Ausgabe 
24.3.1919
 
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llr. 50 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) . Montag, 24. Mürz <<H9

tigen Friedensw lrit Pollauf würdig, i,"L Fern

äußerte sich Scheide mann über die $ 0:

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Spielplan der Gietzener Stadttheaterr.

Montag, 24. März, 7 Uhr : Nora. Gewöhnt. Dr 19. Dienstag-Ab.-Dorst. Samstag, 29. Marz, 7 Uhr: Das Dreimäderlhaas. Auß. Ab. Gew. Pr. Guttchetne haben Gültigkeit. Sonntag, 30. März, nachm. 3 Uhr: Die Journalisten, kl. Pr. Abends 7 Uhr: Die Bade, reise wider Willen. Gew. Pr. Montag, 31. März, abends 7 Uhr: Lin Sommernachtstraum. Gew. Pr. 20. Dienstag.Ab.-Dorst.

Herren aus Reich, Staat und Gemein­den abgrwälzt. Auf die in Hessen geltenden Bestimmungen soll in folgendem nochmals hin ge­wiesen werden.

Die Gewährung von Baukostenzuschüssen soll während der Uebergangszeit einen Anreiz zum Bauen bieten. Von den zur Abbürdung ver Baurostenuberteuerung erforderlichen Zuschüssen trägt das Reich die Hälfte, die andere Hälfte ent- fällt zu gleichen Teilen auf S^aat und Gemeinde. Arbeitgeber können zur Leistung von Deiträgeil zu dem Pflichtanteil der Gemeinde für solche Bau- oorl-aben, die nach ihrer Lage den Arbeitern und Angestellten einzelner Betriebe zugute kommen, herangezogen tocrbcn. Sogenannte Werkwohnungen kommen für die Gewährung von Baukostcnzu- schlissen nicht in Betracht. Die Zuschüsse können Gemeinden, gemeinnützigen Bauvercinignngen und privaten BanunternelMcrn bar und zinslos gewährt werdeir, sofern die Bauherren bereit sind, für sich und ihre Rechtsnachfolger auf die Dauer von mindestens 10 Jahren folgende Verpflicht tun gen zu übernehmen:

die Mieten einschließlich aller Nebenad- gaben nur mit vorheriger Zustimmung der Gemeinde oder des Gemcindevcrbands festzu- leben, das Grundstück einschließlich der daraus zu errichtenden Baulichkeiten ohne vorherige Zustim­mung der Gemeindebehörde nicht zu anderen als Wohnungszwecken zu benutzen, kinder­reiche Familien, Familien von Kriegsteil­nehmern und Kriegsbeschädigten sowie der im Kriege (gefallenen bei der Vermietung von Woh­nungen vorzugsweise zu berücksichtigen.

Tie Berechnung der Baukostenüberteue­rung erfolgt entweder nach dem Unterschiede zwi- fdjen dem tatsachlickten Herstellungspreis und dem Bauaustvande für einen Neubau gleicher Art und Beschaffung nach Gin tri ft dauernder Verhältnisse ober nach dem Untersckned zwischen dem tatsach- lickien Herstellungspreis und dem dauernden Er­tragswert.

Der hessische Staat wird in der Regel die zweite Vereckmungsart anwenden, um seinen An­teil festzustellen. Int Herstellungspreis sind einbegrissen die Grmtderwerbskosten in der Regel zum Wert vor dem Krieg, die Baukosten und die Anliegerleistungen. Die Auszahlung des Reichsanteils darf erst erfolgen, wenn die an- schlagsgernäße Ausführung des Baues und die oben genannten Sicherungen nachgewiesen sind.

Tie Baukostenzuschüsse werden nur zur Er­richt u n g von Klein- und Mittelwoh­nungen gewährt. Unter Kleinwohnungen wer­den in der Regel solche von 13 Räumen nebst Kucke und unter Mittriwohnungen solche von 4 Räumen nebst Küche zu verstehen sein. Tic Raumhöchstzahl kann höher angesetzt werden, wenn es sich um die Unterbringung kinderreicher Fa­milien handelt.

