Ausgabe 
22.8.1919
 
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Nr. 195

Zweites Blatt

Verein®.

Fortsetzung 39.

Nachdruck verboten.)

lieber von den Ihrigen. Wie geht es Ihren i? Sind die Keinen wohl und ist Gun­schon cingelebt in ihrem neuen Haushalt ?"

MB ftbiUlreiettSttitM« 9766 KZMZ

iv, ÖtfS&l Saji^g3

Ragna Svendburg

dtoman von Anny Wothe.

kleine Frau sah Ragna prüstnd an. Nach «rne fragte sie nicht? Sollte doch dahinter etwas NVen? Sie hatte es ja stiess von ihrem Schwager 8<vackft, w?mr er so närrisch hinter dem Blond- «Pf herwar, aber von Ragna hatte sie so was «vch nid.it ^glaubt.

Ä Ander sind alle ivohl," Jagte sie hastig, " Arne h«t auch« geschirieben, er trug

rnc Grüße für Sie auf."

c n. '/Mibt er noch lange auS?" Tie Frage klang lost scheu und leise.

"Ja, bis zum Wttrter wttd's Wohl noch dau- exn- Gr ist ja einen Tag auf Svendburg gewesen.

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A1bum für nP,U ffWiute?S *st ^getroffen. Fer Stück M. 25Q ranz Bette

Mäusburg 10 ",

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Man hat ihn sogar guasi zur Erttscknüdigimg als erblick belastet hcngeslellt Es ist leicht, Anklägtr >md Richter zu sein, wo die Verteidigung nicht ge­hört wird. Wo das Weltenaerickt zu sprcck;en an­fängt, hat der Einzelne aufgehört, verantwortlich »u sein. Bei einem Volke van 6070 Millionen ist ein Einzelner, und wäre er noch so hoch ge­boren, nicht mehr Lenker des Schicksals. Es ist immer noch unbestritten, daß. dem Kaiser ein pein­liches Pflichtgefühl zu eigrit gewesen ist. Sein Klauben an die göttliche Vorstkmng, io rückständig sie auch erscheinen mag, gab das Leitmotiv zu dfcn seinen 5>andlungen. Wilhelm II. war eine groß angelegte Natur und begeistert für alles Gute. Ob sein impulsives Wesen, die U.'berzeu- | flimg von seiner überragenden Kraft zum Wohl I für sein Volk ausschlagcn konnte, ist natürlich eine \ andere Frage. Aber jedenfalls war er in allen s n- | tun Handlungen von den besten Absichten beseelt. I Ties ist sogar der Fall bei seinem Vorgehen gegen I die Sozialdemokratie und bei seinem bekannten I Liebes werben in Paris.

Vor uns liegt ein kleines Büchlein aus dem Jahre 1912: Kaiser Wilhelm II. in der Schweiz. Crinnerungsblälter an den Besuch des Teutschen Kaisers vom 3.-6. September. Ist es nur zu­fällig, daß es derMajestät" im Verkehr mit den der Etikette unbekannten Schweizern so wohl zu Mute war, daß er sich so ungezwungen, rein mensch­lich gab ? Gewiß, Wilhelm II. war der Exponent

Ein fast verächtliches Lächeln zuckte um Ragnas Lippen. Gern lmtte sie jetzt geantwortet, wie sehr sie die Gesellschaft verachte, wie wenig ihr an der hohlen Menge lag, aber warum sollte jie vor dieser gutmutigen Frau ihre Seele entschleiern? Warum sollte sie die Frau kränken, die es in ihrer Weise stets gut mit ihr gemeint, von der sie vieles

lochfrei.NähnMh Wteü Zentrifuge 150 Wer In der Stonbt ;eg. kleine zu mmSa oder zu verknusen, te Üct):i^in(i2oniiinfl0om ?-2U6r.W,'Ä

Mügelpaften

2f'f« »noef. 230 «r. tUO u. 10.50 neremvieblen aus seb- Mchgeiu inntauf ml Domlhal Et. i|i liiLPltierdierBMk.lL irleiicrhr. JokmS, bärge? HIk. 15.-

eini'chliei;lich Steuer m ticbr. Noll w Babubosstrake G, Papierwäschr rofitn, iBoibcmbti, ifluidictten wieder ci» tronen. Franz Bellt tausburg 10.

aus

Singer: Mähmaschine» immt an O1&< 'rau Hill, MM

Verschiedenes

ür dir fommenttr fien Sonntage i> it W ault ««5 MN*

Uaise- Wilhelm ll. in der Schweiz.

