lOTtfeteiq mn einer Rede, m der er zunächst für dir Wahl von Paris als Derhandlungsort dankte und erklärte, bah von den eertreteneu Mächten keine für den Ausbruch des Weltkrieges verantwort. Lich fei. Lrsondere Untersuchungen über die bereits durch d>e Veröffentlichungen aus den kaiserlichen Ar< chioen bekannlgewordenen Urheber erübrigten sich. Es sei heute' klar erwiesen, bafe die Angreifer die Vorherrschaft in Europa und anschließend daran die Weltherrschaft erstrebt hätten. (Er sagte weiter:
Mögen sich diejenigen, die durch das Schwert zu Grunde gegangen find, nachdem sie die Herrschaft durch das Schwert erstrebt hatten, selbst anklagen. Nichts ist so k-nnzeichneud, wie die Aufforderung an England im 3uli 1914, nichts gegen den Landangrisf auf Frankreich zu unternehmen, falls Deutschland nicht in den Aermelkanal einbringe, solle es die Besetzung von Driey, Toul und Verdun billigen Deutch- land wollte Belgien zerschmettern- England und Frankreich schwuren, es zu retten. Japan griff dann aus Loyalität gegenüber England und in der Erkenntnis der Asien durch die Vorherrschaft der Mittelmächte drohenden Gefahr zu den Waffen Italien weigerte sich vom ersten Augenblick, den deutschen Ehrgeiz zu begünstigen. Rumänien kämpfte nur für die Deiwirklichung seiner nationalen Einheit und mutzte bann ben Vertrag unterzeichnen, ben die Konferenz revidieren wird. — Poincare erwähnte sodann noch die anderen Länder, die sich auf die Seite der Entente gestellt hatten, so auch die Vereinigten Staaten. (Er schätze sich glücklich, ihren Präsidenten hier im Namen des dankbaren Frankreichs und aller anderen hier vertretenen Mächte zu begrützen. Amerika, die Tochter Europas, sei über ben Ozean gekommen, um ihre Mutter ber Demütigung durch die knecht- schäft zu entreißen und die Zivilisation zu retten. Nach Schilderung der (Breueltaten, die angeblich von den Deutschen begangen worden sein sollen, sagte er:
Die Gerechtigkeit verfolgt ein doppeltes Ziel, jedem bas ihm zukommenbe wieberzugeben und nicht e ne Erneuerung des Verbrechens durch Straf- lostgkeit zu ermutigen. Logischerweise fordert sie vor allem Bürgschaften für die yiationen, bie in ber Vergangenheit am meisten den Angriffen ausgesetzt waren unb es künftig sein könnten. Gleichzeitig werden die hier Anwesenden gemäh der 14 Punkte Wilsons, bie bie alliierten Großmächte angenommen haben, einen allgemeinen Bund ber Völker aufrichten, der die höchste Dürg° schäft gegen neue Anschläge auf das Völkerrecht sein wird Diese internationale Vereinigung wirdgegen niemanden gerichtet sein unb sich niemanbem ver- schlichen. Da sie aber durch die Nationen organisiert wird, die sich opferten, um das Recht zu verteidigen, so wird sie von diesen ihre Grundsätze erhalten, und Bedingungen aufstellen, denen sich ihre gegenwärtigen ober künftigen Mitglieber unterwerfen werden.
Amsterdam, 18. Jan. (WTB.) Dem „Al- fltmet’n £>aiibcf3Mab" zufolge weist ber Washingtoner Korrespondent der „Mornrng Post" ausdrücklich auf die Tatsache hin, daß das amerikanische Volk unter keinen Umständen die Teilnahme Amerikas an dem Bunde zur Handhabung des Gleichgewichts der Mächte zulassen werde. Ein solches System würde Amerika dazu zwingen die europäische Politik zu machen, und dieser Gedanfe widerstrebe den Amerikanern.