Tie Durchführung des Verfahrens liegt den Gemeinden ob. De m-u fol ge si nd a lle Ge­suche um Gewährnng von Baukosten­zuschüssen denGeMeindebehörden vor- zulegen. Mit der Ausführung der Bauten ist spätestens 6 Monate nach ÜBeroilHgurtg des Baukostenzuschusses zu beginnen, andernfalls ver­liert der Beihilfebescheid seine Gültigkeit. Ans Antrag kann die Lande^entvalbehörde die Frist verlängern.

Tie Auszahlung der Baukostenzuschüsse an die Bauherren haben die Gemeinden im all­gemeinen vorlageweise zu veranlassen, wäh­rend die t>om' Reich und Staat zu übernehmenden Teilbeträge später zurückerstattet werden. Heber die Gewährung von Baukostenzuschüssen zur Er- rickstung von Behelfsbauten und Notwohnungen, gelten besondere Bestimmungen.

Hochschulnachrichten.

][ Marburg, 21. März. Die Verfügung, daß das Zwischensemester an der hiesigen Universität am

lung von Rotgeldmünzen und -scheinen, sowie eine wertvolle Steinsammlung vorhanden. Die Ortsgruppe plant im Sommer ds. Fs. eine größere öffentliche Ausstellung in Verbindung mit benachbarten Orts­gruppen des Verbandes hier in Dietzen abzuhalten.

** Die Eiserne Waschfrau. Im Hotel Groh- Herzog waren am Freitag viele Hausfrauen ver­sammelt, um den tntereffanten Waschvorsührunaen mit dem WaschapparatDie Eiserne Waschfrau" bei- zuwohnen. (Ein Herr zeigte, wie man trotz der jetzigen schlechten Waschmittel in wenigen Minuten einen Kübel voll schmutziger Wäsche, die Hausfrauen mit» gebracht hatten, ohne Mühe tadellos sauber wascht. Viele Anfragen veranlaffen zu einer nochmaligen Wiederholung der Vorführungen am Montag.

Lichtspielhaus, Bahnhofstr. 34. Heute ist ietjter Tag des FilmsFern Andra-. Ab morgen tritt Hella Moja inWeine nicht Mutter" auf.

Landkreis Gießen.

x Wieseck, 21. März. Gestern abend wurde in gut besuchter Versammlung im Saal von Bierau nach Vorträgen der Herren Horst und Baer von Gietzen eine Ortsgruppe des Verbandes für Kriegshinterbliebenen- und Kriegsbeschä

vaukosteilzuschüffe.

Von der Landes-Wohnungsinspektion wird uns ' geschrieben:

31. März enden sollte, ist wieder aufgehoben. Es fen| aui dauert bis zum 14. April Das Sommersemester be- i mit'den ginnt am 28. April h- *>;*

Letzte Nachrichten.

Maßnahmen der Netzolntieusreftierung in Ungarn

Budapest, 23. März. (WTB.) Korr.-Dur. Der revolutionäre regierende Rat hielt am Sams­tag unter dem Vorsitz von Alexander Dorbet seine erste Sitzung ab, in welcher so gende wichtigen Be- schlüffe gefaßt wurden: Abschaffung aller Zwangs- fteuern für kirchliche und konfessionelle Zwecke; gleich, zeitig wurden die Dolkskommiffare für Unterricht, Ackerbau und Finanzen angewiesen, zur Erledigung der hiermit zusammenhängenden Fragen eine Der- orbnung auszuarbeiten. Der revolutionäre regierende Rat hat eine Fünfer-Kommission entsandt zwecks Vorbereitung der Wahlen der Arbeiter-, Soldaten- und Dauernräle. Der Rat beschloß, sämtliche Re- gierungskoVkmissare ihrer Aemter zu entheben. Die Arbeiterräte werden aufgefordert, überall drei­gliedrige Direktorien zu wählen, welche die Geschäfte der bisherigen Regierungskommiffare zu versehen haben. Der erste Revolutionsgerichtshof mit dem Sitze in Budapest wurde sofort errichtel Der Rat hat die Dolkskommiffare angewiesen, Vorschläge über die Sozialisierung der Häuser und Betriebe binnen kür- zesier Zeit dem Rate vorzulegen. Ferner hat der Rat die Sozialisierung der in Privateigentum befindlichen Kunst chähe, die für Museen geeignet sind, beschlossen. Gleichzeitig wurden die Volkskommiffare angewiesen, einen Vorschlag zu unterbreiten, auf welche Weise die

