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169. Jahrgang
Freitag, 21 Zebruar 1919
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
SwlMngrrnnddruck u. Verlag: vrühl'sch« Univ.-Vuch- u. Steinöruderei «. Lange. Schriftleitung, Sefchäft-itelie „.Druderei: Schulstr Z.
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Nr. 44
Ter Siebener Bnzefger erscheint täglich, außer bonntagS. - Beilaoen: GtedenerFamilleoblütter;
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den Völkerbund unmöglich gemacht wird. (Sehr richtig rechts.) Wir mei)en die Pläne zur Errichtung einer rhkinisch-westsijlischkn Nevnblik
tergesedgcbung sandle an Clemenceau auf Antrag von Barnes imb Vmidervelte eine Dldressc, m der sie ihrer Entrüstung über das Attentat and ilnen wärmsten Wü.ffck-en für rasckv lten^sung Anspruch v.rleih:. Die Kon nr'ssivn na m sierauf uie Artikel des britischen Adtommens bis Artibck 22 an.
Die Suitflc verletzt.
Paris, 20. Febr (WD.) Havas. Clemenceau verbrachte die Nacht gut. 3n dem um 11 Uhr vor- mittags ausgegebenen Bullet n heißt es u. a , daß der Blutauswurf erkennen lasse, daß das Geschoß in die Lunge eingedrungen ist. Die Röntgenuntersuchung hat die genaue Lage des Geschosses ergeben. Das Allgemeinbefinden ist befriedigend. Die Nahrungsaufnahme ist normal.
Lansing stattete Clemenceau einen Besuch ab und überbrachte ihm die Grüße der amerikanischen Delegation und des gesamten amerikanischen Volkes. 3n Bezug auf die Arbeiten der Konferenz erklärte Lansing, daß die wichtigen Fragen bis zur Wiedergenesung Clemenceaus zurückgestellt würden.
Die Aufnahme in der Kammer.
Parts, 20 Febr. (Funkspruch Usingen.) Unter allgemeiner tiefer (Erregung eröffnete der Präsident die Sitzung der Kammer und richtete im Namen des ganzen Landes die besten Wünsche an Clemenceau. Der sozialistische Abgeordnete Nenaudel erklärte, er schließe sich dem Entrüstungssturm über das Verbrechen an. „Auch wir," so sagte er, „die wir politische Gegner des Ministerpräsidenten sind, müssen unter solchen Umständen lagen, daß wir uns in erster Linie dem Wunsche anschließen, den der Präsident der Kammer in so würdige Worte gekleidet hat. Wir Soziaiisten, die wir an eine vom Proletariat und von der Arbeiterklasse organisierte Tat appellieren, weisen polt tische Attentate, wie dieses, dessen Opfer Herr Clemenceau war, von uns zurück." Marineminister Georges Leygues erklärte unter Beifall, auch er gebe der allgemeinen Entrüstung Ausdruck, wie der Präsident der Kammer.
Reise Lloyd Georges nach Paris.
London, 20. Febr. (WTB.) Wie bas Reutersche Bureau erfährt, erhiett Lloyb George die brin- genbe Aufforderung, nach Paris zu kommen. Er wirb morgen vormittag in einer Dergarbeiterversammlung eine Ansprache halten und unmittelbar daran nach Paris abreisen.
Churchill über die militärische Vemachunu Deutschlands.
London, 20. Febr. (2B. B.) Einer Reutermeldung zufolge erklärte Churchill in einer bei einem Frühstück im Manslon House gehaltenen Rede, daß Maß- regeln getroffen würden, um cs Deutschland unmöglich zu machen,während dieserGeneration einenRevanche- krieg zu führen. Um das Wiederaufleben des Krieges zu verhüten, und um bieIahlung und Wiedergutmachung sicherzustellen, es sei notwendig, eine zeitlang am Rhein eine starke und gut disziplinierte Wehr zu halten. Diese Wehr könnte nicht auf der Grundlage des Freiwilligen- systems ausgestellt, sondeM könnte nur durch die Dienstpflicht geschaffen und'aufrechterhalten werden. Es bestehe die Absicht, wählend des Jahres ' 1919 un- ge ähr 900 000 DJtann unter den Waffen zu behalten. Deutschland könne nur zahlen, wenn sein wirtschaftliches Leben sichergestellt werde. Dazu trage man nicht bei, wenn man auf seine Aushungerung durch die Blockade vertraue.
