Ausgabe 
24.10.1919
 
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Ur. 249

Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Göerheffen)

Freitag, 24. Gttober (919

Rjtynt.

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lNachdruck verboten.)

Fortsetzung 32

N tmr sehen!", bemerkte er nach einer

Weile kühl.

Das Glück der andern

Original-Roman von Erich Eben stein. Copyright 1916 by Ordner 6c Comp., Berlin W 30.

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llnb dann war sie froh, stundenlang weit fort von Rettenegg zu sein und nicht mehr sehen zu müssen, wie wenig Mühe ihre Schwester sich gab, Mrgnus Liebe zu verdienen!

Warum sieht man denn Mvdesta jetzt nie daheim?", fragte Magnus eines Tages, nachdem Gäste dagewesen, und man den ganzen Nachmittag Plaudernd im Mark verbracht hatte, ohne daß sie srck Aicken liest.Wo steckt sie eigentlich immer?"

Weist ich's?", antwortete Evelyn achsel­zuckend.Vermutlich geht sie spazieren."

So allein? Tas solltet ihr nicht gestatten."

Als ob Modest« sich etwas verbieten ließe! Tu warst ja freilich wieder sagen, ick sei gehässig gegen ne, aber ich habe doch recht. Sie tut immer, was ihr gerade gefällt und folgt jeder Laune ohne ^kden^n. Ich habe es schon längst pusgegeän,

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heute, du und Graf Wirbna?" ' '

,A nur über Politik."

Tars man davon gar nichts erfahren?"

Es wird dich kaum interessieren. Wir spra­chen von den Chancen der Herbiuvahlen hier, wo em freigewordenes Mandat unseres Kreises zur Mutesetzung kommt, und dann von dem jähen Ab­leben Marmowitschs in Berlin."

,Marinvnntsch war Legaiionsrat, nicht wahr?,"

11078

.^jyn Preßte hie Lippen zusammen und Mieg trotzig. Aber die Gereiztl-eit, di: sie inner- l^^marterte, hatte nun plötzlich einen Ausweg

Kaum waren die Schtoestem allein oben in Ihren Zimmern, um rasch vor Tisch etwas Toilette machen, als Evelyn herrisch zu Aüodesba sagte: JT Zweckst du eigentlich hier mit deinnn Gc- Le? Willst du dub blotz bei meiner Schwi-ger- Mtter einschmeicheln oder hoffst du im stillen M abspenstig zu machen?"

Evelyn!!" Modesta wich tödlich erschrocken Piroick.

. ,-.'Nu.n ja " Mhr diese gereizt fort,du spielst 3« hier in aller Unschuld die Haustochter. Hilfst sm der Milchkammer, zählst für die Gräfin das wilder ab und drückst dich überhaitpt stets um sie Herum"

. ..»Sie ist so gut zu ims ich wollte mich Mur nur ein bißchen nützlich machen" .^."So! Und an die Taktlosigkeit, die darin gegen 5^ liegt, denkst du wohl gar nicht? Fühlst du E-nicht daß du mich dadurch herabsetzt? Taß, «7^.^ tust, man dann auch von mir erwartet?

^n£-e, sar nicht daran, bei diesem s:nti- gciuMUen Tusel mitzutun, und verbiete dir dah:r

Karn, Karl Kruppcrt, Peter Lachmann, Fritz Lach, mann, Konrad Otterbcin, Wilhelm Paul Jobs Kuar.z, JohS Rmner, Heinrich Schmidt, Karl Tretzer und Georg Wahl; es wird noch cnvartct rr 3°9;-r Lohs. Sippel, der sich in den Händen der Engländer befindet. Tie Zurückgekehrten sahen wnltllch vorzüglich aus und Nagten nur über die Behandlung, die ihnen in den enten drei Monaten uach ihrer Gefangennahme zuteil wurde. Am Sonntag abend sand nun auf Veranlassung der hiesigen Ortsgruppe zum Schutze der Kriegsgefan­genen in der Gastwirtschaft Reinhard ein gemül- liches Zusammensein der Vereinigung mit den Heimgekehrten und deren Angehörigen statt Nach einer Begrüßungsansprache erzählten Lehrer Wahl und Christian Karn in fesselnder Weise von ihren Erlebnissen in der Gefangenschaft. Sie sprachen ihren besonderen Dank aus für die Tätig- leit der Schlitzer Ortsgruppe, die durch Sendung zahlreicher Liebesgaben und Karten ihnen über manch schwere Stunde binrocggeftoLeit und ihnen stets aufs neue gezeigt hätte, daß die Heimat sie nicht vergessen habe. Bei weiteren Ansprachen und frohem Liedersang nahm die Veranstaltung einen schönen Verlauf.