Eine Ansprache Fach».
des Gesamtverkehrs Deutschlands stets eine grohe Rolle spielte. Aus der durch fre Presse mitgvteilten Absicht, datz ame 'Kan sche Truppen zum Schuhe gegen die bolschewistische Gefahr im Osten herangezogen werden sollen, wirb unter diesen Umständen wohl schwer etwas werden. Die daraus entstehenden Transportierungen würden neue Schwierigkeiten bringen und schließlich noch die dringende Lebensrnittel- unb kohlenoersorgung in Frage stellen, wenn die Entente nicht schleunigst Lokomotiven zur Verfügung stellt, um biete Transporte burchzu^ühren. Schon heute ist auch in den westlichen Bezirken der Lokornotivmangel so groh, datz Kohlenzüge, die im Bezirk Hannover stehen unb in Berlin bringenb benötigt sinb, nicht nach Berlin herangebracht werden können. Wie soll das weiter- gehen? Wie bekannt, sind wir noch nicht am Ende der Abgaben angelangt.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 20. Januar 1919.
Einschränkung dcS Gasverbrauch- und der elektrischen Beleuchtung.
Der Anordnung des Oberbürgermeisters, in einer Haushaltung gleichzeitig nicht mehr als 2 Flammen zu brennen, wirb in vielen Fällen leider nicht entsprochen. So Konnte wiederholt beobachtet werben, datz in einzelnen Haushaltungen zeitweise 4, 5 und mehr Flammen gleichzeitig brennen. 3n einzelnen Fällen mutzte daher von dem Recht ber Bestrafung Gebrauch gemacht werben. Der Zweck ber Vorschrift wird aber nur dann erreicht, wenn ein jeder seinen Verbrauch an Gas unb elektr. Energie auf bas allernotwendigste Matz einschränkt, zum mindesten aber ben getroffenen Anordnungen voll und ganz nachkommt, um auf diese Weise möglichst einer vollständigen Sperre des Lichtbezugs infolge anhaltenden Mangels an Brennstoffen zu begegnen.
Gültige Lebensmittelmarke«
für die 4. Woche vom 20.-26. Januar 1919.
Brot: 2250 Gramm Brot ober 1680 Gramm Mehl Brot pro Klg.........45 Pf.
Weizenbrotmehl pro klg.....56 „
Krankenbrot pro klg.......80 „
Krankenbrotbäcker: S. Katz, Neustadt, W. Hoel-
ters, Frankfurter Str., A. Deibel, Neuenweg.
Margarine: 40 Gramm zu 27 Pf.
Fleisch: Wochenabschnitt 4.
Metzger für Fremde: Bepler, Neustadt.
Metzger für Urlauber: Birkmeyer, Bahnhofstr. Kartoffeln: Anteil 7 Pfund zum Preise von 56 Pf. Nährmittel: Marke 1 Januar 1919.
Auf <■ elbe Karte (A) 250 Gramm Suppenfabrihate .(Pakelwarel; auf rote Karte (B) 500 Gramm ©ries, 250 Gramm kinbergerstenmehl: auf blaue Karte (C) 250 Gramm Graupen, 100 Gramm Teigwaren, 125 Gr. Suppenfabrikate sPaketw.)
Iugezogene: Geiste, Seltersweg 2.
Urlauber: ©ans, Dammslr.
Jucker: Marke 1 Januar 1919.
Der Zucker für Januar ist noch nicht eingetroffen. Nähere Bekanntmachung erfolgt noch.
Iugezogene: Schlierbach, Frankfurter Strafe. Urlauber: klingelmeyer, Lubwiqstr. 56
Lebensrnittel: Sauerkraut, Salz, Reis auf Markei. Nähere Bekanntmachung erfolgt noch.
Seife: Marke für Januar 1919.
Anteil 125 ©ramm KA.-Seifenpulver zu 15 Pf. und 50 ©ramm KA.-Seift zu 20 Pf.
Gemüse: Stadt. Obst, u ©ernüseverkaufsstelle, Turm. Haus am Brand.
