine segensreiche Rolle spielen und ber bie Aufgabe, (Nie Mainbrücke zu bilden, besser erfülle als heut« das Großherzogttun. Dieser Staat werde durch Oberhofstn und Kurhessen fest tm Herzen Deutsch­lands verankert sein und zugleich durch den Be­sitz der Grenzlinien von der Lauter bis ins Saar­becken seiner Stärke und Größe entsprechend an der Sicherung der Neichsgrenzen beteiligt fein, wozu ein Binnensdaat, wie c5 ein Goß - Hessen darstellt, in ber Lage wäre. Geographisch ist das Gebiet, das unsere mundart­lichen ©rennen rmrschließt, durchaus geschlossen. Wirtscksaftlich auch und fern Zentrum ist im Main­tal bei Hanau und Mainz unb im Rheintal von Mainz bis Dingen. In dem Städteviereck: F r a n- s u r t, der wirtschaftlichen Hauptstadt, Wies­baden, der internationalen Bäberstadt, Mainz, dem Sitz des ersten deutschen Erzbischofs, Darm­stadt, dem Sitz der Staatsverwaltung in diesem Städteviereck müßte der Schwerpunkt des neuen Freistaates liegen, wenn er ber Forberung des. § 15 des Versassungsentwurfsim Sinne der wirt- wirtschaftlichen unb kulturellen Höchstleistung" ge­bildet werden solle. Frankfurt als wirtschaftliches! Zentrum des Mittelrbeines werde seinen Einflutz von Kassel bis zum Saarbecken erstrecken können^ und deshalb könne man erwarten, daß es der Jdc» des Zusammenschlusses der rheinfränkischen Ge­biete nicht entgegentreteit werde. Noch weniger werde es Darmstadt den Vorzug, Regierungsbaupt- stadt zu fein, nehmen wollen, denn Frank'urt werde die Unmöglich'eit einsehen, die Negierungsgebäude in Frankfurt selbst zu beschafsen, die heute in noch höherem Maße bestehe, als 1866. Außerdem mühte es als Hauptstadt einem Arntspersonal von 500 Köpfen mit Familien in Frankfurt Wol/nung schaffen, eine Aufgabe, die bet der heutigen Woh- nungsknappheit geradezu unmöglich zu leisten fein werde.

Der Redner spricht sich im weiteren barübrt aus, baß er D a r m ft a b t einzig unb allein für geeignet für bie künftige Regierungsliauptstabt beS zu grünbenben Staates Rheinsranken halte. Eine Unterbringung ber künftigen Regierung in Marburg ober in Gießen, woran man schon gebacht habe, halte er für eine birefte Unmöglichkeit.

Zum Schlüsse betonte ber Rebner: 2§<im feint Ausführungen heute noch als Utopien erschienen, so möge man bebenfen, baß fast alle Entwicklung ursprünglich als eine Utopie geschienen l.vtbe.

Nach Direktor Dieterich ergriff Herr Äöchg, von: Kassel, als Geschäftsführer beS Hefs. VvlksbunbeS, bas Wort unb glaubte sich, um Mißverständnisse nr vermeiden, zur Erllärung genötigt, baß der Hessische Volksbunb weder das WortGroß- Hessen" nod} den Staat Plrilipps des Großmütige:^ wie der Hmrptredner crmtalym, in sein Programm anfgenanrmen habe. Ter Plan des Herrn DfrettvrS Tietrich, ein großes Rheinsr an ken zu bil­den, sei ihm und fernen Freunden durchaus sym­pathisch, doch habe man m feinen Kreisen geglaubt, dort und in Oberhessen solche Gedameu nicht propagieren zu dürfen. Man hätte es leicht als Annexionspolitik ausgelegt bekommen. Er äußerte den Wunsch, daß sich auch aus Worms und dec bayerischen Pfalz bte gleichen Wünsche er­heben möchten. Tann köirne ein Groschessen ober Rheinfranken, wie man es auch nennen wolle, ganz im Sinne des Vorredrrers entstellen. Schließ lich sagte er noch, Kassel .könne allerdings nicht He fsenhaupt stabt werden, da es hierzu nickst zentral genug gelegen sei. Man nwlle außer-- dem in feinen Kreisen Tarmsiadt nicht darum berauben, Lanbeshauptstadt zu fein, zumal ba es durch ben Verlust des Großherz-ogH schon viel von seiner bisherigen Bebeutung vec- toten habe. Tie Frage der Hauptsta): dürfe nid:| HinberungSgrund zum Zufammenschluß aller ur- hessischen Gebiete sein.

Dem Redner dankte ebenso wie dem Haupt-) rebner die Versammlung mit ftxxrtan Beifall.

maint über Kirchenpolitik ergriff Jperr Direktor Dietrich vom Staatsarckstv bas Wort zu ciiumt Vorttag über bie Frage G r o ß he s s e n.

Nach einer längeren Einleitmrg, in ber er auf die historische» Grundlagen unb StammcS- funbe Hessens einging, kam der Redner zu dem Schluß, daß die heftische Bevölkerung beute üt

Die Umrisse der Zukunft.

