m. 221
Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (Serleral-Anzeiger für Gberhessen)
Mntag, 22. September 1919
„Fstr dich, Evelyn! Ein Tienstmann hat ihn« acht. Wer kann dir denn nur schreiben? Beate
gebracht.
Millner vielleicht?"
lNachdruck verboten.)
Fortsetzung 12.
w.
23.1
it
den alten Evelyn." wußte sie halb von Stimmen
Das Glück der andern
Original-Roman von Erich Eben st ein. Copyright 1916 by Ordner & Comp., Berlin W 30.
derselds und verbiete Ihnen, mich mit Dummheiten noch weiter zu belästigen.
Wie Modesta wieder ins Bett kam, nicht Sie lag dann lange starr und Sinnen dort. Wenigstens hörte sie die
„Laß nur, ich gehe selbst."
Modesta lag eine Weile ganz still und starrte grübelnd vor sich hin. Warum hatte Evelyn sich über den Brief Beatens nur so geärgert? Sie waren doch so zärtliche Freundinnen!
Dann stand sie auf, um die Lichter auszulöschen, die Evelyn hatte brennen lassen.
Als sie vor dem Tisch stand, fiel ihr Blick zufällig auf die offene Schreibmappe, an deren Rand noch das zuerst geschriebene Bittet lag. Ihr Blick wurde starr vor Schrecken. Da stand — ja, da stand wirklich in zitternden, unregelmäßig durcheinandergeworfenen Buchstaben:
„Geehrter Herr Gottorb! Sie sind ein Narr! Ja, ich bin seit gestern wirklich Braut Graf San-
Iota Stillt en geblieben. Abur n M-
WlerMtote total
93 c in e_a& gefahren. Ter Ehemann befindet ltch nt ziriegsgefangenfchast.
. ga. F r a uifurt a. M., 20. Scpt. S'ch w a n- Herrn und die ganze Walobahn st recke dorthin sind augenblicklich van den Franzosen geräumt. Sbre wir hören, dürfte dies aber kaum van Tauer lem. Auch Unterschireinsiege und Godtein sollen srer sein. Es wird aber dringend davor gewarnt, alle diese Gebiete ohne Paß zu betreten. Es kommt yTt vor, daß die Franzosen Patrouillengänge in das verlas ene Gebiet macken, und dann können Spaziergänger sich der Gefahr aussctzen, scstaehalten zu werden.
„Nicht lange, da es mich zu dir zurückziehen toird, Liebste! Aber ich denke, wir fahren dann beide bald toieber nach Rettenegg, wo ich dich -?ama vorstelle. Wie lange willst du in Neustadt lleiben?"
, „Oh, auch nur einige Tage. Aber bitte, schreibe nnr sogleich dorthin', was deine Mutter zu un- >erer Verlobung sagt, ja?"
„Natürlich."
Modesta wußte es auch am Abend so einzu- nchten, daß sie Magnus nicht vorgestellt werden lonnte. Sie half der Mutter bei allen Vorb'rei- tmigeir^ deckte den einfachen Abmdtisch mit besondrer Sorgfalt und erklärte dann, so heftige Kopf- Ichmerzen zu haben, daß sie unbedingt zu Bett müsse.
der anderen aus dem Wohnzimmer nur wie aus weiter Ferne.
, Wer war dieser Herr Gottorb?
Doch sicher jener Herr, den Evelyn damals in der Zeisiggasse „zufällig" getroffen haben wollte.
Er war kein gewöhnlicher „Bekannter". Er liebte Evelyn. Er war eifersüchtig auf ihren Verlobten und schien ihr Vorwürfe über ihre Verlobung gemacht zu haben, die sie zwar zornig, aber — Modesta fühlte dies instinktiv heraus — auch mit einem Unterton von Angst zurückwies.
Und er mußte doch wohl auch ein Recht zu diesen Vorwürfen haben, sonst hätte Evelyn ihm sicher nicht geantwortet, sondern den Schutz ihres Bräutigams gegen den Zudringlichen angerufen. ।
Statt dessen hatte sie letzteren einfach belogen, |
** Freibank. Dienstag, 23. Sept., werden mm 1—3 Uhr die Nrn. 2301—2400 beliefert.
Tort lag sie dann im dunklen Zimmer und wrchte aus den Bang seiner Stimme, deren sonore 4.refc ihr wie Musik zu klingen schien.