"Aus dem Militär-Wochenblatt, v. Fal­kenh ayn, Oberst z. D., Komm, des Landw.-Bez. I Darmstadt, von dieser Stelle auf sein Gesuch enthoben, v. (Erüger, Gen.-Mas. z. D., im Frieden zuletzt Komm, des Feldart.-Regts. Rr. 61, der Abschied mit seiner Pension bewilligt.

* Gießener Konzert-Verein. Sonntag den 30. März, nachm. 5 Uhr, findet in der neueu Aula der Universität das neunte Konzert mit dem Wille- Quartett statt. Das Programm weist Dittersdorf (Quartett Rr. 5), Beethoven (Quartett op. 132), Dvo­rak (Quartett op. 96) auf.

* Strohsäcke und Kopfpolster für Land­wirte! Landwirtschaftliche Betriebe, die zur Ausstat­tung von Unterkunftsräumen für die bei ihnen- tigen Arbeiter Str 0 bsäcke, Kovf polst er und Laken benötigen, wollen dies unter spezifizierter Bekannt­gabe der einzelnen Dedarfsstücke sofort melden an den Preffebeauftragten des Reichsministeriums für wirtschaftliche Demobilmachung in Gießen, Bahnhof­straße 52.

** Die neuen Zündhölzerpreise. Die neuen Höchstpreise für Zündhölzer liegen jetzt vor. Sie be­tragen im Kleinhandel für das Pack zu 10 Schachteln mit mindestens 60 Stück 55 Pf., für 2 Schachteln 11 Pf., für imprägnierte bunte, weiße ober bunte flache Hölzer mit 50 Stück 60 und 6 Pf., für weihe Hölzer für die Schachtel oder den Koffer zu je 600 Stück 50 Pf., 480 Stück 46 Pf., zu 300 Stück 31 Pf.

** Schafzüchtervcrsammlung. Am 14. März fand int Hotel Grv Herzog eine Mit- aliriwrocriammlung des Oberhessischcn Schafzüchtervereins ffzt't. Oberverwalter Büchsenschütz - Lich hielt einen Vortrag über Förderung der Schafzucht. Tas Aus­bleiben b.'t ausl.äudisckren Wolle, der Mangel an Fleisch führte vielerorts ba»u, daß während des Krieges wieder Schafe angeschcrsft worden sind. Lö­sung der Futlcrsrage, Zusammenschluß zu Gc- meind.schäfereieu und Hebung des Schäferstandes sind die Grundbedingungen für das Gedeihen der Schafzucht. An der sich anschließenden Aus­sprache beteiligten sich mehrere Redner. Sekretär Wagner berichtete jtber die im vergangenen Jahre vorgeirommenen Wrmrgen Es wurde be­schlossen, die Kreise Msfeld-Lauterbach, Schotten- Büdmgeu und Friedberg-Gießen zu je einem Be­zirksverein zusammeiyuscUießen. Die diesjäh­rigen Schaftörungen sollen im Oktober abgclxüten werden. Ter bisherige Vorstand und Llusschuß wurde wieder gewählt, mit der Aenderung, daß W. Hahn II. in Annerod für den peritorbenm Pb. Seibert II. in Hungen und Gutspächter Rausch in Oberseener hol beiSck-otten für den ausgetretenen SB. Hahn I. in Stumperteirrod in den AusickMß eintretfu Tie Versammlung richtete an den Vorstand des Oder!). (Schafzücksterverrins die Bitte, dahin zu wirken: 1. daß das Beweiden der Bö­schungen und Wege ait den S taa tsstiaßen, soweit irg?) möglich, für Schasweiden wieder sreigegeben wird: 2 daß die Waldorugen sürSchashut mehr \me bisher freig .-geben werden: 3. daß die Ernrrch- tuitg von G.meindesckfa fereieu ruxtz mriyr, wie es bidljtr geschehen tonnte, gefördert wird: 4. daß eine Erhöhung der Wollpreise entsprechend der all­gemeinen Preissteigerung der Produkte aus Wolle und im Interesse der Pvoduktiousförderung etn- tritt; 5 daß einleitende Sckwttte getan roerben, um eine Weideversicherung bzw Tredstahlversrcherung zu ermöqlici>n!: 6. daß das Turchtrciben von Schafherden (Wandersckfafare^en) durch Hesieu ver­boten wird und 7. daß für die Familren der scha? halter pro Person mindestens l Kg. Wolle für eigenen Bedarf freigegelen wird. .. . .

