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«Bent). Er hatte sich eines zahlreichen Besuches zu erfreuen. Frau Geheimerat Sievers, die Vorsitzende des Vereins, eröffnete den Abend und wies darauf hin, daß die Elternabende den Zweck verfolgten, ein Hand-in-Hand-Gehen des Hauses mit dem Kinder­garten oder Heimgarten zu erreichen. Sie erteilte Frl. Burgheim, Lehrerin all Fröbel-Seminar, das Wort zu ihrem Vortrage:Welchen Einfluß hat die gegenwärtige Zeit auf die Erziehung unserer Kinder?" Der Grunogedanke war: Wer erziehen will, muß ständig sich selbst erziehen, muß bemüht sein, seine eigenen Fehler abzulegen. Nur dann können die Lehren und Ermahnungen eines Erziehers erfolgreich sein. Ein Beispiel dafür gibt uns die gegenwärtige Zeit mit ihrer starken Verwahrlosung der Kinder, die in der großen Zahl der Fürsorge-Zöglinge eine traurige Bestätigung findet. Diese ist 4-5 mal so groß wie vor dem Kriege. Der Grund dieser Ver­wahrlosung ist nicht allein darin zu suchen, daß die straffe Hand des im Felde weilenden Vaters fehlte, die Hauptschuld trägt die große Maffe, die das schlechte Beispiel gab. 3n ihrer Schlußrede betonte Frau Sievers besonders den Wert der religiösen Er- ziehung. Am eigenen Herzen beginnend, sei sie ge­rade in der heutigen Zeit für das Kindergemüt un­erläßlich. Mit sichtlicher Aufmerksamkeit wurden die Ausführungen der beiden Nednerinnen entgegen­genommen. Es wurde beschloßen, weitere Eltern» abende abzuhalten, in denen wichtige Erziehungs­fragen behandelt roerben, daneben aber auch etwas Unterhaltung durch Besang und Deklamation ge­boten werden soll.

Landkreis Gießen.

Steinbach, 23. Jan. Morgen sind es 25 Fahre, daß der Milchhändler Anton Reuschling sein Milch­geschäft betreibt und seit dieser Jett bei Wind und Wetter ununterbrochen nach Gießen fuhr, um pünkt­lich seine Kunden zu bedienen.

up. Vom Lande, 22. Jan. Wenn man letzt die Listen der Wahlberechtigten mit der Zahl der Nichtstimmenden vergleicht, so muß man erstaunen, wieviele nicht gewählt haben. Sicher sind es aus dem Lande die bejahrten J-rauen, denen es gar mid)t in den Sinn wÜl, wozu sie den Stimmzettel abgeben sollen, und die von der Bedeutung der Wahl nickfts verstehen. Es gibt aber auch eine An­zahl männlicher Personen, Die sich in die neue Zett tnidjt finden wollen und so ihren Mißmut durch Fernbleiben von der Wahl bekunden.

Starkenburg und Rh-inhefsen.

= Mainz, 21. Jan. Bei Budenheim schlugen die Franzosen eine dritte Schiffsbrücke über den Rhein. Die Einweihung der 600 Meter langen und strategisch wichtigen Brücke fand unter (Entfaltung reichsten Ge­pränges statt General Mangin wohnte der Feier an Bord des KanonenbootesArgonne" bei.

= Dingen, 21. Ian. Die französische Militär­verwaltung des Kreises Bingen hat angeordnet, daß in allen Oberklassen der städischen und ländlichen Volksschulen des Verwaltungsbezirks Bingen wöchent- lick drei Stunden französischer Unterricht zu er­teilen ist. Es ist zu erwarten, daß die deutsche Waffen- stillstandskommission gegen diesen neuen bezeichnenden Uebergrijf des französischen Militarismus alsbald die schärfste Verwahrung einlegen wird!

Kreis Wetzlar.

Wetzlar, 22. Jan. Auf dem Bahnhof Garbenheim wurde der Rangierer Friedrich Zent­graf von den Puffern zweier Eisenbahnwagen totgedrückt.

wo. Wetzlar, 23. Ian. Aus dem Kiosk an der Ueberführung sind eine Anzahl halblanger Holzpfeifen and Mutzpfeifen, Taschenlampen und hölzerne Iiga- rettenspitzen, sowie ein Karton rot verpackter Toilette- seife mit der AufschriftPiver Paris" gestohlen wor- den. Am Montag früh sind mit dem Zuge 5,10 Uhr sechs verdächtige Leute nach Gießen gefahren, welche Säcke mit sich schleppten unb zwar vier Soldaten und zwei Zivilisten. Zweckdienliche Angaben erbittet das Polizeibureau Wetzlar.

