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pdftfchecklonta: grentfnrt a. M. 11686

169. Jahrgang

Dienstag: 22. April 1919

BiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gderheffen

SwMngrnmdöruck u. Verlag: vrühl'fche Unio.-Vuch- u. Steinörudercl R. Lange. Zchriftleltting, Gefchäftrftelle u. Druckerei- Schulpr. 7.

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matz -

Tie

DK Lebensmittelversorgung.

Berlin, 19. April. (WTB.) Bon

tcn vor dem Krieg niÄ 309000 Tonnen iibcr- ftüitt, io kann man die ährte 8a<ye der Lcb«ns- mittetknaopl'eit m gcm% Europa erkennen. Tie ersten 350090 Tonnen des in der ersten önlfti. des April Verfügbaren deir'.st-LN sdandclsschiifv. mms wurden zur LelcLamg nackt:en Bereinigten Sb taten und Kmrada geschickt. Diese S<hisse werden selbst, wenn keine .Verzögerungen eiMretcn, nicht 'vor

Der erste Konkurs im Ruhrbergbau traf die j Bochumer Bergwer's-A.-G. Sie nntrbe. wie das sozialistischeBochumer Bollsblatt" schreibt, zu Tode gestreikt. Es sei wohl nicht damit zu rechnen, daß die Grube jemals wieder in Betrieb genom-- men werden kömre. Die ZecheBlankenburg" Hal derartige Verluste gehabt, daß sie die Frage der Einstellung des Betriebes auf die Tagesordnung der nächsten 'Generalversammlung senen mußte. Tie Gewcrksck-astMathias Stinnes", eine der alten Zechen des Stinnesschen Familienbesitzes, sieht sich veranlaßt, die Eimührung von Zubußen zu beantragen. Tie GewerkschaftGraf Schwerin" und die GewerkschaftMont Cenis", zwei der bestfundierten und ertragreichsten Zechen des Nuhr- gebietes, sind nicht in der Lage, für das erste Viertel des Jahres 1919 eine Ausbeute zur Ver­teilung zu bringen. Auf der GewerkschaftDeut­scher Kaiser" brachte die Werkleitung den Arbeitern zur Kenntnis, daß sich ihre Verlust von Beginn dec Revolution bis Ende März ans 35 bis 36 Mil­lionen Mark belaufen. Tas Unternehmen stehe vor dem Ende der Existenzmöglich- k e i t. Die Lage der Arbeiter bessere sich durch die erznningenen Lohnerhöhungen nicht, sondern die Belegschaften befänden sich infolge der unaufhör­lichen Streikunrnhen in einer unbeschreiblichen Notlage Die Deutscki-Lnremburaische Bergwerks- und Hntten-A.-G. beziffert ihre Verluste auf ihren Zechen allein für November bis einschl. Januar auf 10 Millionen Mark.

Auf dem Berliner Rätekongreß wies Reichs­minister Wissel darauf bin, daß die Forderungen der Bcraarleiter eine Reihe von Betrieben bereits vernichtet habe. Einige Betriebe, die im November noch eine Reserve von 15 Millionen Mark hatten, hätten Heute eine Bankschuld von 12 Millionen. Tie Banken verweigerten jeden weiteren Kredit. Die von den streikenden Bergarbeitern aurgestell- ten Forderungen 25prozentige Lohnerhöhung und Kürzung der Schicht aus sechs Stunden em- schlichlich Ein- und Aus'ahrt würden eine neue Belastung der Ruhrzechen um eine Milliarde Mark mit sich bringen. Berat aber die bisherige Lohnerhöhung und das Zugeständnis einer 7/^ stündigen Schichtzeit schon katasttophale Wirftrngen au^üben konnten, wie viel mehr wurde daim der völlige Ruin unseres Kohlenbergbaues durch solche ungehei-eren weiteren Lasten beschleunigt, der eine im großen Umfange eintretende Arbeitslosigkeit unter den Bergarbeitern zur Folge haben müßte.

Schließung

der Spandaucr Hccreswerkstiitten.

Die Lage de» Kohlenbergbaue».

Essen, 19. April. (WTB.) Die m den letzten Tagen verössentlichten Nachrichten aus dem rbn- nisch-westsälifchen Industriegebiet über die wirt­schaftliche Lage des Kohlenbergbaues müssen jedermann den außerordentlichen Ernst un­serer Lage zum Bewußtsein bringen. Die Mel­dungen lassen erkennen, wie weit der durch die endlosen Streiks und die Lohnforderungen her vorgerufene Zerstörungspro- schon gediehen ist.

