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m. 69

Ter Anzeta«

erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: Siebener Zamilienblätter;

KrtislkU für Len Kreis Kietzen.

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monati.Bik.1.35, viertel­jährlich Mt. 4.05, diirch Abhole- u. Zweigstellen nwnalt. Mk. 1.25: durch diePostMk.4.05vier1e1- iährl. ausschl. Be'tellq. stenifprech Anschlüsse: lürdieSchr'ltleii,lng112 Verlag,GeschäÜsstelleSl Aiischritlfi'irDrahtnach- richten: Anzeiger Kietzen.

Erstes Blatt

(69. Jahrgang

Samstag, 22 März 1919

GietzenerAnzeiaer

jsä General-Anzeiger für Oberhessen«.».

Swilltngrrunddruck u. Verlag: vrühl'sche llnw..vuch' u. Steinöruderei R. Lange. Zchriftleitrrng, Geschäftsstelle u.vruderei: Zchulstt 7.

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Line neue Abstimmung der Zeeleule.

Hamburg. 21. März. (WTB.) Tie Al>- jlimmimg in der Seemannsversammlung, die von etwa 50006000 Seeleuten besucht war, ergab 1770 für und 804 Stimmen gegen die Aus­fahrt der Schisse. Dsmürach enthielt sich die gröbere Mehrzahl der Besurlrr der Stimme. Tas Resultat wurde mit lebhaftem Bravo gegen vereinzelten Widerspruch ausgenommen. Ter Vorsitzende be­tonte, daß sich nach der Abstimmung die Mirtder- heit der Mehrheit zu fügen habe. Sodann erklärten die Vertreter des Seemannsbundes Scheel und Haase, dib sic den Auftrag batten. mitzuteilen, dab Emden, Bremen, Bremerhaven, Lübeck Flens­burg und Bordenhaim. sich gegen eine Be­teiligung an der Auslieferung der Schisse ausgesprochen hätten und wohl bei ihrem Nein bestehen bleibe» würden. Es kam noch ein

Oie Verhandlungen In Span.

Berlin, 21. März. (WTB.) Die französi- slche Negierung ließ ihren Beschluß mitteilen, die sichwer verwund eten und schwerkran- fielt deutschen Kriegsgefangenen sofort Heimzusenden. Dix ärztlichen Untersuchrmgcn hät- gen zu diesem Zweck bereits begonnen. (Die Be- trpsfenden würden binnen kurzer Zeit abreiikm kön­nen. Ter deutsche Vorsitzende erinnerte daran, daß nach den Zusagen Fochs in Trier etwa 2000 sckßververwundete und kranke Kriegsgefangene in Frage kämen. Aus Grund der franrö'isckicn Mit­teilung frage es sich aber, ob auf eine größere Zahl zu rechnen sei. Nudant versprach hierüber bal­dige Auskunft. Ferner kündigte die fran-önnhc flie­gt erung anz daß sie die auf Grund eines Sonder­abkommens den französifären Kriegsgeian^nen in Deutschland im Dezember 1918 gelieferten Zusatz­rationen in Natura znrückarstarten wolle. Die deut­sche Negierung werde um Mitteilung gebeten, ob Die Uebergabe der Lebensmittel in Mainz oder Ludwigshafen erfolgen solle. General v. Hammer­stein ersuchte die Alliierten in einer,9h)te erneut und dringend, die Kohlenschiffahrt in der Ostsee sreizugeben. Ihre Unterbrechung habe nücktige Telle des östlichen Deutschland in eine krllische Lage versetzt. In Danzig habe der Straßenbahnverkehr infolge Mangels an elcktrb- Sbcm Strom eingestellt werden müssen. Durch die nterbrechung des elektrisckien Stromes seien auch die Hafenanlagen in Neufahrwasser in Mitleideu- fdxtft gezpgen, so daß die Lebensmittelzufuhr von Danzig nach Polen in Frage gestellt werde. Die alliierten Besatzungsbehörden deslinksrheinb- schen Gebietes haben mehrfach deutsche Staatsangehörige verhaftet und den Kriegsgerickt' ten übergeben, well sie nach dem 11. November 1918 deutsches Heeres gut verkauft oder angeboren haben. Die deutsche Kommission erhob in einer Note gegen diese Verhaftungen Einspruch Nach deutsärr Auffassung sei der Berkaus dieses Heeros- gutes auf Grund der Bestimmungen des Waffen-