Arbeitslosigkeit üt England.
Amsterdam, 20. Febr. Nach einer „Times"- Meldung ist die Arbeitslosigkeit in England im Zunehmen begriffen.
Deutsche Nationalversammlung.
12. Sitzung vom 20. Februar 1919.
Das Haus setzt nach einigen Bemerkungen des Abg. Dögler und des Ministers Erzberger die De- prechung der Erklärungen der Reichsregierung fort.
Abgeordneter Dr.Traub (Deutsch-nationale Dp.): Es hat uns gefreut, daß Japan unseren Missionen ganz anders entgegengekommen ist. Die japanische Regierung hat auch während des Krieges neben dem englischen und französischen Unterricht, auch den Unterricht in der deutschen Sprache in ihren Schulen eingeführt. Wenn Oesterreich-Ungarn erst einmal von der Bildfläche verschwunden ist, werden sich noch viel mehr Reibungsflächen in Mitteleuropa ergeben. Ein- pruch müssen wir dagegen erheben, daß die neutralen Staaten bei den gegenwärtigen Konferenzen der Alliierten so wenig berücksichtigt werden. Eine Schmach ist es, wie die Revolution unser Ansehen draußen in der Welt geschädigt hat, besonders in Brüssel und Warschau. (Sehr richtig rechts.) Glaubt man denn, daß Frankreich uns noch einmal den Krieg erklären wird, wo cs ganz genau weiß, daß es einer wehrlosen Bevölkerung gegenübersteht? Leider wird in der
offiziösen Presse dem deutschen Volk der ganze Ernst unserer Lage noch immer nicht deutlich genug dar- gestellt. 3n der Ostmark befinden wir uns lediglich in der Abwehr gegenüber den Angriffen der Polen. Einmütig protestiert das deutsche Volk gegen die Aufrechterhaltung der Blockade und gegen die Zurückhaltung unserer Kriegsgefangenen. Graf Brockdorff- Rantzau sollte sich mehr in die Nähe des Wehr- Ministers Noske setzen, um von deffen urwüchsiger Frische unb echt deutschen Stolz etwas zu Übernehmen. Sehr richtig rechts.) Der Weg der öffentlichen Schuld- lekenntnijfe ist falsch und schädlich. (Sehr richtig rechts.) Die letzte Absicht der Entente geht dahin, uns als ein würdeloses Volk hinzustellen, dem der Eintritt in
zurück. (Rufe: Der klerikalen Republik!). Nord- chleswig ist ein wirtschaftlich zusammenhängendes
haar, entschloß et sich, in einer gewissen (Entfernung baten des Attentat ausMsühron. So gab er orte Rcvvlterschüsse auf das yüüomvbil des Mi- t rifterbräiitenten ab. Er htttte _bie Empfindung-, daß. tes letzte oder vorletzte Geschoß Clemenceau ytroffnt habe. Ter neben bent Chauffeur sitzende Lostet fcrmg sofort vom Wagen unb hKrntee sich Eyen den Ta.er. Er gab ztwtt ober drei Revolver- Me auf ihn ah, ohne ihn jetexf) zu treffet Ein Vorütergehenver hielt hieraus den Mörder kl’t, der von der Meng,: hnunvgezerrt mürbe, bis er den Hckiden der Polizei übergeben llttrbat tonnte.