Karls des Großen, das Reichsszepter <unt> den Reichsapfel, kurz aus dm gesamten Krönungsschatz des alten deutschen Kaisertums, Anspruch.

ckls Rest Brotgetreide in Betracht kommen. An­ordnungen für bi? Lieferungen von Fetten in Mai find auch vom französischen Lebensmittelministe- rium getroffen worden. .

Die Anordnungen für die Erleichterung der Blockade bezüglich der Fische von den skandina- stttschen Ländern und für die Freigabe der Sehend* nntteleinftihr von diesen Ländern mit dem weiteren Recht, solche Exporte aus dem Auslande tvielter ein- zuführen, werden in ihrer Gesamtheit dazu bei­tragen, die Lage zu erleichtern.

In der deutschen Presse wird über die P r e i s- frage verhandelt, zu denen die ausländisckien Le- bensnlittel berechnet sind. Weder oie amerikanisch? Lebensmittelverwaltung noch das englisck>e Lebens Mittelministerium arbeiten auf irgendeiner Basis von Verdienst. Genau dieselben Brei e sind für Verkäufe nach Deutschland festgesetzt wie für den Verkauf an die eigenen Berbraucl)jer und an alle anderen Völker der Welt. Die amerikanische Le­bensmittelverwaltung und das britifefoe Lebens- Mittelministerium stellen die Betriebsmittel und das Kapital für Austreiben, Einkauf, Lieferung der Lebensmittel an das deutsche Volk gänzlich ohne Verdienst zur Verfügung. Augenblicklich werden Le­bensmittel von der amerikanischen Lebensmütelver- toaltung nach europäischen .Häfen geliefert, nicht nur nach Deutschland, sondern auch nach Finnland, den baltischen Staaten, Polen, Rumänien, Serbien, Südstawien, Oesterreich, Ungarn, Tschecho-Sloroa- Eten, der Türkei, Armenien und Belgien und alle «werden genau auf derselben Grundlage behandelt. Tatsächlich sind bei der Anstrengung, die Lebens- stnittellage Europas zu retten, die Schifssraten von den Vereinigten Staaten und den alliierten Re­gierungen sür Lebensmittel weit niedriger ge­setzt als diejenigen, die beim V"richisfen im «all­gemeinen Handel erzielt werken könnten. Mau hat nicht den Wunsch, die Lebensmit.eipreise in irgend einem Teile Europas in die Höhe zu treiben, son­dern die Anstrengung der Vereinigten Staaten, die Versorgung ausrecht zu erhalten und die Sparsam­keit, die für das amerikanische Volk nötig geworden ist, um der allgemeinen Hungerkatastrophe Europas entgegenzutreten, macht die eigene Lage selbst bis zur nächsten Ernte außerordentlich sck>wierig.

Folgende sind die annähernden Einheits- ttreife, zu welchen Lebensrnittel bis jetzt nach Deutschland geliefert sind; wahrscheinlich werden sich die Preise später etwas verringern, sow'e direkte Lieferungen auf dem Seewege wirksam werden, an Stelle der durch di? Umladung von anderen Häsen, entstellenden Mehrkosten:

Weizenmehl per Kilo 20 Cents, Weizen per Kilo 13V2 Cents, Roggen per Kilo 12 Cents, Boh­nen per Kilo 29 V2 bis 31 Cents, Reis per Kilo 26 bis 261/2 Cents, Getreidemehl per Kilo 18 Cts., Kondensierte Milch per Kilo 25 Cents, Kochsttte per Kilo 65 bis 75 Cents, Speck 4>er Kilo 63*/» Cents, Schinken per Kilo 85 Cents.

Berlin, 19. April. (WTB.) Im Eftwer- nehmen mit dem Reich^wehrmiii 'er, dem Kriegs­mini vr nid dem R.i'ck'sckxi-mr.i!er wird folgen­des becanntg>?gchen: Ter Streik der Ange,wüten in den Svandauer Heer eswer ksta tten ergibt die Unmbglick.lk.it einer erspricßltchm Arbeit in diesen Betrieben. Sie werden deshalb bts auf weiteres geschlossen. Tie Arbeiter werden t ab Dienstag den 22. April bis zur werteren

g?benber amerikanischer Seite wird ims mit Ge- nehmigiui'.g des Generaldirektors der Lebensmittel- verso gang Hoover naclMhende Errlärung z^.- gesteltt:

Die vom amerikanischen Generaldirektor tx r Lebensmittelversorguwg ht Uebereinstimmung m it den asso.i erten R gierungen und den dents-sten Bevollmächtigen am 14. März getroffenen An­ordnungen ge atteten bereits die Lieferung ttäck) kicher Mengen von Lebensmitteln für de-s deutsche Volk und die Schaffung von Ataßwahnn m für die fvr gesttze Erginzu'g.

