Ausgabe 
23.12.1919
 
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Rr. 500 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag, 25. Dezember

Vie Rationierung der Brennhölzer in heften.

Durch die Verordnungen bont 10. Oktober uttö 26. November d. Js, die Verfügung über Brennholz betreffend, ist ein Teil Brenn­holzes auf dringenden Wunsch der Volkskammer rationiert morden.

Diese Maßnahme hat vielfach in ländlichen Kreisen grosze Beunruhigung hervorgerufcn. Aus den Veröffentlichungen, die bis jetzt darüber er­folgt sind, geht hervor, daß man sich über den Umfang und die Durchführung der Rationierung im unklaren ist. Tas Sekretariat des Ministc- rillms b^r Finanzen, Abteilung für Forst-, und AameralverwaUung, gibt folgende Erläuterung:

Von einer Rationierung des gesamten Brenn­holzes, wie sie in Baden durchgefillirt ist, glaubte die Regierung absehen zu sollen . Sie beschränkte sich daraus, nur das B re nn de r bh ol z (Sci)ei- ter, Knüppel- gleichmäßig zu verteilen. Aber auch dieses nicht in seiner Gesamtheit: Tas Los-, Orts- bürger-, Armen- unb sonstige Berechtigungsholz wird wie seither in seinem vollen Betrage verab­folgt. Außerdem werden die Behörden unb An­stalten (des Staats und der Gemeinde», b.c Bäcke­reien und die sonstigen Gewerbebetriebe, die aus Verwendung von Brennholz angewiesen sind, nach ihrem wirllick)en, allerdings aus das äußerste zu beschränkenden Bedürfe beliefert. Das übrige Brrnr.derbbolz wird unter die Bevölkerung gleich­mäßig verteilt, um auch in den waldarmen Teilen jedem ein gewisses Mindestmaß von Brennholz zu annehmbarem Preis zu sichern. Außer Betracht bei der Zuweisung bleiben die Privatwaldbesitzer, die ihren Brennholzbedarf aus eigenem Wald und die Besitzer von Sägewerken und sonstigen holz­verarbeitenden Gewerben, die ihren BrciHiholz- bedarf aus dem Abfallhvlz decken können.

Bei der Berechnung der auf den Kopf der Bevölkerung entfallenden Menge ging man von den statistischen Unterlagen des Jahres 1913 aus. In diesem Jahre wurden im ganzen! Lande 543 000 Festmeter Brennderbholz und 366 000 Festmeter Reisig und Stöcke aufgearbeitet. Bei einem da­maligen Bevölkerungsstand von 1202 000 ent­fallen aus den Kopf 0,4 Festmeter ---- 0,6 Raum­meter Breunderbholz. Zieht man hiervon das Los- ufto. Holz sowie den Bedarf der Behörden, Bäcke­reien usw .ab, so kann man höchstens mit einem Satz von 0,5 Raummeter Brennderbholz (Scheiter, Knüppel) je Kopf der Bevölkerung rechnen. Für das laufende Wirtsckraftsjalir ist aber gemäß Reichs­verordnung vom 29 .Novenll>er 1919 für alle Waldungen des Landes eine Erhöhung des Lieb­satzes um ein Drittel gegenüber den Hiebsätzen des Jahres 1913 angeordnet worden. Der dadurch zu erwartende Mehrertrag an Brennderbholz wird dazu verwendet werden, Härten zu mildern ,die sich bei der Rationierung ergeben. Jnsbes an­dere wird er dazu dienen, dem durch die Viehhaltung bedingten Mehrbe­darf der auf Holzbrand eingestellten ländlichen Bevölkerung Rechnung zu tragen. Inwieweit dies möglich sein wird, kann erst festgestellt werden, wenn sich das wirkliche Ergebnis überblicken läßt. Um Enttäuschungen zu vermeiden, war es geboten, die Verteilung zu­nächst unter Zugrundelegung des oben berechneten Mindestsatzes durchzusühren.