* (Eine Lokalausstellung von Anftchts- Karten- und Notgelb-Sarnrnlungen veranstaltete die Ortsgruppe Gießen ber Internationalen Korrespondenz- und Tauschvere nigu»g Glo­bus am r ersloffenen Mittwoch in ihrem Dere.nshetm Hotel Kobel. Die Ausstellung wies sehr iwereffante Sammlungen von bilbfeitig frankierten Islands - karten, deutschen Karten, Gelegenheits- und Künstler, harten auf. Auch war eine sehr umfangreiche Samm»

Aus Statt und Land.

Gießen, 24 März 1919.

VVanztSommerSlsaatenimFrühjahrlSIS

Der Reichsausschuß für pflanzliche und ht» rische Oele und Fette fordert durch die landwrrt- schaftlichc Zentralgenossensck)aft in Darmstadt autb tn diesem Jahre tm Interesse der .Verbesserung unserer Fettversorgung zum Anbau von Sommer- ölfaaten aus. Als solche kommen in -erster Lime jSommerrübsen, Mohn, Leindotter und Senf in Betracht. Für die Ernte werden folgende Preise gezahlt: Raps 85 Mk., Rübsen 83,>Mk., Dotter 74 Mk., Mohn 115 Mk., Sens 74m für 100 Kilogramm. Bei Gelbsenf wrrd außerdem eine Drusckrprämic von 10 Mk. für 100 Kilogramm, bei Braunsenf eine solche von 25 Mk. für 100 Kilogramm gewährt.

Außer den gesetzlichen Höchstpreisen gewährt der Reicklsavsschus; den Landwirten bei Abschluß von Anba""crträgen eine Flächen zu läge von 100 Mk. für den Hek ar. Ti.-se Flächenzulage gilt dann für 'den Landwirt als erworben, wenn die folgenden Mindesternten auf den Hektar der Anbaufläche durchschnittlich gerechnet zur Abliefe­rung kommen: bei Sommerrübsen und Mohn 300 Kilogramm pro Hektar, bei Leindotter und Senf 400 Kilogramm pro Hektar. Für jede weiteren vollen 100 Kilogramm, die mehr als die vorge- fdjricbeuc Mindesternte geliefert werden, bezaUt der Reichsausschuß für Sommerrübsen und Mohn eine weitere Zulage von 33 Mk. für 100 Kilo­gramm, für Leindotter und Senf 25 Mk., doch beträgt die gesamte Flächenzulage in fernem Falle «mehr als 200 Mk. auf den Hektar der Anbaufläckx durchschnittlich gerechnet. Sollte infolge besonders Ungünstiger Witterunasverhältnisse oder sonstiger von der Sorgfalt des Landwirts unabhängiger Um­stände die Miirdestcrnte mcht erzielt werden, so wird der Reichsausschuß die Flächcnznlage für die Mindesternte ungeschmälert zur Auszahlung brin-- aen, vorausgesetzt, daß eine Bescheinigung der Drtsbchörde beigebracht wird, aus welcher l>ervor- geht, daß die Mißernte nur auf -obige Umstände zurückzuführen ist. Wf jeden Hektar, welcher mit iSommeröliaaten bepflanzt und über welchen ein Anbauvertrag geschlossen wird, wird den Land­wirten der Bezug von Natron-Salpeter vermittelt. Es werden 80 Kilogramm auf den 1 Hektar bewilligt. Die Lieferung des Natron-Sal­peters erfolgt zu den vom Reichsernährungsamt festgesetzten Preisen und Bedingungen. Der An­spruch auf Rücklieferirng von Futtermitteln und Oel bezw. auf Belassung von Saat zum Gebrauch im eigenen Haushalt richtet sich nach den jeweili­gen gesetzlichen Besttmmungen. Im übrigen ver­weisen nur auf das heutige Inserat.

