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Der viehener Bitytgn erscheint täglich, anver Sonntags. - Beilaaen: Siebener ^amilieublütter;

Kreslklt für den Kreis Sieben. Btjngsprds: monarl.Rik.1.35, viertel- jährlich Mk. 4.05 . biud) Abhole- u. Ziveiqstellen monatl. Tlf. 1.25: frurcfi die Post Pik. 4.05 viertel» jährt, ausscht. Be stetig. tKcrnfpred) - 9tnschliisse: iürdieSchriitieit»lng112 Vkilag,(tzeschäistsstelle51 Anschrift für T rahtiiach- rtchten. Anzeiger Sieben.

169. Jahrgang

Donnerstag, 23. Zamar 1919

BietzenerAWiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Zwlllingrrunddruck u. Verlag: vrühl'fche Univ.-Vuch- u. Steindruckeret R. Lange. Zchriftleltung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Zchulstr 7.

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Vie neue Keichsversassung.

Die Berliner Bolksregierung hat, obwohl sie nicht weiß, inwieweit die Wahlen zur Na­tionalversammlung ih-.e Zu'ammensctzuug än­dern werden, es sich nicht nehmen lafsen, um­fangreiche Vorarbeiten für die Aufgaben der Natioua versammlung in Angriff zu nehmen. Dazu gehört der vorläufige Entwurf einer- künftigen Reichsverfassung, über den am kom­menden Samstag die einzeistaatlichen Vertre­ter in Berlin zu beraten haben iperdcn. Die Regierung betont dazu ausdrücklich, daß die Bundesstaatsrertretcr keine bindenden Be­schlüsse zu fassen haben, sondern daß die Na­tionalversammlung die Entscheidung behält. Diese Entscheidung ist näher gerückt, nachdem nunmehr auch der Tagungsort der National­versammlung festgesteltt worden ist. Die Ne­gierung hat ihn, süddeutschen Wünschen ent­sprechend, nach Weimar verlegt, Ivo gegen bisher nur Proteste einiger Berliner Blätter laut geworden sind. Das Berl. Tageblatt .äußert sich am schärfsten gegen diese Kaltstel­lung Lier Reichshauptstadt, aber seine Argu­mente werden zum größten Teil verblassen, wenn es untersucht, ob es für den bisherigen Bestand Preußens und alle davon abzulciten- den Vorzüge Berlins nachhaltig eintreten kann. Das Blatt würde sich dann in Wider­spruch mit unabänderlichen Tatsachen und Notwendig leiten setzen. Denn von Preußen werden zweifellos große Teile abfatlcn, und der vorliegende Entwurf zur Reichs- Verfassung faßt dies auch sehr be­stimmt ins Auge. Ob Berlin sodann die künftige Reichshauptstadt bleiben kann, wird keine Entscheid ungsjache lokalpatriotischer Wünsche, sondern vielfältiger politischer Er­wägungen sein müssen, denen wir mit un­serem Urteil nicht vorgreifen wollen und können. Jedenfalls ist es recht verständlich, daß man dem Spartakistenkefsel Berlin für die nächste Zukunft nichts gutes Zutrauen wollte. In Weimar wird wenigstens Ruhe und Ordnung gesichert 'sein, und es heißt, daß auch die ausreichende Zahl von Wohnun­gen sowie von Hilfsmitteln für die Bewäl­tigung erheblicher Verkehrsersordernisse be­schafft werden könnten.

Was den Inhalt der erwähnten Denk­schrift anlaugt, so hat der Staatssekretär des Innern, Dr. Preuß, in einer Besprechung fol­gendes daraus l-ervorgehoben:

Der Entwurf hält an der Existenz von Einzel- ftaaten fest.

Die bisherige föderative Gestaltung des Rei­ches gestattete Lockerungen nach manck>er Richtung hin weil die preußische Hegemonie das feste Rück­grat des Zusammenhalts nach außen und vielfach auch nach innen gab. Die preußische Hegemonie war stärker, als sie oberflächlich erschienen ist. Es ist Nun Tatsache, daß diese Herrschaft abge,ck)afft ist und nach menschlichem Ermessen nicht mehr so schnell erstehen wird. Das Reich muß die Vor- imachtstellung übernehmen. Die Vormachtstellung kann nicht dadurch ausgeübt werden, daß die Be­fugnisse des Reiches auf die 'Einzelstaaten sich er- ftreckeu. Viele Richtungen sähen es lieber, wenn es umgekehrt werden würde.. Das würde mit dem Untergang und dem Zerfall des Reiches enden. Wenn es Preußen nicht mehr möglich ist, die Neichseinheit darzustellen, so muß der, Zusammen­halt anderswo gegeben werden. Das schließt nicht aus, daß innerhalb der Einzelstaaten durch die Ver­hältnisse die Möglichkeit gegeben wird, s i ch.1 e l b- ständig nach Stämmenundnach Eigen- art der Landschaft zu gruppieren, ^n der neuen Reichsversassung gibt es nicht mehr eine preußische Hegemonie, sondern den herrschenden Reichsgedanken! .

