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Mittwoch, 25. April 1919

<69. Jahrgang

Binder

gt. In sämtlichen Großbetrieben Auch die Ärbeüerlchaft derDainr-

Stuttgart, 22. April. Ter für heute emge- kündigte politische Generalstreik, der sich gegen die Entsendmrg von Truppen und) Bayern soll, ilt rrt Stuttgart nicht zur Aus- führunF gelangt. In sämtlichen Großbetrieben wurde gearbeitet. Auch die Ärbeiterlchaft derDüwt-

Unruhen in Hamburg.

Hamburg, 22. April. (WTB.) Tie Un­ruhen der Osler tage dauern feutc fort. Bewasf- nete in AiUvs verteilten heute vormittag in St. Pauli Waffen und Munition an dir B-pälkermig Tarnushin zogen einige hundert Mama durch die Straßen, raubten Passanten aus und stürmten einige Bekleidungsämter am Paulinen- platz und versuchten mrfyrere Wachen \vx ihren Be iv zu 6 in gen. Tie Wache 15 in der Pau.inen- flra&e lvurd. van ihnen genommen.

Der Streit im Bochumer Revier erloschen.

Bochum, 22. April. (WTB.) Tie Beleg­schaft der bis Osterdienstng noch voll im Streik bciniblidxm 3edy Hannover hat in einer heute uadjmittag al^h.il'e. eii Versammlung s-eschlosseii, die Arbeit am Mitttvoch geschlossert wieder anfzn- nehmen. Tantii kwrn ber Streik im BockMmcr Revier für voll erloschm angesehen werden.

Eine Brandt« astrophe in Charleroi.

Berlin, 22. April. Laut Berliner Tageblatt wird aus Charleroi gemeldet, daß bei einem Brande, der in einem hiesigen Kinotheater wätuend einer Vorstellung ausbrach, 40 Perso­nen getötet und verletzt wurden.

5. April 1919 an zum ordentlichen Protei'ior für Elektrotechnik an der Technischen Hochschule zu

stelle des Wirtschafts- und Lebensegoismus die Volkssolidarität tritt".Der Erfolg der wirtschaftlichen Arbeit muß unter den Völ­kern, den flehten und großen, nicht nach dem Gesichtspunkt egoistischer Kapitalsinteressen, sondern nach dem großen Gesichtspunkt sozia­ler Solidarität der Menschheit verteilt wer­den. Nur so wird es möglich fein, die auf der tieferen Kulturstufe fteljenben Völler hinauf- zuziehen und die höl)er stehenden zu bewegen, von ihrem wirtschaftlichen und geist gen Reich­tum unseren Böllern selbstlos mitzuteilen." Dieser Idealismus wird auf der Friedenskon­ferenz zweifellos enttäuscht werden. Es ist aber gut und richtig, daß unsere Abordttung ihn mitbringt.

Tie deutschen FriedenSbevollmächttgten.

B e r l i n, 23. April. (WTB.) Laut Berliner Lotalanzeiger melden die pxm$öiifcfen Blätter, daß die deutschen Bevollmächttgten und ihr Gefolge für nächsten Montag nach Versailles erwartet werden. Sie würden sofort in ein Hotel gebradxt, das für sie reserviert würde. Ter Friedensvertrag, würde ihnen am nächsten Tage im .Hotel Trianon zagestellt werden.

** Ein Hermann-Hoffmann-Ge^ b e n f t a g. Gestern, am 22 April, ist der butt* tertste Geburtstag des Botaniöcrs Her mann' Hoffmann, weiland Ordinarius an unserer Universität. Zahlreiche Oberlehrer imfcrer höhere« Schulen, Mediziner pnd Forstleute sind durch feinen- Hörta-al gegangen und haben dort ihre AuSbil- düng erhalten, aber auch viele Gießener Bürge« der älteren .Generation werden sich gern des fnnnb- lichcn Gelehrten erinnern, ber hier eine besvudeoe, Popularität genoß. Aus Anlatz des ©ctenfaigts wird die Anbringung einer künstlerischen Erinne- am^tafel an dem ehemaligen Wohnhause Hoff­manns geplant. Wir werden daher später Ge­legenheit haben. Genaueres über Lebensgang und wissenschaftliche Bedeutung unseres früheren Mit­bürgers zu hören. Einstweilen sei nur auf die Lebensbeschreibung Hoffmanns aus der Feder seines Enkels Mangold im 1. Bande der .Hessi­schen Biographien" aufmerksam gemad)t.

m. 94

Der Siebener Anzeiger cridieint täglich, amtet Sonn und Feiertags.

