Nr. 116
ter feicfcentr anjclget erlrtmni higlid), auyet LOnn- und (jeiertagS, Bezugspreis:
enennti.llif.1.35, oiertef» idbriirb Dtt. 4.05, durch whule- iu 3roet iftellen monotl Bit. 1.25 durch bteiloll Bit. 4.05 oiertel« jätjri. auö|ct>L Weit eil 3, ,;eriiipred) - 'Jlnlddiifie: it'ir bie Sdiriftlriiunfll 12 tierla6>'e|d)u'tef!elle51 Aiischrdklür T rahtiiodh nctirir anjtigtr6itf)CiL
P9#)d?edi»nto:
jrentfurt a. M. 11686
Erstes Blatt
169. Jahrgang
Dienstag, 20. Mai 1919
SietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
SwilNngrninddruck u. Verlag, vrühl'sche Unio.-Vuch- u. Stelnöruderei R. Lange. Zchristleitung, Geschäftsstelle u. vruckerel. Schnlstr. 7.
»»«ahme son »njcigce |. die 4.aqe*miminei v»4 ium Ractunviag vorder ot)nejrhel<< ibinbiidteil 5cil<nprtl|e:
für orl licht .'tnjtigen 25 Üf.Jür auSioutiiae 30 iJf, für ’Jteflamen Dik.I.-uedn20’ ,lr e- rungr-uf r laq;Plunvor» Idinfi 20 X .Uu’iddaq. bauvtichri'l.tilkr: Aug. tojeg. BrraulivonUch hu Politik: 4lufl. (^rxy. für den übrigen teil: Dr. IRcnibolD 3<m; für den Sinje igeinen : V». Pech (äinihd) in (Bicken
Die Aussicht aus Verhandlungen.
Die Taye vor schwerwiegenden Beratungen und Entscheidungen sind immer vol er ®e» rüchte Auch jetzt laufen sie wieder in toller Ungebundenheit um. Wenn der Friede nicht unterzeichnet wird, ist wieder Krieg, und dann wird de Entente Deutschland besetzen und Fach wird thc waffenfähigen Männer internieren ober wegschleppen lassen. Das kann einer sagen und folgern, der nicht über dein <ximatort hinausgerornrnen ist und der weder 3rembc noch nach Märchenart die Winde ernp- jängt, um sie auszuhorcl-en. Fach soll aber rite Rede gehalten haben... und so weiter. Kerfen vroir das Gerede ruhig beiseite. Es steht -noch nichts fest. Die Männer uuferer Regierung 'unb unserer Friedensdelegation find {bei schwierigen Beratungen, und dabei werden (fie ebensowenig immer gleich einer einhelligen. .Meinung fein wie oie Staats- idänner der Entente, roemt sie später die beut» liren Gegenvorschläge prüfen. Auch über ben jeweiligen Grad der Uebereinstinirnung in unseren Regierungskreisen soll man sich nicht überflüssige Gedanken und Gespinste machen. Neue deutsche Noten werden abgegeben oder Ind in Vorbereitung; nicht alles davon wird Veröffentlicht. So viel wissen wir. Lassen wir's ui« daran genügen. Es ist nicht gut, wenn dfle möglichen Ratschläge und Meinung-. K'titigkeiien in so spannender Stunde öff.nt- lih durcheinandergehen. Die deutsche Presse übt daher mit Recht Zurückhaltung Nur int .vorwärts- tritt wieder ein bestimmtes Drängen zutage, indem — Erwin Barth ist der Verfasser — allgemeine Dolks- ihftimmung zur Parole erhoben wird. ,816 Begründung wird angegeben, daß sonst »egen der ungefestigten innerpolitischen Lage ldeutschlcnrd (aus einet Erschütterung in die andere, in Anarchie und wilden Putschismus gestürzt würde. Noch ist es aber doch nicht '»jnnt. Wie ist denn — so vergißt der „Bor- zu fragen — die Wirkung solch einer klnkündigung der Volksabstimmung auf die Entente’. Wollen wir's denn unseren Geg- Ttern so leicht machen? Zunächst haben wir koch noch eine Regierung, die handeln muß. Ihtb vielleicht