Tas übrige Brennholz (Knüppelreistg, Reisig, Stöcke) ist nicht rationiert. Es soll dazu dienen, den durch die Zuweisung des Bvennderb- holzes nicht ausreickzend bcfricbigten örtlichen Be­darf (landwirtsckra t iche Betriebe mit Viehhaltung usw) zu decken. Der Bedarf hieran wird durch die Bürgermeister unb den Holzausschuß festge- ^^Mles Holz, das rationierte und das nicht­rationierte, wird an die Gemeinde überwiesen. Die Preise sollen zwiickzen Maidbesitzer unb« empfan- aender Gemeinde vereinbart werden. Kommt eine Einigung hierüber nicht zustande, so werden sie durch den Holzansschuß und in letzter Instanz jbirrd) die obere Forstbehörde festgesetzt. Die Ge- meinde"darf bei Abgabe des Holzes an die Einzel- empsLuger den Abgabepreis nicht höher sestsetzen, alS erforderlich ist, um den Anschaffungspreis und die der Gemeinde etwa entstehenden Unkosten zu decken Durch diese Art der Zuteilung wird einer­seits eine ungesunde Preistreiberei ansgeschaltet, andererseits wird den Waldbesitzern eint den Marktverhältnissen entsprechende Einnahme ge­währleistet.

Es besteht fern Zweifel darüber, daß mich dieser vorübergehende Eingriff in die freie Wirtschaft von einem Teil der Bevölkerung Opfer und Ein- schränkungen fordert. Man muß aber bedenken, daß es gilt bei der katastrophalen Brennstoffnot einen grafen Teil der Volksgenossen vor schwerer Schädigung zu bewahren. Für die Bevölkerung in den waldreichen Gegenden besteht andrererieits.

wie oben bargetan, ixte Möglichkeit, den drin­gendsten Bedarf cm Brennholz zu decken, roenit auch zum Teil nicht in den seither gewöhnten For­mungen. Der so oft schon trefflid) bewährte Ge­meinsinn wird auch diese Schwierigkeit überwinden helfen.

Au» Reffen.

Ein sehr berechtigter Künstlerprotest.

Folgende Eingabe wurde dem Ministerpräsi­denten der Hessischen Staatsregierung vom Ver­bände der bildenden Künstler in Hessen übergeben:

In Darmstadt wird zurzeit mit einem Kosten­aufwand von mehreren tausend Mark das Hoheits­zeichen aus dem Giebel beS Hauptpostamts entfernt. Diese Maßnahme erfolgt auf Grund einer Ver­fügung des Reichsministeriums, deren gleichmäßige Ausführung in ganz Deutschland zu befürchten ist. Durch die allgemeine Entfernung dieser Wappenzeichen entsteht also zunächst voraussichtlich ein Kostenaufwand von mehreren Millio­nen Mark, der unter den heutigen Verhält­nissen als eine sinnlose Vergeudung von National­vermögen betrachtet werden muß.

Ganz abgesehen von dieser unproduktiven Ver­schwendung bedeutet diese Verstümmelung öffent­licher Denkmäler unb Gebäude im einzelnen eine Fälschung historischer Walwheit; sie muß als eine Barbarei bezeickmet werden, gegen die wir i m Namen der deutschen Kultur und Kunst schärfsten Protest erheben. Tas Wappen im Gebiet des Hauptpostgebäudes ist kein beliebiges Firmenschild, sondern eine steinerne Ur­kunde, ein historisches Denkmal. Der Krieg gegen Denkmäler hat aber immer schon als kindisch und unreif gegolten. Gerade in dieser Zeit, die für Deutschland schwersten Verlust an künstlerischen und kulturellen Gütern brachte, kann eine solche Mißachtung ästhetischer und Instorischer Gesetze am wenigsten am Platze sein. Die ©hnnmegarbeit am Hauptpostamt mag im einzelnen Fall fein beson­deres Kunstwerk sein: die jetzige Verunstaltung des Giebels aber bedeutet unter allen Umständen eine Schändung unb Entstellung des ganzen Ge­bäudes, unb unser hessisches Denkmalschutzgcsetz stellt ein berartiges Vergeben unter Strafe. Das Vorgehen ber Postverwaltung kann nur dazu bei­tragen, bie Achtung vor bieiem Gesetz unb die Ehrfurcht gegenüber allen öffentlichen Kunstwerken zu untergraben.