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Frankfurt a. M. < 1686

Aus Stadt und Land.

Gießen, 23.April 1919.

Die Personenverkehrssperre dauert an.

9?ad> amilidxn Mitteilung der Eisenbahndirek- lion Frankfurt a. M. bleibt die Einstellung des Personenverkehrs bis auf weite­res bestehen.

Auf wieviel Tage sich diesesbis auf iveitcred" erstrecken wird, läßt sich nur schätzungsweise an­nehmen Kohlen sind im lstesigen Eisenbahn-- bezirk auch während der Sperrtage so gut wie gar nicht erngegangen. Selbst der Verkehr der tt-enigen Güter züge ivon denenanchdieB r ief- post befördert wird), kann nur noch mit Mühe und Not aufrecht erhalten werden. Das Be­triebsamt Öiencn .rechnet damit, daß besten­falls eine Woche daraus gehen wird, bis bet Verkehr wieder ausgenommen werden flamt. Bor Man tagten 28. April wird nach seiner Ansicht an gcortmeten Bahnverflehr Lrum zu bau­ten sein.

Der echlichtungtzavlschrrß der Provinz Oberhessen verhandelte in sem-r Sitzung am verflossenen Donnerstag über folgende Falle:

Ter Antrag über Schüchwna von Lohnstrti ig- teilen in dr Burkschen Mühle z u G i e ß e i: rourbe iurü.fgcyaycn, da sich die ArbeitersckstNt m- jnnidjen mit iyrvm Artei gcker einigte.

Wegrn der Strei i feiten in bet Möser- schen Mühle zu Giesen wurde der Vertreter des Fabrikarbci.nnwerbandes beschieden, sich erst Vollmacht von den beteiligten Arbeitern treten zu lassen, da die Firma «bestreitet, daß Lohn- streitigkri en vvrlägen. Zwei angeblich wegen Lohn fordern ng^n gekündigt Ar bi er werden ver­gleichsgemäß vvrläuiig weiter beschäftigt.

Die von tem Arbei^erauSschuß der Grube Roßbach erhobenen Forteruragen wurden mit geringer Aei'dwung durch Schied? spruch anerkannt.

Tic Ford.-rungen des Arteiteraus^chusfes im S t e i n b r n ch z u N eu h a u s d.'r Firma Scheid­hauer u. Gießing wurden etenfe) burd? Schicds- sprnch wie fo'gt festgesetzt: Arb.'itcr bis zu 17 Jahre alt erhallen bis zu 60 Pf. Stundenlahn, solch von 1721 Jahren 90 Pf. imd solche über 21 Jabre 1 Mk. Wenn Lohnzahlung nicht drei Tag? nach Zahltagschluß erfolgen kann, so sollen mindestens 80 Proz. Vorschuß g^ahlt »oerden. Ter Firnw wird dringend empfohlen, den bis­herigen Obmv'm des Artefterailsfchusses wei er zu beschädigen und bei Einschränkung des Betriebs zuerst die Arbeiter zu entlassen, die sich in der Landwirtschaft ober in sonstigen (bewerben beschäftigen Kimen.

Gantag der Wandervögel.

Man schreibt uns:

200 feisisckx Wandervrgel hielten ihren all- iahrtid)en Ga u t a g zu Ostern auf bem Sch if-

** Amtliche Personalnachrichten.

Ernannt wurde am 8. April der Tr.-Jng. Ludwig zu Charlottenburg mit Wirinny vom .919 an zum ordentlichen Profestor für