hat Georg Dernlwrd in der v^off. Ztg." nicht so ganz unrecht, wenn er nit feste-n Optimismus behauptet: Es wird verhandelt! Ein Vertrag von über 4G0 Para- araphen könne nicht einfach „diktiert" werden Unsere Regierung muß vorsichtig und schrittweise vorgehen, und jeder Schritt muß euf feine Wirkung hin durchdacht werden. Die Wege müssen wir uns ofsenhalten. Durch ti französische Presse klingt seit gestern ein veränderter Ton. Sie droht nicht mehr so be'iig, sondern sie gibt Deutschland Rat° \ läge. Es liegt offenbar etwas amerikanische kümmungsmache mit dabei, wenn wir ge- i-öitct werden, der Völkerbund werde,
stbold wir nur durch die Unter»
iiÄnung erst unseren guten Willen
k zeigt hatten, die harten Bedingun-
Lni mildern. So sollen wir also langsam ein» Leivickelt werden, uns in Vertrauensseligkeit o« 2cl;linge um den Hals legen lassen. Ta Zollen, wir doch lieber alle Reste unserer Diderstandssahigkeit zusammen^affen und die l Nerschrist verweigern, wenn nicht bei Ver- «nÖlungen die erforderliche Umgestal» ding des Friedensvertrages erreicht wird. In dieser Marschrichtung bewegt sich offenbar auch unsere Regierung, wie folgende soeben ^gegangene Meldung beive.st:
£in Konstrtnzbescdlusi der deutschen Regierung.
Versailles, 20. Mai (DTB.) Bei den {ur Sonntag erfolgten Besprechungen zwi- li^u ixn Reich.Ministern T ernburg, Brock- T.ff_ Rantzau und Wisscll, srlnne dem
Finanz Minister Südekum und den E?- ^r‘‘‘1 «ersaillcs ein getroffenen Win tWuu' un^ Finanzsachverständigen nmrbc eine ^.mminere lle'rerriaftimmung dahin festgeftellt, •p® ber ' riebenvcnt’Dnri der Entente in der v o c» Incgtrn Form unannehmbar ist. Bei der ganzen Welt i-errschendon Wunsch- ! r® verbcvfilirimg eines dau.rnden Friedens soll | K-Jd) öou bcutidier Seite nichts unversucht gelassen Moen, eine brauchbare Basis für den i 2''-cd en zu finden, der den berechtigten Äderungen der Gegner Rcchmmg trägt und für *• deutsche Volk erträglich itnb erfüllbar ist.
Weitere deutsche Noten.
.Berlin 19. Mai. In Versailles wer- amtlich-n Nachrichten zufolge in den nächsten * «Sen fofgenbe Noten übergeben werden: til. K Rote über die Fragen der deutschen C ft» korken, 2 eine Note über Elsaß-Lotb- n und die linksrheinischen besetzter^ t rf1-1-1 c' $ kinc Note über den Um'ang und die lMMluhrung der von D ut'chland übernommenen in3’G v c r c r i a v b c r p f 11 (b t u r g e n . 4 chic iS; die Behandlung 'deutschen Privat* '"icnlums im feindlichen Auslande,
5. eine Antwort auf die (Hemencemnwte über die Frage des Arbeiterrechtes.
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Ter internationale Frauenkongreß.
Zürich, 19. Mai Ter internationale Frauen* timyffi befttl>B, ei.ee aus stckB Franeu begehend« TeLgation, mit Miß '2ü>xini5 ^Amercka au der Spitze, nach Paris zu entsenden, die dort die Be- sctlüjse des jtzoigrcsfes den Slaatsn'Lrnem in Versailles überreichen und darlegcn fotl. Zur Präsidentin der intemationalen Fr u nliga für Frieden und Freiheit wurde Miß Maxims, die bi5'.Krigf Leiterin der Organisation, g.nvühlt. In den 3en* rral vor stand ist für Teutsckjilmid Frau Heymanu, für Oesterreich» Frau HetzLn gnvühlt woidcn.