Es sei daran erinnert, baß die Hoheitszeichen ber geistlichen Stifte nach ber Säkularisation (1806) erhalten blieben, ebenso wie bie Wappenzeichen ber früheren Standes Herren und Landesl)erren un­berührt und unter Denkmalschutz gestellt sind. Der Versuch, sie bei baulichen Umänderungen zu be­seitigen, ist in vielen Fällen durch b?e Denkmal- Pfleger und durch die Kreisämter aus Grund des hessischen Denkmalschutzgesetzes verhindert worben. Hat bieses Landesgesetz für die ReichsbeHörden reine Gültigkit?

Wir bitten die Regierung, dafür Sorge zu tragen, daß wenigstens für Hessen die Wieder­holung derartigen Vorgebens unterbunden wird unb baß die versügbaren Mittel lieber zur positiven Förderung künstlerischer Arbeit verwendet werden.

Aus dem Amtsve^üudigungsblatt.

** Das Amtsverkünbigungsblatr Nr. 139 v. 22. De^ enthält: Bekanntmachung die Verordnung über Oelfrüchte und daraus gewon­nene Erzeugnisfe bett., Dom 15. November 1919 (Darmstädter Zeitung Nr. 270). Vom 15. De­zember 1919. Die Aufnahme der taubstummen Kinder in die Taubstummen-Anstalten des Landes. Kriegs'^eschädigten-Fürsorge: hier: die Beschaf­fung von Seife für Kriegsbeschädigte. Kriegs­gefangenen heim lehr. Einsendung Kreis- abdeckereiverzeichnisle: hier: für den Monat Ulo» Dember 1919. Den Termin für die Einsen­dung der Gemeinde-, Mark- unb Stiftungs-Rech­nungen für 1918. Dienstnackwichten des Kreis­amtes Gefunden unb verloren.

Oelfrüchte. Der zu vergütende Höchst­preis für ie 100 Kg. Oelfrüchte inländischer Ernte beträgt: bei Raps (Winter- und Sommer-) 85 Mk., bei Rübsen (Winter- und Sommer-) 83 Mk., bei fUferfent (Hederich, Ravison) 62 Mk., bei Dotter 74 flJif., bei Mohn 115 Mk., bei Leinsamen 74 Mk., bei Hanfsamen 62 Mk., bei Sonnenblumen kernen 68 Mk., bei Senfsaat 74 Mk. Für die Ernte 1920 betragen die Preise vorläufig wie folgt: bei Raps 115 Mk, bei Mohn 125 Mk., bei Leinsamen 100 Mk, bei Hanfsamen 80 Mk., bei Rübsen 110 Mk., bei Dotter 90 Mk., bei Senf 90 Mk., bei Hederich 70 Mk.

Seife für Kriegsbeschädigte. Zur Versorgung berienigen Kriegsbeschädigten, bie auf eine beständige und Sorgfältige Reinlichtoitspslege bedacht sein müssen, wenn sie Verschlimmerungen

ober Komplikationen ihrer Leiden verhüten wol­len, soll 80 proz. Feinseife zur Verfügung gestellt werden. Die in Frage fonrnrenben Kriegsbeschä­digten wollen sich bei ber Amtlick)en Fürsorge- stelle für Kriegsbeschädigten- unb Kriegshinver­bi rcbenensür sorge bis 24. l. Mts. persönlich ober schriftlich unter Vorlage ihres Mritärpaßes unb Rentenbescheides melben. Tas Leiben unb die Menge der für ein halbes Jahr benötigten Menge Feinseife sind anzugeben.