Es wird viel wegen einer territorialen Neu­gestaltung Deutschlands gesprockien. Der Versai- sungsentwurf selbst enthält feine neuen Aufteilnngs- plän?. Er enthält aber.Wtiinnuingen, die die Mög­lichkeit einer Neugestaltung vorsehen. Aul der einen Seite ergibt sich, daß die kleinsten Staaten sich zu lebensfähigeren Staaten ausbaueii können; dazu brauchen sie aber meistenteils, preußisches Gebiet. Demnach wird die Frage Preußen allein schon Wichtig. , _ ..

Das Selbstbestimmungsrecht muß bte no.ige Umgestaltung veranlassen. Die Reichsvcrsasiuug kann mir die Gelegenheit dazu geben. Die Emzcl- staateu werden nicht davon abgehen, in d'r Reichs- Verfassung in Ersck>einuiig zu treten. Es hanoelt sich dabei um zwei Möglichkeiten, entweder bildet mein d-.i Bnndesratssystem aus oder man errich et ein S t a a te n hau s s y ste m. Im Biui- deSratssystem treten die einzelnen Staaten ans durch bevollmächtigte Beamte, die an bestimmte Absttinmungsweismigeu gebunden sind' iin Staa- benbauschstem aber bekommen wir auf parlamcn- tarisch.r Grundlage Persö.ck chler en, die auf Grund freier Ueberzeugung ihre Entscheidungen tressen. Der Deutsche R c i ch s ve r s a s s u n gse u t- tour f entscheidet si ch für bte- Staa ten- hauss orm. Er tut das, so er Härte Dr. Proust, un Jiiteresje her Einzelitaaden selbst. Die Einzel- ftoaten haben nämlich großes Jntereise, an der Reichs^etzgebung beteiligt zu, sein. Es ward mi- mögsich c u, ein Kollegium so instruierter Beamten dem Reick>swge gleich zu stellen, weil bieser ta aus brrdten Wahlen des Voltes hervorgeht. Selbst das StaatciihauS wird nicht nnangeii-chten binden.

es ist aber zu rechtfertigen irnb vertreten. Vundesratssystem und Parlamentarismus schlie­ßen sich gegenseitig aus.

Wir erlitten einen parlamentarischon Reichs­tag mit der Regierung verknüpft, deshalb.ist auch das Bundesratssystem nicht mehr zu h-alten. Der Einfluß der Einzelstaaten soll aber auch dadurch gehoben werd.n, daß Sachverständigenkommissionen berufen worden, die dor Reichsregierung zur Seite stehen.

Weben dem Dolkrshaus, das die aus dem Volk unmittelbar gewählten Vertreter umfaßt und dem Staatenhaus, das dem parlamentarischen Bundesrat entspricht (beide zusammen bilden den Reichstag) wird der Reichspräsident stehen, der in der Art seiner Wahl etwas mit dem amerikanischen Präsi­denten gemeinsam hat. Er ernennt den Reichskanzler und beruft die von -diesem vorgeschlagenen Staats­sekretäre. Er steht an der Spitze des Freistaates Deutschland. Dr. Preuß hält Freistaat für eine alück- liche Uebersehung des Fremdwortes Republik. Einen Vizepräsidenten soll der tatsächliche Präsident nicht zur Seile gestellt bekommen.

Gnteraebms aus Öen Wahlen jur deutschen Hationaloerfammlung.

Berlin, 22. Fan. (WTB.) Rach nichtamtlichen Meldungen setzt sich die Nationalversammlung fol­gendermaßen zusammen:

In den 37 Wahlkreisen mit 421 Abgeordneten haben erhalten:

Deutsch-nationale Dolkspartei 34 Christliche Volkspartei 88

Deutsche Dolkspartei 23

Deutsche demokratische Partei 77 Sozialdemokratische Partei 164 Unabhängige 24

Fraktionslose . 11

zusammen 4'21 Sitze.