Jugendorganisation, Pfarrer Luther über die Vugend und die Deutsche Volkspartei, Negierungs- vvt Dr. Paul P o n f i ck über das ländlickze Sied- lungswcscn und Geheimrat Dr. Rose über das städnscke Wohnungswefen. Begrüßungstelegramme wurden gesckstckt an Hindenburg und an die deutsch- österreichischen Stamm, sgenossen.

Es wurde noch folgender Antrag angenommen: utre Fraktion der Nationalversammlung wolle bc- anttageu, daß gegen alle Wucherer und Schieber nicht Ivie bisher mit Geld- und Ge­fängnisstrafen, sondern sofort mit Zuchthaus­strafe vorgegangen wird." Ter Vorsitzende, Tr. Prper, sprach das Schlußwort und erkläre den zlveiten deutschen Volksparleitag für geschlossen.

Magnus sie schmiegte sich inniger an 1911,wäre es nicht möglich, daß man nun dich an leine Stelle beruft?"

Möglich wohl."

Und. ." ihr Atem ging rasch und ihre Augen leuchteten ihm aus dem Halbdunkel ent* gegen,wenn es geschähe, wärest du nicht glücklich? Ware das nicht einzig schön? Berlin! Denke nur, Berlin!!!" Sie zitterte förmlich.

Er blieb ganz ruhig. Sie konnte sein Gesicht nicht deutlich sehen, denn es lag im Schatten einer Sandsteinsigur, die neben ihm aufragte. Aber seine Stimme hörte sie befremdet, die mit müdem, gleich- gültigen Klang sagte:O ja, ich hätte nichts da­gegen. Ta du nun einmal nicht hier bleiben willst . . . und übrigens ist es ja vielleicht wirklich das beste . . ."

In diesem Augenblick näherte sich ihnen dis­kret ein Diener.

Eine Depesche für den Herrn Grasen."

Magnus nahm sie in Empfang und trat bi* mit in den hellerleuchteten Eßsaal, wo seine Mutter und Mama Losenstein bereits weilten.

Von meinem Chef," sagte er eine Minute Water.Ich mutz heute abend noch fort. Wahr- schemlich hmidelt es sich um die in Berlin frev gewordene Stelle."

Eine wahnsinnige Freude ließ Evelyns Her, E* Magm Sie war doch wirklich ein Glücks* hnb Alle Wuniche erfüllte ihr das Schicksal: .. Us^b.Me eine leuchtende Fata morgana taucht, die Millionenstadt vor ihr auf, die inrm.tr Iär1 Sehnsucht gewesen war.--

(Fortsetzung folgt.)

tzesstsche; Landertheater.

R. M. K'. T a r m ft a d t, 19. Oft. 1919

- Unser bedeutendstes hessisches Kunstinstitut durcklebt ent Stadium schwerster Krisis wirtschaft- licher Natur. Unterbilanzen von rund Vf4 Mil- iionen nun schau im zweiten Jahre müssen sein: Zutunst in Frage stellen. Einstweilen tragen d.-r 2-taat und die Landeshauptstadt das Opfer. Taß die künstlerischen Leistungen unter dieser KrifiS nickt leiden, daß sie vielmehr auf einer Höhe stehen, heischt doppelte Anerkennung. Es darf mit Genugtuung festgesLe.lt werden, daß diese Anerkew nung in steigendem Besuch und auch in der Kritik restlos zum Ausdruck kommt. Tie letzten Wochen brack ten als ernstesten Prüfstein künstlerischen Kon* ne.is die Gesamtaufphrung des Nibelungen* r tilg es. L.ie Götlerdämmermig mußte bieler Mißheilialeiten wegen gestern abgehetzt n^ben. Tie anfängliche Enttäuschung wich bald einem Ge- lühl freudiger Genugtuung. Eine Bühne, die » wagen kann, eine derart ausgezeichnete Auffüh­rung desFliegeiiden Holländers" ochte Prob: und Vorbereitung ms Ersatz zu bieten, steht auf oer Höhe der Leistlings Zähigkeit. Zu den ügnen Kräften Frau Hesses eindrucksvoller Senta, Bischosts ti.ftrngifd) aus^esaßtem Holländer, Jo ns sons temp.r .mcnlvo.lem C^ik und Elsch- iters lebensvollem tiangirifchen Steurmann ßeicllte sich als Gast Herr Erl aus Frankfurt a. Marn, der einen Daland auf die Bühne stellt.' und sang, wie man ihn nicht besjer wünsch. konnte,

