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Nr. 244

Ter Siehener Anzeiaer erscheint täglich, außer Sonn- unb Feiertags.

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Poftscheettonto: firanffuri a. Ul. U686

Erstes Blatt

169. Jahrgang

Samstag, 18. Moder 1919

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderheffeil

ZwlMngsrund-ruck u. Verlag: vrühl'sche Univ.-Buch- n. Steinöruderei R. Lange. ZchriftleiLung, Geschastsstelle u. Druckerei: Zchulstr. 7.

Annahme von Anzeigen f. die Zonesnummec b.s gum SQndimiitag vorher ohne jedeVerbindlichkeit Preis für 1mm Isöhe für An;ei,ieiiv.34mmBreil^ örtlich 15 Li., auswärts 18 Pi., für Reklame» anzeigen von 70 mm Steile 48 Pf. Bei Platz- vorfchrrii20°/,Auifchlag. Hauvtschrittleller: Aug. Goen. Berantivortlich für Politik: Ang. Goetz, für den übrigen Teil:, vr. Reuihold Zenz; für den Anzeigenteil: Ü- Beck; sämtlich in Gießen

wochenrückdliL

Der Krieg ist halbwegS zu Ende, der Friede soll demnächst durch die Ratifikationen der be­teiligten Großmächte sogar endlich besiegelt werden aber man spürt noch nicht das Ge­ringste von der Wärme wiederlehrender fried­licher Entwicklung. Der russische Eisblock ist noch nicht geschmolzen; der erstarrende Lauch aus dem Osten bedeutet zwar nicht mehr die direkte Gefahr des Bolschewismus, aber er erschwert uns noch immer den Wiederaufbau des eigenen Landes. Herrschte in Rußland eine erträgliche demokratische Oronung, wieviel arüßer wäre die Sicherheit, wieviel besser stän­den die Aussichten im Deutschen Reiche! lieber die militärische Lage der russischen Bolsche­wisten weiß man nichts Zuverlässiges. Heute hört man, sie seien an ihren Fronten im sieg­reichen Fortschreiten, morgen heißt es da­gegen, General Denrkin habe ihnen vernich­tende Schläge beigebracht. Entscheidend aber ist, daß die Entente nicht mehr daran denkt, durch Waffengewalt der Herrschaft Le­nins und Trotzkis ein Ende zu bereiten, son­dern daß sie gegenüber dem Riesenreiche, in dem wahrlich nicht nur politisch verstiegene Weltbeglücker, sondern viele Millionen un­ischuldiger Menschen wohnen, zu dem verwerf­lichen Mordstrick der wirtschaftlichen Abschnürung greift, der als das stolzeste Kulturzeichen des britischen Weltreiches gel­ten kann. Diesen Knüttel der Mensch­heitsversöhnung wieder zu schwingen, werden auch die Neutralen gezwungen, und wir Deut­schen haben uns danach zu richten, uns damit abzufinden, daß unsere Häsen, unser beschei­dener Handelsverkehr im Osten wieder völlig Peröden. Wo bleibt nun die Sympathie Ame­rikas, das die Rechte oer Völker zu schützen 'vorgibt- Auch wenn Herr Wilson mit altem Lateneifer sich wieder von seinem Kranken­lager erheben könnte wofür freilich wenig -Aussicht vorhanden ist würde er das Pa­thos seiner Humani ätspropaganda vermutlich in arger Verlegenheit verstecken. Auch ohne körperliche Krankheit wäre er allmählich ein stiller Mann geworden...