--- Altenkirchen, 22. Jan. Der Metzger­geselle Heinrich Schaub hantierte auf einem Spazierwege mtt einem Revolver. Die Waffe ent- titb sich und tötete den jungen Mann auf der Stelle.

ra. Königsberg, 22. Jan. Auch auf unserer Höhe ist der uralte Bergbau wieder in Angriff ge­nommen worden. Die vielen Schlackenhalden und die ausgedehnten Bingengänge beuten auf bie ehe- maligen Grubenbetriebe hin. Die NamenEiserne Hand',Eisemroth", 3fie scheib", Schmelzmühls" und Schmitte" sinb älter als jede geschichtliche Heber- lieferung. 3n Körben auf Pferde- unb Eielsrücken mußte ehedem der hochhaltige Roteisenstein von Königsberg nach den Ufern bet Salzdöbe gebracht werden, wo bie bortige Schmelzhütte seine weitere Verarbeitung vornahm.

Hesftn-Ntlssau.

mr. Frankfurt a. M., 22. Jan. Der Ma­gistrat wird für den Bereich der Sladt Frankfurt einStädtisches Rech ssrrcdeitSamt" gründen. Dieses wird gebildet von 2 Magistratsmttglie- dern, dem Am S.'orsteher und vier Bürgern, von welchen zwei Stadtverordnete sein müssen. Das neue Amt soll sämtliche Aufgaben der bisherigen Rechtsauskunftsstelle übernehmen und wrtterhin den Versuch der gütlichen Einigung mit dem Gegner betreiben, den Versuch machen, Strafsachen, zu denen ein Antrag auf Strafverfolgung erfor­derlich ist, gütlich beizulegen, schicdsrichterlickx Entscheidungen übernehmen und schließlich Sanie- rungSfragen bearbeiten.

mr. Frankfurt a. TI., 22. Ian. Am heutigen Tage wurde eine Automobilomnibusverbinbung nach Darmstadt eröffnet. Der Wagen fährt 1* , Slun. den. Der Fahrpreis beträgt für bie einfache Fahrt 9,50 Mark.

Frankfurt, 21. Jan. (WTB.) DerTemps" meldet, daß das Madagaskische Bataillon Oppen- heim am Rhein beseht hat.

0 Marburg, 22. Jan. Daß das hiesige aktive Jägerbataillon im Kriege schwere Verluste erlitten Hal, zeigt folgende jetzt veröffentlichte amt- liche Zusammenstellung: Cs standen im Fe'de 62 aktßoe Cf z re. 87 O iz ecc H''e r au.ncnsta' des und 6486 Mannschas.en. Von diesen smd ge­fallen 20 aktive Oimiere (32 Proz.), 17 Offiziere des Beurlaul tensland s (191/» Proz.), 1172 Mann­schaften (18 Prozent,. Vermißt werden 3 aktive Offiziere (4,8 Proz, 4 Offiziere des Beurlaubten­standes <4.5 Proz.', 617 Mannsclraftcn ein schließ lich 230 Kriegsgefangenen (9,5 Proz.). Verum nd-t würben 22 auioe Offiziere (35,5 Proz.), 39 Offi­ziere bev Veurlaubtenftairdcs (44,8 Proz.), 2636 Prännschafien (40 Proz.). Tie Gesamtverlnstc be- tragen demnach 4530 Mann (68,25 Proz.).

Gielzcncr Tänzer tvcrein.

Gießen, 23. Januar 1919.

Daß auch in diesen Jetten des tobenden Wahl­kampfes eine Stunde geistiger Sammlung einem starken Bedürfnis entgegenkam, zeigte das ausverkaufte vierte Wi'tterkouzerl ces Konzertvereins gestern abend in der Staothudje aufs neue. Herr Organist Arno Land­

mann-Mannheim unb Frau Kammersängerin Anna Kaempfert-Frankfutt wetteiferten miteinander, ihr Bestes zu geben unb hatten ein interessantes Pro­tz amm zusammengestellt, bei dem neben Dach unb Mozart auch bie Produktion der Gegenwart Berück­sichtigung gefunden hatte.