Im übrigen fand die Oper Gelegenheit, noch einmal einen Küniller zu Wort kommen zu lasse,: deisen wesentliches Verdienst es ist, daß unsere Theaterorchejlers künstlerisches Könnm weit freu Durchschnitt überragt und jederzeit in der Lage ist den Intentionen auch anspruchsvolle Dirigenten restlos Folgsa-aft zu lei,ten. In einer Lebens­arbeit hat Willem de Haan dies erreicht und es ist nicht das einzige Verdienst die,es Künst­lers um das musikalische Leben Darmstadts. In vielerlei Veranstaltungen wurde W. de Haan m leinem 70; Geburtslage geehrt.

Auch vom Schauspiel ist Erfreuliches zu vermelden. Georg Büchners Wozzek, Strind- bergä Kameraden (um nur weniges zu nennen) WEN geradezu mustergültige Aufführungen des Schaufpiels. iLaran ändert nichts, toenn man die »rage aufwirft, warum nicht statt des unreifen W'zzek"Kantons Tod" von Büchner gewählt wurde.

Als Neuheit brachte das SchauspielWillis Frau' von Max Reimann und Otto Schwartz in res Erstgenannten Regie zur Erstaufiührung. Ein wirklich allzu anspruchslo.es, aber in seinem wnnigen Humor vielleicht zu duldendesheiteres Familienstück" ohne jede Tiefe und ohne lite- rarucke Bedeutung. FuldasJugendfreund" sind! bei gleicher Bescheidenheit doch erheolich höher zu ^werten. Tie Herren Gynt (Wozzek), Harprecht, Baumeister, Heinz, die Damen Meitzner, Hacker/ Niedt, Horn erwiesen sich aufs neue als Träger des Schau,ptelensembles.

Evelyn, in der immer noch alles fiebernde Mwegung war, und die ModestasGetue" schon ^6e all>em fand, bemerkte spöttisch:Dit darfst Modestas Worte Nicht so wörtlich nehmen, lieber chcagnus. Sie liebt es eben immer, sich ein wenig mteresfant zu machen, und wird die Sache, wie ich ste kenne, bald herzlich satt bekommen. Sicher tut fte es nur, um Mama zu gefallen."

Die Gräfin wollte etwas sagen, aber Magnus, der seine Braut groß ansah, kam ihr zuvor.

Warum suchst du ein Vergnügen darin, deine Schwester bei jeder Gelegenheit herunterzusetzen sagte er schärfer, als er vielleicht beabsichtigt hatte Es ist nicht hübsch, das Gute an andern, selbst toenn man kein Verständnis dafür hat, verkleinern zu wollen!"

ernstlich, hier weiter alsleuchtendes Beispiel" herum;uwandeln. Tas merke dir gefälligst!"

Aber was soll ich denn dann den ganzen Tag anfangen?" stammelte Modesta, ganz niederg> schmettert von diesen Verwürfen.

Tu, was du willst. Geh spazieren. Halte dich an diegute" Tante Luise auf Schönau, die ja von deinem Schlage ist und dich ohnehin bestürmt, sie recht oft zu besuchen. Mein Territorium hier aber verschone mit deiner aufdringlichen Timst* ferligteit, denn noch einmal: Tarin versteh: ich keinen Spaß!"

Parteitag der veutfchen Volkpartei.

Leipzig, 22. Oktober.

Zum Parteitag der Teutfckfen Volkspartci teuren nahezu 600 Vertreter aus ganz Deutsch­land erschienen. Tem cigentlich.m Parteitag ging eine Sitzung W Zentralvorstandes vorauf, in der in langen Berattmgen das Parteiprogramm ifcrtiggcitellt wurde.