In der deutschen Presse wirb bas unga­rische Bündnis mit dem bolschewistischen Ruß­land durchweg als ein warnendes MenelekI für die Entente angesehen. Kein einziges Blatt eifert in diesem Zusammenhang gegen die Gefahr, die Deutschland aus dem Osten droht. Im Gegenteil, angesichts der schmäh­lichen Bedingungen, die uns unsere Gegner anscheinend chorzusetzen beabsichtigen, tritt vielfach j)er Gedanke hervor, sich lieber mit der östlichen Idee auseinanderzusctzen, sich tu gewisse Unterhandlungen mit ihr einzu­lassen, die ja nicht zur Annahme des poli­tischen Evangeliums der Lenin und Trotzki »u führen brauchen, als sich in das Sklaven- soch der Westmachte einzwängen zu lassen. Diesen Gedanken vertreten besonders scharf dasBerl. Tagebl." und bieFranks. Ztg.". ßmBerliner Tageblatt" skizziert der frühere Staatssekretär Dernburg noch einmal im einzelnen dasWas wir nicht unterschrei­ben", um mit etwa folgenden Sätzen zu schließen:

,j5on Deutschlands Widerstandskraft unb mx» fern W-l en hän t bc8 Schicksal auch be? w stl che» Europas heute ab. Wir tonnen ben Damm aufreckst erhalten, aber wir können auch bte Schleusen öff­nen. Kommt der Friede, den wir zu verlangen haben, nicht zustande, so wird unser Ministerrstm abtreten. Deutsckstand steht heute als gefesselter Simson an der Säule, die die toefüidje Kultur imi) das Staatengebäude Europas trägt. Wirb die L)rgie ber Philister über unserem Haupte zu toll und hermissorbernd, so werden wir diese Säule um- «eißen. Kommen Deutschland aus dem Westen nicht Die Hoffnung und die Sicherhrit einer Fort-xlsteuz, die tebensivert ist und ihm eine Wiederherstellung feines sitllichen und wirtschaftlichen Lebens ge­währleistet, so muß es entschlossen fein Auge nach Osten richten imd wirb hort »vielleicht für seine Lebensbedürfnisse mehr Ver- "ständnis finden unb nach einer schai'.berhaften bGegenwart eine günstigere Zukunft, als roeitn es isich jetzt in Schmach unb Schande ergibt, um dann derSoldat der ©ntente" nach Osten zu werben. Was sich heute in Ungarn begibt, ist ein Lehrhaftes Beispiel."

Die rechtsstehende Presse verhält sich Lftrrückbaltender, aber es ist doch bemerkens- toert, daß von ihr die bolschewistische Gefahr an unserer Rordostgrenze jetzt auch nickt «nehr für gar so dringend gehalten wiro. Die Russen werden nach den neuester! Mel­dungen den Scl)werpunkt ihrer Unternehmun- S5n sicherlich nach Südosten verlegen. Die olschewistischen Führer sind über ihre Kriegspläne jetzt ja etwas offenherziger ge­worden; indessen Darf man die Ziffern über die Stärke ihrer militärischen Kpäste doch nicht zu ernst und genau nehmen. Die Deutsche Tagesztg." begleitet die Wendung der Dinge mit folgenden Bemerkungen:

Diese Weltgefahr (deS Bolschewismus) kann ttur mit Erfolg bekämpft werden, wenn einerseits (fite großen Kulturvölker die nötigen staatlichen Machtmittel erhalten ober behalten, um bem Bol- Sckzewismus wirk,am entgegenzutreten, unb wenn sie bie Gefahr gemeinsam bekämpfen; wenn sie andererseits aber die Möglichkeit haben, sich wirt- scktastlich erfolgreich und frei zu betätigen. Diese wirtschaftliche Seite ist aber für die innere lieber» Windung des Bolschewismus, für die dauernde Hei­lung dieser sozialen Krankheit, ganz offenbar die entsck-eidende. Mit jedem Schritt, den bie Entente von dieser Linie abu'eicht, graben ihre Staaten und Völker zugleich an ihrem eigenen Grab."

Jedenfalls zeigt sich in diesen Tagen deutscher, daß die Entente einen unbeding­ten Sieg im Weltkrieg keineswegs errungen hat.Hinter den großen Höhen folgt auch der tiefe, donnernde Fall". Der Rechts- und Verständigungsfriede ist für die Westmächte nicht nur eine Sa'che von Gemütsftimmnng, sondern von Vernunft und Verstand.

169. Jahrgang !

GietzenerAnzeiger

bie wichtigsten Tinge z. B. über bie Schul- imb Versammlung ab. Nach einem Berichte bt5 stell- Kircheiisragen schon vollkommen einig sein. Tie uertretenben Vorsitzenden über das Vrreinsjahr Rede des Herrn Tr. Heß gab einen angenehmen 1918 unb unrnt Vortrag bes Herrn Tir. Her- Vorgeschmack von dieser Einigleit. (Sehr richtig! maint über Kirchenpolitik err "-2r r" bei ben U. S.) Tic Itotrennung bes RlzeiniaubrS ' von Preußcii wollen Sie |djon besl/alb, weil Sie bofsen, baburd> weniger zu ben Kricgsfieuem unb Kriegskosien I^erangi-jogen zu iverben. (Unruhe im Zentrum.) Tie Trennung von Kivdre und Staat ist eine alte sozialdemokratische Parteifor- berung. Haben bie Mchr'.ei sto i >li e» diese For­derung schon aufgegeben'? (Zurufe: Nein!) Tann versteife ich nicht, baß Sie mit dem Zentrum zu-

ä Gemral-Anzeiger für Oberhessen

SwlMngrninddruck u. Verlag: vrühl'sche Umv.-Vuch' u. Stelnöruderei R. Lange. Zchriftleitung, Gesch^stsstelle u. Druckerei: Zchulstr 7.

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