Theater in ben Dienst der Prdletarierkultur zu stellen unb für bi« Mafien zugänglich zu machen seiik werben. Sämtliche Zeitungen würben verpflichtet, amtliche Derorbnungcn des revolutionären regierenben Rates an leitender Stelle zu veröffentlichen.

Ein neuer Beschluß der Bremer Seeleute.

Bremen, 23. März. (W.B.) Die heutige Der- sammlung der Bremer Seeleute aller Chargen war von etwa 2000 Seeleuten besucht, in der Mehrheit von Mitgliebern bes Deutschen Seemanns

gängeinUngarn. Die Entente spiele mit dem Feuer, wenn sie uns nicht bald einen Frieden gebe unb zwar einen der Wilsonschen Tlrien. Ein zermürbtes Deutschland könnte reif für den Boi' schewismus werden, den wir sonst in Teutsch'anb nicht zu fürchten brauchten. Ter Bolschewismus in Deutschland bringe aber ein bolschewistisches Europa. Friede, Brot und Arbeitsmöglichkrit rn Teutschland seien der Damm, über ben der Bolsche­wismus nicht Ijinroegtonunc. Ter Rhhrin unb der Kanal seien solck^ Hindernisse nicht mehr.

Eine neue Rede Lenins.

Stockholm, 23. März. (WTB.) Wie ein Funksprnch aus Moskau meldet, ist am 18. März der 8. Kongreß der russischen kommu­nistischen Partei in Moskau eröffnet wor­den. Nach einer Begrüßung des Kongresses durch den Dolksbeauftragtcn Losowski) hielt Lenin eine Hiebe, in ber er sich gegen bie von Bucharin vor­geschlagene Formel:Selbstbesttmmung der ar­beitenden Klassen" wandte, da diese Formel die Arbeiterklassen im Auslände gegen den Bolsche­wismus einnehmen könnte in der Annahme, daß bie Bolschewisten ihr System mittels der Bajonette ber Roten Armee mit Gewalt ein führen wollten. Ter Kommunismus könne nicht mit Gewalt ver­breitet werben. Jebe Nation müsse das Recht auf Selbstbestimmung erhalten, da nur hierdurch auch das Selbstbesttmmuugsrecht der arbeitenden Klassen gesürdert werden könne. Bezüglich der Bauern ver­folge die russische kommunistische Partei die Politik, die Bauern allmählich unb planmäßig an dem Aufbau des Sozialismus teil nehmen zu lassen, indem man die Bauern von den ländlick-en Wuche­rern ab fonbete unb sie durch aufmerksame Behand­lung ihrer Bedürfnisse auf die «Seite ber arbeitenden Klasse herüberziehe. Von befonbercr Wichtigkeit sei,hie Lösung ber Frage der bürgerlichen Fach­arbeiter. Um diese Arbeiterklasse für den Sozialis­mus zu gewinnen, müsse man gewisse Opfer brin­gen unb ben Facharbeitern eine gute Existenzmög- lichkeit bieten. Ter Kampf mit ber Bureaukratic könne nur dadurch zu einem guten Ende geführt werben, daß die ganze Bevölkerung an ber Ver­waltung teilnehme. Niemand sei es eingefallen, bie Bourgeoisie ans ben Sowjets au^usckstießen, sondern diese habe ihre Mitwirkung selbst ver- meigert. Nachdem der Kamps gegen die Bourgeoisie auf dem Lgnde erfolgreich beendet und das bäuer­liche Halbproletariat organisiert fei, gelte es jetzt, auch ben mittleren Bauernstand zu einem Verbün­deten und Freund der tornrnunistischen Revolution zu machen. Endlich wies Lenin noch darauf hin, daß die hauptsächlichste Aufgabe ber ruf ischen kom­munistischen Partei b.rrin bestehe, die Rote Armer nach sozfalistisckien Gesich'spunkten zu organisieren und durch Feldzüge ihr Werk -u vollenden.