Ms erster Redner sprach Tr. Stre sc- mann, der ungn'ahr folgendes ausführte: Tic Deutsche Volkspartei wird sich an die Spitze der Bewegung für die ReiFeinheit stellen und damit eine Linie fuhren tont Nationalverein Rudolf Ben- mngfens bis zur heutigen Leipziger Tagung der Deutschen Volkspartet. Auf nirt,chaftlick)em Gebiet gao Stresemann feinem Optimismus für die Zu­kunft Teutschlairds Ausdruck. Tas deutsche Volk kann von seiner Arbeit leben, irenn es arbeitet baut das Weltanselien Der deutschen Wirtschaft ist auch im Krieg nicht verloren gegangen. Aus Has; wird niemand auf einen Kauf bei uns verzichten Nie auch früher niemand aus Liebe zu uns bei uns gekauft hat. Es muß der Grundsatz, daß d-ts Leben erst köplich gm-e,en ist, wenn es Mühe und Arbeit war, wieder Geltung finben. Ten bat die Revolution beseitigt. Auf die Kohlcnförde- rungslurvc hat der arge Koylrübenwinler nicht so eingewirkt wie der 9. November. Um Kredit zu bekommen, braucht das Reich Ansehen. Aber woher soll das Ansehen kommen, wenn an der Spitze der Reichsftnauzvern.altung ein blutiger Ti- letant steht? Wenn diesem das Vaterland über seiner Person stünde, hätte er längst einem hervor­ragenden Fachmann oder einem Mann mit Welt- anschen Platz gemacht. Unsere Wirtschaft braucht Befreiung von Experimenten, die die Freudigkeit der Wirtschaftsführung töten. Tie Deutsche Volks- bartci glaubt an eine Bestimmung des deutschen Volkes in der Welt. Aber zunächst muß es zu Ordnung, Unterordnung, Arbeit und Sitte zurück- kehren und wieder lernen, an sich selbst zu glauben ES muß die Onflamme der nationalen Idee fall leuchten lassen über Deutschland und dadurch die Zukunft trorbereiten, an die wir uns Den Glauben nicht rauben lassen trotz alledem und alledem.

Evelyn lachte.

Vielleicht habe ich mich auch unrichtig aus- gedrückt: rch meinte nicht unvernünftig, sondern launenhaft. So wie sie kürzlich die Laune hatte, die Samarrterrn zu spielen, so scheint sie jetzt eben die Laune zu haben, einem gewissen jemand nach Schönau nackAuiaufen!"

"®üelbn was willst du damit sagen?" ...Daß dein Lieblingswmisch sich vielleicht er* luden wird. Tu jagtest doch einmal zu nur, es wäre nett, wenn aus Harald Walkern und Modesta em Paar würde!" 1

Magluis starrte eine ganze.Wecke stumm in die Abenddämmerung hinaus. Tann frag er leite Xu glaubst also, sie lieben sich?"

Gott, darüber ist ja schwer zu urteilen! Dein ptreund machte ihr ja anfangs sehr den Hof, aber dann kam er seltener. Vielleicht war er bei der naßeren Bekanntschaft abgekühlt vielleicht aber war Miodesta zu wenig liebenswürdig. Sicher ist aber, daß fte ihm jetzt nachläuft. Sie ist jede Woche mehrmals ganze Nachmittage drüben m Schvnau.

Airche und Schule.