Straßenbahnen herbeifühven soll. Gleichzeitig hat die Sozialisierungskommission ein Rahmengesetz für die Kommunalisie­rung von geeigneten Wirtscl-aftsbetri-eben präsentiert. Dazu soll nicht nur die Licht-, Wasser- und Kraftversorgung herangezogen werden, wie es in vielen Städten schon ver­wirklicht ist, sondern auch die Beschaffung und der Vertrieb von Nahrungsmitteln, die Herstellung von Kleinwohnungen, die Stellen­vermittlung, die Apotheken und das Beftat- tungswesen. Sicherlich können aus diesem Boden ersprießlicye Fortschritte gemacht wer­den. An ein goldenes Zeitalter darf freilich niemand dabet denken Das ist auch die Mei­nung desVorwärts", der jetzt fast täglich die Propaganda der Unabhängigen scharf und derb bekämpft. Durchweites, wüstes Mauk- aufreißen" ,würde die Arbeiterschaft nur in den geistigen Sumpf hineingeführt, sodaß sie bei jedem neuen Sozialisierungsgesetz ent­täuscht bliebe, weil die Brot- und Fl-eisch- rationen nicht zugleich größer würden. Also predigt derVorwärts" Vernunft:Die So­zialisierung wird immer soviel Segen nur zu spenden vermögen, als die Arbeiter an tüchtiger Kraft an ihr aufzuwenden in der Lage sind."

Man kann es verstehen, daß die Volks- männer an der Spitze des Reiches und ihre Preßorgane sich auflehnen gegen anfeuernde Peitschenhiebe aus dein Winkel derMaul­aufreißer". 9<ocf) ist ja nicht einmal die neue R e i ch s v e r f a s s u n g unter Dach und Fach. Im Ausschuß der Nationalversammlung ist in den letzten Tagen mit kleiner Mehrheit, wobei die Parteien nicht einl-eitlich gestimmt Haden, ein Antrag angenommen worden, der in dem bekannten § 15 nunmehr einer Neu­gliederung der Eiiuelstaaven im Reiche freien Spielraum läßt. Gewaltsam läßt sich nichts erreichen; gut Ding will Weibe haben. Zwei­fellos wird sich der ursprüngliche Gedanke des Staatssekretärs Preuß mit der Zeit durch­setzen: Straff zusammengefaßte Reichseinheit, lebensfähige, zweckmäßiger gestaltete und gruppierte Bundesstaaten. In diesem Zeichen geht auch der Gedanke Groß-Hefjenj seiner Verwirklichung entgegen. Sind doch im Verbreitungsbezirk unserer Zeitung allein aus eine gedruckte Aufforderung binnen we­niger Tage aufs neue Tausende von Unter­schriften eingegangen, die für die Neugrün­dung sich erfiären!

In unserem bisherigen Großherzogtum hat die neue Zeit einen so steinigen Acker zu bestellen, wie er überall tu Deutschland sich darbietet. Das Finanzproblem mutz die Quelle alles Nachdenkens sein. Einstweilen ist die Gesetzesvorlage über eine neue Städte- und Gemeindeordnung erschienen, worin in der Hauptsache neue Grundsätze für Wahl­berechtigung und Wählbarkeit aufgestellt sind, lieber den engen Heimatbezirk hinaus schauen wir um nach Rettung und Leitung. Wer und wo ist der deutsche Moses, der sein Volk von Knechtschaft befreit, und wird er es trocknen Fußes durch das rote Meer führen, um ihm die Gebote eines höheren, besseren Lebens aufzuzeichnen? . . .