Einleitend spielte Herr ßanbmann zunächst Bachs Toccata und Fuge D-moll, klar im Ausbau und geschmackvoll registriert von den oft etwas sehr kräftig hervortretenden Bäffen vielleicht adge- sehen. Besonders wohltuend wirkten bie breit ge­nommenen Zeitmaße, die auch der anderen Orgel­nummer, Pasiacaglia und Doppelfuge in C-moll den rechten Zug ins Grandiose verliehen. Mit Nr. 5 endlich, Max Regers überaus schwierigem Daria« tionenwerk op. 73, erwarb er sich bas Derbienst, uns mit einer wenig bekannten, einbrucksvollen Arbeit aus des Meisters mittlerer Schaffensperiode bekannt gemacht zu haben, einem Werke, das an die Hörer außerordentliche Anforderungen stellt unb in seinen einzelnen Teilen oft noch ben Charakter bes Kämpfen­den, Suchenden trägt, vielfach auch, hinsichtlich der plötzlichen Uebergänge und harmonisch mobulatorischen Freiheiten ben bes Unausgeglichenen, Sprunghaften nicht verleugnen kann. Das hübsch erfunbene Thema zeigt sehr einfache Struktur unb tritt zubern mehr­mals auf, so daß es sich auch dem mit Reger weniger Vertrauten leicht einprägt. Anbers bie Variationen. Hier geht Reger wohl bis zum Aeußersten, unb wir erleben ein echt Regerisches Gewitter: Die entfeffelte Orgel entfaltet alle Möglichkeiten vom leichtesten Winbeshauch in ber Aeoline bis zum brausenden Orkan bes vollen Werks. Heroorzuheben wären be- sonbers Variation 4 unb 5, schließlich auch bie Fuge, in ber Reger als vollenbeter Meister vor uns steht unb bem Werk einen sieghaften Abschluß gibt.

Die Solistin bes Adenbs, Frau Anna Kaempfert, fang mit feiner Kultur unb innerlichem Ausdruck, stimmlich anfangs nicht ganz auf derHöhe, zunächst zwei Bach sch e Arien. Bachs Kirchcnar en sinb bekanntlich sehr schwer zu fingen unb bie Sopranpartien wohl innerhalb biefes Gebiets bas Allerschwerste. War so ber Einbruch zunächst noch kein abgerunbeter, ben 3nhalt vollerschöpfenber, so kamen Mozarts herrliches Et mcarnatus est unb in noch erhöhtem Maße bie vier kleineren Lieber weit bester zur Geltung, bie ben Schluß bes genußreichen Abends bildeten, von denen namentlich Seyboths klangschönes Gebet, worin sich antikisierender und moderner Stil glücklich die Wage hält, und Göhlers triumphierendes, in feiner ur­wüchsigen, flüssigen Melodik an Bach und Mahler zugleich gemahnendes Hirtenlieb als wertvoll ge­nannt seien.

Auch als Begleiter zeigte Herr Lanbmann in Spiel unb Registrierung eine glückliche Hand unb erwies sich mit Rr. 6b als Komponist von ausge- sprachen volkstümlichem Empfinben und leise anklin- genbem impressionistischen Einschlag. Dr. G. R.

Vie ©rganiiation des hessischen Medizinalwesens.

Herr Professor Dr. Sommer in Gießen schreibt uns:

Durch die Verfilmung vom 14. November 1918 hat Herr Ministerpräsident Ulrich im Einvernehmen mit dem hessischen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat eine neue Regie­rung von 7 Mitgliedern gebildet', die außer dem Staatsminister, der zugleich Minister des AeuHeren ist. aus den Direktoren der folgenden 6 Ministerialabteilungen besteht: 1. Inneres, 2. Justiz, 3. Finanzen, 4. Bil­dungswesen, 5. Landes-, Arbeits- und Wirt­schaftsamt, 6. Laudesernährungsamt. Diese 7 Ministerialvorstände bilden das Staats- m i n i st e r i u m und fassen in diesem Be­schlüsse nach Stimmenmehrheit. Die Verord­nung vom 15. März 1879 betreffend die Organisation der obersten Staatsbehörden wurde gleichzeitig aufgehoben. Nach dieser gab es neben dem Staatsminister 3 Ministe­rien, nämlich 1. Justiz, 2. Inneres, 3. Finan­zen. Diese sind jetzt zu Ministerialabtei­lungen geworden, andererseits sind die unter 46 genannten als koordinierte Be­hörden binMgekommen. Eine selbständige Mi- nisterialabteilung für das Medizinal- wesen ist nicht genannt. Offenbar ist die bisher vorhandene Ministerialabtcilung für öffentliche Gesundheitspflege bei dem Ministerium des Innern als Unter- Abteilung geblieben. Das Medizinal­wesen sollte jedoch ttadji meiner Ueberzeugung in der Republik Hessen endlich aus den bisherigen Schranken befreit und als gleich­wertige staatliche Organisation neben der Justiz, dem llnterrichtswesen und den an­deren genannten anerkannt werden. Der bis­herige Zustand, daß ein N i ch t m e d i z i n e r die Leitung der Ministerialabteilung für öffentliche Gesundheitspflege hat, ist ein Rest des ancien rSgime und muß m. E. in der Republik Hessen möglichst bald beseitigt werden. Das Medizinalwesen muß von einem Arzt geleitet werden, und zivar einem solchen, der den vielen neuen Anforderungen in die­sem Gebiet gewacUen ist. Bor allem kommt hier Kenntnis der im ^Vriege verbreiteten Volkskrankheiten sowie das erweiterte Gebiet der Sozialhygiene in Betracht.

Nun ging vor einiger Zeit eine Nach­richt durch die Presse, daß von dem hessischen Arbeiter-, Bauern nnb Sotdatcnrat ein be­sonderer Gesundhcitsrat eingerichtet sei. Wie sich diese Einrichtung zu der Abteilung für öfsentlick-c Gesundheitspflege verhält, ob diese damit unter die Kontrolle des genannten Ra­tes gestellt ist, ober ob beide Einrich­tungen nebeneinander funktionieren, blnbt dahingestellt, jedenfalls ist es zu begrüßen, daß damit die Re­form der bisherigen Einrich­tung in Gang gekommen ist. Ich be­trachte also die Steuerung als Uebergang zu einer wirklichen Reform des Medizi- nalwesens in der Republik Hessen tmd meine, daß diese Reform am besten im Einvernehmen mit der bald zusammentreten­den hessischen Nationalversammlung erfolgen wird.

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Rcligionsgemeinbe. Gottesdienst in der Synagoge l Süd-Anlage). Samstag, 25. Fair.

Letzte Nachrichten.

Aus ben Verhandlungen in Spaa.

Berlin, 22. Jan. (WTB.) lieber die wäh­rend der Trierer Verhandlungen unterbrochenen Vollsitzungen der, Internationalen Wafsenstill- saws-oinmiffon in Spaa werden jetzt nach Abschluß des neuen Waffenstillstandsvertrag.'s wieder eingehendere Meldmtgen übermittelt.. Dem Bericht über die Sitzuna am 20. Januar ist fol­gendes zu entlehnen: Auf den deutschen Pro.est gegen die Verle-iduna vo.i oragebogen an die deutsche Industrie im besetzten Gebiet, in denen die Entente Angaben übet die Einrichtung und den Betrieb der Fabriken fordert, antwortet Foch: Angesichts der Maßnahmen, die die deutschen Militärbehörden während der Besetzung Belgiens und Nordfrankreichs getroffen hätten, erübrige sich eilte Erwiderung. Das Ersuchen der beutfeben Kvmmi son um freien Br^es-, Teleg aphen- und Telepbi-nverkehr im besetzte:: Rltein^eviet wird mit der Begründung abgelehnt, diese Frage betreffe ausschsseßlich die Sicherheit der Bcsatzungsttupvcn. Der deutschen Kommission sind zahlreiche Nach­richten über eine ungewöhnlich harte Behandlung des Generalfeldmarschalls Mackensen zuge­gangen. Der deutsche Vorsitzende erklärt, er könne nicht annehmen, daß eine derartige Behandlung eines tapferen Heerführers, welcher reicht als Kriegsgefangener in die Hande der Franzosen fiel, den Abssch:en des alliierten Oberkommandos emspreche. Er bittet um baldige Aufklärung. Der Vorwurf der Alliierten, die deutsche Wafsenskill- standskommiftion erhebe zahlreiche unbtgründete Beschroerden, wird deutscherseits in einer Protest- itotc entschieden zurückgewiesen. Die deittsche Kom­mission u^ift darauf hin, daß ihre Arbeit durch die Unterbindung des Verkehrs zwischen dem be­setzten und dem unbesetzten Gebiet, die ohne jeten militärischen Grund imb entgegen dem Sinne des Waffenstissstandsvertrog s lot genommen wurde, außerordeMlich erschoert werde.