Aber auch venu wir den Blick vom Unheil der Ostprovinzen auf die übrigen Gebiete des Meiches abwenüen, begegnet uns noch kein Friedensschein. Schützengräben und Stachel- idrähte beherrschen die innere Politik; überall nteue Hindernisse, nirgends freie,ebene Bahn! Die größte Quelle des Uebels sitzt natürlich in den wirtschaftlichen Schwierig­reiten. Wenn diese nicht so auf uns lasteten, wäre auch die kommunistische und sparta- tistische Gefahr halb so schlimn-. Die systema­tischen, wissenschaftlichen und ethischen Grund- lagen des Programms der Unabhängigen und ihres radikalen Anhanges sind so schwach, daß lie keine nennenswerte Volksbewegung tragen würden, wenn daneben das Feld der Unzu- friedenheit über die trostlose wirtschaftliche Lage nicht so üppig in die Halme wachsen würde. Wir haben aber aus den letzten Ver­handlungen der Nationalversautm- lung und der Hessischen Volkskam- 'm er gesehen, wie schwer es ist, darin .Wandel 5u schaffen. Aus dem Beispiel der hohen Schuh- und Lederpreise ist ein sicheres Ergeb­nis über die Zulässigkeit oder die Nachteile des Abbaues der Zwangsbewirtschaftung noch nicht gefunden worden. Die Preise inner­halb unserer gesamten Volkswirtschaft oen- jenigen des Weltmarktes ohne weiteres anzu­passen und unsere schlechte Valuta überall in Bleicher Weise darauf anzurechnen, hat ganz gewiß die schwersten Bedenken. Denn wir dnüssen dem Auslande und seinen Auffassun­gen Widerstand entgegensetzen und die Er­kenntnis immer weiter verbreiten, daß die Leistungsfähigkeit des deutschen Volles nicht etwa dem Verfall anheimgefallen ist. Wir imüssen die Sklavendecke über unseren Köpfen durchstoßen und für die Wahrheit kämpfen, daß der deutsche Arbeiter und sein Schaffen als sichere und keineswegs gesunkene Werte m innerem Wirtschaftsleben geblieben sind. Der Kampf ist jedoch nicht durch unaufhörliche grtreire und ungemeffene Lohnforderungen zu Tu^ren, sondern durch eine gesunde nationale Wirtschaft, die sich den Markt freihält von der schamlosen Ausbeutung ourch das Ausland. Don den auf heimischem Boden erzeugten Le- BenSmitteln darf nichts ins Ausland ver­schachert werden. Die Landwirte müssen sich dankbar daran erinnern, daß sie früher mit fcRedjt unb aud) mit Erfolg den Schutz der deutschen Produktion gefordert haben, und was vordem die Schutzzölle bewirkt haben, vas ^ heute eine planmäßige Bewirt­schaftung erreichen, die dem freien Handel stm Interesse der deutschen Gesamtheit Zügel Mckegt. Der Präsident des hessischen Landes- ^nährungsamtes hat am Donnerstag in der Kammer eine Feststellung gemacht, die das 'Traurigste von allem Traurigen ist:Die wichtigsten Lebensmittel werden aus Deutsch­

land in das besetzte Gebiet und von dort in die Länder der Entente verschoben." Dagegen müssen fortan die allerschärfsten Maßregeln gefunden und angetoenoet werden. Eine plan­volle Wirtschaft ist aber nur möglich, wenn alle Volkslreise ihren Anteil daran nehmen, durch treue, unoeroroffene Arbeit, Zurückstel­lung maßloser Forderungen und durch strenge Befolgung und Achtung der Gesetze. Eins ist an das andere gebunden. Darum ist die gestern mitgeteilte Entschließung der Hessischen Volkskammer, so viel Selbstverständlichkeiten sie auch auszudrücken scheint, ein wahrer Notschrei, eine ernste Mah­nung an alleStände, nicht zu vergessen, daß alle Eigenwege, die sich von den gegebenen Richtlinien entfernen, nur ins gemeinsame Unglück und Verderben fuhren können.