Ab imd zu verstand sie auch, was gesprochen mrrbc. Und ganz deutlich wußte sie immer, wenn Magnus mit Evelyn sprach, denn dann klang seine Stimme noch einmal so weich und warm .
Gegen acht Uhr — man wollte eben zu Tisch lchen — wurden alle durch den schrillen Don der Türglocke erschreckt. Bertie, der sich schon gaita als Sohn des Hauses fühlte, eilte dienstbeflissen hinaus, um zu sehen, was »o gäbe.
Lott? natürlich hinterdrein.
Gleich darauf kehrten beide zurück und Lotte schwang einen Brief in der Hand.
indem sie dreist behauptete, der Brief sei von Beate Millner . . .
Die furchtbare Gewißheit, daß es in Evelyn- Leben etwas gab, von dem offenbar weder die Ihren noch Magnus etivas wissen' dursten, er- ichütterte Modesta.
_ Wie konnte Evelyn nur diesem — gerade diesem Manne gegenüber eine Lüge über die Lippen bringen, ohne vor Scham zu ersticken?
War das überhaupt möglich, wenn man — liebte?
Modesta grübelte und grübelte, während ihr Herz aufgeregt klopfte uitb ihre Wangen brannten.
Sie merkte darüber nicht, daß die Tür leise geöffnet wurde und Emmy hereinschlüpfte. Erst als die Hand der Schwester liebkosend über ihr Haar strich und deren weiche dunkle Stimme zärtlich frug: „Nun, Kleine, wie geht's mit deinen Kopfschmerzen?" fuhr sie erschrocken zusammen.
„Danke, Emmy, etwas besser."
Emmy ging nicht. Sie blieb im dunklen Zimmer sitzen, Mooestas Hand in ihre heißen Hände. nehmend.
So blieben sie lange stumm beisammen, bis Modesta plötzlich einen heißen Tropfen auf ihre Hand fallen fühlte.
„Oh — du ivcinst, Emmy?" fragte sie leise und erschrocken.
Da warf sich die Schwester neben ihr nieder und suchte ein krampfhaftes Schluchzen in den Kissen zu eriticken.
Und wunderbar, — die kleine, siebzehnjährige Modesta, die bisher über Liebe noch gar nie nachgedacht hatte, verstand plötzlich so gut, was m Emmy vor ging!
(Fortsetzung folgt.)
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* as Musikalisch-Literarische Unterhaltung skränzch en 1911 bca. s.ch- tigt am Sonntag, 28. Sept., in der Neuen Aula
Universität mit einem mufika isch-literarischeu Abend an die Oeffentlichkcit zu treten. Entiprc- o.eno dem Er.olg seiner ersten öffentlichen Darbietung t iv.te der jetzige Abend mit seinem rcich- hw.ttgen v.cgcamm bei den hiesigen Musik- und 1 Literoturfreunden ein noch größeres Interesse er- ,}'eacV- Näheres wird noch bekannt gegeben. (Siehe Anzeige.)
,** L ich t s p i e l h a il s. Ab morgen bis inkl. Freitag wird „Tie blonde Magda", ungarischer Kunststlm in vier Akten, f rner „Ich sags meinem Bruder" sowie „Ich versichere <3ie", Lustspiel in zwei Akten, gegeben.
Landkreis Gießen.
X W i e s e ck. 20. Sept. Der von einem „Freund" kürzlich totgemefbetc Kriegsgefangene Heinrich Heckroth sch web jetzt am ersten Jahrestag seiner Gefangennahme wieder seiner darob hockibeglückten Mutter.
X W i c s e ck, 20. September. Trotz der Wvh- nungslvoc nehmen die Eheschließungen m unserer Gemeinde in erfreulichem Maße zu. Tev Kasten für Veröffentlichung der Aufgebote an der Bürgermeisterei konnte letzte Wvchie gar nicht alle zehn aufnehmen und einige der Blätter mußten sich die Ausquartierung gefallen lassen.
Kreis Büdingen.