Ein Beschluß der Sozialdemokraten in Schweden.
Stockholm, 19. Mai. «Wolff.) Laut „So* zialdemokrateu" frat die sozialdemokratische Parteileitun g bcschlosen, eine Erklärung auszufertigen, die gegen die harten FriedenS- bedinnungen protestiert, die die Entente Teutschland auferlegen will.
Ein vereitelter Putsch in der Pfalz.
Berlin, 19. Mai. Wie dem „Vorwärts" aus S p e i e r berichtet wird, wurde am Samstag in Speier ein Putsch versucht, indem einige Interessenten, besonders aui Landau, vom Regierungspräsidenten der P alz die Ausrufung einer selbständigen „Republik Pfalz" oer» laugten, um für diese einen günstigeren Sonderfrieden zu erlangen. Der Regierung.'Präsident lebute ba- l an des verräterische Ansinnen ab und b-rief telegraphisch für den gestrigen Sonntag eine Versammlung ein. an ter folgende Korporationen teilnahmen: Mitglieder der Nationalversammlung, dos bayerischen Landtages, und des Lanbrales für die Pfalz, die Führer aller politischen Parteien und Vertreter der gen.'erffchaft- lichen, getlossenscha tl^chrn imb wirt chaitlichen Dr» ?anisationen. Auch die französische Be- atzungsbehörde war durch einen Kontroll- osffzier der ZivilvenvaÜuug vertreten. Rach eingehender Aussprack»e und einmütiger Verurteilung der Landauer Putschisten wurde eine Entschließung angenommen, in der mit größter Entschiedenheit betont wird, daß die Rheinpfalz unlöslich ju Deutschland gehört. Die fßiäljer wollen in der schwersten Stunde der deutsch.-n Geschichte ihrem geliebten deutschen Vaterland unverbrüchliche Treue halten. Die Versammlung spricht die zuversichtliche Hoffnung aus, daß die für Deutschland unerträglichen Friedensbeding- ungen grundsätzlich wesen llich gemildert werden und besonders die Bildung eines neutralen, das Sa a r g e b i_c t und lebenswichtige Teile der Pfalz umsassenden Staates vermieden wird, zumal die von Frinkrcich gestcll'en Aiistwückre au' Privileg irrten io hl nbezug ohne Abtretung brut;dx?n Landes befriedigt werden könnten. Die Frage, ob die P'al; mit Bayern vereinigt werden soll oder nicht, ist eine rein innerdeutsche Augelegcnlieit, die mir auf Grund der künftigen gicich.- und Landesverfassungen entschieden wer-- dcu darf.
Ein Gccgcsecht vor ttronftadt.
Lelsingfors, IS. Mai. (Reuter) Ein d o l s ch e w i st i s ch e -s Geschwader ist heute morgen au-.' Kronstadt ausgesahren. Gleichzeitig beschossen bolschewii-i!che Batterien von Krasnaia Gorga die Ä üsdc. Britische Kriegsschiffe fdi'ngen nach einem Gefecht von 3b Minuten das bolsäiewistifche Gesch.vader in die F ucht. Es wird gemeldet, das; ein bvllchewisiisches Schiff gesunken und ein zweites gestrandet sei.
Au» dein reiche.
Oberleutnant Voqcl flüchtig!
Berlin, 19. Mai (DTB.) Das Garde- Kavallerie SclMenkorps teilt mit: Am Samstag! den 17. Mai, nachmittags 3J* Uhr, fuhr ein Jn- santerieosffzier in Mütze und Umhang in einem dunkelblauen jAeschloffenen Privatkra,twa;rcn vor das ^elleiigefängnis Moabit in der Lehrter Str. Ter Offizier hotte auf Grund eines gefälschten Ausweises den im Zcllengeiängnis »regen Ermorbutig der Frau Rosa Luxemburg in Untersuchungshast btiiiiMidjcn Oberleutnant Kurt Vogel ab und fuhr mit ihm 4’,'« Uhr im Straft» nxrgdi vom Zellengeiängnis ab. Für die Ermittlung sdcs seitdem flüchtigen Vogel und des ihn begleitenden Znsanterieoffiziers oder für sachdien-, lidje Angaben ;u deren Ermittlung wird eirac Belohnung von 3000 Mark auSgesetzt.