stillstondsvertrages zulässig. Es werde um Frei­lassung der Betreffenden und uni Entstellung des Verfahrens ersucht. Ferner werde die Verficlierung verlangt, daß wegen solcher Ankäufe grundsätzlich keine Verhaftungen und strafrechtlichen Verfolgun­gen vovgenommen werden. Der Vertreter der beutfdien Regierung protestierte auf das entschiedenste gegen eine Nachricht desTemps" vom 26. ds. Js., in der behauptet wird, nach der Räumung Rumäniens dura» die Deutschen seien noch weiterhin Noten der Banca Generala Romana in Umlauf gesetzt und die Notenprene mitgenommen worden, um den Druck der Noten in Deutschland fortzusetzen. Gleichzeitig erhob der beut)die Vertreter Protest gegen die Requi- pitionen von Tausend- und Hundertmarkscheinen ourd) die Franzosen in A a che n und gegen das Verlangen, die deutsche Rcichsbankilliale solle zur Löhnung der französischen Truppen Reichsbcmk- noten bereitstellen.

Der Streit um die Truppenlandung in Danzig.

Berlin, 21. März. (WTB.) Die Reichs­regierung lehnt die Landung polnischer Truppe(ji in Danzig nach wie vor ab. Cs wurde wiederholt darauf hingewiesen, daß nach Sinn und Wortlaut des Waffenstlllstandsabkom- ruens vom 11. November 1918 die deutsche Regie­rung in keiner Weise verpflichtet ist, in Danzig polnische Truppen landen zu lassen. Die Reichs- regierung hat auch bisher niemals zu einer Lan­dung polnischer Truppen ihre Zustimmung ge­geben. Sie hat bei den Verhandlungen in Posen ausdrücklich abgelehnt, die Frage dort überhaupt zu diskutieren. Aber auch in Spaa, wo die Frage allein entfd'deben werden kann, wird die beutjdic Regierung auf Grund des Artikels 16 des Wafsen- stillstandsablommens vom 11. November 1918 stets darauf beharren, polnische Truppenlandungen in Danzig nicht zuzulaisen, um, wie Reichsminister Erzberger den Danziger Abgeordneten der Natio- nalveriammlnng auf eine Eingabe geantwortet hat, die Pol-engefahr von der deutschen Stadt Danzig abzutvenden.

Berlin, 21. März. (WTB.) DieB. Z." Imeldet: Die angedrohte Landung polni- slchw Truppen in Danzig hält die deutsch Be­völkerung der bedrohten Provinzen dauernd in Er­regung. Es kann sicher angenommen werden, daß der Versuch der Polen, in Da rzig zu landen und von bort Truppen nach Polen zu überführen, militärischer Abwehr begegnen tvird. In politischen Kreisen hofft man, daß die feindlichen Regierungen sich von dem polnisch-französischen Einfluß freimadfcn und die Berechtigung des deutschen Standpunktes anerkennen. Nur bann Tonnte ein Blutvergießen verhindert werden.

Berlin, 21. März. (WTB.) Wie dieB. Z." meldet, spradi sich Lloyd George bei den Pariser Beratungen über die deutsch-polnische Grenze entschieden gegen den Vorschlag aus, die twlnische Grenze von 1772 wieder anzuerkennen. Er sagte, man dürfe unter keinen Umstän- den eineDentsch-Jrredenta entstehen lassen. Diese würde bestimmt in dem Gebiet öst- Tid) der Weichsel, das von den Deutschen ziemlich stark bevölkert sei, aufkommen.

Varis, 20. März. (WTD.) Havas. LautMatin" wird sich der Oberste Kriegsrat mit dem Abbruch der Posener Verhandlungen beschäfligen. Er wird Maßnahmen ins Auge fassen, die einen Druck auf die Deutschen ausüben sollen, damit die Feind­seligkeiten an der Posener Front eingestellt werden.

Die Pariser Konferenzen.