O Hirzenhain, 20. Sept. Am Freitag abend zog ein sckstveres Gewitter über unsere Gegend. Dabei schlug der Blitz in die dem Weiß- biirdermeister Und Bierverleger Krieg gehörige Scheune. Das Gebäude Nmrde innerhalb kurzer Zeit ein Raub der Flammen.
t. O c t e n b e r g, 22. Sept. In den seelischen Zustand unserer Gefangenen läßt ein Brief eines einfachen, schlichten jungen Mannes aus dem Volk erschütternden Einblick tun, der am 17. Aug. geschrieben ist und in seinem wichtigsten Teil folgenden Wortlaut hat: „Sie werden vielleicht fthon erfahren haben, daß ich hier Farmerarbeit mache, aber sie dürfen nicht glauben, daß wir es hier ebenso gut haben als die Gefangenen in Deutschland, die beim Bauer arbeiten. Wir wohnen hier zu 200 Maim in einem Lager und werden morgens zur Arbeit geführt, wie Sklaven (vom Schreiber selbst unterstrichen^, und das Essen, das wir bekommen, ist auch nicht zum besten. Wenn man Sonntags zum Fenster heraussieht und sieht die Leute Vorbeigehen und man muß hier Hinterm Drahtverhau von Posten bewacht wie wilde Tiere zubringen, dann ist man manchmal dem Verzweifeln nahe. Das ist das Sklavenleben des deutschen Prisoners in dem zivilisierten England, nachdem der Friede unterzeichnet ist. In der Hofftrung, daß die Sklaverei bald ein Ende hat und wir nach der Heimat zurückkommen usw." Es kann deshalb, selbst wenn jetzt die Abtransporte aus England begonnen haben, nicht genug gebeten werden, schreibt euren Gefangenen immer wieder, bis ihr bestimmte Nachricht habt, daß sie unterwegs nach der lieben Heimat sind.
Kreis Lauterbach.
± Herbstein, 20. Sept. Ein echter Planier des Vogelsbergs ist der Lehrer Philipp Schmidt gewesen. der seine gesamte Lehrertätig.eit in den beiden Vogelsbergdörfchen Breungeshain u. Engel- rod ausübte und dieser Tage in Ärgelrod starb. Lange Jahre war er Obmann des Bezirks-Lehrervereins Herbstein.
Kreis Friedberg.
4 Bad-Nauheim, 21. Sept. Stadtdiener Heinrich Gries, ein Alt-Bad-Narcheimer Bürger, b-er über ein Menschenalter zuerst als Flurschmtz, dann als Schuldiener und zuletzt als Stadtdiener unserer Stadt treue Dienste geleistet hat, wurde heute unter Beteiligung einer großen Trauergemeinde zu Grabe getragen. Ter Verstorbene war Feldzugsteilnehmer 1870/71. Ter Kriegerverein 1870/71, dessen Vorsitzender er war, und der Krieger- und Mili ä verein „Hassia", dem er als Ehrenmitglied an gehörte, gaben ihrem Kameraden daher das Ehrengeleite.
Hessen-Nassau.
= Frankfurt a. M., 21. Sept. Für die nach Bad Orb versetzte Polizeitruppe der 81er ist die 1. Garde-Landes schützenabteilung hier eingetroffen und hat in den Kasernen von Bonomes Quartier genommen. Sobald die Gut- leutkaserne inmitten der Stadt' bezugsfällig ist, wird die Abteilung nach dort verlegt. Alle umlaufenden Gerächte, als ob dieses Militär in besonderer Absicht nach Frankfurt gekommen sei, entbehren, wie uns von maßgebender Seite mitgeteilt wird, der Begründung.
= Frankfurt a. M., 21. Sept. Auf der Gießener Strecke wurde einer Frau, die durch die nur halbverschl'vssene Schranke die Gleise überschreiten wollte, von einem Zuge beide ■
.in kommen. Erst später gelang es ihm, feine Red- wrtzusetzcm. Er war sehr nervös geworden und sprach in großer Erregung mit beständigen Unter- brechilngru durch die Versammlung. Auch hier wurden ihm eine Reihe von Fragen gestellt über den Völkerbund, woraus er erklärte, daß das brilisck.e Reich mit den Tominions die Vereinigte'!, laaten nicht überstimmen könne unb daß die Alliierten die Vereinigten Staaten nicht zwingen konnten, Truppen in das Ausland zu senden.