Taris, 20. Febr. (WB.) Havas. Die t n =. . ... , v
l-crrrat ioualc Kv mrnif sion Kr Arbei- l Dekret, das gar nicht unter die WiHoujchea Punkte
fallen kann. Was wir in der Ostmark an Erniedrigung erleben, ist die Frucht der Revolution. (Beifall rechts, Widerspruch links). Den Anspruch auf unsere Kolonien erhalten wir aufrecht. (Beifa ). Wir wünschen alle baldigen Frieden. Die Revolution aber hat uns nicht den Frieden gebracht, sondern uns weiter von ihm entfernt. (Lärm links). Nun zur inneren Politik. Wir würden cs begrüßen, wenn man in der Regierung wieder zum alten System zurückkehren roü de, keine Parteireden, sondern staatsmännische Reden zu halten. (Lachen links) Wir Deutjck-Nationalen sind eine ganz neue Partei. (Lachen links). Wir leugnen gar nicht die Zusammen hänge mit den alten Parteien. So charakterlos sind wir nicht. (Stürmisches Gelächter I nks). Was ist eigentlich das alte System? Auch heute regiert noch der alte Bethmann-Block und nach dem Militarismus sehnt sich unser Volk erst jetzt zurück. (Sehr richt g rechts, Widerspruch links). Wir haben den Krieg verloren, weil wir keinen großen Staatsmann hatten und weil wir den Rechtsinstinkt unseres Volkes auf die schwerste Probe gestellt haben, als wir auf der einen Seite mit den Bolschewiki verhandelten und sie in der Ukraine als todeswürdige Verbrecher hinstellten. (Sehr gut rechts). Wir Haden den Krieg aber auch verloren, weil in unserem Heer in unverantwortlicher Weise gewühlt worden ist. Wer so das Werkzeug zunichte macht, mit dem ein Volk in höchster Not sich helfen kann, darf nicht fragen, warum wir den Krieg verloren haben. (Sehr richtig rechts). Der alte Geist des alten Liberalismus ist nach rechts gewandert. (Rufe: Aha! und Heiterkeit bei der Mehrheit). Wir werden diesen alten Liberalismus be« wahren. Andere neue Wege wird uns fteilich die Fugend bahnen. Auf sie bauen wir unsere Hoffnung. (Lebhafter Beifall rechts, Zwischenrufe bei der Mehrheit).
Das Haus wendet sich zur zweiten Lesung der Kreditvorlage. Dazu liegen eine Reihe von Anträgen vor, die die Herabsetzung des Kredites von 25 Milliarden auf 18 Milliarden dezw. die Ablehnung der 25 Milliarden fordern und nur die 300 ÜRuionen für Bau- und Wohnungszwecke bewilligen wollen. Außerdem haben die Deutsch-Nationalen fast ihre sämtlichen bisher gestellten Initiativanträge in einer zusammenfassenden Entschließung zur Zwecken Lesung der Kreditvorlage wieder eingebracht.
Reicl)sministier Schiffer bittet, alle diese Anträge abzulehmm, da sonst das Reich völlig mittellos testeten würde.
Tann ergreift Reichsminisler Gothein teis Wort. Seine AussÜhnrngen 'vollen die Ansclml- dlgimgen Tvanbs widerlegen. Traich und seine Freunde hätten eine IllnsionSpvlittk geft'ihrt. Tas Rechtsbennifftsein des deutschen Volles fei durch die Sünden des Militarismus zusammcngrbroäMr. Es müsse toiebtr Ordnung gcfd>affcii werden und das sei die Aufgabe der M.'grerung und der Natto- iialvers.rmmlung.