Paris, 21. März. (WTB.) Havas. Nach demTemps" Helten Clemeneeau, Lloyd George, Balfour und.Wilton eine Be­sprechung ab, in der General Alenby über die der­zeitigen Staaten an der Levante Aufschluß gab . Es erhoben sich hierbei zunächst zwei Fragen, in erster Linie die Frage der Zurückziehung der britischen Truppen, die verschiedene Teile der Le­vante besetzt ha ben, für die die engüsckze Regierung keine Ma> dstsübernahmd wünscht. Im Zusammen­hang damit, die Frage der Mand-a>serd ilung an die verschiedenen Großmächte in der Levan'e sowie die Abgrenzung der einzelnen Interessensphären. Die endgültige Dertelluny soll erst nach Anhörung Orlandos über den italienischen Standpunkt er­folgen. Ein vbn dem chinesischen Delegier­ten vorgelegtes Memorandum verlangt die Rückgabe von Kia u t schon, ferner d..ß China seine territorialen Rechte behalten und diese mich auszuüben gedenkt. China verlangt auch eine direkte Uebergabe dieses Gebietes und nicht eine Uebergabe durch Vermittelung Japans, obwohl es zu den Versprechungen dieses Landes Vertrauen habe. TaS Memorcndnm verlangt auch das Auf­hören per Besetzung Chinas durch Japan, da eilte Aufrechterhaltung dieser Besetzung zu schweren Rei­bungen führen müßte.

Wochenrückblick.

Wir gehen mit starkem Frösteln in den politischen Frühling hinein. Auf die warmen Tage um den Abschluß des Brüsseler Lebens­mittelabkommens ist die Temperatur wieder erheblich gesunken. Nicht als ob wir fürch­teten, die Hamburger und Bremer Seeleute würben der Weltgeschichte einen neuen Weg weisen über diese Eintagsschwierigkeit wird man schließlich Hinwegkommen. Wer in Posen und in Spa ist es kalt geworden. Die Verhandlungen über die Demarkations­linie im Osten sind vom Gegner abgebrochen worden, nachdem man sich über die Zu­sammensetzung und den Vorsitz eines stän- oigen Paritätsausschusses nicht hatte einigen können, der den polnischen wie den deutschen Interessen hatte gerecht werden sollen. Der deutsche Bericht über diesen Konflikt schließt ungefähr mit den Worten: Uns kann's recht fein, denn die Gegenpartei hat uns auch bei den rein militärischen Beratungen immer und immer wieder benachteiliat. In S p a haben unsere Vertreter namens per deutschen Regie­rung, aus leicht begreiflichen guten Gründen, die Landung polnischer Truppen in Danzig, die angeblich die Bestimmung haben sollen, in Polen den Bolschewismus zu bekämpfen, ab- gelehnt, während sie einer Landung in Königsberg, Memel ober Libau nicht wider­sprechen wollen. Man ging unfreundlich aus­einander und weiß bisher nicht, was nun wird. Es war an der Zeit, daß das amtliche Deutschland in den Verhandlungen mit den Gegnern kühler und herber tourt«. Was war uns in den letzten Tagen und Wochen von der Presse der Entente nicht alles geboten und vorgesetzt worden! Jeden Tag wurden uns neue Bedrückungen in Aussicht gestellt. Bis vor einigen Tagen derNeic^mruister" Erz- berger mit sichtlichem Stirnrunzeln der En­tente eine amtliche Note vorlegte, worin ge­fragt wurde, ob, nach den Reden englischer mb französischer Staatsmänner, Deutschland wirklich, ohne oaß es gefragt und gehört wird, ein Tiktatfriede aufgezwungen werden soll. Fällt die Antwort bejahend ober zweideutig aus, so wird vermutlich unsere Regierung überhaupt keine Friebensabordnung nach Frankreich entfenben. Unter dem Friedens- vertrag würde dann die deutsche Unterschrift fehlen. Dieselbe Folge wird eintreten, ivenn man auf der Gegenseite auch nur annähernd so harte und unmögliche Bedingungen stellen sollte, wie sie in den Blättern aufgezählt worden sind.