Dien st nachrichtendes Kreisamtes. Das Hessische Ministerium hat bestimmt, daß d.e mittleren Beamten im Vermaltungsdienst nunmehr folgende Amts^ezeickrnung zu führen haben: 1. bie Bureauvorsteher bei den Kreisämtern: Krcisober- fefretÖT, und roerm sie zugleich Vorsteher des Bu­reaus her Provinzialbirektion finb: Promnzial- oben'efretär; 2. die angestellten K^reisamtsgehilfen: Kreissekretär: 3. die Anwärter für den mittleren Verwaltungsdienst: Vcrwaltungsanwärtcr; 4. nach Ablegung ber Prüfung führen diese bie Bezeich­nung: Verwaltungsprattikant. Wegen anderwciter Amtsbezcichnung bes Kanzleipersonals unb der Schreil>aelnlfen erfolgt noch weitere Bestimmung. W i 1 h e l m M i s a r 11. von R o d h e i m| wurde zum St llrertreter des Wiegemeisters für die Ge­meinde Rodlmm ernannt und Mrpslichtet.

Gefunden und verloren. In ber Zeit vom 1. bis 15. Dez. 1919 wurden in hiesiger Stabt ge f un den: 1 Regenschirm, 1 Tamen- taschentuchl>ehälter, 1 Tamenl)anddasche mit In­halt, 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Brosche, 1 Damenuhr, 1 Hanbtäsck)ckien mit Inhalt, ein Regenschirm, 1 Damen kragen und Papiergeld: verloren: 1 Bernsteinanhänger mit goldener Kette, 1 rotbraune Brieftasche mit 48 bis 50 Mk. Inhalt, 1 Portemonnaie mit 15 Mk. Inhalt, 1 Portemonnaie mit 50 Mk. Inhalt, 1 Fünszrg- markschein, 1 braunledernes Portemonnaie mit 20 bis 25 Mk. Inhalt, J. Hundertmarkschein, 1 le­derne Geldtasche mit 1000 Mk unb Schlüssel In­halt, 1 Portemonnaie mit 250 Mk., einem Ring sowie Ausweis vom Durchgangslager Inhalt, ein brauner gefütterter Glacehandschuh, 1 Portemon­naie mit 25 Mk. Inhalt und 1 schwarzes sewenes Tuch mit Franzen.

Der SchNchtungsausschntz der Provinz Oberhcsscn fällte in feiner Sitzung vom 13. Dezem ber folgende Schiedssprüche: In bet Tarifverttagssache ber technischen Angestellten wurden den Zeichnern dieselben Sätze wie trat kaufmännischen Angestellten zugesprvd-en, während Techniker unb Ingenieure 10 Prozent mehr erhalten sollen.

Auf Antrag des Fabrikarbeiter-Verbandes Deutschlands, wurde der Inhalier der Firma Karl Dauster in Gießen zur Nachzahlung eines Zuschlags von 10 Pf. zum Stundenlohn ab 15. August bis 15. Oktober 1919 einschl. verurteilt: wegen wei­terer Streitpunkte sprach der Ausschuß seine Un­zuständigkeit aus.

Auf Antrag der Arbeitnehmer des F r i s e u r- nnd Öaargewerbes wurden bie Wochen löhne be- ylrbcitnehiner mit Wirkwrg vorn 10. November 1919 ab für Damenfriseure auf 85 Mk., für Fri­seusen erste Kraft auf 75 Mk., zweite Kraft auf 65 Mk., für Herrenfriseure erster straft auf 65 Mk., zweiter Kraft auf 55 Mk. festgesetzt: bie Entloh­nung der Haararbeiten bleibt ber besonder« Ber- embarung der Beteiligten überfaffen.

Es wurden verurteilt: die Firmen Rup­pe! in Unter-Schmitten, Neumann und Salten» häufe»- in Schotten mit Wirkung vom 1. Oktober an zur Zahlung des der Gruppe 4 des hessischen Säge­werkstarifs entsprechenden Stunden lolmes, bie Firma Rager in Lich, mit Wirkung vom 17. No­vember die Lohnsätze der Gruppe 3 zu zahlen, bie Firmen Alsfelder Möbelfabrik in Alsfeld, Sonder­mann & Bücking, Gebrüder Wallach in Alsfeld, mit Wirkung vom 15. November an zu dem durch das Abkommen vom 11. Juni 1919 vereinbarten Stunbenlolm einen Zuschlag von 20 Proz. zu be­zahlen und die Schreinermeister Pinther, Wilhelm Schmidt, Heinrich Roch, Hermann Kramer unb Frittnich Glitsch in Lauterbach, an ihre Facharbei­ter, unter derselben Voraussetzung auch die Ms- felder Möbellabrik, vom 15. November an einen Stundenlohn von 1.60 Mk. und vom 15. Dezember an einen Stunden lohn von 1.80 Mk. zu zahlen, wobei bereits künftigere Lohnbedingungen aus­drücklich unberührt bleiben.