A m st e r b a nt, 21. Sept. (W. B.) Die „Times" meldet ans Neuyork, daß Senator Lewis m einer Rede in Chicago erklärte, Wilson strebe nicht nur danach, die Welt von dem Kriegselend zu erlösen, sondern er werde auch Maßregeln treffen, um die Sozialisierung der Steinkohlen- und Oellager sowie der Eisenbahnen und Wasserwege durchzu- setzen.
Der Friede mit Bulgarien.
Paris, 20. Sept. (WTB.i Havas. Der friede mit Bulgarien ist nach bemfelbm Plane entworfen, wie mit Oesterreich. Die Bestimmungen über den Völkerbund, die Sanktionen, die Luftschifsahrt und die Arbeit sind dieselben. Die Nordgrenze Bulgariens gegen Rumänien wird geändert. Im Westen bleibt sie gegen Serbien yit allgemeinen die alte. Strumitza mit den angrenzenden Bezirken und einige andere kleinere Landstriche werden dem serbisch-lroatischen Staate einverleibt. Die Abänderung im Süden wegen der Gebiete, Übei deren Zuteilung später entschieden werden wiro, läßt die neue Grenze von einer Linie ausgehen, deren Ausgangspunkt acht Meilen südwestlich von Kaslik liegt, die in Kritik endigt. Arbasfeni und Daridere bleiben bulgarisch. Die Linie durchschnei> bet die Berge Kartal Dagh und Tokadschi Dagh. Im Süden und Osten werden unbedeutende Veränderungen vorgenommen. Die politischen Bestimmungen verlangen, daß Bulgarien den serbisch- kroatisch-slowenischen Staat anerkennt. Ein Ausschuß aus fünf Alliierten mtb je einem Serben und Bulgaren wird die Grenzlinie im Gelände festlegen. Die bulgarischen Staatsangehörigen, die nach dem 1. Januar 1910 sich in dem an den serbischen Staat abzutretenden Gebiet niederließen, erhalten die serbische Staatsangehörigkeit nur auf Ermächtiguna dieses Staates.
Verfassunggebende Kirchenversammlung.
Berlin, 22. Sept. Nach dem jetzt fertig» gestellten Wahlgesetzentwurf für Die der- s as sunggebende Kirche nversamm- l un g sind die Wahlen zu den Gemeindekörper - ' chatten unmittelbar und gelyerm. Neu ist die Gewährung des aktiven und passiven Wahlrechts an die Frauen und die Aufhebung der fogenannten Selbständigkeitsklausel.
Pläne der Düsseldorfer Spartakisten.
Berlin, 22. Sept. In Düsseldorf hatten für die Nacht zum Sonntag die Spartakisten einen Putsch geplant. Tanach sollten bi: Insassen des Gefängnisses befreit, dl: Garnison Überrumpelt und die Stadt an wichtigen Punkten besetzt werden. Tie Militärbehörde, die Kenntnis von dem Plan erhielt, ließ die Garnison in verschärften Alarmzustand bringen. Tie Nacht verlief ohne Zwischenfall.
Wahlniederlagen der Unabhängigen.
Braunschweig, 21. Sept. (W. B.) Bei den heute in Braunschweig, Wolfenbüttel, Blankenburg, Helmstedt und Bad Harzburg vorgenommenen Magistratswahlen haben, wie die „Braunschw. Landesztg." berichtet, die Unabhängigen eine völlige Niederlage erlitten. In der Stadt Braunschweig wurde der bisherige Oberbürgermeister gegen den Kandidaten der Unabhängigen mit überwältigender Stimmenmehrheit wieder gewählt.
Deutsche Arbeiterkinder in Dänemark.
Kopenhagen, 20. Sept. Die Hilfsaktion der dänischen Arbeiter für deutsche Arbeiterkinder hat bisher großartige Resultate erzielt. Im Laufe der letzten Monate gelang es, 700 Kinder aus deutschen Arbeiterfamilien in dänischen Handwerker- und Arbeiter hä ufern unterzubringen. In den nächsten Tagen wird ein weiterer Transport von 200 Kindern erwartet. Gleichzeitig appelliert „Socialdemokraten" no-ch- mals an die Gastfreundschaft seiner Leser und bittet um Ausnahme von 120 besonders unterernährten Kindern aus Schäften, denen zweifellos auch eine gastliche Stätte bereitet werden wird
Ein Dampserunglück.