Die Fraktionslosen sehen sich zusammen aus 4 Welfen, 1 Vertreter der Bauern und Arbeiter- Demokraten, 4 bayrischen Bauernbündlern und 2 Ver­tretern des Württembergischen Bauern- und Bürger« Hundes.

W a.h l k r e i s 8, Posen. (Nichtamtl. Wahl­ergebnis.) Deutsch-nationale Volksp. 61 000 (füllt Sitze), Deutsche demokratische Partei 48940 (frier Sitze), Deutsche Volkspartei 29 600 (2 Sitze), So­zialdemokratische Partei 24 217 (2 Sitze), Christ!. Volkspartei 16 179 (1 Sitz). Die Listen oer Deut­schen demokratischen Partei und der Deutschen Volkspartei einerseits und her Deutsch-nationalen und Christlichen Volkspartei andererseits waren ver­bunden. In einer Anzahl von Bezirken fanden keine Wahlen statt.

Wahlkreis 14, Kiel. (Nichtamtl. Wahl­ergebnis.) Mehrheitssoziattemokraten 3G8 561 (fünf Sitze), Deutsche demokratische Partei 219 535 (drei Sitze), Deutsche Volkspartei 62 519 (einen Sitz), Deutsch-nationäle Volkspaitei CO 806 (einen Sitz), Bauern- und Demokratische Partei 57 482 (einen Sitz), Unabhäng. Sozialdemokraten 2069 (keinen Sitz), Christ!. Volkspartei 8083 (keinen Sitz).

Das Ergebnis in Bayern.

München, 22. Fan. Rach den vorläufigen Berichten erhallen von den 45 Mandaten Bayerns für die deutsche Nationalversammlung: Bayer. Volks­partei (Ztr.) 18, Sozialdemokraten 16, Deutsche Volks­partei 5, Bayer. Bauernbund 4, Nationalliberale und Mittelpartei 2.

vie grieöensfonferenj.

Varis. 22. Jan. (WTB.) Amtlicher Bericht. Präüdent Wilson, die Ministerp.ä,identen und die Außenminister der alliierten inifr assoziierten Mächte waren im Beisein d.s Vertreters Ja­pans gestern vormittag fron Voll bis 1 -1 und nachmittags von 3 bis 5 Uhr im Ministerium des Aeußern versammelt. Am Vormittag mach'.? der dänische Gesandte Scavenins Mitteilung, von näheren Informationen über die Lage in verschie­denen Gegendm Rußlands. In ber Nachmittags­sitzung wurde die Diskussion über den gleichen Gegenstand fortgesetzt und erheblich gefördert. Man hofft, in der deute vormittag 11 Uhr stattfindenden Sitzung an d:e Formulierung der Schluß- f orber un gen gehen zu können. Die Frage der Arbeitsmethode der Konferenz nnnfce g c.ch- falls gestreift.

Deutschlands Lebensmittelversorgung.

London, 21. Jan. (WTBtz Reuter meldet, daß in zwei bis drei Wochen deutsch.' Hauidelsschine unter dec Kontrolle der Alliierten wieder aus See fahren werden, hauptsäch.ich um den früheren Feinden der Alliierten Lebens­mittel ziizai führen. Es geschehe sowohl im Inter­esse der Menschlichkeit, als auch im Interesse der öffentlichen Ordnung, daß bestimmten befreiten Gebieten und den feindlichen Ländern baldige Hilfe gebracht wurde. Die vom Obersten Kricgs- rat ernannte alliierte Lebensmittel- und Schiff­fahrtskommission habe sich vor f irzem nach Trier begeben, wo sie mit der deutschen Abordnung, bei der sich auch.Regierungsbeamte und Vertreter der Schiffahrt befanden, zusammengekommen sei Wegen der nicht geordneten Zustände in Deutsch- lcmd feien die Delegierten der Alliierten im Zweifel gewesen, ob irgenKine stabile Autorität vorhanden sei, inn ein Uebcreinkommen verbindlich abzu- schlicßen. Aber die deutschen Delegierten hätten beweiskräftig dargelegt, daß sie in der Lage sind, binderide Verpflichtungen einzugehen. Es sei bcab- fichtigt, daß Deutschland eine we se n tl i che Menge Lebensmittel, insbewirdere Wei­zen, Fett und kondensierte Milch, kaufen und importieren darf. Die Konferenz in Trier sei als erste Gelegenheit, bei der briiische und deutsche Zivilisten seit Kriegsbeginn in 'Verhandlungen traten, bemerkenswert gewesen.