DieDeutsche Tageszeitung", ein Organ der deutschnationalen Partei, befürchtet, die deutsche Negierung gehe mit dem Gedanken um, eine Volksabstimmung nach dem Eintreffen der Friedensbedingungen vorzu- nehnien, weil sie sich vielleicht um die Ver­antwortung werde Herumdrücken wollen. Wir stimmen mit dem Blatt überein, daß diese Methode verwerflich wäre. Die Regierung würde, durch das Bestreben, sich zu decken, es an der politischen Aufklärung fehlen lassen, wohingegen die Propaganda der En­tente umso wirksamer sich regen würde. Die .Deutsche Tageszeitung" schließt ihre Aus­führungen mit dein Satze:Jeder neue Tag zeigt, daß den Feinden der Abschluß des Vorfriedens auf den Nägeln brennt und die Deutschen umso fester und kühler auf dem unverfälschten Wilsonfrieden bestehen müssen und körnten, auf jedes Risiko hin." Diese For­derung wird in allen Parteilagern laut. ImTag" vertritt sie sehr beredt der sozial- bemokratische Schriftsteller Dr. Len sch, der in den letzten Tagen zum außerordentl. Pro­fessor an der Berliner Universität berufen worden ist. Er meint, der Erfolg der bis- heriaen entgegenkommenden Taktik unserer Regierung seinicht nur gleich Null, son­dern weniger als Null, ein offenbares Minus gewesen". Das Ziel müßte sein,den Sturz der imperialistischen Klassen in Frankobritan- nien, der sowieso als Ergebnis der sich steigernden sozialen Unruhen mehr ober we­niger nahe bevorsteht, durch eine geschickte Politik zu beschleunigen und so*auch dort den geknebelten demokratischen Massen, die nichts von der Fortführung des Krieges wissen wollen, zur Freiheit zu verhelfen".

Hand in Hand damit müsse, so fügt Dr. Lensch hinzu, im Innern eine entschlos­sene Sozialisierung und Demokrati­sierung gehen; so würden die arbeitenden Massen immer wieder die Tatsache erblicken, daß nicht die Revolutiönsregierung es ist, die die jetzige Hungersnot systematisch herbei- siihrt und äufrechterhült, sondern einzig und allein die englische Bourgeoisie. Nun, das Kabinett Scheibemann ist eben dabei, nach diesem innerpolitischen Programm zu han­deln. Das Reichsivirtschaftsamt ist mit der schleunigen Ausarbeitung eines Gesetzent­wurfes beauftragt worden, der die Soziali­sierung der Gas- und Elektrizitätswerke und

Antrag zur Wsiinrrnung, wonach der Scemcrnns- (nntb beauftrag: wird, die Jutereisen der arbeitslos geworbenen ober werdenden. Seeleute gegenüber her Regierung wahrrnnelMien. Der Antrag nxuitK ein­stimmig angenommen.

Der Anschluß Deutsch-Oesterreichs im versassungrausjchutz.

- Wei mar, 21. Märr. Dcr Versass:mgKms- Muß nahm heute folgende von den Vertretern iamtlidter Fraktionen: Tr. v. Delbrück, Gröber, Haase, Dr. Heinze, Dr. Naumann und Dr. Quarck, beantragte Erklärung an:

Ter VerfassuNgsaussdMß der Verfassung- gebenden Nationalversammlung begrüßt es al» bedeutsamen Fortsd-ritt auf dem Weg jur Ber­einigung zwischen dem Deutschen SReidj und Deutsch-Oesterreich, daß zwei Regierungs­vertreter aus Deutsch-Oe st erreich an seinenVerha n bl ungenteil nehmen. Er. erwartet, daß die Besprechungen der beiden Regie- nmgen so rasch durchgeführt werden, baß auch Ab­geordnete Ten.'sch-Oesterreichs an den Verltand- lungcn der Nationalversinninlung über die Ver­fassung bei gesamten Reiches noch teilnehinen können. Wir zweifeln nicht, daß die deu!sd,e Reichsregiernng der Zustimmung des gaiiz.n Volkes sickwr ist, wenn sie bei drn Abmachungen auf die besonderen wirtsd«sllichen Sdmnerigveiten Teutsch- Oesterreichs Rücksicht nimmt."