London, 21. Sept. (WTB.) Die „Evening News" meldet aus Kirkwall, daß an der Küste von North Ronaldshay auf den Orkney-Inseln in der letzten Nacht im Sturm ein Dampfer der White-Star-Line strandete. Man glaubt, daß sich 2000 Mann englische Truppen aus Nordrußland an Bord befanden.
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Evelyn runzelte unwillig die Stirn.
„Tu wirst gestatten, daß ich den Brief zuerst mal selbst lese" — sie griff danach, wrrf einen Blick darauf und erblaßte.
T ann erhob sie sich.
„Wartet der Mann auf Antwort?"
„Ja."
„Tann will ich sie gleich schreiben," murmelte Evelyn unsicher und wandte sich zum Gehen.
„Aber du weißt ja nicht einmal, von wem er ist, und was darin steht, Evelyn!" sagte Mag- nus verwundert. , ,.
„Bon Beate natürlich!. Von wem denn sonst? Sie ivird etwas wollen . . ."
Damit verschwand sie im Nebenzimmer.
Sie mußte ganz vergessen haben, daß Modesta dort lag, denn als sie mit bebender Hand Licht gemacht hatte, trugen ihre Züge einen unbeherrschten, halb zornigen, halb angstvollen Ausdruck.
Sie riß den Briefumschlag auf und überflog die wenigen Zeilen.
„Ter Unverschämte!" stieß sie zwischen dm Zähnen heraus. Tann setzte sie sich nieder und schrieb. Modesta, die sie regungslos beobachtete, sah, wie eine finstere Falte auf ihrer Stirn stand und ihre Hände bebten.
Offenbar war ihre Schrift darum zu wenig leserlich: denn Evelyn schob das erste Billtt ^ärgerlich von sich und schrieb ein zweites. Len Brie' zerriß sie in winzige kleine Teilchen, öffnete das Fenster und streute sie hinaus.
Als sie mit dem Brief wieder im Wohn- । zimmer erschien, wollte Lotte ihn ihr zur Be- 1 forgung abnehmen. Aber Evelyn wehrte barsch ab.
Singefandt.
(Jur Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Priblikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Durch die Ungunst der Witterung, mangelhafte Kunstdüngervcrteilung, teure Fuhr'öhne unb ppbc Düngerpreise sind die Gemüsegärtner in otefem Jahre in ihrer Existenz schwer bedroht. Tie Stadt wäre durch ihre Kapitall'raft und Kredit- sahigkett in der Sage, die hier fehlenden Gemüse im großen zu beziehen. Würde es sich nicht ermög- Irchen lassen, daß die Stadt diese Gemüse, anstatt telplt zum Verkauf zu bringen, an die hiesigen Gartner unb_ Gemüsehändler mit einem vorge- schriebenen festen Klcinverkausspreis zur Weiter- leitung an beit Verbrauch übergeben würbe? Es wäre hierdurch den hiesigen Gärtnern und Gemüsehändlern eine Verdienstmöglichkeit geboten und bie Stadt hätte gleichzeitig die beste Kontrolle gegen Ucberforderungen der Bevölkerung in der Hand. Bekanntlich gelchieht das, was hier gewünscht wird, schon seit langem bei der Lebensrnittel- und Fleischversorgung.
Ein hiesiger Gärtner.
KZcttervoraussage
fstr Dienstag:
Borwtegend wolkig, zeittveife Regenschauer, Tem- peralur wenig geändert, westliche Winde.
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Aus Stadt und Land.
Gießen, den 22. Sept. 1919.
Gültige Lebensmittelmarken
für die Zeit vom 22. bis 28. September 1919.
Brot: 2300 Gramm Brot ober 1680 Gramm Mehl. Brot Kgr. 50 Pf., Weizenbrotmehl Kgc. 58 Pf., Weißbrot Kgr. SO Pf. Weißbrotbäcker: A. Tetbel, Neuenweg, Konsunwernn, Verkaufsstellen Schanzenstraße, Neuen Bäne, Bleichsttaße, Asterweg.