Aur dem Reiche.

Landesverrat in Oderschlesien.

Breslau, 22. Jan. (WTB.) In den letzten Tagen sind die f ü h r e n d e n p o l n i s ch e n El e- Li e n t e dazu übergegangen, offenen Landes­verrat zu treiben. Wie heute mitgeteilt wird, begab sich am 13. Januar d. I. eine au5 Beuthen und Umgebung stammende Deputation über Krakau und Wien nach Paris, um sich mit der frmi- zösischen Regierung über die o b e r s ch l e s i s che n Verhältnisse zu besprechen. Gleichzeitig meh­ren sich die Fälle, in denen im großpolnischen Fahr­wasser segelnde G e i st l i ch e ihre Gemeindemit-, glieoer zum Landesverrat aufzustacheln versuchen. Der Staatsanwalt vevanlaßte bereits deren Ver­haftung. Ein in Beutben ansässiger Rechtsanwalt hatte die <5tim, vom Volksrat, dem Zentralrat für die Provinz Schlesien, die Freilassung der Verhaf­teten zu verlangen und seine Forderung damit zu begründen, daß er vom ersten polnischen Volksrat beauftragt sei, über das Wohl der für die groß- polnischen Ideen wirkenden deutschen Reichsange­hörigen zu wachen. Damit ist erwiesen, daß auch in Oberschlesien Anhänger die Lostrennung von Oberschlesien vom Reichs versuchten, noch vor Ent­scheidung durch die Friedenskonferenz vollendete Tatsachen zu schassen, und vor Anschlägen aus 'die Sicherheit des Reiches nicht zurückschrecken. Ter Volksrat in Breslau, Zentralrat für die Provinz Schlesien, unternahm geeignete Schritte, um diesem landesverräterischen Treiben ein Ziel zu setzen.

Posen, 22. Fan. (WTB.) Durch Verfügung des Obersten Polnischen Volksrats werden sämtliche den Fahrgängen 1897, 1898 und 1899 angehörenden Polen aufgefordert, sich zum aktiven Militärdienst zu stellen.

Generalstreik in Brannschweig.

Braunschweig, 22. Fan. (WB.) Montag nach­mittag 2 Uhr ist der Generalstreik in Braunschweig ausgebrochen. Der Straßenverkehr ist eingestellt. Die Telephon- und Postoerbindungen sind teilweise gestört Die Briefe wurden nur einmal bestellt. Montag abend war auch das Theater geschlosten. Auf dem Theater und auf dem Schloß wurde die rote Fahne auf Halb- mast gehißt zum Zeichen der Trauer um Rosa Luxem­burg und Karl Liebknecht. Die Restaurants und Kaffeehäuser ynd alle Läden sind geschloffen. Dasselbe Bild zeigte sich am Dienstag. Am Montag abend um 7 Uhr mußten die Bürger von der Sttaße sein. Das Licht blieb Dienstag abend kurz nach 7 Uhr aus; Zeitungen dürfen nicht erscheinen. Am Dienstag fan­den verschiedene Demonsttationsumzüge statt. Der Bahnverkehr ist spärlich.

Zur Einigung der bürgerlichen Parteien.

Vom Vorstand der Deutschen Volks­partei in Gießen wird uns geschrieben:

In Nr. 14 desGieß. Anz." ist ohne unser Vor­wissen ein Wahlaufruf der De titschen Volks- Partei in Hessen veröfientlicht worden; er mag durch uns unbekannte Vorgänge veranlaßt worden sein.