Abg. Naumann begründete diese Erklärung und der Vertreter des Auswärtigen Mites Tr v. K ö r n e r berichtete über den Gang der .Ver­handlungen zwischen Deutschland und Deutsch- Oesterreich. Darauf nahm der Gesandte Deutsch-Oesterreichs, Dr. Licdo Hart­mann, das Wort. Er dankte für die Begrüßung mii> betonte, daß die Verl-audlungen in Berlin den Eindruck enoedt hacken, daß man wirstid) unter Brüdern sei. Im Hinblick auf die Anstrengungen einer kleinen Gruppe in Deutsci--Oesterreich emp­fahl er, der großen Müsse hes deutsch-österreichischen Volkes, das unbedingt für den Anscklluß sei, das Rückgrat zu stärken, mbem1 man großzügiges wirt­schaftliches En gegenkommen zeig«: bciburti) würde« die in überreichlichem Maße gemadjten Versprech­ungen der andern Seite zunr Sck)weigen gebracht werden. Teutsch-Oesberrcich möchte an der Be­ratung der deutschen Verfassung noch selbst teil- nehmen farmen; es sei etwas anderes, sb man <m bet Gestaltung der Versossung iwittoirfte ober eine von anderen geschaffmie Verfassung einfach hrmlehrne. (Zustimmung.) Oestrrrerckrs besondere Dünsche liegen aber nicht aus ixm Gebiet irgend- welcher Reservatrechte. Deutsch Oesterreich mlll keine Extrawurst, es will vielmehr nur eine ertrag* liche Uebergang5xeit. Es ist zu bedmken, daß Dentsdi-Oesterreich bisher unter ganz a deren Pro­duktionsverhältnissen existierte. Daher muß ihm Zeit zum Einleben in die deulsd-en Wirtschafts- Verhältnisse gelassen werden: aus diesem Gesichts­punkt erklären fid) alle deutsch-österreichischen For­derungen. Mmt solle bedenken, daß in Teutscl>- Oesterrcich bereits eine verfassungsrechtlich Tat- fadse vorliege, da das Land durch seine National­versammlung bindend erklärt habe, daß es sich als einen Gliedstaat des Deutschen Reiches betrachte. Darauf wurde die im Eingang angeführte Er­klärung unter lebhaftem Beifall vom Aussd)' angenommen.

Aus dsnr Reichs.

Die Allfwandsgelder für den Rcichspräsidenten.

Berlin, 21. März. (WTB.) In dein der verfassunggebenden deutsck>en 9!ationalversamm- llung zugegangenen Gesetzentwurf betreffend Fest­stellung des vierten Nachtrags zum Reichs- Ha u s h a 11 3 b I a ne für das Ziechnungsjahr 1918 werden für den Reichspräsidenten monatlich '100 000 Mark Aufwandsgelder angefordert.

Der verfassunggebenden beutfdje Nationalver­sammlung wurden die Entwürfe zu Gesetzen be­treffend die vorläuüge Regelung des Reich.-haus- halts und des Haushalts der Schitzgebiete für das lRedmungsjahr 1919 vor gelegt, darunter im or­dentlichen Haushalt bei den einmaligen Aus­gaben eine Beihilfe zur Verbesserung der Ein­ri ch tu ngendes Auswärtigen Amts für das wirtschaftliche Auslandsnachrichtenwesen im Betrage von zunächst 250 000 Mark.

Ter RkichsbürgcrrlN.

Berlin, 21. März. (WTB.) Tas Präsi­dium des Reichsbürgerrats teilt mit: Am 30. März findet im Herrenhaus in Ber­lin die zweite Tagung des Reichs­bürgerrats statt. Ebenso wie die Arbeiter­ratsbewegung hat sich der Bürgerratstzedanke im ganzen Reiche als eine Frucht der letzt er­lebten innerstaatlichen Umwälzung immer mehr durchgesetzt und zu einer achtung­gebietenden zusammenfassenden Organisation aeführt. In oer bevorstehenden Tagung wird die endgültige Verfassung des Reichsbürgerrates festgestellt werden, um ihm und den in ihm zusammengeschlos­sener Bürgerräten einen festen und zuver­lässigen Unterbau und Zusammetchang zu geben. Sie gewinnt dadurch eine ganz be- sondere Bedeutung, daß durch eine Reihe gleichinhaltlicher Anträge bi? Frage der be« rufsständischen Vertretung Gegen­stand ernster Verhandlungen sein wird. Ins­besondere durch die in Aussicht genommene Legalisierung der Arbeiterräte ist das Bür­gertum zu einer sich immer entschiedener aus- wirkenden Wwehr seiner einseittgen Zurück- drängung un dAusschaltung seiner wirtschaft*