Tarmstadt. Ernannt wurden am 12. April die Lehramtsassessoren Erwin Berninger aus Offenback), Heinrich Eidebenz aus Neu-Isen- lmrg, J&corg Haas aus Hummetroth, Ludwig Hartmann aus Stockheim, Kres (rrbad), und Friedrich Kreutzer aus Essen a. d. Ruhr vvm 16. April 1919 ab zu Oberlehrern. Ertmitnt wurde am 15. April der Oberlehrer an ber höhererp Bürgerschule in Rimbach i. O. Heinrich U l l - mann zum Oberlehrer an ber höheren Bürger­schule zu Babenhausen vom 16. April 1919 ab. Ernannt wurde der Fackstchrer an ber Fachschule für Elfenbeinschnitzerei und verwandte Gewerbe zu Erbach Fritz Schultz zum Hanpllchrer imb Diri-, geilten dieser Sckule mit Wirkung vom X. April 1919 an In den Rnhestrmd versetzt wurde am 12. April der Ministerialrat im Ministerium deZ Innern Staatsrat Tr. Ernst von W e b e r auf sein Rach'uchen unter Anerkennung seiner dem Staate g leisteten Dienste vom 1. Mai 1919 an. Er-, ledig! ist die mit einem evangelischen Lehrer zu tefe':ente 2. Schulstelle in Unter-Schmitt-m, Kreis Büdingen, unb die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Lardenbach, Kreis Schot­ten. Mit der Stelle ist Organisten- unb Lektor- bienft verbunden.

** Tie Aussichten auf eine gute Obsternte sind recht günstig. In erster Linie gilt dies von den Birnen. Alle Sorten von ber gewöhnlichsten Kelterbirne bis zu ber feinsten Ta­felbirne zeigen den reichsten Blütenansatz, so daß es ben Anschein hat, als wollte bte Natur ben Obstzüchtern die Mißernte in Birnen von 1918? vergelten. Guten Fruchtansatz weisen auch die' Aepfel auf. mit Ausnahme einiger Sorten, wie Goldparmäne. Sehr wickstig für den Haushalt ist die Zwetsche schon wegen der Bereitung von, Brotaufstrich. Tech auch das Steinobst berechtigt zu den besten Hoffnungen. Alles hängt nun noch von der Witterung bzw. von den drei Eisheiligen im Mai ab. Bis setzt hat das kühle Wetter ba£ Aufbrechen der Blüten hintangehalten, so daß man für die Blütezeit des Obstes günstige Tem­peraturverhältnisse erwarten darf.

** Oeffentliche Bücherhalle Im März wurden 2098 Bände ausg?geben. Tavon lammen auf: Erzählende Literatur 1181, Zeit­schriften 173, Iugendschriften 150, Literaturge- sch.chte 14, Gedichte und Dramen 48, Lander- unb Völkerkunde 74, Kulturg.'schchte 47, Geschichte n^d Biographien 117, Nunsyeschstchte 31, Na urwi se >-- schäft imd Technologie 99. Heer- und Seewesen 5. Haus- und Landwirt'chpft 18, Gcsunlfestsl- h e 11, Rel'gon und Philosophie 47, Staatswifsenichan 11. Sprachvisstnschttt 10, Fremdsprachliches 59 Lände. Nach auswärts tarnen 31 Bände.

** Der wer tungder Ka n inche nfr kle. Dem LLndesvorstand hessischer KLtmcheirzstchter iA

Fast alle waren sie mit Rucksack, Brotbeutel, mit Fähnlein und Znrffgeige zu Fuß gekommen: von Tarmstadt, FrLtkfurt, Alsfeld, Marburg und mehr als 20 andere Ortsgruppen. Sogar von Würzburg her waren wohl 8 Schüler gekommen. r,» F-.ÄriV «>, » :A.l '»X. CSSV®

.i.'.4j»- Ter Wirt v«n Schiffenberg

hc.ttt Schlaffaal unb Festwiese zur Verfügung gestellt unb in ber Kirche würbe von der $io feuer «Orttarupp.' ein Osterspi-l aufgeführt, bas jedem Zu schauer eine bleibende Öfter erinnerung fein wird. Ter vielen gefallenen (fast jeder vierte) W»m derb rüder zum Gedächtnis wurde ein Feuer im Stci ibrrrch abgrbraimt; mMrcher dachte sckiwe- ren Herzens der vielen, mit denen er vor fünf Jahren in Wetzlar am Osterfeuer stand. Der Montag brach e Wettkämpfe u.tb Wett sinken; ba-5 gemeinsame Mittagessen kochte die brave Feld­küche. Spiel, Tanz und Gesang wechselten in bun­ter Reihe. Leiter störten die triefen Zuschauer, b'e nie nah genug Herangehen konnten, das schöne Gesamtbild. Manchen sah man den grauen Kopf schütteln, aber es freute auch manchen Allen die frische Jugend, die noch stark genug ist, sich selbst ihr eignes Leben mit neuem schönerem Hnbalt zu schassm. Wohl tarnt einer vom bloßen Zu- schauen den Wandervogel nicht keimen lernen, I aber er wird doch die wilden von beit richtigen Wandervögeln unterscheiden können."