Die Deutsche Volkspartei war jedenfalls auch während dieses letzten Wahlkampf-es stets bemüht, die sachliche Kampfcsweife anfrechizuerhalten, ob- lvohl dies durch starke Angriffe in den Reden her Vertreter der Demokratischen Partn und deren sonstigen Kmchgelmngen uns sehr ersch.vert ivordcn ist. Das Höchstmaß unbegründeter Angriffe von demokrattscher Seite zngt aber dw Wahlaufruf der Demokratischen Partei in Nr. 15 desGieß. Anz." Wir legen entschiedenste Verwahrung ein gegen den ganz unbegründeten Vorwurf, daß unsere Partei,statt eine Listenverbindnng mit der Deutschen demokratischen Partei cinzugehen, zu der sich diese bereit erklärt habe, unter dem Vorwand der Einigung aller sog. bürgerlichen Parteien eine Verbindung mit der Deutsch-natio­nalen Volks Partei vorgezogen habe". Wir legen weiter Verlvahrung ein. gegen die nicht minder unrichtige, auch schon in Nr. 12 d?sGieß. Anz." vorn Vor fitzenden des hiesigen Vereins der Deut­schen demokratischen Partei aiifgsttellte Behaup­tung, wir hätten durch unsere Haltung in der Listeitfrerbindungssiage gezeigt, daß wir dam kmi- servatifren, reaktionären Gnst der Deutsch-natio­nalen Vottspartn näher ständen als' dem liberalen Geist der Deutschen demokratischen Partei. Denn der .Skrtrehmg dieser Partei in Hessen und in Gießen ist genau bekannt, daß wir seit Wochen zu dem auch von der H a u fr 11 e it it n g der Deutschen demokratischen Partei ge­billigten 3 in c cf e der Verhinderung einer sozialist ischen Mehrheit in den verfassunggebenden Versammlun­gen eine Eingang aller sog. bürgerlichen Par­teien ang.'strebt haben auf der Grundlage, daß neben der allgemeinen Verbindung der Listen der bürgerlichen Parteien, gerade um der Deutschen demokratischen Partei ein Zusammengehen mit den anderen, weiter rechts stehenden Parteien zu ermöglichen, eine engere Listenverbindung zwi­schen der dentsche-.i demofrattsck-en Partei und der Deutschen Volkspartei flattfiiiden sollte. Hierdurch wäre zugleich dem Gedanken der liberalen Einbeit auf das beste gedient worden. Konnten wir schla- .sendcr die Unrichtigkeit jener Behauptungen be­weisen ? Wir suchten durch die Listenfrcrbinduna nach Möglichkeit zu erreichen, daß die Zu- smnmensetzung der verfassunggebenden Versamm­lungen den frotitifdien Anschauungen der Mehr­heit unseres Volkes entspricht, und diese Mehr­heit ist, wie wohl auch die jetzigen Wahlen zeigen werden, nicht sozialdemokratisch gefront. Die So­zialdemokratie kann nur eine Vertretung in diesen Parlamenten beanspruchen, welche dem Verhält­nis der Zahl ihrer Anhänger zur 05esamtsumme aller wahlberechtigten Deutschen entspricht. Dies

müssen, da es sich um notwendige Folgerungen aus dem denwkratischen Prinzip handelt, auch die Mehrhei ssozialisten einsehen. Darum werden sie auch weder durch einenZusammenschluß aller sog. bürgerlichen Parteien vom Staate abge­drängt" werden, noch um einiger ihnen viel­leicht entgehender Sitze willen einenBürger­krieg" beginnen, der nun von der Demokratie als Folge eines solchen Zusammengehens an die Wand gemalt wird (Nr. 12 desGieß. Anz/st.

Die Verantwortung für das Schei­tern der so sehr im Intere sse der Ge­samtheit des Bürgertums gelege­nen Listenverbiiiduiig aller bürger­lichen Parteien sowie für die Tren­nung der liberalen Parteien im be­sonderen trifft hernach nicht unsere Partei, sondern die Deutsche demo­kratische Partei.

21ms StaM nnd Land.

Gießen, den 23. Januar 1919.

* * Freibank. Freitag den 24. Fanuar werden von 12-4 Uhr die Nummern 1301-1600 beliefert.

* * Kraftwagendiebstahl. 9n der verfloffenen Nacht wurde aus dem Hose des Hauses Bleichsttaße 7 dahier ein dreisitziger 6/16.PS. Opel-Kraftwagen, sogen. Püppchen, mit der Motornummer 34307 und den Kennzeichen in roter SchriftM. K. XVIII 846, ,,I. K. D. 11495, im Werte von 6500 Mark, ent­wendet. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen.

** Der Arbeiter- und Soldaten­rat Gießen löeilt mit, daß die Süddeutsche Tabakszeitung, Mannheim an das Verschwinden etnes der Firma Rinn L Cloos, Heuchelheim gehörenden Waggons Zigarren die Behauptung knüpft:es kann wohl kaum bezweifelt werden, daß der Soldatenrat in Gießen den ganzen Waggon kurzerhand beschlagnahmt hat; ob, die Zigarren tatsächlich an die Intendantur des 18. A.-K. ausgeliefert worden sind und ob die Intendantur diese halbferttge Ware auch ange­nommen hat, muß erst noch aufgeflärt werden." Der Arbeiter- und Soldatenrat Gießen hat hier­auf folgendes Telegramm abgesandt: Süddeutsche Tabakzeitung, Mannheim. Sold.-Rat Gießen eine Beschlagnahmung Waggon 40 594 Nürnberg, Inhalt Zigarren, nicht vor genommen. Waggon ui Frankfurtmain beschlagnahmt. Ersuchen um so­fortige Richtigstellung. Arbeiter- und Sold.-Rat Gießen. Heercssache.