O L a u t e r b a ch, 22. Okt. Unter dein Voriitz b'5n Kreisdirektor von Werner sand gestern 'üne Kreislehrerversammlung statt, zu der auch Geist­liche, Aerzte und Bürgermeister zahlrnch erschienen waren. 4.er Voriitzende begrüßte zunächst di: aus der Ge!angenickaft zurückgelehrten Lehrer des Krei­ses: Sckmidt, Wahl und Reith, welch letzterer unter gvoßen Gefahren aus französischer Gefangen­schaft entflohen ist. Ten Hauptpunkt der Tages­ordnung bildete ein Vortrag des Tirektors H a 1 i i n g e r von der Zentralstelle für das Volks» budungswesen (Tormst d.) ü^erVolksbil­dung s f r a g e n im Z u s a m in en ha n g mit der neuen Zeit". An diesen Vortrag schloß iidji eine rege Aussprache. Alle Redner sagten der Zentralstelle für das Volksbildungswesen ihre freudigite und bereckwckligfte Unterstützung und Mitarbeit zu. Pfarrer R e i t h-Harrershausen sagte, es müsse wieder mehr zur Arbeit erzogen werden; vor der Volkshochschule müsse zuerst di: Familien hoch schule im guten alten Sinn: itteccr erstehen, d.e im engsten Streife des Hauses alte deutsche Volksgüter wieder pflegen muffe. Sckulrat Andres- Lauterbach wüncht, daß die Bolksbildungsarbett sich zunächst an die im Kreise allenthalben bestehenden Büchereien anschlirßen möge. Lehrer Stephan- Sand.ofs erklärte, daß es ein großer Fehler gewesen sei, die gute alte Spinn st ube, die eine Stätte der erziehenden Arbeit unö echter Bolksunterhaltung gewesen, zu bekämpfen, ohite dafür dem Volke was besseres zu bieten. Zum Kreisvertreter im Vorstand: des Hei fischen Landeslehrervereins wurde Lehrer H 0 l- le r-Lauterbach emfiinunig gewählt. Tem Ar­beitsausschuß des Kreislehrervevnns gehören an die Lehrer Weber-Reuters, Schmidt-Dirlammen, StephawSandlofs und Pauli-Meder-Moos..

Die ttommunalwahlen.

b. Burkhards, 22. Okt. Für die infolge eines Formfehlers nochmals abzuhaltende Gemeinde, ratswahl war nur ein Wahlvorschlag eingereicht worden, und zwar der nämliche, wie bei der ersten Wahl. Ohne weitere Wahlhandlung sind somit ge- wählt worden die Landwirte Heinrich Haas HL, Karl Waas, Karl Schäfer L, Ludwig Schäfer IV., Wilhelm Keßler, Johannes Sang, Friedrich Hainz, Heinrich Schäfer XII., Heinrich Karl, Heinrich Bopp V., Heinrich Hainz X. und der Wagner Karl Schäfer HT.

Kriegsgefangenen-Heimkehr.

rtl kann sie das!" brauüe Magnus

auf, ist ihrer unwürdig! Sie müßte sich doch mindeftenv von ihm suchen lassen! . . . Selbst wenn fie ihn liebt," setzte er leise hinzu.

«a meine Meinung. Aber Modest« nimmt ojfcnbar nicht ,o genau mit diesen Singen." .., ann müßtest du ihr begreistich machm, was srck lux ein langes Mädchen ziemt."

. merde mich hüten. Modesta hat noch nie einen Rat von mir angenommen."

Magnus schleuderte plötzlich feine nur halb geraudjte Zigarre in weitem Bogen über die Brü- ftung. Schweigend starrte ec hinab auf den Kies­platz.

Plötzlich legte sich Evelyns Hand auf feine Achtel, und ihr weißes Gesicht blickte lockend zu chm auf.

Warum bist du auf einmal so nachdenklich, Magnus? Ten ganzen Nachmittag fiel es mir

= Frankfurt a. M., 22. Ott An der Fahrplantafel des Hauptbahnhofes ftubverte ein eben aus französischer Gefangcn.chaft zurückgekchr- ter Soidat den Abgang des Zuges nach Hünfeld. Zu ihm gesellte sich ein aus englischer (Mangen* E Zurückgekehrter. Ans ihrem Gespräch ergab Nch. daß beide nach Hünfeld wollten. Sie stiegen zusammen.in den Zug, der sie der langentbehrten Heimat zusühren sollte. Während der Fahrt fragte natürlich der eine den andeven, wohin er wolle, zu wem er gehöre usw. Und da stellt es sich heraus, baß beide Brüder find, Söhne des Herrn Jokisch aus Gruben. Tie Freude über das Erkeimen kann m.m sich vorstellen. Beide hatte der Krieg mit leinen Strapazen und die lange Gefangenschaft derart verändert, daß sie einander nicht mehr kannten.

r.r- Schlitz, 21. Okt. Aus englischer oder ameritanifcher G e s a n g e n s ch a s t sind bis dahin lb Sohne unserer Stadt zurückgekehrt. Es sind dies: Heinrich Becker, Karl Fehr, Jol-annes Götz, Phckipp Habicht, Karl Hildenbrand, Christian

Nachdem der Abg. Dr. Leidig noch einige Ergänzungen zu dem Wittschastsprogramm ge­geben hatte, berichtete der Abg. Boelitz über den Abschnitt Schule und Kirche. Er forderte die nationale Einheitsschule als Grundlage des Schul- weiens. Die Partei sel)e im Christentum einen Grundpfeiler deutscher Kultur. Die Abgeordnete Fran Poehlmann sprach über die Frauen- ragc. Sie würden aber auch, wenn alle ihre Forderungen nicht foiort erfüllt würden, bei der Partei bleiben, weil sie national und liberal-fei. Darauf wurde unter stürmischer Begeisterung das Programmim ganzeneinstimmig an­genommen.