Die Besetzung Augsburg«.

Berlin, 20. April. (WTB.) Don dem Führer der sstegierungstruppen erhält das Wolfs- Bureau über die BeweMründe des Einmarsches folgenden Bericht: Für das Vorgehen gegen M ü nchc n ist es notwrndig, daß die rückwärltgen s^rbindungen über Augsburg, insbesondere der Eisenbahnttansport, unbedingt gesichert , bleibet^ Ter Regierung gelang es nicht, dieses Ziel durch politische Vereinbarungen erreidjen. Sie war daher gezwungen, zu militärischen Mitteln zu grei­fen Ter Kommantevtt der Rcgiermtgstruppen er­hielt den Auftrag, AugsburgdurchUeber- raschung zu nehmen. Um fünf Uhr früh marschierten vvn Norden Bayern, vvn Süden Bayern und Württemberger ein. Auf der Nauen- stätterstraste erhielten die tiomkferrixn loürttem- bergis-chen yeotonnen vvm Pulvermagazm, in dessen Besitz sie sich setzen wollten, starkes Maschinen­gewehrfeuer. Tte Arbeiterschaft ber Nähfatenfabrik SckLrer greift darauf zu den Waffen. Es entstand ein lebhaftes Gefecht. Die hier eingezogenen würt- tcmbergischen Truppen beklagen sich bitter bar- über, daß verschiedene ihrer Leute aus dem Hinterhalt nieder geschossen wurden, darunter ein Offizier, ber den ganzen Krieg mit» gemacht hat Gegen einen Toten wurde in unbe- sch-eiblich roher Weise vorgTgangen Andererseits erweckte es ben Eiitdruck, daß auch bei der Ar- beit er schäft große Erbitterung herrscht, weil fte offenbar über den polittschm Zweck des Einrüch-nöl der Truppen unzureichmd aufgeklärt ist. Das Vor­dringen ber Bayern aus der Ostogttngersttaße bts m die Mitte der Stadt und bte Drohung des Ein­setzens von Artillerie unb Minemverfern gegen das Pulverttmgazin unb die Nähfte'enfabrir per- anlaßte bie Verteidigung zur Uebergabe Dem Au<^burger Kommanbauten wurden durch den Führer der R-egierungstruppen telephonisch am frühen Morgen die Bedingungen über bte Ueter- gate übermttieft. Nach einer Besprechung nut beit Führern der ihm unter stellten Besatzung und der unabhängigen Sozinlilten unb in der Er­kenntnis, daß ein weiterer Widerstand ausstchts- los ist, wurden folgende Bedingungen angenom­men: Unbedingte Anerkennung ber Regierung Hoffmann. Abgche fämt'idjer Watfen. Anliefe­rung der Rädelsführer. Besetzung ter St^t durch Regierungsttuppen. Bildungetner Volks­wehr in Augsburg, bestehe-id aus allen Berufen und Ständen. Tiefe Bedingungen war­ten mittags vvn einem Arbeiterführer vom Rat­haus [>er ib verkündet.

Ter Einzug ter Truppen wurde von der Ein- wohnertchaft lebbaf begrüßt- 3n ben ersten Nach- w.'ttagsstunden fmben in den Arbeitervorstä.-ten Oberheusen, Lechhausen usw. große Verfamm- lunge t bewaffneter Arbefter statt. Man gewinnt ben Eindruck, daß sie gleichfalls über den wahren Zmrck des Einmarsches der Truppen nicht infor­miert sind Es kam zu Zusammenstößen mit den Truppen. Ta ernste Kämpfe für den Abend und rür die Nacht zu erwarten waren, er­boten sich auf Anregung des Führers ber Regie- nirgstruppen drei Anhänger ber unabhängigen SoM'isten, die Arbeiterschaft in ben genannten Vorstädten über den wahren Sachverhalt aufzu­klären. Tiefen gelang es, die Arbeiter zu be- ruha^n. »erlaufen. Es

fanden feint größeren Zusammenstoß statt. Wei­tere Regierungstntppen sind im Anmarsch, tcil- ntife bereits eingerückt.