Weißkraut, Kohlraben, Rote und Gelbe Rüben zu den Tagespreisen.
** Lebensmittel* Ausgabe. (Ausgabe Nr. 1). Die Stadt ©ietzen hat größere Mengen Lebensmittel aus Beständen der Heeresverwaltung übernommen. Hiervon kommen vom 20. bis 23. bs. Mts. einschl. auf ben Dezugsabschnitt Nr. 1 der Lebensmittelkarte in den Geschäften, bei denen die Vorbestellung erfolgt ist, 2 Pfund Salz, 1 Pfund Sauerkraut, % Pfund Reis zum ©esamtpreise von 86 Pf. zur Ausgabe. Getrennter Verkauf findet nicht statt. Die Bekannt* machung vom 15. bs. Mts. über bie Ausgabe von Sauerkraut unb Salz wirb aufgehoben. (Siehe Be- kanntmachung.)
in ihre Heimatsorte zu dingen Trotz des vielfachen Ersuchens hat es der Entente bis heute nicht gefallen, I den Küste werk-che ztz^ulasten, ber zu ber Bewältigung *
** Aus dem Stadttheaterbureau. Wegen Er* Kränkung des Herrn Kapellmeisters Marguth mutz die Neueinstudierung des ^Dreimäderlhauses" verschoben werben; am nächsten Sonntag abend findet dafür eine Wiederholung der ©ogol'schen Komödie „Der Revisor" statt, die am Samstag so lebhaft an- gesprochen hat.-Es ist von vielen Seiten der Wunsch geäußert worben bie „Rose von Stambul" möge auch einmal an einem Wochentage gegeben werben Die Bühnenleitung hat dem entsprochen und für Dienstag den 28. Januar eine Aufführung ber hüb- schen Operette angesetzt. Zu dieser Vorstellung haben Gutscheine Gültigkeit.
** Die Wahlen zur verfassunggebenden Volkskammer der Republik Hessen. Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, datz laut Bekanntmachung die Wahl zur verfassunggebenden Volkskammer ber Republik Hessen in Gießen um 9 Uhr vormittags beginnt.
** Desihwechsel. Das Anwesen des Bau- meisters Christian Petri V., Moftkestrahe 7, ging durch kauf zum Preise von 70000 Mk. in ben Besitz des Stempelfabrikanten Josef Kreut er als Privat- wohnung über.
•• V orsicht vor falschen Haussuchungen. Bei einem hiesigen Kaufmann erschienen am 18.1. M. nachmittags em Soldat mit Waffe, ferner zwei in Marine* unb zwei in Infanterie-Uniform und erklärten der anwesenden Frau, sie seien beauftragt, eine Durchsuchung nach gestohlenen Zigarren vorzunehmen. Die resolute Frau liefe sich nicht verblüffen unb wies sie ab mit bem Bemerken, bafe sie ohne ber Anwe en- beit von Polizeibeamten ihre lUoftnung nicht zur Der- fügung stelle. Darauf entfernten sie sich mit dem De- merken, datz sie sich auch im Nummer des Hauses geirrt haben könnten. Da ein amtlicher Auftrag nicht vorlag, handelt es sich zweifellds um Personen, die einen Naud beabsichtigten
• • Pferdediebstahl. Gestohlen wurden in der Nacht vom 17. auf 18. l. M. aus einem Stall zwei Ruffenpferde, ein Rappen mit weiften Flecken auf bem Rücken, tas andere dunkelbraun, ebenfalls auf dem Rücken mit weiften Flecken im Wen von K 00 Mark. - Ferner wurden in den letzten Nächten eine Anzahl Stallhasen, darunter belgische Riesen, deutsche Riesenscheckc und blaue Wiener entwendet. Sachdienliches nimmt die Krim.-Abt. des Polizeiamts entgegen.
• • Bahnhofsdiede. Die Sicherheitswache verhaftete in der Nacht vom 18. auf 19. L Mts. vier junge Leute, die einen Waggon am ©üterbahnftof erbrochen unb daraus verschiedene Kisten mit Zigarren entwendet hatten.