Es ist mdcisen garz klar, datz eine gerechte und ungehinderte Verteilung der Lebensmittel mir möglich ist, solairge gefestigte und ord - rungsmäßige Verhältnisse begehen. Hoover ist sehr besorgt megen der Unruhen fin verschiedenen Teilen Teutsckchrnds, welche dahin 'ühren röraten, die Transporcmöglchlnt unfo eine ungehindette Verbindung zu verhindern. I5r ist der Meinung, daß cie fvttgesetzte Uttterbcechlkng der öffentlichen Ordimng all die gcmachUn An­strengungen stark b.eintröchstgen w rd u:«d ermst- liid) Gesundheit und Kraft des grnzen deutsch »en Volkes bedroht. Wie ro.it Maßnahmen für die Lebensmittelversorgung getroffen sind uri> wie die Lage augenblicklich ist, soll das folgende, kurz iu- sammengesaßt zeigen:

Es herrsch. eine gnoße Knappheitan 3'e- b e n s m i t t e l n die für Curvpa verfügbar ff nd. Auf'Grund der Tatsache, daß nicht genug Schiffs­raum für die lange Reise nach Auftcalien u itb Argentinien zur Verfügung steht, mu% daher rät gosxr Teil der Verforgung Cuwpas bis lur näd/len Ernte auf den naben Markt Rordameri las bescheänkt bleiben. Die Menge, die für die £e> bensmittelv^'rsvrglu: g i t NordameiiÄ verfüzlxu' ist mit einiger Ergänzung vom südlichen Amerika de genügen, die Bevölkerung Europas bis zur näch'ten Ernte durch,ubringm, aber nur bei oeinl ichster Spar sam keit und Sorg» falt in der Verteilung. Die Krise in der Lebensmittelversorgung der ganzen Welt zeigt fafo da in, daß allein roäforeib des Monats April i^er 1 700 000 Totrnen von Lebensmitteln _ von den amerikanischen Hafen verladen roerben sollen und Vorbereitungm getroffen sind für die Absentz ung von über 2 000 000 Xortnen währcmd des M« tats Mai. 12B<mn man bedmtt, daß der Durchsch/nitt der Monatsverschiffurg in den ?crrängten S.taa-

fchnnen. Die Lohnanspnäche der Arbeiter roerben voll von der Regiermtg ancrtaimt. Die Lohn za 1 r Lung erfolgt bis auf nuiteres in der bisherigen Weise. Jede Störung der Ordnung durch Gcwatt- ig'cit oder Jon ige mrg sc lich.' Maßnahnim wird auf Grund des be stehe: den BclagLrungsztr- standes mit aller Strenge geahndet.

Die vorläufige brannschweistische Regicrung.

Braunschweig, 19. April. (WTB.) Die vorläufige braunschweigische Regierung, die die IV>e-- schäste' des Landes bis zum Wiederzusammenl>:itt des Landtages am 24 April führt, besteht Lins: An trick (Soz., Finanz Präsident Bartels, CK rcke (Unabh.), Dr. Zastvr (Soz.), Junke (Unalch.), Schelz (Soz.) und Strärbrecher (Soz.). Vorsitz«ü)er ist Dr. Jasper.

Schutz gegen die folgen der Stillegunst von Banken.