Der neue Reichsminister d esJn- n er n hat in seiner Programmrede die bange Sage mit den Worten gekennzeichnet:In diesem Winter wird sich das Schicksal unseres Volkes entscheiden." Er verzichtete auf Schwarzmalerei in der Voraussetzung, die er anführen zu können glaubt, daß unser Volk seelisch gesund geblieben sei und viele aus dem Gleichgewicht gebrachte Männer wieder an» fangen, sich in die gewohnte Arbeit zu finden. An die Spitze feiner Bestrebungen will er gleichwohl die Sorge für Wiederherstellung der Ordnung stellen.Wer dem Volk die Frecheit bringen will, muß ihm die Ordnung bringen." Der bisherige demokratische Ober­bürgermeister von Cassel weckte mit einigen Gemütstönen viele Wünsche, die der gewöhn­liche Sterbliche fast nicht mehr auszusprechen wagt, weil man durch wünschen allein nicht weiter kommt. Wir können Herrn Koch aber in fast allem zu stimmen, was er uns in Aus­sicht gestellt hat. Möge er uns wieder in den Rechtsstaat einführen, möge es ihm gelin­gen, das Polizeuvesen zu reorganisieren, ohne das die segensreiche Himmelstochter Ord­nung nicht bestehen und gedechen kann! Auch das Bekenntnis %ur Reichseinheit unb Dezentralisation der Verwaltung hat un­seren Beifall. Da wir die Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer Neugtiedecung Hessens und der rheinfränkischen Länder kei­neswegs aufgegeben haben, freut es uns, daß der Minister Koch diese Fragen der Neuglie­derung des Reichesohne Voreingenominen- heit" studieren und einer Zentralstelle zur Be­arbeitung übertragen will. Wenn er als Casse­ler Oberhaupt dem ursprünglichen großhessi­schen Gedanken keine rechte Sympathie ent­gegengebracht hat, so wird er bei gründlichem Studium der Dinge wohl einschen, daß un­ser Gedanke, der sich durchaus nicht auf die Annexion" der Stadt Cassel versteift, keine partikularistische Gefahr in sich birgt Was der Architekt Fritz Stück in Cassel, ein fanatischer Preußenfresser, im Rahmen der grobhessischen Pläne geredet und geschrieben hat, ist für den hessischen Volksbund nicht verbindlich, der sich im Gegenteil gegen die föderalistische Entstel­lung seiner Pläne wiederholl verwahrt hat Wir sind davon überzeugt, jede Hauptver­sammlung des Hessischen Vollsbundes würde gegen ein Reichskulturmini ft erium, wie es Herrn Koch vorschwebt, nichts einzu­wenden haben. Möglichste Einheillichkeit im Schulwesen des deutschen Reiches ist dringend zu wünschen, und alles andere, was der Reichsministm: des Innern weiterhin be­sprochen hat, ist in der Tat, wie es die neue Reichsverfassung anbeutet, Sache des Reiches. Bevor wir aber allzuweit in die Ferne schwei­fen, muß die Hauptaufgabe erfüllt werden, die der Reichsminifter des Innern mit dem Reichsjuftizminister gemeinsam bat: Die Schaffung eines neuen gesicherten Rechtsstaa- ftaates, Oer die Korruption aus der Welt schafft die uns vor^ der Revolution beschert worden ist Ob Herr Koch in dieser Hinsicht die erforderliche kühne und sichere Hand hat, muß er uns noch beweisen ....

Aus dem Baltikum.

Berlin, 17. Dkt (Wolff.) DieDeutsche Allge- meine Zeitung" meldet: Nach indirekten Nachrichten, die an die zuständigen Stellen gelangten, finden noch Kämpfe mit den westrussischen Truppen an der Düna statt, doch scheint der Fluß überschritten zu fein. Die westtusjischen Truppen wollen lettische An­griffe, die ziemlich stark sein sollen, abwehren. Wie schon wiederholt betont wurde, kann sich der Abtrans­port der deutschen Truppen nicht schnell vollziehen. Die Strecke von Schaulen bis zur Grenze läßt sich mit geringen Schwierigkeiten zurücklegen, von der Grenze ab erhöhen sich diese.