Vcrha-idlungcu fleqen Ledebour und Täumig.
Berlin, 19. Mai. (Wolff.) In bet Der- handlmig gegen Lebebour und Däumig, die heute vor dem Landgericht I begann, überreichte der Verteidiger Täumigs, Dr. Rosenfeld ein Attest, wonach Däumig ffeberkrank und für acht Tage verhandlungsunsähig ist. Tas Gericht beauftragte den Geh. Medizinalra: Lwfnnann, sich sofort in die Wohnung Däumigs zu begeben und dessen Gesundheitszustand -zu begutachhm. Zu Beginn der Verhandlung kam es zu einem Zwilch e n s a l l zwischen dem StaatsMrwalt Lumbvoich und dem Angeklagten ßebebour. Tiefer machte et.va folgende Ausführungen: „Nachdem ich nun vier Monate unnöiigerweise in Uuleriuchungshaft geleiten habe, die nichts netter ist als eine maskierte Schutzhaft, liegt mir daran, Endlich ösfentlich mit dieser Regierung al^urechiren, die uns die Revolution verpfuscht und ieftt hier in Teutsch- (anb eine neue Geivaltberrschaff mit ihren Söldnertruppen aufgerichtet hat, die uns im Auslande diskreditiert. Tas ist Verrat an der Ädxikx*
klasse." Hier aus ern^berte Zumbrvich: „Ter Angeklagte Ledebour erklärte hier, er begrüße mit Freuden, hier die bestehende Regierung au ben Pranger stellen zu können. Ich möchte doch fol gendes feststellen: Es handelt sich nid)t um eine Anklage gegen die Regierung, sondern um eine auf Grund des Strafgesetzes erhobene Anklage gegen Ledebour und Däumig Ich möchte schon letzt entschieden Ver.vahrung dagegen entlegen, daß Ledebour diese Gelegenheit benutzt, um frier alle möglichen Tinge vorzubringen und politisckx Trümpfe auszufpielen."
Zitzwiscken erfdiien der Arzt Täumigs, Tr Tofrl, an Gerichtsstelle und bekundete, daß Täu- mig an schwerer Grippe erkrankt und vorlauffg nicht transporlfälsig sei. Nach kttrzer Beratung wird das Ausbleiben Täumigs für entschuldigt erachtet. Tie Sache gegen Säumig wird vertagt und von der Sack>e SFebcbtur abgetrennt. Tie Verhandlung wird auf TienStag früh 9 frr vertagt.
Die hesflschen CnrwLr'e über ZiLel- fontmiffe und ein Landgesetz.
Ter Entwurf eüteS Gesetzes betr. die lieber» ffifrrung des sideilommissarisch gebundenen Gruiü>- b.sitzes in den freien Verkehr ist soeben als Tnick- farfje Nr. 141 erschienen. Er enthält in 21 Artikeln die einzelnen Bestimmuitgen mit <i> g fr.ititr Be- g’ünbitng. Wir entnehmen dieser, daß die jetzige N.gi^'tung des Frei aa es Les en auf dem grün - sä tzlick.cn 3 ta ibpur.fi steht, daß die Familienfidei» komm isst soweit es fick'! iveuix) e :s um die wlkS- wirlsck af lich (> d. klicke i Grundstück. f deikommisse handelt? in beseitige sind. In Sta-chmburg und Ob.rl>sfen sind von der gesamten GrundsläckL 8,9 und 14,7 Prozent fideifornmissarisch gebunden. Aus den Tarl^tu gen ergibt sich:
1. Ti (Irrvfru -g neuer Grundstückssideckom- misje ist ausnahmslos verlöten: die Vergroße-ruitg Der be eh.ndcn ist aiiSnahinÄveise mit oesetzlick.cr Ermäck-tigung gestattet.