Nachmittag fand in der Kuppelhalle des Völkerschlachtdenkmals eine stimmungsvolle Ge­denkfeier statt. Der Abgeordnete Tr. Kahl hielt die Gedächtnisrede, in der er auff'ordcrte, zum Gerste und zur Tat von 1813 und 1870 zurückzu- rehren.

Montag gab die Parteileitung die offi­zielle Erklärung ab, baß sie angesichts der immer wieder auftauchenden Nachricksten, daß Be- trebungen im Gange seien auf Verschmelzung mit der Dentschnationalcn oder Deutschen demo- krattschen Partei nochmals ausdrücklich die Er- haltung der völligen Selbständigkeit der Deutschen Volks Partei betone. Die Deutsche Bolkspartei Halle an ihrem Charakter als nationale, liberale und soziale Partei fest.

Die Aussprache war rege. Abg. Landwirt Dufche (mit Beifall begrüßt): Die Ansiedlungs- fchwierigfeiten müssen übenvunben werden. Aus das Land müssen wir Männer schicken, die Land und Leute kennen. Wir müssen der Landwirtsck>aft dankbar sein für das, was fie geleistet hat. Sie ist während des Krieges gesund geblieben. Die Zwangswirtschaft muß, wenn auch schrtttweise, ab­gebaut werden. Besonderen Dank der Frau auf dem Lande, denn sie ist doch mehr als anderswo Gehilftn des Mannes.

lieber die Frage: Wie stärken wir gfrauen die deutsche Volks kraft? sprach Fräulein Dr. Marie Bernays -Makmbeim. Es folgten dann die Re­ferate von Admiral Brüninghaus über die

der Einheitsstaat sei. Dieses Ziel s:i aber heut: nom nicht zu erreichen. Gii'fhveilen müsse di: .-ciitutc Volkspartei nach Kräften an der größt­möglichsten -Stärkung der Reichsgewalt mitarbeiten. x5n die,cm Rai-men stellte Tr. Kahl die Frag: der M 0 11 arch 1 e. Tie Repub.ik als solche sei für öie Partei eine durchaus vollgültige Stacksform, fiagllch lei^nur, ob sie gebrauchsfähig für Teutsch- lanb als ^auersorm des Stiates sei. Deshalb n olle man sich heute noch nickst auf sie ein* fchwören, sondern abwarten, ob die Republik ihren Befähigungsnachweis erbringe. Bis dahin halte die Partei ki: ^Monarchie für di: Teutjchland ent* ,piechende ^taatsform. Vorläufig sei die Repu­blik aber eine Tatsache, die man nicht ändern onne, deshalb arbeite die Partei um d:S Vater­landes Willen mit. Sie wolle keine Gegenrevolu­tion, sie erwarte vielmehr alles von der lieber* zcugung des Volkes. Tie neue Monarchie soll feine Wiederherstellung der monarchischen Klein­staaten lern. Xer Kaisergedauke fei die wirksamste Bürgschaft sür die Einheit des Reiüfes. Teutsch- laiid sei auf dem besten Wege znm dmlof'r.ckifchen Kaifert.lin gewesen, wenn nicht ein pflichtv'rgef- lener Reichskanzler selbsttätig in die Wege der R> volntion eingelenkt hätte.