Dit militärischen 9lcuregdnngcn.

Berlin, 22. Ian. (WB3 Wir werben von mili­tärischer Seite gebeten, zur Beseitigung von Zweifeln ausdrücklich barauf hinzuweisen, baß bie vomKriegs- ministerium erlassenen Bestimmungen über bie Neuregelungen ber Kommanbogewalt, bie Rang­abzeichen unb bie Grußpflicht keine Anwendung auf bie im mobilen Iustanbe befinblichen Freiwilligen-Der- bänbe für bie Heimat unb ben Grenzschutz findet. (Es bleibt für diese Verbände bei ben bisherigen Bestim­mungen.

Ein Protest desZentralrateS*.

Berlin, 22. Ian. (WB.) Der Ientralrat ber deutschen sozialistischen Republik hielt am 22 Januar Zwei Sitzungen ab. lieber ben Beschluß ber Volks« beauftragten, bie Nationalversammlung in Weimar tagen zu lasten, würbe längere Jett beraten. Nach ber Meinung bes Zentralrates ist bieser Beschluß von seiner Zustimmung abhängig. Es wurde beschlossen: Der Ientralrat erhebt Einspruch gegen bie Festsetzung des Tagungsortes für bie Nationalversammlung, ohne daß bem Jen« tralrat Gelegenheit zur Mttberatung gegeben würbe. Am Schlüsse der Beratungen beschloß der Ientralrat, die Volksbeauftragten zu ersuchen, auch von sozialistt- scher Seite einen Derfastungsentwurf ausarbeiten zu lasten unb ber Nationalversammlung als Material zu übergeben.

Die Maßnahmen für die LtbenSmittelversorgnng.

Paris, 2. Januar. (WTB.) Havas. Der Oberste Alliiertenrat für die Lebens­mittelversorgung hielt unter dem Vorsitz von Hoover am 21. Januar eine Sitzung ab. Der Rat stimmte dem Vorschlag auf Schaffung von Versorgungskommissionen der alliierten Re­gierungen, unb zwar in Trier, in Bukarest, in Konstantinopel und in Polen zu. Nach Anhörung eitles Berichtes über die kritische Lage in der Ver­sorgung Polens beschloß der Rat, an Marschall Foch einen Brief zu senden und ilm au ersuchen, sofortige Maßnahmen nach den Klauseln des Waf- fenstillstandes zu ergreifen, um über Danzig der Bevölkerung die notwendigsten Lebensmittel zu­kommen zu lassen. Es wurden Maßnahmen ge­troffen zur Versorgung Finnlands imb zur Kon­trolle, ob Deutschlanb seine Verpflichtungen für bie Versorgung der russischen Kriegsgefangenen erfüllt.

Aeaßcrnnsten des früheren amerikanischen Botschafters Gerard.

Newyork, 22. Ian. (WTB.) Havas. 3n einem Dortrage im 3nftitut ber Künste in Brooklyn erklärte der frühere Botschafter ber Vereinigten Staaten in Berlin, Gerard, Deutschland mäste ge­zwungen werben, ben Schaben, ben es verursacht habe, bis auf ben letzten Heller zu bezahlen. (Es habe keine rechtlichen Grünbe für den Einfall in Belgien gegeben. Am 10. August habe ihm der deutsche Kaiser erklärt, daß man aus strategischen Gründen in Belgien einmarschieren mäste. Er glaube jedoch nicht, daß Deutschland in der Lage sei, eine so beträchtliche Entschädigung zu bezahlen, wie sie von den Blättern _ gefordert würde Deutschland könne nur in ben Völkerbund aufgenommen werden, nachdem es für das von ihm angerichtete Unheil Sühne geleistet habe. Der frühere deutsche Kai. ser mäste vor einen Gerichtshof gestellt werden. Berschiirftcr BclagcrnngStnstand in Hamburg.

Hamburg, 22. Ian. (WTB.) Heute abend um 8 Uhr wurde der verschärfte Belagerungs. zustand in Hamburg durch die Polizeiorgane be. hanntgegeben Die Theater und die Gastwirtschaften mußten schließen, lieber bie Dauer bes verschärften Belagerungszustanbes wirb je nach Lage befunden Ein ftrenger Befehl des Solbatenrats orbnet an, daß aDe Schußwaffen innerhalb 48 Stunden abzugeben

Wer später im Besitz von Waffen betroffen w'rd, verfällt dem Standrecht. Auch Personen, die Kenntnis davon haben, wo Waffen sich befinden unb hetne Anzeige erstatten, setzen sich strenger Desttafung

Weibern Einschränkungen im Eijenbayn- verkeftr.