2. Das Aulonomicrock.t der Standesherren wird beseitigt, so daß auch die Standesherren in Zukunft namentlich dem FideiLmmiß uTtterftefren.
3. Alle Bestimmunge!) des jetzigen Fideckom- nrißgesetzes, die den Fideikommißbesitzcr nötigen, die zu dem Fideikommiß gehörenden Gelder in Grundbesitz anzulegen, werden beseitigt.
4. Tie UnverLußerlickck.it des fideikommisfa- riftfp gebundenen Grundbesitzes nxrb aus gehoben, jedoch unbeschadet der Bridung in Ansehung der Rack.iolge in das Fidetsiommiß.
5. Nack^ Ablauf von 3 Jahren kann durch Beschluß des Ministeriums aller^noch zu dem Fideilommiß gehörige, also bisher Äeder freiwillig nocks durch Enteignung in den freien Verkehr ge- b.ackcke Grundbesitz unter Ztv.ing -vernxil.ung gestellt uub auf tiefem Wege dckn faeien Verkehr tvieher stugcführt ober den Jnte.effen der Attge- meinlxnt dienstbar gemach! werden.
6. Bei dem liebe.gr.ig c<5 ffideckhmmisses in die £>anb des zw.'ilen Nachfolgers können die auch dann noch vorhandenen Fideifommis.grundstücke in völlig freies Eigentum crTLärt werden.
Es wird noch besonders angeführt, daß die Veseitigung der Fideikommisse nicht dah.n ver- sta den w.rden darf, daß sie ci:tfr.(f> für herrenlos ert.äxt und dem Zugriff eines jeden Tritten überfallen werd n. Nur soll dir fideikommissarisckx Bindung aufg, frobeit werden. Ties könne aber nicht pon einem Tag zum anderen durch einen emfacheu Federstrich gchch.'hen wegen des sonst ein tretenben Eingriffes in die wobleruvrbenen Rechte Tritter, sondern besonders aus Gründen der Allgemeinheit und des Staa.sN>.h.es. Es kommen hrerbei .sdypotheken intb sonstige Lasten aut Wittümer, Abfindung von Söhnen und Töchtern, Stistungeu tu ginnten von Schulen, Krank.nl>äu- ^rn, Waisenl>äufem. Vfrüudneranstaltcn usw. in Frag.'. Auch die folortiqe Zersplitterung und Teilung besrwders des Wald^sttz's (zus. enoa 240000 £*ehar^ könne nur nachteilig wchken.
Seine volle Bedeutung er früh der Gesetzentwurf erst durch das Land gc se tz, das in 114 Arti? In unb 9 Abschnitten eingehenoe Bestimmung m über das Si delung3:interncfrmen, das Verfallen, die Umsatzsperre und Verfügungsbcschränkung, Vorkaufsrecht und Entr ignungsrecht, Zn^gStxuht, Be- fd-aifung von Packtland für landwirtch s.licke Arbeiter nach §§ 22 und 23 des Reick/s iedcliings- gefetzes, Enimahmen und 2lusgnbeu des Siebe* lungsunlernehmerS , sowie Sck-iustbestimmungen trifft.
Anik l 1 lautet: TeV Staat Hot als Siebe* lungsunternehmer die Aufgabe, Latch yi beschiffen, zu verwalten und zu Dcrg ben, um £anbbebürftige mit dem für ihre Wirtschaft notwendigen Land auszustatten, Heimstätten, namentlich bäuerliche und gen erblick» Kleir.wirtsckmften zu gründen, sowie in Verbi'idirng damit öffentliche oder ge m-e in schaff- liebe Anlagm und Einrichtungen ins Leben zu rufen. Tas zu beschaffende Land soll vorwiegeich dem Großbesitz entnommen werden
Tie einzelnen Fnaftionen der Volkskammer nerben sich am nächsten Dienstag und Mitttvoch mit den Einzelheiten befchästigen.