General o. d. Goltz hat am 12. Oktober das Kommando an General o. Eberhardt abgetreten. Die Litauer ziehen chre Truppen südöstlich Schaulen zusammen; das erschwert die Lage für die deutschen Truppen, die hier durchmarschieren müssen. Die Ver­handlungen, die General von Eberhard mit der litau­ischen Regierung eingeleitet hat, sind noch nicht zum Abschluß gekommen. Ls ist nicht ausgeschlossen, daß die Litauer einen Angriff gegen die deutschen Trup­

pen unternehmen. Aus diesem Grund ist General von Eberhardt gezwungen, Schaulen militärisch zu sichern. Andererseits richtete er an das Auswärtige Amt das Ersuchen, seine Verhandlungen mit der litauischen Re­gierung zu unterstützen.

Versailles, 15. Okt (Wolff). Nach dem Ontranfigcant*' richtete der Konmandant der b r i tischen Seestreitkräfte in der Ostsee an den Obersten Vermont ein Ultimatum die Vor- st ä d t e R i g a s bis Donnerstag mittag zuraumen, widrigenfalls die Stadt bombardiert werde.

Judenitsch iu Petersburg einmarschiert.

London, 18. Okt (WTB.)Daily Expreß" meldet aus Helsingfors: Kronstadt hat sich nach einer Beschießung durch die briiische Flotte ergeben. Gerüchtweise verlautet, daß Judenitsch am Mitt­woch abend in Petersburg einmarschiert ift

Danzig und die Franzose».

Amsterdam, 17. Okt. (Wolff.) DerNew Park Herold" meldet aus Paris, daß Frankreich Einwände erhebt, daß Danzig allein von den Eng­ländern kontrolliert wird.

Der Völkerbund.

Amsterdam, 17. Okt. (Wolff.) Liner Lon­doner Meldung derTribüne" zufolge, ist die eng lische Presse der Ansicht, daß der Völkerbund z u spät geboren wurde, daß ihn die Well augenblick­lich nicht wohlwollend aufnimmt und daß er infolge der Verzögerung der Ratifikation des Friedensoer- träges durch die Vereinigten Staaten gefährdet ist.

Die erste HriegSschuldzahlnng.

Berlin, 18. OKI. DieKöln. Ztg." will wiffen, daß die ersten 20 Milliarden Mark, die Deutschland nach dem Friedensvertrag auf die Wiedergutmachung als Schuld zu zahlen hat, mttiletroeile in der Form von Warenlieserungen bereits zum größten Teil ent­richtet worden siind.

2. Das englische Pfund realisiert ein Agio von mehr als 33 Prozent auf den Franken. Eng­land hat während des Krieges eine Finanzpolitik verfolgt, Frankreich nicht.

3. Nur Italien ist in einer noch' ttaVscheren finanziellen Lage als Frankreich.

Der Niedergang des Frankenkurses.

Unter der UeberschriftEin Krieg gewonnen und ein Friede verloren" briirgt die ^Hnmanitä" ein"*. Artikel, in dem sie den Zusammenbruch Frankreichs auf dem Finanzmarkte beklagt. Sie veröffentlicht die folgende Aufftellung über den Wert des Franken auf den alliierten, neutralen und feindlichen Märkten:

Wert des französischen Franken

vor dem Kries

nach dem Krieg

Bereinigte Staaten

L004

0.564

Spanien

1.0271

0.596

Schweiz

LOOL

0.61

Schweden

1.004

0.629

Holland

1.004

0.641

Norwegen

1.004

0.645

England

1.002

0.662

Dänemark

1.004

0.665

Griechenland

1.004

0.693

Belgien

LOOS

0.995

Italien

L003

L14

Deutschland

1.007

3.66

L Ter Franken

hat seit dem Kriege mehr als

40 Prozent seines verloren.

Wertes auf

dem Weltmarkt

Die Deutschen in China.

Kanton, 18. Okt. (WTB.) Neuler. Der Senat hat das Recht der Deutschen, in Süd­china zu wohnen und Handel zu treiben, wieder­hergestellt.

Republik Oesterreich.