• • Wieder aufgefunben. Die vor einiger Jett hier gestohlene Kaffette wurde in Würzburg bei einer Diebesbande oorgefunben Die Papiere unb ein Teil ber Kriegsanleihe sind noch vorhanden
"Gaunertricks. Bei einem Land- Drivt in Eberstadt^der vor einiger Zeit oon
London, 18. Jan. (WTB) Reuter. In einer Ansprache an amerikanische Korrespondenten in Trier würdigte Marschall Fock die Rolle, bie Amerika im Kriege gespielt hat. Er sagte: Jetzt müffen wir einen Frieden machen, der der Größe unseres Sieges entspricht. Wir müffen einen Frieden haben, der so vollständig ist wie unser Erfolg, einen Frieden, ber uns gegen alle künftigen Angriffe schützt Line natürliche Grenze, die die Zivilisation schützen wird, ist der Rhein; an ihm müffen wir die Deutschen halten. Dadurch machen wir es ihnen unmöglich, ihren Coup von 1914 zu wiederholen. Der Rhein ist bie Friedensgarantie für alle Nationen, die ihr Blut für bie Sache der Freiheit vergaffen haben. Wir denken nicht an einen Angriff gegen Deutschland oder an den Wiederbeginn des Krieges. Demokratien wie die unseren sind niemals Angreifer; sie wollen nur in Frieden leben und gedeihen.
Milderungen der Waffenstillstand»- bedingungcn.
Berlin, 18. Jan. (WTB.) Wie int „B. Z. t M." erfährt, wurden bei den Verhandlungen der Waffenstillstandskommission in Trier außerordentlich wichtige Milderungen der ursprünglichen Bedingungen erreicht, besonders in der Frage der Abliefern nglandwirtschaftlicherGe- rate. Ter Termin für die Ablieferung landwirtschaftlicher Geräte wurde bis jum 1.3 uni hinausgcschoben. Ferner gelang es unseren Unterhändlern durchzusetzen, daß keine bestimmte sAnzahl der ab-ulieferuden Maschinen im Vertrag mehr angegeben wird, sondern nur gnmbfäft» lich festgesetzt ist, daß landwirtschaftliche Maschinen abzuliesem sind. Bei den Verhandlungen über diese Frage erklärte Staatssekretär Erzberger, daß er in feiner Weise deren Tragweite und ihre Folgen übersehen könne. Auch keine Behörde sei imstande, bis zum ttächsten Tage, !wie es Foch verlangte, eine authentische und erschöpfende Uebersicht über den Bestand an landwirtschaftlichen Vtascknnen und über die Möglichkeit, solche noch in Deutschland herzustellen, zu geben. Von Trier ans sind bereits die zuständigen Neichsbehördcn und interessierten Steile der Industrie von unseren Unterhändlern ten den Sitzungen über die Frage der Ablieferung landwirtschaftlicher Maschinen eingeladen worden. Bereits heute werden die Bi'rtveter der beteiligten Viessorts in einer Sitzung und die Vertreter der in Frage kommenden Industrie in einer -weiten Sitzung über die Angelegenheit unter dem Vorsitz Er-bergers beraten. W liegen bei dec Waffenstill- Kandskommission aus industriellen greifen zahlreiche telegraphische Offerten au| Lieferung land- wirlschaftlickxr Masck-inen vor.