Heformcifer und die Stimmung auf dem Lande.
Man schreibt uns vom Lande:
Die Revolution hat auf allen möglichen Gebieten (Fragen ins Rollen gebracht; überall drängen neue Gedanken an s Lichr: viele gute, aber auch manche nicht unbedenkliche Forderungeri werden erhoben tnrb die unentwegte partcüwlitischc Vrin- zipienreiterei gebt manckies liebe Mal über die fühle Vrrnunst und die Interessen des täglichen Lebens, wie es nun halt mal wirklich ist, zur Tagesordnung über. So kann man auf dem Lande nufrt recht em» sehen, toanun man die iur die SBahfai in bat
großen Verhältnissen, in Reich' und Staat, zweck- mäßiie Verbältnisioabl nun auch für die Gemeinde- ratswahlen selbst im kleinsten Ort für zweckmäßig gehalten und gesetzlich vorgeschrieben bat; man bat damit das Prinzip zu Tode gehetzt und wird bei den ja bald kommenden Wahlen vielleicht recht eigentümliche Er'ahrungen madnt Aber fdüimm.T sind ^penmente aus wirtsckwftlichcm Gebiete, die nicht richtig durchgcdacht sind; hier muß schließlich leder 'einzelne die .Q'oftvn tragen. T^m S.'zwl- demokrarrn Tann man's nicht verdenken, wem, sie letzt, wo sie an der Macht sind, ihr Programm, ihre Theorien durchzusühren suchen: das würde jeder so machen. Aber der Heine Mann, der Wo» sckwstsmcckin, |ber Bauer, der Arbeiter, kurz alle, deren Wohl sie ja doch wollen, sollte ffch doch in jedem; einzelnen Fall reiflich klarmacknm, wie die Dinge dann für ihn werden, ob er wirNich besser habet fährt. Und wenn er sieht, daß doch auch der bisherige Zustand allerlei Gutes hatte, wenn'S auch mit der Theorie nicht ganz stimmt, dann soll er seinen Abgeordneten sagen: „DaS ist ja alles ganz fichön, lieber Freund, deinen Eifer in Ehren, aber da weißt du vielleicht nicht so Beschnd wie ich, das ist so und so; also da wollen wie lieber bifl Finger davon lassen."
Der fozkeldemokratischc 2lbg-ordnete Hartmann, ein eifriger Gesetzmackxer, dem die staatliche Gesetz- gebungSmasckffne selbst jetzt noch viel zu langsam arbeitet und der den Staat der allgemeinen Glückseligkeit nm Galopp herbei führen möchte, hat u. a. einen Antrag angebracht betreffend die einheitliche sorsttechnisch- Verwaltung der Waldungen usw. Er beantragt «darin 1. aus sorstteckmischen Gründet einseitliche Verwaltung aller in Weisen gelegenem Waldungen: f2. die Bezeichnung Forstwart wird durck ; 7,‘örftcr ersetzt und besonders geeignete Förster sollen Fu Reviersörsdern ernannt werden; 3. ?lller Domanial-, Gemeinde- und Privatwald» I. und II. Klaffe wird nach geographisch praktischer Sarin in Obersörsterrien und Försterien neu ein» geteilt." M-il dem 2. Punkt, der eine Hebung deS verdienten Forstwartsstandes im Auge hat und auch hier die Forderung „Freie Bahn dem Tüchtigen" auf Mit, kann man ohne weiteres einverstanden: sein. Auch Punkt 3, der eine großzügige (Erntet* lung (der getarnten Waldfläche des Landes ohne. Rstckticht auf das (Eigentum nach der Fläche er- strebt, hat viel für sich und läßt sich sicherlich irgendwie nützlich verwerten. Wie steht's aber mit der ersten Forderung? Ist die frier angestrebte Schematisierung, pie Verstaatlichung des ganzen Waldes in der Verwaltung, wirklich das Beste vom Guten? Wie war's denn seither ? Der Staat verwaltete feinen Wald, die waldbesitzende Gemeinde den