sich mit den Aufgaben des Verbandes berühren und von diesem milgefördert werden müfien: so würde eine hier unbedingt nötige Kleinkinder schule de» , Kriegerwitwen ihren Erwerb und die Erziehung ihrer Kinoer bedeutend erleichtern. Mit entschlofiener Auf­nahme des Projekts der elektrischen Bahn er­fülle man auch eine Dankespflicht gegen die Kriegs­beschädigten, von denen eine ganze Reihe ihre Ar­beitsstätte in Gießen hat. 3n den Vorstand wurden gewählt die Kameraden Kling und Schmidt (Dors.), Euler und Keßler (Schrists.), 3hm und Weber (Kas­sierer): als Beisitzer Pfarrer Sattler, Rodenhaufen I und die Kriegerwitwen Schäfer, Weller und Werner.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 21. März. 3n der gestrigen Stadtverordnetensihung wurde von ärztlicher Seite energisch Protest dagegen erhoben, daß mau einen Teil der Schulklassen infolge der Raumnot in das alte Laz irett verlegen will, in welchem in den letzten Jahren Haupts schlich Geschlechtskranke ver­pflegt wurden. Stadto. Dr. Bender stellte eine An­frage bezüglich der Wohnungsnot und forderte die (Entfernung aller Iiv l- und Militärbehörden aus den Privatgebäuden, sowie die sofortige Errichtung von Wohnungen in den Kasernen. (Es wird mitgeteilt, daß im Residenzschloß verschiedene Räume zu Zwecken der Staatsverwaltung eingerichtet wurden. Eine Kom- mifiion soll feststellen, welche Familien zwei Wohnun- gen, in der Stadt und auf dem Land usw., besitzen. Die Vergütung für die Notstandsarbeiter wird er­höht, da sie weniger erhalten als die Erwerbslosen mit 2 oder 3 Kindern. Eine geringe Erhöhung der Tarife der Heag auch für elektrischen Strom, sowie des Waffergeldes, wird genehmigt.

I Darmstadt, 21. März. Unter seht zahl­reicher Beteiligung wurde gestern abend im Kaiser­saal eine Ortsgruppe Darmstadt und Landcsgruppe Hessen des Deutschen Ofsiziersbunds (D.O.B.) gegründet, welcher Berufs- und Reserveoffiziere umsaßt. Der Orts­gruppe traten sofort 160 Mitglieder bei. Zum Vor­sitzenden wurde Major a. D. Nogalla tfan Bie­berstein, zum Stellvertreter Hauptmann v. Jlfa- mann, zum 1. Schriftführer Hauptmann a la suile Lothrißen, zum 2. Schriftführer Lt. d. Res. Grätz ernannt. Der Offiziersbund hält sich von allen! polittschcn Bestrebungen fern, und verfolgt rein wirtschaftliche Ziele: Beratung seiner Mitglieder bti ber Wahl eines v neuen Berufes durch die Stellenvermittlung des beutfdien Hilssbundes für kriegsbeschädi^e Offiziere, Besoldunas-, Versor- gungs- und Pensionsansprüche. Auch eine Abtei­lung zur Anfiedttmg von Offizieren, zu welckiein Zweck bereits ein Gut von 750 Morgen in der Neu­mark erworben wurde, wurde gegründet, eben 0 eine Tamenabteilung. Der Bund vertritt die Inter­essen der Offiziere aller Gattungen (Sauftätsofsii- zrere, Veterinärosfiziere unb höhere Militärbeamte) ber OeffentlickLckit unb den Behörden gegenüber. An seiner Spitze steht der frühere Kriegsminister v. Scheuch, auch Generalfeldmarschall v. Hin- b e n b u r g ift ihm beigetreten. Staatsminister U l- rich unb Oberbürgermeister Dr. Glässing ha­ben der Orts- bzw. Landesgruppe die Unterstützung ihrer wirtschaftlickren Bestrebungen zugesagt.