Rach, einigen Bemerkungen Erzbergers, der die bisherige Politik der Regierung nockynols verteidigt, uinrrnt
Abg. Kahl (Deutsche Vvlfspartei) das Wort: Für die politische Betätigung der Frauen ist die Nattonalliberale Partei längst eingetreten. (Widerspruch bei den weiblichen 'Mitgliedern der Sozialisten.) Wir fvtb der Meinung, daß i^s Frauen- walürecht jetzt ein druernder Bestandteil unserer poltiisären Reckfle sein muß. Wir werden es aucl) in die evangelische Kircl-enversasstlng ein- sühretl, allerdinss mit einem höheren Wahlalter. Tas 9(1'er von 20 Jahren scheint uns auch für die Was'l'älnsleit zur hörlyten gcsetzaebenden Ver- mnrmlung des Reiches zu nichtig. Meine Fraktion beantragt die Uebcno isung des Nachtragsetats an eine Komntissron. Tie erste Aufgab' Les Minister- Vräfibciiten wäre es nach meiner Ansicht gewesen, beim Reichspräsidenten baljin vorstellig zu ,rx-r- den, daß er un mittelbar persönlich mit der Entente, vor allem aber mit Wilson 'ich in Verbindung setzte inti> versuchte, eine 0'rechte Verlängerung des Waffenstillstandes durchzusetzen. Das ist nicht gefd^Ivit. Ich Jjaftc es für einen schweren politischen Unterlassturgsfehler be5 Ministerpräsidenten. Der Befehl zur Unterzeichnung des Waffenstillstandes Tjt'itte von der Natio- iralversammlu:rg ansgelen müssen. Btirülend, ja befMmcnt) und iiiederdrückend ist die Wahrneh- mung, daß der Zusammentritt ber Nativnalvcr- lammlung und die Bildung brr neuen Reichs- regierung an den Zuständen im Reiche nichts Weientltches geändett haben. Man schettit sich um oie neu aufgetichwle Getwult nicht im geringsten Zu kümmern, natürlich, weil der Neick^xuknüve die Stärke fehlt, weil sie eines für diese Zwecke g.Tignetxm Heeres entbehrt. (Lebhafte Zustimmung rechts.^ Indem man unser Heer preisgab, gab man auch sclZon den Anspruch auf Glcichberech- 11901^ vor ter Weligesänche preis. Wir frTlanqcn bie Vermehrung der IdnchSloehr zur Versiärtong des Greltzsärntzes, zur Beeämpßmg der Sparvi- kisien im Reiche und zur Brechurrg des Generalstreiks im Rulcrrrvrer.
Dir rasche Aitflösimg und Zertrüurmenmg imfrrcr Wehrmacht,
ihre planlose brutale Temobilistmrng tfb eines t>er Verbrechen der Revolutio i. (Lebhafter Widerspruch bei den Svtzialistzen, Ruse: Hu, Iju!) Die Nationalversammlung Ijat nicht bloß die Ausgabe, dce Ergelmisse ixr Revolution sicher^cstellen, son dern ihre Fehler möglichst wieder gutzumachen unb wieder Ordnung xu schaffen.
Tie Soldatenräte nrüssen als solche verschwinden, desgleichen die Arbeiterräte. Ände habei^ sine dauernde Exfftenz nicht. Tie Revolution soll der rücksicknswsen Ausillmng der Klassenherrschaft nn Obrigkeitssiaate unb der Niederhaltung der Arbeiterk.afse zu verdanken sein. Auch der mangelhafteste Obrigktiststaat ist nicht so schlecht regiert als der Dolksstaat von: 5. November bis zum 6. Februar. Es lvar die volleiidttste Klassenherrschaft^ (Große Unruhe bei den Sozialdenuokraten.) Nicht dir Sotialdemokratie tzit das Vaterland grv-
Zrankreichs Zichernngrpolitit.
Während der Ministerpräsident El6mcn- ceau, wie jetzt zugegeben wird, an einer Ver- lefcung der Lunge darniederliegt, setzt die nationalistische Presse Frankreichs die Hetze gegen Deutschland fort. „Tcmps", „Petit Pa- risien", „Petit Journal", und „Action Fran- caise", sowie auch die reckitssozialistischen Blätter verlangen volle Bezahlung aller Kriegskosten durch Deutschland. Der „Temps" erklärt, Frankreich sei besonders an der deutschen Kriegsflotte interessiert und cs hoffe, feine Lücken durch Zuteilung deutscher Kriegsschiffe zustopfen zu kömren.