Aus den in Zürich erscheinendenWeU- polit. Nachrichten" entnommen, geht uns von einem in der Schweiz weilenden Deutschen fol­gende BetrachtungKaiser Wilhelm II. in der Schweiz" zu, die Beachtung und Nachdenken verdient, wenn an der darin enthaltenen Charakteristik des Kaisers auch manche Züge fehlen, andere als et.vas verzeichnet erschei­nen. Richtig aber ist es: Hätten wir gesiegt, dann wäre Wilhelm II. bei den Deutschen ein gefeierter Mann.. Das deutsche Volk würoe sich in seinem tiefen Unglück aber nichts ver­geben, im Gegenteil, es würde an Achtung in der Welt nur wieder gewinnen, wenn es dem Manne in Amerongen einen Ruheplatz in der deutschen Heimat anbietcn würde. Wir sind gewiß nicht für seine Wiederkehr auf den Thron, würden aber von ihm keinerlei mo­narchistische Putschte .-'uche besorgen. Indessen, die Nationalversammlung in ihrer heutigen Zusammensetzung wird sich ja schwerlich zu einem großherzigen Akt gegenüber dem frühe­ren Kaiser aufschwingen.

In der erwähnten Betrachtung heißt es: Heule, wo man so intensiv nach dem Schul­digen am Weltkriege sucht und ihn bereits gefunden ju haben glaubt, wo die Finger der ganzen Welt nach dem alten Manne in Amerongen in Holland E, da darf der ehrliche Mensch nicht mitein» en in dasKreuzige-ihn" der Menze, son- r muß versuchen, die Schlacken zu entfernen und das nackte Bild der Wirklichkeit herauszu­schälen. Hätte Deutschland in Welikampst gesicgt, welcher Jubel würde heute seinenobersten Kriegsherrn" umbrausen. Nun, da es unterlegen ist, sind es unter den Deutschen die gleichen Leute, die sich im Verdamme i nicht genug tun können. Wir können einen englischen Minister ver­stehen, wenn er von Holland die Auslieferungdes Verbrechers" verlangt: aber wir können den Deut­schen nicht entschuldigen, der den Stein auf Kaiser Will>elm wirft. Freilich hat Joh.' Scherr tausend­mal recht, wenn er sagt: Laßt den Deutschen einen Mann von lauterster Vaterlandsliebe und makel­losestem Ruf aus der ganzen Fütte seines Her'ens im-* a s dec pan e a Genialität s ine5 Kop'e- (inen Rat geb n: sie wer et fan t une wlich zu beutln, S mäkeln, zu tadeln haoeu und denselben jedcn- lls nicht befolgen: denn er ist ja zu einfach, zu gerade und zu gesundmenschenverständig, er trifft zu sehr das Rechte und das Richtige. Aber laßt einen ehrgeizigen schwächte ps, einen selbstsüchtigen Gaukler (ä la Liebknecht , einen phrasenschleimigen Parlamentshanswurst das Kläglichste, laßt den Nächsten besten Lump und Schutt das Lumpigste und Schuftigste an raten: die guten Deutschen wer­den Wohlgefallen daran finden, insbesondere wenn der Erfolg dabei ist. Nicht die Motive, nicht ein ganzes Leben der Arbeit voll Pflichtbewußtsein find die Hauptsache, sondern einzig her Erfolg.

Hat nicht ganz Deutschland seinem Kaiser zu- gejauchzt, sind nicht die kühlsten Neutralen bestrickt Esen, solange der Glanz der Majestät den prell­en Köaigothron umleuchtete? Hat nicht jeder, :n für Mann, Wilhelm II. zugejubelt, als er wirklich einMehrer des Reiches" sein wollte? Selbst die Sozialisten waren im Grunde des Herzens stolz auf den Mann, der so glänzend die Herrlichkeit des Deutschen Reiches verkörperte.