.?e rl in 22 Inn. MLV. Amtlich.) Ob- wohl der Verkehr der Perwnen- und Schnellzüge schm brSher zum Nachteile aller, die auf die rntVwip der Er enbahn angennesen, überaus stark eingeschränkt mar so sieht sich di- Staatsfrsml- baw-.r» ri^rltung doch qe'wu'rgen, a->ermals mit wcNeren empfindlichen Einschrän- kungen t m Personen- und Schnell- zugsverkehr vorzugehen. Sie treten bereits

Dorabd.': 5; morg.: 9 Dred.; abds.: 5.20 u. 6. I Israelitische Neligionsgesellschaftt Labbattercr am 25 Jan. Freitag abd. 4.45; Samstag Dornt. 8.30;

nachm. 3.30; Labbatausg. 6.00; Wochengottesd.: morgens 7.00 und abends 4.30.

am 23. Januar in Kraft. Vom 23. Januar ab werden im ganzen Deutschen Reiche kaum nocy ein Dutzend Schnellzüge verkehren. Der Grmrd dieser schvercn, für das gaitze JÄirtschaitSlcben Lrßerst nuchtcttigen Maßnahme ist in erster Linie die unaufhaltsame Al-gabe leistun s älizer ttoko- mo.ioen an die Ententemächte. Außerdem erhöht sich die Zahl schidhaftcr Lolomoliocn inwlge ge- rttigerer Arbei.s.-i'LUngen ber Werkstätten stetig- Die Menge betriebsfähiger Lokomotiven und.Wa­gen irinimt von Tag zu Tag in erschreckender Weise ab. Erne Besserung der wirtschaftlichen Verhält­nisse ist nur möglich, roenn die (£ntcittemäd)tc tei Ucbcrnahme der Betriebsmittel billige Rücklicht nalten lassen und wenn die A r b e i t c r s ch a t t in dm Reparaturwerkstäcken die WüiXlhcrilellunz der schavhaften Lokomotiven mit allen Mitteln betreibt.

Ein Umschwung in Elsaß-Lolhringtn.

München, 22. Jan. (WTB.) Vom Ausschuß der elsaß-lothringischen Autonomistenpartci geht uns folgende Darstellung ber Verhältnisse in Elsaß- Lothringcn zu: Der Umschwung in Elsaß- Lothringcn ist, was wir schon lange sahen, bereits eingetreten. Wir erhalten aus Mülhausen (Elsaß), der Hochburg des F-ranzosentums, folgen* den kBerickst: Am Montag bildete sich in Mülhausen ein Dcmonstrationszug, meistens Arbeiter, bie mtt schw arz-weiß-ro ten Fahnen durch die Stabt zogen. Sie sangenDeutschland, Deutschlanb über alles" und bieWacht am Rhein" sowie ,Lch bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben" und zogen nach bem Rrthause. Dort wollten sie die Trikolore herunterholen. iFnmer erschollen folgende Rufe:Bive l'Allc- mamie! Vive la prusse! ... la France!" Militär mußte einschreiten, es wurde sogar geschossen. Leute, bie sich cinbilbeten, baß ihnen durch die französische 'Herrschaft der Himmel voller Baßgeigen hängen würde, sind somit bereits schwer enttäuicht und er­bittert. Tie Maßnahmen, die die Franzosen trafen, müssen zu einer Katastrophe fuhren. Für die Arbeiter und die unteren und mitt­leren Volksschichten wird in Frank­reich sehr wenig getan. Man lese nur die französischen Zeitungen, um Einblick in das große Elend gewisser Gebiete und Volksschichten zu er­langen. Die Volksabstimmung wird er­weisen, daß die erdrückende Mehrheit hinter unü steht und die Autonomie unter irgendeiner Form ersteht.

Zuriicksttlüffenks Mobiliar in Elsaß-Lotbringen.