Hessen-Nassau.

mr. Frankfurt a M., 23. März. Polizeipräsi. dent Dr. Sinzheirner, der seit den Tagen der Re­volution dieses Amt verwaltet, tritt am 15. April zu­rück und wird ersetzt durch den seitherigen Gewerk- schaftssekretär Zimmermann, einen nach links ge­richteten Mehrheitssozialisten, der früher Arbeiter ge­wesen ist.

][ Marburg, 21. März. Die Gendarmerie faßte heute früh auf dem Bahnhof in Cölbe fremde Ham­sterer ab, als sie im Begriffe waren, etwa 100 Pfund Butter, 2000 Eier und sonstige Lebensrnittel abzu­schieben. - Der gestrige Frühjahrs-Pf-rdemarkt brachte einen Auftrieb von etwa 80 Pferden und Fohlen. Der Handel gestaltete sich trotz der hohen Preise lebhaft.

= Oberursel, 23. März. Der Schaden, den das Großfeuer am Freitag abend in der Hart- papierwarenfabrik Hohemark anrichtete, ist nach neueren Feststellungen erheblich höher als ursprüng­lich angegeben war Der Gebäudeschaden wird auf £0000 Mk., der Wert der vernichteten Maschinen und Warenvorräte auf 800 900000 Mk. veran­schlagt.

Aus dem besetzten Rheingeblet.

Ticz a. M., 23. März. In ben Ortm Diez, Altendiez, Gückingen unb Schönbvrn beab­sichtigen die Franzosen, ihnen Bedarf an Kar­toffeln unb Gemüse in diesem Jahre selbst «1 ziehen.

= H öchst a. M., 23. März. Die französische Besatzungsbehörbe ließ bat Leiter bes Höchster Pvlizeiwesens, Kommißar Grimm, verl-asten, nxcil in seinen Tiensträumen bei einer Durck-suchung mehrere Revolver, die ^irm dienstlichen Gebrau ch ber Schutzmamnschaft bestimmt waren, vorgesunden wurden. Ter Kommissar wurde nad) . dreitägiger GesäiMiishaft vorerst entlaifai. Ter Kaufmann M 0 ntigel, der bei der Züch- : tigung seines Jungen auf 'der Straße unpersriiens : einen vorübergehenden ftwtzösisckxm Offizier an- stteß, wurde von diesem auf der Stelle verhaftet ' und abgeführt.

bunbes. Rach längeren erregten Verhandlungen ver­ließen die Anhänger des Deutschen Seemannsbundes demonstrativ den Saal. Die Iurückbleibenden nahmen eine Entschließung an, in der sie sich verpflich- if Aufforderung der Reichsregierung «Schiffen auszufahren. Gleichzeitig wird die Regierung aufgefordert, für die durch eine event Auslieferung der Schiffe brotlos werdenden Seeleute

in ausgiebiger Weise zu sorgen.

Eine deutsche Kundgebung in Danzig.

Danzig, 23. März. (WTB.) Heute mittag fand eine machtvolle Kundgebung des deutschen Bürger tums statt, an der schätzungsweise 60000 Personen tc (nahmen. Es wurden Ansprachen gehalten, in denen der Wille zum Deutschtum betont wurde Die Mehr heitssozialisten, die sich geschloffen an der Kund gebung beteiligten, erklären in einer Entschließung u. a.: Die Arbeiter Danzigs, zu vielen Taufenden versammelt, erheben feier ichst Protest gegen die be absichtigte Zuteilung Westpreußens und Danzigs an Polen ohne Anwendung des Selbstbestimmungsrechts. Wir wollen deutsch bleiben, weil die Zukunft des ar­beitenden Volkes nach dem Erfolg der Revolutton im Schuhe der deutschen Republik gesicherter erscheint als im polnischen Staate. Rach der Demonstration begab sich der Oberbürgermeister Sahn zu dem Leiter der amerikanischen Lebensmilteikommission für Polen, Major Webb, unb übergab ihm die von der Volks­menge angenommenen Entschließungen.