Butter: Marke 39 Gramm Auslandsbuttec zu 85 Pf.
Fleisch: Wochenabschnitt 39. Metzger für Fremde und Urlauber: Friedrich Wenzel, Neustadt 48.
Nährmittel: Auf Marke A: 250 Gramm Teigwaren. Auf Marke B: 250 Gramm Grieß, 500 Gramm Haserflocken, 1 Paket Keks. Auf Marke C: 500 Gramm Teigwaren, 250 Gramm Haserflocken.
Zucker: Marke 9, September 1919: 750 Gramm Zucker.
Nährmittel und Zucker für Zugezogene und Kranke: Johann Seibel, Ludwrgsplatz, Wilh. Haas, Bleichstraße, Christian Schönhals, Nord- Anlage, Emil Fischbach, Seltersweg, Schade & Füllgrabe, Bahnhofstraße; für Urlauber: Hemrick) Drechsler, Steinstraße.
Krankenmehl: Hemrick) Arnold IL, Inh. Ludwig Schmitt Kaiser-Allee 19.
Nährmittel für Kranke: Heinrich Becker, Löwengasse.
Seife: Marke für September 1919. Anteil 125 Gramm K.-A.-Seifenpulver zu 15 Pf.
Letzt Aach eichten.
Der internfliierte WirtschaftSrat.
Amsterdam, 21. Sept. (WTB.) Der Brüsseler Korrespondent des „Stelcgraaf" berichtet. daß der interalliierte oberste Wirtschaftsrat in der gestrigen Sitzung zustimmte, daß die deutschen Ausfuhrartikel in die unter Verwaltung der Alliierten stehenden früheren deutschen Schisse verladen werden, die sich nach Argentinien begeben, um dort Getreide für Deutschland zu laden, toeTTit kein alliierter Schiffsraum dafür verfügbar ist. Außerdem beschloß der Rat die sofortige Aufhebung aller seit dem 28. 4. außer Kraft gesetzten schwarzen Listen.
Amsterdam, 21. Sept. (WTB.) Nach einer amtlichen Havas-Reuter-Meldung aus Brüssel stimmte der Wirtschaftsrat der vorgeschlagenen Maßregel betreffs Auslieferung der deutschen Petroleumschiffe an die Alliierten und ihrer vorläufigen Verteilung zu. Er beschäftigte sich ausführlich mit der Politik der Alliierten bezüglich der Rohswffverteilung.
Frankreich und die Vorgeschichte des Krieges.
Wien, 21. Sept. (WTB.) Aus den gestern veröffentlichten Dokumenten über die Vorgeschichte des Krieges wäre hervorzuheben: Der französische Botschafter Du meine sprach am 22. Juli 1914 im Auswärtigen Amte vor und betonte in drastischen Worten die Gefahren eines Krieges Oesterreich-Ungarns mit Serbien. Er schloß trotzdem seine Ausführungen damit, daß er auf ein Kürzliches Gespräch mit seinem russischen Kollegen hinwres, woraus er bte Ueberjeugung gewann, daß Rußland nicht gesonnen sei, für Serbien anläßlich der bevorstehenden Auseinandersetzung mit Oesterreich-Ungarn stark einzutreten unb ihm mehr als uwralische Unterstützung zu leihen. Im Falle eines Waffenganges zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien würde Rußland nach Ansicht des französischen Botschafters nicht eingreifen, sondern vielmehr anstreben, daß der Krieg lokolisiert bleibe.
Die Rückkehr der Gefangenen aus England.
Berlin, 22. Sept. Um den Abtransport der Gefangenen aus England zu beschleunigen, hat die Admiralität laut „Berl. Lokal-Anzeiger" 10 deutsche Tampfer zur Fahrt znischen englischen und deutschen Häfen gechartert. Vermutlich fahren die ersten Dampfer im Laufe Der nächsten Woche.
Wilsons Rcdereise.