Dian hat bem Kaiser mrge.mrfen, er hatte feige ferne kostbare Haut in Sicherh'it gebracht.

----lieb

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Mtag, 22. August 1919

genossen! Nachdem wir mm alle beit irib auf die

im

Datum

Wetter

Niedrigste

L-udwigstroßc 13

Telephon 65

Hupfeld's Weinstuben11

Frühstuckskarte.

486ID

= Eine künstlerische Sehenswürdigkeit. ------

18.3

15.4

8.2

tags bedeckt nachts Tau

Ernst Hupfeldsche Weingroßhandlung

Hervorragende Weine. - Versand nach auswärts.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gietzen.

vom deutschen Volke geschaffene Verfassung, ba-.- relnstct und da-

Grundgesetz des neuen Reichs, gelüstet uni) mit die formelle und offizielle Bindung all

Hupfeid's Privat-Hotel11

Stallung. - Auiohalle.

wie Sre wvl/. wissen. Ihr Schwager war leider nicht anwesend, aber Jhve Schwester, die, nzie Arne schreibt, eine berauschende Schönheit sein soll, hat ihn dringend ringeladen, int Spätherbst noch einige Wochen nach Svendburg zu kommen, bevor er nach Deutschland zurückkehrt."

Rogim erblaßte, sie batte, als sie Arne die Erlaubnis gab, ihre Schwester aufzusuchen, gar nidrt daran gedacht, daß Arne und Sven sich in der Schweiz gesehen, daß Sven burdy Arne er­fahren könnte, daß sie Ragna von Svendburg wir. Einmal, das wußte sic, mußte es ja doch geschcl^n, aber ihr bangte vor diesem Augenblick. Die Gefahr der Enldeckung lag ja jetzt, wo sie unter ihrem vollen Namen in Berlin ivcilte, so nahe. Wie leicht konnte Sven sie auffuchen, wie leicht konnte er nneber den Versuch madyen wollen, sic der Heimat zuzuführen, aber bei Gedanke, daß dirrck. irgend einen Zufall der Zeitpunkt nahe ge­rückt schien, 'wo Sven erfuhr, wer sie war, machte sie erbeben.

,Lsch muß jetzt gehen, Kindchen," sagte bre Frau Professor, aufstehend.Na, lassen Sie cs sich gut gehen, und essen Sie rrächsteu Sonntag mit uns zu Mtttag. Wollen Sie? Es ist Jhret- totnen ein ganz literarischer Kreis, auf den sich wem Alter was zu gute tut. Also auf Wieder­sehen, Herzchen . Nicht wahr. Sie kommen pünkt­lich Adieu, Adieu!"

Sie 'war fort und Ragna atmete rose von einer Zentnerlast Befreit auf. .

Wie müde lehnte sich die herrlrche Gestalt tn den Schauküstnhl zurück, die Flammen im Kanrin zuckten hoch auf, und draußen im Garten mt-

Hupfelds Diele

Täglich abends: trstklass. musikal. Darbietungen.

Nachmittagstae Konzert.

nm. abds.

vm.

21. 8. -= 13.0 ', 22. 8. = 6 5°.

12.0

10.2

7.9

vermischtes.

* Die Bureaudamen der Reichs­regierung in Weimar haben mit ihrer Tattg- feit das große Los gezogen. Nach demTag" er­halten sie monatlich bis zu 1000 Mark Gehalt, dazu 25 Mark Diäten pro Tag und alle Monate noch acht Tage Urlaub mit freier Fahrt. Wenn da der Boden der Reichslasse blank ist, kann man sich wirklich nicht wundern.

Höchste Temperatur am 21. 8. ---21.6°, 22 8.15.3°.

21. 8.

21. 8.

22. 8.

Aus dem Amtsverküudigungsblatt.

** Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 76 vom 21. August enthält folgende Bekannt­machungen: Verordnung über den Saatgutverkehr mit Brotgetreide und Gerste. Vom 20. Juni 1919. Erwcrbslosenfürsorge. Kohlenversorgung. Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Feldbereinigung Queckborn; die Arbeiten des III. Abschnitts.

lnnn dieser Fristen erfolgen. Saatgut, das nach Ablauf dieser bezeichneten Fristen sich noch im Besitze von Saatgutwirlschaft.n, zugelassenen Hchidlem ober Verbrauckiem befindet, ist an die mit dem Ankauf des beschlagnahmten Getreides von der Reichsgetreidestelle oder dem Kommunal* verbände beauftragten Kommissionäre abzuliefem. Der Erwerber hat für diese Mengen den allgemeinen Höchstpreis, nicht den Son­derpreis für Saatgut zu zahlen. Erweist sich ein Veräußerer von Saatgut unzuver­lässig, so kann ihm die Reichsgetreidestelle die wei­tere Veräußerung von Saatgut unterlagen. Wird die Veräußerung von Saatgut untersagt, so sind auf "Antrag der Reichsgetrcidestelle die vorhan­denen Vorräte durch die zuständige Behörde zu­gunsten der Rrichsgefrridestelle zu enteignen. Der Handel selbst ist nach den neuen Bestimmungen nicht an eine besondere örtliche Grenze gebunden, sondern ein einmal zugelassener Händler ist be­rechtigt, auf Grund von Saatkarten Saatgut an beliebigem Orte aufznkaufen und umgekehrt auf Grund von Anbauersaatkarten dieses innerhalb des Deutschen Reiches abzusetzen. Die erforderlichen Händlersaatkarten werden lediglich von den höheren Verwaltungsbehörden (Provinzialdirektion) ausge­stellt, während die Verbrauchersaatkarten von den Kreisämtern sowohl als auch von den höheren Verwaltungsbehörden ausgestellt werden. Die Kom- munalverbände stellen Saatkarten aus für die­jenigen Landwirte, die' ihrer Ablieferungspflicht in den beiden letzten Jahren nachgekommen sind, während die Provinzialdircktton alle anderen Saat­karten auszustellen hat.

Die den Kriegsgefangenen für die Dauer eines achtwöchigen Urlaubs bewilligten Frie­densgebührnisse sowie das Entlassungsgeld sind nicht als Arbeitsvergütung, sondern als Unter­stützungen auf Grund fremder Vorsorge im Sinne der Reichsverordnung über Erwerbslosen für sorge anzusehen. Es steht daher einer Auszahlung von Erwerbslosenunterstützung an Kriegsgefangene während der genannten 8 Wochen nichts entgegen, sofern die Kriegsgefangenen vom Militär ord­nungsmäßig entlassen sind, und die Voraussetzun­gen der Reichsverordnung über Erwerbslosensür- sorge erfüllt sind.

Letzte Nachrichten.

Die Vereidigung der Neichömiuistcr.

. Weimar, 21. Ang. (WTB.) Nach der Ver- etbigung des Reichspräsidenten durch die National- Versammlung versammelten sich die Reichs- Minister beim Reichspräsidenten, ber ffe mit folgenden Worten empfing:Nackchem die Verfassung in Kraft getreten ist und die Vereidi­gung des Reichspräsidenten auf sie statt gefunden hat, haben gemäß Artikel 176 der Verfassung auch alle Beamten des Reiches den Eid auf sie abzu- legen Als die ersten Beamten des Reiches bitte ich Sie, in dieser Ehrenpflicht voranzugehen, gnb die Ablegung des Eides lsier vorzunehmcn, indem Sic mir nachsprechen: ,Lch schwöre Treue der Ver- fasstmg, Gcswrfam den Gesetzen und gewissen­haft- Erfüllung meiner Amtspflich en." Vach der Eidesleistung der Reick>sminisler hielt der Reichs­präsident folgende Ansprache: Meine Herren Amts-

jemer Zeit, ober noch besser gesagt, der höffschm Gesellschaft, der er sich nicht entziehen konnte. Tiefe und nur diese trägt die Schuld am Welt­krieg, aber auch ,ie nicht allein. Tie Schuld verteilt sich gleick)ermaß<u auf alle Völker Eu vopas. Gehttmverttäge hüben und drüben, Macht­hunger hier wie dort und brenrenber Elngeiz allerorten. Ter englische Imperialismus war um nichts geringer als Der brutfdje, und der fran­zösisch Chauvinismus war nicht wmiger stark als das alldeutsche G.bahren. Wer rachedürstend das ,,Va<' vietis" ausrufr, ,otl nicht unterfafien, auch an seine Brust zu klovfen, und es wird auch dort 'lvidkrhallcn:Mea culpa, mea maxima culpa!"