Berlin, 22. Ian. (WB.) Auf zahlreiche An­fragen bezüglich ber Rückgabe bes Mobiliars der Beamten aus Elsaß-Lothringen wirb in Ergän­zung der Mitteilung vorn 2L. Dezember 1918 von ber Waffen stillstandskommission bchanntgegeben, baß nach einer Erklärung Fachs die Rückgabe bes Mobiliars ber aus Elsaß-Lothringen ausgewiesenen ober geflüchteten reichslänbischen Beamten erst bann erfolgen kann, wenn ber normale Del kehr mit bem rechten Rheinuser w.eber hergestellt ist unb zwar nach Maßgabe ber bann zur Verfügung stehenden Trans­portmittel.

(Eine internationale Gewerkschafts bewegnng der Entente.

London, 22. Jan. (WDB.) Router. Die Besprechung zwisck>en dem Parlamentär schen Aus­schuß der englischen TrabcS lliiiiy.L^ und ber Vev- tretung der amerikanischen Arbeiter über die Ein­ladung ber letzteren d.tcr Konferenz und über die Einleitung einer internationalen G e w e r k s ch a s t s b e w c g u n a hat mit ber An­nahme der Einladung und ber Wahl von fünf eng­lischen Vertretern, nämlich Tkwrne. Ofions, Bo­werman, Öfoä.i.tg und Lalker, dem Vorsitze nden dcS Landarbeiterverband-.S, g-vnbigt. Eine weitere Be­sprechung zwisckicn englischen, amerikanischem unb französischen Vertretern wird in den nächsten Tagen in Paris stattfinden.

Amerikanisches Kapital in Italien.

'Bern, 22. Ian. (WTB.) Der ttal enisch-arnerk« konische Verein, zu besten Ehrenvorsitzenden CufelN, Crispi und Nitti gehören, beabsichtigt nach einem im , (Torriere della Sera" veröffentlichten Programm bie Inanspruchnahme bes amerikanischen Kapi­tals für bie italienische 3nbustrie unb zur Aus­beutung ber Wasserkräfte unb Dobenschätze in Italien unb seinen Kolonien.

Trotzki gefangen?

Ctbau, 22. Ian. (WTB.) Estland unb Nord« liölanb sinb nunmehr burch das tatkräftige (Eingreifen finnischer Freiwilliger fast vollständig von bolsche­wistischen Truppen gesäubert worben. Zuletzt wurden Hungerburg unb Narwa genommen. In Narwa soll, außer zahlreichem Kriegsmaterial, Trotzki in die Hänbe ber Angreifer gefallen sein. Durch bas Bor­bringen ber Esten in ber Richtung Walk sind bi« rückwärtigen Berbinbungen ber in ber (ßegenb Riga stehenben bolschewistischen Truppen gefährdet. Trotz­dem ist Libau noch ernstlich bedroht. Die Bolsche- wisten lallen zahlreiche Personen hingerichtet haben

Amtlicher Teil.

Betr.: Die Wahlen zur verfastunggebenden Bolks« Kammer der Republik Hesten.

An den £ttrlnhg?mtrifrcr zu Gießen und die Vürgermeistcrcien der Landgemeinden des Kreises.

Die Wahlbezirke, Wahllokale unb Wahlvorstehe, und Stellvertreter sind di.selb n wie bei den Wahlen Zur verfastunggebenden deutschen Nattonaloersamm- lung. Sie wollen dies ortsüblich dekanntmachen lasten.

Gießen, ben 22. Januar 1919.

Kreisamt Gießen.

I. B.: Welcker.

Bekanntmachung.

Während der letzten 7 Wvch.u sind fast täglich in allen Okgcnben i>?3 Bereichs des XVIII. A-K so große Mengen Pferde oerft- ijert worden, datz eme ganze Anzahl unter dem Preise verkauft worden ist. ^cder, der Pf.-r^e kaufen wollte, hätte in dreier Zeit ,'einen Bedarf decken können.

Das Generalkommando kann hinfort weder Berftfigenmgeii noch Einzelverkäufe vornehmen, da cne noch vorhandenen überzähligen Pferde in die Geg-:nden Mittel- und Ostdeutschlands ab­befördert werden müssen, in denen größer» r Pferde» manM-l herrscht.

Eine R-.i e der Käufer nach Bad-Nauheim, um beim Generalkommando persöul ch vorstellig zu n»erden, ist daher nutzlos und wird allen Käufern abgeraten.

Bad-Nau he im, 18. Januar 1919.

Von teiten d-.s Generalkommandos:

Ter Chef des Generalstaves. Wetzell, Oberstleutnant. Der Soldatenrat: Kremfer.