Die Folge« ber Lolomolivknabgabk
Berlin. 18. Jan. (WTB.) Die „Deutsche All* «meine Zeitung' schreibt über die Folgen ber Co- fcomotioenabgaben: 3n ben Bezirken Danzig unb Königsberg traten in ben letzten Tagen schwere Stockungen im Eisenbahnbetrieb infolge des immer fühlbarer werdenden Lokomotivmangels ein. Die von ber Ostfront, insbesondere aus der Ukraine heirnkehrenden Truppenteile können daher nicht, wie g« plant, weitergeführt werden. Unter ben schwierigsten Verhältnissen für bie T uppen wie für die Dahnen mußten bie Züge entladen ober abgestellt werben, größtenteils auf Bahnhöfen des besetzten Gebietes, allo noch ehe ber heimatliche Boden erreicht war Richt einmal der Seeweg ab Königsberg kann ver- wendet werden, um die Truppen nach dem Westen
entern angeblichen Alfred Schäfer cm Pferd (Fuchsstute) für 250 Mk. Taufte, erschien am 18. L Mts. morgens ein Vizefeldiorbel, der sich Steiner nannte, und ein isolbat, oct Willy gerufen wurde und erklärten im Auftrag des Solda enrats Bad-Nauheim, das Pferd beschlagnahmen zu müifen, da es Schäfer gestohlen habe. Der Landwirt gab das Pferd, ohne sich näher Über die Nichtigkeit des Auftrags zu überzeugen, heraus. Nachforschungen beim Soldatenrat in Bad-Nauyctm ergaben, daß der Landwirt Schwindlern in die Hände gefallen war, die im Verein mit dem Alfred Schäfer das Pferd nun wohl wieder Weiterverkäufen.
" Lebensmitteldiebstahl. Aus einem Lager ber Margaretenhütre würben entwendet: 2 Kisten zu 25 Kg. Kunsthonig, 2 F aschen zu 25 Ctr. ©rannt- wein, 2 Kisten zu 90 Karton Fleischkonserven unb 1 Sack Zucker zu 100 Kg. Sachdienliche Mitteilungen erbittet das Polizeiamt Gießen.
•* Die Deutsche demokratische Partei hatte am Samstag eine Einladung an alle Beamten zu einer Versammlung im , Fiftstenhof" ergehen taffen, der diese ziemlich zahlreich gefolgt waren. Der Hauptredner des Abends, Herr Sanitätsrat Dr. Honig- mann, suchte durch eine Betrachtung der Geschichte und bisherigen Haltung der Parteien nachzuweiien, daß bie Interessen der Beamten bei der demokratischen Partei am besten aufgehoben seien. Die Deutsch- nationale Volkspartei (konservative) wollen den Obrigkeitsstaat, und der bedeute Unfteiheit des Beamten, seine Herabbrückung zum Staatsbürger zweiter klaffe. Die Sozialdemokratie wolle Wählbarkeit der Beamten und ihre Gleichst- lluna mit den Arbeitern. Lege jene Forderung die besorgte Frage nahe, was dann aus den wohlerworbenen Rechten der Beamten werbe, so sei die Gleichstellung der Beamten mit den Arbeitern angesichts ber burch Vorbildung und Wartezeit der Beamten gebrachten Opfer eine Ungerechtigkeit. Die Deutsche Volkspartei habe immer liberal sein wollen und als Verbündete der Konservativen konservativ sein müffen; sie wie das Zentrum seien zwar auch vielfach für die Interessen der Beamten eingetreten, niemals aber für ein freies Beamtenrecht. Wohl aber habe das die Fortschrittspartei, die Vorgängerin der Demokratischen Partei, getan. - Die beiden anderen Referenten, die Herren Ehr Hard unb Höhne, behandelten mehr interne Beamtenfragen. - In der ziemlich ausgedehnten Debatte, an der sich Demokraten, Sozialdemokraten und auch ein Zentrumsanhänger, ausnahmslos Beamte, beteiligten, war charakteristisch bie allseitige Klage über ben seitherigen Druck und die Unfteiheit der Beamten. Einhellig kam ber Wille zum Ausbruck, damit ein Ende zu machen.