Ferner wurde die Firma Ludwig (Ävald in Nidda zur NachzahlvM eines Stundenlohnunter­schiedes von 15 Pf. vom 13. Oktober bis zum Tage der Entlassung an einen Arbeiter für schuldig erkannt.

Hochsehrrlnachrichten.

Rücktritt Roentgens Universitäts-

Professor Geheimrat Dr. v. Rventgen, der be­

rühmte Physiker an der Münchener Universität, wirb mit Schluß des gegenwärtigen Winterscme sters 1919/20 ferne Vorlesungen an der Universität beschließen und von der ©teile als Vorstand bei Physikalisckien Instituts zurücktreten: <*r gedenkt dann nur noch die Hebungen abzuhalten

Kirche und Schule.

rm. Darmstadt, 21. Dez. Der Darmstädter Lehrerverein hat gegen bie beabsichtigte er­neute Einschränkung dcs SchulbetriP-. infolge bet K'o hlenn o t Einspruch erlwbm unb d.e dringende Bitte an den Oberbürgermeister gerichtet, dasür ein­zutreten, daß im neuen Jahre der Schulbetrieb wie­der voll ausgenommen wird.

Turnen.

O Grünberg, 21. Dez. Ter hiesige Turnverein hält am 2. Weihnachtstage fein Wintersest in der Turnhalle ab. Turnerische.' Vor­führungen, Reit<en unb ein größeres Theaterstück werben gebaten. Arn Nachmittage findet eine Kinderrwrstelluntg statt.

Birchcrtisch.

Wilhelva Hausenstein: lieber Expres­sionismus in detr Malerei. Dl^obvr Däübler: Im Kampfe um die moderne Kunst. Reni Schi- dele: Der neunte November Schriftensammlung der Tribüne, deu )iunst uiib Zeit, hcrausgegebm von Kasimir Edschmibt. Erich Reiß, Verlag, Berlin. Es finb Kampflschriften für eine neue Kunst und eine neue Weltanschauung, die in rascher Folge im Verlage von Erich Reiß, Berlin, erfcbeiiten und zu den wichtigsten Problemen der Zeit Stellung nch- Unennicht rückwärts zu referieren, nicht zu refer - icrcn, nicht zu wiederholen unb auf keinen Fall zur Theorie zu ton»men . . . fonbeni auszusagen, zu befermen, barzustellen, zu wünschen unb zu postu­lieren". So untb bet Zweck bieser Schriften in ihrem Programm formuliert. Wer bie geistigen Strömungen unsercr Zeit kennen lernen toÜI, darf nicht an ihnen vorübergehen.

Rolanbsruf, von Hans Johst. Del- phin-Derlag UlZündjen, Loristtaße 2. In höch­ster Not stößt Rolanb ins Horn, baß bie Heimat erilxicht. An Ernst bes Willens und an Kraft des Könnens wirb sich Weniges aus ber jüngsten Lyrik biescin (töebidjtL'aitb zur Seite stellen können.

Der diesjährige Weihnachts-Alma­nach ber Grote'schen Verlagsbuch» hanblung in Berlin ist soeben wieder er­schienen unb wird trotz aller Teuerung von Pa­pier imb Druck wie früher kostenlos an Inter­essenten abgegeben. Er enthält u. a. Original- teiträge von lEharitas Bischoff (Wie ich Frenfsen kennen lerntet, Gustav Ftensien (lieber Tl)eo- dor ©totm")^ Ludwig Ganghoser (Fata ltbeUi,#), Joseph von Laufs (Schn«") unb Bildnisse der Autoren bes Verlages nach Federzeichnungen von Karl Bauer.