Wien, 16. Okt. (Wolff.) Korr.-Büro. Das gestern eingebrachte Gesetz über dre Staatssor m bestimmt: Die deutschen Alpe nlande m ihrer durch den Staats­vertrag von St Germain bestimmten Abgrenzung find eine demokratische Republik unter dem NamenRe­publik Oesterreich". Slfle öffentlichen Gewöllen in der Republik Oesterreich gehen vom Volk aus und werden von chm eingesetzt Staatssprache ist unbeschadet der sprachlichen Minderhellen und der gesetzlich einge- räumten Rechte die deutsche Sprache. Gleichzeitig werde« das Gesetz vom 12. 3. über die Staatsform und der Artikel des Gesetzes vom 12. 11. 1918 über die Staats- und Regierungsform, wonach Deutsch- Oesterreich ein Bestandteil des Deutschen Reiches ist, aufgegeben.

Sojiaiifiemng der ElettchitättwirhchW.

Berlin, 17. Okt. (Wolff.) Der 14. Ausschuß der Nationalversammlung beendete die erste Lesung des Gesetzentwurfs der Sozialisierung der Elek- trizitätswirtschast Als neuer Paragraph 1 wurde die Bestimmung aufgenommen, wonach das Reichs­gebiet bis spätestens 1. Oktober 1921 zwecks Ver­wertung und Verwaltung der elektrischen Kraft in Bezirke einzuteilen ist, die sich nach-wirtschaftlichen Gesichtspunkten gliedern. Für diese Bezllke sind unter Führung des Reichs Körperschaften oder Gesell­schaften zu bilden, in denen alle der Erzeugung, Fori- leitung und Verteilung dienenden Anlagen zusammen» zuschließen find mit Ausnahme derjenigen Unterneh­mungen, welche die von ihnen erzeugte elektrische Arbell ausschließlich oder ganz überwiegend bis 1. April 1921 für eigene Betriebe verbrauchen.

Der bisherige Paragraph 1 des Regierungs­entwurfs wird als Paragraph 2 beibehalten. Danach

erhält das Reich die Befugnis, Hochspannungsleitung gen mit einer Spannung von 50000 Doll und mehr sowie private Elektrizitätswerlre von 5000 Kilowatt und mehr zu übernehmen. Als zur wirtschaftlichen Einhell der Elektrizitätswerke gehörig sollen aber nur solche Anlagen und Einrichtungen gelten, die zum Betriebe eines Kraftwerkes notwendig sind. Bet gemischt- wirtschajtlichen Unternehmungen hat das Reich das Recht, die Beteiligung von Privaten an diesen Unter, nehmungen zu übernehmen. Die Entschädigung besteht in den Gestehungskosten unter Berücksichti­gung der eingetretenen Wertoerminderung.

Endlich beschloß der Ausschuß eine Schuh» beftimmung für Arbeiter und Ange. Stellte. Danach sollen mehr als ein Jahr bei einer »er durch das Reich übernommenen oder aus sein Der» langen gemäß § 7 des Gesetzes in die Gesellschaft ein. gebrachten Einlagen beschäftigt gewesenen Arbeiter und Angestellten, dienachgermesenermaßen infolge dieses Gesetzes innerhalb der nächsten 2 Iayre nach seinem Inkrafttreten entweder vorübergehend oder bauernb, arbeitslos werden, ohne anderweit eine ent­sprechende Beschäftigung zu finden oder wegen eines durch dieses Gesetz notwendig gewordenen Berufs­wechsels oder durch die Einschränkung des Betriebes geschädigt werden, Unter st ützungen bis z u einem Jahre aus der Reichskajse erhalten. Ferner sollen zur eratenben Mitwirkung K den Angelegenhellen der Reichs-Elekrizitätswirtsä^,:. von der Reichsregierung zu errichtenden Beiräten neben Vertretern des Reichstages und Reichsrates auch Ver< tretet der Arbeiter und Angestellten angehören.

Der Streit in Berlin.

Berlin, 17. Okt. (Priv-Tel) DieB. I.* meldet: Die Mehrzahl der Neuköllner Gasarbeiter nahm die Arbeit wieder auf. Sämtliche Ser» liner Elektrizitätswerke arbeiten gleichfalls Man hat den Eindruck, daß die Mehrzahl der Elektrizttäts- arbeitet dem Streik abgeneigt ift

Berlin, 17. Dkt (Wolff.) 3m Metall' arbeitet streik stimmten beide Parteien zu, daß die bevorstehende Entscheidung des neuen Schlichtungs­ausschusses für sie bindende Kraft haben soll.