Tie Tage vom 3.6. September 1912 waren wirkliche Festtage für die ganje Schweiz. Vom Bodensee luS zum Genfersee (Den Ausdruckboches" tämiten die Westschweizer damals noch nichts war nur e in e große Befriedigung über Die der Schweiz zuteil genwr' n- Ehre, und Bundesvräiident Forrer sagte nicht z- o el, als er in seiner Begrüßungs­rede die D.s ng des Tages in Den Satz zusam- mensaßte: Tee Besuch des Deutsch-n Kaisers be­deutet für unser Land eine eigentliche Feier! Tie den Schweizern so gut wie den Deutschen eigene Nörgelsucht und Verllcinerungssucht war ver­schwunden, und unbeschadet aller republikanischen Gesinnungen und Anscl>mrungen ließ man sich gefangen nehmen von Der persönliclien Liebens­würdigkeit des Kaisers, der fern vom Thronen­flitter sich mir als Mensch gab. Tas Unglück für Wilhelm II. lag einzig und allein in seiner Vielseittgkeit. Er besaß viele eigene Ideen, die bei seiner impulsiven Natur nicht immer den besten Ausdruck und die .glücklichste Verwirk- lickmng fanben. Ader dieses alles wurde mehr als aufgekwben durch das strenge Pflicht und Ver­antwortlichkeitsgefühl, das ans jeder seiner Handlungen sprach. Die Geschichte, das ist unsere volle Ueberzeugung, wird Kaiser Wilhelm II. nickst verurteilen und brandmarken. Sein Streben war recht und groß, und er darf für sich das Wort des Engländers Shakespeare in Anspruch nehmen: Ich bin ein Mann, an dem man mehr gesündigt als er sündigte.

Wettervoraussage

für SamStag:

Wolkig bis beiter, trocken, Temperatur wenig geändert, westliche Winde.

UeberdenSaatgutverkehr mit Brot- getreibe und Gerste wird bestimmt, daß die Liefe­rung von Brotgetreide und Gerste zu Saatzwecken nur gegen Saatkarte erlaubt ist. Di? Ausstellung her Saatkarte muß schriftlich beantragt werden. Un­ternehmer landwirtschaftlicher Betriebe (Landwitte) richten den Antrag an die Ortsbehörde, in deren Bezirk das Saatgut zur Aussaat gelangen soll. In dem Anttag ist die Anbaufläche zu bezeichnen, lür die das Saatgut verwendet werden soll. Die Orts­behörde hat die Richtigkeit der Angaben des An- ttags, insbesondere auch hinsichtlich der Anbau­fläche zu prüfen und den Anttag unter Mitteilung des Prüfungsergebnisses der unteren Verwaltungs­behörde vorzulegen. Händler, Genossenschaften und andere Verernigun«sm richten den Anttag unmittel­bar an die höhere Verwaltungsbehörde des Bezirkes ihres Geschäftssitzes. Für Lieferung von Saatgut derselben Fruchtart und Sorte an mehrere Land­wirte derselben Gemeinde könnm Sammelsaatkarten verwendet werden. Ter Erwerber von Saatgut hat die vollständige Saatkarte dem Veräußerer bei Ab­schluß des Vertrags auszuhändigen. Die für die Ernte 1919 vorgeschrwbeü? Zustimmung des Kvm- munalverbandes zu rechtsgeschäftlichen Ver­fügungen über Brotgetreide und Gerste ist nicht erforderlich, wenn es sich nm Originalsaatgut, an- erkarmtes Saatgut ober um Saatgut handelt. Ori- ginalfaatgut im Sinne dieser Verordnung ist nur das Saatgut solcher Züchtungen, die unter Bezcich- mrrog des anbauenden Züchters, der Fruckstart unb der Größe der Anbaufläche in einem vo n der ReicksgetreidesteUe im Deutschen Neichsanzeiger zu veröffentlichenden Verzeichnis angeführt sind. Selbstgebautes Getreide, das weder Originalsaatgut noch anerkanntes Saatgut ist, kann von Landwirten zu Saatzwecken veräußert inetben, wenn ihnen hier­zu eine besondere schriftliche Erlaubnis erteilt ist (§>andelssaatgut>. Zur Erteilung der Erlaubnis ist der Zriimmunalverband zuständig, soweit es sich um Lieferung innerhalb des Kommunalrerlandes han­delt. Sonst ist dre Reichsgetreidestelle oder die von ihr beftimmtc Stelle zuständig. Di? Lieferung von Wintergetreide zu Saatzwecken darf nur in der Zett vom 15. Juli bis zum 15. Dezember 1919, von Sommergetreide zu Saatzwecken nur in der Zeit vom 1. Januar bis zum 1. Juni 1920 erfolgen. Die Ausstellung der Saatkarte tarnt vor dem Be­