Bei einer leidenschaftslosen Betrachtung der Dinge können wir wohl feststellen, daß viele Fran.zosen die Machtpolitik Clemcn- ceaus mitinachen, weil sie Besorgnisse vor der Zukunft haben und in Deutschland trotz allem noch einen gefährlichen und überlegenen Gegner ses>cn. Scheinen doch sogar die Engländer nvck) nicht voll davon überzeugt zu sein, daß Deutschland die Waffen aus der Hand gelegt hat. Churchill hat, wie heute gemeldet wird, in einer Rede seine Landsleute zu überzeugen versucht, daß immer noch ein Ucber- wachungsheer gegen Deutschland bestehen bleiben müsse. Ein trauriger Nachklang zu unserer alten deutschen „Wacht am Rhein"!
Was formen wir tun, um die Franzosen einsichtsvoller und nachgiebiger zu machen? Nichts, denn sie sind von uns nicht zu bo lehren. Es ist auch verkehrt, über deutsche Unterlassungssünden zu klagen, wie es jetzt Herr Alexander Redlich in der „Boss. Ztg." tut, womit er seinen Namen vielleicht zu recht- ertigen, nicht aber feine politische Einsicht »arzutun vermag. Es wird da gemahnt, wir ollten fernerhin nicht mehr versuchen, einen Keil zwischen die Alliierten zu treiben, denn Frankreich sehe selbst mit wachsendem Mißtrauen auf seine Bundesgenossen. Es beobachte mit Haß und Wut, wie Deutschland mit jän'merlicher Deflissenheit um die Gunst Englands buhle. Zum Schluß meint Herr Redlich:
„Gewiß ist der Mürscksall Foch em harter Soldat. Aber welches Ungeheuer hüben die Berichte der Woffenstillstandskommission aus ihm gc- matfn, um hinterher zuzugeben, daß die Tinge dock) gar mcht so arg waren, daß Foch vielmehr die teilt* sck^n Forderungen gegen England unterstützt hat. An Teuffchland ist es jetzt, Frankreich offen und ohne jede Reserve eine cbrlübe Verständigung auf ter Ba'is her gegebenen Totlachen au^ubicten und sich bereit zu crllären, im Bunde mit tlym unb den anderen Völkern des europäischen Festlcmtes an der gemeinsamen Fr<iheit unb fticklichen Entwicklung mftzuarbtiten. Dann werten wir hören, was Frankreich zu antworten hat."
Wir fürchten, daß dieser Gehanke eines Einvernehmens mit Frankreich, nrie wir es auch anstellen möchten, nur ein müßiger Wächter hinter trüben Fensterscheiben sein könnte. Von Frankreich dürfen wir nicht hoffen, daß es auf fromme Fürbitte seine „Sicherungs- Politik" mäßigt, und im übrigen kann es wohl heißen: „Was kannst du armer Teufel geben?" Unsere Bereitschaft, mit dem westlichen Nachbar fortan in F r i e d e n zu leben, haben wir oft genug versichert.
Der Anschlag ans Llemenceau.
Paris, 20. Fckbr. (WB.) Havas. Der Urheber des Attentats gegen Clemenceau, Cott in, ist 23 Zahve alt und von Beruf Kirnst- ffschler. Er Mmmt mrs Ereil, wohnt in Mon- trouöre und ist Anarchi st. Man sand bei ihm noch zwei Sck>achteln mit Patronen. Der den Chauffeur beglciende Soldat sckwß auf den An- Sifer. Alle Minister, Marschall Foch und Mar- ti Pet rin, sow'e Pornoars statteten Clemenceau ud>e ab Clnnonceau ist in bester Stimmrmg und unter (tieft sich lange mit ihnen. Er erklärte fenter Umgebung, der Täter sei ihm bekannt vvr- «A-kommen; er habe ihn gestern abend im Augenblick ferner .Heimkehr benterft.
Paris, 20. Febr. (WB.) Havas. Gcstorn abend um 8 Ute nur ter Zustand Siemen» ceaus unverändert. Seine TEeratur betrug 36.