T ie neue Malerei von Herwatth Walden. Verlag: Ter Sturm, Berlin W. 9 Wem es nicht nur darauf anfbmmt, mybemfte Kunst- beftrebungen. iu veralbern, sondern sich mit ilzen Zielen ausitLanderzusetzen, ber möge dieses Buch lieien, bas von einem ihrer Führer geschrieben ist. AusgewäUte Mldbeigaben nach Chagall, Marc Kundinskp, iCoänpenbonk usw. unterstützen bat Text. Tas Buch wird mandjem wertvoll fein als Führer durch bie Sturm-Ausstellung, die vom Oberhessie scheu Kunstverein für Februar geplant ist.

Grundriß der Zoologie. Für Studierende der Naturwissenschaften unb Medizin. Zum Gebrauch bei Vorlesungen und praktischer! llebungen. Won Tr. C. W. Schmidt. Mil 308 Ab- tiltnmgen. Geb. 7 Mk. Hürzu Teuerungszuschläae des Verlegers und der Buchhandlungen. B. G. Teubner, Leipzig und Berlin.

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Seegespenster.

Roman von AnnyWothe.

Aaetterisd*« 1918 by Acny Wcthe-Mifm, Letptig.

(Nachdruck verboten.) Fortsetzung 14.

Estmd ließ sich geb-sim m den aroVenOhren- fttchl aus schwarzem Leder gierten und letmte ihr Hmrvt tief zurüch so daß ihr Helles Haar sich E ein Heiligenschein von bimHen öint^ginDtoe tibbob Doch Peter hatte heute tonten Mick für die verMrerische Schönheit ferner F°au. Dicht vor sie hintretend, sagte er kurz:

Was ist es mit dir und Jngewart Ferks ?"

Estrid sah unter den langen Wimpern spöttisch lächelnd M ihm auf.

Darf ich darum nicht schlafen gehen, weil du mich das fragen willst?"

Du sollst mir Rede und Antwort stehen. Warum brachest du bei seknem Anblick zusammen, warum verflucht der Schiffbrüchige dich und dem ÄauS?"

Estrch lachte Hingotb auf.

Du siehst Gespenster, wie ich sie leider auch sihe Das kommt davon, daß so viele auf der Insel das zweite Gesicht haben und wir mit Ge- fpenstergefchichten grsßgezogen werden."

Du sollst antworten, was ich svage, ohne Lüge" Weib, oder ich zertrete dich. Warum ver­fluchte dich der Mann, der nicht länger unter mei­nem Dache atmen will, obwohl er dem Tode nahe ist? Sage die Wahrheit, oder du sollst mich kennen fernen.""

Estrid löste gleichmütig ihr Haar und be­gann es in zwei lange Zöpfe zu siechten. Forschend Nickten ihre verschleierten Augen in das gerötete Gesicht ihres Mannes.

Tu solltest dich etwas mehr zußunmenneh- men, Peter. Es ist lächerlich, auf Sinnlosigkeiten Gewicht zu legen, die der Fieberwahn emgibt. Warum ich so erschrocken war, als Ihr Jngewart Ferks au* die Tiele legtet? Weil ich ihn für am Gonger" hielt, von dem ich so oft träume und mit dem man mich schon als Kind erschreckt. Ge­nau rote Jngewart Ferks dalag, soll tus Gespenst herumspuken. Mit nassem Haar und Dort und halbgebrochenen Augen. Ich glaubte, der Tod selber fei in unser Haus gekommen."

Das ist er auch, denn alles, was hier schön und groß und rein war, das ist gestorben in dem Augenblick, als ich erkennen mußte, daß du mich tetrogen hast."

Ich dich, Peter? Ich glaube wirllich, du bist int Fieber. Wie kannst du solch unsinnige Dinge behaupten?"

Warum hast du mir nicht gesagt, daß du mit Jngewart Ferks verlobt warst?"

Estrids Gesicht wurde nach blasser und doch meinte Peter, das rote heiße Blut durch ihre zarte Haut hindurchschimmern zu sehen.

Ich war nicht mit ihm verlobt."