ihren, allerdings unter staatlicher Oberleitung, aber mit eignem Unterpersonal und unter selbständiger dolzverwcrtung; die Privatwaldbcsitzer I. wie II. Klasse, erstere in der Dauptsackte die Standeshcrren, hatten die Berwattungeit ihrer Waldungen, batte der Interessent, der tzolzkäu.'er, davon Vtorteile ober Nachteile? Ich kaufe seither L>olz beim Fiskus und bei der Standesherrschaft, kann also über diese beiden wohl urteilen. Beim Fiskus muß ich mir den Abfuhrsch in aus b r Unter- erhebstelle holen, dazu beim Bürgermeister den Bürgsck-rin machen, die Herrschaft schickt alles beut Bürgermeister und ich kann alles im Ort und tn einem Gang erledigen. Zahle ich beim Fiskus Martini nickt pünktlich, werde ich gemahnt und bann kommt der Pfandmeister. Bri der Herr- scktast habe ich auch Martini zu zahlen, aber nufl a n zuzahlen: mit der Aus,ahlung kann ick mir's auf tnxi, vier Termine und mehr verteilen und vor »Februar, März das Jahr draus habe ich keine Kosten j>ju fürchten. Und habe ich irgendwie in der Wirtschaft Unglück gehabt, ist mir ein Stück Vieh krepiert, hat mich Krankheit zurückgebracht, so bekomme ich noch weiter Frist ober einen Nachlaß auf das Dolzgeld. *Ter Untererbeber ober der float» lickte Oberförster können das nicht: das soll feilt Vorwurf für sic fein, es ist aber so und liegt daran, daß sie an ihre Verordnungen gebunden sind und selbst beim besten persönlickum Willen nichts mack?en können. Tas persönliche Verhältnis überbau#, das ist's, toerv k:-??n so mandKä viel leichter bei der Öerrsckaft ,cch macht als beim Staate; man ist zugleich Pächter oder seit langen Jahren föoh» Hauer ober dies oder jenes uno da darf ich sckston mal eine Bitte oussprechen, um etwas Türrhol- aus der Hand, um ein paar Dohnenstlnrgen, etwas Bauholz für em Sälchen, so wie ich's grabe brauche, ich ürt'rbe selten eine Fehlbitte tun. In unseren Gemeinde hat in bieiem Jahre mit den holen Drennholzpreisen feder Haushalt sein Quantum Hartholz und Reiser zum Tatzpreis bekommen und bir Armen zahlten noch weniger und bekamen'S r.afie vor die Tür geliefert. Tas darf doch nicht t>etnrf"cn werden und — das wird aufl^ören, wenn erst &r ganze Wald, auch der Pri^atwald, vom Staate verwaltet wird. Und die Ge:neinden werden auck ein Haar in der Suppe finden. In einer Zett, 'bt'c in frei frei ttüfem Sinne die Ge-nernde« Verwaltungen mögliM von jeber bureaukratisck)en Bevorm-mdung befreien will, soll ihnen ihr bisheriges Budgetrecht über den Wald beschnitten werden: nicht mehr Bürgermeister und Gemeinderat haben s>a bestimmen, was an Holz und wo es ge- fdringen wird, sondern der ftaallidie Oberförster allein. Vielleicht wirb's ja für den Gemeindefäckel nicht tzrngünstig, denn der Staat wird und muß daraus sehen, hohe Einnahmen aus dem Wald zu erhalten und da wird er feinen Unterschied machen können ztttiscken Gemeindewald, Prioatwald und» Staatswald. Aber für den Käufer? Daß das Ge- meindeloosholz (mü ter Zeit verschwinde^ wird, darüber wirb ja vielleicks der GenugttrunA em> suchen, der — seither -eins bezogen hat Es ließe sich noch mehr ru der Frage sagen: vielleicht regen diese Zeilen dazu an, sich einmal klarzumachen, was alles die . rinheulfcke forsttechnisckre Verwaltung der Waldungen" tatsächlich bedeutet.