Paris, 20. Fabr. (WB.) Havas. Ter Un- teber des Attentats auf Elmvanceau, (Göttin, ist 1896 geboren und frm^ösischer Natilmalität. Er erklärte, er fei auSgefprvchenel Auarckstst unb fate schon vor irug.-iäte j«hs Monaten ter.an gedaclü, bat französt ck-fit Mmisterprä 'identen zu töten, da er tljht für bat größten Feind der Mensch- che i t halbe. Cottin Kruste vor zwei Tagen einem entlassenen Soldaten feinen Browning ab und versuchte in seinem Zimmer die Waffe. Ta er ÄVbachtete, daß das Haus ClenrencecalL bewackü
rettet, sondern das Bürgertum und das Seamtcn» tum (Stürmisck)er Widerspruch bei teil Soz.) Ohne Revolution lebten wir heute in ruhigeren mib gesickjerteren Verhältnissen. (Erneuter sttirmischer Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Die Republik muß ilyrat DefahigungÄulchweis erst er* bringen. Tie beste Ausstattung wild die iuuge teutfrfie Republik vom preußischen K'öuigttlm cmp- sangen. (®?lädrter bei den Soz.) Wir stehen treu, tygenüber ter Zukunft und treu gegenüber ter Bergangenheit.' Wir tegrüßen es^ daß seit teilt Amtsantritt tes Grafen Bwckdorft gxrenüber tert Feinden wieder eine Sprache ter Ehre, Wirte und Wahrhaftigkeit ^-gesprochen wird. (Sehr gut.) Wir lehnen leden Arffpruch auf Abtretung deut- fdjen Bodens an Tänemark ab. (Beifall.) Wir verminen im Programm ter Regierung jeden Lnn- wcis auf Refonnen in der Rechtspflege. Die Far- teriutg mich einer neuen Amnestie lehnen loir ab. Wir hoffen auf eine nationale, sittliche, religiöse und tief geteilte Ernenenmg unseres Volkes. Bei .dieser Arbeit wird die Deuffcte Volkspartei in ter vordersten Reihe ter Kämpfer stehen.
Reichsminister Landsberg: Ich will kein Wort über den früheren Kaiser sprechen. Es liegt mir fern, einen Mann anzuareifen, der vom llnalück schwer getroffen ist und von dem ich nicht berfennen will, daß seine Msichlen gute und reine waren (Bravo!), axntn er auch ferne Kräfte bei weitem überschätzt hat. Aber ich tue ihm sicher nicht Unrecht, wenn id> sage, dieser Mann, ter an der Schwelle der Seck^ig stand, war nicht mehr imftairde, umzulernen. Niemals würde er sich unter eine fteiheitliche Verfassung gebeugt haben . Es hätten sich sicher auch Parteien gefunden, die ilyn plausibel gemacht hätten, daß es Pflicht tes Königs fei, wenn nötig unter Durchbrechung ter Verfassung, das Gottesgnateiitum! wieder herzustellcu. Wünschenswert ist eine Re- vvlutwn nicht; ater wenn eine Mehrheit des Volkes von ten Rechten, die sie auf die Welt mitgebrocht hat, durch ehre gewalttätige Minter- h-it ferngehalten wird, dann entsteht ganz von selbst das Recht auf Revolution. (SeifalL) Landaber g polemisiert bann tes längeren noch gegen den Abgeordneten Traub.
Präsident Fehrenbach stellt um 7 Uhr air die Versammlung die Frage, ob noch die nächst» RtinergarniMr beute zmm Wort kommen soll. Ter Sitzungsschluß um 6 Uhr sei erst ntöy lich, wenn die Abgeordneten einschließlich der ni ftcrab^eorbneten soweit find, ihre langen Go- bauten m die kürzeste Fassung zu bringen. (Sehe gut.)
Um y«8 Uhr beschließt das Haus, die Bv- vatung fortzufetzen.
Frau Betz (unabh. S.) nimmt das Wort $b einer zweistündigen Rede.