MiliLär;ensur der bayerischen Presse.

Berlin, 23. April. (WTB ) lieber die bayerische Presse wurde dem! Berliner Lvkalan- zeiger erfolge durch die Regierung gefirrn die Militärzensur verhängt.

Gegen die Entsendung württembergischer Truppen

vrr Kampf um den Rechtffrieden.!

Es war merkwürdig genug, daß auf diel bekannte, von Erzberger unterzeichnete An­frage der deutschen Regierung, ob die En­tente etwa wriklich beckosichtige, Deutschlarw jegliche Erörterung über die Friedensbebedin­gungen obzuschneiden, keine sÄntwort erfolgte. Dieses bezeichnende Stillschweigen lag auch in der ersten Aufforderung Nuoants an die deutsche Negierung, nunmehr Bevollmäch- tgite zu entseraden. Es hieß in dem Tele­gramm:zum Empfang der Friedensbedin- mtngen", undba war es selbstverständlich, daß zu dieser Abholung eines Dokumentes einige höhere Beamte mit Sekretären ge­nügten. Damit wurde auch der Anweisung genügt, nur Personen zu entsenden, die dem angegebenen Zwecke dienen sollen. Es war eine französische Mache, die uns nur zu einer Art von Urteilsverkündung bestellen wollte. Herr Clsmenceau repräsentiert aber bekannt­lich nicht allein die Entente. Und so erfolgte eine nochmalige Aufforderung von Paris, Herren zu entsenden, die ebenso zu Verhand­lungen bevollmächtigt seien wie die Dele­gation der Gegner auch. Demgemäß machte sich.unsere wirkliche Friedensabordnung auf ven Weg, deren Zusammensetzung seit länge­rer Zeit bekannt ist, wobei ein Druckfehler in unserem gestrigen Blatte berichtigt werden muß, indem anstelleWriesberg" natürlich der wohlbekannte Neichsminister Gies- berts stehen muß. Graf Brockdorff-Rantzau verfehlte in seiner zweiten Antwort nicht, nochmals zu unterstreichen, daß unsere Ab­ordnung auch.volle Bewegungsfreiheit be» anspruck)« und nur unter dieser Bedin­gung abreisen könne. Ferner fügte er hinzu, daß es uns auf den französischen kPfifs nicht einfällt, H a ls über Ko p f nach Versailles zu stürzen, sondern daß unser Frie- Hensausschuß, der sich für die alsbaldige Ab­reise zu rüsten hat, nicht vor dem 26. d. Mts. tat Frankreich eintreffen könne. Das ist nicht Netttliche Empfindlichkeit und Reizbarkeit, fonbem diese Antwort war von der absoluten iNotwendigkeit diktiert, den Gegnern gerade heraus zu sagen, daß Deutschland eine sckffmpfliche Behandlmig sich nicht weiterhin bieten lassen kann. Es gibt in Deutschland wohl genug Menschen, die nicht ganz mit Un­recht gern gescheht hätten, werm die Abreise unserer Friedensdelegation nur unter der Be­dingung vor sich gegangen wäre, daß gleich­zeitig die deutschen Gefangenen m ihre Hei­mat zurückkehren dürfen. ... ~

Der erwähnte Reichsnnmster Gresberts, wie so viele andere Männer in der Regie­rung, ursprünglich ein Jünger des Hand­werks, das er in verschiedenen Zwemen aus­übte, nämlich als Bäcker, Brauer, Kesselhel- ftcr, bis er seine Stellung als Arbeitersekre­tär des Zentrums in den christlichen Gewerk­schaften sich eroberte, hat im Heft 3 der neuen ZeitschriftDas neue Reich" (herausgegeben von Hans Ostwald und Paul Remer, Ar­beitsgemeinschaft für staatsbürgerliche und kvirtschastliche Bildung, Berlm W8) einen Aussatz überDie Grundlagen des dauernden Völkers riedens^ ver­öffentlicht, in dem er gleichfalls an die: Spitze des deutschen Programms dm Glauben an die Zukunft unseres Landes und Volkes stellt und demgenläß die Forderung, daß dem Reick)« der ihm gebührende Platz in der großen Völkerfamilie bleibe. Trotz des harten Schich sals dürfe uns ,bad aufrechte Selbstbewußt­sein und das Vertrauen in unsere Kraft keineii Augenblick verlassen. Giesberts fährt dami f0TtWürde der künftige Völkerbund nichts anderes lein 'als eine InleressenFernciaffäaist ber mit uno S Ä atliierten Völfer in bm man