Berlin 19. Avril. (WTB.) Tas Reichs- ministerinm für wirlsckiaftliche Temobifmad jung erläßt mit Wirkung vom 8. ^lpril eine Verord­nung zum Schutze gegen die Folgen der (ZltiU- legimg von Ü8an(betrieben Dom 19. April. § 1: Wird ein Schuldner durch Slilleg?rng eines ^lank- bettiel'es ohne sein V wschuld-m gelnndert, pri- vatreck'tlickje oder öffrntlich-n-echtliche ZahlungZver- bindlichkeiten zu erfüllen, so gelten die Rtchts- folgen die wegen Nichtzahlung oder einer nicht r-chtzeitigen Zahlung nach dem Gesotz oder einem 23ertrag eingetreten sind, als iticht eingetreten.. K 2: Ter Schuldner kann sich auf die Vorschrift des § 1 nicht berufen, wenn er es unterläßt, die Ver- bindlichktit mtverz.tiglich, nachdem das Hinirmis befeitigt ist, zu erfüllen. § 3: Wird infolge der S illegung eines Bankbetriebes die rechtzeitige Vornahme einer Handlung, deren es zur Aus­übung oder Erhaltung des Wechselrecksts ober Rcgreßrech'es aus einem Scheck bedarf, v-rhin- dert, so verlängern sich für die Vornahme der .Handlung die vorgeschriebenen Fristen um fn viel, als erforderlich ist, um nach Wegfall des H'inder- nisses die Handlung vorzunehmen, mindestens aber bis Ablauf von zwei Wochen nach Wegfall des Hindernisses.

Die Kleinodien de» Heilige« rSmLschen Reiches.

W i e n, 19. April. (WTB.) Nach demNeuen Wiener Tageblatt" erhebt jetzt Italien auch auf die früher in Aachen und Frankfurt a. M., feit über hundert Jahren aber in der Wiener Schatzkammer aufbewahrten Kleinodien des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, also auf die Krone und das Schwert

""rott' 'auitojÄetcr S-ch-ckEmd Dmhkw« nhr ergebenster g^z., Eberl

Mit dem Sch c beit des N.tchsvraitd-mten ist Schiffer gleichzci.ig folgendes Begleit ichrcrbendes Ministerpräsidenten

Llnliegend überfeite ich Jlknen ergebenst den -

Erlaß des Reichspräsidenten über ,dte Entbnchung prä -------------

von Jh-en Aemtem als RcrckMuinrcker der Ft ta ^iaeÜJUtg ihren Arbeitsstätten mcht zu er-

yn und Vizeprä! ldcnt des RerckMurittltertumK. v 1

Die Einladung nach Versailles.;

Berl in, 19. April. (WTB.) Ausführliche sMsung Telegramm der Wafsenßillstandskommis- fion in Spa vom 18. April an Erzberger. General Nlidant übersandte am 18. April 4 Uhr nach mittags folgende Note:

Der Vorsitzeude des Conseils, Kriegsminister, telegraphiert am 18. April was tfolgt: Wollen Sie bitte folgende Mitteilung an die deutsche Regierung roeuerleiten:

1. Ter Oberste Rat der Alliierten und asso­ziierten Mächte hat beschlossen, die mit Voll­machten versehenen deutschen Telegierten für den 25. April abends nach Versailles einzuladen, um t>ort den von den alliierten und assoziierten Mächten sest.g setzten Text der Fricdensprälimina- rien in Empfang zu nehmen.

2. Tie deutsche Regierung wird daher ge­beten, bringenbft Zahl, Nacken und Eigenschaft der Teiegicrteil anzugeben, welche sie nach Ver­sailles zu schicken beabsichtigt, ebenso Zahl, Na­men und Eigenschaft der Personen, die sie begleiten.

Tie deutsche Telegativn soll strengstens auf ihre Rolle beschränkt bleiben und nur Personen Umfassen, die für ihre besondere Mission bestimmt sind. ge$. Nudant.

Ter Reichsminister des Auswärtigen, Graf v. Drockdorfs-Rantzau erteilte dem Ver­treter des Auswärtigen Amtes bei der Wafsen- stillstai-.dskommission in Spa in Beantwortung der französischen Mitteilung am 18. April fol­gende Instruktion: .

,Lch bitte, dem borügen ftanzöftschen Ver­treter folgende Mitteilung zur Weitergabe an die alliierten und assoziierten Möchte zu machen: Tie dm-.tick>e Regierung erhielt die Mitteilung des französ sck>en Ministerp^L identen und des Kriegs- miifts'ers vom 18. April; sie wird den Gesandten v H a n i e l, den Gelieimen Legattonsrat von Keller und den Wirk! .Legationsrat Ernst Schmitt zum Abend des 25. April nach Ver­sailles entsenden. Tie Delegierten sind mit txnt erforderlichen Vollmachten ausgestattet, um den Text des EnNvurfes der Friedensprälimina­rien entgegenzunehmen, den sie alsbald der deut- fd>en Regieruna überbringen werden. Sie wer­den brflltitei fein von zwei Bureaubeamten, Hof- rat Wüter Reinker und Tiätar Alfred Lü­ders, sowie von zwei Kanzleidienern Julius Schmidt und Wie bef. __

Berlin, 2L April. (WTB.) Aus das Tete» gvamm vom 19. April übergab General Nudanl gestern in Spa die Antwort der verbündeten Re­gierungen in der Entsendung von Bevollmäch­tigen noch Versailles. Gefordert wird, daß sie ebenso ermächtigt sind, über die Ge­samtheit der Friedensfragen zu ver­handeln, wie die der alliierten und assoziierten Vertreter.