, Die W irtsch-astsf rage und die Ar­beitsgemeinschaft behandelte der Abgeord­nete Generaldirektor Vögler- Er fordette die Beseitigung der Zwangswirtschaft als der Quelle des Schiebettums. Die Sozialisierung lehnte er ab. -Lozialifieretk ohne Grenzen wäre heute ein Aus­verkauf, der entweder den Bolschewismus ober den Kapitalismus zur Folge haben müsse. Die Arbeitsgemeinschaft soll jetzt eine Lösung der Gegenchtze zwischen Arbeitgeber und Aroeit- nehmer bringen. Von einem Hineinreden der Ar­beiter in die Betriebsleitung sei dabei nicht die Rede. Der Arbeiter müsse aber an seinem Beiried mietenicrt werden. Zu diesem Ztveck sch.'ug der Redner eine Aenderung des Attieuge.etzes vor, uni bw Einführung von K1 einakti 0 n zu ermög­lichen. Tann könne vielleicht auch die Lohnsrage zufriedenstellend gelöst werden durch Prämien für Qualitätsarbeit. Abgeordneter Vöglet schloß mit der Aufforderung, an die Arbeit heranzugehen. »Ich glaube an Deutschland, wie an Gott."

Ten Bericht der Frattion der Nationalver­sammlung erstattete deren Führer Tr. Heinze, der eine Opposition quand mente für die Fraktion «Aehnte. Ten Bericht der Frattion der preußisckstn Landesversammlung erstattete Abgeordneter Prof. Dr. Molden hau et, der insbeiondere auf den Widerstand der Frattion gegen die Absplitterungs- Kflrebungen im Rheinland verwies. Ten Bericht bei geschäflssühtenden Ausschusses erstattete Abg. Garnich. Aus ihm ergab sich, daß die Mit­gliederzahl der Deutschen Volkspartei 500 000 be­trägt. Er teilte mit, daß die Zahl der eingeschrie­benen Parteimitglleder von 100 000 im Januar auf etwa eine halbe Million gestiegen sei: davon Wen ein Drittel Frauen. Die alte Nationalliberale Partei habe in ihren besten Zetten nicht mehr als 300000 einsZchriebene Mitglieder gehabt. In Berlin habe sich die Zahl der Parteirnttglieder versünffacht, in Hessen vervierfacht, in Ham­burg verachtfacht und in Frankfurt versechsfacht.

Es folgte eine Reihe von Kundgebung:n imS den besetzten und bedrohten GMieten. So Ipracken u. a. Amtsrichter Puttfarken-Miemel, Geheimrat Cleinow-Bromberg, Burg:r-Ludwigs- 'haftn, Boyseii-Jlensburg, Stein:r-Elsaß-Liothrrn- gen, feriier Vertreter unfr V:rtreterinnen aas dem Saargcbiet unfr den Rheiickanden. Eine Entschli> tzung zugunsten der Vertriebenen Elsässer und Lo­thringer wurde angenommen, in der die Erhal­tung des uralten Teutschtums zwischen Rhein und Bogeien trotz der ftaatsrechttichen Trennung g> fordert wird. Ter .Vorsitzende Kahl schloß di: Reihe der ergreifenden Kundgebungen, die mehrfach ein stürmisches Ech>o fanden, mit der Erklärung: Niemals werden wir imrenich diesem Fri:den zustimmen!" Trotz a.lem b.eitt es doch: Deutsch­land, Deutschland über alles! Tie ganz: Versamm­lung hatte sich spontan erhoben und stimmte das Baterlandslred an.

Ter Sonntag brachte die Beratung und An­nahme des

neuen Parteiprogramms.

Der erste Abschnitt des Programms, der vom Staatswesen handelt, wurde mtt einer großen Öteu. des Abg. Dr. Kahl begründet: An die Spitze stellte er d:n Satz, daß das politische Zill

Sie rauschte in ihr Zimmer zurück. Modesta aber schlich im Hause herum, wie ein geprügelter Hund und gab sich alle Mühe, Evelyns .Mißfallen nicht mehr zu erregen.

Sie zeigte plötzlich eilten unwiderstehlichen Öana zu tveiten einsamen Spaziergängen und kam erst halbwegs zu innerer Ruhe, als Fräulein T60I- kerns neue Kindergärtnerin sich als unbrauchbar erwies, und Tante Luise fteudeftrahlmfr Modestas Anerbieten annahm, sich fortan mit der Beschäf­tigung der Kleinen zu befassen. Tenn diese Spiel­schule, die sie ins Leben gerufen hatte und auf Wolkern unterhielt, war der alten Tarne Stolz. .. . Eine neue Welt erschloß sich für Modesta in duyer ^attgkett: Kinder! Wie sie sie liebte, und gut sie sich mit ihnen verstand.

Zum ersten Male im Leben hatte sie das Ge­fühl, nicht überflüssig zu sein, etwas leisten 5:1 dürfen!

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