Haag, 20. Sevt. In San Franrisko wurde Wilson, als er in einer Versammlung reden wollte, mit Pfeifer: und Trampeln empfangen. Zweimal begann er zu reden, ohne zu Wort
Ente mb. gekommen. ®b )tinfl.gute8elo5nnni.
Schmal!. )in ankinner Slrahe ft. TanMarnftani nntaa von 9axUrui>: cd) «tcmfttam nai ruimsnage verlöre: liugeb. geg. Belohne « Tammstr.töU W VelohmW o ehrlich. Finbss lorenSonrnag nrr
ixUditi ErvüüL c: m Wege Zeughaii?!: ülosovbenwald. Olfö kau Wiüe'.öbcrgci Zeusbanskaieriie.
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** Aus de m Militar-Wochcnblatt. O ch s e n i u s , Hauptmann der 9tes. des Jnf.- Rgts. 117 (Potsdam), wurde der Abschied mit der Erlaubnis zum Tragen der bisherigen Unifarm liewi ligt B eifer, Zeug eu nant leim Zcu >amt in Mainz, wurde auf sein Gesuch zu den Ze»:g- »ffizü'ren der Reserve übergeführt. Scheuermann, Fähnrich im Jnf.-Rgt. 118, rourüe wegen Tienstimbrauckbarkeit ausgechieden.
** Neue Postwertzeichen. Die Erhöhung der Postgebühren am 1. Oktober macht neue ^Postwertzeichen notwendig, während andere entbehrlich werden. Das Rnchspostmiiiisterium hat deshalb die Ausgabe neuer Werte in Aussicht genommen. Notwendig ist vor allem die Ans- cra&c einer Postkarte zu 15 Pf. für den Fernverkehr, während die zu li/2 Pf. entbehrlich wird. Von Ganzsachen kommt auch eine Postanweisung zu 40 Pf. für Beträge von 5 bis 100 Mk. in Betracht. fcAon neuen Briefmarken dürsten solche zu 75 Pf. imb zu 1,25 Mk. notwendig sein. Es sind dies die Sätze für das Zehnpfundpatet in der Nah- und in der Fernzone. Die Marke zu 75 Pf. finbet ruch Verwendung für Postauftragsbriefe. Für 'chwerere Pakete bis zu 10 Kilo betragen die Sätze 1,50 Mk. unb 2,50 Mk. Besondere Briefmarken werden dafür aber kaum erforderlich sein. Zur Ergänzung von Karten und anderen Sen- tnmgen sind vorläufig noch Briefmarken zu 2 und 2'!■ Pf. nötig. Später wird man auch diese cutkehren körmeu, elienfo die Marten zu 3 mb 7': Pf. Auch die 35-Pfemrig-Marke wird man kaum noch nötig haben, da ein eingeschriebener Fernbrief tünftig 50 Pf. kosten wird. Für die neuen hohen Sätze zu 1', 2, 3 unb 5 Mk. sind Briefmarken vorhanden, nicht aber zu 4 unb ii: 6 Mk., der Gebühr für Pakete von 15 bis 20 Kilogramm. Die Bestände werden natürlich auf» gebraucht.
** Die. Militär-Versorgungs- gebührnisse werden vom Monat Oktober ab Den Empfängern auf Wunsch ins Haus gebracht. Zu diesem Zwecke sind entsprechende Anträge an Die zuständige Bestellpostanstalt, bei der die Beuge bisher abgeholt wurden, zu richterk. Vordrucke zum Antrag gibt die Postanstalt ab, die auch mheres über das Verfahren und die Zeit der Bestellung mitteilt.
** Ein jäher Temperatur sturz ist eit Samstag auf die mehrere Wochen anhaltrnde vitze ein getreten. Abends und in den Frühstnnden ist es empfindlich kühl. In der Samstagnacht sank das Thermometer bis fast zum Gefrierpilnkt. Ter gestrige Sonntag brachte ziemlich ausgiebigen R> gen. Für Gemüse unb Tickwurz 'war er noch dringend nötig.
** Tie Herbstferien in den ländlickien Volksschulen nehmen ihren Anfang: zugleich hat die Kartoffelernte eingesetzt.
** Abhanden gekommen ein zweirädriger Hmdwagen mit der Aufschrift „Kriegsverpflegungsanstalt". Bor Ankauf wird gewrrnt.