Sie crtlärtc u. a.: Die Mehrheitssozialisten sind noch ro'itcr nach rechits gegangen als die deutschen Temokratm. Tas Rcgierungsprogramm atmet Bei« neu sozialistischen Geist, sondern nur den Geist tes Kapitalismus, dem jetzt auch die Rechtssozial- temokraten dienen. Turch Nos« sind die alten Militärtsck-en Zustände wieder eing ftihrt worden. Orten, und Elkrenzeich-m sollen wieder gelten unb das Eiserne Kreuz, dieses Blutzeichen (Slücmisck-e Unterbrechungen. Ruse rechts.) (Ter Präsident erklärt, das Eiserne .Kreuz sei das Zeichen der Tavserktit und tes Totesmutes. Die Aeußerung verstoße gegen die Ordnung des Hauses. Er erteile teslmlb einen Ordnungsruf.) Nvsle organi- li-Tt weiter seine weiße Garte unter dem Vorwand tes Osisckmtzes, nm sie gxjen die Arbeiter in ter Heimat zu vmivenden. (Als Protest gegen die Be- schimpfting tes Eisernen Kreuzes verläßt ber grüßie Teil der Abgeordneten das Hans.) Deittsch'and bekämpft den Bolschewismus noch nach dem alten System. Es wird bannt keinen Erfolg hoben. Die teutsche Regierung will den Krieg nicht zu Ente kommen lassen. (Schallendes Gelächter.) Unsen Soldaten werten zu Landsknechten terabgewürdigt. Tatet will Herr Graf Bvockdvrff-Rantzmr in olei- cher Weise wie die Entente Ftieten mit Rußland schließen, während Erztergn den Kampf gegen ten Bolschewismus prchigt. Wer vertritt mm die Stimmung tes 5kabinetts? Ater der Krieg wirte ja auch in der Heimat fortgesetzt, in Berlin, in Bremen, wo viele kostbare Menschen geopfert wurden. «StünnitoK Unterbvechungm: Durck Ihre Schuld!) Tie UnablKngigen hätten tes Blnlver- gi-.'ßen durch ihren Vermittlungsvorschlag vermti- den Mollen, aoer Ebert und Sch.-ioemann seien nicht einmal für einen A^ffenstillstmrd gr.tiWfaL (Larmenter.Wto'tivruch b‘i ten Mehrhetlssozia-, listen. Zuruf: Ckten Sie erst Preßfteil^it, tz)elte- schrankauchveck-er!) Wie IM man die Äesangenen tebanMt. Man Txtt sie an die Wand gesollt. (Tas teben sie Dcroient.) Schämt Euch! e<f»5nrt Euch! (Großes Gelächter urib Lärm.) Ratet i|* trerteftrt und mit Ketten gefesselt worden. (Zurufe: Tas nrußte sein!) Also tes teilen Sie gut. .(Zuruf bei ten Meteheitssozialisten: Der Maim hat eine große Blutschuld auf sich geladen!'
Tie Rednerin itorrrmt bann auf die Vorgänge im Ruhrrevier zu sprechen Die Bergarbeiter haben.bereits in 120 Schächten go streikt. (Lärmender Widerspruch. Noske ruft: Dl- Bewegung ist im Abflauen.) Wenn man zur Ar teit , gezwungen werde, so wurde man nie etwas er reichen. ^Es sei ebenso^ als weini die Franz ase^ uniere Gefangenen zur Zwangsarbeit treiben wo st - ten. (Erregte Sunrfc rechts. Rufe: Unerhört!) Tie Rednerin wirft zum Schluß ten Viehrheits- sozialisten vor, daß sie das Kainszeichen tes Bru- termofteS auf der Stirn trügen. (Stürmischer Värm im ganzen Hause. Präsident Fehrenbach ruft bte Rednerin wegen dieses Ausspruck)cs zum zweiten Mal .zur Ordnung. Der Abg. Cohn ruft* Sehr richtig!, was teil Präsitenten Fehrenbach- veranlaßt, auch diesen zur Ordnung zu rufend n»s bei ten Unabhängigen weitere ostentative Zuruse: S<Hr richtia! auÄSst)