Die städttschen Arbeiter erklärten sich bereit, die Arbell noch im Laufe des heutigen Tages wieder aufzunehmeit. Ebenso werden die städttschen Bureau» Hilfskräfte ihre Tätigkeit voraussichtlich morgen wieder beginnen.

Berlin, 17. Oktober. (Prio^Tel) Nach dev Dossischeu 3tg. wurde von der Arbeiterschaft der Femkraftwerke: bei Bitterfeld, die einen großen Teil Berlins mit Strom versorgen, die Fernleitung nach Berlin gesperrt. Infolge dielet Ab­schneidung der Strornzufuhr wurden in Berlin Ein­schränkungen bei der Stromentnahme angeordnet. So mußten einzelne Fernspreckämter den Privatfernsptech- vetkehr einfteUeiu Auch die Einschränkung de? Straßenbahnbetriebes erscheint unvermeidlich.

Berlin, 17. Dkt (WTB.) Der 5 t r e i k t n der Metallindustrie ist beigelegt Die in der Sitzung am 16. Oktober im Reichsarbeits­ministerium unter Vorsitz des Geheimrats Sitzler auf/ gestellte Verhandlungsgrundlage wurde von dem Ver­band der Metallindusttiellen und dem Metallarbeller­verband innerhalb der gestellten Frist angenommen. Das Schiedsgericht, oem auch im beiderseitigen Ein< Verständnis die enögültige Regelung der Streitpunkte übertragen ist, wird noch am 18. Oktober vormittags im Reichsarbeitsministerium zusammengesetzt werden.

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(Ein Verbot NoSkeS.

Berlin 17. Okt (Wolff.) Das Oberkommando N o s k e verbietet in einer Verordnung an die Be­völkerung Grdß°Berlins auf Grund der Belm gerungszu st ander jedwede wettere Betätigung durch Wort, Schrift oder andere Maßnahmen, bi« bar auf gerichtet sind, lebeuswichtigeBetrieb« zur Stillegung zu bringen, insbesondere Zerstörungen ober Schäbigungen von Betriebsanlagen und Lei­tungen. Als lebenswichtige Betriebe im Sinne be< Berorbnung sind anzusehen: Alle Anlagen zur (En zeugung und Lieferung von Gas, Waffer und Elektti- zllat, sowie die öffentücheu Verkehrsmittel.

Aus dem Reiche.

Kartoffellieseruugen.

Berlin, 17. Okt (Wolff.) Wie das WTB Höri, find mit Polen und Dänemark Verträge über die Lieferung von Kartoffeln an uns ab geschlossen worden.

Ein Strasanttag Erzbergers.

Berlin, 18. Okt Der Reichsfinanzminister Erz- berger hat gegen dieDeutsche Zeitung*, wie das Blatt mitteilt, bei der Staatsanwaltschaft einen Strafantrag gestellt. Es handelt sich um einen Artikel des Blattes, in dem behauptet wurde, die Bezahlung des Sühnegeldes des ermordeten fr an, zösischen Sergeanten Manheim durch eine un­bekannte Persönlichkeit sei eine Lüge. Der für den Artikel verantwortliche Redakteur hat bei der Ver­nehmung dem Staatsanwalt die Erklärung abgegeben, daß er den Beweis für seine Behauptung an treten werde. .

Ein Streik in Königsberg.

Königsberg, 17. Okt. (Wolff.) Die kauf­männischen Angestellten beschlossen, am 17. 0k. tober mordens in den Ausstand zu treten.

Eine Hamburger Messe?

Hamburg, 18.Okt. (WTB.) Der von hiesigen Kaufmannskreisen aufgenommene Gedanke einer Hamburger Außenhandelsmesse macht Fort­schritte. Ein Ausschuß für die Vorarbeiten und das Programm wird vorbereitet.