** Ter Markus-Frauenverein hatte am Samstag abend zu einer Versammlung der ev. Frauen und Mädchen Gießens ernqeladen. An Stelle der verhinderten Rednerin des Abends, Frau Prof. Kahle, sprach Pfarrer Mahr über das Wahlrecht und die ev. Frau. Im Eingang seiner Rede charakterisierte er die Eigenart der deutschen Revolution gegenüber anderen Revolutio- m-n in der Geschichte. Sodann kam er auf die große Gefahr der gleichgültigen und ablehnenden Haltung vieler Frauen gegenüber dem Wahlrecht und der Wahlpflicht zu sprechen, eine Haltung, verständlich aus der bisherigen Bildung und Erziehung der Frau. Tie Befürchtung, daß die Politisierung der Frau die Wesensart und grundlegende Aufgabe der Frau beeinträchtige (Paulus!, ja geradezu das Familienleben gefährde, nicht minder politische Gründe, besonders die Furcht, daß die Verlerhung des Stimmrechts an die Frau eine ungeheure Stärkung der sozialdemokratischen Partei bedeute, hätten viele, auch geistig hochstehende Frauen, auf ein Wahlrecht der Frau verzichten lassen. Jetzt, da das Wahlrecht den Frauen gegeben sei, bestehe für die Frau unbcdinote Wahlpflicht. Allgemeine sittliche und nationale Erwägungen, die Bedeutuna der Nationalversammlung selbst, insbesondere die Frage der Trennimg von Staat und Kirche, Kirche und Schule rufe die evangelische Frau in den Wahlkampf. Letztere Fragen wurden ausführlich erörtert, und die Haltung der verschiedenen Parteien auf Grund der Antworten ihrer Landes- vorftände beleuchtet. Frl. Flick besprach den Wahlvoryang selbst, Pfarrasststent Schäfer die Verhältniswahl; Frau Hamel forderte zur Wahl auf als einer Bckenntnispflicht. die aus lebendigem Glauben folge. Ein kurzes Schlußwort von Pfarrer Mahr beschloß den anregenden, gut besuchten Frauenabend.
’♦ Lichtfpielhaus, Bahnhofstraße 34. Heute ist der letzte lag des Hella-Moja unb Hanna-Brink- mann-Filmes. Ab morgen bis einschließlich Freitag spielt Eva Speier in ihrem neuesten Filmbrama Es war ein Traum. Außerbem wirb gegeben So'n Klemer Schwerenöter, Lustspiel in zwei Akten, in der Hauptrolle Emil Sondermann unb Richard Senius.
Gietzericr Stadttheater.
Der Revisor.
Komödie von Nikolaus Gogol.
Gießen, 18. Januar
Es Ware nicht uninteressant, einigen Fäden nachzugehen, die diese Satire auf die Würden- träger einer russischen Provinzstadt mit der in diesem W.nter gcgebeten Satire Ludwig Thomas „Die Medaille" verbindet. Es ist nicht allein die allgemeine Zuspitzung der Sattre auf einen eitlen und beschränk en Beamten, und die Aehnlichfeit des Schlußes etteS, die einen solchen Vergleich rechtfertigte. Gogols russische Thpen stehen unserer Kenntnis zu fern, als daß wir uns von bet ursprünglichen Treffsicherhtt der Satire allein schon gewinnen lassen könnten, und der letzten Endes auf Kotzebue zurückiührende Ausbau des Stückes g-nügt unteren Anlprüchm auf formstrenge Geichlo senh^it keiircs.oezs Wenn ttotzdem die Kmnod.e von Anfang an in Spannung hält, so liegt das an der glücklich gehandhabten lieber raschungs echnik, die immer wieder eine Situation zustande bringt, aus die man im Augenblick nicht vorbereitet war.