Sozialdemokratische Parteikonferenz.

Berlin, 24. März. In der gestrigem Aus' prackie dcs so z ial d e m okra t is che nPa r tei' a u s s ch u s s e s unb der Fraktt 0 u in Weimar wurde eilt Antrag, den Partritag, am 23. April beginnen zu lassen, sowie ent Antrag, den 11. Mai in Aussicht zu nel/mcit, abgelehnt, hingegen die Festsetzung des Parteitages auf den 10. Juni, also auf die Pfiugstwochc, mit großer Mel-rhrit beschlossen. Mit diesem Termin bat sich lautVor­wärts" auch der Partrivvrstand ein verstanden er­klärt. Aus deit weiteren Verhandlungen, die unter Ausschluß der Oefscirtlühleit stattfandwt, Ije'en bie Blätter hervor, daß das Parteivors:a,ndsmitgliri> Hermann Müller dem Mvristec Noste für seine Verdienste um die Partei und um das deutsch? Volk bauTte. In der gegm eine Stimm? ailge- irommenen Entschließung de Kon e e.13 w rd gesagt: Ter Absck-llnß des Krieges udjt bevor. Teutschland hat im Vertrauen auf die jjt ben 14 Punkten Wilsons festgelegten Friedstsgrund' sähe die Waffrir niedergelcgt. Tas deutsch Volk will einen bauernbat Frieden, der alle Völker zur Freundschaft und zu gemeinsamer Kufturarbeft ver­einigt. Tie Konferenz erinnert an das program­matische Bekamttris zum Selbstbestimmungsrecht der Volker und nimmt dieses Recht auch für das deutsch Volk in vollem Umsanyc in Anspruch Sie erhebt ferner Einspruch gegen jebe Vergewaltigung deutscher Volksgenossen, wie sie in Posen, Ostt unb Westpreußen mtt dem kemdeutschn Danzig, in Schlesien, Sch^eswig-Holstrin, im Saar- und Rlteingebiet unb DeutschOe erreich von feindlicher Seite geplant ist. Sie verwal-rt sich in gleicher Weise gegen jeden Versuch, das deutsch Volk durch unerträglich materielle Belastung für die Tauer in mirtschaftlichr Sklaverei zu halten unb seine Wiederaufrichtung zu vcrlnnbern. Sie beanspruch für Teutschland die gleichberechtche Zugehörigkeit zum Völkerbund, dem anzugehöretr das deutsch Voll durch seiite Kulturarbeit und feinen aufrirfr

Tie Wiederaufnahnre bet Boutäft^eit zur Er-

- . . . richung neuer Wohnstätten wird immer »och

btgtenfürforge begründet. Beide Redner brachten außerordentlich verzögert durch den Mangel au deutlich zum Ausdruck, wie nur eine Orgamfatior Backsteinen und Dachziegeln Die Der- beider Gruppen ohne parteipolitische und konfessionelle menbung von E r sa tz b a u sto f f e n begegnet viel Enge die großen Ziele des Verbandes erreichen könne. fad) noch einem begreif!ichn Widerstand. Da mit 3n der Besprechung zeigte Pfarrer Sattler, wie die einer Senkung der Preise für die Baustoffe und seither auf diesen Gebieten arbeitenden Stellen mit ^öhne und damit auch mit einer Verbilligung der dem Verband Hand in. Hand arbeiten sollen und wies Bauausfül)rungskosten vorerst noch nicht zu rech- u. a. daraus hin, wie scheinbar weit abliegende Fragen neu ist, wird nach ben Beschlüssen des Bundes- ' rats emTeilderBaukostenvonden Bau-