se ves Tun und Lassens an dieses Grundgesetz her gestellt haben, wollen wir uns noch gegen fertig ge­loben, in Treue unb imermüblicher Pflichterfül­lung, noch bestem Wissen und Gewissen alle un­sere Kräfte in dm Timst des Reick>es, unserers geliebten, jetzt so unglüdlidKii deuiscktzm Vater lanb-es, zu stellen. Wir ivvllm. alles tun, auf daß, aut -Dem Willen des deutschen Volkes, das sich diese Verfassung gegeben hat, und auf der treuen Pflichterfüllung aller seiner amtlichen Organen die junge Republik empor wache zu einer starken, friedlichen Zukunft. Ich danke Ihnen meine Herren.

Vcrhaudlungcu über Transportsragen mit der Entente.

B e r s a i l l e s, 22. Slug. lWTB.) Havas. Am Donnerstag morgen sind die Herren Be tgmann, Staatssekretär für die Finanzen, H u 6, Vertreter der deutschen Kohlenbezirke und Staatsrat Gehr in Versailles angefommen, um über die Transportfragen zu verhandeln.

England ignoriert im besetzten Gebiet die deutsche Versusiung.

Köln, 22. Ang. (WTB.) Der britische Mttr- tärgonverncur erläßt folgende Bekanntmachung: Es wird hierdurch bctanntgcgcbcn, daß, solange btc britischen Militärbehörden die Kontrolle über das von britischen Truppen besetzteGebiet ausüben, keine Acndcrung in der deutschen Verfassung dieses Gebietes erlaubt wird und daß keine neue Autorität ohne vorherige Genehmi- gung der britischen Militärbehörden anerkannt wird. Jede Person, die gegen diese B'kannimach- ung verstößt, oder solchen Handlungen Hilfe leistet, setze sich einer Gefängnisstrafe oder Ausweisung oder beiden Strafen aus.

Sozialdemokratische Kundgebungen gegen die Nätediktatur.

Berlin, 22. Aug. Eine eindrucksvolle Kundgebung gegen, wie derVorwärts" sagt, den Wahnsinn der Rätediktatnr bedcu ten die 16 öffentlichen Versammlungen Der so­zialdemokratischen Partei, die gestern abend in Ber­lin und Vororten stattfanben. Tas Thema lautete: Ter Zuiaminenbruch der internationalen Räte Diktatur. Tie Mch zähl der Berfammlungen war stark besucht. In vielen machten sich Spreng- tatannen der Unabhängigen durch Zwischenrufe und Lärm bemerkbar.

Die Trenmmg Birkenfelds von Oldenburg.