Ter Inhalt läßt sich in kurzen Worten zu» lammcnfaifen: In bet Beamtenschaft einer russischen Ptooinzstadt hat die Ankündigung eines Revisors als Schreckbombe eingeschlagen. Ter Spürsinn zweier männlicher Klatschbasen glaubt den inkognito reisenden Revisor in einem jungen Peters bürget Beamten zu erkennen, der eine Reise aus Geldvetlegenbeit nnterbreck>m mußte und durch großstädtisches Wesen ausfällt. Tie gany Stadt kriecht zu seinen Füßen, und die Beamtenschaft ivctteifert, durch Bestechung seine Aufm-rksamkeit von allzu russischen Zuständen abtulerlen Der falsche Revisor führt feine Rolle bis xut Verlobung mit dem Gouverneurs! öchterkein durch. Tann ver- schwii! t er. Ter Postdirektor hat aber einen Bries gcöiinft, in dem er einem Journalisten ben Spaß
ik vttbiüijtt Äcauttenschaft hat r<4 noch
nickst mit dem bösen Streik abgefundm, als ste zu dem echten Revisor besohl .vi-u. oct mznn- schen eingctroffen ist.
Karl B ol ck, der für bie ©prelletning zeichnete. !Kitte die schwierige Aufgabe zu beroäitig'n, dre von Episoden g.speiste Sar.biung im Flui; zu Hachen und dem Einzelipeier seine Sondrstellung m Gruvpensrr^l zu wahren. Er wurde feinet Aufgabe in hohem Maße gerecht. Eine Frage jxriönltaxr Auffassung wäre es, über Szenen von untergeordneter Bedeutung etwas schneller hinwegzugleilen. Bei der großen Zahl der Mitspiclendeu ist e5 nicht möglich, bei den ßeifhrngen des einzelnen eing.hender zu öerlvcilen. Oskar Feigel durfte bei seinem Gouverneur neben geglückteren Cha- raktercigentüml: chkeiten auch den brutalen Gewaltmenschen schärfer zeichnen. Rudolf Ielilosf hätte, roetrigrteiid nach Westeuropa schein Emiftuden. um einige Grad älter und gereifter sein müssen, um den Skrctitfall einer ganzen Stadt auf sein Aut- treten hin begreiflich zu machen. Besonders erouick» lich waren Ludwig Gr osser und Artur Rep- pert als die zw.llingshaftrn, Gutsbesitzer Dob- tschinski und Bobtschinski,d ie von der Arhnlichkcit ihrer Figur noch besonders wirksam unterstützt wurden. 5fn sich gerundete Gestalten boten Walter a n se r als Kreisrichler, Karl B o l ck als Schul- rektor, Wilhelm Koch als Postmeister, Rudolf Goll a's fcoipi'.aiDertoalter und Otto Conradi als Potizeiinspeltor. Karl Ernst Schaum hatte sich für den ßeibeigenen Ossip eine prachtvolle Maske zurcchigelegt. Auguste MarckS fand als Frau Andrejewna eine glücklichere Verwendung. Alice P oe tz s ch als Tochter blieb in ber Darstellung ziemlich blatz. Nebenpersonen, wie auch die drei Kaufleute fügten sich organisch ein. Im ganzen war es ein sehr lohnender Abend. zx.
Letzte Nachrichten.
Wahlergebnisse.
Gberheffen.
*♦ DaS Ergebnis in der Stabt Gießen wie der einzelnen Orte des Land kreifes Gießen war bis um ’/<$ Uhr nicht zu erfahren.
Aulendiebach. Demokraten 9, Sozialdemokraten 83, Zentrum 0, Deutsch-natl. Volks- Partei 21, Deutsche Vollsv. 16, Unabhängige 17.
Bönstadt. Demokraten 18, So ialdemo^ traten 99, Zentrum 8, Teutsch-natl. VolkSparlei 97, Deutsche Volkspartei 108, Unabhängige 48
Büches. Demokraten 48, Sozialdemokraten 32, Deutsch natl. Boll spartet 37, Deutsche VolkS' Partei 1, Unabhängige 1.
Diebach. Demokraten 22, Sozialdemokraten 37, Zentrum 0, Dcutsch-natl. Vollspartei 72. DeMiche Vollspartei 2, Unabhängige 1.
Dudenrod. Demokraten 41, Sv',mldemo traten 12, Zentrum 2, Deutschmatl. Volkspartei 2, Deutsche Vollspartei 5, Unabhängige 0.