** Eine seltsame Willkür des Ar­beiter- und Soldatenrates Butzbach teilt uns Herr Kommerzienrat C. Kling spor wie folgt mit: Wir scheinen im Zeitalter der Wegelagerer zu [eben. Die Darstellung der Firma Rnru & Cloos über einen gestohlenen Waggon Zigarren bin ich in der Lage zu ergänzen. Mein am Freitag den 17. Januar 1919 Butzbach sich nähernder Kraft­wagen wurde von dem dortigen Arbeiter- und Sol­datenrat für beschlagnahmt erklärt, weck eine gelbe Zusatzkarte des Generalkommandos fehle, die durch Verfügung vom 20. Dezember 1918 vorgeschrieben sei: der mitgeführte amtliche Ausweis der hiesigen Kreisbehörde wurdeals ungenügend" angesehen. Die Meldung über diesen glücklichen Fang wurde sofort durch Kraftwagen dem Generalkommando in Bad-Nauheim überbracht durch den Arbeiter­und Soldatenrat! Die Einsichtnahme in die am Kreisamt liegende Verfügung des Generalkomman^ dos ließ keinen Zweifel, daß sie sich nur aus Mili­tär-Kraftwagen beziehe. Ich forderte den Arbeiter- und Soldatenrat Butzbach deshalb am Samstag telephonisch auf, den Kraftwagen sofort freizugeben, und erhielt wieder die gleiche Anttvort roie die dem Fahrer am vorhergehenden Abend gegebene:die Ausweispapiere seien ungenügend". Nach dem Hin­weis, daß die hier eingesehene Verfügung anders laute, wurde der Arbeiter- und Soldatenrat zu­nächst stumm. Später suchte man eine Ausrede und fand sie:ein Reifen sei wahrscheinlich Heeres- gut", erklärte ein Mann der Wack-e dem am SamS- tag nochmals zur Abholung hingeschickten Fahrer. Ich habe am 19. d. M. dem Staatsministerium und dem Generalkommando den Sachverhalt tele­graphisch mitgeteilt und um Freigabe ersucht, bin daraus 'aber bis heute ohne jede Entscheidung, ja nicht einmal im Besitz irgendeiner Erklärung von dieser Seite über die Wegnahme und ihre Gründe. Aus Grund welchen Recht st itels erlaubt sich der Arbeiter- und Soldatenrat ober das Gene­ralkommando, Privatgut zu beschlagnahmen? Tas sind doch erfreuliche Zustände in dem so molligen neuen Deutschen Reich! Im alten durste ich dassäbe Automobil der Militärbehörde einschließlich Fahrer und Betriebsmaterial entschädigungslos zur Ver­fügung stellen, bekam es aber wenigstens zurück?

* Eine nachträgliche Eintragung in die Wählerlisten ist entgegen einer Notiz, die in einem Teile unseres gesttigen Blattes enthalten war, nur Mi itärpersonen möglich, die inzwischen entlaffen wor­den sind. Feder Wahlberechtigte hatte Gelegenheit sich in den offengelegten Listen zu überzeugen, ob sein Name darin enthalten ist.

** Das Opfer der Neujahr?schlageret, der Schutzmann, der einen Stich in den Rücken erhielt, befindet sich, wie uns mitgeteilt wird, auf dem Wege der Besserung. Die Täter sind gefaßt. Die hatten den Schwerverwundeten, um den Verdacht von sich abzulenken, selbst zur Wache gebracht.

** Zusammenkunft der 50er 1869-1919. Wie aus dem Anzeigenteil in der Mittwochsnummer ersichtlich, kommen die 50er am Samstagabend 7 Uh» bei ihrem Altersgenoffen Rösing er auf Oswalds- Garten zusammen.

* * Elternabend. Am Freitag den 17. Fan. veranstalteten der Kindergarten-Verein und das Gießener Fröbel-Semiiiar ihren ersten (Eltern»