Oldenburg, 21. Aug. (WTB.1 Der Land­tag des Freistaates Oldenburg hat einstimmig die Vorlage der Regierung angenommen, wonach dem Antrag der Birkenfelder Abgeord­neten auf Abtrennung des Für sten- tu ms Birkenfeld unter den von ihnen fest­gesetzten Bedingungen zugestimmt wird. Die Ab­lösung soll unter möglichster Beschlcunigimg und unter voller Wahrung des Selbstbestimmungs rechtes der Birkenfelder durchgeführt werden. Heber das Staatsgut soll das Fürstentum selbständig verfügen.

Das Ende eines tapferen Fliegers.

Berlin, 22. Aua. Wie aus Dortmund berickftet wird, stürzte Leutnant Bongartz, der Besieger von 39 feindlichen Fliegern mtb Lstier des Flugplatzes Gelsenkirchen bei einem Schau- ftjig aus 50 Meter Höhe ab. Sein Zustand ist hokffrungstas.

Der Kampf gegen die Bolschewisten.

A m st e r b a m, 22. Aug. (WTB.) Tas Reue tcrsche Bureau meldet, daß einem bolschewisttschen Funkspruch zufolge die Alliierten Cherson und Nikolajew besetzten. Weiter nördlich ziehen sich die Bolschewisten hinter ben Bug zurück.

blätterten sich die letzten Rosen unb flatterten im Herbstwind davon. Ein Frösteln ging durch Rag­nas Körper. In dcmjelbeir Augenblick öffnete sich die Tür und die alte Chaja mtt dem hageren, ernsten Glicht trat mit allen Zeichen der Hast rin.

Verzeihen, gnädige Gräfin," sagte sie fast atemlos.Eine Tepefche, ich glaube aus Svend­burg."

Ragna riß der Alten ungestüm das Telegramm aus ber Hand.

Sigrid stirbt, nur Sie können helfen, sie ruft Sie unaufhörlich. Kommen Sie sofort. Sven." stand darauf.

Nlit einem dumpfen Laut brach Ragna in ilyrem Stuhl zusammen. Ihr Verhängnis erfüllte sich.

Gnädige Gräfin befehlen," wagte die Ge­treue §u fragen.

.Ta lies," sagte Ragna aufspringend,wir reisen nad). hmte nach Svendburg."

Mit blitzenden Augen und wogender Brust stand sie da. Jetzt gab es kein Zurück mehr für fie.

Vorwärts" war die Losung. Es war ein Kampf, ein schwerer Kamps, eine grenzenlose Ge­fahr in die fie ging, aber sie wollte liegen fie wollte!

*

Es tanzt mit krachenden Masten Tas Scknff durch's schäumend: Meer, Die Segel, Die sturmverblaßten. Fliegen zersetzt umher.

Was kümmert uns Kampf und Toben? Lehn dich an meine Brust:

Wir zwei auf Teck hier oben Sind uns des Siegs bewußt.

Was kümmern mis die Bilder Des Todes und ber Sec? Mein tolles Herz ist wilder Als jede Wetterbö.

Und dttnes ist 'wohl weicher

Und sanfter von Begehr Doch ist es perlenreicher Und tiefer als das Moer.

Prinz Emil von Schonaich-Cawlath.

Tas war für Ragna eine traurige Fahri nach dem nordischen Hrimatlande. Ter Regen schlug an die Fenster des Eoupes, worin Ragna voll quälender Unruhe saß und dem Dampfroß Flügel wünschte, um schneller nach Svendburg zu kommen. Sofort, ohne jede Vorbereitlmg war Ragna nach Gmtreffen des Telegramms aufgebro- chen. Chaia sollte ihr erst am nächsten Tage sol­lten. Nun saß sie allein in bem lÄfenbahnwaqcn unb starrte m den herbstlichen Nebel hinmis, frühe und schmerzlich sinnend.

Wie würde sie die geliebte Schwester finden? Tre Nachrichten von Sigrid waren in der letzten Zeit nur sparsam geftafien. Kein Wort über ihr Verhältnis zu Sven, kein EriTmern an ben Für­sten. Aber auch kein frohes Aaiflachen, kein leicht- simriges Plaudern, wie es Sigrid so reizend formte Rur müde, kurze Briest, aus benen nichts -us eine stille Resignation sprach, ein Fügen Lt das Unvermeidliche

(Fortsetzung folgt)