Hiermif antwortete der Rerchsmtnriler des Äeußem Gras von D rvckdor sf-Ran tzau, die deuische Regierung werde nunmehr in der Vor­aussetzung, daß im Anschluß an die Ucbergabe des Entwurfes der Friedensbedrngungen Ver­handlungen über den Inhalt beabsichtigt werden, als Telegserle Revck-smffttster Graf von Brockdorff-Rantzau, Landsberg e^r, Wricsberg und Präsident Leinert, ^r. Melchior, Professor Schücking entsenden, wenn Bewegungsfreiheit, sowie freier Dra ht verkehr mit der deutschen Regle- rung gewährleistet werde.

Dernburg Reichsfinanzminister.

Berlin, 19. April. (WTB.) Der Reichs­präsident vollzog heute abend die Ernennung oes Staatssekretärs a. D. Dernburg zum Retchs- finanzminisler. Ternburg wird gleichzeittg das Amt des Vizepräsidenten des Relchsmmrstertums übernehmen. Ä

Ebert an Schtficr.

Berlin, 19. April. (WTB.) Reichspräsi­dent Ebert hat anläßlich des Rücktritts des Renchs- ministers dec Ick'auzen Schiffer an dresen fvl^ndes Reiben s rtch.et:

Berlm, i9. Apru 1919.

Sehr »ereforte Exzellenz!

Mit schwerem Herzen c-abe ich, nachdem alle Versuche, eine aftbere Lösung, zu ftnden, fehlge- sck<ag>?n sind, Ihr mir ttom.President«: dev RculB- rnrnisteriums vorg>ck.gtcs Abia.iredsgesuch, vorn 28. März bewilligt . Indem tch Jfonett dre Ur- Tmibe über Ihre EittbmL.uugt'rhm Äm.e al^Revds- Minister der Finanzen und Vr'.epra! rdcntdes R'ich mini eriums unter Gewährung des geietz- lichen Rnhegchalts in der Anlage ^ugehen lasst, kann ich tticht umhin. Ihnen rufetch trat dem Aufdruck meinet nochmaligm ttesen Bedauerns über Ihr An sck, i?en aus dem Rcichmr nistertnm meinen aufrichttgm ttescmvfundenen ^ank dasür m ich Sie in dieser so Lb-nms s-l^e-

n un» rniflcn 3-il Ihre Kraft unb Jdr it# Wilsen so völlig in den Trenir der Repernng und brtmir unseres neuen Vaterlandes gebellt haben. Äfl!' S Sie nach Ihrem Ansschnden -ns dem Reicheministerrurn in derselben aufopfernden und selb losen Weise wenigstens cn, Ihrer Etgen- si'last als Parlamentarier Ihr W ffen und Ihre Erfahrungen dem Valerlande zur Deriugung stellen

dem 1. Juni mit einigmnafkn beträchtlicher Lebensmittclladung nach Deutschland zuruckkehren. Es wird erwartet, daß die zweiten tx-rsügl-aren 350 000 Tonnen deutschen Han^lSscküffsraums nach Argentinien geschickt und im Juli mtt Lebensmitteln nach Deutsck)land zurückkehren werden.

In der Zwischenzeit rnuß das deutsche Volk während bet Monate dlpril und Mai versorgt wer­den. Hierfür sind ungefähr für die A p r i l l i e f e - runp 200000 Tonnen verfügbar gemacht auS den Vorräten in Europa, die der amerikanischen Lebensmittelvcrwaltttng und dem britisck^en LebenS- tmittclMinisterium gehören. Von diesen Lebens- natttcln sind schätzungsweise 30 000 Tonnen (Schweinefleisch, 15 bis 20 000 Ion« nenandereFetteaus dem Vereinigten König.- reich, das übrige ist Brotgetreide in Form von Wei en, feinem Mehl, Roggen, Getreidcmebl, Erbsen, Bohnen und Reis. Tamit Lebensrnittel für Lieferung nach Deutschland während des April ver- .fiinbac sein sollen, rift die amerikanckcke Lebens- ncktt.lvcrwaltting b müht, anuä ernd 2)0 C03 Ton­nen amerikanischen Schiffsraum zu beladen, wofür 3 ) bis 40 000 Tonnen amcrifaniidjcr Fette und

Au» Stadt uud Land.