Büdesheim. Henrich 88, Ulrich 419, Wer- ner 127, Becker 22 Beckmann 4.
Eckartshaufen Henrich 59, Ulrich 213, Schmitt 2, Werner 60, Becker 11, Beckmann 0
Friedberg. Henrich 1343, Ulrich 1668 Schmitt 494, Werner 402, Becker 862, Beckmann 220.
Glauber g Henrich 24, Ulrich 208, Schmitt 0, Werner 78, Becker 9, Beckmann 17.
Hainchen. Denrich 14, Ulrich 237, Schmitt 0, Werner 0, Becker 26, Beckmann 8.
Öain-Gründau. Denrich 31, Ulrich 187, Schmitt 2, Werner 35, ©etfet 10, Beckmann 37.
Degheim. Denrich 23, Ulrich 11, Werner 28, Becker 2.
Dolzhausen. tzenrich 43, Ulrich 123, Werner 175.
Langenbergheim. Henrich 75, Ulrich 235, Werner 21.
Lindheim. Denrich 56, Ulrich 235, Werve 3, Becker 26, Beckmann 18.
Maibach. Henrich 16, Ulrich 42, Werner 12 Decker 3.
Melbach. Denrich 2, Ulrich 135, Schmitt 0 Werner 172, Becker 16.
Mittelgr ündau. tzentich 3, Ulrich 247 Schmitt 3, Werner 34, Beckmann 3.
Gelnhaar. 19 Denrich, 94 Ulrich, 133 Deck mann.
Leidhecken. 11 Henrich, 147 Ulrich, 41 Werner.
Nidd a. 584 .Henrich, 508 Ulrich, 32 Schmitt. 93 Werner, 44 Becker, 1 Beckmann.
Kohden. 28 5)enrich, 139 Ulrich, 48 Wer ner, 7 Becker.
K>nmnLcrJorf,t2?itt*n Schotten). 23 Henricb 120 Ulrich, 68 Werner, 3 Becker ?ber-Widdersheim. 50 Henrich, 111
Ulrtch, 116 Werner.
Münzenberg. Henrich 68, Ulrich 19-! Schmttt 1, Werner 178, Becker 26. -^Areder-Florstadt. Henrich 60, Ulrü? 710, 5, Werner 41, Becker 22.
Tauernheim örnrich 24, Ulrich 235 Werner 13, Becker 5 ।
QA Vbt Henrich 38, Ulrich 190, Wermt 30, Becker 3.
„ 6rari* 17S- Ulrich 59,
Koerner 88, Becker 2.
u hänfen. Henrich 61, Mrich
14, Werner 5, Becker 26, Beckmann 2 322 ^Äcker 6 ?°' 382' Werner
Sseld. Ulrich 999, Schmitt 97, ftfeti 980, Werner 191, Becker 416
Z"6enrod. Ulrich 96, Schntitt 2, -cmrich 46, Werner 73, Becker 3.
«iben. Ulrich 36, Henrich 76, ferner 6 Jöedet 4.
q. ^ich 36, Henrich 54, Werner 59.
-öetier 4.
-5yoL Ulrich 49, Henrich 19, Werner 210, '-öe cf er 68.
Sxnii<6 27, Ulrich 247, «*rncr 37, Becker 13.
&raCab7ÄRflbL 7 305 U--ch. 9E
211 31 201 «rich.
bi ohrba ch 35 tzenrich, 152 Ulrich 19 Lchmrtt, 5 Werner, 17 Becker.
Slabtu- 18 Henrich, 126 Ulrich, 6 Wenter 64 Becker.
Wolf. 22 Henrich, 147 Ulrich, 26 Werner 1 Beckininn.
au 3d) 626 b^rich, 555 Ulrich, 86
Werner, 51 Becker.
Michelbach. 145 Henrich, 7 Ulrich, 10 Werner.
Sfma.e'nia^- 80 196 Uto* M