Nein, im hast ganz recht. Nicht vor den Leu­ten Seine Mutter, bie vor Aufregung krank dar- niebcrliegt, die ich in List besuchte, um thr Kunde zu brinaen, daß ihr Sohn gerettet sei, hat mir alles erzählt Warum sagtest du mir nicht die Wahrheit, als ich um dick) warb? Warum beteu­ertest du mir, im hättest nie einen anderen ge­liebt als mid)?"

Estrid saß, die Augen geschlossen, die Hände lässig im Schoße da und schien gar nicht zu hören. Nun schlug sie die jetzt ganz schwarzen schülemden Auge» zu ihm auf, als käme sie verwirrt aus einer ganz anderen Welt. Die schmalen roten Lippen zuckten und ihre Stimme war sanft, als sie leise sprach:

Ich wußte vordem nicht, was Liebe war. Es roar die Wahrheit, als ich zu dir sagte: Ich habe nie vordem geliebt."

Man sah es Peter Bauten an, daß er sich nur mühsam beherrschte, aber gewöhnt, seinem Tem­perament Zügel anzulegen, gab er äußerlich ruhig yurüdL

,J3a, so sagtest du, als ich dich fragte, weil Ge­rüchte von einem Verlöbnis über die Insel liefen. Warum verbargst du mir, daß du dich Jngewart angelobt hattest, ob mit oder ohne Liebe?"

Sie sah ihn mit ihren Nixenaugen flim­mernd an.

Weil ich dich lieb hatte, Peter, und weil ich glaubte, Jngewart Ferks wäre längst tot."

Du lügst, Weib! Nicht au3 Liebe nahmst du mich, sondern weil ich btt ein besseres LoS zu bieten hatte, als der arme Seefahrer, wenn 'tr wiÄierkehrte. Nicht daß du Jngewart Ferks ge­liebt hast, nicht daß du mit ihm verlobt warst, mache ich dir zum Vorwurf, sondern daß du mich wisfevllich betrogst, daß dm, ohne das Verlöbnis gelöst zu haben, mein wurdest und mich glauben ließest, ich wäre deine einzige und erste Li'be. Tah du einmal Ferks geliebt, hätte mid) nicht gebmbert, denn Gefühle sind wandelbar, doch daß du es leugnetest und ihn und mich verrietest, das trennt mich von dir."

Ich habe chn nicht geliebt," murmelte Estrid.

Peter lachte höhnisch auf.

Venn du nur mich geliebt hast und wenn dein Gewissen rem war, warum denn suchten die Gespenster dich jede Nacht heim und nahmen dir die Ruhe? Glaubst du, ich hätte nicht bemerkt. wie du oft aus wirren Träumen auffuyrst in Dem Wahne, derGonger" wolle dir ans Leben. Oft hörte ich dichJngewartt' leise stuszen und,^Zugc nrart" rufen, ohne daß mir der Zusammenhang klar war. Jetzt aber weiß ich es ganz genau: Du ge­hörst yu Jngewart FerL und nicht zu mir."

Estrid schrie leise auf. Sie stürzte auf ihren Mann 9» und umklammerte ihn mit beiden Armen.

Nicht zu ihm," schluchzte sie.Er drohte vorhin, ich müßte ihm folgen, er würde mich zwingen. Ich fürchte mich nicht vor ihm."

Das magst du halten wie du willst, Estrid. Untere Wege trennen sich hier. Denn nicht gs- nug mit deinem Frevel an Jngewart Ferks und mir, du hast auch versucht, meinen eigenen Bruder in deine NeKc zu ziehen. Leugne es nicht ich meiß es, und darum müssen wir vonetnander gehen."

Estrid blickte wie erstarrt zu ihrem Man» auf Sie löste ihre Arme von seinem Hals und stolz ausgerichtet stand sie ihm gegenüber.

Ich bin deine Frau," sagte sie, ihn fest an- lehend,bie kann man nicht abschütteln wie ein lästiges Gespinst. Du vergißt, daß ich ein Recht auf dich unb den Gottesvovg habe."

(Fortsetzung folgt.)