Gießen, 22. April 1919.

Die Zustellung deS Gießener «n einer* an unsere Leser auf dem Lande verursacht infolge der Einstellung des Zugverkehrs bie größten Schwierigkeiten. Wir werden natür* lich jeden Weg benutzen, der eine Beförde­rungsmöglichkeit bietet, und die tricht zu übermittelnden Exemplare nachliefern, sobald der Personenverkehr wieder ausgenommen ist.

Tie Nachricht von der Einstellung des Verkehrs kam, obwohl erwartet, völlig über­raschend. Auf Befragen beim Bahnhof Gießen erfuhren wir noch am Samstag morgen, daß die Einstellung für die Feiertage nicht beab­sichtigt sei. Die amtliche Nachricht der Eisen­bahndirektion Frankfurt wurde uns kttrz vor Rebaktionsschluß übermittelt, so daß sie raus in einem Teil der Auflage noch mitgeteilt! werden konnte.

Die größten Hemmnisse erleidet auch heute noch die Nachrichtenübermitte­lung an unsere Redaktion. Post hat uns kaum erreicht. Die Fernsprechleitunaen mit Frankfurt a. M. sind überlastet, so daß auch auf telephonischem Wege Nachrichten kaum zu erhalten sind. Wir sind daher gezwungen, uns im Nachrichtenteil große Beschränkungen auf­zuerlegen.

Wnnn der Personenverkehr wieder aus­genommen wird, war bis zmn Schluß der Re- I daktion noch nicht in Erfahrung zu bringen.

waren selbst Zeuge davon, mit welch' etnnrüHgem lebhaftem Bedauern die Mit^iedcr des Reick>s- ministeriurns von Ihrem Entick^luß Kenntnis ge­nommen haben und tvelche Anstccngnt'gen gcmnch'. norden sind, um Sie dem Mütisterinm zu er hat. en. Nacktem diese Bemühungen nicht zum Ziele ge- üfort haben, bleibt mir nur übrig, in völliger Wür­digung Ihrer Gründe nochmals dem Danke des Neichsrnimsteriurns für die ihm und dem Reiche unter den sckIvicrigs^en Verhältnissen geleisteten Dienste Ausdruck zu g:ben.

gez. Scheidenuum.

2ln$ Bayern.

Ein Gefecht bei Dachau.

Berlin, 19. April. (WTB.) Nach ei irrt Trahtmeldtmg desVorwärts" wurden 600Monn der nach Tack)au vorgeschobenen Regierungstrnp- ven von 1500 Mann der Münchener Roten Garde angegriifen. Hm Vergleichswege wurde verein­bart .daß die Parteien auf die Ausgangsstellun­gen zurückgehen lotl en. Unter V ertr ags- bruch liest der Besehshalvr der Roten Garde eine volle halbe Stunde vor Ablauf der verein­barten Frist Mascknuengewehrseuer auf die Ne- gierungstriippen eröffnen. Auch gingen die Leute der Roten Garde unter dem Ruf:Nicht schie - fjen" gegen die Negimmgscruppen vor, schossen dann aber selbst. Tie Neaierungstruppen rourben unter Verlust von 150 Mann zurückaenommen. Dackiau ist zur Zeit in der Hand der Noten Garde. s.

Nach demselben Blatt wird im Gelsenkirche­ner Revier, wo der Stv.ckk vor einigen Tagen allgemein war, auf 18 Schach.en gearbeitet. Die Parole des deuttchen Verdarb-cktervecbandes, den Streik abzubreche^r, wird tnt allgemeine befolgt. Rian rechnet mit tx*r allgemeinen Arbeittnufftahmc am Dienstag nach Ostern.

Die rusfische« Kriegsgefangenen.

Neu-Ulm, 19. April. (WTB.) Tie Befehls^ habet in München haben die russischen Ge­fangenen im Lager von Puckftxckm in Frei­heit gesetzt und sie bewaffnet. In München zieht eine russische Wache am Bahnhof auf.