?euÄ Sftig in ter dunfelstzm Ech.em Plätziten Dergünnt, so soll man diese ^fettutuyn nicht Völkerbimd nennen, .sondern. be.Mchnen alv da-^ wns ife wirklich ist: eine flapitalilttsche Znter rffenSlfrrunO au{©egenfeitigtet Sur hing brr schwöclierrn Volker, amt; besmiders brr BSlker liegt Eich in ihrer Intelligenz, in ihrer Arbettsfreudigfeittm Sm S»n Tückttgkeit und m ihrem friifhirartuiffen Ti? Entta ttmg dieser Eigenschif- tnt ietem Volke gesickert sein. Unvereinbar mit Tiefer Voraussetzung ber Gleichoereckttgung febb« kiinsUich- für6 bie EnMicklungimöglich^Uen ber cin^lnm Volker E^ wäre töricht, z-u glauben, oa» Wirtsckaftseaoisanus ter größeren Völker mjt nicht ter beherrschende und auosch.aggebenbe Fak tot in ter Weitpolitik fein vorauf muti Tevtschland befjnteren Wert l.'gm ^s^h t n Fritterszeiten bem vierten Teil femer ^evoue rmig nur Brot unb Lebensmoglichfeien scha^n fön neu bnrrh Arbeit den -WeltmmL schneid t ma-i ihm diese Moglichk i.en, so ruiniert man die Eristeiizgrmidlagen fut btefe W» schichten, zwingt diN- entaveber zu einem Hunger Kasein oder zur Auswatldernna.

Wir haben das Schauspiel nicht selbst mit an» (Kiefen unb flehen teer echten SSaaibeitxxjdlcnieüung' buixfjaud nickst ablehnend g:-gearül>er, töimen aber nicht verfehlen, daß uns von Zuichauer>i des Gau­tages abfällige Bemerkungen zugegmigen sind. In- wieweit diese ihre Berecka'.igmig feben, kommen wir nicht feststellen.

Lebensmittel.

** Käse-Derteiluna. Ab Toamerstaa bis einschließlich Samstag rtelangi in verschicbe- nen Geschäflen Käse zur Verteilung. Si^he Be­kanntmachung.

**Saatkartossel-AuSgabe. Tieb.inr Stäbtisckvn Lebensmitlelamt teftcllten Saatkar- tosfeln (Frühkartoffeln) lönneal am Tonnerstag am Lager der Vereinigteii Getreidehäiidler an ter Margaretenhütte abgeholt iverbat. Ter Preis poo Pfund beträgt 15 Psmiüg.

** Warum gibt es so wenigZucker? Tie Erzeugung von Zucker ist im Krieg von bei­nahe 17 Millionen Tonnen im Jahre 1913/14- auf noch nicht 8y2 Millionen im lausenden Ernte­jahr zurückgegangen. Ter gewonnene Sto^urfcr ging vo» mehr als 2Vz Mlllionen Toitnen auf Ist, Millionen zurück. Berücksichtigt ist dabei schon ber Ausfall ber Provinz Pofen mit etwa 10 Proz. Ter Rückgang ist seit dem Waffensttflstand durch den Mangel an Lokomotiven, Kohlen unb Arbeits­leistungen bedingt. Die Rübenernte konnte viel­fach nicht ganz eingebracht werten, bie Rüben nicht alle verarbeitet werten. Tie Herstellung von Munition hat im letzten Jahre nur 65 000 T. betragen. Heer und Marine hatten 266 000 Ton­nen beam'prucht, die jetzt den Gmtiaffeiten zu kom­men. Man hofft zwar, die Ration nicht ferab- setzen zu müssen. Einmachzucker kann jedoch nicht in Aussicht gestellt werten.

Giesberts glaubt, eine Voraussetzung für 1 lerroerfe beschloß in ihrer heutigen Versammlung, dieses Programm sei, daß die Völker von der die Arbeü Steter aufzmrehmen.

sozialen Idee erfaßt werben,daß an-i *

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General-Anzeiger für Oberhefsen

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